Elterngeld verändert die Bevölkerungszusammensetzung

Heute ging durch die Medien, dass das Elterngeld bei Einkommensstärkeren zu mehr Babys führte. Nach einer Studie der Uni Greifswald hätten sich in Vorpommern gegenüber 2004 30% mehr Frauen mit Hochschulabschluss für ein erstes Kind entschieden und Frauen, die über ein Haushaltseinkommen von über 2500 Euro verfügen, sogar zu 70% häufiger. Allerdings erhöhte sich nicht die Gesamtzahl der Geburten, da sich das Elterngeld nur positiv in der kleinen Gruppe privilegierter Frauen auwirke. Im letzten Monat teilte das Bundesamt für Statistik mit, dass die Zahl der Geburten weiter sinke.

Ist das Elterngeld gerecht?

Der Chef des Instituts für Community Medicine, Wolfgang Hoffmann, äußerte sich auch zur Frage, ob das Elterngeld sozial ungerecht sei, was er verneinte: „Das Elterngeld hat einer Gruppe der Frauen genützt und keiner geschadet“. Diese Aussage ist nicht nachvollziehbar. Das Elterngeld bedeutet für Hartz-IV-Empfängerinnen eine Halbierung der Gesamttransferleistung gegenüber dem Erziehungsgeld (ein Jahr 300 Euro monatlich gegenüber zwei Jahren 300 Euro monatlich). Arbeitslosen Erziehenden wurden mit der Einführung des Elterngeldes 2.600 Euro Transferleistungen entzogen.

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6 Antworten auf „Elterngeld verändert die Bevölkerungszusammensetzung“


  1. 1 Elly 15. Juni 2010 um 8:51 Uhr

    Ja, das Elterngeld ist gerecht. Denn der Zweck des Elterngeldes war die Geburtenrate der Frauen mit Einkommen zu fördern. Denn diese Frauen, konnten es sich nicht leisten ein Kind zu bekommen und ihr Job aufzugeben. Es gibt nicht genügend Kinderkrippen, dass es für jede ausreicht. D.h. sie würde sich für mehrere Jahre in die Abhängigkeit vom Ehemann begeben und ihren Beruf zum Teil aufgeben.
    Daher ist die Geburtenrate gesunken.

    Das Elterngeld gibt diesen Frauen einen Anreiz ein Kind zu bekommen. Und das ist sehr gerecht!!!

  2. 2 Andreas 15. Juni 2010 um 10:46 Uhr

    Ja, das Elterngeld ist gerecht. Denn der Zweck des Elterngeldes war die Geburtenrate der Frauen mit Einkommen zu fördern.

    Was ist daran gerecht, die Geburtenrate einer Schicht, und zwar der wohlhabenden, steigern und die Geburtenrate der armen Schicht senken zu wollen? Soll man nur den Gutverdienenden gegenüber gerecht sein? Und ist es gerecht gegenüber Kindern, dass die Erziehungsleistung für die einen 1.800 Euro + Kindergeld wert ist, für andere nichts wert ist, wo von deren Eltern verlangt wird, dass sie im Niedriglohnsektor arbeiten und sich nicht um die Kinder kümmern?

    Es gibt nicht genügend Kinderkrippen, dass es für jede ausreicht.

    Ja, Kindern aus armen Familien stehen die Plätze nicht zur Verfügung. Kindern aus gut verdienenden Familien hingegen schon.

  3. 3 Elly 15. Juni 2010 um 12:34 Uhr

    „Ja, Kindern aus armen Familien stehen die Plätze nicht zur Verfügung. Kindern aus gut verdienenden Familien hingegen schon.“
    Das ist doch überhaupt nicht wahr. Die Krippenplätze werden nicht nach dem Einkommen vergeben. Natürlch gibt es Privatkindergärten für die reichen, über diese spreche ich aber nicht.

    „Und ist es gerecht gegenüber Kindern, dass die Erziehungsleistung für die einen 1.800 Euro + Kindergeld wert ist, für andere nichts wert ist“

    Warum kriege ich denn als Juristin 2 Tausend Euro im Monat und meine Freundin auf Harz viel weniger? Na weil ich eben arbeite und sie nicht. Wenn ich ein Kind bekomme, dann verliere ich mein Lohn, wenn sie ein Kind bekommt, dann behält sie die gleiche Summe! Ist es gerecht? Nein. Warum muss ich mein Leben aufgeben, wenn ich ein Kind will? Deshalb wurde das Elterngeld geschaffen.

    Die Geburtenrate unter den Akademikern ist 4 Mal so niedrig, wie unter den Erwerbslosen! Das Elterngeld soll nicht die Geburtenrate der Armen reduzieren, sondern die der Akademiker fördern. Das ist gerecht!

  4. 4 Andreas 15. Juni 2010 um 13:22 Uhr

    „Ja, Kindern aus armen Familien stehen die Plätze nicht zur Verfügung. Kindern aus gut verdienenden Familien hingegen schon.“
    Das ist doch überhaupt nicht wahr. Die Krippenplätze werden nicht nach dem Einkommen vergeben. Natürlch gibt es Privatkindergärten für die reichen, über diese spreche ich aber nicht.

    Natürlich ist das wahr, erkundige dich bitte. Kitas, Tagesmütter, Kinderfrauen – das alles kostet Geld und es ist von Land zu Land unterschiedlich geregelt, ob Transferleistungen für Arbeitslose geleistet werden. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung kommentiert die Situation folgendermaßen:

    „Doch auch die Herkunft der Kinder ist häufig entscheidend: Mit zunehmendem Einkommen und Bildungsniveau der Eltern steigt auch die Kindergartenbesuchsrate. Untere Einkommensgruppen können sich die Kita oft schlicht nicht leisten. Manche Bundesländer haben zwar die Gebühren nach dem Einkommen gestaffelt, was bei ärmeren Familien zu einer Gebührenfreiheit führen kann; aber dieses Verfahren wird eben längst nicht bundesweit praktiziert.Frühkindlicher Kita-Besuch hilft gegen Benachteiligung/

    Du schreibst weiter:

    Warum kriege ich denn als Juristin 2 Tausend Euro im Monat und meine Freundin auf Harz viel weniger? Na weil ich eben arbeite und sie nicht. Wenn ich ein Kind bekomme, dann verliere ich mein Lohn, wenn sie ein Kind bekommt, dann behält sie die gleiche Summe!

    Soweit ich weiß gilt der Mutterschutz für gut verdienende Juristinnen genauso wie für erwerbslose Frauen. Das heißt, nach den acht Wochen nach der Geburt ist erstmal Schluss mit Mutterschutz – auch bei erwerbslosen jungen Müttern. Sie haben dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen und müssen Maßnahmen machen, kurzfristig als Leiharbeiterin zur Verfügung stehen, haben 1-Euro-Jobs zu leisten etc. Bei berufstätigen Müttern gibt es immerhin noch erziehungszeitliche Regelungen, die für eine Wiederaufnahme des Berufs formal greifen sollen. Wenn du einfach deinen Job nicht mehr machst, weil du viel Zeit mit dem Kind verbringen willst/musst – was ich gut verstehe – verlierst du deinen Job. Wenn Mütter, die von ALG-II abhängig sind, die verlangten Maßnahmen nicht erfüllen, weil sie viel Zeit mit ihrem Kind verbringen wollen/müssen, verlieren sie die sehr geringen Transferleistungen.

    Außerdem hat die Transferleistung des Elterngeldes nichts damit zu tun, ob du weiterhin Karriere machen kannst. Diese Frage ist über die Elternzeit geregelt. Oder anders gesagt: Dafür, dass du später in deinem Beruf weiterarbeiten kannst, brauchst du während der Pause von deinem Beruf nicht 67% deines ehemaligen Einkommens. Sondern du brauchst Regelungen in der Wirtschaft, die deinen Wiedereinstieg garantieren.

    Tatsächlich scheint sich hier aber eine bestimmte Interpretation der Theorie der Klassenreproduktion nach Karl Marx zu bestätigen, die besagt, dass die unterschiedlichen Löhne, die gezahlt werden, dafür da sind, die Klassenreproduktion zu gewährleisten. Das soll heißen: die höhere Summe des Lohns ist dafür da, dem eigenen Kind die Karriere zu garantieren, die man selber eingeschritten hat. Hier scheint es eine Krise in der Klassenreproduktion zu geben, da die Klassenreproduktion nicht mehr nur implizit über den Lohn gewährleistet wird, sondern explizit durch eine eugenische Gesetzgebung.

    Die Geburtenrate unter den Akademikern ist 4 Mal so niedrig, wie unter den Erwerbslosen!

    Das ist umstritten. Interview mit Rainer Hufnagel-Person zur Kinderlosigkeit von Akademikerinnen

    Das Elterngeld soll nicht die Geburtenrate der Armen reduzieren, sondern die der Akademiker fördern.

    Falsch.
    * Das Elterngeld wurde für Gutverdienende erhöht, um deren Geburtenquote zu erhöhen
    * Das Elterngeld wurde für Arme und Arbeitslose gesenkt, um deren Geburtenquote zu … ? naaa…
    Genau, zu senken. Dieser Effekt wurde auch erzielt. Die Geburtenrate in Deutschland ist insgesamt gesunken, bei einer Minderheit von Gutverdienenden aber gestiegen.

    Übrigens ist hier die Rede von „Akademikerinnen“ auch problematisch. Viele Arbeitertöchter werden trotz akademischen Abschluss arbeitslos im Gegensatz zu Akademikertöchtern. Das Elterngeld wird ja nicht in Abhängigkeit vom Bildungsabschluss gezahlt, sondern in Abhängigkeit vom Einkommen.

    Gerecht wäre ein Grundeinkommen für Kinder und ein Wirtschaftssystem, welches Männer und Frauen selbstverständliche Berufspausen für ihre Kinder gestattet.

  5. 5 Elly 15. Juni 2010 um 14:38 Uhr

    „Gerecht wäre ein Grundeinkommen für Kinder und ein Wirtschaftssystem, welches Männer und Frauen selbstverständliche Berufspausen für ihre Kinder gestattet.“

    Ich stimme dir bei dieser Aussage zu!
    Gerercht wäre ein höheres Kindergeld. Gerecht wäre Subvetionierung der Unternehmen die Betriebseigene Kindertagesstätten einrichten. Aber es ist ungerecht, wenn eine Arbeitslose und eine Arbeitende vollkommen gleiches „Gehalt“ bekommen. Egal für was…

    Ich helfe gern Frauen und Männern, die mehrere Jobs haben und dennoch am Existenzminimum leben. Kindern aus solchen Familien gebe ich kostenlos Nachhilfe und versuche auch für die Eltern was besseres zu finden oder Ihnen zumnidest rechtlich beizustehen. Aber ich würde keinen Menschen helfen, die Ihren Kindern beibringen, wie schön es ist vom Staat zu leben!

  6. 6 Andreas 15. Juni 2010 um 19:32 Uhr

    Aber es ist ungerecht, wenn eine Arbeitslose und eine Arbeitende vollkommen gleiches „Gehalt“ bekommen. Egal für was…

    Ich halte nicht viel von einem Arbeitsbegriff, der nicht nach dem Inhalt der Arbeit fragt. Gefährliche und unangenehme Arbeit wird oft schlechter bezahlt als ungefährliche und angenehme Arbeit. Bestimmte Tätigkeiten gelten als Arbeit, andere hingegen nicht. Das ist alles sehr willkürlich.

    Als Rowlings das Konzept für ihre Harry Potter-Romane schrieb, hat sie nicht gearbeitet, sondern ging einem Hobby nach, obwohl sie ein kleines Kind hatte.

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