Archiv für Januar 2010

Bestellt und nicht abgeholt

Rezension

Von Andreas Kemper

Tellerwäscher_innen kennen das Problem: manchmal kommen volle Teller mit dem Essen zurück. Sie wurden bestellt, aber nicht angenommen und das gute Essen landet im Müll. Diese Arbeitsverschwendung gibt es auch in anderen Bereichen. So werden die Kompetenzen und Leistungen von „Arbeiterkindern“ im Bildungssystem zu wenig anerkannt. „Bestellt und nicht abgeholt“ ist die Doktorarbeit von Lars Schmitt zum Thema „Soziale Ungleichheit und Habitus-Struktur-Konflikte im Studium“. (mehr…)

Resonanz auf The Dishwasher

Der Dishwasher ist in den ersten zehn Tagen seit seinem Erscheinen bereits auf viel mediale Aufmerksamkeit gestoßen. In der letzten Woche gab es einen Beitrag in der Frankfurter Rundschau und verschiedenen Blogs, gestern sendete Radio Q einen Beitrag und nachdem die Tageszeitung „Neues Deutschland“ bereits letzte Woche mehrfach berichtete, gab es heute einen längeren Artikel. Auch aus Österreich, Spanien und den Vereinigten Staaten erhielten wir positive Reaktionen und Anfragen, ob wir mehr über unser Projekt berichten können. Wir erhoffen uns von einer Pressemitteilung ein weiteres Medienecho.

Termin: Thesen zur Klassengesellschaft und Abendessen

Mittwoch, 03.02.10 Das Thema: Mittlerweile ist nahezu unbestritten, dass wir in einer Klassengesellschaft leben. Aber was sind Klassen? Ist Klassenherrschaft vor allem ökonomisch definiert wie bei Marx oder hat sie etwas mit dem „sozialen Habitus“ zu tun, wie Bourdieu analysiert? Oder lassen sich die Konzepte miteinander verbinden? (mehr…)

Diskriminierende Diskriminierungsforschung

von Andreas Kemper

Seit der Verabschiedung der europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien und der Etablierung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes wird die Vielfalt von Diskriminierungen zunehmend auf die „geschützten“ Diskriminierungsformen reduziert. Es finden sich nicht nur in Lexika deskriptive Formulierungen wie „Diskriminierung sind Benachteiligungen aufgrund von …“ mit einer Auflistung der wenigen Diskriminierungsformen, die im Allgmeinen Gleichbehandlungsgesetz formuliert sind. Schwerer wiegt, dass zunehmend Studien zur Diskriminierung ebenfalls systematisch klassenspezifische Diskriminierungsgründe wie „Soziale Herkunft“ und „Vermögen“ ausblenden. (mehr…)

Dishwasher No 1 ist erschienen

Hier geht es zum Inhaltsverzeichnis.

Der Klassenkampf der reichen Eltern in Hamburg

von Andreas Kemper

Die Hamburger Schulreform

Seit einigen Wochen proben die Eltern aus den reichen Stadtvierteln Hamburgs den Aufstand. Sie wollen eine Schulreform durch einen Volksentscheid verhindern.

Mit der schwarz-grünen Regierung sollen in Hamburg die vierjährige Grundschule und die daran anschließenden Hauptschulen, Realschule und Gymnasien ersetzt werden durch eine sechsjährige Primarschulen und daran anschließende Stadtteilschulen bzw. Gymnasien. Die Stadtteilschulen gehen bis zur zehnten Klasse, hieran anschließend kann man eine dreijährige Oberstufe besuchen, die zur Allgemeinen Hochschulreife führt. Die Gymnasien sollen schon nach der zwölften Klasse zum Abitur führen. (mehr…)

Stipendien: Elitenreproduktion statt Leistungsförderung

von Olaf Götze

Das deutsche Stipendiensystem trägt zur sozialen Selektion bei, und nicht zu deren Überwindung

Der Radsport hat uns gezeigt, was niemand offen aussprechen wollte, aber alle bereits wussten: Nachdem der Verein teuer verkauft wurde und alle Sportler nur noch mit dicken Werbebanner durch die Gegend fuhren, ist nun auch klar: Nur wer gedopt war, schaffte es auch auf das Siegertreppchen.

Es ist bezeichnend für die Leistungsförderung in deutschen Landen. Nicht in der Breitenförderung sieht man den Gewinn, sondern in der Produktion eine kleinen Elite. Das gilt auch für das deutsche Stipendiensystem. Und tatsächlich, auch die Forschungselite ist gedopt. Wie ist es sonst möglich, dass Frauen und Studierende aus bildungsfernen Schichten deutlich seltener ein Stipendium erhalten als andere? (mehr…)

Soziale Selektion: Vergabe von HiWi-Stellen erfolgt oft nicht nach akademischen Kriterien

von Olaf Götze

An eine studentische Hilfskraftstelle oder die Stelle als TutorIn ist meist nicht so einfach heranzukommen. Oft sind diese nur unzureichend ausgeschrieben und viele ProfessorInnen vergeben die Stellen nach eigenen Vorlieben. Manchmal werden sie sogar nur auf Ansprache durch den Professor bzw. die Professorin verteilt. Diese Praxis hat negative Auswirkungen, wie bereits 2005 eine Untersuchung an der Universität Marburg ergab. Demnach ist es für Studierende aus AkademikerInnenfamilien wesentlich leichter, eine Stelle zu erhalten. Dagegen gelangt nur ein sehr geringer Anteil der Studierenden aus niedrigen sozialen Schichten an die begehrten Studi-Jobs. Ist soziale Selektion also auch ein Thema für die Hochschule? Offensichtlich kann das Problem nicht allein auf die Schulen abgeschoben werden. (mehr…)

Einige Reflexionen zur sozialen Selektion im Hochschulbildungssystem und zur Lage der Bildungspolitik

von Tobias Fabinger

Die soziale Selektivität des deutschen Schulsystems ist in den letzten Jahren oft und ausführlich diskutiert worden. War es in den 50ger Jahren das „katholische Arbeitermädchen vom Lande“, welches als Sinnbild der Benachteiligung fungierte, so ist es heute, im Jahre 2009 der „Jugendliche mit Migrationsgeschichte aus dem benachteiligten Stadtteil“. Der PISA-Schock eröffnete die Debatte, die bis dahin für fast zwei Jahrzehnte geruht hatte und eher ein Feld für Spezialisten war. Zuletzt versuchten die in der SPD aufgegangen 68ger das Hochschulbildungssystem auch für Arbeiterkinder und andere bislang der akademischen Bildung ferne Schichten in den 70ger Jahren zu öffnen. Eine bislang nicht wieder erreichte lobenswerte und optimistische Reformpolitik, die zum Teil Erfolge in Sachen Bildungsbeteiligung von Arbeiterkindern zeitigte. (mehr…)

Bildungspolitik: Jede Woche eine Watsche!

von Andreas Kemper

Die Verantwortlichen für die Klassendiskriminierung in Deutschland werden im Wochenturnus abgewatscht. Abgewatscht durch internationale Studien der OECD, durch Auftragsstudien, deren Ergebnisse nicht so sein sollten wie sie sind und gedeckelt und zurückgehalten werden, durch kleinere Studien wie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und durch Masterarbeiten, die ganz neue Diskriminierungsaspekte herausarbeiten. Würde man diese Studien als Ohrfeigen visualisieren und im Zeitraffer ablaufen lassen, dann fände man sich in einem Terence Hill/ Bud Spencer – Western wieder. (mehr…)

Proletarische Elternräte

In der Weimarer Republik existierten „Proletarische Elternräte“, die sich für eine arbeiterkinderfreundliche Schulpolitik einsetzten. 1920 wurden in den „Leitsätze für die Arbeit in den Elternbeiräten“ sechs Forderungen aufgestellt: (mehr…)

Bewegtes Engagement: Elternpartizipation in der Schule

von Heike Weinbach

Die Definition davon, wer als „erziehungsberechtigt“ gilt, zeigt sich im Jahr 2009 als ein plurales Feld, dennoch wird in der Wahrnehmung und den kulturellen Konstruktionen (z.B. in den Medien) der Gesellschaft häufig noch ein Bild konstruiert, das auch schon vor einer Pluralisierung der Lebensformen seit den 1970er Jahren nicht zutreffend war: Eltern, das bedeute: erstens Mutter, zweitens Mutter und Vater, drittens beide in jüngerem Lebensalter. Der Realität, nämlich einer Pluralisierung und Vervielfältigung von Lebensformen tragen mittlerweile Gesetze ebenso Rechnung wie wissenschaftliche Studien, Beratungsangebote etc. (mehr…)

Klassenreproduktion bei Marx

von Andreas Kemper

Manchmal lohnt es sich, die Bibliothek im „Referat für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende“ im AStA der Uni Münster zu durchwühlen. So fand ich dort den frisch gekauften Band „Über Marx hinaus“ von Marc van der Linden und Karl Heinz Roth. Die Aufsätze sind durch die Bank spannend. Auf eine These eines Artikels möchte ich hier speziell eingehen. Sie handelt von der Reproduktion der sozialen Schichten nach Karl Marx. (mehr…)

Interview mit Rainer Hufnagel-Person zur Kinderlosigkeit von Akademikerinnen

Interviewer: Andreas Kemper

I: Herr Hufnagel-Person, sie haben im März 2008 eine Studie herausgegeben, die für Schlagzeilen sorgte: „Predicting Birth-Rates Through German Micro-Census Data. A Comparison of Probit and Boolean Regression“…

R.H.: Oh, sie dürfen diese Studie nicht verwechseln mit meinem Aufsatz „Kinderwunsch und Partnerwahl in Deutschland” in der Zeitschrift „Hauswirtschaft und Wissenschaft“. Bei ersterem ging es um eine Methodendiskussion. Mit dem Aufsatz in „Hauswirtschaft und Wissenschaft“ versuchte ich auf der Grundlage meiner Untersuchungen, eine politische Diskussion anzuschieben. (mehr…)

Elterngeld: Eine sozialeugenische Maßnahme?

von Andreas Kemper

Die Demografie-Debatte von 2005

2005 wurde „entdeckt“, dass Deutschland ausstirbt. Und als wäre dies nicht schon schlimm genug, wurde in einer breiten Debatte konstatiert, dass „in Deutschland die falschen die Kinder bekommen“ (FDP-Bundestagsabgeordneter Daniel Bahr aus Münster). Tatsächlich ging die Debatte los, bevor es irgendwelche demografischen Zahlen gab. (mehr…)




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