Stipendien: Elitenreproduktion statt Leistungsförderung

von Olaf Götze

Das deutsche Stipendiensystem trägt zur sozialen Selektion bei, und nicht zu deren Überwindung

Der Radsport hat uns gezeigt, was niemand offen aussprechen wollte, aber alle bereits wussten: Nachdem der Verein teuer verkauft wurde und alle Sportler nur noch mit dicken Werbebanner durch die Gegend fuhren, ist nun auch klar: Nur wer gedopt war, schaffte es auch auf das Siegertreppchen.

Es ist bezeichnend für die Leistungsförderung in deutschen Landen. Nicht in der Breitenförderung sieht man den Gewinn, sondern in der Produktion eine kleinen Elite. Das gilt auch für das deutsche Stipendiensystem. Und tatsächlich, auch die Forschungselite ist gedopt. Wie ist es sonst möglich, dass Frauen und Studierende aus bildungsfernen Schichten deutlich seltener ein Stipendium erhalten als andere?

Verzerrende Auswahlsysteme

Doch fangen wir von vorne an. Die Forderung nach einem Ausbau des Stipendiensystems folgt dem US-amerikanischen Vorbild und geht einher mit der Einführung von Studiengebühren. Dabei wird ein ausgebautes Stipendiensystem immer als unglaublich gut dargestellt, die negativen Auswirkungen unter den Tisch gekehrt. Ebenso wie Studiengebühren ist die Auswahl von StipendiatInnen jedoch im höchsten Maße sozial selektiv. Die AG Hochschulforschung der Universität Konstanz konnte in einer Sonderauswertung des Studierendensurvey die ungleiche Verteilung von Stipendien nun klar belegen.

Aus der ArbeiterInnenschaft erhalten nur 2,1 Prozent der Befragten ein Stipendium aus Mitteln des BMBF von einer der zehn größten Begabtenstudien-werken. Der Anteil steigt mit der sozialen Herkunft an und aus der AkademikerInnen-schaft bekommen demgegenüber 5,2 Prozent ein Stipendium.

Das Interessante an diesem Befund ist, dass die ungleiche Verteilung nicht von der Fächerwahl oder der Leistung der Studierenden abhängt. Ganz im Gegenteil, denn mit steigender Leistung – gemessen an der Durchschnittsnote – vergrößert sich die Diskrepanz noch. Unter den Leistungseliten (Note 1,0 – 1,4) erhalten 14 Prozent der Studierenden aus der AkademikerInnen-schaft, aber nur 7 Prozent aus der ArbeiterInnenschaft ein Stipendium. Und auch Frauen werden seltener gefördert. Nur 2,9 Prozent der Studentinnen (9,7 Prozent der Leistungs-eliten) erhalten ein Stipendium. Dem-gegenüber erhalten jedoch 4,5 Prozent der Studenten (16,1 Prozent der Leistungseliten) eine Förderung. Der Anteil ist also fast doppelt so hoch.

Eliten fördern Eliten

Der Befund ist eindeutig. Damit bestätigen sich Vermutungen, Auswahlverfahren und die Kriterien der Stipendienvergabe führen zu einer sozialen Selektion und weibliche Studierende und Studierende aus bildungsfernen Schichten werden praktisch aussortiert. Die Mechanismen, nach denen dies abläuft, lassen sich mit dem Habituskonzept von Bourdieu leicht erklären. So sitzen in den Auswahlgremien vorwiegend Personen der oberen sozialen Schichten, zumeist Männer. Politisches, gesellschaftliches und soziales Engagement wird dort nur als Leistung gewertet, wenn es den Vorstellungen der auswählenden Personen entspricht oder beispielsweise institutionalisiert stattgefunden hat. Auch bei den Empfehlungsschreiben von einem/r ProfessorIn werden es Studierende aus der Akademikerschaft leichter haben. Für ein Stipendium bei der Studienstiftung des deutschen Volkes bedarf es sogar einer Nominierung durch die Schulleitung.

Benachteiligte werden benachteiligt

Die herrschenden Klassen haben ein Interesse daran, die bestehenden Verhältnisse aufrecht zu erhalten. Ein Stipendiensystem fördert eine Reproduktion dieser Verhältnisse, so z.B. über die Weitergabe von Werten und Erfolgskriterien. Genauso wie es nicht intendiert ist, dass Menschen aus den unteren Schichten in die leitenden Positionen gelangen, ist es nicht das Ziel Frauen und weitere strukturell benachteiligte Gruppen in ausreichendem Umfang zu fördern.

Das propagierte Ziel, die Leistungsbesten zu fördern, bleibt dabei auf der Strecke. Vielmehr wird eine Elite (re-)produziert, deren Leistungsfähigkeit stark zu bezweifeln ist. Dieser Effekt mag von einigen AkteurInnen im Bildungsbereich aber durchaus gewollt sein. Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), eine gemeinsame Einrichtung der Bertelsmannstiftung und der HochschulrektorInnenkonferenz, fordert seit Jahren einen Ausbau des Stipendiensystems in Deutschland. In 2007 wurden nun die Fördergelder für Stipendien durch Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, um 19 Mio. Euro erhöht.

Ziel sollte es jedoch sein, allen Studierenden nach ihren individuellen Fähigkeiten ein erfolgreiches Studium zu ermöglichen. Eine Breitenförderung wie es das BAföG oder ein anderes Modell elternunabhängiger Förderung kann dies leisten, ohne eine soziale Auswahl zusätzlich zu befördern.

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15 Antworten auf „Stipendien: Elitenreproduktion statt Leistungsförderung“


  1. 1 Julia 20. Januar 2010 um 16:55 Uhr

    Aber dies ist doch eine sehr einseitige Darstellung. Aus der allgemeinen Beobachtung, dass eher Eliten ein Stipendium erhalten, wird abgeleitet, dass das Stipendiensystem die Kluft zwischen Elite und Nicht-Elite auch noch fördere.
    Nun ja, es mag de facto stimmen, dass mehr Elite- als Arbeiterkinder Stipendien bekommen. Aber ist denn Ziel des Stipendiensystems nicht auch, eben die Elite zu fördern? Wer sich anstrengt, soll dafür belohntwerden!
    Problematisch ist ja viel eher, dass Kinder aus, wie man so schön sagt, bildungsfernen Schichten, viel seltener zur Elite gehören und sich viel mehr anstrengen müssen, um einmal Teil dieser Elite zu werden. Das fängt im Vorschulalter an, wo die einen Kinder Geigenunterricht und ein Kindermädchen haben, haben die anderen einen Haustürschlüssel und eine Glotze – auch wenn das nun sehr polemisch ist.
    Abgesehen natürlich von Ideen wie BAFöG-für-alle, weiß ich nicht, wie man das Stipendiensystem fairer gestalten sollte? Soll man die Studierenden bevorzugen, die schlechtere Noten haben, sich weniger sozial engagieren und weniger über den Tellerrand schauen (Noten sind ja nicht das einzige Auswahlkriterium) – dafür aber aus einer Arbeiterfamilie stammen?
    Manche Studienförderwerke achten aber eben auch auf Aspekte wie „Migrations- oder Arbeiterhintergrund“, die in die Auswahl mit einfließen.
    Ich finde, es muss in erster Linie das Bildungssystem und nicht das Stipendiensystem geändert werden.

  2. 2 Olaf Götze 21. Januar 2010 um 1:09 Uhr

    Hallo Julia,

    in deinem Kommentar vermischt du ein wenig „wissenschaftliche oder Leistungs – Elite“ mit „gesellschaftlicher Elite bzw. Akademikerschicht“. Gefördert wird nach der Untersuchung vor allem die gesellschaftliche Elite, nicht aber rein die Leistungselite. Die Förderung der Leistungselite würde nämlich bedeuten, dass tatsächlich nur Leistung und nicht noch andere Faktoren eine Rolle spielten. (Was bei der Geschlechterfrage noch deutlicher wird)
    Dabei habe ich im Artikel noch außen vor gelassen, dass ohnehin die Anzahl der Akademikerkinder an den Hochschulen deutlich überrepräsentiert ist gegenüber den Arbeiterkindern.
    Von 1000 Kindern an der Hochschule kommen etwa 500 aus einem Akademikerhaushalt und knapp 150 aus einem ArbeiterInnenhaushalt. Davon erhalten also 25 aus einem Akademikerhaushalt ein Stipendium und 3 aus einem ArbeiterInnenhaushalt. Die Diskrepanz erhöht sich also noch um ein Vielfaches, berücksichtigt man auch die tatsächliche Bildungsbeteiligung, die u.a. im Schulsystem begründet liegt.

    Kinder aus sogenannten bildungsfernen Schichten müssen sich viel mehr anstrengen um einmal zu einer, in diesem Falle der akademischen, Elite anzugehören. Das mag im Kindergarten anfangen, das hört aber in der Hochschule nicht auf.

    Deine Fragen kann ich nicht genau nachvollziehen. „Soll man die Studierenden bevorzugen, die schlechtere Noten haben?“ – Nein, zunächst einmal sollten alle mit guten Noten gleich bevorzugt werden (heißt ein Stipendium erhalten). Das wäre schonmal ein Fortschritt.

    Beim sozialen Engagement lässt es sich durch Beispiele verdeutlichen. Das Engagement im Kirchenchor wird gewürdigt, solches in der Rap-Gruppe wohl kaum. Das Engagement im Jugendrat der Stadt wird gewürdigt, solches bei Demonstrationen im Stadtteil wohl kaum. Der Auslandsaufenthalt in Australien wird gewürdigt, der in der Türkei wohl kaum.
    usw.

    Soziale Selektion auch bei der Stipendienvergabe ist an sich kein Geheimnis, die Studie bricht jedoch vor allem mit dem Mythos der angeblichen Leistungselite.

  3. 3 Benjamin 21. Januar 2010 um 15:57 Uhr

    Sorry, aber dieser Artikel ist mal wieder ein Beleg für das alte Zitat: „Traue nur der Statistik, die Du selber…“
    Dazu empfehle ich den GEO-Artikel „Im Reich des Mittels“ in Heft 04/2003.
    Gleich vorab, ich gehöre zu den sog. bildungsfernen Schichten, bin der erste Akademiker in der Familie und bin Stipendiat bei einem der BMBF geförderten Studienwerke.
    Der Autor stellt hier Zahlen so zusammen um seine persönliche Meinung über das Fördersystem darzustellen, das gehört bitte in einen Kommentar.
    Ich habe mir die zitierte Studie angesehen und muss sagen, sie hat eine relativ geringe Aussagekraft über die Förderpraxis bzw. Auswahl der Förderwerke, wie ihre Autoren auch selbst anmerken, in dem sie auf eine nötige Vertiefung hinweisen.
    Das Hauptproblem ist, das die Zahlen völlig zusammenhangslos dargestellt werden. Es sind keine Vergleichswerte zu lesen, wie die soziale Verteilung unter den Studierenden insgesamt aussieht und noch wichtiger, wie die Bewerberstruktur ist. Erst dann können Rückschlüsse auf das Auswahlverfahren gezogen werden. Denn nur wenn ich Bewerber aus den entsprechenden Schichten habe, kann ich diese auch auswählen.
    Das Problem der sozialen Selektion ist wesentlich komplexer und fängt viel früher an, wie alle Bildungsstudien a la IGLU und PISA belegen. Und dabei ist bei Leibe nicht immer das Geld ein Hinderungsgrund, sondern auch tradiertes Standesdenken. „Mein Kind braucht nicht an die verkopfte Uni, es soll lieber ein bodenständiges Handwerk lernen.“
    Es ist allzu einfach jetzt am Ende der Kette auf das „ungerechte Fördersystem“ einzugehen und nicht früher anzufangen bzw. den Gesamtprozess zu betrachten. Da ist die Begabtenförderung nur eine Stellschraube mit begrenztem Wirkungsgrad, schon deshalb weil Bildung Ländersache ist die Förderwerke als vom Bund getragene Einrichtungen sich aber rauszuhalten haben. Das Problem der sozialen Selektion ist nicht in erster Linie mit der Begabtenförderung zun lösen.

    Zur Klarstellung: ich denke nicht, dass die Auswahlsysteme nicht hinsichtlich ihrer Selektionswirkung überprüft werden sollten, die hier genannten Zahlen sind dafür aber ungeeignet.

    Eine Bemerkung noch zum Leistungsgedanken: Das klingt auf den ersten Blick sehr gerecht. Doch jeder weiß über die Relativität von Noten zu berichten. Schon innerhalb der Fächer gibt es erhebliche Bewertungsdifferenzen, zwischen den Fächeren ist aber oft kaum noch ein Vergleich möglich, man vergleiche nur bspw. einmal die Notengebung in Pädagogik und Jura. Daher muss man noch andere Auswahlkriterien heranziehen.

    Fazit wie so oft: Die Welt ist schattiert und nicht schwarz oder weiß.

  4. 4 Philip Taucher 23. Januar 2010 um 3:08 Uhr

    Hallo!
    Die Argumente bzgl. sozialer Reproduktion scheinen plausibel, und ich kenn auch Studien, die sich die Sturktur der BewerberInnen anschauen – da ist ja schon mal eine Schwelle.Wer traut sich zu in einem Auswahlprozedere zu bestehen, wer versuchts überhaupt?
    Begabtenstipendien werden in Deutschland aber nur von 2% der Studierenden genutzt. Das ist wenig im vergleich zu anderen Maßnahmen der Studienförderung – zum einen den BAFöG zum anderen vor allem aber die studienbezogenen Maßnahmen aus dem Familienleistungsausgleich. Vor allem die teilweise steuerliche Absetzbarkeit der Unterhaltskosten der Eltern von Studierenden erzeugt eklatante finanzielle Vorteile für Haushalte mit hohem Einkommen. Die können durch die proressive Besteuerung auch größere Teile von der Steuer absetzen. Dies geht sogar so weit, dass die Umverteilungseffekte des BAföGs ausgeglichen bis teilweise umgekehrt werden – das deutsche Studienfördersystem also zusammengenommen überhaupt nicht umverteilt bzw. wenn dann eher von unten nach oben (was man normalerweise dem kostenlosen Hochschulzugang fälschlicherweise unterstellt).
    In verschiedenen CHEPS-Studien findet man einige interessante Hinweise dazu. ich schreib grad an einer Vergleichsstudie von Studienfördersystemen in 5 EU-Ländern… ist aber noch nicht fertig.

  5. 5 Philip Taucher 23. Januar 2010 um 3:25 Uhr

    kann mir jemand den Link zur im Artikel zitierten Studie der AG Hochschulforschung schicken?: p . t a u c h e r ( a t ) g m x . a t

    Danke!

  6. 6 Andreas 28. Januar 2010 um 10:40 Uhr

    Hi Philip,

    ich hatte dir den Link ja schon per E-Mail gesendet:

    http://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/gso/ag-hochschulforschung/News1/23-2StipendienStudierende.pdf

    An dieser Stelle veröffentliche ich dann auch noch schnell den Link zur europäischen Studie:
    Astrid Schwarzenberger (Ed.): „Public / private funding of higher education: a social balance“ von 2008:
    http://www.his.de/pdf/pub_fh/fh-200805.pdf

    und die Studie der HIS zu Stipendien und soziale Herkunft:
    Elke Middendorff / Wolfgang Isserstedt / Maren Kandulla: „Das soziale Profil in der Begabtenförderung Ergebnisse einer Online-Befragung unter allen Geförderten der elf Begabtenförderungswerke im Oktober 2008″:
    http://www.his.de/pdf/21/Begabte-Bericht.pdf
    (Hierzu ein Bericht aus „Die Zeit“: http://www.zeit.de/2009/40/C-Begabtenfoerderung?page=all)

    Und noch ein Text von Michael Hartmann von 2007: Michael Hartmann: „Studiengebühren und Hochschulzugang: Vorbild USA?“
    http://www.springerlink.com/content/a4044095072n2323/fulltext.pdf
    Zu guter Letzt ein Kommentar von Michael Hartmann und Jens Wernicke zum Thema „Stipendien ungleich verteilt. Arm bleibt arm und reich studiert“, auch von 2007: http://www.studis-online.de/HoPo/art-611-elite_stipendien.php

    Lieben Gruß
    Andreas

  7. 7 Olaf Götze 29. Januar 2010 um 12:15 Uhr

    Zu den Anmerkungen von Benjamin ist folgendes zu sagen. Der Vergleich zum Anteil an der Gesamtstudierendenschaft spielt erst einmal keine Rolle, denn die prozentualen Werte beziehen sich nicht auf den Anteil an der Studierendenschaft sondern den Anteil an der jeweiligen Gruppe „AkademikerInnenschaft“/ „ArbeiterInnenschaft“. ArbeiterInnenkinder werden prozentual weniger gefördert, was noch nichts über deren tatsächliche Anzahl aussagt (hier sehen die Zahlen noch verheerender aus).
    Natürlich spielt die Anzahl der beantragten Stipendien eine gewisse Rolle. Doch lässt sich zumindest für den Vergleichszeitraum sagen, dass deutlich mehr Stipendien beantragt wurden, als tatsächlich vergeben, so dass zumindest die Möglichkeit besteht verschiedene Herkunftsgruppen gleichmäßig zu fördern. Die Problematik ist den Förderwerken im Übrigen eindeutig bekannt, da sie sie anhand der Anzahl „reiner Bücherstipendien“ ablesen können. Tatsächlich gibt es sogar noch einen Anreiz nur wohlhabende Studierende zu fördern, denn dabei lassen sich mit gleichem zur Verfügung stehenden Mitteln, deutlich mehr Studierende fördern und somit in den Wirkungskreis der Stiftung einbeziehen.

    Die Begabtenförderung ist nur eine Stellschraube im System der Benachteiligung, aber sie ist eine Stellschraube. Deshalb sollte sie nicht vernachlässigt werden, in Deutschland wird auf eine Ideologie hingearbeitet, die sogar versucht, die „Soziale Selektion“ als ein rein auf Schule bezogenens Problem zu betrachten – dem widersprechen jedoch die Fakten.

    Ein Satz noch zu dem sogenannten tradierten Standesdenken „Mein Kind braucht nicht an die verkopfte Uni, es soll lieber ein bodenständiges Handwerk lernen.“
    Untersuchungen des Instituts für Schulentwicklungsforschung Dortmund zeigen deutlich: Die sogenannte Bildungsaspiration von Eltern aus unteren Schichten hat in den vergangenen Jahren/Jahrzehnten überproportional zugenommen. D.h. der Satz, Arbeitereltern wollen garnicht unbedingt, dass ihre Kinder einen höheren Bildungsabschluss machen stimmt so einfach nicht.
    Andererseits hat ein solcher Satz ja auch ganz reale Hintergründe, denn ein gleichbegabtes Arbeiterkind hat es an der Uni nunmal schwerer, als ein Akademikerkind.

  8. 8 Carl 01. Februar 2010 um 13:53 Uhr

    In der Studierendenschaft herrschen viele Fehlinformationen über Stipendien vor. Dies könnte ein Grund dafür sein, dass sie vor allem von den Wohlhabenden genutzt werden. Mir wurde wegen guter Leistungen vorgeschlagen, mich für ein Stipendium zu bewerben. Ich habe das abgelehnt, weil ich finanziell zurecht komme und das Stipendium ärmeren Kommilitonen überlassen wollte. Später habe ich ein paar Stipendianten kennengelernt und ausnahmslos alle waren sie reich!

    Es sollte ein bißchen mehr breitgetreten werden: Wenn du auf ein Stipendium verzichtest, sahnt es wahrscheinlich ein Reicher ab. Der Arme, mit dem du solidarisch sein willst, kriegt es wahrscheinlich ohnehin nicht. Wahrscheinlich verzichtet er auch gerade freiwillig, zu Gunsten eines noch ärmeren, der das Stipendium aber auch nicht kriegt.

  9. 9 Carl 01. Februar 2010 um 13:58 Uhr

    Übrigens einige meiner besten Freunde sind sehr wohlhabend und ich finde auch nichts Schlimmes daran… aber es ist doch auffällig, dass sehr wohlhabende Menschen immer die Ersten sind, wenn es darum geht irgendwo die Hand aufzuhalten oder irgendwelche Vergünstigungen abzusahnen.

  10. 10 Markus 02. Februar 2010 um 12:24 Uhr

    Wenn eine der größten Bevölkerungsgruppen eines Landes (die Arbeiterschaft) an Universitäten absolut unterrepräsentiert ist und dann noch die wenigen Vertreter der Arbeiterschaft bei der Stipendienvergabe im Verhältnis zu ihrem Anteil an Universitäten benachteiligt werden, spricht dies durchaus für soziale Selektion, genauer: das Aussortieren der Arbeiterkinder, an Institutionen höherer Bildung.
    Dieses Aussortieren hat nichts mit akademischen Leistungen, sprich: Noten, zu tun, sondern einzig mit dem Einkommen und Vermögen der Eltern, wofür die Kinder aber nichts können.
    Das verträgt sich nicht mit dem verfassungsmäßig verankerten Grundsatz des Diskriminierungsverbots (keine Benachteiligung aufgrund … der Herkunft u.ä.) und der Chancengleichheit.

    Im Prinzip wird ein Kind in Deutschland dafür bestraft, in die falsche, sprich: zu arme oder nicht akademisch gebildete Familie hineingeboren zu sein.

    Die Pisa-Studie attestiert ähnliches für das Schulwesen bis zur 9. Klasse.

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