Forschungsprojekt „Diskriminierungsfreie Hochschule“

Dokumentation aus dem Internetauftritt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (16.07.2010)

Forschungsprojekt „Diskriminierungsfreie Hochschule“
„Für die Mitwirkung am Modellprojekt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, das erforscht, wie Studium, Forschung und Lehre aber auch der nichtwissenschaftliche Bereich diskriminierungsfrei gestaltet werden können,konnten zehn Fachhochschulen und Universitäten aus west- und ostdeutschen Bundesländern gewonnen werden. Mit dabei sind unter anderendie Hochschulen HWR Berlin, BTU Cottbus, FH Mannheim, TU München, die Universitäten Duisburg-Essen und Köln, die sich bereits seit einiger Zeit im Bereich Diversity engagieren und über entsprechende Erfahrungen verfügen.

Gegenwärtig wird der nationale und internationale Forschungsstand zum Thema individuelle und institutionelle Diskriminierung an Hochschulen aufgearbeitet sowie die bereits an Hochschulen umgesetzten Maßnahmen zur Diskriminierungsfreiheit erhoben und systematisiert.

Mit dem Modellprojekt soll untersucht werden, ob und welche Rolle die Diskriminierungsgründe Alter, Behinderung, ethnische Herkunft, Geschlecht, Religion/Weltanschauung sowie sexuelle Identität und ggf. weitere Kategorien beim Zugang zum Studium, bei der Besetzung von Stellen im wissenschaftlichen Bereich, bei der Zusammensetzung von Hochschulgremien, der Ausrichtung von Forschung und Lehre sowie im täglichen Umgang spielen.

Das Projekt, das die Antidiskriminierungsstelle im Auftrag der Prognos AG durchführt, ist zu Beginn des Jahres gestartet und auf zwei Jahre angelegt.“

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7 Antworten auf „Forschungsprojekt „Diskriminierungsfreie Hochschule““


  1. 1 Andreas 16. Juli 2010 um 20:34 Uhr

    „… und ggf. weitere Kategorien …“ – na, das ist doch spannend. Als weitere Kategorie bietet sich hier natürlich „Soziale Herkunft“ an. Vom Hochschulzugang über Partizipation als wissenschaftliche Hilfskraft, vom Jobben bis zur Stipendienvergabe: überall korreliert die Soziale Herkunft. Und zum Studienabbruch heißt es:

    1. Studierende aus unteren sozialen Herkunftsgruppen sind stärker abbruchgefährdet als ihre Kommilitonen.
    2. Studienabbrecher, die ihr Studium aufgrund finanzieller Schwierigkeiten ohne Abschluss beendet haben, kommen ohne überdurchschnittlich aus Elternhäusern der unteren und mittleren sozialen Schicht.
    3. Während sich eine untere soziale Herkunftsgruppe sowohl in der Medizin als auch in Rechtswissenschaften als wesentlicher Risikofaktor für den Studienabbruch erweist, sit dies in den Lehramststudiengängen keineswegs der Fall. Heublein/ Spangenberg/ Sommer 2003: Ursachen des Studienabbruchs. Analyse 2002, S. 47ff.

    Spannend für eine mehr tiefenpsychologische Diskriminierungsforschung könnte übrigens sein, dass beim entscheidenden Studienabbruchgrund von Studierenden mit einer „niedrigen sozialen Herkunft“ mit deutlichem Abstand vor allen anderen Abbruchgründen wie „familiäre Gründe“ oder „finanzielle Probleme“ „Krankheit“ genannt wird (ebd.).

  2. 2 Juri 17. Juli 2010 um 23:42 Uhr

    Spannend für eine mehr tiefenpsychologische Diskriminierungsforschung könnte übrigens sein, dass beim entscheidenden Studienabbruchgrund von Studierenden mit einer „niedrigen sozialen Herkunft“ mit deutlichem Abstand vor allen anderen Abbruchgründen wie „familiäre Gründe“ oder „finanzielle Probleme“ „Krankheit“ genannt wird (ebd.).

    Warum auf die Teifenpsychologie zurück greifen?
    Es könnte genau so gut an schlechten Wohnbedingungen, miesen Arbeitsbedingungen und so weiter, liegen. Wäre das nicht naheliegender?

  3. 3 Andreas 18. Juli 2010 um 2:13 Uhr

    Hallo Juri,
    da war ich wohl voreilig mit der Tiefenpsychologie.

    Ich hatte seinerzeit beim HIS nachgefragt, ob es naheliegende Interpretationen zu diesen Zahlen gibt. Leider scheint es bis heute noch keine weiteren Untersuchungen hierzu zu geben.

    Es kann an schlechten Wohn- und Arbeitsbedingungen liegen oder an psychologischen Stressfaktoren – wahrscheinlich beides und gegenseitig verstärkend. Die 17. HIS-Studie von 2003, die sich ebenfalls auf die Daten von 2002 bezieht, sieht beim Beratungsbedarf sowohl bei psychologischen Problemen, als auch bei Fragen zur Behinderung und chronischer Krankheit keine Unterschiede aufgrund der sozialen Herkunft.

    Ob die physiologischen und psychologischen Gesundheitschancen von studierenden Arbeiterkindern geringer sind als die von anderen Studierenden und ob hier eventuell Diskriminierung vorliegt, könnte bei dem auffälligen Ergebnis der HIS-Studienabbruchstudie als relevante Frage eingestuft werden. Es wäre jedenfalls wissenschaftlich unseriös, nur sechs Diskriminierungsformen in eine Studie einfließen zu lassen, wenn diese Studie allgemein als „Diskriminierung an Hochschulen“ bezeichnet wird.

  4. 4 Eliza 27. Juli 2010 um 21:12 Uhr

    Hallo ihr beiden,
    ich könnte mir schon vorstellen, dass es mitunter auch psychische Barrieren sind, die bei Arbeiterkindern zum Studienabbruch führen.
    Auch die unterschiedliche Art der Kommunikation in „Arbeiter-“ bzw. „Akademikerhaushalten“ könnte eine Rolle spielen.
    (Look at her, a prisoner of the gutters. Condemned by every syllable she utters.)

  5. 5 Carl 28. Juli 2010 um 19:34 Uhr

    Inwiefern siehst du die Kommunikation als unterschiedlich an?

    Ich habe selbst so meine Theorien dazu aufgestellt. Ich weiß, aber nicht ob sie empirisch haltbar wären, weil meine „Stichprobe“ wohl kaum repräsentativ ist.

    Mir persönlich kommt es so vor (haha, dazu sage ich später etwas), als ob in der Arbeitschicht die Sprache eher genutzt würde um zum Beispiel in Erinnerungen zu schwelgen oder auch um sich gegenseitig zu bestätigen, dass man die richtige Meinung hat.

    Ich habe dafür auch ein Beispiel, es kommt aus einem Interview mit meinem Vater und einem Freund, wo es um die Anti-AKW-Bewegung geht und ich kann leider nur diesen kleinen Teil veröffentlichen, um meinen Punkt zu demonstrieren, weil mein Vater sich noch nicht sicher ist, ob seine Meinung dazu veröffentlich werden soll.

    Mein Vater: Wer würde denn schon sowas wollen, ne?
    Ich: Na, Keiner eigentlich, ne?
    Von meinem Vater der Freund: Nä, Keiner, ich jedenfalls nicht…
    Mein Vater: Na, ich jedenfalls auch nicht, weisste Du? Habe ich damals schon, weisst Du? Habe ich mir damals schon so gedacht
    Von meinem Vater der Freund: Ich auch, hab ich damals schon zu dir gesagt und so…
    Mein Vater: Ja!

    Also das Gespräch hier hat eigentlich den Sinn auszudrücken, dass ein bestimmte Handlung eine unbeabsichtigte Konsequenz hatte, aber ich glaube es geht auch darum, dass alle eine Meinung haben. Mir ist das erst später beim Abhören des Bandes so krass aufgefallen.

    „Mir persönlich kommt es so vor“ dieser Ausdruck hingegen deucht mich schon akademischer. Der hat eher an der Uni seinen natürlichen Lebensraum.

  1. 1 Dead like me » Blog Archive » Cana?? T Afford College Education? Die Bewerbung f Pingback am 18. Juli 2010 um 2:42 Uhr
  2. 2 Dead like me » Blog Archive » Student Loan Consolidation k Pingback am 20. Juli 2010 um 4:42 Uhr
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