Stifterverband zeichnet ArbeiterKind.de aus

Der Stifterverband für die Deutsche Wirtschaft zeichnet Arbeiterkind.de mit der Hochschulperle des Monats April aus. Mitteilung vom Stifterverband:

„Arbeiterkind.de ist ein Internetportal für Schüler und Studierende, die als erste in ihrer Familie einen Studienabschluss anstreben.

Die Initiative unterstützt Schülerinnen und Schüler bei der Umsetzung ihres Vorhabens und begleitet sie auf Ihrem Weg zum erfolgreichen Abschluss. Die Gründerin der Initiative, Katja Urbatsch, möchte den eigentlichen Benachteiligungsgrund von Kindern aus nicht-akademischen Familien – das große Informationsdefizit – nicht einfach hinnehmen, sondern aktiv etwas dagegen unternehmen. Durch Informationsveranstaltungen in Schulen und Sprechstunden werden Schüler zum Studium ermutigt, ihnen werden verschiedene Möglichkeiten der Studienfinanzierung aufgezeigt und sie erhalten Tipps zur praktischen Bewältigung des Studienablaufs.

Die Initiative baut über die Internetpräsenz hinaus ein bundesweites Netzwerk von Mentoren auf, die den Schülern und Studierenden als Ansprechpartner mit Rat und Tat zur Seite stehen. Innerhalb von eineinhalb Jahren haben sich bereits mehr als 1.300 ehrenamtliche Mentoren in lokalen Gruppen zusammengeschlossen.

ArbeiterKind.de besteht seit Mai 2008 und wurde bereits mit dem „Deutschen Engagementpreis 2009″ der Hans-Böckler-Stiftung und des Vereins der ehemaligen Stipendiaten der Friedrich-Ebert-Stiftung sowie als „Ausgewählter Ort 2009″ im Rahmen des Wettbewerbs „Deutschland – Land der Ideen“ ausgezeichnet. Als erste Hochschule stellt die Justus-Liebig-Universität Gießen der Initiative einen Raum zur Verfügung und schafft damit eine
öffentliche Anlaufstelle für Schüler und Studierende aus hochschulfernen Elternhäusern.“

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42 Antworten auf „Stifterverband zeichnet ArbeiterKind.de aus“


  1. 1 Andreas 31. März 2010 um 14:19 Uhr

    Hmmm. Ich habe den Text neutral als Admin hier abgedruckt, damit ich sauber getrennt einen eher emotionalen Kommentar hinterherschieben kann.

    Wir (Fikus-Referat und Vorläufer / Dishwasher-Magazin und -Blog) engagieren uns hier in Münster seit zehn Jahren explizit mit der Problematik der Benachteiligung von Arbeiterkindern im Bildungssystem. Ich möchte gar nicht wissen, wieviel Stunden das sind, die dafür drauf gingen, das erste autonome Referat für Arbeiterkinder einzurichten, für die Tagungen und die dreistellige Zahl von Veranstaltungen mit ExpertInnen, die von uns organisiert und durchgeführt wurden. Mit unseren Sprechstunden, Stammtischen und Vollversammlungen hatten wir mit hunderten von studierenden Arbeiterkindern intensive Gespräche und in vielen Studierenden-WGs liegt in Münster der Dishwasher auf dem Küchentisch und wir wissen aus Rückmeldungen, dass dadurch etliche Diskussionen geführt wurden.

    Einen Preis gab es für uns nie. Das klingt jetzt nach Opferstatus und Neiddebatte. Und tatsächlich ist ein Teil von mir verletzt durch diese ungerechte Verteilung von medialer Aufmerksamkeit und Vergabe von Engagement-Preisen. Es haut in die gleiche Kerbe der Verletzung, die ich erfahren habe, als ich trotz guter Noten zur Hauptschule ging und die sich tausendfach wiederholt hat. Es ist die typische Verletzung, die Arbeiterkinder immer wieder erfahren, deren Leistungen und Fähigkeiten und Arbeiten nicht in derselben Weise anerkannt werden, wie die von Bürgerkindern, weil ihr Habitus „falsch“ ist, weil ihr Körper die „falschen Signale“ aussendet, weil ihnen ein bestimmtes bürgerliches Geheimwissen fehlt oder die nötigen Kontakte zu einflussreichen Leuten.

    Nun gut, ich kann mir meine Verletzung ansehen, zur Kenntnis nehmen und als altbekannt abhaken. Rational betrachtet ist es kein Wunder, dass Arbeiterkind.de einen Preis nach dem nächsten erhält, während das Fikus-Referat oder das Dishwasher-Projekt ignoriert wird. Arbeiterkind.de ist systemkonform, Fikus/Dishwasher ist systemkritisch. Lediglich die Preisvergabe durch die Hans-Böckler-Stiftung hat mich irritiert, die Hans-Böckler-Stiftung hatte sich vor anderthalb Jahren dagegen ausgesprochen, den internationalen Kongress der Working-Class-Academics in Deutschland mitzufinanzieren und vergibt kurz darauf einen Engagement-Preis an die unpolitische Organisation Arbeiterkinder.de.
    Es gehört zum Selbstverständnis von Arbeiterkind.de, unpolitisch zu sein. Als ich auf der Arbeiterkind.de-Seite vorschlug, dass Arbeiterkind.de mit über 1300 Mentor_innen und einer großen Medienpräsenz versuchen sollte, inhaltlich einen Minimalkonsens zu bildungspolitischen Fragen zu erarbeiten, um sich dann auch inhaltich äußern zu können, wurde ich massiv angegriffen, einige forderten gar meinen Rauswurf, ich sollte sie bitte nicht mehr mit den Ergebnissen der Bildungsforschung konfrontieren, die eine Diskriminierung von Arbeiterkindern im Bildungssystem konstatieren.

    Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden. Ich finde die Arbeit von Arbeiterkind.de sehr wichtig und wir verstehen uns mit der lokalen Initiative von Arbeiterkind.de-Münster sehr gut und arbeiten eng zusammen. Es ist wichtig, soziale Netzwerke von studierenden Arbeiterkindern aufzubauen. Und ich bin mir sicher, dass die Basis von Arbeiterkind.de sehr viel politischer ist, als die Außendarstellung durch Katja Urbatsch, die Arbeiterkind.de leider nicht als demokratischen Verein aufgebaut hat, sondern mit einer Unternehmensstruktur. Problematisch wird Arbeiterkind.de dann, wenn sie in den Medien nach den Ursachen der Bildungsbenachteiligung gefragt werden. Da sie sich nicht politisch äußern wollen, ist es schon vorgekommen, dass eine vermeintlich unpolitische Antwort gegeben wurde: es liegt nicht am politischen System, sondern an den Eltern aus den unteren Schichten, die ihre Kinder am Studium hindern. Natürlich ist diese Aussage auch politisch. Nach Protesten ist es zu solchen Aussagen meines Wissens nach nicht mehr gekommen. Es bleibt aber fraglich, wie lange Arbeiterkind.de seine unpolitische Haltung in diesem hochbrisanten politischen Feld halten kann.

  2. 2 Depristudi 31. März 2010 um 19:37 Uhr

    Meiner Meinung nach ist Arbeiterkind.de zu sehr darauf fixiert, die Leute zum Studieren zu bringen. Als ob das immer so schön wäre.

    Ich finde, dass sie mehr gegen Studiengebühren tun sollten und mehr über Alternativen zum Studium beraten.

  3. 3 Depristudi 31. März 2010 um 20:07 Uhr

    Die Katja Urbartsch hält meiner Meinung nach ein bisschen zu sehr ihr Gesicht in jede Kamera. Sie hat auch viel geleistet, aber mediengeil ist se schon.
    Die ganze Initiative ist sehr auf die Frau zugeschnitten. Das ist ja auch nicht schlecht, aber was ist wenn Frau Urbartsch mal nicht mehr will oder ausfällt?

    Ich möchte meinen oben genannten Punkt noch weiter ausführen. Das Studium kann auch sehr deprimierend sein. Man müsste wirklich überlegen, ob es für jeden Einzelnen die richtige Entscheidung ist.

  4. 4 Andreas 31. März 2010 um 20:19 Uhr

    Gegen deine Studidepression hilft nur Musik

    ;-)

  5. 5 Carl 31. März 2010 um 20:42 Uhr

    Ist das Lied ernst gemeint?
    Seht ihr die Uni so?

  6. 6 Oliver 31. März 2010 um 21:51 Uhr

    Hallo Dishwasher Team,

    ich finde es klingt wirklich mehr als neidisch, arbeiterkind.de und Katja Urbatsch als mediengeil zu verurteilen. Sie kämpft mit Leidenschaft für jede/n Schüler/in bzw. Studierenden, der sich an sie wendet.

    Natürlich haben die Mentoren der Initiative ihre politischen Meinungen. Ich habe meine! Aber seit den 1960er Jahren ist diese Diskussion um Benachteiligung überall bekannt und wird ausgiebig von den Parteien und Amtsgrößen in Deutschland kritisiert. Selbst die Wissenschaft veröffentlicht Jahr für Jahr große Abhandlungen, die leider nicht verstanden werden bzw. konkrete Umsetzungen nach sich ziehen.

    Die unpolitische Einstellung der Initiative ist dagegen für alle eine große Chance. Sie schließt niemanden aus, nicht einmal Akademikerkinder.

    Man kann nicht nur meckern und mit dem Finger auf die Probleme zeigen. Also man kann dies, aber welche Schule lädt dann schon Mentoren zu einer Veranstaltung ein? Welcher Schüler wird davon überzeugt?

    Die Arbeit ist eine sehr emotionale und ermutigende. Es geht hier nicht um die Kritik am System, sondern um ihre Akteure. Und es gibt genügend Arbeiterkinder (wie Du und ich auch), die es geschafft haben. Trotz des „schlimmen und unfairen Systems“. Und sind wir alle nur „Zufälle“? Ich denke mal nicht, das wir gute Gegenbeispiele mit unseren Strategien und auch Paradebeispiele gegen eine Verteufelung des aktuellen Systems. Wir kennen die Ecken und Kanten und können darauf aufmerksam machen. Und umso mehr Menschen ihr Bewusstsein für ihre eigene soziale Lage entwickeln, umso mehr Leute mit bildungsfernen Herkünften studieren, desto mehr mündige Menschen werden erschaffen die dann selber politisch aktiv werden können. Und wenn jeder unserer ermutigten und unterstützen Mentoren später seine Kinder auf die Uni schickt bzw. zur Wahl geht, dann wird sich doch auch etwas ändern.

    Natürlich sind die Eltern nicht ausschließlich Schuld an den Laufbahnen der Kinder. Natürlich ist das teilweise geringe Selbstwertgefühl von einigen oder die Habiti der Arbeiterkinder nicht ausschließlich die Faktoren, bzw. die Studienfinanzierung oder aber die bösen Lehrer. Es bestehen leider große Informationsdefizite über die Möglichkeiten von Stipendien, der Finanzierung von Auslandsaufenthalten und der Verschuldung durch BAföG. Das muss auch behandelt werden und diese Dinge ins richtige Licht zu rücken schadet niemandem.

    Das Problem an sich ist vielfältiger und ich denke mal, warum Katja Urbatsch auch so erfolgreich ist, ist die feinfühlige Art und Weise nicht nur zu poltern, sondern die Leute zu überzeugen und für die Sache zu begeistern. Und ich denke auch, dass sie durch ihr Studium eventuell besser auf mediale Umgangsformen vorbereitet ist als manch ein Soziologe oder Chemiker.

    Der Neid sollte nicht zwischen eurem Engagement und dem von arbeiterkind.de stehen. Vielmehr sollte die Art und Weise etwas zu verändern mit einem adäquateren Ton stattfinden.. Motzen kann jeder, aber welcher Mensch möchte gerne angemotzt werden? Wer will denn überrumpelt werden, anstatt mit Taten überzeugt zu werden?

    Und falls mal in einem Interview die Schuld (leider) den Eltern ausschließlich zugeschoben wird, dann ist das auch schade. Es wird aber auch über andere Gründe gesprochen und alleine die Vorbildfunktionen der Mentoren und von Frau Urbatsch sind für viele Beweis genung, dass man das Wagnis Studium probieren sollte.

    @depristudi: arbeiterkindde ermutigt zum Studium, jedoch nur solche…die es vielleicht vorhaben bzw. Ängste besitzen. Wer nicht studieren will, dem wird auch gesagt, dass ein Studium keine Glücksgarantie mit sich bringe. Aber wenn jemand mit Vorurteilen „damit wirst du später nichts außer Taxifahrer“ belastet wurde, da setzen wir halt an. Arbeiterkind.de zeigt Möglichkeiten! Und wenn jemand Bewerbungshilfe für ein Praktikum oder eine betriebliche Ausbildung sucht, dann wird auch dieser Person geholfen.
    Es geht um Alternativen, um Möglichkeiten, um Perspektiven und Ermutigung.

    Eine Studidepression ist nicht nur wetter- oder Klausurabhängig. Es gibt genügend Untersuchungen, die die „Entfremdung“ zum Herkunftsmillieu und dem Stallgeruch zum Akademikerkreis der Arbeiterkinder als Gründe für Depression und Demotivation benennen. Gerade hier setzt arbeiterkind.de auch an. Man fühlt sich gemeinsam stärker und belächelt seine Bedenken. Man weiß, dass „die“ auch nur mit Wasser kochen und viel geblufft wird.
    Diese gemeinsame Stärkung und den Verlass, dass einem geholfen werden könnte, sind auch ein Grund, warum die Initiative so boomt. 1300 Mentoren! Alter Schwede :)
    Viele Mentoren waren in der Presse oder im TV übrigens. Ich auch schon häufiger! Aber dafür wird die Arbeit nicht getan. Das ist nur Mittel und Zweck um mehr Menschen zu erreichen und die Reporter können einen ganz schön nerven bzw. von der Arbeit abhalten. Nur soviel dazu.

    Gruß
    Oli

  7. 7 Andreas 01. April 2010 um 2:33 Uhr

    Hallo Oliver

    Es geht nicht um „Motzen“, sondern um das Benennen von personaler, struktureller und institutioneller Diskriminierung.

    Arbeiterkinder und Kinder von arbeitslosen oder „bildungsfernen“ Eltern werden im Bildungssystem diskriminiert. Diese Diskriminierung beginnt mit dem Elterngeld (oder wahrscheinlich schon vorher) und endet auch dann nicht, wenn es Arbeiterkinder mit einem Doktortitel in der Tasche „geschafft“ haben. Sie endet noch nicht mal mit dem Tod, weil wahrscheinlich Arbeiterkinder kleinere Grabsteine und Zeitungsannocen erhalten und schneller vergessen werden als Menschen aus privilegierten Verhältnissen.

    Arbeiterkind.de bekommt nicht die Preise für „die feinfühlige Art und Weise“ sondern für die Systemkonformität, dafür dass das Problem der äußerst geringen Zahl von studierenden Nicht-Akademikerkindern angegangen wird, ohne die offenkundige Diskriminierung zu benennen. Etwas besseres kann einem diskriminierenden System gar nicht passieren: Arbeiterkinder bügeln unbezahlt die Fehler des Systems aus und schweigen auch noch über die Missstände!

    Vielleicht war die bewusst nach außen getragene unpolitische Einstellung für Arbeiterkind.de die einzige Möglichkeit bekannt zu werden. Wir als Fikus-Referat wurden über Jahre von den Medien ignoriert. Aber jetzt ist Arbeiterkind.de bekannt und hat über 1300 Mentorinnen um sich gesammelt. Es ist nicht mehr nötig, sich zu verstellen und so zu tun, als gäbe es keine Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft. Es würde der Arbeit von Arbeiterkind.de in keiner Weise schaden, wenn deutliche Worte zum Hamburger Schulkampf und zum Stipendienentwurf oder zu den klassenrassistischen Äußerungen Heinsohns oder Sarrazins formuliert werden würden. Oder zur Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die eine Studie zur „Diskriminierung an Hochschulen“ erstellt und Arbeiterkinder als eigene Kategorie systematisch ausblendet. Es würde nicht schaden, hätte aber ein großes Gewicht, weil dann nämlich die Betroffenen selber sprechen. Hierfür wäre allerdings die erste Voraussetzung eine Demokratisierung der Arbeiterkind.de-Strukturen.

  8. 8 Andreas 01. April 2010 um 2:48 Uhr

    Hallo Carl

    keine Ahnung, ob das Lied ernst gemeint ist. Stimmungsabhängig finde ich es lustig oder auch nicht.

  9. 9 Depristudi 01. April 2010 um 12:41 Uhr

    Hallo Oliver,
    ich habe das mit der Ermutigung zum Studium beziehungsweise Entmutigung anders erlebt.
    Damals als ich Abitur gemacht habe, lastete insbesondere auf den guten Schülern ein starker Druck zu studieren. Auch ganz ohne die Initiative Arbeiterkind.de. Ich weiß nicht, ob sich diese damals schon gegründet hatte.
    Ich habe eine Klasse übersprungen und war ein ganz guter Schüler, also war für alle klar, dass ich studieren musste – auch gegen meinen Willen. Ich hatte ein Interesse an einem handwerklichen Beruf und hatte mir war auch schon eine Lehrstelle versprochen. Einige Lehrer haben mich aber so lange beharkt, bis ich mein Studium antrat.

    Inzwischen studiere ich das zweite Fach, bin Langzeitstudent und habe gerade eine drei in meiner Diplomarbeit gekriegt. Das bedeutet, dass ich wahrscheinlich wirklich Taxifahrer werden kann.
    Ansonsten wäre mir eine Zukunft als Handwerksmeister offen gestanden…

    Meinem Vater wurden von meinem Lehrer falsche Aussagen versprochen, nämlich, dass ich auf das Diplom meinen Meister draufsetzen könnte. Leider ist das falsch. Mein Vater ist sauer. Er hatte damals mitgeholfen mich zu einem Studium zu überreden, da er falsch informiert war, aber inzwischen bereut er es. Inzwischen kriege ich auch immer wieder Aussagen, wie die, dass Leute die nur Papier von links nach rechts tragen, die Bankenkrise verursacht hätten und das Abitur viel niveauloser ist als der Meisterbrief zu hören.

    Akademiker sind dieser Tage nicht sehr beliebt.

    Ich muss mir eingestehen, dass die Vorurteile begründet sind. Wir tragen wirklich immer nur Papier von links nach rechts… und wieder von rechts nach links… dann schreiben wir ein Gutachten über das Tragen das Papiers und dann einen Essay über das Gutachten. Dann berufen wir eine Expertenkomission ein, die bestimmt, wann der Essay über das Gutachten besprochen werden wird. Dann gibt es ein Meeting, bei dem es um die Analyse der Erfoschung des Gutachtens geht und jemand schreibt ein Buch mit einer Menge komplizierter Wörter drin über den Diskurs.
    Es stellt sich die Frage, wem das eigentlich etwas bringt. Wahrscheinlich keinem, aber ein paar Leute haben A…-Stellen bekommen… und die werden von Leuten, die viel weniger gut verdienen, aber wirklich arbeiten, finanziert.

    Das ist nicht gut und ich will das nicht unterstützen. Ich will keiner dieser total überbezahlten, aber nutzlosen Berater sein, die zum Beispiel mein Vater (vollkommen zurecht) verachtet. Wie gut, dass ich eine Drei habe und mir das auch nicht passiert. Wie schlecht, dass ich nichts Anständiges mit meinem Leben angefangen habe.

    Die Kommilitonen sind zum größten Teil auch schon jetzt die perfekten A…-Berater und ich fühle mich wirklich unglücklich unter Einigen… und auch unglücklich unter denen, die nett sind, weil da keiner ist, der tickt wie ich.

    Deswegen vermute ich, dass ich ohne Studium glücklicher wäre… und ich sehe es kritisch, dass versucht wird die Studierendenquote zu steigern ohne zu überlegen, ob das Studium dem Betreffenden hilft, ob die neuen Akademiker der Gesellschaft helfen und ob nicht mancher Einwand gegen das Studium vollkommen berechtigt ist.

    Es ist nicht gut, dass Arbeiterkind.de immer in die gleiche „Alle müssen studieren“-Kerbe haut.
    Natürlich soll man dafür kämpfen, dass mehr Menschen die Möglichkeit haben zu studieren, wenn sie es denn wollen. Deswegen würde ich es wichtig finden, dass Arbeiterkind.de gegen Studiengebühren kämpfen würde.
    Warum aber den Leuten einreden, dass die Entscheidung gegen ein Studium automatisch immer eine schlechte sei?

    Ich weiß übrigens nicht, welcher Schicht ich angehöre. Muss ich mich positionieren? Das kann ich nicht.

  10. 10 Oliver 01. April 2010 um 14:30 Uhr

    Lieber Andreas,

    das System kritisch zu beäugen ist sehr gut. Ich denke, dass jeder der es gelernt hat seine Wünsche zu artikulieren und bestehendes zu hinterfragen viel zum Vorankommen einer Gesellschaft beitragen kann.

    Aber man kann das historisch gewachsene und aktuell neoliberal geprägte System nicht ignorieren oder nur kritisieren. Selbst die Soziologie lebt davon. Die Ungleichheitsdebatten sind ein großer Bereich und dahinter stehen Menschen, die ihr Geld verdienen, Verlage, die damit Geld schaufeln und Studierende, die teure Fachbücher kaufen. Die teuren BMBF Studien natürlich und die vielen Journalisten. Natürlich kann man das verneinen, jedoch verändert das meiner Meinung nichts. Die vorhandenen Optionen zu nutzen sind Deiner Meinung nach eher ein „Mitlaufen“. Das ist eine negative Perspektive, sie diffamiert auch die Arbeit der Initiative irgendwie.

    Vielleicht empfindest Du diese vorsichtige aber pragmatische Empowermentidee als zu ineffizient. Ich denke nur, dass gerade in der deutschen Kultur solche Dinge besser ankommen und mitreißen, sozusagen verändern. Und da frage ich wieder, wem – das auch typische deutsche meckern – eher mitreißt?

    Die Sache mit dem Grabstein ist eher eine moralische Frage. Aber auch eher ungebildete Popstars haben sicherlich größere Autos und Häuser als viele andere. Bildung ist nicht unbedingt ein Garant für Glück oder Erfolg. Bildung erleichtert es jedoch und da ist die Frage nach Selbstverwirklichung, Interesse und Erfüllung. Wenn ich anderen Mentoren oder Schülern helfe, bekomme ich auch kein Geld. Dennoch erfüllt es mich mit Freude und ist sinnstiftend für mein Leben. Es gibt mir etwas. Auf der anderen Seite ist für mich Reichtum, über meine Freizeit bestimmen zu können.
    Es wäre natürlich schön, wenn heutzutage jeder das machen kann, was ihm Spaß macht und gleichzeitig die Gesellschaft voranbringt. Ein System zu verändern bzw. eine Utopie zu leben sind wunderbare Ideen, jedoch ist die Umsetzung von heute auf morgen fraglich und dauert sicherlich Jahrzehnte.

    Meiner Meinung nach setzt arbeiterkind auf diesen Konsens, dass etwas zu verändern ist. Die junge Initative wächst und ist sehr stark verteilt in Deutschland. Da sie im Internet auftritt, kann jeder seine Meinung äußern und sicherlich variieren die Strukturen lokal von prädemokratisch oder flachen Hierarchien. Aber das könnte man sicher jeder Initiative irgendwo vorwerfen. Selbst wenn ich in Dishwasher schaue, dann sehe ich dass fast jeder Artikel von Andreas Kemper geschrieben wird. Wie wirkt so etwas nach außen? Man kann leicht kritisieren.

    Um Bildungspolitik zu machen, sollte man in eine Partei eintreten. Arbeiterkindde kennt und diskutiert viele Studien intern. Auf jedem Stammtisch wird sicher NUR über die Benachteiligung in ihrer Vielfalt diskutiert. Aber nur mit dem Finger darauf zu zeigen ändert nichts. Und wenn Du mir sagst, dass Deine zehnjährige Arbeit nicht anerkannt wird, dann frage ich mich natürlich auch, woran das liegt?! Wer will Dir etwas böses, oder ist es vielleicht doch ein ganz anderer Faktor? Machst Du nicht genau das, was Wissenschaftler, Forschungsinstitute und Studierende in den Hausarbeiten machen? Etwas zu verteufeln?
    Ich bin der Meinung, dass man schon fragen sollte, warum es 11-17% arbeiterkinder an den Unis und Fh’s gibt und warum viele auch den Abschluss erreichen. Hauptschüler werden Professoren oder Unternehmer usw usw. Es ist härter aber gemeinsam kann man die aktuelle Benachteiligung leichter umgehen als wenn man unbewusst mit Glück und Zufall durchkommt. Und arbeiterkindde bündelt diese Erfahrungen und Biografien, es bündelt das soziale Kapital des Erfolgs und entgegnet damit dem vermeintlich defizitären kulturellen.

    Ich denke auch, dass jedem und jeder unterstützten Schüler/in bzw. Studierenden auch einen mündigen politischen Menschen fördern. Sozusagen wird sehr viel verändert. Es ist ein langsamer aber stetiger Prozess der Veränderung.

    Ich finde wirklich, dass Du ein guter Rhetoriker bist und sehr spannende Artikel verfasst. Ob Du wirklich alle betroffenen damit erreichst ist aber auch fraglich. Und wie vielen hilfst damit konkret mit ihren alltäglichen Problemen, wenn Du nur sagst: „Du hast ein Problem, die anderen unterdrücken und diskriminieren Dich und Du hast eh keine Chance“. Also wirklich, wen ermutigt das etwas in die Hand zu nehmen? Mich würde das entmutigen. Ich würde nicht kämpfen, wenn der Kampf bereits sinnlos erscheint und verloren ist. Weißt Du was ich meine?

    Es ist wichtig, diese Themen zu behandeln und an die Öffentlichkeit zu bringen. Eventuell wird Dishwasher ja auch damit Erfolg haben.
    Arbeiterkindde konzentriert sich dagegen auf das Hier und Jetzt meiner Meinung nach. Es zeigt die Möglichkeiten, ohne jeden blauäugig ins Studium schicken zu wollen oder zu zwingen. Nur wenn jemand ein Studium nicht in seine Lebensmöglichkeiten einbezieht, weil vielleicht niemand studiert hat in der Familie, weil es das BIZ in der Hauptschule nicht anspricht oder weil man es sich nicht zutraut, finanziell oder von der eigenen Leistung, dann schreit es doch gerade nach Aufklärung!

    @depristudi: Es tut mir wirklich leid zu hören, dass Du sehr unzufrieden bist mit Deinem Leben und Deinem Werdegang. Dennoch würde ich sagen, dass Du sicher nicht auf den Kopf gefallen bist mit einer 3 im Diplom. Es ist auch nicht alles verloren! Du hast einen Abschluss und Du könntest viele andere Dinge angehen. Es ist natürlich schade, dass Du Deinem Wunsch nicht nachgehen konntest. Das Du jetzt keinen Sinn und keine Erfüllung und zusätzliche Verurteilung von Deinem Vater erlebst.

    Ich denke auch, dass es sicher vielen anderen Menschen so geht. Die haben eine Ausbildung gemacht und sind unglücklich, weil sie es nie versucht haben mit ihrem Studienwunsch.

    Wenn Du gerade keine Perspektive hast, dann wende Dich doch ruhig an Deine Arbeiterkind.de Gruppe vor Ort. Oder melde Dich im sozialen Netzwerk an und frage nach Möglichkeiten. Da gibt es sicher Menschen in der gleichen Lage und die könnten Dich hier und da weitervermitteln.
    Es wäre ja wirklich schade, wenn Du wegen eines erfolgreich abgeschlossenen Studiums Deinen Träumen und Deinem Leben absagst…n‘est pas?

    Das man sich fremd fühlt…nicht hier und dort hinzugehören kann nur mit einem neuen Selbstwertgefühl besiegt werden. Dishwasher hilft Dir dabei, genauso wie arbeiterkindde. Die meisten von uns fühlen sich hier und dort nie wirklich wohl.

    Das es Vorurteile gibt, die ab und zu bestätigt werden bedeuten aber auch nicht, dass es für alle gilt. Du hast Pech gehabt, doch was würdest Du jemandem in Deiner Position jetzt sagen? Kopf in den Sand oder schau doch mal, was vielleicht Wunsch und Möglichkeiten verbindet?!

    Gruß
    Oli

  11. 11 Arbeiterkind MS 01. April 2010 um 15:26 Uhr

    @ Andreas: „Es ist die typische Verletzung, die Arbeiterkinder immer wieder erfahren, deren Leistungen und Fähigkeiten und Arbeiten nicht in derselben Weise anerkannt werden, wie die von Bürgerkindern, weil ihr Habitus „falsch“ ist, weil ihr Körper die „falschen Signale“ aussendet…“

    Als Arbeiterkind hat mich an deinem Verein immer gestört, dass euer ganzer Habitus so verdammt studentisch ist. Also sei getröstet, man merkt es dir kaum noch an!

  12. 12 Andreas 01. April 2010 um 16:00 Uhr

    @Arbeiterkind MS: „Als Arbeiterkind hat mich an deinem Verein immer gestört, dass euer ganzer Habitus so verdammt studentisch ist. Also sei getröstet, man merkt es dir kaum noch an!“

    Was merkt man mir kaum noch an? Dass ich Arbeiterkind oder dass ich studentisch bin?

  13. 13 Andreas 02. April 2010 um 4:54 Uhr

    Hallo Oliver

    Ich kritisiere Arbeiterkind.de nicht dafür, dass sie soziale Netzwerke aufbauen. Ich kritisiere sie da dafür, dass sie bewusst unpolitisch sind.

    Solche unpolitischen Einstellungen sind Zeichen der Schwäche. So etwas gab es doch vorher in den 50er und 60er Jahren auch in anderen Bewegungen. Nehmen wir die Schwulenbewegung. Was haben die Organisierungen der Schwulen in den 1950ern, frühen 1960ern erreicht? Nichts. Sie haben sich selber die Schuld dafür gegeben, dass sie „anders“ sind, sie haben keine politischen Forderungen nach Gleichberechtigung gestellt oder gar demonstriert.

    Erst Stonewall hat die Schwulenbewegung vorangebracht. Erst der Film von Rosa Praunheim: Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt hat hier in Deutschland für Veränderungen gesorgt, zu kämpferischen Zusammenschlüssen wie die Homosexuelle Aktion Westberlin geführt.

    Es macht keinen Sinn, dass Arbeiterkind.de zum Stipendienentwurf schweigt. Es macht keinen Sinn, dass Arbeiterkind.de zum Hamburger Schulkampf schweigt. Es macht keinen Sinn, dass Arbeiterkind.de zur Antidiskriminierungsstelle des Bundes schweigt, die zu „Diskriminierung an Hochschulen“ forschen lässt, aber Arbeiterkinder als potentiell diskriminierte Gruppe von vornherein ausschließt.

    Natürlich wird intern an der Basis von Arbeiterkind.de in den Gruppen vor Ort über Diskriminierung diskutiert. Aber was nützen diese Diskussionen, wenn sie Selbstzweck sind? Gut, dass man mal drüber geredet hat, aber bitte nicht so laut, es könnte ja jemand mitbekommen, dass wir uns über Ungerechtigkeiten austauschen.

    Katja Urbatsch ist auf den taz-Kongress zur Zukunft der Hochschule eingeladen und soll auf einem Podium über soziale Selektion diskutieren. Wie soll das denn bitte schön gehen, wenn Arbeiterkind.de prinzipiell politische Positionierungen ausschließt? Worüber will sie denn dann reden???

    Oliver, wir leben in einer Demokratie. Arbeiterkind.de muss nicht zu Diskriminierung schweigen. Im Gegenteil, es ist die Pflicht von Arbeiterkind.de nicht über Diskriminierung zu schweigen, denn niemand darf über Diskriminierung schweigen, wenn er die Möglichkeit hat, allein durch die Benennung dieses antidemokratischen Zustandes schon einen Schritt zu dessen Aufhebung getan zu haben.

  14. 14 Oliver 02. April 2010 um 12:02 Uhr

    Lieber Andreas,

    Deine Ausführungen sind mit ergreifenden Beispielen belegt, leider schwächelt der Vergleich zu der Problematik der Arbeiterkinder. Ich habe erst gestern in einem Bericht über Dishwasher von Dir gelesen, dass jeder nur selber sagen kann, inwieweit er ein Arbeiterkind sei. Arbeiterkind zu sein, so fern man das wirklich als stark homogene Gruppe bezeichnen kann, ist ein sozial konstruierter Status. Ich unterstelle mal den homosexuellen Menschen, dass es bei uns von Natur (biologisch) aus gegeben ist. :)

    Außerdem wurden und werden Arbeiterkinder nicht auf den Schulhöfen geschlagen, ermordet oder drangsaliert. Ich denke mal, dass beide Diskriminierungen von der Qualität her recht unterschiedlich stattfinden und es für z.B. für Arbeiterkinder mehrere Lebenswahlalternativen gibt als für Homosexuelle. Für Arbeiterkinder ist die Diskriminierung auch oft versteckter und diese menschenverachtende offensichtliche und in jeder Situation des Alltags stattfindenden Diffamierung der schwulen Menschen forcierte auch einen ebenso so starken Aufstand.

    Wenn gar nichts mehr geht, dann hilft vielleicht nur der Kampf. Da kann man Dir Recht geben, auch wenn es sicher eher eine männliches Problemlösungsstrategie ist und auch nicht für alle weiblichen Arbeiterkinder passen könnte. Ich bin da nicht ganz im Bilde aber gibt es eine empirische Evidenz, dass nur der Kampf etwas bewegt? Gewalt erzeugt sicher auch Gegenwehr und die Spirale der Gewalt ist Dir sicher auch ein Begriff. Ich denke da gerade an die Geschichten des Herrn K., als bei Herrn Egge die Gewalt einzog^^ http://www.yolanthe.de/stories/brecht02.htm

    Ich denke mal, jeder Mentor dieser Initiative könnte über soziale Selektion diskutieren. Die eigenen Erfahrungen sind qualitativ empirische Einzelfallbeispiele multipliziert mit 1300 Mentoren in ganz Deutschland. Und diese ganzen Erfahrungen decken sich mit vielen wissenschaftlichen Untersuchungen oder Theorien sozialer Ungleichheit im deutschen Bildungssystem. Da Frau Urbatsch so ziemlich alle Mentoren kennt, müsste sie ja auch die vielen Biografien kennen und somit die Filtermechanismen, Entscheidungsschwierigkeiten, Informationsdefizite, Gatekeeper usw. Sie bündelt das ja quasi und schafft es die Menschen für diese Thematik zu sensibilisieren.
    Sie ist sozusagen die Expertin und spricht und kämpft für uns Mentoren. Sie kann aufzeigen, wie wem geholfen wurde und inwiefern man diese und jene Probleme vermindern könnte.

    Mittlerweile bin ich auch der Meinung, dass diese Gesellschaft viele Möglichkeiten zum sozialen Aufstieg bietet, so lange man weiß, wie dies einzelnen Systeme funktionieren und die Mechanismen durchschaut. Es wird sehr viel geblufft und übertrieben und wenn man als Arbeiterkind mit zu geringem Selbstwert sich etwas nicht traut, weil das Kopfkino den Film nicht kennt oder den „ich schaff das nicht“ Film abspielt, dann kann man das abstellen bzw. verringern. Wenn man sich seiner „vermeintlichen“ Schwäche und seiner dafür anderen Qualitäten bekennt, so kann man andere Akademikerkinder oft überflügeln. Und wenn man dann noch Hilfe aus dem Netzwerk erhält, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Wenn man dann noch seine Herkunft nutzt, und auf offene Ohren stößt, weil der Professor auch auf die Hauptschule ging, dann hat man sogar einen Bonus.

    Ja, das klingt sehr optimistisch aber ist meine eigene Erfahrung! Da ich an den gewissen Punkten meines Werdegangs diese Hilfestellung erhalten habe und dadurch ein neues Selbstbewusstsein erhalten habe, sehe ich das alles sehr viel positiver.

    Den Rest Deiner Antwort ist mir zu normativ und auch vorbei am Thema. Es ist auch zu übertrieben, dass angeblich niemand über Diskriminierung spreche. Arbeiterkindde verschweigt nichts und leugnet doch auch nirgends die Problematik?! Ich habe auch oft in Zeitungen gelesen, dass Arbeiterkindde begrüßte, die hessischen Studiengebühren abzuschaffen, dass der 18. Studiensurvey zitiert wurde und so weiter.

    Dennoch finde ich es persönlich auch besser, sich nicht in einem politischem Spektrum (rechts, links, mitte, radikal) verorten zu lassen, da sonst die anderen Spektren (und Wähler dahinter) taub werden bzw. ausgeschlossen fühlen. Deren Arbeiterkinder wären dann aber auch verloren vom möglichen Bildungsaufstieg. Ich würde auch sagen, dass Arbeiterkinder nicht unbedingt politisch instrumentalisiert werden müssen, um etwas zu verändern. Die Initative kann sich ja nicht „benutzen“ zum Selstzweck!? Die Initative möchte sich ja nicht über die Probleme und Benachteiligungen profilieren, sondern durch pragmatische Lösungsstrategien zum heutigen Zeitpunkt. Wie die Medien funktionieren und was sie am Ende in die Berichte schreiben ist natürlich auch ein anderer Faktor. Falls sie Frau Urbatsch häufiger zitieren, dann zitieren sie aber auch „die Mentoren“ und somit auch alle anderen. Und falls die Medien nur eine Person immer darstellen, dann ist das sicher auch legitim für den Zweck. Alle Schüler oder Studierende, denen ich geholfen habe haben nie nach Katja Urbatsch gefragt?!…

    Gerade wenn Du mir als Mentor von arbeiterkindde diese ganzen Vorwürfe machst, mich „verpflichten“ willst und zum „Kämpfer“ machen möchtest…stellt sich mein Innerstes automatisch auf Abwehrhaltung. Gerade als Arbeiterkind möchte ich nicht dominiert werden, davon bin ich abgekommen und dieser normative Ton erinnert ich an Totalitarismus. Zwar mit guten Hintergedanken aber auch unheimlich bevormundend.
    Da denke ich dann an unseren Stammtisch, bei dem jeder gehört wird und jede Minderheitenerfahrung geachtet wird. Das ist meiner Meinung nach sehr demokratisch. Aus dem Studium kenne ich genügend Experimente zu Minderheits- und Mehrheitsentscheidungen und bin mir sicher, dass 1300 Mentoren eine Menge verändern könnten.

    Aber noch etwas anderes. Gerade Schüler und Studierende mit Migrationshintergrund könnten durch so einen bevormundenden Ton abgeschreckt werden. Wobei wir wieder beim Thema Motzen wären. Das ist mir persönlich sogar zu deutsch und ich habe schon damals keine Lust auf diesen schroffen Ton beim BAföG Amt gehabt.

    Vielleicht nimmst Du Dir ja davon etwas zu herzen. Wenn ich Dich persönlich attackiere, dann tut es mir auch sehr leid.

    LG
    Oli

  15. 15 Carl 02. April 2010 um 13:55 Uhr

    @ Arbeiterkind MS: Was ist schlecht an einem studentischen Habitus?

    @ Oliver: Arbeiterkinder werden zum Teil auf dem Schulhof verprügelt. Es gibt hier einen Erfahrungsbericht darüber:

    Ich bin mit Arbeiterkind.de nur durch die Medien vertraut, teile Andreas Argumente zum Teil, kann aber auch deine Meinung verstehen.

    Es ist sicher gut, wenn man ganz pragmatisch und realpolitisch erst mal versucht möglichst viele positive Ergebnisse zu erzielen anstatt nur politische Luftschlösser zu bauen und nichts zu erreichen. Andererseits muss man aber auch die reale Gefahr erkennen, selbst das zu werden, was man bekämpft.

    Ich nenne das immer den Anakin-Skywalker-Effekt, man könnte es aber auch den Gehard-Schröder-Effekt oder Realpolitische-Grünen-Effekt nennen.
    Du bekämpfst eine Sache, dazu studierst du sie und versuchst ihre Tricks zu erlernen. Eines Tages bis du selbst das, was du früher bekämpft hast.

    Sengbe Pieh oder so (kann sein, dass dieser Name vollkommen falsch geschrieben ist) war mal ein afrikanischer Sklave, der einen Aufstand anzettelte und es tatsächlich schaffte, dass er und seine Schicksalsgenossen freigelassen wurden. So weit, so gut. Doch dann kehrte er nach Hause zurück und wurde Sklavenhändler. Kann man das Leben des Sengbe Pieh wirklich als emazipatorisch bezeichnen?

    Du sagst ja, dass du deinen Schützlingen beibringen wolltest zu bluffen oder habe ich das falsch verstanden? Warum willst du das tun?
    Akademiker sollten redliche Leute sein. Ganz ohne Zweifel sind das viele nicht, aber nun genau so zu werden…
    Übrigens bin ich auch nicht der Meinung, dass alle nicht Arbeiterkinder so sind. Ich fühle mich manchmal als Arbeiterkind, manchmal auch nicht. Meine Biographie ist sehr kompliziert, unter anderem ist meine Familie während meiner Lebenszeit sozial aufgestiegen. Ich glaube nicht, dass ich dadurch zum schlechteren Menschen wurde.
    Ich finde auch, dass das jeder für sich selbst definieren muss. Wenn ich so eine Phase habe, wo ich mich als „einer der Jungs“ (aus meiner Nachbarschaft) definiere, dann können mir zwanzig Leute sagen ich sei das eigentlich nicht, ich handele dann trotzdem wie einer der Jungs.
    Möglicherweise kann es auch Leute geben, die bizarr reich sind, aber sich trotzdem als einer der Jungs sehen. Kann ich nicht beurteilen, weil ich nicht reich bin.
    Vielleicht gibt es auch Leute, die aus einem Villenviertel kommen, aber trotzdem genau so handeln, wie die Jungs. Ich habe sie noch nie getroffen, aber auszuschließen ist es nicht.

    Bevor man sich entscheidet nach den Regeln des Spiels zu spielen, sollte man überprüfen ob es gut ist, ob man das alles auch für sich selbst will.

    Zum Schluss noch der Hinweis auf eine Diskussion zwischen Irene, Tobias und mir zu einem ähnlichen Thema: http://dishwasher.blogsport.de/2010/03/15/sozialpsychologie-und-biographie-von-tobias-fabinger/

  16. 16 Andreas 02. April 2010 um 16:00 Uhr

    Hallo Oliver

    Die Identitätsbildungen, Repräsentationsformen und Strukturen zu „Homosexualität“ und „Soziale Herkunft“ lassen sich sehr wohl vergleiche. Sehr gut sogar. Kinder aus unteren Schichten werden ebenso verprügelt und bedroht wie Menschen mit einer homosexuellen Ausrichtung. Wir können hier Beispiele nennen aus unseren Erfahrungsberichten. Dort schreibt jemand, wie er verprügelt worden ist von Gymnasiasten. Oder nimm die aktuelle Debatte über Heimkinder. Menschen mit einer homosexuellen Identität werden in Deutschland nur noch selten ermordert, sehr häufig aber in anderen Staaten, wo auf Homosexualität noch die Todesstrafe gilt. Es gibt auch etliche Staaten, wo es brutale Kinderarbeit gibt und Kinder aus armen Verhältnissen zu Kindersoldaten gemacht werden. Ich kann da keinen großen Unterschied feststellen.

    Auch nicht bei der Biologisierung. Sexuelle Identität ist eine Konstruktion. Genauso wie Begabung. Heterosexuelle Menschen sind nicht „von Natur aus“ anders als homosexuelle Menschen. Es gibt kein Hetero-Gen oder Homo-Gen. Genausowenig wie es eine „natürliche praktische Begabung“ bei Arbeiterkindern und „eine angeborene geistige Begabung“ bei Akademikerindern gibt. Diese Naturalisierungsmuster sind weitgehend identisch.

    Zum Thema Arbeiterkind.de und Benennung von Diskriminierung.
    Ich kann Arbeiterkind.de nichts vorschreiben. Das kann nur Katja Urbatsch und sie macht es auch. Katja Urbatsch und Arbeiterkind.de sind identisch. Bei der Diskussion, die ich damals angeleiert hatte, ging es darum, gemeinsam, demokratisch, eine inhaltiche Plattform zu entwickeln. Es ging nicht darum, dass ich irgendwelche Positionen festschreiben wollte, sondern nur darum, dass wir Arbeiterkinder uns über unsere Erfahrungen, über unser Wissen verständigen und einen Minimalkonsens erarbeiten, von dem aus wir dann auch inhaltlich intervenieren könnten. Für diesen Vorschlag wurde ich massiv angegriffen. Du kannst das alles nachlesen, es ist noch online. Ich bekam sehr viel Zuspruch und einige Mentor_innen haben sich entsetzt von Arbeiterkind.de abgewandt, als sie sahen, welches konformistisches Klima dort herrschte, wo jede inhaltliche Diskussion ins Leere läuft.

    TYPISCH DEUTSCH ist sehr viel mehr die typisch deutsche Untertanenmentalität, die mit dem dreigliedrigen Schulsystem korrespondiert. Bloß nicht anecken, wir regeln das alles korporativ, von oben, bete und arbeite, falle bloß nicht auf… schau mal nach Griechenland, nach Spanien, nach Italien, nach Frankreich…

  17. 17 Carl 03. April 2010 um 10:12 Uhr

    Mein Beitrag wurde wegen eines Vier-Buchstaben-Wortes auf die Moderationsliste gesetzt. Könnt ihr ihn freischalten?

    Das ist übrigens der Erfahrungsbericht dazu, von dem Andreas redete: http://dishwasher.blogsport.de/2010/03/19/erfahrungsbericht-3/

    Das mit dem Moderieren halte ich für unnötig. Die Editierfunktion ist wirklich nervig, da sie manchmal nicht funktioniert. Gestern wollte ich noch meinen Beitrag editieren, aber es hat nicht geklappt.
    In dem Beitrag weise ich auf einen Erfahrungsbericht hin und begründe meine Argumentation teilweise damit, habe aber vergessen den Link einzufügen. Dies war also der Erfahrungsbericht zu meinem Beitrag.

    Dann möchte ich noch auf die Diskussion zwischen Tobias, Irene und mir hinweisen: http://dishwasher.blogsport.de/2010/03/15/sozialpsychologie-und-biographie-von-tobias-fabinger/

    Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich den Link eingefügt hatte. Das wäre die Diskussion, auf die ich verweise…

  18. 18 Carl 03. April 2010 um 11:21 Uhr

    Es gibt zu unserem Gespräch ein Buch von Gabriele Theling („Vielleicht wäre ich als Verkäuferin glücklicher geworden“). Sie beswchriebt in einem Kapitel, wie die anderen Kinder den Arbeiterkindern verboten haben, auf ihren Straßen zu gehen.

    Leider konnte ich nicht mehr editieren.

    Frohe Ostern morgen.

  19. 19 Administrator 03. April 2010 um 16:52 Uhr

    Hallo Carl,

    als angemeldeter User solltest du eine halbe Stunde lang deine Kommentare bearbeiten können.

    Liebe Grüße

  20. 20 Arbeiterkind MS 05. April 2010 um 15:15 Uhr

    „Was merkt man mir kaum noch an? Dass ich Arbeiterkind oder dass ich studentisch bin?“

    Bist du dumm?

  21. 21 Andreas 05. April 2010 um 16:08 Uhr

    „Bist du dumm?“

    Nein, Straddler.

  22. 22 Andreas 06. April 2010 um 14:01 Uhr

    @ArbeiterkindMS

    Ich kann auch ernsthaft antworten: Nein, ich weiß nicht genau, was du gemeint hast. Wahrscheinlich meintest du, dass wir abgehoben studentisch sind. Du müsstest dann aber schon deutlich machen, inwiefern wir das sind. Vom Auftreten her (aus der Perspektive von Nicht-Akademiker_innen sicherlich, aus der Perspektive von Akademiker_innen merkt man uns unseren Habitus trotzdem an) oder aufgrund der Inhalte, die wir vertreten?

    Da du in Münster wohnst und uns kennst, können wir deine Kritik auch direkt besprechen, ohne Bildschirme dazwischen.

  23. 23 Anoniseverywhere 16. April 2010 um 7:59 Uhr

    Ich verstehe die Diskussion nicht so ganz, wo ist denn bitte der Vorteil in einem Blog wütende Einträge über Diskriminierung zu machen, ohne Wege zur Veränderung aufzuzeigen? Will man damit nur zeigen wie toll man(n) ist? Natürlich ist „Ich bin dagegen“ immer leicht zu sagen, aber für Sinnvoll halte ich es nicht.

    Zusammengeschlagen wird man übrigens auch als Student, Blonder, Deutscher, Mann, Fahrgast, Diskothekenbesucher um nur mal ein paar Gründe zu nennen warum man mich schon mal körperlich angegriffen hat. Gerade der Song auf den die Youtube-Verlinkung zeigt, ruft ja zum zusammenschlagen von Studenten auf. Wer das richtig findet, aber sich über Gewalt gegen Arbeiterkinder beschwert, der hat irgendetwas nicht richtig mitbekommen.

  24. 24 Andreas 16. April 2010 um 17:45 Uhr

    Zusammengeschlagen wird man übrigens auch als Student, Blonder, Deutscher, Mann, Fahrgast, Diskothekenbesucher um nur mal ein paar Gründe zu nennen warum man mich schon mal körperlich angegriffen hat.

    Es geht in den Erfahrungsberichten nicht nur um körperliche Gewalt, sondern um Breite und Vielschichtigkeit der verschiedenen Diskriminierungserlebnisse.

  25. 25 Anonymous 16. April 2010 um 20:30 Uhr

    Wir können hier Beispiele nennen aus unseren Erfahrungsberichten. Dort schreibt jemand, wie er verprügelt worden ist von Gymnasiasten. Oder nimm die aktuelle Debatte über Heimkinder. Menschen mit einer homosexuellen Identität werden in Deutschland nur noch selten ermordert, sehr häufig aber in anderen Staaten, wo auf Homosexualität noch die Todesstrafe gilt. Es gibt auch etliche Staaten, wo es brutale Kinderarbeit gibt und Kinder aus armen Verhältnissen zu Kindersoldaten gemacht werden. Ich kann da keinen großen Unterschied feststellen.

    Hier steht irgendwie was anderes und das ist, wie leider sehr oft in diesem Blog, extrem einseitig gewichtet. In dem von mir kritsierten Absatz geht es nicht um verschiedene Erlebnisse, sondern es wird das Attribut „Arbeiterkind“ mit den Attributen „Homosexualität“ und „Armut“ auf eine Stufe der „Diskrimminierungsleiter“ gestellt. Wo es, aus meiner Sicht, nichts zu suchen hat. Bis lang ist mir kein Fall bekannt, bei dem ein Mensch auf Grund des Attributes „Arbeiterkind“ getötet worden ist, im Gegensatz zu den beiden anderen. Dort gab es in der Tat tote, die nur gestorben sind, weil man die Opfer mit diesem Attribut beschreiben konnte.

  26. 26 Anoniseverywhere 16. April 2010 um 20:32 Uhr

    Das war ich, sorry

  27. 27 Sabrina 16. April 2010 um 23:00 Uhr

    Ich finde es gut, dass hier kritisch diskutiert wird, Dinge zu hinterfragen ist immer sinnvoll.
    Doch man muss auch schauen:Aus welcher Perspektive
    argumentiere ich hier?

    Sicher gibt es einiges, was man an arbeiterKind
    kritisieren kann(natürlich!) und das zu sagen sollte erlaubt und richtig sein, dennoch muss man dabei auch
    immer fragen:“Und warum finde ich das falsch?
    Was ist mein Hintergrund, dass ich so denke?“
    Irgendetwas pauschal abzulehnen, das bringt niemanden
    weiter.

    Ich persönlich bin der Meinung, dass man niemanden
    in Kategorien einteilen sollte, weder in Arbeiterkind,
    noch Diswasher, noch sonst irgendetwas. Jeder
    ist für sich ein eigener Mensch, einteilen vereinfacht
    vieles, reduziert die Menschen aber auch zu sehr.
    Und jeder weiß, dass das System ungerecht ist.
    Jeder weiß, dass die Leute ungerechter werden, dass sie
    versuchen, aus Angst ihren Status zu verlieren, andere
    niederzumachen und natürlich ist nicht für jeden
    das Studium das Gelbe vom Ei-gerade jetzt nicht.

    Schön wäre es aber, wenn man jedem die Option geben
    kann zu studieren oder es eben zu lassen, schön
    wäre es zudem natürlich auch, wenn man ehrlich sagt,
    dass sich auch die Gesellschaft verändern muss, die
    aber eben aus den einzelnen Menschen besteht.

    Und dass die Menschen, auch wenn sie studieren,
    das Studium genauso kritisch betrachten, dass sie
    fähig sind ihre eigene Meinung zu bilden.
    Unabhängig von allen anderen.
    Ich glaube, das ist in diesem Blog aber auch nicht so möglich, wie es das sein sollte.
    Sinnvoll finde ich die Kritik sicherlich, jedoch
    sollte es wirklich, wenn denn kritisiert wird, auch
    Verbesserungsvorschläge geben. Natürlich ändert man nicht viel, wenn man nur in den Medien ist-aber macht das Dishwasher groß anders?
    Ich weiß es nicht.

    Ich glaube generell, dass es nicht das Ziel sein sollte in den Medien omnipräsent zu sein oder sich entweder für oder gegen alle zu stellen, sondern mehr darum, dass man einfach eigene Meinungsbildung ermöglicht.
    Dazu gehört ebenso das Wissen, dass es schön ist,
    wenn man studieren kann, wie auch das Wissen, dass
    das Studium auch schädlich sein kann, dass es schwierig sein kann, je nachdem
    an welcher Uni man ist, ob man studieren will,
    was man für Erfahrungen macht, wie viel Hilfe und finanzielle Mittel man hat.

    Nichts ist weder schwarz noch weiß, daher kommt man auch mit radikalen Positionen, egal zu welcher Seite hin, einfach nicht weiter.
    Schön aus der ganzen Diskussion ist dieser Satz und damit will ich auch abschließen: „Bevor man sich entscheidet nach den Regeln des Spiels zu spielen, sollte man überprüfen ob es gut ist, ob man das alles auch für sich selbst will“
    Da steckt viel Wahres drin, für beide Seiten.

  28. 28 Andreas 19. April 2010 um 12:20 Uhr

    Hi Sabrina,

    ich gehe hier nur auf einen deiner Punkte ein:

    Ich persönlich bin der Meinung, dass man niemanden
    in Kategorien einteilen sollte, weder in Arbeiterkind,
    noch Diswasher, noch sonst irgendetwas. Jeder
    ist für sich ein eigener Mensch, einteilen vereinfacht
    vieles, reduziert die Menschen aber auch zu sehr.

    Da stimme ich mit dir überein. In einer herrschaftsfreien Gesellschaft sollte der Mensch in seiner Größe betrachtet werden, die jede Kategorisierung sprengt.
    Leider leben wir nicht in einer herrschaftsfreien Gesellschaft. In den Schulkämpfen, die jetzt in Hamburg, Berlin und NRW losbrechen, geht es um die Frage, ob Menschen in Kategorien eingeteilt werden sollen oder nicht. Die einen fordern die (möglichst frühe) Auslese, die anderen fordern die (weitgehende) Abschaffung dieser Kategorisierungen.

    Hierbei ist es aber wichtig, zwischen Konstruktion und Rekonstruktion und zwischen theoretischr und praktischer Einteilung zu unterscheiden. Das dreigliedrige Schulsystem teilt nicht nur in der Theorie die Menschen in drei Begabungsgruppen der „praktischen Veranlagung“ (Hauptschule), der „praktisch-theoretischen Veranlagung“ (Realschule) und der „theoretischen Veranlagung“ (Gymnasium), welche die vorgängig vorhandene Klassengesellschaft reproduziert, sondern sie teilt sie ja ganz real und praktisch so ein, mit den bekannten Konsequenzen für das Selbstbild und die Barrieren, die mit geringen Bildungsabschlüssen verbunden sind.

    Beim Dishwasher-Team und im Fikus-Referat konstruieren wir nicht diese Kategorisierungen, sondern wir re-konstruieren die Theorie und Praxis der Konstruktionen. Und wir machen dies theoretisch und praktisch in dem wir das Thema diskutieren und indem wir dazu aufrufen, dass sich Arbeiterkinder auch praktisch organisieren, da sich auf eine Praxis auch nur praktisch reagieren lässt.

  29. 29 Sabrina 19. April 2010 um 13:17 Uhr

    Hallo Andreas,

    deine Antwort hat mir gefallen, weil du einiges erklärt hast(doch, das muss ich wirklich sagen). Ich stimme mit dir darin überein, dass das Schulsystem sehr selektiv ist und es eine Grenzüberschreitung ist, dass die Schüler dermaßen in Gruppen eingeteilt werden.
    Das sehe ich genauso.

    Letztens habe ich das nochmal aus einigen Bundesländern gehört, dass sie nun planen, die Selektion doch noch härter voranzutreiben, wie zum Beispiel Kriterien, dass man nach der Grundschule einen Schnitt von 2,0 braucht um an ein Gymnasium zu kommen. Das ist für mich ein Unding, weil man doch erst später genau erkennen kann,wozu der Schüler wirklich fähig ist. Davon abgesehen, kann Fähigkeit und Intelligenz ganz unterschiedliche Ausprägungen haben.

    Von daher finde ich es gut, dass ihr diese Konstruktion aufzeigt, aber wo sind die Lösungen?
    Wie kann man es verhindern, wie kann man gemeinsam daran arbeiten, dass es sich ändert? Wie ändert man Gedanken, Vorstellungen, Vorurteile, ohne alle vor den Kopf zu stoßen?
    Was denkst du, wie es auf Schüler oder Studenten wirkt, die so etwas ständig lesen müssen, dass sie sowieso immer diskriminiert werden und sich das auch nicht ändern wird(das spricht aus den Texten im Dishwasher)?

    Was ich im letzten Post geschrieben hatte, meine ich sehr ernst. Ich denke, dass es nicht viel bringt, dass man nur in den Medien ist. Egal ob es sich jetzt um arbeiterkind handelt, Dishwasher oder wen auch immer. Denn da läuft man schnell Gefahr sich nur noch selbst zu produzieren. Da verliert man das Ziel aus den Augen und steigert sich oft in einige Dinge hinein,die nicht gut sind.

    Ich glaube schon, dass du zum Beispiel richtig viel Sinnvolles einbringen könntest, auch bei arbeiterkind, aber weniger auf diese Art und Weise, mit dem Kopf durch die Wand und fixiert auf die Politik. Ich weiß nicht, ob du mir überhaupt zuhören willst oder ob es sinnlos ist, dass ich dir das hier schreibe, es soll aber wirklich ein Schritt auf dich zu sein. Wie gesagt, einiges, was du bei arbeiterkind hinterfragen willst, ist ganz gut, aber das sollte man dann auch beim Diswasher machen und überall, wo man sonst noch über Bildung debattiert.
    Das meine ich auch nicht persönlich, ich möchte mich nur mit deinen Ideen auseinandersetzen und hoffe, dass du das auch bei mir so hälst.

  30. 30 Andreas 19. April 2010 um 13:51 Uhr

    Hallo Sabrina

    ersteinmal danke für den respektvollen Stil dieser Diskussion.

    Aufklärung ist für mich tatsächlich ein sinnvolles Unterfangen. Ich finde es wichtig, die Ideologie der Chancengleichheit mit den zahlreichen aktuellen Studien zu konfrontieren und auch mit Erfahrungsberichten. Es wäre bedauerlich, wenn dies dazu führen würde, dass Arbeiterkinder deprimiert werden. Aber ich schreibe nirgendwo: „man kann ja doch nichts machen“. Im Gegenteil, gegen dieses „Schuster bleib bei deinen Leisten“ machen wir ja gerade Politik.

    Es fehlt hier an utopischen Elementen. Da gebe ich dir Recht. Bei der Utopie halte ich es allerdings mit Ernst Bloch. Ich hatte damals einen Artikel zur Konkreten Utopie Ernst Blochs in Wikipedia verfasst und in meine Sammlung von Artikeln zu Ernst Bloch kopiert: Konkrete Utopie Kurz gesagt geht es darum, dass man sich von Hoffnung leiten lassen sollte, aber von einer überprüften Hoffnung, die sich den Widrigkeiten stellt und diese nicht ausblendet.

    Die Forschungslage ist umstritten. Es gibt Studien, die belegen, dass Arbeiterkinder erfolgreich sind, die ausblenden, dass sie Arbeiterkinder sind und so tun, als spiele dies keine Rolle. Und es gibt Forschungen, die belegen, dass gerade dann Arbeiterkinder erfolgreich sind, wenn sie sehr bewusst als Arbeiterkinder studieren. Wahrscheinlich bringt hier nur der Mittelweg den Studienabbruch.

    Aber davon abgesehen, sind wir – oder bin ich – auch nicht nur publizistisch tätig. Ich versuche regelmäßig an den lokalen Arbeiterkind.de-Treffen teilzunehmen (heute klappt es leider wieder nicht). Wir machen einige Kampagnen und wir versuchen, politisch etwas zu bewegen. Beispielsweise ist es ein Widerspruch, dass Wissenschaftler_innen immer wieder klassenspezifische Diskriminierungen feststellen und sogar betonen, dass diese mindestens so schwer wiegen wie andere Diskriminierungsformen, dass aber dass AGG diese Diskriminierungen ignoriert und die Antidiskriminierungsstelle des Bundes daher Forschungen zum Thema Arbeitslosendiskrimierung, Obdachlosendiskriminierung oder Diskriminierungen aufgrund der Sozialen Herkunft systematisch ausblendet. Das ist ein offensichtlich Widerspruch. Und Widersprüche muss man benennen, um sie aufzulösen. Damit sind wir relativ erfolgreich. Unter anderem berichtete die Frankfurter Rundschau darüber, dass Soziale Herkunft nicht als eigenständige Diskriminierungsform in der Studie „Diskriminierung an Hochschulen“ implementiert ist. Damit ist das Allgmeine Gleichbehandlungsgesetz noch nicht erweitert und auch die Praxis der Antidiskriminierungsstelle noch nicht verbessert. Immerhin hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hier im AStA zurückgerufen. Die Kritik lässt sie also nicht kalt und ich denke, sie sehen auch das Problem. Veränderungen sind möglich und zwar nicht nur im persönlichen, sondern auch im politischen Bereich.

  31. 31 Anonymous 20. April 2010 um 22:02 Uhr

    Hallo Andreas,

    ich freue mich auch über den Ton unserer Diskussion.
    Studien und Erfahrungsberichte halte ich auch für
    sehr wichtig, denn je mehr man aufzeigen kann, wo
    die Probleme genau liegen, desto mehr erreicht man
    auch die Menschen, die man erreichen will.

    Dennoch: Wenn man mit dem Kopf durch die Wand will und
    die Leute beleidigt, wenn sie anderer Meinung sind,
    nicht wirklich auf sie eingeht, wenn sie etwas anderes
    sagen, dann ist man genauso verurteilend wie die Menschen, die denken, nur wenn jemand kein Geld hat, braucht er auch nicht zu studieren.
    Ich erinnere nur daran, dass du in der Diskussion im commsy zu Sonja meintest:“Aus welcher Partei kommst du?“, nur weil sie eine andere Meinung hatte. Ich denke, dass es nicht auf Parteien ankommt.
    Gerade in dem Fall nicht, wenn es um Kinder geht, die aus Familien kommen, die sie nicht unterstützen und die aufgrund dessen nochmal erschwerte Bedingungen im Bildungssystem in Deutschland haben.

    Dass man Widersprüche benennen muss, um sie aufzulösen, dies glaube ich auch und ich denke, dass es nicht die Obdachlosen oder Arbeitslosen sind, die die Gesellschaft belasten, sondern eher das Klima in der Gesellschaft, das jeder nur für sich kämpft.
    Denn gerade die reicheren Menschen in Deutschland tragen auch einiges zu den finanziellen Problemen in der Gesellschaft bei, wenn sie zum Beispiel ihr Geld auf Schweizer Konten legen oder Ähnliches. Ich denke, da muss man einfach am Verantwortungsbewusstsein der Menschen arbeiten und aufzeigen, dass es allen hilft, wenn mehr Bildung unter die Leute gebracht wird.
    Wenn jedem Menschen die gleichen Startoptionen zur Verfügung gestellt werden.

    Das ist utopisch, aber daran halte ich mich fest, denn es gehört zu den Menschenrechten, dass jeder ein Recht auf Bildung hat, aber eben auch auf freie Meinungsäußerung. Daher möchte ich hier auch noch mal sagen, dass dies wichtig ist, dass man nicht gleich eine politische Richtung hinter den Menschen vermutet, die widersprechen. Jeder sollte sagen dürfen, was er zu sagen hat. Egal wie andere darüber denken.

    Ich finde es gut, dass die Zeitungen über das Problem berichten, dennoch sollte man auch das private Engagement würdigen. ArbeiterKind hat zum Beispiel einen ganz anderen Ansatz und das sollte man respektieren, genauso wie die Arbeit des Asta im Münster.
    Es sind eben zwei verschiedenen Arten und Perspektiven an ein Problem heranzugehen und es ist nicht zu vermischen. Daher auch die Probleme in der Kommunikation.

  32. 32 Sabrina 20. April 2010 um 22:03 Uhr

    Entschuldige, ich hatte den Post ohne den Namen versendet, er ist natürlich von mir.

  33. 33 Carl 23. April 2010 um 19:48 Uhr

    „Und es gibt Forschungen, die belegen, dass gerade dann Arbeiterkinder erfolgreich sind, wenn sie sehr bewusst als Arbeiterkinder studieren.“

    Wie studiert man als Arbeiterkind? Wie meinen die das in der Studie?

  34. 34 Andreas 23. April 2010 um 21:44 Uhr

    Hallo Carl

    Wenn ich mich richtig erinnere, hat Anne Schlüter diese These vertreten (Schlüter, Anne: Bildungserfolge. Eine Analyse der Wahrnehmungs- und Deutungsmus­ter und der Mechanismen für Mobilität in Bildungsbiographien. Opladen 1999).

    „Als Arbeiterkind zu studieren“ meint, dass man sich der Schwierigkeiten bewusst ist, die ein Studium für Arbeiterkinder mit sich bringt, und damit konstruktiv-kritisch umgeht. Beispielsweise in dem man bewusst seine Rechte anspricht und sich nicht unterkriegen lässt.

  35. 35 Elly 15. Juni 2010 um 8:45 Uhr

    Hallo Leute,

    hab mich nun durchgedrungen das ganze durchzulesen und musste an manch einer Stelle lachen.

    Kurz zur meiner Geschichte:
    Ich bin Ausländerin, als wir nach Deutschland kamen, lebten wir von Sozialhilfe. Außerdem bin ich Judin und Frau. Ich weiß, was Diskriminierung ist. Ich hab es am eigenen Leib erfahren. Als ich nach Deutschland kam, wurde ich trotz bester Noten in die Hauptschule gesteckt (dort war ich die Ausländerin, die kein Deutsch kann). Nach einem Jahr hatte ich soweit Deutsch gelernt, dass ich aufs Real wechseln konnte (dort war ich die Streberin). Meine Lehrer wollten mich nicht aufs Gymnasium lassen, weil ich den Klassendurchschnitt verbesserte. Allerdings argumentierten Sie es mit Worten: „Als Ausländerin wirst du es dort nicht schaffen“. Damals war ich 13. Ich bin allein zum Schulamt gegangen und habe eine Stadtkonferenz aller Schulen einberufen. Dann war ich aufm Gymnasium. Eine ehemaligen „Eliteschule“. In jedem Jahrgang gab es jeweils ein Ausländer aus jeder Sorte. Da war ich wieder die Ausländerin. Ach ja und die Judin. Auf jeden Fall eine ganz komische Person! Als ich Deutsch LK wählte, wurde ich verachtet und ausgelacht. Ich musste mir immer wieder anhören, man verstünde nicht was ich sage!

    Heute hab ich mein Jura Studium abgeschlossen. Mit dem Schwerpunkt Antidiskriminierungsgesetze. Ich hab ein Prädikatsexamen. D.h. mir stehen die meisten Türen offen. Außerdem hab ich zusätzliche Sprachkenntnisse durch mein Ausländerdasein. Und wo sind diejenigen, die mich verachtet haben? Die sind im Arsch!

    Was hat das mit der Diskussion zu tun? Ganz einfach. Die einen haben es nun mal schwerer im Leben. Aber es gibt einen Weg. Man muss es nur wollen. Und „das System ist schuld“ – ist eine Ausrede für diejenigen, die einfach nicht stark genug sind. Dadurch dass ich von Anfang an lernte zu kämpfen, ist es mir im Studium leicht gefallen schnell und gut meinen Abschluss zu machen.

    Es bringt nichts das System zu kritisieren. Man muss einfach an sich selbst arbeiten. Ach ja… Und Ihr habt doch keine Ahnung, wie ein System aussieht, dass keine Arbeiterkinder aufs Studium lässt. Habt Ihr eine Ahnung was das Studium in den USA kostet? Kann es sich ein Arbeiter leisten? Und in meiner Heimat kommt man überhaupt nicht zum Studieren, wenn man keinen schmiert oder mit ihm schläft! Ihr redet echt von Sachen, die Ihr nicht so wirklich zu Ende gedacht habt.

    Arbeiterkind.de packt dort an, wo es ein Problem gibt. Ihr meckert nur am System, ohne zu begreifen, dass es kaum ein besseres auf der Welt gibt.

  36. 36 Andreas 15. Juni 2010 um 10:53 Uhr

    Heute hab ich mein Jura Studium abgeschlossen. Mit dem Schwerpunkt Antidiskriminierungsgesetze. Ich hab ein Prädikatsexamen.

    Findest du nicht, dass sich diese Aussage ein wenig beißt mit der folgenden:

    Es bringt nichts das System zu kritisieren. Man muss einfach an sich selbst arbeiten.

    Du hast ein Prädikatsexamen in Jura zum Thema Antidiskriminierungsgesetze und behauptest, man solle strukturelle Diskriminierung ignorieren?

  37. 37 Elly 15. Juni 2010 um 12:43 Uhr

    Man soll keine Diskriminierung sehen, wo keine ist. Bzw., wo jedermann gegen die Diskriminierung in seinem Umfeld etwas tun kann.
    Wenn man nur den Willen hat, kann man es nach ganz oben schaffen. Und wenn es viele machen, dann wird es auch keine Diskriminierung geben können.

    Ganz anders sieht es aus, wenn du wirklich diskriminiert wirst. Wenn z.B. die Frau nach dem Gesetz nicht arbeiten darf, wenn der Mann es nicht erlaubt (war noch vor ein paar Jahren so). Wenn schwule Lebenspartner keinen Versorgungsausgleich bekommen. Wenn Frauen keinen Job bekommen, weil sie ja theoretisch schwanger werden können.

    Ich komme aus dem Land, wo man vergeblich versuchte, den Kommunismus aufzubauen. Dort sollte es kein arm und reich geben! Die Arbeitslosen kamen dort ins Gefängnis, weil arbeitslosigkeit strafbar war. Und was ist passiert? Das Prinzip ist gescheitert, weil es nicht lebensfähig ist. Nur Kapitalismus kann wirklich „überleben“. Das hat die Geschichte gezeigt. Natürlich ist der Weg von unten nach oben hart, aber er ist da! Und das zeichnet ein gutes System aus.

  38. 38 Andreas 15. Juni 2010 um 13:32 Uhr

    Diskriminierung findet nicht nur dann statt, wenn Menschen explizit durch das Gesetz diskriminiert werden.

    Ich weiß nicht, wie du auf eine solche Engführung des Diskriminierungsbegriffs kommst. Ich hoffe für den Fachbereich Jura, dass er nicht dafür verantwortlich ist.

  39. 39 Elly 15. Juni 2010 um 14:25 Uhr

    Der Fachbereich ist dafür verantwortlich, dass ich nicht gegen Windmühlen kämpfe. Ihr kämpft hier nicht um etwas zu erreichen, sondern um eueren Ärgeer kund zu tun.

    Jeder ist selbst für seine schieflage verantwortlich. Niemand wird in Deutschland allein gelassen. Ihr wisst nicht was Armut ist. Ihr habt sie in Deutschland nie gesehen. Ich habe Kinder von 7 Jahren gesehen, die sich am Bahnhof für ein Stück Brot prostituiert haben. Und Ihr kämpft für Erwachsene, die ihren Kindern vorleben, wie gut es ist Harz IV zu kassieren.

    Nein, ich verstehe es nicht. Ich hab auch von Sozialhilfe gelebt als Kind. Meine Mutter hat jede Arbeit angenommen, damit ich vor Augen habe, dass ein Mensch arbeiten soll. Das gefällt mir gerade an Arbeiterkind.de. Da steckt das Wort „Arbeit“ drin.

    Man soll sich um die Kinder kümmern und ihnen ein Vorbild sein, weil die Eltern es nicht können. Das ist der Plan von Arbeitkind.de. Und das ist auch besser so.

  40. 40 Andreas 15. Juni 2010 um 19:31 Uhr

    Tut mir leid, dein Beitrag ist voller Widersprüche:

    „Niemand wird in Deutschland allein gelassen.“ und dann ein Satz weiter:
    „Ich habe Kinder von 7 Jahren gesehen, die sich am Bahnhof für ein Stück Brot prostituiert haben.“

    Was denn jetzt? Werden sie allein gelassen? Oder ist es richtig so, dass sie sich prostituieren? Schließlich ist „jeder für seine Schieflage selber verantwortlich“???

    „Ihr kämpft hier nicht um etwas zu erreichen, sondern um eueren Ärgeer kund zu tun.“ Wir haben bereits etwas erreicht, nämlich eine Einrichtung, die mit einem kleinen Etat, einem Büro und einer bezahlten Stelle sich für die Interessen von Arbeiterkindern einsetzen kann.

    Strukturelle Probleme lassen sich nicht individuell lösen. Strukturelle Probleme lassen sich nur politisch lösen.

    Unser Referat heißt nicht „Arbeiterkinder-Referat“, weil dies damals nicht durchsetzbar gewesen ist. Vielleicht hat ja unter anderem auch unsere Arbeit (!) dafür gesorgt, dass irgendwann ein Klima entstand, wo sich eine Gruppierung „Arbeiterkind.de“ nennen konnte.

  41. 41 Carl 15. Juni 2010 um 19:51 Uhr

    @ Andreas: Ich denke das mit der Prostitution war in ihrem Heimatland.

    @ Elly: Wie Andreas schon sagte ist dein Beitrag wirklich voller Widersprüche. Du sagst zuerst du hättest es allein geschafft und dann sagst du, du hättest von der Sozialhilfe gelebt. Wer hat die Sozialhilfe bezahlt? Der Steuerzahler, meine Eltern. Keine Ursache, gern geschehen, aber warum missgönnst du es anderen Leuten?

    Du redest von Leuten, die stark sind und von solchen, die schwach (beziehungsweise einfach nicht stark genug) sind. Ertens finde ich es falsch zu glauben, dass es die „Schwachen“ und die „Starken“ gibt und jeder entweder nur eines von beidem sein kann. Das widerspricht imho auch der modernen Psychologie.

    Zweitens: Die „Schwachen“ haben es sich nicht selbst ausgesucht schwach zu sein. Ich kenne Leute, die wirklich schwach sind in mancher Hinsicht, aber kämpfen, wie die Irren. Das hat sehr viel Respekt und Unterstützung verdient.

    Meine Lebensgeschichte ist auch eine Aufsteigergeschichte. Von Außen sieht es vielleicht so aus, als hätte ich das alles allein geschafft, aber ich weiß, dass ich es niemals ohne meine Familie, ohne meine Freunde, ohne die kostenlose Nachhilfe in der fünften und sechsten Klasse und so weiter geschafft hätte.

    Ein guter Freund von m ir ist sehr stark, eigentlich tausend mal stärker als ich. Er ist Arbeiter und ich bin bald Akademiker. Von außen sieht es so aus, als wäre ich der Stärkere. Nur von außen…

    Ich würde mich an deiner Stelle mal fragen, ob du es wirklich ganz allein geschafft hast, nur allein und ob dir wirklich nie jemand geholfen hat…

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