„Gleiche Chancen in der Bildung“

Von Andreas Kemper

Das 8. Bildungssymposium in Thüringen stellt die Bildungsbenachteiligung in den Mittelpunkt

Das Bildungssymposium in Thüringen thematisiert die Überwindung sozialer Ungleichheiten unter dem Motto: „Gleiche Chancen in der Bildung“. Das 8. Bildungssymposium wird organisiert vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und vom Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien an der Universität Erfurt. Nach eigener Auskunft nimmt das Symposium damit die Forderung des UN-Sonderberichterstatters für das Menschenrecht auf Bildung, Vernor Muñoz, auf. Dieser hatte mit Blick auf den Zusammenhang von Bildungserfolg und sozialer Herkunft gerechtere Bildungsmöglichkeiten für jedes Kind gefordert.

Nach Christoph Matschie (SPD), Thüringens Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, könnten vom Bildungssymposium wichtige Impulse ausgehen.

Programm des Bildungssymposiums

Dem Leitthema „Gleiche Chancen in der Bildung“ sind mehrere Unterthemen zugeordnet:

* Die Gemeinschaftsschule – Ideen und Konzepte
* Längeres gemeinsames Lernen
* Individuelle Förderung von Kindern und Jugendlichen (Gemeinsamer Unterricht, Begabungsförderung)
* Berufliche Bildung – Chancen und Möglichkeiten
* Bildung für nachhaltige Entwicklung
* Die Implementierung des Thüringer Bildungsplans für Kinder bis 10 Jahre in Kindertageseinrichtungen und Schulen
* Lebenslanges Lernen
* Regionale Bildungslandschaften (z.B. Nelecom, Lernen vor Ort)
* Berufliche Bildung – Chancen und Möglichkeiten

Zu den Referenten des diesjährigen Bildungssymposiums gehören unter anderem Prof. Andreas Schleicher (OECD Paris), Prof. Klaus Klemm (Universität Duisburg-Essen) und Prof. Gerald Hüther (Universität Göttingen). Der Ausstellungsbereich in der Mensa, im Lehrgebäude 1 und im Audimax ist dem Thema „Kulturland Thüringen – Kulturelle Jugendbildung“ gewidmet.

Das Bildungssymposium findet am 8. Mai 2010 an der Universität Erfurt statt. Das Programm ist im Internet unter Externer Link www.bildungssymposium.de zu finden. Dort ist auch die Anmeldung möglich. Das umfangreiche Programm findet sich hier: Programmübersicht

Einschätzung

Ein Blick auf das Programm lässt vermuten, dass mit dem Symposium viele kleine Schritte in der Verbesserung des Bildungssystems angegangen werden. Der Schwerpunkt liegt hierbei im schulischen Bereich. Dies wäre dann kein großer, sondern viele kleine Würfe.
Dennoch sollte man anerkennen, dass es endlich eine Bezugnahme auf den äußerst kritischen Bildungsbericht vom UN-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Bildung, Vernor Muñoz, gibt, der vor ein paar Jahren Deutschland bereiste. Sowohl Vernor Muñoz als auch der internationale Koordinator der PISA-Studien, Andreas Schleicher, wurden von der konservativen Presse und von konservativen Bildungspolitikern massiv angegriffen, weil sie es wagten, die soziale Selektion im deutschen Bildungssystem zu kritisieren. Die Auseinandersetzung mit dem „PISA-Chef“ Andreas Schleicher von der OECD und der offiziellen deutschen PISA-Interpretation führte bereits zu einem Konflikt, in dessen Folge Deutschland von der Vorabveröffentlichung der PISA-Rohdaten ausgeschlossen wurde. In aktuellen Presseberichten wird die massive finanzielle Erhöhung der nationalen Bildungsforschung als eine Maßnahme interpretiert, sich von den „unschönen“ Interpretationen – insbesondere der Bescheiningung einer weiter fortbestehenden Sozialen Selektion – des internationalen PISA-Konsortiums unabhängig machen zu wollen.
Insofern ist es mutig, in einem Bundesland, welches von der CDU mitregiert wird, ein großes Symposium nicht nur als eine Erfüllung der Forderung des UN-Sonderberichterstatters herauszuheben, sondern auch als einen der drei Hauptredner Andreas Schleicher einzuladen. Ein weiterer Hauptredner ist Klaus Klemm, wir berichteten kürzlich über seine Studie über Nachhilfe als unfairen Ausgleich für fehlende Förderung. Klaus Klemm stellt in seinem Beitrag u.a. anhand aktueller Studien die Bildungsbenachteiligung im deutschen Schulsystem dar, welche seiner Meinung nach strukturell bedingt ist.
Verwundert war ich hingegen über den feinen Unterschied in der Ankündigung des Symposiums. Bis heute ist auf den Seiten des Bildungsministeriums der Titel: „Mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung“ zu lesen. Gegenüber dem eigentlichen Titel „Gleiche Chancen in der Bildung“ wird herausgehoben, dass wir noch keine Chancengerechtigkeit haben, gleichzeitig wird aber der Begriff „Chancengerechtigkeit“ benutzt, der hochgradig ideologisch besetzt ist.

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