„Dekadenz“ erweitert die aktuelle Sozialeugenik-Debatte

Zur Dekadenz der Einheitsschule

Westerwelle wurde für die Verwendung des Wortpaares „spätrömische Dekadenz“ im Zusammenhang mit der Debatte um ALG-II-Bezüge scharf verurteilt.

Er zog daraufhin jedoch nicht den Gebrauch der Wortes „Dekadenz“ zurück. Vielmehr präzisierte er dessen Verwendung in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Bereits im Artikel für die Welt-Online bezog Westerwelle „Dekadenz“ nicht nur auf ALG-II-Bezüge, sondern auch auf die Bildungspolitik:

„Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein. An einem solchen Denken kann Deutschland scheitern. In vielen aufstrebenden Gesellschaften andernorts auf der Welt wird hart gearbeitet, damit die Kinder es einmal besser haben. Bei uns dagegen wird Leistung schon im Bildungssystem gering geschätzt: Wir debattieren Einheitsschulen und das Ende der Notengebung.“ link

Wie wir im Dishwasher zeigten, bezieht Westerwelle anschließend den Dekadenz-Vorwurf nur noch auf die Bildungspolitik:

„… für mich ist die beste Sozialpolitik immer noch die Bildungspolitik, und da haben wir in Deutschland mittlerweile geradezu dekadente Erscheinungen. Dass hier in Berlin demnächst die Gymnasiumsplätze nicht mehr nach Noten oder nach Leistung oder nach Bewertung vergeben werden sollen, sondern zu fast einem Drittel, wenn Mangel da ist, per Losverfahren, ist ein himmelschreiender Skandal gegen die junge Generation. Und wenn ich mir die Einheitsschule in Hamburg ansehe, wenn ich mir ansehe, dass die Eltern nicht mehr die Schulform wählen können, nicht mehr wählen sollen die Schulform für ihre Kinder, dann ist das ein Skandal. Wenn man die Kinder so schlecht behandelt, wenn man Losverfahren einführt für Schulplätze, dann sind das Erscheinungen, die man nur noch als dekadent bezeichnen kann.“ link

Es geht nicht mehr direkt um die Höhe, Berechnungs- und Auszahlungspraxis von ALG-II, sondern um die Schulstruktur-Konflikte, wie sie sich in Berlin und Hamburg zeigen. Vordergründig geht es Westerwelle um „Leistung“.  „Dekadente Erscheinungen“ träten ein, wenn Leistungen von Kindern nicht mehr festgestellt und durch eine Auslese honoriert würden. Spätestens beim Satz „wenn ich mir ansehe, dass die Eltern nicht mehr die Schulform wählen können, nicht mehr wählen sollen die Schulform für ihre Kinder, dann ist das ein Skandal.“ ist diese Lesart nicht mehr möglich. Verschiedene Studien zum Übergang von Kindern von der Primar- zu Sekundarstufe bestätigen, was auch der gesunde Menschenverstand schon nahelegt: Lehrer_innen beurteilen die Leistungen der Kinder objektiver als die Eltern der Kinder dies machen. Natürlich bevorteilen Lehrer_innen Akademikerkinder, aber längst nicht in dem Ausmaße, wie Eltern dies machen würden.

Herr Westerwelle tritt nicht für die Feststellung von und Selektion nach Leistung ein. Westerwelle vertritt – wen wunderts? – die Interessen von privilegierten Eltern, die in Berlin und Hamburg verhindern wollen, dass die Privilegien für ihre Kinder angetastet werden. Und er nennt es „dekadente Erscheinung“, wenn die Kinder privilegierter Eltern nicht ebenfalls privilegiert werden.

Dekadenz als Begriff der Sozialeugenik-Debatte

„Die Rede von der Dekadenz ist vom positivem Gegenbild kraftstrotzender Natur kaum ablösbar, Naturkategorien werden auf gesellschaftlich Vermitteltes projiziert.“ Adorno, Noten zur Literatur, Erpreßte Versöhnung, S. 255

Wer „Dekadenz“ mit Orgien aus dem römischen Reich assoziiert, der schießt über das Ziel weit hinaus. Wir hatten vor einhundert Jahren eine ausgedehnte Debatte über „Dekadenz“. „Dekadenz“ war ein integraler Bestandteil der Sozialeugenik- und Rassenhygiene-Diskurse, die von der Mitte der 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts vor allem in Deutschland die Sozial-, Gesundheits- und Bildungspolitik bestimmten. Was Herr Westerwelle, der den „Sozialismus“ der derzeitigen Hartz-IV-Debatte anprangert, vielleicht nicht weiß: die grausamsten Entscheidungen im Stalinismus wurden mit dem Begriff der „Dekadenz“ begründet. Unnötig zu erwähnen, dass im Nationalsozialismus mit der Begründung von „dekadenten Erscheinungen“ Millionen von Menschen deportiert, verfolgt, verhaftet, gefoltert und ermordert wurden.

An anderer Stelle habe ich das sehr lesenswerte Buch „Das Bild des Mannes“ von Georges L. Mosse ausgewertet und  seine Untersuchung zum Begriff „Dekadenz“ dargestellt. Im 19. Jahrhundert vermischten sich der moralisch gebrauchte Begriff Dekadenz mit dem medzinischen Begriff „Degeneration“. Geschlechter-, Klassen- und Rassendiskurse verbanden sich mit psychiatrischen und medizinischen Diskursen. Konzeptionen der hegemonialen Männlichkeit setzen sich von „Counter-Typen“ (Mosse, 79) ab: „Zigeuner, Landstreicher und die Juden … Verbrecher, Geisteskranke und die sogenannten Perversen“. „Verweiblichung“, „Hysterie“, „Nervösität“ waren geschlechtlich aufgeladene Diagnosen, mit der vor dem Angriff auf die Männlichkeit, die sich um die Jahrhundertwende in der Krise befand, gewarnt wurde. Angegriffen wurden die herrschende Männlichkeit durch das zunehmend selbstbewusste Auftreten von  Schwulen und Lesben, durch die erste Frauenbewegung, durch die Jahre später als „entartet“ genannte Kunstbewegung. Wieviel schlaflose Nächte bereitete es den Altherren und Corps, dass immer mehr Frauen und Proleten nicht nur studieren wollten, sondern gar einen Allgemeinen Studierendenausschuss einforderten.

Gegen diese Gefahren der Entartung, Degenerierung und Dekadenz schossen Christliche Vereine mit evangelischen Kirchenmännern und Schullehrern an der Spitze aus dem Boden. Und herbeigesehnt wurde der Erste Weltkrieg, in dem endlich wieder die gesunden Tugenden sich ihren Weg bahnen konnten. Doch der Krieg brachte nicht die Wiederherstellung des „gesunden Volkskörpers“. Im Gegenteil. Diese Erfahrung führte jedoch nicht zu einer Abkehr von Konzeptionen der Biomacht, sondern zu ihrer internationalen Verwissenschaftlichung. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche internationale Kongresse zu Rassenhygiene und Sozialeugenik durchgeführt.

Auch an Westerwelle dürfte die Problematik, die mit dem Begriff „Dekadenz“ gerade in Deutschland verbunden ist, nicht entgangen sein. Wie der FDP-Nachwuchs-Politiker Daniel Bahr in seiner Verteidigung Westerwelles twitterte, sei es nötig, lautstark aufzutreten, um sich Gehör zu verschaffen. Bahr muss es wissen. Er wurde schlagartig bekannt, als er auf dem Höhepunkt einer ersten Sozialeugenik-Debatte 2005 verkündete:

„In Deutschland bekommen die Falschen die Kinder. Es ist falsch, dass in diesem Land nur die sozial Schwachen die Kinder kriegen“

Für  diesen  Spruch wurde Daniel Bahr seinerzeit noch kritisiert. Auch Clement bekam  sein Fett weg für seinen Parasitenvergleich. Mit Sarrazins Lettre-Interview haben wir jedoch seit dem Spätsommer 2009 einen stabilen Sozialeugenik-Diskurs. Wenn sich Sloterdijk mit seinem „Bürgerlichen Manifest“ im Cicero direkt den Thesen Sarrazins anschließt und den Stab an den Sozialeeugeniker Heinsohn weitergibt, dann haben wir es nicht mehr mit „verbalen Ausrutschern“ zu tun, sondern mit einem parteiübergreifenden Diskurs, dem sich neben Giordano, Henkel, Broder und Helmut Schmidt umstandslos anschlossen – gerade in den umstrittenen Passagen der „rassenspezifisschen Vererbung“ von Intelligenz.

In diese Enttabuisierung und Wiederherstellung der sozialeugenischen Ideologie ist auch das wiederholte Konstatieren einer drohenden „Dekadenz“ im Sozial- und Bildungssystem einzuordnen. Vorboten dieser Debatte waren die Hochbegabungs- und Exzellenz-Diskussionen. Auch die Verdrängung des sozialdemokratischen Begriffs „Chancengleichheit“ durch den christdemokratischen Begriff „Chancengerechtigkeit“, das Verdrängen des Leistungsprinzip durch das Begabungsprinzip, zeugen von biologistischen Tendenzen in der Bildungspolitik.

Der Dekadenz-Diskurs Westerwelles schließt direkt an Sarrazins Unterschichten-Deziminierungsforderung und indirekt an Sloterdijks Menschenpark-Zucht-Phantasien an. Dieser Diskurs ist nicht eine abgeschmackte Ideologie, sondern legitimiert einer weitere Ressourcenumverteilung für die Privilegierten.

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39 Antworten auf „„Dekadenz“ erweitert die aktuelle Sozialeugenik-Debatte“


  1. 1 mike 21. Februar 2010 um 22:15 Uhr

    Sehr schöner und fundierter Arikel. Ich verfolge die Diskussion seit langem und stelle fest, dass sie immer radikaler wird. Die Politik zeiht im zB Kindergeld nach. Es sollen nur die Eltern/Kinder bekommen, die wertvoll sind. Was wertvoll ist, das entscheiden die Sozialrassisten. Der hetzende und aufwieglerische Ton immer selbstverständlicher. Man zollt den Sozialdarwinisten respekt und schickt Dankesschreiben und fordert eine „Diskussion“. Diese „Diskussion“ wird mit zum großen Teil mit alten NS-Begriffen geführt. Wer diese gefährlichen Begriffe gebraucht, schreit und propagiert, gilt als Held der Meinungsfreiheit. Es wird langsam sehr dunkel hier, hoffentlich nicht dunkelbraun.

  2. 2 Hans Arschloch 22. Februar 2010 um 20:22 Uhr

    Merkt ihr noch irgendwas? Einen Homosexuellen als Nazi zu bezeichnen, weil er nicht eurer Meinung ist? Ist da noch irgendwo irgendwas an Resthirn vorhanden?
    Was ist das hier für eine Veranstaltung? Menschenverachtend und einfach nur hirnlos.
    Was würdet ihr denn sagen, wenn man einläd, um über eure Scheisse in der Form zu diskutieren, dass ihr alle Nazis seid?!

    Der Asta gehört abgeschafft; er respräsentiert nichts als einen minimalen Bruchteil der Uni: Dem linksradikalen hirnlosen Haufen von Vollversagern, die in ihrem Leben einfach rein gar nichts auf die Reihe kriegen und im geschätzten 70. Semester Sozialpädagogik studieren.

    Mit eurem gefährlichen Halbwissen seid ihr das Allerletzte. Sich dann noch anzumaßen, öffentlich darüber zu schreiben, ist mehr als peinlich.

  3. 3 Andreas 22. Februar 2010 um 20:29 Uhr

    Naja, auf deine persönlichen Angriffe gehe ich nicht ein. Zum Vorwurf, wir würden einen „Homosexuellen als Nazi“ bezeichnen nur soviel: Gays against Guido
    Wolfgang Müller im Interview über „Gays against Guido“:

    „Die Schwulenbewegung hat jahrzehntelang gegen die Verknüpfung der Begriffe Homosexualität/Dekadenz gekämpft. Wegen sogenannter Dekadenz wurde beispielsweise Oscar Wilde ins Gefängnis geworfen. Jetzt haben „wir“ einen schwulen Außenminister, der Dekadenz anklagt – und diese ausgerechnet bei denen ortet, die der Solidarität der Gesellschaft bedürfen, bei Arbeitslosen und Hartz-4-Beziehern.“

  4. 4 Administrator 23. Februar 2010 um 18:46 Uhr

    An dieser Stelle stand ein weiterer Kommentar von Hans Arschloch. Er wurde gelöscht, weil – Nomen est Omen – die obigen Beschimpfungen nur wiederholt wurden.

  5. 5 Hans Arschloch 25. Februar 2010 um 18:01 Uhr

    ZENSUR!!!! Willkommen in der DDR

  6. 6 Carl 25. Februar 2010 um 18:45 Uhr

    Ich finde es schlecht, dass anscheinend der Beitrag von „Hans Arschloch“ gelöscht wurde. Das ist Zensur und ich finde, dazu sollte man sich nicht herablassen.

  7. 7 Carl 25. Februar 2010 um 19:17 Uhr

    „Although I despise your opinion, I will fight for your right to express it!“ heißt es doch. Ich finde, da ist etwas Wahres dran.

  8. 8 Administrator 26. Februar 2010 um 2:14 Uhr

    Hi Carl,

    ich verstehe deine Bedenken und kann dich beruhigen. Inhaltliche Positionen werden hier nicht zensiert.
    Es ist aber nicht sinnvoll, Spam und Trollereien Raum zu geben. Daher ist ein automatischer Spamfilter aktiv, der automatisch Spam herausfiltert. Und auch inhaltsleere persönliche Angriffe möchte ich hier nicht gerne stehen lassen. Auf „Hans Arschlochs“ (!) erste Mail wurde inhaltich eingegangen, obwohl sein Kommentar bereits mehr als grenzwertig gewesen ist. Sein zweiter Kommentar wiederholte lediglich die persönlichen Angriffe.
    Wir werden am Montag darüber sprechen, wo wir die Grenzen für den Abdruck von Kommentaren setzen.
    Liebe Grüße

  9. 9 Ich 26. Februar 2010 um 15:17 Uhr

    Naja, „Hans Arschlochs“ zweiter Post wurde erst veröffentlicht und dann nachträglich entfernt. Ein wie auch immer gearteter Spamfilter hätte eine Veröffentlichung gar nicht erst zugelassen.

    Unabhängig davon macht es immer wieder Spaß eure abstrusen Herleitungen des Begriffs Dekadenz aus der Nazizeit zu lesen. Schade nur, dass ich den Quark mit meinen Studiengebühren finanzieren muss…

  10. 10 Andreas 26. Februar 2010 um 15:57 Uhr

    Hi „Ich“,

    der Begriff „Dekadenz“ wurde weder „hergeleitet“ noch aus der „Nazizeit“. Die Kritik an der unkritischen Benutzung des Begriffs „Dekadenz“ erschöpft sich nicht darin, dass er ebenfalls zentral von Nazis zur Kennzeichnung ihrer Ideologie benutzt wurde.

    Bereits im 19. Jahrhundert war die Verwendung hoch problematisch, spätestens als er sich mit dem medizinischen Diskurs („Degeneration“) und der Eugenik-Debatte verband. Die Abwehr von „dekadenten Erscheinungen“ hatte – nach Mosse – ihren Anteil am Hurra-Patriotismus beim Beginn des Ersten Weltkrieges.

    Bereits zu diesem Zeitpunkt vor einhundert Jahren war „Dekadenz“ kein Begriff mehr, der unschuldig nur auf das alte Rom verwies. Wie brandgefährlich der Begriff tatsächlich ist, zeigte sich dann zudem im Nationalsozialismus, der die Dekadenz- und Sozialeugenik-Diskurse mit industriell praktiziertem Massenmord verband.

  11. 11 Hans Arschloch 26. Februar 2010 um 16:21 Uhr

    Also ist die FDP die Nachfolgepartei Adolf Hitlers bzw. Westerwelle der direkte Abkömmling von Wilhelm dem II ?

    Was muss in euren gestörten Köpfen vorgehen, sowas tatsächlich zu glauben….

    Aber man sieht hier direk, was mit euch los ist: Ihr seid Sozialisten. Das mit der Zensur passt wunderbar. Wenn´s nach euch ginge, säßen Leute wie Westerwelle oder ich wahrscheinlich schon längst in Hohenschönhausen ein….

    Wo kann man beantragen, dieser Stelle hier das Geld zu streichen? Wer entscheidet darüber?!

  12. 12 Ich 26. Februar 2010 um 16:31 Uhr

    Naja, Hitler hat ja meines Wissens auch Deutsch gesprochen… Ich meine Hallo? Ja, klar verwenden wir teilweise die selben Begrifflichkeiten wie Nazis… Wenn es da um Wörter wie Holocaust geht, da kann man drüber reden, dass da eine weitere Verwendung falsch ist.

    Aber Dekadenz?! Man kann es auch übertreiben. Kritisiert doch meinethalber lieber die wirklichen Aussagen Westerwelles und nicht die Sprachwahl mit einer solch abstrusen Argumentation.

  13. 13 Andreas 27. Februar 2010 um 0:43 Uhr

    Zum Thema Zensur

    Feuersprüche:

    1. Rufer: „Gegen Klassenkampf und Materialismus, für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung. Ich übergebe der Flamme die Schriften von Marx und Kautsky.“

    2. Rufer: “Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner”.

    Zur richtigen Einordnung der Aussagen Westerwelles:
    Wir haben die wirklichen Aussagen Westerwelles dargestellt. Er hat den Dekadenz-Vorwurf bekräftigt. Beschwert Euch dafür nicht bei uns, sondern bei Westerwelle. Und dieser Dekadenz-Vorwurf steht in einer Linie mit der Sozialeugenik-Debatte von Sarrazin/Sloterdijk/Heinsohn. Das ist problematisch, weil „Dekadenz“ nunmal Bestandteil der Sozialeugenik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewesen ist. Jetzt tauchen nicht nur sozialeugenische Ideen vermehrt wieder auf, sondern Westerwelle beharrt im gleichen Kontext, für den sozialeugenische Lösungsmöglichkeiten angeboten werden, wiederholt auf den Begriff „Dekadenz“. Warum macht er das?
    Eine interessante Zusammenfassung zum Thema Dekadenz, Entartung und Sozialdarwinismus findet sich hier: „Entartung“

  14. 14 Zensur 01. März 2010 um 17:21 Uhr

    Schon wieder zensiert! Was ist das hier bloß? Freie Meinungsäußerung nur für die Administratoren?
    Mit welchen Gründen könnt ihr das hier löschen? Ihr bezeichnet einen Menschen, der seine Meinung sagt, als Nazi.
    Eine schlimmere Beleidung kann ich gar nicht niederschreiben!

  15. 15 Administrator 01. März 2010 um 17:57 Uhr

    Hi Zensur!

    Nö, da wurde nichts „gelöscht“, bis auf den einen Kommentar oben von „Hans Arschloch“, der einfach nur einen heftigen persönlichen Angriff wiederholt hat. Und dazu gab es auch einen Kommentar von uns, warum er gelöscht wurde.

    Wir hatten vorhin ein Redaktionstreffen zu dem Thema. Es gab noch keinen Konsens, da eine Position gewesen ist: lasst die Leute doch einfach alles schreiben, auch heftige persönliche Angriffe.

    Solange wir als Redaktion keinen Konsens haben, werden wir mit der Löschpraxis hier liberaler umgehen.

    Ich möchte allerdings darauf verweisen, dass in den allermeisten Foren – einschließlich dem der Piratenpartei, um mal eine Anti-Zensur-Organisation zu nennen – Kommentatoren wie „Hans Arschloch“ sofort gesperrt worden wären und dass dessen Beiträge keine fünf Minuten Lebenszeit haben würden.

    Im Übrigen wurde Westerwelle nicht als Nazi bezeichnet, sondern vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte problematisiert, dass er Dekadenz und Selektion in einen Zusammenhang gebracht hat.

  16. 16 Mike 04. März 2010 um 6:11 Uhr

    Das ist sehr witzig hier. derjenige der da dumpf unterstellt, jemand hätte behauptet, dass Westerwelle ein Nazi sei, kann wohl nicht lesen. Textanalyse sehr Mangelhaft (HansArschloch und seine Fans). NIEMAND, auch nicht ich in meinem Anfangspost, nannte Westerwelle einen Nazi. Das ist gradezu absurd. Westerwelle ist ein Sozaildarwinst. Die allgemeine „Diskussion“ kommt mit NS-Begriffen daher. Manche Thesen aus der NS Zeit werden , ich fasse es nicht , in Blogs, Foren in Zeitungen Diskutiert. Ich dachte, über diesen ganzen Kram sei man schon längst hinweg gekommen. Kant scheint tot. Man liest allerorten über zB. Vererbbarkeit von Intelligenz, „nützlichem“ und „unnützem“ Nachwuchs (zB neuste „Studie“ der Bundesregierung, die besagt, dass 49% der Jugendlichen nicht „Ausbildungsfähig“ sind) etcetc. Mit einem Handstreich wird die Hälfte (sic!) der Jugendlichen wird mal „ebenso“ auf die Halde der „Unnützen“ geschoben. Reife Leistung! Es scheint zu einer Selbstverständlichkeit geraten zu sein, dass man („unnütze“) Personenkreise stigmatisiert. Ein typisches Merkmal von rassistischen Denkweisen. Die abwertenden Termina sind sehr in Mode gekommen. Man bedient sich eines sehr giftigen Vokabulars, wohlwissend was man damit erreicht. Man spielt auf die niedersten Instinkte an, die einen werden in den Himmel gelobt, sehen sich als Leistungsträger, Intelligent etc und können aus ihrer Sicht auf den „Abschaum“ herabschauen und auf ihm herumtrampeln.

  17. 17 Carl 04. März 2010 um 22:56 Uhr

    Ich habe zu dem Thema zwar schon geschrieben, aber ich möchte mich gerne nochmal dazu äußern. Ich hoffe, dass ihr nicht wütend über meine offenen Worte seid. Diese Seite und den Dishwaher finde ich wunderbar, aber mit dem Umgang mit „Hans Arschloch“ bin ich überhaupt nicht einverstanden. Ich weiß nicht, was „Hans Arschloch“ in seinem gelöschten Kommentar geschrieben hat. Angeblich ja heftige persönliche Angriffe. Dann lasst ihn das doch äußern und sich damit selbst disqualifizieren. Der mündige Leser wird sich schon seinen eigenen Reim darauf machen. Ich nehme doch an, ihr geht davon aus, dass eure Leser mündige Leute sind. Wenn Hans Arschloch mal das Bedürfnis haben sollte, mich zu beleidigen, möchte ich euch jedenfalls bitten, dass hier stehen zu lassen. Ich mag keine Zensur.

    Es könnte aber auch sein, dass Hans Arschloch nicht nur beleidigt, sondern auch seine Meinung vertreten hat. Dann sollte es erst recht hier stehen bleiben. Wenn man – nur weil man als Adminstrator es kann – einen Beitrag löscht, ist das auch eine Art von Faustrecht oder Sozialdarwinismus.

    Wie ich schon schrieb, bin ich in einer linken politischen Gruppe aktiv gewesen und ich habe leider ein Klima der Intoleranz gegenüber allen Leuten, die anders aussahen, anderes redeten oder überhaupt abweichende Meinungen vertraten, erlebt. Diese wurden nicht als Menschen behandelt, sondern als eine Art Abschaum. Ich bin aus der Gruppe ausgetreten, weil ich diese Art von Verhalten nicht länger mittragen konnte. Damals bin ich der Meinung gewesen, dass das Verhalten eines Gruppensprechers vor allem dadurch bedingt sei, dass dieser mit einem goldenen Löffel im Mund zur Welt gekommen sei (sein Vater war Professor mit lukartivem Nebenjob in der Wirtschaft). Es würde mich bestürzen zu sehen, wenn ein solches Verhalten auch ohne goldenen Löffel im Mund möglich wäre. Ich finde, daran, wie ein Mensch mit seinen Kritikern umgeht, sieht man, was für ein Mensch er ist.
    Als ich damals in der Gruppe diese Kritik geäußert habe hieß es, ich könne nicht mitreden, da ich noch nicht lange genug politisch aktiv sei. Das ist wohl wahr gewesen, aber ich hatte unter diesen Bedingungen auch keine Lust noch länger politisch aktiv zu bleiben… so lange bis ich selbst genau so undemokratisch denke und alle, die sich anders kleiden, anders reden, anders denken, als Untermensch betrachte. Nein, ich habe erkannt, dass eher die Gruppe mich verändert, als dass ich die Gruppe verändere und darum bin ich gegangen. Ihr könnt also sagen: „Was willst du überhaupt hier? Du gibst selbst zu, dass du von Politik und linken Gruppen nicht viel Ahnunghast“. Das wäre auch wahr. Ich möchte euch nicht vorschreiben und ich bin auch ganz sicher nicht in der Position dazu.

    Ich möchte einfach nur sagen, dass ich das hier sehr bedenklich finde

    Die Entscheidung, was ihr auf eurer Seite erlauben wollt und was nicht, die liegt natürlich bei euch. Ich möchte halt nur meine Meinung dazu sagen, weil ich es nicht rechtens gefunden hätte, zu schweigen.
    Ich hoffe, dass das nicht zu Streit führt…
    Es geht mir übrigens nicht um Herrn Westerwelle, sondern um den Umgang mit abweichenden Meinungen hier.
    Love and Peace and Bitte um Verständnis.
    Danke, dass ihr mich das hier schreiben lasst.
    Carl…

  18. 18 Administrator 05. März 2010 um 2:52 Uhr

    Nur zur Info: Hier wurde keine „Meinung“ gelöscht, sondern nur die Wiederholung einer beleidigenden Äußerung.

    In den meisten Foren akzeptiert man, wenn man dort mitschreiben möchte, eine Nettiquette. Diese besagt, dass man auf diffamierende Angriffe und Beleidigungen verzichtet. Wer dagegen verstößt, muss mit einer Sperrung rechnen, also nicht nur mit der Löschung seines beleidigenden Beitrags. Das hat nichts mit DDR oder Stalinismus oder linken Gruppen zu tun, die systematisch andere Meinungen aussperren.

    Wer seine Meinung äußern möchte, kann dies auch ohne einen Wust von Beschimpfungen tun. Oder?

    Die Gefahr besteht nunmal, dass Beschimpfungen Beschimpfungen provozieren und nicht mehr über Inhalte gesprochen wird. Apropos Inhalte: worum ging es in dem Blogbeitrag nochmal???

  19. 19 Carl 05. März 2010 um 8:21 Uhr

    Ich weiß ja auch, dass es ursprünglich um etwas anderes ging. Ich habe nicht vor, hier Streit zu provozieren. Aber warum stellt ihr seinen Beitrag nicht einfach wieder her? Wenn es echt nur Beschimpfungen sind, wird es doch keiner ernst nehmen.
    Love and Peace again.

  20. 20 Carl 05. März 2010 um 9:22 Uhr

    Ich möchte aber darüber nicht streiten.
    Frieden?

  21. 21 Administrator 05. März 2010 um 12:31 Uhr

    Hi Carl,
    ja natürlich Frieden. Wir sollten uns nicht von unserer Aufgabe durch dieses Thema ablenken lassen.

    Konsens in unserer Redaktion ist, dass missliebige Meinungen nicht gelöscht werden. Strittig sind lediglich Kommentare, die ausschließlich aus einer Aneinanderreihung von provokanten Beleidigungen bestehen. Wir können schon allein aus rechtlichen Gründen nicht jeden Kommentar stehen lassen.

    Lieben Gruß
    Admin

  22. 22 Hans Arschloch 05. März 2010 um 14:47 Uhr

    Was habt ihr denn für eine Aufgabe?
    Einen größtmöglichen Haufen Scheisse in die Welt hinauszuposaunen?
    Denn nichts anderes ist das hier: Ein Haufen Scheisse, der unter der Last an ekelhaften Gerüchen zusammenzubrechen droht.

  23. 23 Andreas 05. März 2010 um 15:11 Uhr

    Hallo Carl

    ich werde diesen Beitrag von Hans Arschloch löschen. Er wird dann wieder „Zensur! DDR!“ schreien.
    Ich lasse ihn nur solange stehen, bis du ihn gesehen hast, damit du nicht glaubst, dass wir hier inhaltliche Beiträge löschen.

    Lieben Gruß
    Andreas

  24. 24 Carl 05. März 2010 um 15:47 Uhr

    @ Andreas: Dieser Beitrag ist in der Tat nicht besonders wertvoll oder weiterführend. Trotzdem finde ich es nicht gut ihn zu löschen. Das ist halt seine Meinung.

    @ „Hans Arschloch“: Warum sagst du nicht mal, was dich an der Seite stört, statt hier rumzupöbeln? Vielleicht kann man ja darüber reden.

    Lieben Gruß
    Carl

  25. 25 Hans Arschloch2 06. März 2010 um 0:03 Uhr

    Das kann ich dir erzählen: Diese Organisation hier stellt eine Verbindung zwischen Nazizeit und Westerwelle her. Dazu benutzt sie den Begriff „Dekadenz“ als Brücke.
    Das Wort Dekadenz sei belastet und bei dessen Verwendung müsse man sich im klaren sein, dass eine solche Analogie bestehe.
    Indirekt wird also Westerwelle unterstellt, er sei ein Nazi, mindestens aber wird dies suggeriert.
    Und das ist etwas, was nicht tolerierbar ist. Solchen Unsinn sollen Studenten der WWU von ihren Studiengebühren bezahlen?

    Es ist klar, dass wir in Bezug auf die Richtigkeit von Westerwelles Aussagen unterschiedlicher Auffassung sind, ABER: Es kann nicht sein, dass ein ehrenwerter Mensch, der für Toleranz und Meinungsfreiheit in diesem Land sehr viel schon getan und auch weiterhin tun wird, hier in eine solche Ecke gestellt wird.
    Absurd wird es, wenn man bedenkt, dass er schwul ist!
    Westerwelle wäre einer der ersten gewesen, den Nazis und Konsorten (DDR-Schergen übrigens genauso!) ermordet hätten, da er eben nicht die Klappe hält, wenn andere es wollen.

    Und da denke ich mir: Wer solche Beleidigungen hier aufsetzt, der hat es nicht anders verdient als hier wüst beschimpft zu werden.

    Was weiterhin zu hinterfragen ist: Wenn sich diese Organisation so mit dieser Seite der Medaille befasst, warum gibt es hier keine Berichte über Stasi-Leute bei der Linken etc.?

    Nein, das, was man hier geschaffen hat, ist eine linksextreme Organisation, die von allen Studierenden bezahlt werden muss.

    Hier übrigens ein passender Bericht über den Asta im Allgemeinen: http://www.zeit.de/campus/2010/02/asta?page=1

    Es ist beschämend, was hier für ein Gedankengut herrscht: Neben Neid ist das alles hier auf Intoleranz aufgebaut. Typisch eben für die echte Fratze der linken Politik.

  26. 26 hans wurst 06. März 2010 um 4:56 Uhr

    „nicht tolerierbar“ – Du Nazi.

  27. 27 Hans Arschloch2 06. März 2010 um 9:10 Uhr

    Hallo mein Stoffwechselendprodukt. Schön, dass auch du das Licht der Welt erblickt hast.

  28. 28 Andreas 08. März 2010 um 4:57 Uhr

    Hi Hans Arschloch

    1. Wie wäre es zunächst, wenn wir uns darauf einigen, die sexuelle Orientierung von Guido Westerwelle unberücksichtigt zu lassen? Es gibt zum einen tatsächlich auch schwule Neo-Nazis, zum anderen hat er die Vokabel „dekadente Erscheinung“ nicht als Schwuler geäußert, sondern als Parteivorsitzender der FDP, zum dritten wird er gerade auch aus der Schwulenbewegung für die Benutzung dieser Wortwahl kritisiert.

    2. Du scheinst glücklicherweise von deiner Behauptung abzuweichen, wir würden Westerwelle als Nazi bezeichnen. Es wurde ja auch nirgendwo behauptet oder „suggeriert“, Westerwelle sei ein Nazi. ABER ich unterstelle ihm, dass er an einem Sozialeugenik-Diskurs mitstrickt, an dem auch Sarrazin/Sloterdijk/Heinsohn eifrig basteln. Die Zutat, die Westerwelle in diesem Kontext liefert ist eine enttabuisierende Verknüpfung von der „Gefahr einer missglückenden Selektion“ und der damit einhergehenden „dekadenten Erscheinung“. Für die Benutzung der Wortwahl „spätrömische Dekadenz“ in der Welt-Online wurde Westerwelle bereits lautstark kritisiert. Immerhin milderte dort das „spätrömisch“ noch die Vokabel „Dekadenz“, da diese dann eher auf einen geschichtlichen Zustand verwies.
    Mit dem darauf folgenden Interview im Deutschlandfunk wiederholte aber Westerwelle nicht nur den Begriff „Dekadenz“. Wenn er diesen Begriff nur benutzte, um mit einem überzogenen Begriff eine Faulheitsdebatte anzuschieben, dann hätte er fortan auf diesen Begriff verzichten können, da die Skandalisierung bereits äußerst gut lief. Er hat ihn aber nicht nur wiederholt, sondern den Kontext verschoben. Es ging hier nicht mehr um eine Analogie mit einem geschichtlichen Zustand, sondern um Selektion!
    Seine Aussage war, dass Einheitsschulen „dekadente Erscheinungen“ sind. Vor dem Hintergrund, dass der Alliierte Kontrollrat nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Direktive 54 empfahl, dass gegliederte Schulwesen in Deutschland aufzulösen und eine Einheitsschule mit einer sechsjährigen Grundschule und ohne verschiedene Schultypen einzuführen, weil das dreigliedrige Schulsystem ein Standesdenken und eine Untertanenmentalität fördere, ist die Bezeichnung „dekadente Erscheinung“ unangemessen und äußerst peinlich.
    Aber über die Unangemessenheit und Peinlichkeit hinaus, passt sie wie ein fehlendes Puzzlestück in die aktuelle Sozialeugenik-Debatte und enttabuisiert die Verwendung des Begriffs „Dekadenz“ als Folge von fehlender oder misslingender Selektion. Dass es hierbei nicht einfach nur um Leistungsselektion geht, sondern um soziale Selektion, zeigt sich darin, dass Westerwelle auch die Ersetzung des Elternentscheidung durch die Lehrerentscheidung bei der Schulwahl als „dekadente Erscheinung“ wertet.

    Andreas

  29. 29 Andreas 08. März 2010 um 13:43 Uhr

    Zur Kommentarlösch-Diskussion:

    Mir ist die Idee gekommen, dass wir diese Diskussion von unserem Standpunkt als studierende Arbeiterkinder entwickeln. Eigentlich hat Carl damit ja schon begonnen, wenn auch implizit. Hierzu fallen mir spontan einige Dinge ein:

    1. Gerade Bildungsaufsteiger_innen machen oft die Erfahrung des Ausschlusses. Kriterien des Ausschlusses sind oft Stil-Fragen. Dies sollten wir kritisieren und stärker in den Mittelpunkt von politischen Diskussionen lenken, statt bürgerliche Verhaltensweisen zu imitieren und selber Ausschlüsse vorzunehmen.

    2. Bürgerliche Sprachfixiierung: Mit Punkt Eins verwandt ist die bürgerliche Sprachfixierung. Ich habe in langen schmerzlichen Prozessen lernen müssen, dass im akademischen Milieu (nicht nur an der Uni, sondern auch in WGs und Politgruppen) Sprache sehr viel ernster genommen wird als nicht-sprachliches Handeln. Bilder und Sprache gelten oft mehr als die Materialität und „Wie“ man etwas sagt ist oftmals wichtiger als „Was“ man sagt. Ich möchte diese Kritik an der bürgerlichen Sprachfixierung nicht verwechselt wissen mit einem Anti-Polically-Correctness-Diskurs. Es ist wichtig, sich politisch richtig ausdrücken zu können. Aber das Ringen um die politisch richtige Sprache sollte nicht verwechselt werden mit einem Sprachcode anhand dessen man Ausgrenzungen vornimmt. Auch das was als unzulässige Sprache gilt, ist klassenspezifisch geprägt. (Pseudo-)elegante Kommentare können sehr viel verletzender sein als ein ehrliches „Arschloch“.

    3. Umgekehrt habe ich das Gefühl, dass sich Akademikerkinder manchmal im Umgang mit Arbeiterkindern eine „prollige“ Sprache zulegen. Ich habe keine Ahnung, ob „Hans Arschloch“, „Hans Wurst“ oder „Ich“ Akademikerkinder sind. Aber ich finde es problematisch, dass in diesem Blog vermehrt Begriffe wie „Arschloch“ auftauchen, die von den Kritikern von politisch organisierten Arbeiterkindern benutzt werden. Das kommt mir so vor, als würden wir mit Dreck beworfen, damit dann auf uns gezeigt werden kann: „Schau mal, wie dreckig die sind.“

    Okay, das sind meine z.T. widersprüchlichen Anmerkungen zum Thema Kommentar-Löschungen.

  30. 30 Hans Arschloch 10. März 2010 um 0:55 Uhr

    13:43 Uhr und schon besoffen?
    Das sollte man mal diskutieren….

  31. 31 Duke 1973 10. März 2010 um 20:14 Uhr

    Als arbeitender Mensch find ich die Behandlung des Themas erfreulich.Das Störfeuer von Hans A. überlese ich huldvoll,weil ich dort leider keine inhaltliche Auseinandersetzung festselen kann.Das die sexuelle Orientierung als Feigenblatt für Menschenverachtung herhalten soll,leuchtet mir nicht wirklich ein.Die unsägliche Entpolitisierung und importierte Neiddebatte beobachte ich zur Genüge bei meinen Arbeitskollegen,die einfach nicht begreifen,das die Sündenbock-Blitzableiter Debatte vor niemandem halt macht, der lohnabhängig beschäftigt ist.Die Abwertung von Arbeit wurde systematisch vorangetrieben Motto“Man sollte froh sein ÜBERHAUPT Arbeit zu haben“,das war allerdings nur der Auftakt-es gibt Menschen die ARBEITEN anstatt Karriere zu machen,und das war für die Balance der Gesellschaft wichtig.Das Separieren sozialer Gruppen und die Anmaßung der „Leistungsträger“in technokratischer Tradition unterscheidet sich dabei gar nicht so sehr von totalitärem Denken.
    Es geht nicht darum denjenigen die sich etwas erarbeitet haben etwas „wegzunehmen“: sondern denen ,die weitaus mehr als ein Individuum zu einem mehr als auskömmlichen Leben braucht,besitzen und sich gleichzeitig aufschwingen, Lohnabhängige zu zwingen die Arbeitskraft zum Schleuderpreis zu verkaufen und Hilflose als Drohszenario zu mißbrauchen, auf die FINGER ZU KLOPFEN!

  32. 32 Carl 11. März 2010 um 12:14 Uhr

    @ Hans Arschloch: Die Kritik am AStA kann ich nicht nachvollziehen. Der AStA wird doch von den Studierenden gewählt. Er ist ein demokratisch legitimiertes Gremium. Wer findet, dass der ASta Studiengebühren verschwendet, hätte doch die Möglichkeiten, beim nächsten Mal eine andere Wahlentscheidung zu treffen. Man könnte auch eine Liste gegen die Verschwendung von Studiengebühren gründen. Sollte die Verschwendung von Studiengebühren so ein großes Problem sein, wie man annimmt, wäre diese Liste bestimmt Wahlsieger.
    Der AStA unserer Uni wurde mit einer Wahlbeteiligung von ungefähr dreissig Prozent gewählt. Viele Studierende beschweren sich nun darüber, dass der AStA von der Mehrheit der Studierenden nicht legitimiert sei.
    Das ist für mich schwer zu verstehen. Es wird öffentlich verkündigt, dass Stupa-Wahl ist. JedeR ist erlaubt zu wählen. Wo ist das Problem?

    @ Andreas: Habe ich mit einer derartigen Diskussion begonnen? Kommt mir eigentlich nicht so vor, aber interessantes Thema. Mir fallen dazu zwei Zitate ein, die ich mal suchen werde.
    Das erste kommt aus dem Buch „Die Linke“ von Jan Fleischhauer. Ein Buch, das dir wahrscheinlich nicht gefallen wird, denn es rechnet mit der Linken ab. Eines der Kapitel ist dem Thema „Die Linke und das Volk“ gewidmet. Das Volk der „große dumme Lümmel“, der immer nicht will, wie die Linken.

    „Auch das was als unzulässige Sprache gilt, ist klassenspezifisch geprägt. (Pseudo-)elegante Kommentare können sehr viel verletzender sein als ein ehrliches „Arschloch““
    Dazu hatte ich auch ein Zitat:

    1. „LaShawn, du bist ein dummer Nigger und gehörst nicht auf diese Schule“
    2. „LaShawn, so sehr ich es auch bedaure, ist es leider so, dass Menschen deiner ethnischen Zugehörigkeit von den Angeboten dieser Schule nicht in vollem Umfang profitieren können. Es ist leider wahrscheinlich, dass du scheitern wirst. Der ganze Lehrkörper bedauert dies zutiefst. Natürlich ist das nicht deine Schuld.“

    Diese beiden Zitate habe ich (nicht wörtlich aber so ähnlich) in einem soziologischen Buch gelesen. Es wurde argumentiert, dass der zweite Kommentar sehr viel verletzender sei, weil der erste Kommentar die Meinung eines rassistischen Lehrers sei, der zweite aber als die Meinung der Schule gelte.

    Das Originalzitat war noch „besser“.

  33. 33 Andreas 11. März 2010 um 13:53 Uhr

    Hi Carl,
    Das Buch von Jan Fleischhauer gefällt mir tatsächlich nicht und ich unterschreibe gerne den Offenen Brief von Bruno Preisendörfer an Jan Fleichhauer, in dem es u.a. heißt:

    „Dass Menschen aus guten bürgerlichen Familien mit Vermögen, und zwar „Vermögen“ in einem Sinn, in dem sich ererbte materielle Sekurität und erworbene geistige Fähigkeiten wechselseitig ergänzen, dass solche Menschen konservativ sind oder werden ist kein Versehen, sondern völlig normal.“

  34. 34 Carl 21. März 2010 um 23:01 Uhr

    Ich habe mir die Kritik von Preisendörfer durchgelesen, kann sie aber nicht nachvollziehen.
    Natürlich geht es in dem Buch um Fleischhauers Familie, wie dieser auch schon im Vorwort erwähnt. Spätestens da hätte Preisedörfer gewarnt sein müssen. Seine Kritik geht ins Leere. Ich kaufe doch auch keinen Reiseführer über die Türkei und ärgere mich, dass da nichts über Griechenland steht. Man könnte Fleischhauer höchstens vorwerfen, dass er sein Buch großkotzig „Die Linke“ genannt hat. „Meine Eltern, ihre Freunde und meine Mitschüler, Kommilitonen und Kollegen“ wäre aber auch ein sperriger Titel.

    Wir sollten Fleischhauer alle dankbar sein, dass er kein Buch über die Arbeiterbewegung geschrieben hat. Denn da er, wie aus seinem Buch hervorgeht, in einem Villenviertel aufgewachsen ist, wäre das wohl ein schlechtes Buch geworden.

    Ansonsten haben Fleischhauer und Preisendörfer eigentlich ähnliche Ansichten. Zum Beispiel regen sich beide über eine Kultur auf, in der das Fremde begeistert geliebt und die nähere Bekanntschaft mit ihm sorgfältig vermieden wird.

  35. 35 Nico 25. Januar 2011 um 21:41 Uhr

    Ideen für Ferienjobs gibts hier: http://www.spataro.de/zeitgeist/?tag=ferienjob

    LG, Nico

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