Erfahrungsbericht

Von Matthias

Erfahrungsbericht No. 3

Dieser ist kürzer. Nach dem Abitur habe ich angefangen, Jura zu studieren.
Ich bin mit einem anderen Jurastudenten, dieser war in dritter Generation Jurist, in eine WG gezogen. Das Studium war unheimlich stressig. Mein Ehrenamt musste ich aufgeben. Ich habe bestimmt (Nebenjob und Studium zusammengerechnet) 60 Stunden in der Woche gearbeitet und vieles einfach nur auswendig gelernt. Die Kommilitonen waren zum Teil sehr unsolidarisch. In der Bibliothek wurden die Bücher versteckt.
Mein Mitbewohner hat das alles sehr locker gesehen. Es hat ihm auch nichts ausgemacht, am Tag mal eben zehn Studen zu lernen, weil er sich sein Leben ganz so vorgestellt hatte. Wir haben Kaffee in uns reingeschüttet und gelernt. Ich selbst war nach ein paar Monaten einfach nur noch im Stress und depressiv. Ich konnte nicht mehr schlafen und hab zehn Kilo abgenommen. Ich ging zur Arzt, zum Therapeuten und der diagnostizierte Depressionen und fragte mich, ob ich ein Kindheitstrauma erlitten hätte. Ich konnte mich trotz langem Nachdenkens an keines erinnern. Diese Sache mit den Gymnasiasten war nicht traumatisch genug, darin stimmte auch mein Therapeut mit mir überein. Als Jugendlicher hatte ich ein paar traumatische Erfahrungen, aber damals war ich nicht so schlecht drauf wie später. Wenn mein Zustand wirklich durch diese Erfahrungen ausgelöst worden wäre, dann wäre ich ja zum dem Zeitpunkt, als ich sie hatte, so drauf gewesen.

Mein Mitbewohner, B., nahm das alles locker. Ich bin nicht schlecht erzogen. Eigentlich habe ich sogar gute Manieren, finde ich. B. aber hat ständig mich ermahnt, was ich tun und nicht tun sollte. Er fing diese Sätze an mit: „Bestimmt möchtest du gerne wissen…“ oder „Möglicherweise interessiert dich…“ Er meinte das nicht böse. Eigentlich war ich für diese Hinweise dankbar und hatte ihm dies anfangs so kommuniziert. Eigentlich waren es sogar Dinge, die ich normalerweise auch beachtet hätte. Wenn man jedoch 60 Studen pro Woche arbeitet, möchte man auch mal die Füße auf den WG-Tisch legen.

Schließlich habe ich erkannt, dass das Trauma, von dem mein Therapeut redete, wohl das Studium selbst sein musste. In irgendeinem Buch habe ich auch etwas vom Studium als Trauma gelesen. Da habe ich beschlossen, dass ich nicht mein ganzes Leben lang schlecht drauf sein will. Der Therapuet sagte mir netterweise ich müsste wohl mein ganzes Leben lang psychisch krank sein. Natürlich eine demotivierende und inkompentente Meinung.
Deswegen habe ich mein Studium aufgegeben, die Therapie aufgegeben, bin zu Verwandten gefahren und habe mich in die Sonne gesetzt. Schon bald ging es mir wieder besser.

Später habe ich mein Ehrenamt wieder aufgenommen und ein anderes Studium angefangen.

Ich würde keinem dazu raten, eine Therapie einfach so zu beenden, nur weil es bei mir zufälligerweise geklappt hat. Wenn du selbst in der Situation bist, würde ich mich freuen, dich beraten zu können. Ich werde hier auch in Zukunft hin und wieder mitlesen. Wer sich hier meldet, dem werde ich antworten.

Hier findet ihr weitere Erfahrungsberichte von Mattias:
Erfahrungsbericht No. 1
Erfahrungsbericht No. 2

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3 Antworten auf „Erfahrungsbericht“


  1. 1 STARKE GEWICHTSABNAHME KANN AUF KREBS HINDEUTEN 08. Juni 2010 um 9:42 Uhr

    Hallo,
    Wahrscheinlich hast du das ja sowieso getan, aber bei rascher Gewichtsabnahme sollte man unbedingt zuerst zum Hausarzt und eventuell noch zu anderen Spezialisten gehen, um abzuklären, dass es nichts Körperliches ist.

    EINE KOLLEGIN MEINER MUTTER HAT AUCH ABGENOMMEN UND DACHTE ES SEI DER STRESS, ABER ES WAR KREBS… und jetzt ist sie tot, weil sie zu spät mit der Chemo angefangen hat. Das ist nur passiert, weil sie das auf den Stress geschoben hat und nicht rechtzeitig hat überprüfen lassen :-(

    Dieser Beitrag hat leider nichts mit dem eigentlich Thema zu tun, ist aber trotzdem wichtig, bitte nicht löschen.

  1. 1 Erfahrungsbericht « Dishwasher Pingback am 22. März 2010 um 17:15 Uhr
  2. 2 Erfahrungsbericht « Dishwasher Pingback am 22. März 2010 um 20:12 Uhr
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