Archiv für März 2010

Erfahrungsbericht

Von Matthias

Erfahrungsbericht No. 1

Es gibt in meiner früheren Heimatstadt zwei Gymnasien, das humanistische altehrwürdige (A.-Gymnasium) und das mathematisch-naturwissenschaftliche (B.-Gymnasium), das als Proletengymnasium galt. Die Schüler des humanistischen Gymnasiums hielten große Stücke auf ihre Schule. Sie hatten eine eigene Schulkleidung, ein Schullied und sie nannten sich nicht einfach A.-Schüler, sondern A.-ianer. (mehr…)

Bürgerliche Medien forcieren Sozialeugenik

Die Sozialhilfe muss auf fünf Jahre beschränkt werden, damit weniger dumme und kriminelle „Unterschichtskinder“ geboren werden. Diese sozialeugenische Forderung konnte Gunnar Heinsohn bislang in der Welt-Online breittreten, jetzt bietet ihm auch die FAZ.net ein Forum für seinen Klassenrassismus. Wir berichteten bereits im Dishwasher über die Moderne Sozialeugenikdebatte, daher verweise ich nur auf einen kritischen Artikel in telepolis: Das unwerte Hartz-IV Leben

Frühkindlicher Kita-Besuch hilft gegen Benachteiligung

Von Andreas Kemper
Pünktlich zum Start der Bildungsmesse „didacta“ in Köln legt das „Institut der deutschen Wirtschaft“ in Köln eine Studie vor, nach der sich Investitionen in frühkindliche Bildung lohnen. „Die Förderung der Kinder in den Jahren null bis sechs ist am wichtigsten“, sagt hierzu Professor Wassilos Fthenakis, Präsident des didacta-Verbandes. Wir hatten dieses Thema bereits vor wenigen Tagen, da eine weitere Studie zum Schluss kam, dass das BIP um zehn Prozent erhöht werden könnte, wenn der Staat leistungsschwächere Schüler_innen besser fördern würde. Frühkindliche Förderung ist wichtig, aber arme Familien können sich oftmals die Kita-Gebühren nicht leisten. (mehr…)

Sozialpsychologie und Biographie

von Tobias Fabinger

Eine sehr wichtige Ebene, die sich mit der Erfahrung der Studierenden aus Arbeiterfamilien trifft, ist die sozialpsychologische Betrachtung der Schwierigkeiten im Studium. Schon der Pädagoge und Psychoanalytiker Bernfeld hat 1925 in seinem Werk „Sisyiphos oder die Grenzen der Erziehung“, bemerkt, dass Arbeiterkinder, wenn sie im Bildungssystem erfolgreich sind, Schuldgefühle gegenüber den Eltern entwickeln, ja, dass diese Schuldgefühle sie ernsthaft blockieren können. (mehr…)

Elena – Verfassungsbeschwerde zur Datenspeicherung

Unser IT-Referent bat uns und andere Referate des AStA der Uni Münster auf eine Verfassungsbeschwerde gegen Elena aufmerksam zu machen. Die Bundesregierung plant zur Zeit das sogenannte ELENA-Verfahren (elektronischer Entgeltnachweis), mit dem ab dem 1. Januar 2012 in Deutschland Einkommensnachweise elektronisch — mit Hilfe einer Chipkarte mit integriertem Zertifikat zur Erstellung qualifizierter elektronischer Signaturen — erbracht werden. Die Meldung der Daten durch die Arbeitgeber erfolgt seit dem 1. Januar 2010. Hier der Link zur Online-Petition.

Interview mit Michael Hartmann zu Bologna und Protesten

Michael Hartmann, Eliteforscher aus Darmstadt, ist zu einem Podiumsdiskussion am 13. März im Rahmen des „Bologna-Burns-Gipfel“ nach Wien eingeladen worden. Im Vorfeld fand ein Interview statt zu Fragen der sozialen Selektion und der Elitenreproduktion, Unterschieden zwischen deutschen und österreichischen Unis – auch hinsichtlich der jüngsten Protestaktionen – und den Möglichkeiten politisch aktiv zu arbeiten. Auf der Seite unsereuni.tv finden sich weitere spannende Videos zum Thema.

Online-Petition zum Stipendienentwurf

Soziale Herkunft berücksichtigen!

Der Senat des Evangelischen Studienwerks Villigst e.V. hat eine Online-Petition zum Stipendienentwurf mit folgendem Inhalt gestartet:
„An:
Die Bundesregierung und das Bundesministerium für Bildung und Forschung
Der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und FDP sieht vor, zehn Prozent der Studierenden mit einem einkommensunabhängigen „nationalen Stipendium“ von 300 Euro monatlich zu fördern sowie analog das Büchergeld für die StipendiatInnen der Begabtenförderungswerke auf 300 Euro anzuheben. (mehr…)

„Gleiche Chancen in der Bildung“

Von Andreas Kemper

Das 8. Bildungssymposium in Thüringen stellt die Bildungsbenachteiligung in den Mittelpunkt

Das Bildungssymposium in Thüringen thematisiert die Überwindung sozialer Ungleichheiten unter dem Motto: „Gleiche Chancen in der Bildung“. Das 8. Bildungssymposium wird organisiert vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und vom Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien an der Universität Erfurt. Nach eigener Auskunft nimmt das Symposium damit die Forderung des UN-Sonderberichterstatters für das Menschenrecht auf Bildung, Vernor Muñoz, auf. Dieser hatte mit Blick auf den Zusammenhang von Bildungserfolg und sozialer Herkunft gerechtere Bildungsmöglichkeiten für jedes Kind gefordert. (mehr…)

„Professoren und ihre Brut“

Nein, keine Angst, ich werde jetzt nicht ausfällig. Der Titel steht bewusst in Anführungszeichen, weil es sich um einen Artikel von Prof. Thomas Hoeren handelt. Er, selber ein Arbeitersohn, beobachtet seit Jahren, wie sich der Nachwuchs seiner Kollegen entwickelt, die schlussendlich doch (trotz von allen Seiten anders beschworener Absichten) studieren und zwar das gleiche Fach an der selben Hochschule wie ihr Vater… Thomas Hoeren: Professoren und ihre Brut. Meiner darf auch Postbote werden

Was unzureichende Bildung kostet

Von Andreas Kemper
Es ist falsch, Bildungsbenachteiligung aufgrund von volkswirtschaftlichen Nutzenrechnungen zu werten. Bildungsbenachteiligung ist eine Verletzung des Menschenrechtes auf Bildung und als solche vorrangig zu kritisieren. Dennoch wird es gerade dann spannend, volkswirtschaflichen Berechnungen zu betrachten, wenn diese quasi den Interessen eines ideellen Gesamtkapitalisten entsprechend, den ständischen Interessen von Gymnasiallehrer_innen und privilegierten Eltern widersprechen. (mehr…)

Studiengebühren

Von Tobias Fabinger
Es ist wieder soweit. Das neue Semester beginnt am 1.04. Studiengebühren waren fällig. Einige, die sie noch nicht bezahlt haben, haben die Chance, sie allerspätestens bis Semesterende zu überweisen. Das Geld ist noch nicht beisammen? Die Eltern bezahlen es nicht? Es gibt auch sonst keine Förderung? Du hast studiert, auch Erfolge gehabt, aber nun fehlt das Geld. (mehr…)

Kampf um Schulreform: Eliten wollen unter sich bleiben

Ein wenig verspätet der Link zu einer Panorama-Sendung mit dem Titel: Eliten wollen unter sich bleiben vom 18. Februar 2010. Es werden Hintergründe zur Elterninitiative „Wir wollen lernen“ u.a. mit O-Tönen von Eltern dargestellt und mit Kommentaren von Michael Hartmann, Elitenforscher an der TU Darmstadt, und Ernst Rössner, Bildungsforscher am Institut für Schulentwicklungsforschung Dortmund versehen.

Anmerkungen zur Diskursanalyse der Klassengesellschaft

Von Tobias Fabinger
Im Folgenden möchte ich umrissartig einmal etwas zur Diskursanalyse der Klassengesellschaft sagen. Ein Diskurs ist ein Akt der Kommunikation, eine bestimmte Argumentationsfigur und ein bestehenden Machtverhältnis. Die sprachliche Interpretation – das „Wissen“ über ein sozialen Phänomen – und die realen Machtverhältnisse bedingen sich gegenseitig. Auf dem Gebiet des Rassismus gibt es mittlerweile kritische Diskursanalysen, die sowohl den Alltagsdiskurs aber auch die Medien betreffen. Nicht so auf dem Gebiet der Klassenverhältnisse. Meine These lautet: Die Klassenverhältnisse sind noch stärker tabuisiert als die rassistische Diskriminierung, so dass die Alltagsdiskurse sich als äußert stabil und resistent gegenüber Aufklärung erweisen. (mehr…)

Nebenjobs sind soziale Prozesse

Studierende Arbeiterkinder arbeiten häufiger in Jobs, die mit ihrem Studium nichts zu tun haben. Daher haben wir dieses Magazin / Blog bewusst „The Dishwasher“ genannt. In verschiedenen Studien wird ausgerechnet, wieviel Zeit die Arbeit neben dem Studium in Anspruch nimmt. Was dabei untergeht: Nebenjobs sind nicht nur manuelle Tätigkeiten, sondern ziehen oftmals auch ein zeitaufwendiges Konfliktmanagement mit KollegInnen /Chefs / KundInnen nach sich. (mehr…)




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