Pierre Bourdieu in der Diskussion: Praxeologie und Gesellschaftskritik
Referenten sind Dr. Gregor Bongaerts, Bauhaus-Universität Weimar, und Dr. Robin Celikates, Goethe Universität Frankfurt.
Gegenstand der Diskussion mit diesen beiden ausgewiesenen Bourdieu-Experten wird das grundlegende Spannungsverhältnis in der Soziologie Bourdieus zwischen der praxeologischen Theoriebildung und den materialen Gesellschaftsanalysen einerseits und dem gesellschaftskritischen, emanzipatorischen Anspruch Bourdieus andererseits sein.
Im aktuellen Handelsblatt findet sich ein Artikel über Bonuszahlungen an Lehrer_innen und arme Schüler_innen. In den Vereinigten Staaten gibt es ein Programm, welches Lehrer_innen einen Bonus zahlt, wenn diese die Leistungen für Schüler_innen mit schlechten Noten verbessern. Der aus der sogenannten „Unterschicht“ stammende Harvard-Professor Roland Fryer schlägt hingegen vor, Schüler_innen aus armen Elternhaus 50 Dollar oder Handy-Freischaltungen für gute Noten zu schenken. Kinder aus reicheren Elternhäusern erhielten schließlich auch oft Belohnungen für gute Noten. Was denkt Ihr über diese Vorschläge?
Ein aktuelle Studie des Hochschulinformationssystems vom 11.03.2010 ergab, dass Abiturient_innen (Studienberechtigte) aus nicht-akademischen Elternhaus ein halbes Jahr nach der Studienberechtigung wieder häufiger ein Studium aufnehmen. So stieg die Studierendenquote von 59% 2006 auf 65% 2008 um 6 Prozentpunkte. Die Studierendenquote von Studienberechtigten mit akademischen Elternteilen stieg im gleichen Zeitraum ebenfalls (von 75% auf 78%). Bei diesen Zahlen ist zu beachten, dass in Baden-Württemberg die Berufsakademien als Hochschulen anerkannt wurden, was für eine Verzerrung der Vergleichbarkeit sorgte. (mehr…)
„Wir haben in Deutschland einen so riesigen Nachholbedarf im Vergleich zu allen anderen Ländern in Europa. Vor allem brauchen wir die Gemeinschaftsschule von Klasse 1 bis 9, damit alle Kinder in ihrer ganzen Unterschiedlichkeit in Ruhe gemeinsam und voneinander lernen können. Die unmenschliche Selektion nach Klasse 4 gehört endgültig abgeschafft, nicht nur aus pädagogischen sondern auch aus ökonomischen Gründen. Das wird schwer, wie sich jetzt in Hamburg zeigt. Aber die Zeit arbeitet für uns.“
Der britische Sozialforscher Richard Wilkinson in einem Interview mit der Zeit: Die Ungleichheit ist in wohlhabenden Industriestaaten die Ursache aller sozialer Probleme. Je höher die Ungleichheit ist, desto mehr Probleme bekommt die Gesellschaft. Verantwortlich dafür sei u.a. die Sozialstatuts-Angst, die Eltern an ihre Kinder weitergäben. Richard Wilkinson / Kate Pricket: „Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind“, Tolkemit-Verlag, 19,00 Euro
2010 ist das europäische Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung. Eigentlich hätten während des EU-Gipfels Ziele zur Bildungspolitik und Armutsergänzung beschlossen werden sollen.
Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, die EU-Staaten sollten vereinbaren, die Zahl der unter der jeweiligen Armutsgrenze lebenden Menschen in der EU bis 2020 um 20 Millionen zu verringern und eine Studierendenquote von mindestens 40% in den europäischen Staaten zu erreichen. Die Bundesregierung blockierte beide Ziele. (mehr…)
Die DDR hatte gegenüber der BRD bildungspolitisch einige Vorzüge, z.B. die frühe Abschaffung der Prügelstrafe, die entschlossene Entnazifizierung, der ernsthafte Versuch in den vierziger und fünfziger Jahren, die Bildungsbenachteiligung von Arbeiterkindern aufzuheben. Aber es hatte auch Nachteile, z.B. die frühe Militarisierung, wie sie sich im folgenden Lied zeigt… Andererseits lässt sich der Song gut im nächsten Polizeikessel anstimmen: „Wenn ich groß bin, gehe ich zur Volksarmee…“
Patti Smith, Punk- und Rockmusikerin und Rockpoetin, hat eine Autobiographie herausgebracht: Just Kids. Die Geschichte einer Freundschaft, erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch. Patti Smith stammt aus armen Elternhaus und hatte eine längere Beziehung mit dem ebenfalls aus der Arbeiterschicht stammenden Fotografen Robert Mapplethorpe. Patti Smith engagierte sich in der Frauenbewegung. „Do you like the world around you? Then change it.“
Der Schulkampf in Hamburg Einmal monatlich lädt das Referat für studierende Arbeiterkinder der Studierendenvertretung der Uni Münster ein zum Stammtisch. Neben einem inhaltlichen und kulinarischen Input besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen, zu diskutieren und sich kennen zu lernen.
Am Dienstag den 06. April 2010 zeigen wir einen kurzen Beitrag zum Schulkampf in Hamburg, liefern etwas Hintergrundinformationen und würden gerne mit Euch die Problematik aus der Sicht von „Arbeiterkindern“ diskutieren. (mehr…)
Dieser ist kürzer. Nach dem Abitur habe ich angefangen, Jura zu studieren.
Ich bin mit einem anderen Jurastudenten, dieser war in dritter Generation Jurist, in eine WG gezogen. Das Studium war unheimlich stressig. Mein Ehrenamt musste ich aufgeben. Ich habe bestimmt (Nebenjob und Studium zusammengerechnet) 60 Stunden in der Woche gearbeitet und vieles einfach nur auswendig gelernt. Die Kommilitonen waren zum Teil sehr unsolidarisch. In der Bibliothek wurden die Bücher versteckt. (mehr…)
Macht KMK Rückzieher beim Fördern und Fordern?
„Die Chancen von leistungsschwachen Schülern in den Blick zu nehmen, ist im Grundsatz richtig. Der VBE hofft jedoch, dass der jüngste KMK-Beschluss kein Rückzieher von der Verpflichtung auf das Bildungsprinzip des Förderns und Forderns für alle Schüler ist“, erklärt VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann nach dem KMK-Beschluss vom 04. März. (mehr…)
Von Anreas Kemper
Die WELT-Online hält es für notwendig, dass Herr Heinsohn seine Polemiken noch einmal wiederholen darf. Er nennt in seinem Gastkommentar vom 20.03.10 keine neuen Argumente, sondern wird noch perfider: die Hartz-IV-Mütter seien unschuldig. Sie würden durch die hohen Transferleistungen verführt und dann später vom Staat als Schlampen bezeichnet, weil sie das Geld annehmen (welche Leistungen eigentlich? Kindergeld kann er ja wohl nicht meinen, das wird schließlich mit dem ALG-II verrechnet, Elterngeld gibt es nur für ein Jahr und zwar nur ein Sechstel der Transferleistungen, die Gutverdienende erhalten). Besser also erst gar nichts geben? (mehr…)
Seit ich ganz klein bin, haben mich meine Eltern zur Arbeit angehalten. Ich habe sehr oft zum Beispiel bei Verwandten geholfen. Mit 16 hatte ich meinen ersten richtigen Job und habe seitdem immer neben der Schule und der Uni gearbeitet. (mehr…)
Ich komme aus Verhältnissen, die man heute als Prekariat bezeichnen würde:
Meine Mutter war Altenpflegehelferin, Putzfrau und die meiste Zeit arbeitslos. Sie war alleinerziehend, psychisch krank und alkoholabhängig.
Ich konnte aber bereits mit vier Jahren lesen und hatte am Ende der vierten Klasse in Bayern einen Notendurchschnitt von 2,0. Ich bekam eine Hauptschulempfehlung: Das Kind hat Stress mit dem Jugendamt, die packt das eh nicht. (mehr…)
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