Wenn ich groß bin…

Die DDR hatte gegenüber der BRD bildungspolitisch einige Vorzüge, z.B. die frühe Abschaffung der Prügelstrafe, die entschlossene Entnazifizierung, der ernsthafte Versuch in den vierziger und fünfziger Jahren, die Bildungsbenachteiligung von Arbeiterkindern aufzuheben. Aber es hatte auch Nachteile, z.B. die frühe Militarisierung, wie sie sich im folgenden Lied zeigt… Andererseits lässt sich der Song gut im nächsten Polizeikessel anstimmen: „Wenn ich groß bin, gehe ich zur Volksarmee…“

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12 Antworten auf „Wenn ich groß bin…“


  1. 1 Hans 24. März 2010 um 2:49 Uhr

    Man sollte allerdings auch nicht vergessen, dass der Abbau der Bildungsbenachteiligung für Arbeiterkinder auch über eine Diskriminierung von Nicht-Arbeiter Kindern geschah. Erwähnenswert sollte auch sein, dass systemkritische Arbeiterkinder oder Arbeiterkinder systemkritischer Eltern der Aufstieg durch Bildung verweigert wurde.

  2. 2 Andreas 24. März 2010 um 13:38 Uhr

    Hallo Hans

    Das ist eine spannende Frage: erfolgte der Abbau der Bildungsbenachteiligung für Arbeiterkinder über eine Diskriminierung von Nicht-Arbeiterkindern?

    Ich bin mir da nicht so sicher. Nur in den fünfziger Jahren entsprach die Zahl der studierenden Arbeiterkinder dem Verhältnis ihres Bevölkerungsanteils. Danach sank der Anteil der studierenden Arbeiterkinder kontinuierlich, da andere Kriterien wichtiger wurden als die soziale Herkunft. Zum Schluss sank die Zahl der studierenden Arbeiterkinder in der DDR auf 12%, entsprach also der Situation in der BRD.

  3. 3 pe_em 25. März 2010 um 22:10 Uhr

    „die entschlossene Entnazifizierung“

    ich korrigiere mal:
    die halbwegs entschlossene Entnazifizierung

    nachweislich hat die ddr-führung einige nazis wieder in militär und stasi untergebracht (weil sie systemrelevant… ähm nicht ersetzbar) waren. man brauchte ihre kompetenzen (und die sind bei solchen organisationsformen nun mal vergleichbar)
    allerdings hab ich den link/die quelle jetzt nicht parat.

    und um vom hundertsten ins tausendste zu kommen: der nva-helm war nah am hsitorischen vorgänger (es war ja auch eine nationale volks-armee, die mit der reichs-bahn umherfuhr).

  4. 4 Andreas 26. März 2010 um 15:18 Uhr

    Hallo pe_em

    Ob die NVA Nazis in Militär und Stasi untergebracht hat, weiß ich nicht. Es ging hier um die Bildungspolitik. Und soweit ich weiß, wurden in der DDR die Nazi-Lehrer konsequent entlassen und durch die sogenannten „Neu-Lehrer“ ersetzt. Hier war die DDR konsequenter als die BRD.

  5. 5 Anonymous 26. März 2010 um 15:37 Uhr

    Meine Familie stammt ursprünglich aus Ostdeutschland.
    Es ist wahr, Kindern bestimmter Bevölkerungsschichten (etwa Kindern von Fabrikbesitzern und Professoren) wurde der Aufstieg durch Bildung verweigert. Kinder von Professoren wurden verpflichtet sich als Ungelernte in der Produktion zu bewähren. Danach durften sie studieren.
    Akademikerkinder genrell waren nicht betroffen.
    Dies war allerdings nur in den Anfangsjahren der DDR der Fall. Später zählten die „Leistungen der Eltern beim Aufbau des Sozialismus“ mit, wenn es um die Vergabe der begehrten EOS-Plätze ging. Das bedeutet, Kinder von kommunistischen Bonzen hatten bei gleicher Leistung vielfach bessere Chancen. Kinder von Regimekritikern oder Christen datgegen viel geringere.

    Die alten Nazi-Lehrer waren auch noch im Dienst. Die schlimmstens waren zwar aus dem Schuldienst entfernt worden, aber die kleinen Fische haben munter weiter unterrichtet.

  6. 6 Anonymous 26. März 2010 um 15:41 Uhr

    Kinder von Fabrikbesitzern durften gar nicht studieren und die anderen nur gewissen Voraussetzungen.

  7. 7 Anonymous 26. März 2010 um 15:45 Uhr

    Neben der Herkunft spielte auch die Gesinnung eine Rolle. Ich kenne einen Mathematiker, der nicht promovieren durfte, da er im ersten Semster in Marxismus, Lenismus zu schlecht abgeschnitten hatte.

  8. 8 Andreas 26. März 2010 um 17:26 Uhr

    Das sind spannende Infos. Was heißt „Kinder von Fabrikbesitzern“? Ich dachte die Fabriken wären verstaatlicht gewesen?
    Wenn Kinder von Professoren erst als ungelernte Arbeiter arbeiten mussten, um studieren zu können, dann lässt sich dies auch als Versuch der Durchbrechung der bourdieuschen Scholastik interpretieren. Damit möchte ich nicht sagen, dass ich diese Bildungsmethode gut finde.

    Hier eine Tabelle mit der Entwicklung von Arbeiter- und Akademikerkindern in der DDR. Sie zeigt, dass bis zum Ende der 1950er Jahre tatsächlich die Bildungsbenachteiligung weitgehend aufgehoben gewesen ist:

  9. 9 Anonymous 26. März 2010 um 17:38 Uhr

    Die Fabriken waren später auch verstaatlicht. Es ging eigentlich um die erste Generation der Kinder von den ehemaligen Fabrikbesitzern und auch Kinder von Adeligen, sprich Fabikbesitzer aus Vor-DDR-Zeiten und ihre Kinder. Die durften meistens nicht über die achte Klasse hinaus in der Schule bleiben (es sei denn sie waren besonders systemkonform) und auf keinen Fall durften sie studieren.

    Arbeit in der Produktion um scholastische Denkweise zu durchbrechen? Hört sich gut an, sollte aber freiwillig gewählt werden, wie es der SDS in der BRD damals tat.

  10. 10 Andreas 26. März 2010 um 18:02 Uhr

    Ging es bei den Fabrikbesitzern aus Vor-DDR-Zeiten dann um Fabrikbesitzer aus der Nazi-Zeit? Und wieviele Fabrikbesitzer gab es Ende der 1940er Jahre, die in der DDR geblieben sind und schulpflichtige Kinder hatten?

  11. 11 Anonymous 27. März 2010 um 14:40 Uhr

    Das weiß ich nicht so genau. Ich glaube, es ging einfach um jeden, der eine Fabrik hatte. Es ging auch nicht nur um Fabrikbesitzer, sondern auch Adelige, Reiche insgesamt und so weiter.
    Einige (gerade bei den Fabrikbesitzern) hatten bestimmt mit den Nazis kollaboriert, aber andere wieder nicht. Außerdem konnten die Kinder nichts dafür, wenn die Eltern mit den Nazi kollaboriert hatten.

    Wie viele Kinder genau von dieser Politik betroffen waren, das kann ich nicht genau sagen. Ich habe mal gehört, dass es geschätzt so an die 20.000 gewesen sein sollen. Es betraf ja nicht jnur diejenigen, die zum Kriegsende schon geboren wqaren, sondern auch die, die später noch in diesen Familien zur Welt kamen.

    Wenn du die genaueren Zahlen wissen willst, solltest du lieber einen Historiker fragen. Ich weiß nur, dass es das gegeben hat.

  12. 12 Andreas 27. März 2010 um 16:37 Uhr

    „Außerdem konnten die Kinder nichts dafür, wenn die Eltern mit den Nazi kollaboriert hatten.“
    Das stimmt.

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