Klassenreproduktion bei Marx

von Andreas Kemper

Manchmal lohnt es sich, die Bibliothek im „Referat für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende“ im AStA der Uni Münster zu durchwühlen. So fand ich dort den frisch gekauften Band „Über Marx hinaus“ von Marc van der Linden und Karl Heinz Roth. Die Aufsätze sind durch die Bank spannend. Auf eine These eines Artikels möchte ich hier speziell eingehen. Sie handelt von der Reproduktion der sozialen Schichten nach Karl Marx.

Thomas Kuczynski vertritt in seinem Aufsatz „Was wird auf dem Arbeitsmarkt verkauft?“ die These, dass Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt nicht verkauft, sondern nur vermietet wird. Spannender noch als die These fand ich seine Bemerkungen zur sozialen Reproduktion der Arbeitskraft: Der unterschiedliche Lohn ergebe sich aus dem Auftrag, über die Sozialisation der eigenen Kinder die Arbeitskraft zu reproduzieren. Neben der Aufteilung der Menschen in die proletarische Klasse derjenigen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen und der Klasse derjenigen, die über Kapital an Produktionsmitteln verfügen, wird ein weiterer „klassenähnlicher“ Begriff eingeführt. Kuczynski bietet an, von „sozialer Schicht“ zu sprechen. Tatsächlich benutzt Marx an den entsprechenden Stellen aber den Terminus „Race“:

„Der Eigentümer der Arbeitskraft ist sterblich. Soll also seine Erscheinung auf dem Markt eine kontinuierliche sein, wie die kontinuierliche Verwandlung von Geld in Kapital voraussetzt, so muß der Verkäufer der Arbeitskraft sich verewigen, ‚wie jedes lebendige Individuum sich verewigt, durch Fortpflanzung‘. Die durch Abnutzung und Tod dem Markt entzogene Arbeitskräfte müssen zum allermindesten durch eine gleiche Zahl neuer Arbeitskräfte beständig ersetzt werden. Die Summe der zur Produktion der Arbeitskraft notwendigen Lebensmittel schließt also die Lebensmittel der Ersatzmänner ein, d.h. der Kinder der Arbeiter, so daß sich diese Race eigentümlicher Warenbesitzer auf dem Warenmarkte verewigt.“ (MEW 23, S. 187)

Während hier nur von den Lebensmitteln für die Kinder der Arbeiter gesprochen wird und weder „Arbeiter“ differenziert wird (sind mit „Arbeiter“ nur FabrikarbeiterInnen gemeint oder auch beispielsweise LehrerInnen?) noch von Bildungskosten die Rede ist, zieht Kuczynski zwei weitere Zitate aus dem Kommunistischen Manifest heran, um seine These zu belegen, dass der unterschiedliche Lohn sich aus dem Auftrag der sozialen Vererbung des Arbeitsvermögen ergebe:

„Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwürdigen und mit frommer Schau betrachteten Tätigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Artz, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt.“ (MEW 4, S. 465)

Gegenüber diesen Lohnarbeitern benötigt der Fabrikarbeiter, die Fabrikarbeiterin, kaum Kosten:

Der Arbeiter „wird ein bloßes Zubehör der Maschine, von dem nur der einfachste, eintönigste, am leichtesten erlernbare Handgriff verlangt wird. Die Kosten, die der Arbeiter verursacht, beschränken sich daher fast nur auf die Lebensmittel, die er zu seinem Unterhalt und zur Fortpflanzung seiner Race bedarf.“ (MEW 4, S. 469)

Mit dem Lohn wird die Sozialisation der Kinder der ArbeiterInnen mitbezahlt – da diese unterschiedlich ist, ist auch der Lohn unterschiedlich hoch. „Gerade bei der Reproduktion der höher qualifizierten Arbeitskräfte, der Intellektuellen, Manager usw. spielt die gesamte Sozialisation der Heranwachsenden eine große Rolle. Die aber kostet durchaus, ebenso das kulturelle Umfeld usw.“ (Kuczynski 376) Kuczynski interpretiert Marx nun in der Weise, dass der Unternehmer nicht nur die unmittelbare, sondern auch die mittelbare Reproduktion des Arbeitsvermögens seiner Arbeiter bezahlt:

„Obgleich also das Arbeitsvermögen, sofern es zur Wirkung gelangt, einerseits unmittelbar, nämlich während des Produktionsprozesses und im produzierenden Individuum selbst reproduziert wird, bedarf es andererseits zu seiner ‚Verewigung‘ ebenso der Reproduktion außerhalb des unmittelbaren Produktionsprozesses. Die für diese – nicht mehr auf das Individuum, sondern auf seine soziale Schicht bezogene – Reproduktion notwendige Arbeitszeit bestimmt zu einem beträchtlichen Teil den Reproduktionswert der Ware Arbeitskraft.“ (Kuczynski 376f.)

Zuständigkeit für die mittelbare Reproduktion: Staat oder Familie?

Nach Louis Althusser ist der Staat mit seinen Ideologischen Staatsapparaten (ISA) für die mittelbare Reproduktion der Arbeitskraft zuständig. Ideologische Staatsapparate wie die Kirche und vor allem die Schule garantieren, dass dem Arbeitsmarkt immer die angeforderten Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Kuczynski sieht diese Aufgabe hingegen stärker bei den Familien. Wahrscheinlich würde Althusser ebenso zugestehen, dass der Familie eine Reproduktionsaufgabe zukommt, wie Kuczynski dies für (Aus-)Bildungsinstitutionen einräumt. Aber hier scheint eine unterschiedliche Wertung vorzuliegen, wer hauptsächlich für die mittelbare Reproduktion der Arbeitskraft zuständig ist. Gekoppelt an diese Frage ist die Beurteilung, ob dem Kapitalismus eine quasi ständische Reproduktion inhärent ist oder ob der Kapitalismus sich prinzipiell neutral zur sozialen Herkunft verhält.Die Zitate von Karl Marx, die Kuczynski heranführt, in denen er von der „Verewigung“ und „Fortpflanzung“ der „Race“ der FabrikarbeiterInnen spricht, scheinen es zu legitimieren, von einem dem Kapitalismus notwendig inhärenten „Klassenrassismus“ (Pierre Bourdieu) zu sprechen. Das Elterngeld, welches wohlhabende Eltern gegenüber arme Eltern bevorteilt, scheint dann tatsächlich eher mit dem Kapitalismus konform zu gehen, statt ihm zu widersprechen. Der Kapitalismus verhält sich dann auch nicht neutral und beurteilt Menschen einfach nur nach ihren Leistungen, sondern basiert auf den Bahnen der sozialen Vererbung und gesteht nur in Ausnahmefällen „Bildungsaufstiege“ zu. Ob dem aber wirklich so ist, dies wäre weiterhin zu überprüfen und zu diskutieren.

Literatur:

  • Thomas Kuczynski: Was wird auf dem Arbeitsmarkt verkauft?, in: Marcel van der Linden / Karl Heinz Roth (Hg.): Über Marx hinaus. Arbeitsgeschichte und Arbeitsbegriff in der Konfrontation mit den globalen Arbeitsverhältnissen des 21. Jahrhunderts, Berlin/Hamburg 2009: Assoziation A, S. 363 – 378
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    19 Antworten auf „Klassenreproduktion bei Marx“


    1. 1 Rosenkohl 23. Januar 2010 um 21:09 Uhr

      Hallo,

      ein sehr interessanter Beitrag, den ich durch Zugfall entdeckt habe.

      Wenn Kuczynski schreibt

      „Die für diese – nicht mehr auf das Individuum, sondern auf seine soziale Schicht bezogene – Reproduktion notwendige Arbeitszeit bestimmt zu einem beträchtlichen Teil den Reproduktionswert der Ware Arbeitskraft.“

      dann bedeutet dies auch, daß der Reproduktionswert der Ware Arbeitskraft für einfache Tätigkeiten sehr gering ist

      Thomas Kuczynski stammt meines Wissens aus einer Familie von Statistikern, bereits sein Großvater und Vater Jürgen haben die Entwicklung des Relativlohnes in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert untersucht. Heutzutage werden in Deutschland und den anderen westlichen Ländern hohe Facharbeiterlöhne gezahlt, und es existiert (immer noch) ein hochentwickeltes und kostenträchtiges wissenschaftliches und kulturelles Leben.

      Marx schreibt aber im ‚‘Kapital'‘ gleich im Anschluß an das obige Zitat

      „Um die allgemein menschliche Natur so zu modifizieren, daß sie Geschick und Fertigkeit in einem bestimmten Arbeitszweig erlangt, entwickelte und spezifische Arbeitskraft wird, bedarf es einer bestimmten Bildung oder Erziehung, welche ihrerseits eine größere oder geringere Summe von Warenäquivalenten kostet. Je nach dem mehr oder minder vermittelten Charakter der Arbeitskraft sind ihre Bildungskosten verschieden. Diese Erlernungskosten, verschwindend klein für die gewöhnliche Arbeitskraft, gehn also ein in den Umkreis der zu ihrer Produktion verausgabten Werte.“ (MEW 23, 186)

      Arbeit in der großen Masse besteht aus solchen „gewöhnlichen“ Tätigkeiten. Daher waren die Arbeitslöhne vor hundert Jahren in den westlichen Industriestaaten niedrig, während heute viele dieser „gewöhnlichen“ Tätigkeiten z.B in der Elektronik-, Textil- und Gebrauchsgegenständeindustrie in der dritten Welt ausgeführt werden.

      In Deiner Fragen

      „ob dem Kapitalismus eine quasi ständische Reproduktion inhärent ist oder ob der Kapitalismus sich prinzipiell neutral zur sozialen Herkunft verhält.“

      verstehe ich den Begriff „Kapitalismus“ im Sinne einer Gesamtgesellschaft mit kapitalistischer Produktionsweise. Außerhalb der kapitalistischen Produktion besteht also noch Familie, Zivilgesellschaft und Staat. Die Reproduktion findet ja im Wesentlichen außerhalb der unmittelbaren Produktion statt, wobei allerdings von den Individuen bestimmte Waren als Lebensmittel verkonsumiert werden. Ob die Reproduktion nun auf „ständische“ oder eine andere Weise organisiert ist, das ist für den Zustand der Gesellschaft entscheidend, aber für die kapitalistische Produktion zunächst gleichgültig. Die soziale Herkunft eines Individuums besteht im Bereich der kapitalistischen Produktion ja gerade aus der Höhe des Eigentums dieses Individuums an Kapital, also der Klassenzugehörigkeit.

      Nicht das Kapital, sondern der Staat verhält sich neutral zur sozialen Herkunft, aber eben nur prinzipiell, jedoch nicht praktisch neutral. Rassismus verstehe ich als eine Reaktion auf Produktionskrisen (ich wiederhole jetzt in etwa meine Argumentation aus dem Unrast-Blog mit Herr Andrax). Würde der Kapitalismus sein Versprechen vom „Ende der Geschichte“ halten und krisenfrei „rund“ laufen, so bräuchte es keinen Rassismus geben, und die Leute könnten gemäß ihrer individuellen Arbeitsleistung aufsteigen, oder würden sich auf zivilgesellschaftlicher Ebene klassenübergreifend miteinader verheiraten und reproduzieren. Solche individuellen Fälle kommen im Kapitalismus ja auch regelmäßig vor, aber eben nur sehr selten, weil die kapitalistische Produktionsweise krisenhaft angelegt ist.

      In kapitalistischen Produktionskrisen kommt es zu rassistischen konformistischen Rebellionen, z.B. durch arbeitslose Jugendliche. Der Staat tritt dann als Krisenmanager auf, und integriert die Rebellen. Obwhol der Staat prinzipiell neutral bleibt, gibt er im konkreten Einzelfall den Rassisten nach.

      Man kann also den modernen Rassismus m.E. nicht in prinzipieller Allgemeinheit als ein Prinzip des Kapitals selbst erklären, sondern nur über die Vermittlung durch den Staat in praktischen Einzelfällen.

      Gruß

    2. 2 anmerkung 06. Februar 2010 um 1:26 Uhr

      Der unterschiedliche Lohn ergebe sich aus dem Auftrag, über die Sozialisation der eigenen Kinder die Arbeitskraft zu reproduzieren.

      und von wem erhält der/die kapitalist/in diesen „auftrag“? ich hab ja den schweren verdacht, dass es meinem chef am arsch vorbei geht, ob ich mir überhaupt kinder leisten kann. wie man an den – ja, sehr oft und wieder zunehmend klassenrassistischen – STAATSeingriffen (kindergeld und was weiß ich) erkennen kann, ist das gerade etwas, was man dem markt – und damit den kapitalist/innen – nicht überlassen werden kann.
      ist ja auch bekannt ausm manchester-kapitalismus: ohne gesetzliche regelungen – deren sinn und zweck im übrigen einzig und alleine ist, den kapitalismus auf eine solide grundlage (im dem fall: menschenmaterial-grundlage) zu stellen, auf dass er lang lebe - geht das ganze schnell den bach runter, weil die arbeiter/innen und mit ihnen auch ihre kinder(arbeiter/innen) verrecken. kapitalist/innen erfüllen ganz offensichtlich keinen „auftrag“. für kapitalist/innen gilt: es soll geld zu mehr geld werden möglichst schnell, und ob da dann kinder bei den arbeiter/innen rausschauen ist egal. – der staat müsste sonst als über den widersprüchen stehende und diese verwaltende und damit auf dauerhafte grundlage stellende gewalt ja nicht eingreifen.

      genau das ist damit bezeichnet:

      Soll also seine Erscheinung auf dem Markt eine kontinuierliche sein, wie die kontinuierliche Verwandlung von Geld in Kapital voraussetzt, so muß der Verkäufer der Arbeitskraft sich verewigen, „wie jedes lebendige Individuum sich verewigt, durch Fortpflanzung“.

      die rede ist eben: nicht mehr auf das Individuum, sondern auf seine soziale Schicht bezogene. [wieso soziale schicht?]
      - um die dauerhafte erscheinung lohnabhängiger kümmert sich der staat.

      wie dir vielleicht auch schon aufgefallen ist, ist auch das bildungssystem großteils staatlich. weil auch hier kapitalist/inne drauf scheissen, ob eine/r lesen kann – solange der/die arbeiter/in nur brav am fließband steht, also brav den reichtum des chefs vermehrt.
      wenn doch mal die qualifikation von arbeitskräften bemängelt wird, wird in der regel eine öffentliche investition von kapitalistenseite gefordert (also gefordert, dass die allgemeinheit, die nunmal mehrheitlich auch ausgebeuteten arbeiter/innen besteht, das zahlt). kapitalist/innen sind nur in ausnahmefälle bereit, da was hinzulegen – wenn sie sonst in der konkurrenz untergehen. daher zahlen sie auch von konkurrenten begehrten arbeitskräften mit spezialwissen auch viel lohn.

      kein/e kapitalist/in der welt schert sich drum, ob die kinder der ausgebeuteten die chance auf ne förderstunde haben. – der staat allerdings, der kümmert sich da drum. aber nicht, weil er es sonderlich gut meint. im gegenteil: die ganze bildungsproduktion ist ja eine einzige aufbereitungsstätte für gut ausbeutbares menschenmaterial. weil immer auch niedriglöhner/innen gebraucht werden, werden viele kinder früher gekickt (nur deshalb gibt es noten). – na klar schlägt sich da der familiäre hintergrund durch in der welt der eigentümer/innen. was auch sonst? so ist das eben, wenn man sozial ungleiches GLEICHBEHANDELT. ne chance hat eh jede/r. aber wie realistisch ist denn, dass man sie erfolgreich ergreifen kann? und: kann JEDER die chance erfolgreich ergreifen? nö. irgendjemand landet immer im dreck.

      intellektuelle kriegen unter zwei umständen mehr lohn als andere:
      a.) ihr wissen ist gut zu gebrauchen um aus geld mehr geld zu machen
      b.) es gibt nicht allzu viele andere, die über das wissen verfügen

      sobald entweder eine maschine (konkurrenz #1) das wissen ersetzen kann oder viele andere auch über das wissen verfügen, so dass sich „übersättigung“ einstellt (konkurrenz #2: alle anderen arbeiter/innen), ist das wissen des intellektuellen wertlos. dann nützt dem auch sein bildungsbürgerlicher habitus nichts mehr – er kriegt dann nämlich hartz4.
      wenn man aus einem sehr sehr reichen hause stammt, überlebt man das – studiert zB nochmal was oder liegt auf der faulen haut rum.
      wenn man aus der „unterschicht“ oder aber auch „mittelschicht“ (die ja allzu oft soooo reich nicht ist, da kennt das geld auch seine grenzen) stammt, geht das eben sehr unangenehm aus – eine ganze horde arbeitsloser akademiker/innen / intellektueller spricht bände. ob die sich kinder leisten können, interessiert auch keine/n kapitalisten/in – aber, richtig, den staat. weil der klassenrassistische staat die meinung vertritt, dass akademiker/inen qualitativ hochwertigeren nachwuchs produzieren. obwohl: bei so arbeitslosem akademikerpack kann man das auch nicht so genau wissen, denn man weiß ja: die wollen nur nicht, denn bekanntlich ist auch ein weg, wo ein wille. wahrscheinlich ist an den arbeitslosen akademiker/innen auch was „faul“.
      - daran an schließt dann die politische und publizistische debatte darüber, wie sich bildungslandschaft und co gestalten sollte, wer unterstützt werden sollte und wer nicht, welche orchideenfächer weg müssen, weil da nur arbeitslose produziert werden etc.

      Gekoppelt an diese Frage ist die Beurteilung, ob dem Kapitalismus eine quasi ständische Reproduktion inhärent ist oder ob der Kapitalismus sich prinzipiell neutral zur sozialen Herkunft verhält.

      der kapitalismus verhält sich neutral – gleichbehandlung.
      kapitalismus = freiheit & gleichheit.
      allerdings: was kommt raus, wenn man sozial ungleiches gleichbehandelt? eben.

      Das Elterngeld, welches wohlhabende Eltern gegenüber arme Eltern bevorteilt, scheint dann tatsächlich eher mit dem Kapitalismus konform zu gehen, statt ihm zu widersprechen.

      quatsch. oder wie erklärst du dir die oecd-studien, in denen beklagt wird, dass die deutsche politik den wirtschaftsstandort versaut?

      das kindergeld widerspricht dem kapitalismus aber trotzdem nicht (auch die oecd-studien tun das nicht). es ist lediglich ausdruck einer entscheidung der deutschen politik, den arbeitskräftenachschub auf ne bestimmte art und weise zu regeln.
      bekanntermaßen existieren auch in ländern, in denen es sowas nicht gibt, armut und ne arbeiterschicht, der oft bildung verschlossen ist. auch in ländern, die angeblich „egalitärer“ sind, existieren armut und ne arbeiterklasse, der sehr oft bildung verschlossen ist, wenn auch weniger oft verschlossen. allerdings an armut ändert das nichts: wenn alle über wissen verfügen, ist es in der konkurrenz eben weniger wert. sieht man ja gut daran, dass früher leute, die emailprogramme bedienen konnten besser entlohnt wurden, weil das damals noch spezialwissen war – heute isses isses kein spezialwissen mehr und wird daher nicht meht besonders entlohnt.

      ps: wieso soziale schichten, bitteschön?

    3. 3 Andreas 06. Februar 2010 um 3:25 Uhr

      Hi Rosenkohl. hi Anmerkung

      Ich finde Eure Anmerkungen sehr wichtig. So wichtig, dass ich mir Zeit nehmen möchte, darauf zu antworten.

      Zu „Anmerkung“ nur ganz kurz: der Auftrag, Kinder für den gleichen Job zu erziehen, den man selber hat, der richtete sich nicht an Kapitalist_innen (vielleicht gibt es den dort auch, sehr wahrscheinlich sogar), sondern an die Rechtsanwält_innen, Professor_innen, Akademiker_innen etc. die jetzt in Hamburg und Berlin (und vielleicht auch bald in NRW) einen Aufstand gegen die Schulpolitik des Staates (bzw. der Kommunen) machen. Dieser Auftrag wird natürlich nicht individuell vom Chef an den Ingenieur vergeben, sondern richtet sich an die Ingenieure insgesamt.
      Und von „soziale Schichten“ spricht Karl Marx. Er nennt es die „Rasse“ / „Race“ der Fabrikarbeiter gegenüber die der Akademiker, die eben keine Kapitaleigner sind. Der Begriff „Rasse“ war zu Zeiten der ersten Abfassung, in die dieser Begriff bei Marx auftaucht, noch nicht in der Weise besetzt wie er es heute ist. Eine „Übersetzung“ des marxschen Fabrikarbeiter-“Rasse“ mit Fabrikarbeiter-Schicht oder Fabrikarbeiter-Milieu bietet sich an. Okay, es ist 3:25 nachts, eine ausführliche Antwort mache ich zu einem ausgeruhterem Zeitpunkt.

      Andreas

    4. 4 anmerkung 06. Februar 2010 um 4:41 Uhr

      Und von „soziale Schichten“ spricht Karl Marx.

      ne, marx spricht von ZWEI KLASSEN. und die sind EINDEUTIG definiert – verfügen sie als eigentümer/innen über genug geld, um es als kapital einzusetzen, indem sie sich produktionsmittel anschaffen und arbeitskräfte einkaufen, um diese ihren reichtum vermehren zu lassen, oder nicht? – und nicht irgendwie wischiwaschi nach einstellung oder lebensstil oder so n milieu-zeugs. das wischiwaschi ist soziologie, und das ist ne leider nur zu oft in bürgerlicher ideologie verhaftete wissenschaft, die mehr verhüllt als erklärt. mit marx hat sowas nichts zu schaffen.

      akademiker/innen sind mehrheitlich auch lohnabhängige (verfügen also über nicht genügend geld, um es als kapital einzusetzen, sondern verfügen nur über sich selbst, also ihre arbeitskraft, die sie dann entsprechend zu markte tragen müssen). fertig. auch akademiker/innen sind lohnabhängig, müssen sich in der konkurrenz halten, also bewähren, und müssen andauernd ihren lohn einteilen, der zwar nicht so niedrig ist wie der lohn des niedriglöhners – aber knapp genug: die sind doch nicht reich oder super dran, nur weil es leute gibt, die noch beschissener dran sind.
      statt hier immer so ne trennung aufzumachen, wär‘ ich stark dafür, sich mal die gemeinsamkeit anzuschauen: sowohl nicht-akademische (hand)arbeiter/innen als auch akademische (kopf)arbeiter/innen sind davon abhängig, dass sie ne lohnarbeit kriegen – und die kriegen sie nur, wenn sich aus ihrer ausbeutung so viel als möglich rausschlagen lässt.
      leider herrschen auf beiden seiten vorurteile. man muss eben hier wie da aufklären.

      du kannst die trennung aber weiterhin auch pflegen – dann schreib aber bitte nicht marx drunter, ok?

    5. 5 anmerkung 06. Februar 2010 um 4:47 Uhr

      Der Eigentümer der Arbeitskraft ist sterblich.

      Race eigentümlicher Warenbesitzer

      ^^ es sollte eigentlich schon klar sein, dass mit „race“ ALLE lohnabhängigen bezeichnet sind (= „race“ jener, die eine sehr „eigentümliche ware“ anbieten: nämlich ihre arbeitskraft; siehe ne halbe seite zuvor: mew 23, 184). man muss schon soziologe sein durch und durch, um da bei nem „(fabrikarbeiter-)milieu“ zu landen, einer „race“, die angeblich ne ganz andere ist als zB die der ebenso lohnabhängigen akademiker/innen.

      das kapital schon mal gelesen? oder rezipierst du marx eher über zitierte und in nen falschen kontext gestellte schnipsel in soziologischen publikationen?

    6. 6 Andreas 06. Februar 2010 um 5:48 Uhr

      Hi Anmerkung, zu der fortgeschrittenen Zeit bin ich wie gesagt nicht in der Lage, deinen Beiträgen in einer gerechten Länge zu antworten. Daher an dieser Stelle wieder nur ganz kurz: Thomas Kuczynski in seinem Aufsatz: „Was wird auf dem Arbeitsmarkt verkauft“, zitiert nach dem Sammelband „Über Marx hinaus“ Seite 375: „wobei Race hier wohl mit sozialer Schicht übersetzt werden muss.“ Das ist insofern plausibel, als der / die A(e)rzt_in, Jurist_in, Pfa(e)ff_in, Poet_in, Wissenschaftler_in… individuell nicht mehr Lebensmittel benötigt als der/die Fabrikarbeiter_in. Seite 184 ist relativ uninteressant in der Frage, ob er hier wesentlich über Fabrikarbeiter redet oder genauso über Ärzte. Vielleicht ist der Hinweis auf den atlrömischen villicus spannend, der als Wirtschafter weniger Lebensmittel erhielt als die hart körperlich arbeitenden Sklaven. Interessanter ist die Passage unmittelbar nach dem Zitat, da Marx dort auf die Bildungskosten eingeht:

      „Je nach dem mehr oder minder vermittelten Charakter der Arbeitskraft sind ihre Bildungskosten verschieden. Diese Erlernungskosten, verschwindend klein für die gewöhnliche Arbeitskraft, gehn also ein in den Umkreis der zur ihrer Produktion verausgabten Werte“ (mew 23, 186)

      Mit „race“ meint er an dieser Stelle sehr wahrscheinlich die Inhaber der „gewöhnlichen Arbeitskraft“.

    7. 7 anmerkung 06. Februar 2010 um 6:38 Uhr

      Seite 184 ist relativ uninteressant in der Frage

      nein, ist es nicht, denn auf den seiten 184-186 findet sich bei marx (mew 23) genau diese stelle. hmpf. was sich auf der seite 375 diese soziologen-buches findet, das wohl über marx hinausgeht, indem es ihn unverstanden in den müll kippt (bzw. einfach mal einen BEFEHL ERTEILT: „wobei Race hier wohl mit sozialer Schicht übersetzt werden muss“), interessiert mich nicht. sorry.

      und auf diesen seiten geht es zunächst prinzipiell um die „race eigentümlicher warenbesitzer“, wobei die ware deshalb eigentümlich ist, weil es sich um was handelt? – um ihre arbeitskraft! das wird auf s. 184 eindeutig klargestellt. es geht nicht um absurde soziologenmilieus.

      dass bildung was kostet – steht da auch –, ist klar. nur: was willste denn da rausziehen? ne theorie a la die akademiker/innen haben sich mit den kapitalist/innen gegen die arbeiter/innen-“race“ verschworen und üben sich nun im absprechen bei der vergabe schöner pöstchen?

      wie saublöd, dass ich das nicht mitgekriegt hab!

    8. 8 anmerkung 06. Februar 2010 um 8:26 Uhr

      und ja: auch hi & guten morgen & so. :)

    9. 9 Apple 07. Februar 2010 um 13:53 Uhr

      Ich würde sagen, ‚Race‘ ist bei Marx eine polemische Bezeichnung für dem Umstand, dass die soziale Reproduktion der Arbeiterklasse zu seiner Zeit aber auch noch heute von den Ideologen der kapitalistischen Gesellschaft auf natürliche Ursachen zurückgeführt wird. Man kennt es ja auch in dem volkstümlichen Urteil: Wer es nicht zu Reichtum gebracht hat, muss halt faul oder von Natur aus dumm oder sonstwas sein. Dagegen hält Marx fest, dass die Reproduktion der Klasse darüber stattfindet, dass Lohnarbeiter gerade mal so viel verdienen, um sich als Klasse reproduzieren zu können, und eben nie so viel, dass sie ihr verdientes Geld selbst als Kapital einsetzen könnten. Sie und ihre Nachfahren sind in der Regel – wenn man mal von Lottogewinnen und ähnlichen Einzelfällen absieht – dazu vernagelt, Lohnarbeiter zu sein.

      Marx sagt den Ideologen seiner Zeit: Das was ihr als Race, also als eine von Natur aus faule oder unbegabte Schicht der Bevölkerung kennt, ist in Wahrheit das Ergebenis der Verwertung des Kapitals.

    10. 10 Andreas 07. Februar 2010 um 15:02 Uhr

      Hi Apple

      Ja, das sehe ich auch so. Der Begriff „Race“ wurde übrigens im deutschsprachigen philosophischen Kontext benutzt. Marx hat ihn also wahrscheinlich nicht – wie ich zuerst annahm – aus dem Englischen zitiert. Kant: Von der Verschiedenheit der Racen überhaupt.

      Es bleibt aber die Frage, ob er mit „Race“ auf die Reproduktion der Nicht-Kapitalbesitzenden allgemein oder auf die der Fabrikarbeiter_innen im Besonderen eingeht.

    11. 11 anmerkung 07. Februar 2010 um 16:58 Uhr

      Es bleibt aber die Frage, ob er mit „Race“ auf die Reproduktion der Nicht-Kapitalbesitzenden allgemein oder auf die der Fabrikarbeiter_innen im Besonderen eingeht.

      hi andreas,

      das ergibt sich aus dem kontext, den ich schon geschildert habe. es heißt ja „race EIGENTÜMLICHER WARENBESITZER“. und wer das ist, wird zuvor schon dargelegt. bei marx. --> alle lohnabhängigen.

    12. 12 Andreas 07. Februar 2010 um 22:45 Uhr

      hi anmerkung,

      marx benutzt den begriff race / rasse nicht nur an dieser einen stelle und auch dort finde ich ihn nicht eindeutig. es mag sein, dass er auf seite 184 grundlegend beschreibt, dass diejenigen, die kein kapital und keinen grundbesitz besitzen nur das bekommen, was sie zur individuellen reproduktion ihrer arbeitskraft benötigen und dass er hierbei implizit auch rechtsanwälte, ärzte, etc miteinbezieht. ob er sie aber auch in der formulierung „race eigentümlicher warenbesitzer“ mitmeint, ist nicht wirklich gesagt. zumindest richtete sich das sozialeugenische denken der zeit (welches heute ja wieder topaktuell ist) gegen die armen und nicht gegen ärzte, wissenschaftler, richter… wenn er also ironisch auf dem im race-begriff vorhandenen vererbungsbegriff anspielt (so hatte ich apple verstanden), dann wird er hier eher von der race der fabrikarbeiter, der armen arbeiter, als der race aller lohnabhängigen ausgegangen sein.

    13. 13 anmerkung 07. Februar 2010 um 23:20 Uhr

      hi andreas,

      apple redet aber eindeutig von ner KLASSE:

      Dagegen hält Marx fest, dass die Reproduktion der Klasse darüber stattfindet, dass Lohnarbeiter gerade mal so viel verdienen, um sich als Klasse reproduzieren zu können, und eben nie so viel, dass sie ihr verdientes Geld selbst als Kapital einsetzen könnten. Sie und ihre Nachfahren sind in der Regel – wenn man mal von Lottogewinnen und ähnlichen Einzelfällen absieht – dazu vernagelt, Lohnarbeiter zu sein.

      marx auch. hat ja ne kritik der politischen ökonomie geschrieben und kein sinus-milieu-soziologie-buch :)

    14. 14 anmerkung 07. Februar 2010 um 23:29 Uhr

      ich weiß auch nicht, was dein problem damit ist. was ist denn dein problem damit?
      - ja, dumme ideologisch verseuchte lohnabhängige akademiker/innen halten sich für was besseres. na und? das ist selbstverständlich zu kritisieren. aber: nur deswegen sind die doch nicht plötzlich nicht mehr lohnabhängig. als lohnabhängige fallen sie aber ganz klar rein in die klasse der proletarier/innen – sie werden auch ausgebeutet, allerdings in der regel so, dass es nicht ganz so weh tut. wenn sie glück haben und nicht überflüssig gemacht werden. es ist ja auch nicht so, dass alle akademiker/innen ein reines zuckerschlecken-leben führen würden und nicht an allen ecken und enden an probleme stoßen. kann man sich ja mal anschauen die uni-absolvent/innen, die in praktika ausgebeutet werden, die oftmals jahre andauern – und anschließend gibt’s nen job mit unbezahlten überstunden. ja, besser als niedriglöhner. aber scheiße. niederlöhnern geht’s noch beschissener, stimmt. aber die akademiker/innen sind nicht der feind.
      wenn ich mir anschau, wie du hier marx umdichten willst, habe ich den eindruck, du willst halt nen billigen strohmann haben, gegen den du dann anbashen kannst. das ist genauso falsch wie wenn akademiker/innen die nase rümpfen angesichts dessen, dass es manchen noch mieser geht.

    15. 15 Andreas 08. Februar 2010 um 0:30 Uhr

      Wenn wir tatsächlich Lohnabhängige nicht differenzieren und alle als eine Klasse sehen, dann würde Marx heute nicht mehr funktionieren. Manager, Rechtsanwälte, Professoren erhalten heute zum Teil derart viel Geld, dass sie locker Kapitelbesitzer werden könnten, wenn sie wollten. Sie sind freiwillig „lohnabhängig“ bzw. durch die Freiwilligkeit eben nicht abhängig. Jemand der Provisionen und Abfindungen in zweistelliger Millionenhöhe bekommt ist alles andere als abhängig.

      Das Problem ist, dass mit der Aussage „Wir sind alle die Klasse der Lohnabhängigen“ Macht- und Herrschaftsverhältnisse verschleiert werden.

      aber die akademiker/innen sind nicht der feind.

      Mit dem Begriff „Feind“ kann ich nicht viel anfangen. Es geht mir um Gewalt und Herrschaft. Es gibt in Großbritannien tatsächlich eine Gruppe, die die Website „openly classist“ betreibt mit der Kernaussage: „Middleclass is the Enemy“. Das ist nicht meine Position. Mir geht es um die Benenn- und Bekämpfbarkeit von Gewalt- und Machtverhältnissen.

      ja, dumme ideologisch verseuchte lohnabhängige akademiker/innen halten sich für was besseres. na und?

      Derzeit findet eine gesellschaftliche Auseinandersetzung um die Schulstruktur statt. Es finden sich von Eltern aus dem Akademikermilieu Aussagen wie „Und ja, ich finde es besser, wenn wenigstens 30-40% eines Jahrgangs eine gute Schule haben als wenn auch diese noch in eine Gesamtschule geprügelt werden, damit sie nicht mehr lernen als ein Proletarierkind ohne Hauptschulabschluß.“ Kommentar zu: Ursula Weidenfeld:“Bildungsbürger: Die erbitterten Gegner“ Das sind keine einzelnen verirrten Aussagen, sondern hier manifestiert sich anhand einer politischen Auseinandersetzung um Privilegien der immer schon latent existierende Klassismus.

      Bei diesen Äußerungen geht es nicht nur um Vorurteile und verletzende Beleidigungen, sondern um die Aufrechterhaltung und Erweiterung von Herrschaftsstrukturen, um die Betonierung von Privilegien. Es geht nicht nur um Kapitalbesitz. Auch dieseits von der markanten Scheidelinie finden sich transgenerativ weitergegebene und strukturell abgesichterte Privilegierungen, die man mit keinem anderen Wort beschreiben kann als mit Klassenprivilegien. Es macht für die poltiischen Auseinandersetzungen keinen Sinn mit dem Begriff Klasse eine Zweiteilung der Gesellschaft vorzunehmen, der quer zu den tatsächlichen Kämpfen verläuft. Die Ausbeutung durch die Mehrwertabschöpfung ist in den Kämpfen für eine herrschaftsfreie Gesellschaft weder zu vernachlässigen, noch die einzige Demarkationslinie. Derer gibt es viele.

      Was in Hamburg und Berlin gerade an Auseinandersetzung um die Schulen läuft, das sind Klassenkämpfe, Klassenkämpfe von oben. Und es sind Klassenkämpfe, die nicht Kapitalinteressen repräsentieren, sondern zu diesen sogar quer verlaufen. Es ist durchaus vereinbar mit Marx hier von Klassenkämpfen zu sprechen. Marx spricht nicht in der Form von zwei Klassen, wie es nach Außen immer wieder gerne kolportiert wird. Am Ende des Dritten Bandes vom Kapital, wo er sich den Klassen widmen möchte, wo er aber abrupt dieses Kapitel beendet, spricht er von drei Klassen. Herkommer unterscheidet den Marx des „Kommunistischen Manifestes“ von dem Marx der „Klassenkämpfe in Frankreich“, der sehr viel differenzierter von Klassen spricht.

      Böse könnte ich auch einmal die Frage stellen, welches Interesse Linke mit einer privilegierten Herkunft und einem guten ausstehenden Erbe daran haben könnten, Marx so zu interpretieren, dass klassenspezifische habituelle Unterschiede und Unterschiede im Zugriff auf kulturelle, soziale und ökonomische Ressourcen innerhalb der linken Szene verdeckt werden :) Wieso ist in den 1970er Jahren, wo die marxistische Linke sehr stark gewesen ist, in den Studierendenvertretungen für jede diskriminierte Gruppe eine autonome Selbstorganisation entstanden, nur für die im Bildungssystem extrem diskriminierte Gruppe der Arbeiterkinder nicht? Wurden sie auf die Revolution vertröstet? Darauf, dass Akademikerkinder und Arbeiterkinder doch in einem Boot sitzen würden? Wieviele der marxistischen Akademikerkinder von damals haben inzwischen aufgrund ihrer Mittelschichtsprivilegien Karriere machen können? Gabriele Theling setzte sich damals in ihrem Buch „Vielleicht wäre ich als Verkäuferin glücklicher geworden“ explizit mit dem MSB-Spartakus auseinander, in dem sie sich als studierende Arbeitertochter und studierendes Arbeiterkind marginalisiert sah.

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