Bürgerliche Medien forcieren Sozialeugenik

Die Sozialhilfe muss auf fünf Jahre beschränkt werden, damit weniger dumme und kriminelle „Unterschichtskinder“ geboren werden. Diese sozialeugenische Forderung konnte Gunnar Heinsohn bislang in der Welt-Online breittreten, jetzt bietet ihm auch die FAZ.net ein Forum für seinen Klassenrassismus. Wir berichteten bereits im Dishwasher über die Moderne Sozialeugenikdebatte, daher verweise ich nur auf einen kritischen Artikel in telepolis: Das unwerte Hartz-IV Leben

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11 Antworten auf „Bürgerliche Medien forcieren Sozialeugenik“


  1. 1 Andreas 17. März 2010 um 2:35 Uhr

    Als Ergänzung: ich sehe gerade, dass auch die BILD Heinsohns Thesen dokumentiert. Wurde ja auch Zeit…

  2. 2 Andreas 17. März 2010 um 11:34 Uhr

    Zweite Ergänzung: Auch der SPIEGEL bringt zeitgleich einen Artikel zu Schwangerschaftsabbruch und Hartz-IV: In den Betten des Prekariats. Von Bremen aus wird eine Bundesratsinitiative gestartet mit dem Inhalt, dass für Arbeitslose demnächst Verhütungsmittel umsonst sein sollen. Der Hintergrund ist, dass sich Arbeitslose die Pille (monatlich 10-20 Euro) nicht leisten können und die Zahl ungewollter Schwangerschaften hoch sei. Einerseits finde ich es gut, wenn man nun allen Menschen die Möglichkeit der sicheren Verhütung finanziell ermöglichen möchte. Wenn dies aber aus der Motivation erfolgt, die Zahl der Kinder von Arbeitslosen zu reduzieren, um Kosten zu sparen, dann hinterlässt es einen sehr schalen bräunlichen Geschmack.

  3. 3 Tobias 17. März 2010 um 22:25 Uhr

    Für die philosophisch und soziologisch interessierten Leser möchte ich noch eine Anmerkung machen. Adorno hat in seinem Aufsatz „Reflexionen zur Klassentheorie“ sehr gut dargestellt, dass im „Spätkapitalismus“ Klassen eigentlich etwas künstliches sind. Adorno vergleicht den gegenwärtigen Zustand mit den technologisch hergestellten Klassen in dem Roman „Brave New World“. Es ist eine „künstliche“ Maßnahme, den Schülern beispielsweie an Hauptschulen Entwicklungsmöglichkeiten vorzuenthalten, es wird „künstlich“ ein Knappheitszustand hergestellt, der einen Teil der Bevölkerung auf „einfachere“ Arbeiten vorbereitet – da ist also Herrschaft im Spiel und nicht „Förderng“. Auch die so genannte Unterschicht wird an der langen Leine eines disziplinierenden Bandes aus Hartz 4 und Beratungsmaßnahmen gehalten – eine echte Förderung findet hier nicht statt. Die „sozialeugenische“ sozialtechnologische Maßnahme der Geburtenreduzierung ist also sowas wie die „Feineinstellung“ der künstlich hergestellten Klassengesellschaft. Ihre Opfer, die, denen man von Anfang an besser Entwicklungsmöglichkeiten vorenthalten hat, um eine Art Reservearmee an Arbeitskräften zu schaffen werden nun nochmals durch Klischees und Vorurteile bedrängt und sollen sich möglich nicht „vermehren“. Die Gesellschaft ist aufgrund der technologischen Produktivkräfte längst soweit, dass sie keine Klassen mehr produzierten müsste. Solange es benachteiligte Schichten gibt, müssen diese als Subjekt ernst genommen werden, vielleicht sogar – was sich kaum einer vorstellen kann – als Subjekt ihrer Selbstbefreiung. Die bürgerliche Öffentlichkeit sieht diese Schichten aber als Objekt von Maßnahmen. Bereits dies – dass diese Menschen nie selbst zu Wort kommen, zeigt die Verachtung und auch die Machtverhältnisse in der Struktur der Öffentlichkeit. Auch wir haben hier ein Forum für studierende Arbeiterkinder geschaffen – aber keines für Hauptschüler im sozialen Brennpunkt. Wer hat Lust vielleicht mal so eine Initiative zu starten :-) ?

  4. 4 Irene 17. März 2010 um 22:58 Uhr

    Noch ein Link zum Thema:
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=4568
    (es geht um einen Artikel in der „Zeit“)

  5. 5 Irene 17. März 2010 um 23:48 Uhr

    Noch was Anderes zum Thema kinderreiche Familien und Medien (Videocast aus Österreich):
    http://www.misik.at/fs/die-krimhild-und-ihr-onkel-hans.php

  6. 6 Andreas 18. März 2010 um 15:33 Uhr

    Inzwischen wurde eine Anzeige u.a. wegen Volksverhetzung gegen Gunnar Heinsohn erstattet. Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung wurde angezeigt wegen des Verdachts auf Verbreitung volksverhetzender Inhalte.
    Bislang gab es aufgrund solcher Anzeigen keine Verurteilungen, auch nicht im Falle Sarrazins für sein klassenrassistisches Lettre-Interview.

  7. 7 keiner 18. März 2010 um 23:49 Uhr

    Kinder aus Familien, in denen es keine Wertschätzung für Bildung und Kultur gibt, SIND benachteiligt. Das ist mal Fakt, und das kann man auch mal deutlich sagen.

  8. 8 Administrator 19. März 2010 um 15:57 Uhr

    Offener Brief der Arbeitnehmerkammer Bremen an das Wissenschaftsressort des Senats und den Rektor der Uni Bremen mit der Bitte um eine öffentliche Distanzierung von Prof. Dr. Dr. Heinsohns Artikeln.

  9. 9 Entdinglichung 25. März 2010 um 13:25 Uhr

    btw.: vor 15-20 Jahren galt Heinsohn als Linker (mit einigen bizarren Hobbies wie „Chronologiekritik“)

  10. 10 Andreas 25. März 2010 um 13:45 Uhr

    Ja, vor allem wegen seinen Thesen zu Hebammen und Hexenverbrennungen. Zumindest war es das, was ich damals von ihm gelesen habe.

  1. 1 Sich treu geblieben « Volker Radke Pingback am 21. August 2010 um 10:00 Uhr
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