Aufgeschnappt

Gudio Westerwelle verdeutlicht seinen „Dekadenz-Vorwurf“, es geht ihm um die Gymnasiumsplätze: Guido Westerwelle im Gespräch mit Sabine Adler, 14.02.2010
„… für mich ist die beste Sozialpolitik immer noch die Bildungspolitik, und da haben wir in Deutschland mittlerweile geradezu dekadente Erscheinungen. Dass hier in Berlin demnächst die Gymnasiumsplätze nicht mehr nach Noten oder nach Leistung oder nach Bewertung vergeben werden sollen, sondern zu fast einem Drittel, wenn Mangel da ist, per Losverfahren, ist ein himmelschreiender Skandal gegen die junge Generation. Und wenn ich mir die Einheitsschule in Hamburg ansehe, wenn ich mir ansehe, dass die Eltern nicht mehr die Schulform wählen können, nicht mehr wählen sollen die Schulform für ihre Kinder, dann ist das ein Skandal. Wenn man die Kinder so schlecht behandelt, wenn man Losverfahren einführt für Schulplätze, dann sind das Erscheinungen, die man nur noch als dekadent bezeichnen kann.“

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • Wikio

6 Antworten auf „Aufgeschnappt“


  1. 1 Andreas 15. Februar 2010 um 1:21 Uhr

    Wenn man mal in dieser „Leistungs-Dekadenz“-Logik verbleibt, die ich, wie den Begriff „Dekadenz“ in seiner Abwertung überhaupt, und ja, ich weiß, dass einige Marxist_innen ihn auch benutzen, leicht faschistoid finde, also, wenn ich bei diesem Gedankenspiel mitmache, dann wundert es mich doch, dass es dekadent sein soll, wenn Lehrer_innen statt Eltern über den Gymnasialbesuch der Kinder entscheiden.

  2. 2 Andreas 15. Februar 2010 um 2:58 Uhr

    Hier ein Artikel zum Thema „Dekadenz“ und warum man es zur Abwertung gesellschaftlicher Entwicklungen vermeiden sollte: Dekadenz

  3. 3 Tom 15. Februar 2010 um 18:23 Uhr

    Westerwelle weicht auf einen Nebenkriegsschauplatz aus, da er die Linie bei „spätrömischer Dekandenz“ nicht mehr zu halten vermag.

    Nicht irritieren lassen!

  4. 4 Andreas 16. Februar 2010 um 14:47 Uhr

    Hi Tom,

    Westerwelle hat da eine ganze Reihe von „Kriegsschauplätzen“ aufgemacht. Das Ganze hat verschiedene Ebenen. Zunächst wird gemutmaßt, dass sein Auftreten parteipolitisch motiviert sei, da die FDP massiv an Stimmen verloren hat. Dann ist inhaltlich der „Hauptkriegsplatz“ sicherlich die vom Bundesverfassungsgericht angestoßene „Hartz-IV-Debatte“. Diese lässt sich allerdings nicht vollständig von der Bildungspolitik trennen (Nachhilfekurse für Kinder von Arbeitslosen statt Erhöhung der ALG-II-Sätze).

    Wobei die Bildungspolitik, die Westerwelle anspricht, nur sehr indirekt mit der Hartz-IV-Debatte zu tun hat. Es geht um die Durchlässigkeit des Schulsystems. Westerwelle mischt sich hier in die Schulstrukturkämpfe in Berlin und Hamburg ein. Ob er seiner Wählern einen Gefallen damit tut, Stadtteilschulen als „dekadente Erscheinungen“ zu bezeichnen, wage ich zu bezweifeln. Aber es liefert einen Hinweis darauf, mit welcher Ideologie Gymnasien verteidigt werden. Die demografische Debatte liest sich wie Spenglers „Untergang des Abendlandes“. Und es waren auch damals schon vor allem Gymnasialschullehrer, die sich an die Spitze des Kampfes gegen die Dekadenz stellten.

    Man sollte Westerwelle hier nicht so einfach davonkommen lassen. Was meint er mit Dekadenz? Wieso ist es dekadent, wenn Eltern statt Zeugnisse bestimmen, auf welche Schule die Kinder gehen? Predigt Westerwelle hier einen nietzeanischen „Elternwillen zur Macht“ gegen Pöbel?

  1. 1 „Dekadenz“ erweitert die aktuelle Sozialeugenik-Debatte « Dishwasher Pingback am 16. Februar 2010 um 14:53 Uhr
  2. 2 Klassismus von deutschen Politikern – Andreas Kemper Pingback am 07. Dezember 2011 um 12:07 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.



kostenloser Counter