Allensbach-Institut: Arbeiterkinder und MigrantInnen bei Stipendien benachteiligt

Von Olaf Götze

SchülerInnen und Studierende aus Arbeiterfamilien und solchen mit Migrationshintergrund, haben bei der Bewerbung auf ein Stipendium deutlich geringere Erfolgschancen als ihre KollegInnen aus Akademikerfamilien. Dies ergibt eine aktuelle Studie des Allensbach Institutes im Auftrag des Reemtsa Begabtenförderungswerkes. Dabei bewerben sich Studierende bildungsferner Herkunft nicht seltener um ein Stipendium, als andere Studierende. Studierende mit Migrationshintergrund sind sogar noch seltener abgeschreckt von den geringen Erfolgschancen und bewerben sich demnach sogar häufiger. Ihre geringen Erfolgschancen führen jedoch dazu, dass Studierende ohne Migrationshintergru nd und höherer Schichten häufiger nach durchlaufenem Bewerbungsverfahren ein Stipendium erhalten.

Damit bestätigt die Studie Untersuchungen der Arbeitsgruppe Hochschulforschung der Universität Konstanz unter der Leitung von Tino Bargel. In einer Sonderauswertung des Studierendensurveys hatte er festgestellt, dass Studierende bildungsferner Herkunft sowie Studentinnen deutlich seltener Stipendien erhalten, als ihre KommilitonInnen. Zwar konnte in der Studie festgestellt werden, dass die Vergabe der Stipendien nicht von der Leistung der Studierenden abhängt, sondern mit steigender Leistung die soziale Selektivität noch zunimmt. Unklar blieb bisher jedoch, wie viele Studierende sich tatsächlich auf ein Stipendium bewerben. Die neue Untersuchung liefert hier eindeutige wie interessante Ergebnisse. Das Allensbach – Institut stellt nicht nur fest, dass die wenigsten Studierenden an den Erfolg ihrer Bewerbung glauben. Insbesondere Frauen bewerben sich demnach erst garnicht auf ein Stipendium. Während unter den Teilnehmern jeder dritte Student sich schon einmal auf ein Stipendium beworben hatte, galt dies nur für gerade einmal jede vierte Studentin.

Die Studie untersuchte auch die Ablehnungsgrü nde. Demnach erhalten ziemlich exakt die Hälfte aller BewerberInnen nach der schriftlichen Bewerbung eine Absage. Zu den Ablehnungsgrü nden nach Herkunftsgruppe gibt die Studie an: „Der Zeitpunkt, zu dem sie von ihrem Scheitern erfuhren, ist in allen Bewerbersegmenten sehr ähnlich. Bei Stipendienbewerbern aus Arbeiterfamilien und Migrantenfamilien deutet sich zumindest tendenziell an, dass sie vergleichsweise etwas häufiger in den Bewerbungsgesprä chen scheiterten. “
Dies deckt sich mit zahlreichen qualitativen Untersuchungen, die sich unter anderem auf die Theorien Pierre Bourdieus stützen, wonach Bewerberinnen und Bewerber in Auswahlgesprä chen auf Grund ihres sogenannten Habitus, welcher durch die soziale Herkunft geprägt ist, ausgewählt bzw. aussortiert werden.

Begabtenförderwerk/aktuelles

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