Archiv für Juni 2010

Gender-Schräglage im Dishwasher

von Carl

Angesichts der Tatsache, dass es um Race, class, GENDER geht: Was gedenken wir (gedenkt ihr) eigentlich gegen die Tatsache zu tun, dass

  1. fast alle Artikel im Dishwasher von Männern stammen
  2. fast alle Erfahrungsberichte, sofern das Geschlecht ersichtlich ist, von Männern stammen
  3. die meisten Kommentatoren männlich sind?

Gerade zum letzten Thema (Gender) wären doch Einsichten von Frauen interessant.
Möglichkeit 1: Arbeitersöhne studieren signifikant häufiger als Arbeitertöchter. Dann wäre das Ergebnis nicht weiter verwunderlich
Möglichkeit 2: Irgendetwas schreckt Frauen ab
Ich würde gerne eine Diskussion darüber starten.

Soziale Herkunft bestimmt Schulbesuch

Oder: Wie sich dank der Mehrgliedrigkeit und inneren Beschaffenheit des Schulsystems soziale Ungleichheit reproduziert

Von Jens Wernicke

„Nach Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte soll jeder – unabhängig von Alter, Geschlecht und sozialer Herkunft – Zugang zu Bildung haben. Vergleichsstudien wie PISA oder IGLU zeigen jedoch, dass Bildungserfolg und Bildungsbeteiligung von der sozialen Herkunft der Kinder abhängen.“

Bildungsreservenausschöpfung als Standortfaktor

So beginnt die Zusammenfassung einer aktuellen Sonderauswertung der Ergebnisse des Mikrozensus zum „Sozioökonomischen Status von Schülerinnen und Schülern 2008“, die in Ausgabe 2/20101 der Schriftenreihe „Wirtschaft und Statistik“ (S. 138 – 149) des Statistischen Bundesamtes veröffentlicht wurde. (mehr…)

Zur verheerenden Rolle des Gymnasiums

Von Rolf Jüngermann

Die deutsche Bildungsmisere hat einen Namen: Gymnasium. Und eine strategische Schwäche der deutschen schulpolitischen Diskussion besteht in der weit verbreiteten Fehleinschätzung dieser Schulform. Wir haben lange Zeit nicht genau genug beobachtet und untersucht, wie es dem Gymnasium immer wieder gelingt, seine bildungspolitische Hauptaufgabe zu erfüllen, die darin besteht, die Kinder aus Nicht-Akademikerfamilien, insbesondere solche aus der »A-Klasse« (Arbeiter, Angestellte, Arbeitslose) von höheren Bildungsabschlüssen fernzuhalten. Das hat u.a. dazu geführt, dass manche zu glauben scheinen, man könne bestehende Gymnasien, die sich dazu bereit finden, per Beschluß (und mit ein paar Reformen) in eine Gemeinschaftsschule umwandeln. Welche tiefgreifenden, geradezu umwälzenden Veränderungen für eine solche Umwandlung von Gymnasien unabdingbar wären, davon scheinen sie keine realistische Vorstellung zu haben. (mehr…)

An der Uni Münster startet neues Hochschulbildungsprojekt für Arbeiterkinder

Vier Workshops für studierenden Arbeiterkinder leiten die neue Kompetenzoffensive an der Uni Münster ein. Stichwort: Ein Diversity-Programm von unten unter Einbeziehung der Dimension „soziale Herkunft“. „Das Rektorat macht nichts und bestreitet, das Lösungen an der Universität überhaupt möglich sind. Wir zeigen, dass sehr wohl Bildung und Beratung der sozialen Selektion entgegen wirken können.“ so Mitarbeiter des Workshopprogramms. (mehr…)

Bildungsbericht 2010

Alle zwei Jahre erscheint im Auftrag der Kultusministerkonferenz der nationale Bildungsbericht. Der Bericht 2010 liegt jetzt vor. Weitere Infos folgen.

Diwshwasher 2 Race, Class, Gender …

Die zweite Ausgabe des Dishwasher ist da! Die Texte stehen nun auch im Netz.
Titelblatt DW 2

Weitere Informationen: (mehr…)

Erfahrungsbericht: „Die Bauernstimme“ oder „Schulden macht man nicht“

von Bernd Hüttner

Die Rüben- und Kartoffelernte war zu meiner Kindheit ein gesellschaftliches Ereignis, denn eine große Gruppe von Menschen ist daran beteiligt, die Oma, Nachbarinnen und deren Kinder arbeiteten gemeinsam auf dem Acker. Die Kartoffeln werden nach Größe sortiert, immer wieder werden die Körbe weiter vorgerückt, das trockene Kraut vom Opa auf dem Feld verbrannt, was diesen beißenden, nebligen Qualm erzeugt. Abends, wenn es schon ziemlich kalt und auch schon fast dunkel ist, fährt man auf dem Wagen nach Hause. Nach dem Vesper werden die Kartoffeln oder die Rüben noch von uns Kindern im Licht der einzigen Glühbirne des Kellers abgeladen, während die Erwachsenen im Stall sind.
Regelmäßig wurde geschlachtet. Das Schwein wird in einem Holzbottich enthaart und abgeschabt, dann wird es am Frontlader aufgehängt und zerteilt. Die Augen kullern über den Hof. Dann stank die ganze Küche Tage lang nach Fett. Ekelhaft.
Die ganze Familie ist beim Heu machen. Es ist drückend heiß und die “Bremsen” sind groß. Welche Geräte oder Maschinen wir dabei haben, weiß ich leider nicht mehr, (mehr…)

DIW: Mittelschicht schrumpft

Niedrige Einkommen (70 % des Einkommens der Mittelschicht): 22% der Bevölkerung
Mittlere Einkommen (100 %): 49 %
Hohe Einkommen (150 %): 19%

aus der Studie des Deutschen Institus für Wirtschaftsforschung (DIW):
- „Die Einkommensschere zwischen niedrigen und hohen Einkommen hat sich in Deutschland weit geöffnet“
- Die Reichen sind „nicht nur immer mehr, sondern im Durchschnit auch immer reicher geworden“. Parallel dazu sind die Ärmeren „nicht nur mehr, sondern auch immer ärmer“ geworden.
- „Gerade bei den mittleren Schichten, deren Status sich auf Einkommen und nicht auf Besitz gründet, besteht eine große Senisibiliät für Entwicklungen, die diesen Status bedrohen“

(Anm.: Momentan funktioniert die Seite vom DIW nicht – weitere Infos folgen)

Lügt WELT-Online?

Von Andreas Kemper
Die Grenzen zwischen Lüge, Halbwahrheiten oder einfach nur „anderen Sichtweisen Platz einräumen“ sind schwer zu ziehen. Ich hatte bereits vor einigen Monaten gefragt, warum bestimmte Medien Texte von Leuten wie Gunnar Heinsohn abdrucken, die es – meiner Meinung nach – mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, was sich aktuell hier zeigt:

„Den ohnehin schon staatlich versorgten Müttern versprechen die Mitbürger seit 2007 eine Zusatzprämie, wenn sie ihrem prekären Leben weitere Kinder hinzufügen.“ Gunnar Heinsohn: Stoppt die Vermehrungsprämie für Sozialhilfemütter (14.06.10)

Die Halbwahrheit, die ich hier als bewusste und dreiste Lüge empfinde, besteht im Unterschlagen des zuvor doppelt so lange gezahlten Erziehungsgeldes. Eine Kürzung um die Hälfte ist keine „Prämie“.

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Studiengebühren in NRW abschaffen! – und: die sozial gerechte Universität jetzt gestalten

Studierende Arbeiterkinder der Uni Münster bieten Politikberatung an und machen Gestaltungsvorschläge

Studiengebühren abschaffen: Natürlich, dies ist die erste Forderung. Die Landtagsmehrheit in NRW dazu ist da. Den Mitarbeitern und Aktiven des autonomen AStA-Referates für finanziell und kulturell benachteiligte Studierenden (Uni Münster) ist es ein Rätsel, warum die bestehende Landtagsmehrheit aus SPD, Grünen und Linken nicht genutzt wird, um Studiengebühren abzuschaffen. Ähnlich wie in Hessen kann diese Landtagsmehrheit Studiengebühren auch abschaffen, wenn es nicht zu einer gemeinsamen Regierungsbildung kommt. Diese wäre sogar ein besonders demokratisches Signal, repräsentiert doch die Landtagsmehrheit unabhängig von der Regierung den Mehrheitswillen der Bevölkerung und in besonderer Weise den Souverän. (mehr…)

Elterngeld verändert die Bevölkerungszusammensetzung

Heute ging durch die Medien, dass das Elterngeld bei Einkommensstärkeren zu mehr Babys führte. Nach einer Studie der Uni Greifswald hätten sich in Vorpommern gegenüber 2004 30% mehr Frauen mit Hochschulabschluss für ein erstes Kind entschieden und Frauen, die über ein Haushaltseinkommen von über 2500 Euro verfügen, sogar zu 70% häufiger. Allerdings erhöhte sich nicht die Gesamtzahl der Geburten, da sich das Elterngeld nur positiv in der kleinen Gruppe privilegierter Frauen auwirke. Im letzten Monat teilte das Bundesamt für Statistik mit, dass die Zahl der Geburten weiter sinke. (mehr…)

Aufgeschnappt: „Armut soll sich nicht reproduzieren!“

Die Stuttgarter Zeitung vom 11.06.2010 berichtete, dass JungLiberale ein Flugblatt mit folgender Mitteilung verteilten:
„Streichung des Elterngelds für ALG-II- Empfänger, denn Armut soll sich nicht reproduzieren! Streichung des Heizkostenzuschusses für Wohngeldempfänger, damit alle ökologischer und effizienter Heizen!“ Der Landesverband der JungLiberalen distanziert sich mit einer Presseerklärung. In der FDP scheinen aber tatsächlich Heinsohns Thesen diskutiert zu werden: FDP-Forum Inzwischen sieht sich die Stuttgarter Zeitung als Opfer eines Täuschungsmanövers.

Sarrazin macht Eugenik salonfähig

Nach Informationen der dpa äußerte sich Thilo Sarrazin beim Arbeitskreis Schule-Wirtschaft der Unternehmerverbände Südhessen zum Thema „Bildung, Demografie, gesellschaftliche Trends“. „Wir werden auf natürlichem Wege durchschnittlich dümmer“ behauptete Sarrazin. Einwanderer „aus der Türkei, dem Nahen und Mittleren Osten und Afrika“ wiesen weniger Bildung auf als Einwanderer aus anderen Ländern. Sie bekämen auch mehr Kinder als Deutsche, was problematisch sei, denn es gebe „eine unterschiedliche Vermehrung von Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher Intelligenz“. Intelligenz sei zu 80% vererblich. (mehr…)

Die Klassenfrage jetzt enttabuisieren

von Tobias Fabinger

Der Sozialphilosoph Theodor W. Adorno, der maßgeblichen Einfluss auf die Studentenbewegung Ende der 60ger Jahre hatte, aber auch das kulturelle Klima in Deutschland insgesamt prägte, sprach von einer „neurotischen Angst vor Marx“. Eine neurotische Angst ist eine irreale Angst, eine Angst vor einem Phantasma. Wieso aber besteht diese Angst, sich mit den Theorien von Karl Marx auseinanderzusetzen, sind sie doch hochrational argumentierende Gebilde und kein Teufelswerk? Die Antwort ist einfach: Weil sie an ein gesellschaftliches Tabu rühren, nämlich an die Erkenntnis der Klassengesellschaft. Diese Erkenntnis ist, wie Adorno ebenfalls festgestellt hat, der bürgerlichen Gesellschaft gleichsam peinlich, weil sie sich ja als Gesellschaft der Freien und Gleichen definiert.
Zunächst umreiße ich die klassische marxistische Klassentheorie, um dann zu fragen, welche Bedeutung diese Theorie in der Gegenwartsgesellschaft und in der Perspektive des Grundgesetzes und des demokratischen Verfassungstaates haben kann. Auch soll nach ihrem Erklärungswert für die Ungleichheit der Chancen im gegenwärtigen Bildungssystem gefragt werden.

Die marxistische Theorie – auch nach Marx im 20. Jahrundert, etwa bei Antonio Gramsci – bezeichnet das Proletariat als subaltern – also als nachgeordnet, randständig. Während das Bürgertum integriert ist, also im Kernbereich der Gesellschaft agiert, wird der Proletarier lediglich herangezogen, weil man seine Arbeitskraft braucht. (mehr…)

Aufgeschnappt

twitter schröder

Diese Twitter-Meldung der Familienministerin Kristina Schröder löste einen sogenannten Shitstorm aus.




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