Armut als Ergebnis unvorteilhafter Kombinationen

Von Konstantin Bender

Der vorliegende Beitrag basiert auf dem im BdWi-Verlag erschienenen Buch „Der Zusammenhang von Behinderung und Armut – Ein Beitrag zur Sozialberichterstattung“ . Der Beitrag ist gegliedert in einen Teil in dem die zentralen Begrifflichkeiten (Behinderung und Armut) dargestellt werden und einen weiteren Teil in dem ausgehend von durch den Autor konstruierten sozialen Lagen von Menschen mit Behinderungen der Belege für die These erbracht werden, dass es zwar Armutsrisiken vermittelt durch einzelne Individualmerkmale wie dem Alter, dem Geschlecht oder der Behinderung gibt, dass es aber unvorteilhafte Kombinationen und die damit einhergehenden gesellschaftliche vermittelten Nachteile sind, die das Armutsrisiko entscheidend bestimmen. Datengrundlage ist der Scientific-Usefile des Mikrozensus aus dem Jahr 2005.

Problemabriss:

Es gibt nach wie vor innerhalb der gesellschaftlichen Anordnung Gruppierungen, die aus unterschiedlichen Gründen von dem die Existenz sichernden Zugang zur Arbeitswelt und den sich damit erschließenden Möglichkeiten der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen sind. Hier ist die Frage nach Zusammenhängen zu stellen. Das heißt es ist zu fragen, ob die Zugehörigkeit zu einer Gruppe per se ein Armutsrisiko birgt oder nicht. Diese Gruppen sind die sog. Randgruppen (Hradil 2001, S. 318 ff.). Sie sind zum einen durch relativ große Unterschiede der Lebensverhältnisse zwischen den Angehörigen der einzelnen Randgruppen gekennzeichnet. Zum andern vereinigen sie unterschiedliche soziale Benachteiligungen und damit Exklusionen aus dem gesellschaftlichen Leben auf sich. Innerhalb dieser Gruppierungen sind zwar keine Zusammengehörigkeitsgefühle und nur vereinzelt wechselseitige Beziehungen festzustellen, allerdings weisen die Angehörigen der sozialen Randgruppen Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Lage, der Mentalität und des Verhaltens auf (Hradil 2001, S. 319).
In der sozialwissenschaftlichen Literatur werden folgende Randgruppen der Größe nach genannt: Menschen mit Behinderung, Wohnungslose, Drogenabhängige, Strafentlassene, aus stationärer Therapie Entlassene, Insassen von Strafanstalten, Insassen von psychiatrischen Krankenhäusern, Insassen von Pflege- und Fürsorgeeinrichtungen, Migranten, Teile der älteren Bevölkerung, Teile der Arbeitslosen, Alleinerziehende und Spätaussiedler (Hradil 2001, S. 319).
Im hier vorliegenden Beitrag soll aufgezeigt werden, wie sich das Aufweisen einer Behinderung im Vergleich mit der Kombination aus mehreren negativen Kombinationen auswirkt.

Behinderungen

Dem vorliegenden Beitrag liegt ebenso wie den verwendeten Daten die gesetzliche Definition von Behinderung aus dem Sozialgesetzbuch IX §2 AbS. 2 Satz 1-3 zugrunde. Diese lautet:

  1. „Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist.
  2. Menschen sind im Sinne des Teils 2 schwerbehindert, wenn bei ihnen ein Grad der Behinderung von wenigstens 50 vorliegt und sie ihren Wohnsitz, ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihre Beschäftigung auf einem Arbeitsplatz im Sinne des § 73 rechtmäßig im Geltungsbereich dieses Gesetzbuches haben.
  3. Schwerbehinderten Menschen gleichgestellt werden sollen behinderte Menschen mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50, aber wenigstens 30, bei denen die übrigen Voraussetzungen des Absatzes 2 vorliegen, wenn sie infolge ihrer Behinderung ohne die Gleichstellung einen geeigneten Arbeitsplatz im Sinne des § 73 nicht erlangen oder nicht behalten können (gleichgestellte behinderte Menschen).“

Hieraus folgt einerseits, dass bestimmte Beeinträchtigungen wie z. B. der so genannte Alterszucker oder Alterskurzsichtigkeit nicht zu Behinderungen gezählt werden, da diese relativ häufig in einer bestimmten Altersgruppe beispielsweise in der Bundesrepublik anzutreffen sind. Andererseits, und dies wird durch die Formulierung „Teilhabe am Leben in der Gesellschaft“ deutlich, verweist diese Definition auf den sozialen Aspekt von Behinderung. Diese entsteht erst aus dem Zusammenspiel von Funktionsbeeinträchtigungen auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene mit den gesellschaftlichen Umständen (Schnoor 2007, S. 53). Folglich hängt es von den medizinischen Möglichkeiten und den gesellschaftlichen Umständen ab, ob beispielsweise ein Dialysepatient in der Bundesrepublik regelmäßig zur Blutwäsche gehen kann oder ob diese Möglichkeit beispielsweise aufgrund des technischen Entwicklungsstandes der Gesellschaft in einem Flächenland wie beispielsweise Ruanda nur an drei Stellen gegen hohes Entgelt möglich ist. In dem Maße, in dem dies nicht geschehen kann bemisst sich der Grad seiner Behinderung. Die Auswirkungen, die durch die Beeinträchtigung der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft entstehen, „werden als Grad der Behinderung (GdB) nach Zehnergraden von 20 bis 100 abgestuft festgestellt“ (Pfaff et al. 2006, S. 194). An dieser Stelle ist anzumerken, dass die hier vorliegende gesetzliche Definition ein Defizit hinsichtlich der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben als wichtigen Bestimmungsfaktor für das Zustandekommen von Behinderungen vorsieht. In diesem Zusammenhang kann man von einer Art Defizitoptik sprechen. Diese kommt zustande durch Beobachtungsperspektive der beteiligten wissenschaftlichen Perspektiven der Soziologie, Pädagogik und Medizin bzw. der diesen Zustand feststellenden Behörde; Die von einem Normalzustand ausgehen und Behinderungen dann als Abweichung begreifen (Schnoor 2007, S. 93). Grundsätzlich besteht bei der Erfassung von Behinderungen jedoch das Problem, dass normative Annahmen – in Form von Gradzahlen – getroffen werden müssen. Diese lassen sich zwar begründen, sind aber nicht frei von Wertungen und Einflussnahmen. Diese im politischen Prozess festgelegten Gradzahlen müssen sozialpolitisch begründet, definiert und festgelegt werden.

Armut

Im Bezug auf das Phänomen der Armut sind zwei Konzepte von Armut zu unterscheiden. Dies ist auf der einen Seite das Konzept der absoluten und auf der anderen Seite das der relativen Armut. In der sozialwissenschaftlichen Diskussion kommt dem Konzept der relativen Armut größere Relevanz zu. „Relative Armut bezieht sich auf einen Mangel an Mitteln, die zur Sicherung des Lebensbedarfs notwendig sind. Maßgebend ist der jeweils geltende soziale und kulturelle Standard einer Gesellschaft“ (Rheinland-Pfälzischer Landtag 2004, S. 10). In diesem Fall ist relevant, ob die innerhalb einer Gesellschaft festgelegten Mindeststandards eingehalten oder unterschritten werden. Wie schon zum Begriff der Behinderung angemerkt, besteht auch bei der Messung von Armut das Problem, dass Grenzlinien gezogen werden, die aber nicht frei von Wertungen und Einflussnahmen sind. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass ein Unterschreiten dieser Grenzen durch die Gesamtgesellschaft nicht mehr akzeptiert werden kann1 und somit staatliches Handeln erforderlich wird. Darüber hinaus wird in den Sozialwissenschaften, wenn von Armut die Rede ist, hierunter zumeist Einkommensarmut verstanden (Groh-Samberg/Goebel 2007, S. 397). Um die im Folgenden zu treffenden Aussagen und Ergebnisse mit anderen Armutsmessungen vergleichbar zu halten, soll ein Konzept der relativen Einkommensarmut verwandt werden, jedoch nicht ohne die Grundannahmen und zumindest kurz die Probleme dieses Konzeptes zu skizzieren.
Armut über geringes Einkommen zu messen, liegt zunächst einmal nahe2. Geld ist in modernen Volkswirtschaften das allgemein verwendete Tauschmittel, welches meist den Zugang zu und den Zugriff auf Güter und Dienstleistungen ermöglicht und somit den Handlungsspielraum der Menschen bestimmt (Ludwig-Mayerhofer/ Barlösius 2001, S. 20). Darüber hinaus ist der Betrag des Einkommens aus Erwerbsarbeit relativ einfach zu messen und wird in zahlreichen wissenschaftlichen Erhebungen wie z. B. dem Mikrozensus und dem Allbusdatensatz standardmäßig erhoben, so dass eine relativ gute Datengrundlage hierzu vorliegt.
Grundlage der einkommensbasierten Armutsmessungen ist nicht das individuell erzielte, sondern das Haushaltseinkommen. Dies ist damit zu erklären, dass eine relevante Anzahl von Menschen über kein eigenes direktes Einkommen aus Erwerbsarbeit verfügen, aber dennoch ökonomisch abgesichert ist. Hierunter fallen Menschen, die (noch) nicht erwerbstätig sind, aber mit anderen Menschen in einem Haushalt leben und von deren Einkommen mitversorgt werden. Zudem wird davon ausgegangen, dass durch das Zusammenleben und -wirtschaften der Mitglieder eines Haushaltes gewisse Einsparungen realisiert werden können. So benötigt nicht jeder in einem gemeinsam wirtschaftenden Haushalt einen eigenen Kühlschrank, Fernseher oder PKW.
Ergänzend ist hier zu sagen, dass nicht einfach das zur Verfügung stehende Haushaltseinkommen durch die Anzahl der Haushaltsmitglieder dividiert wird, sondern es wird jedem Haushaltsmitglied entsprechend seines Alters ein Gewichtungsfaktor zugewiesen (Ludwig-Mayerhofer/ Barlösius 2001, S. 21). Die Annahme ist hier, dass der finanzielle Bedarf eines Menschen mit zunehmendem Alter steigt. „Werden diese im Haushalt summiert und das Nettoeinkommen des Haushalts durch die Summe der Äquivalenzgewichte geteilt, erhält man das ,bedarfsgewichtete Personeneinkommen‘. Das solchermaßen gewichtete (Netto)Äquivalenzeinkommen wird in der Armutsforschung als aussagekräftige Größe angesehen“ (Rheinland-Pfälzischer Landtag 2004, S. 14 f.). Dieses bedarfsgewichtete Personeneinkommen wird dann zum Zwecke der Armutsmessung an eine politisch, zwischen den Mitgliedsstaaten der EU vereinbarte festgelegte Grenze angelegt.3 Diese Grenze liegt bei 60 Prozent des Medians des gewichteten (Netto)Äquivalenzeinkommen aller Personen (Bundesregierung 2005, S. 6). Wird diese Grenze unterschritten, d. h. liegt das erzielte bedarfsgewichtete Personeneinkommen unterhalb dieser festgelegten Grenze wird von vorliegender Armut ausgegangen.4 Das hier verwendete Konzept der Messung von Armut über die relative Einkommensarmut sowie die Bemessung der Grenze, ab der von Einkommensarmut gesprochen wird, ist nicht unumstritten (Groh-Samberg/ Goebel 2007, S. 397).5 „Vor diesem Hintergrund hat sich in der deutschen Armutsberichterstattung der Konsens etabliert, dass es die eine ‚richtige‘ Messung von Armut nicht geben kann“ (Groh-Samberg/ Goebel 2007, S.397)6.

Konstruierte Soziale Lagen von Menschen mit Behinderungen

Hier ist festzuhalten, dass es schwierig ist, die allgemeine soziale Lage von Menschen mit Behinderungen erschöpfend zu beschreiben (Maschke 2003, S. 166 f.). Dies ist einmal zu begründen mit der unzureichenden vorhandenen Datenbasis und zum andern mit dem nur schwer abbildbaren individuellen Umgang mit Behinderung und der gesellschaftlichen Reaktion hierauf (Maschke 2003, S. 166). Aus diesem Grund und aufgrund der Tatsache, dass Armut über Geld gemessen wird, wird im Folgenden immer wenn von sozialen Lagen gesprochen wird, die sozioökonomische Lage von Menschen mit Behinderung gemeint sein. Bei diesen Lagen werden die Dimension der Arbeit mit anderen Dimensionen so kombiniert, dass dennoch hinsichtlich der Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit Behinderungen in Form von Einkommen ein an die Datenbasis angepasstes Bild der Lage von Menschen mit Behinderung entstehen kann.
Im hier vorliegenden Fall ist Erwerbsarbeit von zentraler Bedeutung, da sie im Bezug auf den zu erklärenden Sachverhalt „Armut“ in Form von geringem Einkommen die Schlüsseldimension darstellt. Insbesondere, weil mittels Teilhabe am Arbeitsleben ökonomische Unabhängigkeit, Selbstverwirklichung und Selbstwert, sozialer Status und sozialer Kontakt zu anderen vermittelt wird (Maschke 2008, S. 35). Zusätzlich wird in die anzuwendende Lagenkonzeption ebenfalls das Merkmal der Behinderung aufgenommen. Dies ist das konstitutive Element der Lage von Menschen mit Behinderung. Standardmäßig werden darüber hinaus die jeweils möglichen Ausprägungen der demographischen Dimensionen Geschlecht und Bildungs- wie auch die Berufsabschlüsse aufgenommen. Von besonderem Interesse ist dann noch die Dimension des Alters der Personen, da hier eine erhebliche Ungleichgewichtung vorherrscht. So waren 2005 etwa drei Viertel (71%) der Menschen mit Behinderung 55 Jahre oder älter (Pfaff et al. 2006). Des Weiteren soll die Umwelt der Individuen mit in die Betrachtung aufgenommen werden. Hierunter fallen exemplarisch noch das Gebiet der Befragung, also die Frage ob es sich um Ost- oder Westdeutsche handelt. Diese Merkmale sind in die Konstruktion von sozialen Lagen eingegangen. Aus den sich hieraus ergebenden möglichen 27 Kombinationen wurden dann mittels CHAID-Analyse7 die folgenden 10, das Armutsrisiko am stärksten determinierenden ausgewählt. In der Tabelle wird der Mittelwert und die Standardabweichung ebenfalls mit angegeben.
Der Mittelwert hat im Falle von dichotom konzipierten Variablen den Vorzug, dass er den Anteil der Fälle zwischen 0 und 1 angibt an welchem die Ausprägung von 0 auf 1 wechselt. Somit kann der Mittelwert als Anteil der jeweiligen Lage an den Befragten Menschen mit Behinderung gewertet werden (Backhaus et al. 2003, S. 421).
Es ist an dieser Stelle auffällig, wenn auch nicht weiter verwunderlich, dass unter den empirisch ausgewählten sozialen Lagen, die das Armutsrisiko am stärksten determinieren, keine Lagen zu finden sind, die hohe Schul- bzw. berufsqualifizierende Abschlüsse enthalten. Insgesamt verteilen sich rund 57 Prozent der Befragten mit Behinderung aus dem Mikrozensus auf eine dieser zehn sozialen Lagen. Unter Armutsrisiken werden hier die Risiken verstanden, zur Gruppe derjenigen zu gehören, die ein nach der alten OECD Skala bedarfsgewichtetes Äquivalenzeinkommen8 von unter 60 Prozent des Medians der gesamten Einkommensverteilung zur Verfügung zu haben. Dies entspricht einer Konzeption der strengen Armut (Stauder/ Hüning 2003, S. 2).9

Die hier ausgewiesenen Zahlenwerte sind jeweils im Verhältnis zu den in der Tabelle ausgewiesenen Referenzkategorienen zu interpretieren. Zudem sind die Zahlenwerte stets als Faktoren einer Multiplikation zu begreifen. Hier gilt dann, dass je Größer die Zahl über dem Wert 1 liegt, desto stärker ist das Armutsrisiko. Umgekehrt wirken Faktoren armustreduzierend, wenn sie unter dem Wert 1 liegen. Für eine Detaillierte Darlegung aller methodischen Fragen und eine ausführliche Diskussion sei an dieser Stelle auf das erschiene Buch verwiesen.

Beim betrachten der Tabelle wird deutlich, dass das Aufweisen einer Behinderung über alle betrachteten Gruppen, so dieses Merkmal signifikant ist, mit zu den Risikofaktoren von Einkommensarmut zu zählen ist. Es verwundert nicht, dass zu den das Armutsrisiko verstärkenden Multiplikatoren zumeist das männliche Geschlecht und die Anzahl der Kinder unter 18 Jahren im Haushalt zählt. Hingegen reduzieren ein berufsqualifizierender Bildungsabschluss, jedes weitere Einkommen im Haushalt, die deutsche Staatsbürgerschaft und das Erhebungsgebiet Westdeutschland das Risiko zur Gruppe der Einkommensarmen zu gehören deutlich. Es ist an dieser Stelle von elementarer Bedeutung, auf die zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten von Elementen der sozioökonomischen Lage hinzuweisen.
Wenn Aussagen zu den Armutsrisiken der eigens gebildeten sozialen Lagen getroffen werden konnten, so zeigte sich hier, dass die niedrigeren, formal ungebildeten sozioökonomischen Lagen stets ein höheres Armutsrisiko aufweisen als die mittleren und höheren und das eine Behinderung allein im Vergleich mit Inter3 ein geringeres Armutsrisiko birgt.
Denn über alle Modelle hinweg tragen Frauen mit einer Behinderung aus Ostdeutschland und ohne jedweden Bildungsabschluss stets das höchste Armutsrisiko (Inter3). Dies ist an dieser Stelle das entscheidende Ergebnis zumal hier empirisch gezeigt wurde, dass es ein Unterschied ist, ob die befragten eine Behinderung aufweisen oder weiblichen Geschlechts sind bzw. ob sie mehrere unvorteilhafte Merkmale auf sich vereinigen. Problematisch sei abschließend noch vermerkt, dass es in der empirischen Sozialforschung keine einheitlichen Konventionen bei der Konstruktion von Sozialen Lagen gibt. Diese werden jeweils vom Forscher unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Daten und der jeweiligen Fragestellung gebildet. Hier ist weiter zu forschen. Es ist lohnend.

Literatur:

  • Backhaus, Klaus et al. 2003: Multivariate Analysemethoden. Eine anwendungsorientierte Einführung, 10. neubearb. u. erw. Aufl. Berlin: Springer, S. 45-117 sowie S. 417-479.
  • Groh-Samberg, Olaf/ Goebel, Jan 2007: Armutsmessungen im Zeitverlauf. Indirekte und direkte Armutsindikatoren im Vergleich, in: Wirtschaftsdienst 87 (6 / 2007), S.397-403.
  • Hradil, Stefan 2001: Soziale Ungleichheit in Deutschland, 8.Aufl., Opladen: Leske + Budrich, S. 318-325.
  • Ludwig-Mayerhofer, Wolfgang/ Barlösius, Eva 2001: Die Armut der Gesellschaft, in: Barlösius, Eva/ Ludwig-Mayerhofer, Wolfgang (Hg.): Die Armut der Gesellschaft (Sozialstruktursanalyse Band 15), Opladen: Leske + Budrich.
  • Maschke, Michael 2003: Die sozioökonomische Lage behinderter Menschen in Deutschland, in: Cloerkes, Günther (Hg.): Wie man behindert wird. Texte zur Konstruktion einer sozialen Rolle und zur Lebenssituation betroffener Menschen (Edition S), Heidelberg: Universitätsverlag Winter, S. 165-181.
  • Maschke, Michael 2008: Behindertenpolitik in der Europäischen Union. Lebenssituation behinderter Menschen und nationale Behindertenpolitik in 15 Mitgliedsstaaten, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Pfaff, Heiko et al. 2006: Lebenslagen der behinderten Menschen. Ergebnis des Mikrozensus 2005, in: Wirtschaft und Statistik, Nr. 12, S. 1267-1277.
  • Rheinland-Pfälzischer Landtag 2004: Bericht über die Ausführung des Beschlusses des Landtages vom 11.Mai 2000 zu Drucksache 13/4060, Armuts- und Reichtumsbericht der Landesregierung 2004.
  • Schnoor, Heike (Hg.) 2007: Leben mit Behinderungen. Eine Einführung in die Rehabilitationspädagogik anhand von Fallbeispielen, Stuttgart: Kohlhammer.
  • Stauder, Johannes/ Hüning, Wolfgang 2003: Die Messung von Äquivalenzeinkommen und Armutsquoten auf der Basis des Mikrozensus (Manuskript für die 3. Mikrozensus-Nutzerkonferenz ZUMA Mannheim), Düsseldorf: Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen.
  1. Groh-Samberg und Goebel sprechen an dieser Stelle von Armut als einem normativ festgelegten Konzept (Groh-Samberg/ Goebel 2007, S. 397). [zurück]
  2. An dieser Stelle ist anzumerken, dass die Messung des Einkommens zunächst keine Auskunft darüber gibt, über welche anderen geldwerten Vermögensbestandteile die Bezugsgröße Haushalt oder Einzelindividuum darüber hinaus noch verfügen kann, wie z. B. Aktien, Immobilien- oder Grundbesitz. Dies könnte in Anbetracht von nur noch befristeten Arbeitsverträgen eine stabilere Datenbasis sein als die Einkommensströme aus Erwerbsarbeit oder staatlichen Transfers. [zurück]
  3. Die EU-Kommision ist von ihrer alten Empfehlung (50 Prozent des arithmetischen Mittels) zur Messung von Einkommensarmut abgekommen und empfiehlt aktuell als Grenzlinie 60 Prozent des Medians der Einkommensverteilung in der Gesamtbevölkerung (Groh-Samberg/ Goebel 2007, S. 398). Hieraus ergibt sich, dass die Ergebnisse aus älteren Untersuchungen hinsichtlich der Einkommensarmut nicht ohne weiteres mit den neueren auf der neuen Bemessungsgrundlage erhobenen und ausgewerteten vergleichbar sind. [zurück]
  4. Diese Methode geht davon aus, dass Armut dann vorliegt, wenn in einer Gesellschaft definierte Einkommensgrenzen unterschritten werden. Die Grenze bei unter 60 Prozent zu ziehen bedeutet, dass Menschen die von Armut betroffen sind höchstens 40 Prozent des Medians der Einkommensverteilung erzielen. [zurück]
  5. „Für die Wahl des Prozentsatzes, ab dem von relativer Einkommensarmut gesprochen werden soll, gibt es kaum methodische Entscheidungshilfen. Hierbei handelt es sich um eine in erster Linie normative Entscheidung. Relativ selten wird eine Grenze bei 40 Prozent des mittleren Einkommens angesetzt, in den meisten Fällen eine solche von 50 Prozent, und manchmal wird bei der 60 Prozent-Schwelle in Verbindung mit dem arithmetischen Mittel vom armutsnahen Niedrigeinkommensbereich gesprochen“ (Stauder und Hüning 2003, S.2). [zurück]
  6. Dies ist jedoch nicht unbedingt von Nachteil, da dies die Möglichkeit eröffnet, den jeweils adäquaten Begriff von Armut an das vor einem liegende, eigene Forschungsfeld und die hier verfügbaren Daten so anzupassen, dass Armut innerhalb dieses Feldes messbar ist. [zurück]
  7. CHAID (Chi-square Automatic Interaction Detectors) ist ein Algorithmus, der zur Entscheidungsfindung dient. Dabei werden diejenigen vorher festgelegten Prediktoren in eine Rangfolge beginnend mit dem stärksten Einflussfaktor gebracht. Er wird bei Entscheidungsbäumen eingesetzt. Der CHAID-Algorithmus wurde 1964 erstmals von J.A. Sonquist und J.N. Morgan verwendet und ist damit der Älteste der verwendeten Entscheidungsbaum-Algorithmen. Die CHAID-Analyse wurde hier herangezogen um empirisch fundierte Entscheidungen hinsichtlich der Auswahl der konstruierten sozialen Lagen treffen zu können. [zurück]
  8. Das bedarfsgewichtete Netto-Äquivalenzeinkommen der Personen im Haushalt ist abhängig von der Position des Befragten im Haushalt, der Anzahl und der Höhe weiterer Einkommen. [zurück]
  9. Der Mittelwert der nach der alten OECD-Skala bedarfsgewichteten Netto-Einkommensverteilung lag im Jahr 2005 über alle Befragte in den Haushalten bei 2271 €. Dementsprechend sind 60 Prozent 1362 €, 50 Prozent 1135 € und 40 Prozent 908,4 €. Der Median der gleichen Verteilung lag im Jahr 2005 bei 1825 €. Demnach ergaben 60 Prozent des Medians 1095 €, 50 Prozent 912 € und 40 Prozent dementsprechend 730 € (Bundesregierung 2008, S.21). Diese Werte der allgemeinen Einkommensverteilung sind nahezu identisch mit denen der Einkommensverteilung von Menschen mit einer Behinderung. So beträgt der Mittelwert der nach der alten OECD-Skala bedarfsgewichteten Netto-Einkommensverteilung von Menschen mit Behinderungen im Jahr 2005 2220 € bzw. 1800 € im Falle des Medians. Im Bezug auf die einzelnen Armutsgrenzen ergeben sich lediglich Abweichungen zwischen 10 und 30 €. Für die weiteren Berechnungen wurden die Werte der allgemeinen Einkommensverteilung herangezogen. [zurück]

Armut Behinderung
Konstantin Bender:
Der Zusammenhang von Behinderung und Armut. Ein Beitrag zur Sozialberichterstattung
Forum Wissenschaft Studien 58
Februar 2010
109 Seiten
10,00 EUR
ISBN 978-3-939864-10-3


Dieser Artikel ist auch abgedruckt im Dishwasher Nr.2 Juni 2010

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