Veranstaltung: Pädagogik der Bildungsfernen und -nahen

Am Mittwoch, 21. April, wird Markus Kühn einen Vortrag zur „Pädagogik der Bildungsfernen und -nahen“ halten. Dies ist die erste Veranstaltung in der Reihe „diskriminierende gesellschaft. soziale herkunft als problem“ vom Referat für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende im AStA der Uni Münster. Mit diesem Vortrag sollen Lösungsmöglichkeiten der Erziehungswissenschaften erörtert und diskutiert werden.

Markus Kühn:

Von pädagogischer Ignoranz zum förderdiagnostischen Gestalten

Oder:

Eine Pädagogik der Bildungsfernen und -nahen

Durch „pädagogische Ignoranz“ – in Praxis wie Theorie – bei Unterschieden im Lernen bildungsferner und bildungsnaher Schichten kommt es zu Benachteiligungen von Bildungsfernen im Bildungssystem und dessen Peripherie – wie Hochschule, Schule, Vorschule, Elternhaus – sowie zum Bewahren – geprägt durch Bildungsnahe – inadäquater „Akademismen“, die schulischen und universitären Erfolg versprechen, aber lebensfern und weltfremd weder auf Alltag noch Ausbildung oder Beruf vorbereiten. Dabei bietet die Pädagogik im allgemei-nen Ansätze einer umfassenden Bearbeitung dieser Problematik, zum Beispiel indem – im Sinne eines „förderdiagnostischen Gestaltens“ – die schichtspezifischen Unterschiede eruiert und in das Lernen einbezogen werden, so daß – statt „Akademismen“ zu reproduzieren – lebensnah und weltbezogen gelernt und gebildet wird. Eine Pädagogik, die diese Möglichkeiten berücksichtigt, kann damit schichtspezifischen Besonderheiten entgegenwirken.

Ein Vortrag für alle Beteiligten im Bildungssystem und dessen Peripherie wie Hochschullehrer, Studenten, Lehrer, Schüler, Erwachsenenbildner, Sozialpädagogen, Jugendbildner, Vorschulerzieher, Familienbildner, Eltern und Kinder, für Aktive in anderen gesellschaftlichen Bereichen, für politisch Engagierte und für alle anderen Interessierten.

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11 Antworten auf „Veranstaltung: Pädagogik der Bildungsfernen und -nahen“


  1. 1 Irene 12. April 2010 um 20:01 Uhr

    Interessant wäre, was in den Ingenieurfächern bereits richtig läuft (und das womöglich ohne die Ansätze der Erziehungswissenschaftler/innen):
    http://www.zeit.de/2010/15/C-Aufsteiger

    These: Vielleicht liegt es einfach daran, dass gut schwafeln können in den Ingenieurwissenschaften nix bringt.

    > Ein Vortrag für alle Beteiligten im Bildungssystem

    Ingenieure und Naturwissenschaflerinnen kommen wahrscheinlich nicht, wenn sie solche Sätze lesen:

    Durch „pädagogische Ignoranz“ – in Praxis wie Theorie – bei Unterschieden im Lernen bildungsferner und bildungsnaher Schichten kommt es zu Benachteiligungen von Bildungsfernen im Bildungssystem und dessen Peripherie – wie Hochschule, Schule, Vorschule, Elternhaus – sowie zum Bewahren – geprägt durch Bildungsnahe – inadäquater „Akademismen“, die schulischen und universitären Erfolg versprechen, aber lebensfern und weltfremd weder auf Alltag noch Ausbildung oder Beruf vorbereiten.

    Ist sowas eigentlich ein inadäquater Akademismus oder nur schlechtes Deutsch?

  2. 2 Anoniseverywhere 14. April 2010 um 20:56 Uhr

    Mein Tipp: Die Sprache ist gewollt um sich von solchen Leuten abzugrenzen die nichts richtiges studieren können, wie zB Naturwissenschaftler.
    An sich schade, dass gerade dort wo es die meisten Aufstiegschancen gibt nicht besser evaluiert wird, sondern stattdessen nur wegen Diskrimminierung geklagt wird. Mir persönlich fehlt auch etwas die Betrachtung des Aufstieges der letzten Generation, immerhin sind ja unter den aktuellen bzw. kürzlich aktiven Politikern, Gewerkschafts- oder Konzernführer auch nicht wenige dabei, die sich hoch gearbeitet haben, nicht selten sogar über die Abendschule, den 3. Bildungsweg. Aus einer gescheiten Analyse könnte man sicher viel lernen.

  3. 3 Logik 18. April 2010 um 23:06 Uhr

    Die Idee von Aufstiegschancen ist nicht wirklich realistisch, emanzipatorisch oder zielführend, da für die, die aufsteigen, welche absteigen müssen. Für jeden Aufstieg muss es einen Abstieg geben. Wenn es sowas wie Schichten, Klassen oder Hierarchien gibt, in denen quasi numerische Reihenfolgen dominieren, die den sozio-ökonomischen Wert der Menschen messen, dann ist es eigentlich ein Witz, an die Idee von Aufstiegschancen als Suggestion eines sozio-politischen Gesellschaftsstreben zu glauben.

    Daher muss eine grundlegende gesellschaftliche und auch geistige Umwälzung passieren, um überhaupt wirklich eine gerechte und emanzipatorische Gesellschaft zu erreichen. Alles andere ist schwadronieren der Ablenkung von wirklichen Ursachen des Problems willen.

  4. 4 Andreas 19. April 2010 um 12:03 Uhr

    Hallo Logik

    Du sprichst verschiedene Aspekte an.

    1. Die Frage der Klassenreproduktion
    Wenn wir das Bildungssystem ausschließlich in seiner Funktion der Klassenreproduktion betrachten, dann hast du natürlich Recht. Die privilegierten Jobs sind beschränkt. Wenn ein Nichtakademikerkind einen privilegierten Job ergattert, kann ein Akademikerkind diesen Job nicht bekommen.
    Hier stellen sich dann drei Fragen:
    a) die nach sozialer Gerechtigkeit. Es ist verletzend und ungerecht, wenn Arbeiterkinder unnötig Barrieren in den Weg gelegt werden.
    b) die nach Leistung. Es ist nicht effektiv, Arbeiterkinder davon abzuhalten, einen privilegierten Job zu bekommen, obwohl sie im Einzelfall kompetenter wären als andere.
    c) die nach den Konsequenzen der Durchbrechung der Klassenreproduktion. Wie ich hier schrieb Klassenreproduktion bei Marx scheint einiges darauf hinzudeuten, dass im Kapitalismus die Frage nach der Klassenreproduktion tatsächlich auch an Elternschaft gekoppelt ist. Das würde bedeuten, dass ein Durcheinanderbringen der Klassenreproduktion durch Aufstiege von Arbeiterkindern tatsächlich auch die Funktionsweise des Kapitalismus beeinträchtigen könnte.

    2. Bildung ist mehr als Ausbildung.
    a) Politische Bildung
    Für mich als Arbeiterkind war es wichtig, Zugang zu Studierenden-Wohngemeinschaften, Universitätsbibliotheken, Seminaren und Vorlesungen zu erhalten und durch Bafög freigestellt zu sein vom Arbeitszwang, damit ich mich sozialphilosophisch und politisch bilden konnte.
    b) Gesellschaftlich-technischer Fortschritt
    Der technische Fortschritt kann dafür sorgen, dass wir Menschen bei besserer Gesundheit weniger arbeiten müssen. Natürlich sind dies in erster Linie politische Fragen. Nichtsdestotrotz lasse ich lieber Maschninen unangenehme Tätigkeiten verrichten und ich würde auch gerne bei guter Gesundheit lange leben. Je gebildeter eine Gesellschaft ist, desto größer könnte – wenn es denn politisch gewollt wäre – der technische Fortschritt sein.

    Also, diese fünf Argumente sprechen dafür, Arbeiterkinder nicht vom Zugang zu Hochschulen auszuschließen.

  5. 5 Carl 23. April 2010 um 19:32 Uhr

    „Für mich als Arbeiterkind war es wichtig, Zugang zu Studierenden-Wohngemeinschaften, Universitätsbibliotheken, Seminaren und Vorlesungen zu erhalten und durch Bafög freigestellt zu sein vom Arbeitszwang, damit ich mich sozialphilosophisch und politisch bilden konnte.“

    Mir stellt sich da eine weitere Frage, vielleicht ein wenig off-topic, aber könnte man nicht vielleicht auch sagen, dass reicher Leute Kinder zum Teil auch von Lebenserfahrungen systematisch ausgeschlossen sind?

    Ich bin der Meinung, dass ein Mensch, der 25, 30 Jahre alt wird und noch nie einen Tag in seinem Leben gearbeitet hat, auf eine gewisse Weise auch unterprivilegiert ist. Ein Mensch, der sich immer alles hat leisten können, ebenfalls. Weil dieser Mensch im Grund genommen den Wert von nichts kennt.
    Zwar bin ich ganz klar für eine großzügigere Bafög-Regelung, aber – das ist schwer auszudrücken – ich glaube, dass die Arbeiter mehr vom Leben der Akademiker wissen als umgekehrt…

  6. 6 Andreas 23. April 2010 um 21:27 Uhr

    Um diese Frage ging es am Mittwoch auch beim Vortrag von Markus Kühn. Arbeiterkinder werden in der Pädagogik immer nur als defizitär wahrgenommen, tatsächlich verfügen sie aber auch über Stärken. Das Bildungssystem in Deutschland kann diese Stärken jedoch nicht anerkennen oder fördern. Umgekehrt ist der akademische Habitus oftmals gar nicht kompatibel mit dem Berufsalltag. Viele Akademiker würden nach dem Studium all ihr Wissen vergessen müssen und sich das Wissen für den Berufsalltag eigenständig aneignen müssen.

    Dass Benachteiligte und Unterdrückte einen besseren Erkenntnisstandpunkt haben, wird spätestens seit Hegels „Phänomenologie des Geistes“ diskutiert, wo er im Kapitel Herrschaft und Knechtschaft“ feststellt, dass der Knecht über seine Arbeit ein Selbstbewusstsein entwickeln kann, was dem Herren fehlen würde.

  7. 7 Frank 29. Juni 2010 um 16:16 Uhr

    Gibt es denn vom Vortrag von Markus Kühn ein Skript?

    Herzliche Grüße

    Frank

  8. 8 Administrator 29. Juni 2010 um 18:31 Uhr

    Hallo Frank

    Es gab Handouts, aber ich werde ihn fragen, ob er noch mehr von der Tagung hat.

    Liebe Grüße

  9. 9 Frank 30. Juni 2010 um 10:35 Uhr

    Vielen Dank!

  10. 10 Administrator 05. Juli 2010 um 17:48 Uhr

    Hallo Frank,
    Markus hat zurückgeschrieben, dass er nichts adäguates hat und sich gerade wenig Zeit hat. Er will sich aber demnächst mit den Kommentaren hier ausführlich befassen.
    Liebe Grüße

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