An der Uni Münster startet neues Hochschulbildungsprojekt für Arbeiterkinder

Vier Workshops für studierenden Arbeiterkinder leiten die neue Kompetenzoffensive an der Uni Münster ein. Stichwort: Ein Diversity-Programm von unten unter Einbeziehung der Dimension „soziale Herkunft“. „Das Rektorat macht nichts und bestreitet, das Lösungen an der Universität überhaupt möglich sind. Wir zeigen, dass sehr wohl Bildung und Beratung der sozialen Selektion entgegen wirken können.“ so Mitarbeiter des Workshopprogramms.

Träger der Workshops ist das Autonome AStA-Referat für studierende Arbeiterkinder, welches ein Instrument der autonomen Vollversammlung der Arbeiterkinder an der Uni Münster ist. Konzipiert hat die Workshops Tobias Fabinger. „Für diese Bildungsreihe habe ich ein neues pädagogisches Konzept entwickelt. Dabei werden zwei Modelle verbunden: Das Habitus-Modell des Soziologen Bourdieu und die „Themenzentrierte Interaktion“, eine pädagogische Methode.“, sagte Fabinger. Auf dem Seminar geht es aber nicht so theoretisch zu. Es sollen Schlüsselsituationen herausgearbeitet werden, mit denen Arbeiterkinder oft Probleme haben, auch Interaktion im Seminar und Gesprächssituatioen mit Hochschullehrern können aufgearbeitet und etwa in Rollenspielen dargestellt werden. Zum Einsatz kommen auch Methoden des kreativen Schreibens oder einfach der gemeinsame Dialog, der bereits eine Entlastung darstellt. In einem Vertiefungsseminar werden dann auch die Theorie-Modelle stärker bearbeitet. „Machtverhältnisse spielen sich sowohl im Großen, in politisch-sozialen Strukturen, aber im Kleinen ab. Im Prinzip gibt es eine „Mikropolitik“ zwischen den sozialen Mileus. Diese Machtverhältnisse können verändert werden“, so Tobias Fabinger. Oft selektierten Arbeiterkinder sich selbst aus dem Hochschulbildungssystem, weil sie an bestimmten Punkten den Mut verlieren, sei es dass das Geld ausgeht, dass sie zuwenig integriert sind oder einfach eine andere Perspektive auf den Stoff haben. Dieser Selbstselektion wollen die Workshoporganisatoren vorbeugen. „Ich sage es ganz klar, wir möchten den Studienerfolg von Arbeiterkindern, die sonst von allen Uni-Institutionen im Stich gelassen werden; leider verkennen eben auch Dozenten die soziale Problematik zum größten Teil völlig. Dieser „Tropfen auf dem heißen Stein“ soll aber die Richtung für ein breiter angelegtes Bildungsprogramm aufzeigen“, so Tobias Fabinger. Ein Seminar setzt sich auch mit den beruflichen Perspektiven von Sozial- und Geisteswissenschaftlern auseinander. Akademische Berufsfelder seien Arbeiterkindern oft nicht genau bekannt, auch dem müsse entgegengewirkt werden. Der Ansatz sei emanzipativ, Arbeiterkinder könnten sich mit der richtigen Strategie auch in einem bürgerlich dominierten Feld durchsetzen. Dabei gehe es aber nicht einfach um Anpassung. Daher schließe die Seminarreihe mit einem Workshop zu Fragen der Identität und des Einflusses der wissenschaftlichen Bildung auf die Biographie.

Es seien aber nur Angebote, man gehe behutsam vor und die Teilnehmer können auswählen, was Sie weiterbringt. Die Workshops seien die ersten Ihrer Art, sagten die Vertreter des AStA-Referates für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende. „Ich habe selbst in der pädagogischen Praxis sehr gute Erfahrung mit der Veränderung von Kommunikationsstrukturen gemacht, wenn der Bildungsprozess beim Einzelnen gelingt, erkennt dieser belastende Situationen und kann anders mit ihnen umgehen“, so Fabinger weiter, der jahrelange pädagogische Praxiserfahrung hat. „Ich kenne das Problem selbst, trotz guter Rückmeldung beruflich und auch von Professoren, sind Arbeiterkinder immer wieder mit unsichtbaren sozialen Grenzen konsfrontiert.“, so Fabinger. Diese Grenzen aber seien zu bearbeiten und zu überwinden.

Weitere Informationen:

http://kompetenzzentrum.blogsport.de/

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