Neue Chefin der Antidiskriminierungsstelle macht Bildung zum Schwerpunkt

Die neue Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, will „ein besonderes Augenmerk“ auf den Bildungsbereich legen: „Wenn Bildung, wie immer wieder zu Recht betont wird, der Schlüssel zur Integration ist, dann baut zum Beispiel ethnische Diskriminierung schon an der Schule Aufstiegshürden auf, die zuallererst eingerissen werden müssen.“ Schön und gut, aber wie soll Diskriminierung im Bildungsbereich erforscht werden, wenn systematisch „Soziale Herkunft“ und „Vermögen“ als Diskriminierungsgründe ignoriert werden? „Soziale Herkunft“ ist ein Diskriminierungsmerkmal, welches im Grundgesetz Art.3 auftaucht, nicht jedoch im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Und was im AGG nicht als Diskriminierung auftaucht, ist keine Diskriminierung und muss daher auch nicht als Diskriminierung erforscht werden.
Dieser Ansatz ist weder wissenschaftlich noch entspricht er der eigenen Anfoderung nach einem „horizontalen Ansatz“:

Der Begriff horizontaler Ansatz bezieht sich auf die im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) genannten Diskriminierungsmerkmale und bedeutet, dass die verschiedenen Merkmale gleichermaßen schutzwürdig sind. Damit wird eine Hierarchisierung von Diskriminierungsmerkmalen bzw. Betroffenengruppen verhindert. Grundlage des horizontalen Ansatzes sind die Menschenrechte.

Das ist – wenn man die Praxis der Antidiskriminierungsstelle zu Grunde legt – schlichtweg gelogen. Sie macht nicht die Menschenrechte zur Grundlage ihrer Beratung und Forschung, sondern die im AGG genannten Diskriminierungsgründe.
Problematisch ist dies nicht nur im Bildungsbereich, sondern auch im Hinblick auf „mehr Forschung zu Mustern, Ursachen und Wirkungen von Diskriminierung“, die Christine Lüders fördern will, aber eben nur pseudo-wissenschaftlich mit der Beschränkung auf die im AGG genannten Diskriminierungsgründe.

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2 Antworten auf „Neue Chefin der Antidiskriminierungsstelle macht Bildung zum Schwerpunkt“


  1. 1 Schuldenfalle Studium 27. Februar 2010 um 10:43 Uhr

    Christine Lüders sollte als erstes generell die Altersgrenze von 30 Jahren für die Gewährung von BaföG Leistungen abschaffen.

    Dies würde auch die Prüfung von Ausnahmeregelungen und damit den Bürokratieaufwand diesbezüglich auf Null reduzieren.

    Die Abschaffung fordere ich nicht nur aus dem Grunde, weil das Renteneintrittsalter für Arbeitnehmer bereits angehoben wurde und die Altersgrenze von 30 Lebensjahren für die Gewährung von Leistungen nach dem BaföG nicht entsprechend (zum Beispiel plus 2 Jahre).

    Verstösst nicht bereits die Regelung des BaföG eine Förderung nur bis zum Alter von 30 Jahren zu gewähren gegen das AGG § 1 „Ziel des Gesetzes“ ?

    Warum erfolgt die Gewährung von Leistungen nach dem BaföG nur bis zum Altern von 30 Jahren, obgleich dies nach meiner Ansicht gegen das AGG verstößt?

  2. 2 Andreas 27. Februar 2010 um 17:07 Uhr

    Hi

    Es handelt sich hier um eine Grauzone. Meiner Meinung nach ist hier eindeutig eine Form von Altersdiskriminierung gegeben. Einen entsprechenden Fall haben wir bei der Stipendienvergabe, die von Seite des Bundes bei Parteienstiftungen ebenfalls nur für Studierende bis zu einem Alter von dreißig Jahren gilt.

    Bei den Stipendien wurde bislang behauptet, dass diese nichts mit dem Arbeitsleben zu tun haben, sondern nur mit dem Bildungssystem, dass sich das AGG aber nicht auf das Bildungssystem bezieht. Mit der Erweiterung des AGG vom letzten Jahr bezieht dieses aber nun auch das Bildungssystem mit ein. Insofern wären Altersdeckelungen im Bildungssystem Verstöße gegen das Verbot einer Altersdiskriminierung.

    Es müsste halt jemand eine Musterklage führen.

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