Archiv für Juli 2010

Der AStA als Mittelschichtsverwalter – Wer repräsentiert die Studierenden?

Von Andreas Kemper

Diese Frage kam während eines Vortrages von Michael Hartmann auf. Es ist zu befürchten, dass in den Gremien und Selbstverwaltungsorganisationen der Studierenden überdurchschnittlich viel Akademikerkinder sitzen. Die Studierenden werden repräsentiert durch Studierendenvertretungen wie bspw. den ASten. Der Großteil dieser Studierendenvertretungen ist zusammengeschlossen im „freien zusammenschluss der studentInnenschaften“ (fzs). Diese Organisationen sperren sich gegen eine anonyme Erhebung der Zusammensetzung nach sozialer Herkunft. Ein schlechtes Omen. (mehr…)

Praxishandbuch Diskriminierungsfreie Hochschule

Von Andreas Kemper

In einer Pressemitteilung vom 15.07. 2010 kündigt die Antidiskriminierungsstelle an, „Standards für eine Diskrimierungsfreie Hochschule“ zu entwickeln. Zum Ende des Jahres 2011 soll ein „Praxishandbuch“ erscheinen, welches „Hochschulen hilft, Benachteiligungen aufgrund von Alter, Behinderung, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung und sexueller Identität zu erkennen und zu vermeiden.“ Dies wäre ein klarer Fall von Diskriminierungshierarchie. Sollte das Projekt in der Form umgesetzt werden, würde die Antidiskriminierungsstelle ihrerseites diskriminieren. Sie würde Diskriminierungsformen aufgrund der Sozialen Herkunft unsichtbar machen. (mehr…)

Hamburger Volksentscheid: Wahlbeteiligung spiegelt Armutsverteilung

Von Andreas Kemper

Der Volksentscheid am Sonntag, 18. Juli, fiel deutlich aus (Vorläufiges Gesamtergebnis): die sechsjährige Primarschule wurde abgelehnt.

Die Wahlbeteiligung war relativ niedrig und sie spiegelt in einer geradezu verblüffenden Weise die Armutsverteilung in Hamburg. Vergleichen wir die Karten nach Wahlbeteiligung beim Volksentscheid und den Anteil der Sozialleistungsempfänger_innen, so scheinen diese identisch zu sein. (mehr…)

Forschungsprojekt „Diskriminierungsfreie Hochschule“

Dokumentation aus dem Internetauftritt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (16.07.2010)

Forschungsprojekt „Diskriminierungsfreie Hochschule“
„Für die Mitwirkung am Modellprojekt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, das erforscht, wie Studium, Forschung und Lehre aber auch der nichtwissenschaftliche Bereich diskriminierungsfrei gestaltet werden können,konnten zehn Fachhochschulen und Universitäten aus west- und ostdeutschen Bundesländern gewonnen werden. Mit dabei sind unter anderendie Hochschulen HWR Berlin, BTU Cottbus, FH Mannheim, TU München, die Universitäten Duisburg-Essen und Köln, die sich bereits seit einiger Zeit im Bereich Diversity engagieren und über entsprechende Erfahrungen verfügen. (mehr…)

KEIN FUSSBREIT DEN NEONAZIS! Gegen Sozialdarwinismus und Rassismus im deutschen Bildungssystem

Dokumentation eines Aufrufs der GEW-Studies:

KEIN FUSSBREIT DEN NEONAZIS! Gegen Sozialdarwinismus und Rassismus im deutschen Bildungssystem

Die Hamburger NPD und die „freien“ Kräfte mobilisieren zu einer Kundgebung gegen die schwarz-grüne Schulreform am 17.07.2010 um 11:00 Uhr auf dem Gelände des Busbahnhofes Wandsbek-Markt . Die rassistische Ideologie der Neonazis knüpft dabei an der alltäglichen Diskriminierung von Migrant_innen an, die im Bildungssystem und in der Mitte der Gesellschaft verwurzelt ist. (mehr…)

Was passiert, wenn Akademikerkinder absteigen?

Unter dem Titel „Die Missratenen. Was passiert, wenn Akademikerkinder absteigen?“ widmet sich ein Artikel der Zeitschrift „Das Magazin“ der Problematik des Bildungsabstiegs. Sehr spannend zu lesen. Und es handelt sich um ein sehr selten diskutiertes Thema. Hier der Link zum Online-Artikel.

Der Ausschluss ist die Normalität

Von Andreas Kemper

Die Zahl ist bekannt: nur 24 Prozent der Schüler und Schülerinnen aus Familien ohne akademischen Hintergrund beginnen ein Studium. Nur 17 % der Schüler_innen mit einem Arbeiter als Vater beginnen ein Studium. Das Bildungssystem scheint also die sozialen Unterschiede nicht auszugleichen, sondern verfestigt den Normalfall, dass nämlich über Dreiviertel der Nichtakademikerkinder, dass mehr als Vierfüntel der Arbeiterkinder kein Studium aufnehmen. 83 Prozent der Arbeiterkinder beginnen kein Studium – das ist die Normalität und von dieser Realität müssen wir ausgehen, wenn wir fragen, wie einzelne Schüler und Schülerinnen für ein Studium gewonnen werden können. (mehr…)

Stipendien werden erhöht – Bafög nicht

Von Andreas Kemper

Der Bundesrat hat am 09.07.2010 das neue Stipendiengesetz durchgewunken, weigerte sich aber, beim BAföG einen Inflationsausgleich durchzuführen. Dies hat zur Folge, dass BAföG-Empfänger und -Empfängerinnen real, also inflationsbereinigt, weniger Geld erhalten.
Wie verschiedene Studien – vor allem eine Studie des Hochschul-Informations-Systems – belegten, erhalten vor allem Kinder von reichen Eltern mit akademischen Abschluss Stipendien. Arbeiterkinder sind unter den Stipendiat_innen noch seltener vorhanden als es ihrem sowieso schon viel zu geringem Anteil an den Studierenden entsprechen würde. (mehr…)

Wechselwirkende Ungleichheiten

Über Gabriele Winker und Nina Degeles „Intersektionalität. Zur Analyse sozialer Ungleichheiten“

Von Andreas Kemper

Der Begriff „Intersektionalität“ kommt aus dem us-amerikanischen Sprachgebrauch („Intersection“) und bedeutet wörtlich Überschneidung. Gemeint ist damit die Überschneidung von Unterdrückungen und Diskriminierungen. Beispielsweise kann eine türkische Frau in Deutschland diskriminiert werden, weil sie eine Frau ist und weil sie aus der Türkei kommt. Sie kann sich aber auch in ihrer Identität als Türkin diskriminiert fühlen, ohne dass sie auf Kategorien wie Geschlecht und Rasse zurückgreift oder sich mit anderen Frauen oder mit anderen von Rassismus betroffenen Menschen verbunden zu fühlen. (mehr…)

Intersektionalität: Interview mit Gabriele Winker und Nina Degele

Andreas Kemper hat mit Gabriele Winker und Nina Degele, den beiden Autorinnen des Buches „Intersektionalität. Zur Analyse sozialer Ungleichheiten“ im April 2010 per E-Mail folgendes Interview geführt

Zunächst: Ich habe mich sehr über Ihr Buch gefreut. Der Aufbau schafft es, sowohl die Ebenen als auch die verschiedenen Formen von Unterdrückung und Diskriminierung in eine Matrix logisch zusammen zu bringen. Wie entstand die Idee zu diesem Buch?

Zunächst freuen wir uns natürlich über Ihre Einschätzung, dass es uns mit dem Buch gelungen ist, die Verwobenheit unterschiedlicher Diskriminierungen auf drei Ebenen aufzuzeigen. Dies war exakt auch der Ausgangspunkt unserer bereits über drei Jahre andauernden Kooperation. Als feministische Soziologinnen sehen wir uns von zunehmenden sozialen Ungleichheiten, damit einhergehenden Diskriminierungen, Abwertungen entlang vielfältigster Differenzierungskategorien herausgefordert. (mehr…)

Armut als Ergebnis unvorteilhafter Kombinationen

Von Konstantin Bender

Der vorliegende Beitrag basiert auf dem im BdWi-Verlag erschienenen Buch „Der Zusammenhang von Behinderung und Armut – Ein Beitrag zur Sozialberichterstattung“ . Der Beitrag ist gegliedert in einen Teil in dem die zentralen Begrifflichkeiten (Behinderung und Armut) dargestellt werden und einen weiteren Teil in dem ausgehend von durch den Autor konstruierten sozialen Lagen von Menschen mit Behinderungen der Belege für die These erbracht werden, dass es zwar Armutsrisiken vermittelt durch einzelne Individualmerkmale wie dem Alter, dem Geschlecht oder der Behinderung gibt, dass es aber unvorteilhafte Kombinationen und die damit einhergehenden gesellschaftliche vermittelten Nachteile sind, die das Armutsrisiko entscheidend bestimmen. Datengrundlage ist der Scientific-Usefile des Mikrozensus aus dem Jahr 2005. (mehr…)

Dishwasher Nr 3 Erstankündigung

Der Dishwasher Nr 2 ist raus, wird verschickt, die Beiträge werden online gestellt – und die dritte Ausgabe ist in Planung. Erscheinen soll die dritte Ausgabe im Januar 2011. Redaktionsschluss ist der 01. Dezember 2010.

Wie beim letzten Mal wollen wir auch diesmal wieder Euch Leser_innen bitten, Themenschwerpunkte vorzuschlagen.

Kapitalismuskritik ohne Nebenwiderspruch

Von Kendra Eckhorst

„Ihr könnt an Queers und Feminist_innen nicht vorbei“, lautete eine politische Ansage an die kapitalismuskritische Bewegung. Nicht Tauschwert oder Fetischcharakter standen im Mittelpunkt des Events „Who cares?“, das Anfang März in Berlin zur Diskussion über Queerfeminismus und Ökonomiekritik lud. Die Frage „Wer kümmert sich um wen und zu welchen Konditionen?“ stand im Zentrum und ging weit über das immer noch klassische Verständnis der Kapitalismuskritik hinaus, die häufig nur den Antagonismus von Arbeit und Kapital gelten lassen will. Geschlecht, Rollenerwartungen, Begehren und Herkunft wurden auf diesem Event der Unsichtbarkeit entrissen und aus unterschiedlichsten Aspekten betrachtet und auseinander genommen. (mehr…)

Ohne Netz – die Erfahrung von in der Arbeiterklasse aufgewachsenen Frauen

Von Olaf Götze

Das Buch „Without A Net – the female experience of growing up working class“, was übersetzt bedeutet „Ohne Netz – die Erfahrung von in der Arbeiterklasse aufgewachsenen Frauen“ ist eine beeindruckende Sammlung von 30 Geschichten unterschiedlicher Frauen, die allesamt eines gemeinsam haben: Sie wuchsen in armen Verhältnissen auf und verarbeiten diese Erlebnisse und Erfahrungen in ihrer ganz eigenen, unverkennbaren Sprache. Michelle Tea hat dieses Buch zusammengestellt und es geschafft mit den kurzen Episoden aus dem Leben ganz unterschiedlicher Frauen das Gefühl zu vermitteln, was es heißt, in der amerikanischen Unterschicht aufgewachsen zu sein, doppelt oder dreifach benachteiligt zu werden und auch den Aufstieg zu schaffen, ohne jedoch jemals die eigene Herkunft ganz hinter sich lassen zu können. (mehr…)

Immer mehr Schulabgänge ohne Abschluss

Der morgen vorgestellte Integrationsbericht stellt die neuen Zahlen der Bildungsabschlüsse von Schülern und Schülerinnen mit Migrationshintergrund vor. Demnach würden gegenüber den Vorjahren ein Drittel mehr Migrantenkinder ihre Schulzeit ohne Abschluss beenden. 13,3 Prozent dieser Schüler_innen haben nun keinen Schulabschluss. Aber auch bei Kindern mit deutscher Herkunftsfamilie ist die Zahl ohne Schulabschlüsse um ein Drittel gestiegen von 5,4 Prozent 2005 auf 7 Prozent. (mehr…)




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