Akademiker unter sich

Pressemitteilung des Deutschen Studentenwerkes

• Von 100 Akademiker-Kindern studieren 71, von 100 Nicht-Akademiker-Kindern nur 24
• Neue Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) mit exklusiven Daten zur Bildungsbeteiligung
• DSW-Präsident Rolf Dobischat: „Von sozial offenen Hochschulen sind wir weit entfernt“

Berlin, 23. April 2010. „Hochschulbildung in Deutschland gleicht weiter einem kulturellen Kapital, das von Akademiker-Generation zu Akademiker-Generation weitervererbt wird. Noch stärker als den Bildungsaufstieg sichern Deutschlands Hochschulen den akademischen Status der nachfolgenden Generation ab.“ Mit diesen Worten kommentierte Prof. Dr. Rolf Dobischat, der Präsident des Deutschen Studentenwerks (DSW), heute in Berlin die jüngsten Daten zur Bildungsbeteiligung aus der neuen DSW-Sozialerhebung.

Nach den Zahlen, die Forscherinnen und Forscher des Hochschul-Informations-Systems (HIS) für die inzwischen 19. Sozialerhebung ermittelt haben, spielt der Bildungsstatus der Eltern eine entscheidende Rolle, ob jemand in Deutschland studiert oder nicht – ganz besonders der Hochschulabschluss.

In der neuen Sozialerhebung ist die Bildungsbeteiligung aus dem Jahr 2007 abgebildet: Von 100 Akademiker-Kindern studieren 71, von 100 Kindern aus Familien ohne akademische Tradition studieren nur 24. Im Jahr 2005 war das Verhältnis 83:23, im Jahr 2003 83:26. Kinder von Beamten mit Hochschulabschluss studieren fast viermal so häufig wie Arbeiterkinder.

„Auch wenn wir einen leichten Rückgang von studierenden Akademikerkindern verzeichnen: Die grundlegende soziale Selektion im deutschen Hochschulsystem ist erschreckend stabil“, sagte Dobischat heute in Berlin, wo er gemeinsam mit Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, und Dr. Michael Leszczensky vom Hochschul-Informations-System die 19. Sozialerhebung vorgestellt hat.
„Die Akademiker reproduzieren sich selbst“, sagte Dobischat. „Auch Bachelor/Master scheinen bisher, entgegen den Erwartungen, nicht mehr junge Menschen aus hochschulfernen Familien angelockt zu haben. Von sozial offenen Hochschulen sind wir weit entfernt“, beklagte Dobischat.

Hintergrund: 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks

Alle drei Jahre werden die Studierenden in Deutschland im Rahmen der Sozialerhebungen des Deutschen Studentenwerks zu ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage befragt. Finanziert wird die repräsentative Studie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, wissenschaftlich durchgeführt vom Hochschul-Informations-System. An der jüngsten, 19. Sozialerhebung nahmen im Sommer 2009 16.370 Studierende von 210 Hochschulen teil. Ende 2010 soll eine Sonderauswertung zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der ausländischen Studierenden in Deutschland erscheinen, im Frühjahr 2011 ist ein Sonderbericht zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Bachelor-Studierenden vorgesehen.

Das vollständige Statement von DSW-Präsident Rolf Dobischat zum Download:
http://www.studentenwerke.de/pdf/Statement_Dobischat19SE.pdf

Die Kurzfassung der 19. Sozialerhebung mit 42 Seiten sowie der so genannte Hauptbericht mit 586 Seiten stehen auf der Homepage des Deutschen Studentenwerks zum Download bereit:

www.studentenwerke.de

Wolfang Isserstedt, Elke Middendorff, Maren Kandulla, Lars Borchert, Michael Leszczensky: Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland 2009. 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks durchgeführt durch HIS Hochschul-Informations-System, hg. Vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Bonn, Berlin 2010.

Kurzfassung und Hauptbericht können beim Deutschen Studentenwerk und beim Bundesministerium für Bildung und Forschung bestellt werden:
Deutsches Studentenwerk, Tel. 030/29 77 27 21, sabine.jawurek@studentenwerke.de
Bundesministerium für Bildung und Forschung, Postfach 30 02 35, 53182 Bonn, Tel. 01805 262 302, Fax 01805 262 303, books@bmbf.bund.de

Links:
www.studentenwerke.de
www.sozialerhebung.de
www.bmbf.de.
www.his.de

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7 Antworten auf „Akademiker unter sich“


  1. 1 Andreas 23. April 2010 um 18:40 Uhr

    Nach einer ähnlichen Pressemitteilung im Jahr 2000 bin ich spontan zum AStA gegangen und habe dann mit Unterstützung das Fikus-Referat gegründet. Also im Jahr 2003. Solange brauchte ich, um die Mitstudierenden im Studierendenparlament zu überzeugen.

    Merklich verbessert hat sich die Situation seit 2000 allerdings nicht, trotz tausendfacher Versprechen und trotz des Hinweises, das Reformschritte nunmal ein paar Jahre brauchen. Die paar Jahre sind ins Land gezogen. Trotzdem nehmen noch immer 83% der Arbeiterkinder kein Studium auf.

  2. 2 Ich 23. April 2010 um 20:17 Uhr

    Wenn du schon seit 2003 im Fiskus Referat aktiv bist – was habt ihr denn zur Verbesserung der Situation schon zu Stande gebracht?

    Mit jährlich 12.000 EUR sollte man ja schon was anstellen können.

  3. 3 Andreas 23. April 2010 um 20:41 Uhr

    Ich bin nicht seit 2003 im Referat aktiv, sondern bin jetzt für ein halbes Jahr wieder eingestiegen.

    Unser Etat beträgt auch nur etwas über 4000 Euro.

    Du siehst doch, was wir machen.

  4. 4 Ich 11. Juni 2010 um 1:07 Uhr

    Dann unterschlägt da wohl jemand die restlichen 8000 EUR – im Haushaltsplan 2008 und 2009 habt ihr je 12000 (aufwandsentschädigung + umkosten) erhalten….

  5. 5 Administrator 11. Juni 2010 um 1:55 Uhr

    Dem Fikus-Referat stehen, wie den anderen autonomen Referaten auch, eine Summe von 4600 oder 4800 Euro zur Verfügung, das weiß ich jetzt nicht so genau, zum Jahresende wird das spannender ;-) und eine bezahlte Stelle in Höhe des Bafög-Satzes, die wir uns momentan zu dritt teilen. 12 mal 648 (Bafögsatz) sind ungefähr 8000 Euro. Uns stehen also – wenn man die Kosten für den Dishwasher abzieht, weniger als 3000 Euro im Jahr zur Verfügung, oder umgerechnet weniger als 250 Euro im Monat.

    Tausend Euro im Monat stehen also inklusive der Aufwandsentschädigung von 650 Euro bundesweit der politischen Selbstorganisation von studierenden Arbeiterkindern zur Verfügung. Das ist nicht viel.

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