Bachelor-Studie: Auswertung nach Fragen Sozialer Selektivität

Von Andreas Kemper
Im Folgenden werden unkommentiert die Abschnitte der Studie

Tino Bargel / Frank Multrus / Michael Ramm / Holger Bargel: „Bachelor-Studierende. Erfahrungen in Studium und Lehre. Eine Zwischenbilanz“, herausgegeben vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Bonn/Berlin 2009

zitiert, die sich mit der Problematik sozialer Selektivität befassen:

Rangliste der Wünsche

„In der Rangliste der Wünsche zur Verbesserung ihrer Studiensituation rücken die Bachelor-Studierenden drei Punkte in den Vordergrund (Anteil sehr dringend):

  • Verbesserung der Arbeitsmarktchancen (40%),
  • Lehrveranstaltungen mit weniger Teilnehmern (36%),
  • Erhöhung der BaföG-Sätze (36%).

Die Bachelor-Studierenden an Universitäten heben außerdem den Praxisbezug im Studium hervor. An den Fachhochschulen wird aufgrund der oft finanziell schwierigen Situation die Erhöhung der BaföG-Sätze mit Abstand an die erste Stelle der studentischen Wunschliste gestellt.“ (S. 9)

„Die soziale Dimension des Studiums wird von den Studierenden vermehrt betont, weil für viele von ihnen Fragen der Finanzierung (auch für ein Auslandsstudium) schwieriger geworden sind. Zu den dringlichen Forderungen zählen die Erhöhung der BaföG-Sätze und vermehrte Stipendien, auch die Verbesserung der Arbeitsmarktchancen. Damit verbunden ist ein stärkeres Achten auf soziale Gerechtigkeit beim Studium und den kulturellen und sozialen Chancen (Auslandsaufenthalt, Master-Studium, Berufschancen).“ (S. 10)

Finanzielle Lage, Erwerbstätigkeit und Auslandsaufenthalt

„Nicht wenige Studierende sind durch die finanzielle Lage oder schlechte Berufsaussichten im Studium stark belastet. Die jetzige finanzielle Lage wird von 28%, die Berufsaussichten und die zukünftige finanzielle Lage von 22% der Bachelor-Studierenden als sehr belastend empfunden. Der Anteil Studierender mit Sorgen wegen ihrer Finanzsituation und der Studienfinanzierung hat sich seit Mitte der 90er Jahre kontinuierlich erhöht: von damals 48% auf nunmehr 71% an den Universitäten und sogar 76% an den Fachhochschulen.“ (S. 8 )

„Ein zeitlicher Aufwand für die Erwerbstätigkeit von mehr als einem Arbeitstag, führt bereits zu einer deutlichen zeitlichen Belastung für die Studierenden. Ein effizientes Studieren kann dann kaum noch gewährleistet werden. Von den Bachelor-Studierenden ist davon jeder vierte betroffen.“ (S. 37)

„Die Möglichkeiten für ein Studium im Ausland sind den Studierenden in den Bachelor-Studiengängen keineswegs gleichermaßen nahe gebracht worden, mit größeren Defiziten in den Ingenieurwissenschaften. Mögliche Stipendien für ein Auslandsstudium sind am ehesten den Bachelor-Studierenden in den Kulturwissenschaften (37%) und den Wirtschaftswissenschaften (35%) bekannt; in anderen Fachrichtungen wissen die Studierenden über diese Möglichkeiten weniger Bescheid.“ (S. 7)

„Sowohl das Master-Studium als auch ein Auslandsaufenthalt bedeuten einen zusätzlichen finanziellen Aufwand. Das Master-Studium ist noch stärker der Eigenfinanzierung durch die Studierenden überlassen. Somit ist eine soziale Selektion an dieser Stufe zu befürchten. Denn die finanzielle Mehrbelastung ist eines der größten Hindernisse für einen Auslandsaufenthalt während des Studiums. Auch andere Studien und Berichte stellen die
soziale Selektivität hinsichtlich eines Auslandsstudiums und die Bedeutsamkeit finanzieller Erwägungen fest (vgl. Orr u.a. 2008, S. 16; Jahr/Schomburg/Teichler 2007). Diese soziale Selektivität könnte durch eine verbreitete Verschiebung des Auslandsaufenthaltes ins Master-Studium noch verstärkt werden. Dadurch verfestigen sich soziale Ungleichheiten, wenn finanziell schwache Studierende aufgrund fehlender Auslandserfahrung später auf dem Arbeitsmarkt Nachteile erfahren: „Wenn Auslandserfahrungen so vorteilhaft sind, persönlich und beruflich, dann ist das Auslandsstudium ein besonderes Beispiel für die nachhaltige Nachwirkung von sozialer Ungleichheit
im Studium, ein Umstand, der bisher kaum problematisiert wurde“ (Bargel, T. (2007b): Soziale Ungleichheit im Hochschulwesen. Hefte zur Bildungs-und Hochschulforschung 49. AG Hochschulforschung, Universität Konstanz.).“ (S. 54)

„Als ein entscheidender Faktor, der Bachelor-Studierende von einem Auslandsstudium abhält, kristallisiert sich die finanzielle Mehrbelastung heraus. Dass die Durchführung und Planung eines Auslandsstudiums durch fehlende finanzielle Mittel verhindert wird, ist das häufigste Problem für die Studierenden. Darüber ist in der Hauptsache der enge Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Auslandsmobilität begründet: je niedriger der berufliche Status der Eltern und ihr Finanzierungsbeitrag zum Studium, desto geringer die Chance ein Auslandstudium zu wagen (vgl. Bargel 2007). Eine Möglichkeit dieser sozialen Ungleichheit entgegenzuwirken besteht in der Vergabe von Stipendien für Studienphasen im Ausland. Dies fordern viele der Bachelor-Studierenden: 79% halten Stipendiensysteme für Studienaufenthalte im Ausland für wichtig, darunter 43% sogar für sehr wichtig. Stipendienangebote für ein Auslandsstudium sind aber unter den Studierenden noch weithin unbekannt: Nur knapp ein Drittel der befragten Bachelor-Studierenden weiß von solchen Stipendien (31%). Darüber hinaus halten jene, die solche Angebote kennen, sie zu 38% für schlecht, zu 41% für mittelmäßig und nur zu 22% für gut. Daran wird ersichtlich, dass sowohl der Umfang von Stipendien für Auslandsaufenthalte als auch die Kenntnis davon zu verbreitern wären, wenn eine Erhöhung der „Auslandsquote“ unter den Studierenden angestrebt wird und Bildungsaufsteiger gleiche Chancen in diesem wichtigen Feld des Hochschulstudiums erhalten sollen.“ (S.56)

Kontakt zu Lehrenden

„20% der Bachelor-Studierenden verneinen Kontakte zu den Lehrenden, fasst die Hälfte hat sie selten (48%) und nur 7% gelingt der unmittelbare Zugang zu ihren Lehrenden häufig; vor allem zu den Professor/innen ist die Distanz groß geblieben. Wenn mit dem Bachelor-Studium eine bessere Betreuung durch die Lehrenden erreicht werden sollte, so wird die Verwirklichung dieser Intention von den Bachelor- Studierenden nicht bestätigt. Der Mangel an solchen Kontakten erscheint problematisch, weil aufgrund der vielfältigen Veränderungen und Neuerungen im Bachelor-Studium mehr Kontakte zwischen Studierenden und Lehrenden, auch zur Rückmeldung, Beratung und Ermutigung, angebracht wären.“ (S. 6)

Studienabbruch

„Gleichwohl ist der Anteil, der sich etwas oder ernsthaft mit dem Abbruch des Studiums befasst, unter den Bachelor-Studierenden merklich größer als unter den Diplom-Studierenden: an den Universitäten liegt der Anteil bei 26% (Bachelor) zu 20% (Diplom), an den Fachhochschulen bei 27% zu 17%. Am häufigsten wird ein vorzeitiges Ende des Studiums von den Bachelor- Studierenden in den Ingenieur- und Sozialwissenschaften an den Universitäten erwogen. Ob tatsächlich ein Studienabbruch erfolgt, ist in starkem Maße von der Betreuung, der Einbindung und der Unterstützung in den einzelnen Fachrichtungen abhängig. Eine gelungene Strukturierung des Studienaufbaus kann ebenfalls dazu verhelfen, den potentiellen Studienabbruch aufzufangen.“ (S. 8 )

Anmerkung

In der Studie bzw. der Auswertung der Studie wurde leider nicht nach sozialer Herkunft differenziert. Es wurde deshalb auf Passagen zurückgegriffen, die thematisch in früheren Untersuchungen mit Aspekten der Bildungsbenachteiligung korrespondierten. Die Studie ist als PDF-Datei sowohl im Service-Bereich der Internetpräsenz des BMBF, als auch über die Uni-Konstanz runterladbar: http://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/gso/ag-hochschulforschung/Bachelorbericht2009.pdf

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • Wikio

1 Antwort auf „Bachelor-Studie: Auswertung nach Fragen Sozialer Selektivität“


  1. 1 Bachelor-Studium: Studierende beklagen Arbeitsbedingungen « Dishwasher Pingback am 18. Februar 2010 um 15:27 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.



kostenloser Counter