Archiv für September 2010

Dishwasher Nr 3 Call for Action

Hi

Bis zum 01.12.2010 könnt Ihr uns Artikel zum Dishwasher-Magazin senden.
Themenschwerpunkt:
Leben und Überleben an der Uni
Wir suchen Erfahrungsberichte und journalistische Artikel zu Thema „Leben und Überleben an der Uni“ mit Bezug zur sozialen Herkunft. Bitte beachtet, dass die Artikel nicht mehr als 20.000 Zeichen umfassen. Außerdem wünscht sich unsere Layouterin Zwischenüberschriften. Fotos oder Bilder wären auch nett.
Zudem suchen wir Theorie-Artikel zum Thema:
Habitus-Struktur-Konflikt im Bildungsbereich

Schreibt uns: asta.fikus@uni-muenster.de

Was ist das Ziel von Bildungspolitik?

von Jens Wernicke

Progressiv-humanistische Kräfte beantworten diese Frage mit: Bildung selbst. Ziel von Bildungspolitik muss es sein, jedem Menschen einen guten, qualifizierten, emanzipativen Schulabschluss zu ermöglichen: Wo es hundert Kinder verschiedener sozialer Herkunft und verschiedener „Leistungen“ (die eben nichts über Biologie und Potential, sondern vielmehr etwas über Exklusionen und Benachteiligungen aussagen) gibt, sollen alle diese Kinder in die Lage versetzt werden, sich als menschliche Wesen in einer ihnen gerechten (Bildungs-)Umwelt zu entfalten, 100 von 100 Kindern sollen mindestens einen Realschulabschluss, besser noch ein Abitur erreichen. (mehr…)

Birth, not Worth

Von Andreas Kemper

In Deutschland separiert sich die Mittelschicht spätestens dann von ärmeren Familien, wenn die Kinder schulpflichtig sind. Die Einschulung führt oft dazu, dass Mittelschichts-Eltern in andere Stadtteile ziehen. In Großbritannien scheint es ein ähnliches Muster zu geben, wie dem Artikel „Endstation Kindergarten“ von Ralf Sotschek aus der taz vom 28.09.2010 zu entnehmen ist. Die Diskriminierung aufgrund der Sozialen Herkunft ist deutlich und trotz Wissen um diese Diskriminierung ändert sich nichts zum Positiven. Im Gegenteil. Die Europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien müssen dringend um diese klassenspezifischen Aspekte ergänzt werden.

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Arbeitslosigkeit und Schulschwänzen

Volker Kauder, der Franktionsvorsitzende der CDU, fordert, Geldbußen konsequenter von Hartz-IV-Bezügen abzuziehen, wenn Kinder nicht zur Schule erscheinen. Er habe den Eindruck, dass Bußgelder wegen Schulschwänzens selten verhängt und noch seltener eingetrieben würden. Damit greift er eine der Ideen von Thilo Sarrazin auf, der in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ genau diese Regelung gefordert. Diese Strafen müssten so gestaltet sein, dass sie das Existenzminimum unterlaufen. (mehr…)

Sarrazin nicht in der Lage Korrelation zu interpretieren!

Von Carl

In den letzten Wochen ist viel über Sarrazin, seine politische Meinung, seine Intention und so weiter berichtet worden.
Eines aber ist kaum hinterfragt worden: Sind seine statistischen Methoden richtig. Jetzt zeigt sich: Sie sind es nicht? (mehr…)

BAFöG-Inflationsausgleich wieder verschoben

Bereits zum zweiten Mal wird die versprochene Anpassung des BAFöG an die Inflationsrate verschoben. Eigentlich sollte pünktlich zum Semesterbeginn am 1. Oktober 2010 das BAFöG angepasst werden. Die Studienbeihilfe für Kinder einkommensschwacher Eltern soll nach der vom Bundestag bereits beschlossenen Reform um zwei Prozent steigen, die zugehörigen Freibeträge um drei Prozent. Der Bafög-Höchstbetrag würde sich von 648 auf 670 Euro monatlich erhöhen. Kosten würde dies dem Bund 200 Millionen Euro, den Ländern 160 Millionen Euro. Letztere erwarten aber vom Bund, dass dieser die Kosten ganz oder zu einem größeren Teil übernimmt, da die Länder unter knappen Kassen zu leiden hätten. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hatte noch im Juli über 300 Millionen Euro für Stipendien ausgegeben, um das monatliche Büchergeld der Stipendiaten von 80 Euro auf 300 Euro anzuheben. Mit dem neuen Stipendiengesetz wurde kaum Maßnahmen ergriffen die erhebliche soziale Selektion zu beheben. Es ist zu fragen, warum sich das BMBF bei den wenigen Stipendiat_innen so großzügig zeigt, bei der seit langen versprochenen Anpassung des BAFöG an die Inflationsrate sich aber knauserig gibt.

Shell Jugendstudie: Ausgrenzung der unteren Herkunftsschicht

Die neue Shell-Jugendstudie stellt eine größere Kluft in der Zufriedenheit nach den sozialen Herkunftsschichten fest. Während 84 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren der „Obersten Herkunftsschicht“ angeben, mit ihrem Leben zufrieden, bzw. sehr zufrieden zu sein, sind es in der „Untersten Herkunftsschicht“ nur 40 Prozent. Klaus Hurrelmann ermahnte die Politiker_innen mehr für die Jugendlichen aus unteren Schichten zu tun. (mehr…)

Gibt es eine Eugenik-Debatte?

Von Andreas Kemper

Mit dem Buch „Deutschland schafft sich ab“ wurde von BILD-Zeitung und SPIEGEL erstmals seit langem ein Eugenik-Buch zum Bestseller gepusht.
Sarrazin hatte sich vor seinem Lettre-Interview bereits mit klassistischen Äußerungen hervorgetan. Ab Oktober 2009, mit dem Interview mit dem Magazin „Lettre International“, vertrat er erstmals in aller Deutlichkeit eugenische Thesen. Allerdings nicht explizit. In der ganzen Debatte wurde bisher von den Eugenik-Vertretern der Begriff Eugenik vermieden. Warum? Und ändert sich das gerade? Zunächst gehe ich auf die aktuelle Eugenik-Diskussion ein (mehr…)

Über die pädagogische Arbeit mit Hauptschülern

von Tobias Fabinger

Der Autor dieses Artikels hatte das Glück, drei Jahre lang mit Hauptschülern in der Praxis zu arbeiten. Dabei handelte es sich um Bildungsmaßnahmen, die auf Ausbildungsberufe vorbereiten sollten. Die Klienten dieser Bildungsmaßnahme bestanden neben Hauptschülern in geringener Anzahl auch aus Realschülern, Sonderschülern; und sogar der eine oder andere Gymnasiast – ausschließlich Arbeiterkinder – hatte sich in diese Maßnahmen verirrt. Schließlich noch jene, die gar keinen Schulabschluss aufwiesen, ihn aber unter Umständen nachmachen konnten. Ihnen allen gemeinsam: Sie hatte Probleme, einen Ausbildungsplatz zu finden. Hunderttausende von Jugendlichen durchlaufen diese Bildungsmaßnahmen zwischen Schule und Ausbildung und gleichwohl sind diese „Berufsvorbereitenden Lehrgänge“ in der Öffentlichkeit kaum bekannt.

Ich möchte nun einige Beobachtungen darstellen, wie ich sie während des Deutsch- und Matheunterrichts, während des Trainings Soziale Kompetenz und während des Bewerbungen Schreibens mit den Jugendlichen machen konnte. Wir reden oft über nicht ausgeschöpfte Begabungsreserven. Aber während meiner pädagogischen Arbeit wurde mir klar: Es gibt in dem bestehenden Schulsystem so gut wie keine Möglichkeit, diese Begabungsreserven auszuschöpfen. (mehr…)

Dishwasher Spezial: Sarrazin-Debatte

Zur Sarrazin-Debatte ist eine getackerte Sonderausgabe erschienen.
Die Ausgabe lässt sich hier als PDF-Datei herunterladen.
Themen:

Eltern geben der Schule schlechte Zensuren

Pressemitteilung 08.09.10 | 1. JAKO-O Bildungsstudie: Note „mangelhaft“ – Eltern geben der Schule schlechte Zensuren – Repräsentative Studie: 3.000 Eltern beurteilen das Schulsystem

Ohne Eltern geht es nicht: Mama oder Papa als Nachhilfelehrer, das ist eher die Regel als die Ausnahme in deutschen Familien. 94 Prozent der Eltern fühlen sich verpflichtet, sich intensiv um die schulischen Leistungen ihrer Kinder zu kümmern. Doch dieses Engagement geht auf Kosten des Familienlebens – und ärgert viele Eltern. (mehr…)

Der verdrängte Klassenkampf innerhalb der Linken

Warum das heutige Proletariat von linken Karrieristen nichts erwarten kann

Ein Plädoyer von Esra Ayse Onus

7 direkte und rhetorische Fragen des Proletariats an die Partei Die Linke

Frage 1 zur sozialen Gleichheit:
Können Menschen in unterdrückten, abhängigen und erniedrigten Gruppen von der Linken die Verwirklichung der sozialen Gleichheit erwarten oder ist diese Partei samt ihrer Politikerklasse und TrägerInnenmannschaft auf dem besten Wege in eine kalkulierte spätrömische Dekadenz zu verfallen? (mehr…)

Sarrazin und die seriöse Integrationsforschung

Der Soziologe Prof. Eichener nimmt Stellung zu Sarrazins Thesen. Prof. Eichener äußert sich auch dazu, dass die Politik die wissenschaftlichen Ergebnisse zur Integrationsforschung weitestgehend ignoriert. Genau diese Analyse, die die Inkompetenz der Politik insgesamt behauptete, findet sich in dem Artikel „Einige Gedanken zur Sarrazin-Debatte, zur politischen Elite und zur Bedeutung kritischen Denkens“ weiter unten hier auf dem Blog. Das Interview mit einem hoch kompetenten Mann, der sich seit 25 Jahren mit dem Thema Migration beschäftigt zeigt einmal mehr: Den gegenwärtigen Parteien fehlt es an inhaltlicher Kompetenz, um die Integration sinnvoll zu moderieren. Wie ist es möglich, dass die weite Teile der Öffentlichkeit den pseudowissenschaftlichen Mythen von Sarrazin aufsitzen? Sarrazin stößt in die Lücke einer fehlenden Auseinandersetzung, die leider derzeit nur von Fachwissenschaftlern differenziert und seriös geführt wird.

Hier das Interview mit Prof. Eichener

http://www.youtube.com/watch?v=kuYKjo4XjH0&NR=1

(gepostet von Tobias)

OECD: Mehr Hochschulabsolventen in Deutschland – aber auch weiter steigende wirtschaftliche Vorteile aus guter Bildung

Pressemitteilung der OECD, Berlin/Paris – 7. September 2010

Trotz steigender Absolventenzahlen an den Hochschulen nehmen die wirtschaftlichen Vorteile aus guter Bildung weiter zu. Angesichts der demografischen Entwicklung muss Deutschland mehr tun, um die Voraussetzungen für längere Erwerbszeiten zu schaffen und um dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Dies ergibt sich aus der aktuellen Studie „Bildung auf einen Blick“ und einer Länderstudie zur beruflichen Bildung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die heute in Berlin vorgestellt wurden. (mehr…)

Einige Gedanken zur Sarrazin-Debatte, zur politischen Elite und zur Bedeutung kritischen Denkens

von Tobias Fabinger

Sarrazin beurteilt die Menschen vornehmlich nach ihrer ökonomischen Nützlichkeit und ob seine Nützlichkeitsanalyse rein volkswirtschaftlich gesehen stimmt, soll hier nicht debattiert werden, es spricht eher sehr viel dagegen, da beispielsweise viele türkische Mitbürger unternehmerisch tätig sind und Arbeitsplätze schaffen. Analysiert werden muss sein Denken, welches man als eine „instrumentelle ökonomische Vernunft“ bezeichnen könnte. Er schaut mit dem Blick des Volkswirtes auf die Verwertbarkeit und Nützlichkeit von Menschen. Dieses Denken trägt die Notwendigkeit der Selektion schon in sich – eine Aufteilung in produktive und nicht produktive Menschen ist ja sein Ausgangspunkt. Dabei kommt es zu einem Umschlag von intrumenteller, eingeschränkter, partieller Nützlichkeitsvorstellung in Wahn. Ein Vorgang, der bereits in vielen Schriften der so genannten Kritischen Theorie als Entwicklungslogik der „instrumentellen Vernunft“ gesehen wird.

Vom ökonomischen Nutzen zum biologistischen Wahn

Das wahnhafte von Sarrazins Argumentation liegt darin, von der Ökonomie zur Biologie überzugehen. Nun werden auch die Gene darauf hin befragt, ob sie ökonomisch verwertbare Intelligenz hervorbingen. Diese scheinbare Rationalität ist hochgradig irrational, denn die Zuschreibung gegenüber „Intelligenten“, Verwertbaren und weniger Intelligenten und weniger Verwertbaren ist schlicht und einfach eine Konstruktion – irgendjemand muss dafür herhalten, dass es wirtschaftliche und soziale Probleme gibt und das sind nun die Moslems und „Unterschichten“. Beide vererben angeblich sozial gesehen fehlende Integrationsbereitschaft und fehlenden Leistungswillen, aber auch, wie Sarrazin es sich wohl vorstellt, biologisch, sonst würde er ja nicht über die Gene sprechen. Diese Sortierung der Menschen ist das Wahnhafte an seiner Argumentation. Denn die scheinbar „wissenschaftliche“ und „rationale“ Kategorisierung von Menschengruppen bildet eine Oberfläche für Sündenbock-Projektionen, die sich letztlich aus abgespaltenen irrationalen psychischen Antrieben speisen. (mehr…)




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