Archiv für April 2010

Kritik der Chancengleichheits-Kritik

Von Andreas Kemper

Bereits zum dritten Mal habe ich nun mit den Leuten der „Desktruktive Kritik“ in Münster über Leistungsideologie im Bildungssystem diskutiert. Die „Destruktiven Kritik“ steht der marxistischen Gruppe Gegenstandpunkt nahe. Zu diesem Umfeld zählt auch Freerk Huisken aus Bremen, der am letzten Mittwoch einen Vortrag mit der These „Ausbildung macht dumm“ hielt. Ein zentraler Punkt in seiner Argumentation ist, dass unser Bildungssystem nach Leistung und nicht nach sozialer Herkunft selektiert. Im Folgenden kritisiere ich diese These, die er in dem Artikel „Missverständnis ‚Chancengleichheit‘“ publiziert hat, sowie einige Argumente, wie sie in der Diskussion zu seinem Vortrag zu Tage traten. (mehr…)

Podiumsdiskussion der taz zur Sozialen Selektion

Am Samstag, 24. April 2010 fand eine Podiumsdiskussion der taz unter dem Titel „Papa, bringst du mich zur Uni?“ statt. Thematisch ging es um Studienbedingungen, Hochschulzugang und soziale Herkunft. Nachdem Elke Middendorff von der HIS die aktuellen Ergebnisse der DSW-Studie präsentierte, diskutierten Frank Steudner (Stifterverband) und Vivian Hinz (Arbeiterkind.de). Alice Lortholary fasst in der taz die Diskussion zusammen:

Während Steudner die geringere Zahl der Nicht-Akademiker-Kinder an den Hochschulen durch eine rein psychologische Abschreckung erklärt, ist diese Zahl für Hinz ausschließlich auf den Mangel an Informationen zurückzuführen. Hinz ist selber Tochter einer Nicht-Akademiker-Familie und Stipendiatin. Ihrer Meinung nach werden diese Kinder nicht angesprochen und wissen nicht, welche Angebote und Möglichkeiten ihnen zur Verfügung stehen. Die Initiative „Arbeiterkind“ zielt darauf ab, diese Kinder ausführlicher zu informieren. Was die Finanzierung des Studiums betrifft, plädierte Steudner wiederum für die Kreditaufnahme.

Akademiker unter sich

Pressemitteilung des Deutschen Studentenwerkes

• Von 100 Akademiker-Kindern studieren 71, von 100 Nicht-Akademiker-Kindern nur 24
• Neue Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) mit exklusiven Daten zur Bildungsbeteiligung
• DSW-Präsident Rolf Dobischat: „Von sozial offenen Hochschulen sind wir weit entfernt“

Berlin, 23. April 2010. „Hochschulbildung in Deutschland gleicht weiter einem kulturellen Kapital, das von Akademiker-Generation zu Akademiker-Generation weitervererbt wird. Noch stärker als den Bildungsaufstieg sichern Deutschlands Hochschulen den akademischen Status der nachfolgenden Generation ab.“ Mit diesen Worten kommentierte Prof. Dr. Rolf Dobischat, der Präsident des Deutschen Studentenwerks (DSW), heute in Berlin die jüngsten Daten zur Bildungsbeteiligung aus der neuen DSW-Sozialerhebung.
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Allensbach-Institut: Arbeiterkinder und MigrantInnen bei Stipendien benachteiligt

Von Olaf Götze

SchülerInnen und Studierende aus Arbeiterfamilien und solchen mit Migrationshintergrund, haben bei der Bewerbung auf ein Stipendium deutlich geringere Erfolgschancen als ihre KollegInnen aus Akademikerfamilien. Dies ergibt eine aktuelle Studie des Allensbach Institutes im Auftrag des Reemtsa Begabtenförderungswerkes. Dabei bewerben sich Studierende bildungsferner Herkunft nicht seltener um ein Stipendium, als andere Studierende. Studierende mit Migrationshintergrund sind sogar noch seltener abgeschreckt von den geringen Erfolgschancen und bewerben sich demnach sogar häufiger. (mehr…)

Hamburger Schulkampf: Die Interessen der sozialen Klassen spielen eine Rolle

Von Andreas Kemper

Während einer Tagung der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Hamburg sprachen sich die anwesenden Bildungsforscher für eine längere Grundschulzeit aus. Zahlreiche Studien zeigten, dass mittelmäßig gute Schüler_innen aus privilegierten Schichten aufs Gymnasium kämen, leistungsstarke Schüler_innen aus unteren Schichten hingegen nicht. (mehr…)

Neue IGLU-Auswertung: Arbeiterkinder werden benachteiligt

Eine neue Auswertung des statistischen Materials der Internationalen-Grundschul-Lese-Untersuchung bestätigt die Benachteiligung von Arbeiterkindern bei der Gymnasialempfehlung. Seit IGLU 2001 gibt die Kultusministerkonferenz diese Fragestellung nicht mehr in Auftrag und schweigt entsprechend konsequent zum aktuellen Befund einer Diskriminierung von Arbeiterkindern. (mehr…)

Achtung! Raumänderung für Vortrag „Pädagogik der Bildungsfernen und -nahen“

Kurzfristig wurde uns mitgeteilt, dass aus technischen Gründen es uns leider nicht möglich sein wird, den Vortrag morgen im S9 zu machen. Ersatz haben wir gefunden in der Brücke, Raum 106.

In der Hoffnung euch dennoch zahlreich erscheinen zu sehen,

euer dishwasher-Team

Aufstand der Stipendiaten

Die ZEIT-Online berichtet über die Online-Petition mit der sich Stipendiat_innen gegen die neue Stipendienregelung wehren, die nächste Woche verabschiedet werden soll. Es ist eine Erhöhung des Büchergeldes von 80 Euro auf 300 Euro vorgesehen. Profitiert haben vom Büchergeld bislang im erheblich größeren Umfang Studierende mit reichen Eltern als Studierende mit armen Eltern. Diese neue Regelung würde die soziale Schieflage noch erhöhen. Auch unsere kleine und nichtrepräsentative Umfrage zeigt, dass das neue Gesetz von unseren Leser_innen abgelehnt wird.

Veranstaltung: Pädagogik der Bildungsfernen und -nahen

Am Mittwoch, 21. April, wird Markus Kühn einen Vortrag zur „Pädagogik der Bildungsfernen und -nahen“ halten. Dies ist die erste Veranstaltung in der Reihe „diskriminierende gesellschaft. soziale herkunft als problem“ vom Referat für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende im AStA der Uni Münster. Mit diesem Vortrag sollen Lösungsmöglichkeiten der Erziehungswissenschaften erörtert und diskutiert werden.
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„Deutschlands Eliten haben sich radikalisiert“

Der Elitenforscher Michael Hartmann spricht in einem aktuellen Interview in der Zeit von einer Homogenisierung und Radikalisierung der „Eliten“. Es sei nicht nur die Bereitschaft gesunken, dem ärmeren Teil der Gesellschaft einen Teil des Reichtums zu überlassen, sondern es würden sich auch die Fälle von Diffamierung häufen. Bei Sarrazin, Westerwelle und Sloterdijk gebe es „einen massiven Versuch, die Fronten so zu ziehen. Und er scheint zu funktionieren.“ Auch im Hamburger Schulkampf zeigten abwertende Äußerungen wie „akademisches Proletariat“, wie salonfähig inzwischen Sarrazins Diffamierungen in den „Eliten“ seien.
Siehe auch: Statusangst.

Statusangst

Von Andreas Kemper
Markus machte uns darauf aufmerksam, dass im aktuellen Spiegel ein Interview mit dem Soziologen Wilhelm Heitmeyer (Bielefeld) abgedruckt worden ist und meinte, das wäre doch was für uns. Ja, ist es. Heitmeyer organisiert die auf zehn Jahre angelegte Studie zur „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“. Im Spiegel-Interview äußert er sich sehr unmissverständlich zur Feindlichkeit gegenüber Langzeitarbeitslose. (mehr…)

Workshop: Rhetorik an der Uni für studierende Arbeiterkinder und Studierende „bildungsferner“ Herkunft

18.-19. juni 2010
Rhetorik ist nur die formale Fähigkeit des sprachilichen Umgangs oder das Beherrschen rhetorischer Figuren. Sie hat auch etwas mit der eigenen Persönlichkeit zu tun und mit dem Bezug zu den eigenen gefühlen und zur Selbstwahrnehmung während des Sprechens. Im Studium und auch im Beruf sind rhetorische Fähigkeiten gefragt. (mehr…)

Workshop: Biographische Erfahrungen

04.-05. Juni 2010
Wer aus einer Arbeiterfamilie kommt und im Bildungssystem „aufsteigt“, der macht oft ganz bestimmte biographische Erfahrungen: Man muss sich in dem ungewohnten Raum „Universität“ zurechtfinden, das Studium kann eine „krisenanfällige Sache“ sein, oder aber es entsteht eine zunehmende Ferne zu den Eltern. Bei einigen geht auch alles gut und die Eingeöhnung in die akademische Welt geschith recht reibungslos. Möglicherweise sind Erfahrungen aus dem Gymnasium vorhanden, wo sich ähnliche Effekte wie an der Universität zeigten. Trotz der Hürden im Bildungssystem hat man es geschafft! (mehr…)

Workshop: Mein Traumberuf

2. / 3. Juli 2010
Was kann man mit einem Studium der Geschichte oder Germanistik machen? Wie erreicht man sein Berufsziel, wenn man etwa Erziehungswissenschaft studiert? welche berufe gibt es überhaupt? Kann ich in dem Berufsfeld bestehen, das ich mir wünsche? Wie gelange ich dorthin? Dies sind Fragen, die man auch als das „ABC“ der Berufseinmündung bezeichnen kann. (mehr…)

Demonstration der Heimkinder

Unter dem Motto „Jetzt reden wir“ findet am 15. April in Berlin eine Demonstration der Heimkinder statt. Hier ist die ofizielle Website: http://jetzt-reden-wir.org

Wir ehemaligen Heimkinder wurden über Jahre hinweg in meist kirchlichen Heimen systematisch gedemütigt und misshandelt, viele von uns auch sexuell missbraucht und als „Arbeitssklaven“ ausgebeutet. Wir waren den Jugendämtern und dem Heimpersonal schutzlos ausgeliefert.
Lange Zeit hat man uns zum Schweigen gebracht, doch…

JETZT REDEN WIR!!!




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