Sarrazin nicht in der Lage Korrelation zu interpretieren!

Von Carl

In den letzten Wochen ist viel über Sarrazin, seine politische Meinung, seine Intention und so weiter berichtet worden.
Eines aber ist kaum hinterfragt worden: Sind seine statistischen Methoden richtig. Jetzt zeigt sich: Sie sind es nicht?

Sarrazin schreibt in seinem Buch mehrmals, zum Beispiel auf S. 93: „Unter seriösen Wissenschaftlern besteht heute zudem kein Zweifel mehr, dass die menschliche Intelligenz zu 50 bis 80 Prozent erblich ist.“

In der in einer Fußnote angegeben Quelle jedoch steht: „Die hohen Langzeitstabilitäten in der Intelligenzleistung, die bereits in der frühen Kindheit um r = .50 betragen und ab der späten Kindheit auf über r = .80 ansteigen, sprechen für das Vorliegen eines stabilen Persönlichkeitsmerkmals“

r ist jedoch keine Angabe für Prozent bei r handelt es sich um die Korrelation nach Spearman.

Eine Korrelation nach Spearman von r = .50 bedeutet aber, dass ein Merkmal zu 25 Prozent (!) nicht 50 Prozent durch eine Variable zu erklären ist. Der IQ (beziehungsweise richtiger noch: Die Varianz im IQ) ist also selbst nach Sarrazins Quellen nicht zu 50 bis 80, sondern zu 25 bis 64 Prozent erblich.

Nicht zu fassen. Unser Bundesbankvorstand verwechselt Korrelationen mit Prozentangaben.

Dieser Fehler, r als Prozentangabe statt als Korrelation zu intepretieren, ist Sarrazin nach Angaben von Eichener anscheinend auch an anderen Stellen mehrmals unterlaufen. Das beieinträchtigt natürlich die Aussagekraft eines Buches, das angibt sich auf Statistiken zu stützen, ganz gewaltig, wenn statistische Basisgrundlagen nicht beachtet werden.

Sehr viele weiterführende statistische Verfahren stützen sich auf Korrelationen!!! Man könnte fast sagen, dass ohne Verständnis von Korrelation die ganze Beschäftigung mit Statistik sinnlos ist.

Deswegen meine Bitte: Sagt es weiter, veröffentlicht es. Wenn ihr Wikipedia-Autoren seid, schreibt es in den Artikel zu seinem Buch (Ach, und wenn ihr Wikipedia-Autoren seid, bitte schaut euch auch den dortigen Artikel über Demographie an. In Diskussionen (Volker Eichener: Die seltsamen Methoden des Thilo Sarrazin) wird dieser als Beweis dafür, dass Akademiker extrem wenige Kinder kriegen zitiert, aber er scheint veraltet zu sein (Interview mit Reiner Hufnagel-Person zur Kinderlosigkeit von Akademikerinnen)

Quelle: Volker Eichener, Professor für Politikwissenschaft und Rektor der EBZ Business School – University of Applied Sciences, Bochum: Die seltsamen Methoden des Thilo Sarrazin

Informationen zur Korrelation nach Spearman unter anderem in: Backhaus, Erichson, Plinke, Weiber: „Multivariate Analysemethoden“

Informationen zur Kinderzahl von Aakdemikern: http://dishwasher.blogsport.de/2010/01/15/interview-mit-rainer-hufnagel-person-zur-kinderlosigkeit-von-akademikerinnen/

Vielen Dank für euer Interesse!

(Dieser Aufruf ist auch auf Indymedia zu finden)

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34 Antworten auf „Sarrazin nicht in der Lage Korrelation zu interpretieren!“


  1. 1 Andreas 24. September 2010 um 16:47 Uhr

    Hallo Carl

    den Artikel von Volker Eichener hatte ich auch schon gelesen. Den Korrelationskoeffizienten mit dem Bestimmtheitsmaß zu verwechseln sollte jemandem, der den Bereich Bargeld der Bundesbank leitet, tatsächlich nicht passieren. Sarrazin selber leistet ja gar keine Forschungsarbeiten. Er gibt nur wieder, was sich schon lange in Volker Weiss „IQ-Falle“ findet. Der Eugeniker Volkmar Weiss gibt Sigmar Gabriel Recht
    Der Betrug, den Volker Eichener Thilo Sarrazin unterstellt, kann man dann warhscheinlich auch direkt Volkmar Weiss unterstellen. Dazu müsste man „Deutschland schafft sich ab“ und „Die IQ-Falle“ vergleichen. Da ich mir beide Bücher nicht kaufen möchte, kann das gerne jemand anders machen. Zu den Manipulationen der Eugeniker:
    Manipulationen in Wikipedia

    Lieben Gruß
    Andreas

  2. 2 Carl 24. September 2010 um 17:52 Uhr

    Ich habe einen Aufruf bei Indymedia verfasst: http://de.indymedia.org/2010/09/290689.shtml

  3. 3 Carl 24. September 2010 um 19:41 Uhr

    Bei Indymedia machte man mich auf folgenden interessanten Artikel aufmerksam: http://www.hintergrund.de/201009231145/politik/inland/die-luegen-des-thilo-sarrazin.html

    @ Andreas: Ich habe in das Buch von Volkmar Weiss übrigens mal reingeschaut. Das steht bei uns in der Uni-Bib. Ich könnte mir vorstellen, dass eine unserer Burschenschaften es gesponsort hat, die ihn auch als Gastredner eingeladen hat. Da ich das von Sarrazin noch nicht gelesen habe, kann ich schwer Vergleiche ziehen, aber es kommt mir sehr ähnlich vor.

    Weiss hat folgende Argumentationslinie:

    *Der IQ ist größtenteils durch Gene (inklusive Rasse) bestimmt
    *Der IQ ist postiv korreliert mit allen möglichen positiven Variablen
    *Der IQ ist negativ korreliert mit Kinderzahl
    *Deswegen wird der IQ sinken
    *Das Leben in Deutschland wird dadurch schlechter werden.

    Das von Sarrazin hört sich ja ähnlich an. Ich weiß nicht, ob Weiss in seinem Buch ebenfalls Korrelation und Prozent verwechselt. Vielleicht werde ich das mal überprüfen, wenn ich Zeit habe.

    Ich habe jetzt wegen Probleme mit dem Posting hier (meine Beiträge erschienen nicht) doppelt gepostet, dass ich bei Indymedia auch geschrieben habe und der Aufruf selbst ist auch doppelt, könntest du das doppelte löschen?

  4. 4 Carl 26. September 2010 um 11:19 Uhr

    Vielen Dank fürs Weiterverlinken. Bitte verweist auch auf die Originalquelle. Hier ist sie: http://www.rohmert-medien.de/immobilienbrief/analyse-die-seltsamen-methoden-des-thilo-sarrazin,108286.html

    Noch eine Anmerkung zur Diskussion dort. Dort schreibt eine „Lena Waider“. Diese Person schreibt auch in der Diskussion von Amazon und wird dort verdächtigt identisch mit Peter Mersch zu sein, weil sie stets die Bücher von ihm und einem Volkmar Weiss hochjubelt. Auch in dieser Diskussion verweist sie mal wieder auf einen Knol Artikel von Mersch und das ist typisch. Es ist nicht auszuschließen, dass sie auch mit Volkmar Weiss identisch ist, der als Sockenpuppenspieler bekannt ist: http://knol.google.com/k/manipulationen-in-wikipedia#

    Weiterhin steht in einem Leserbrief „Jemandem Manipulation zu unterstellen weil er den Korellationskoeffizienten nicht zur Varianz quadiert hat, wäre in einem wissenschaflichen Diskurs legitim aber unüblich.“

    Es ist wahr, dass in wissenschaftlichen Diskursen manchmal Korrelationskoeffizienten genannt werden, ohne zu erklären, wie viel Prozent der Varianz aufgeklärt ist. Jeder, der sich ein bißchen auskennt, kann ganz einfach aus dem Korrelationskoeffizienten den Prozentsatz erklärter Varianz berechnen, ABER UND DAS IST WICHTIG: ES WIRD IN DER WISSENSCHAFTLICHEN LITERATUR NIE NIE NIE DER KORRELATIONSKOEFFIZIENT MIT DER VARIANZ VERTAUSCHT.
    In der wissenschaftlichen Literatur werden manchmal auch Temperaturen in Grad Fahrenheit angegeben, weil man sie in Grad Celsius umrechnen kann, aber es wird nie nie nie so getan, als sei einen Fahrenheitangabe Celsius. Oder was würdet ihr über ein Buch sagen, in dem steht, dass es in Deutschland oft 70 Grad Celsius hat?
    Es ist vollkommen legitim zu sagen, dass in Deutschland oft siebzig Grad Fahrenheit hat (auch wenn das keiner versteht). Genauso ist es vollkommen legitim zu sagen, dass die Korrelation von einem Merkmal X und einem Merkmal Y 0,8 sei – auch wenn diese Angabe für viele Leser unverständlich ist, aber es ist nicht okay hier von „80 Prozent erblich zu sprechen“. Diese Aussage ist nicht lediglich irreführend, sie ist richtig FALSCH.

  5. 5 Andreas 26. September 2010 um 12:37 Uhr

    Peter Mersch/ Lena Waider verteidigen übrigens, genau wie Volkmar Weiss, explizit diese eugenischen Ansätze. Sarrazin hat alle Verweise auf Eugenik vermieden. Dass er damit nicht durchkommt, dürfte eigentlich klar sein.
    Sarrazin ist überhaupt kein „Klartext-Sprecher“ (BILD), sondern solche Leute wie Mersch/Waider und Weiss.
    Aber vielleicht dient Sarrazins Buch einfach auch nur als Trojanisches Pferd. Migrationsdebatte steht drauf, Eugenik ist drin. Steht das Buch erstmal in einer Millionen Bücherregalen, dann wird es einfacher, direkt und explizit Sozialeugenik einzufordern. Was denn daran schlimm sein soll, wird dann unschuldig gefragt, das steht doch alles auch schon in Sarrazins Buch. So kriecht die Eugenik-Ideologie langsam in die deutschen Wohnstuben zurück.

  6. 6 Hartwig 26. September 2010 um 15:28 Uhr

    Zur Genetik ist doch einiges anzumerken: ein genetischer Hinweis wird leider sofort als rassitischer Hinweis interpretiert und das ist logisch und sprachlich unzulässig, grundsätzlich genetische Unterschiede zu leugnen ist schlicht und einfach dumm. Schließlich werden sie bei Hautfarbe, Krankheiten, Krebsanfälligkeiten, besonderen sportlichen Talenten usw. immer auch bemüht, warum soll ein Gehirn davon ausgenommen sein. Das andere ist, wie man das bewertet, aber auch da ist Manifest, dass gewissen genetische Disponibilitäten gewisse Leistungen unmöglich machen können. Die Angriffe auf Sarrazin sollten sich daher auf den eigentlichen inhalt seines Buches konzentrieren und sich nicht auf Nebenthemen beziehen. Da versucht S. ja nur, seine Meinung zu begründen. Nun kann eine falsche Begründung durchaus auch zu richtigen Schlußfolgerungen führen, was jeder anerkennen muß, der sich mit Philosophie beschäftigt.
    Man sollte sich also mit seinen Schlußfolgerungen beschäftigen, und die kann man anerkennen oder nicht, aber nicht an Details herumalbern.
    Und S. Schlußfolgerungen sind es allemal Wert, diskutiert zu werden.

  7. 7 Carl 26. September 2010 um 16:51 Uhr

    Dir sind (beziehungsweise ist) Mersch/Waider also auch ein Begriff? Mir sind diese nämlich nicht nur bei Amazon, sondern auch schon in diversen Debatten bei Zeitschriften untergekommen. Ich dachte immer, es wäre ein seltsamer Zufall, dass ich so oft auf sie treffe. Anscheinend aber sind sie vielbeschäftigt.

  8. 8 Andreas 26. September 2010 um 20:50 Uhr

    @Carl,

    Peter Mersch schreibt ja seit einiger Zeit auch bei Google-Knol, wie sein Kollege Volkmar Weiss auch. Da ich dort schon sehr viel länger bin, hat jetzt eine Lena Waider eine Diskussion mit mir begonnen: Kommentare zum Artikel „Dekadenz“

    Liebe Grüße
    Andreas

  9. 9 Andreas 26. September 2010 um 21:01 Uhr

    @Hartwig

    Ich sehe nicht, dass Sarrazin irgendwelche bahnbrechenden Schlussfolgerungen von sich gegeben hat. Er ist doch nur in den Medien, weil er zum einen provoziert: mal soll der Hartz-IV-Satz drastisch gesenkt werden, dann sollen Arbeitslose im Winter nicht heizen, dann soll das Kindergeld um 50 Prozent gekürzt werden, wenn die Kinder zweimal die Hausaufgaben nicht gemacht haben, usw. Wenn ich wollte, könnte ich mir auch ein paar Bier trinken und mir dann ein paar originelle Repressionsmöglichkeiten ausdenken. So schwer ist das nicht. Den Eugenik-Scheiß hat er von Volkmar Weiss abgeschrieben oder von Gunnar Heinsohn. Zum zweiten ist er in den Medien, weil sein Buch in einer nie zuvor dagewesenen Weise promotet wurde: Fünfseitiger Vorabdruck im SPIEGEL, jeden Tag eine ganze Seite in der BILD (weißt du wie teuer eine ganze Seite in der BILD ist?), Stilisierung als Medien-Opfer in der FAZ und im FOCUS, Werbund durch den BERTELSMANN-Konzern, und das alles eine Woche vor Herausgabe seines Buches. Mit diesem Werbeaufwand würde JEDES Buch auf Anhieb mehrere hunderttausend Mal verkauft werden. Nichts von dem, was Sarrazin schreibt, ist auch nur annähernd seriös oder diskussionswürdig. Es ist dumm und peinlich.

  10. 10 Carl 27. September 2010 um 10:38 Uhr

    „Nun kann eine falsche Begründung durchaus auch zu richtigen Schlußfolgerungen führen, was jeder anerkennen muß, der sich mit Philosophie beschäftigt.“

    *lol* So möchte ich mal einen Studenten argumentieren hören: „Prof, der statistische Teil meiner Arbeit ist zwar verkackt, aber ich bin sicher, dass meine Schlussfolgerungen richtig sind“.

    Ein Plädoyer für mehr Hellseher als wissenschaftliche Berater der Bundesregierung: Manchmal sagen die auch Dinge voraus, die wirklich passieren. Ist jedenfalls nicht auszuschließen, dass es mal passieren könnte. Falsche Wissenschaftliche Methodik, Schlussfolgerungen könnten manchmal unter Umständen richtig sein: Mehr Steuergelder für Hellseher.

    Wozu brauchen wir überhaupt eine Wissenschaft? Schließlich kann jeder auch so auf Schlussfolgerungen kommen, die unter Umständen richtig sind. Schafft die Schulen und Unis doch ab. War es im Mittelalter nicht auch recht schön?

  11. 11 Carl 27. September 2010 um 12:48 Uhr

    In der Diskussion um den hier verlinkten Dekdenzartikel schreibt eine Person, die sich Lebna Waider nennt, und die anscheinend hier mitliest: “
    Zum Artikel dort: Der ist grob falsch. Die Korrelationsangaben von r=0,5 und r=0,8 (in einer Fußnote von „Deutschland schafft sich ab“) beziehen sich darauf, dass die Ergebnisse verschiedener Intelligenztests der gleichen Person miteinander korrelieren, und zwar im Erwachsenenalter stärker als in der Kindheit.“

    Tatsächlich scheint das wahr zu sein. Sarrazin arbeitet sogar noch ungenauer als von mir angenommen. Dazu schreibt Eichener:

    „In der Originalquelle heißt es: „1. Die hohen Langzeitstabilitäten in der Intelligenzleistung, die bereits in der frühen Kindheit um r = .50 betragen und ab der späten Kindheit auf über r = .80 ansteigen, sprechen für das Vorliegen eines stabilen Persönlichkeitsmerkmals.“ (S. 417f.) Hier tauchen also die Werte 0,50 und 0,80 auf – aber es sind keine Prozentsätze, sondern es handelt sich hier um den Produkt-Moment-Korrelationskoeffizienten nach Bravais/Pearson, das in der Statistik am häufigsten verwendete Zusammenhangsmaß. Tatsächlich kann man eine Korrelation auch in Prozent ausdrücken, nämlich wie viel Prozent der Varianz der abhängigen Variable durch die unabhängige erklärt werden. Dieses Maß wird vom Determinationskoeffizienten R2 angegeben, dieser ist aber das Quadrat von r, in unserem Fall also 0,25 und 0,64. Wenn hier etwas variiert, dann ist es nicht zwischen 50 bis 80 Prozent, sondern zwischen 25 und 64 Prozent.

    Genau der gleiche Fehler, nämlich r mit R2 zu verwechseln, findet sich auf Seite 98. Auch hier spricht Sarrazin von einer Korrelation der Intelligenz getrennt aufgewachsener eineiiger Zwillinge von „78 Prozent“. Die Fachliteratur[8] spricht dagegen von Korrelationskoeffizienten von r = 0,67 (was einem R2 von 45% entspricht) bis r = 0,78 (R2 = 61%), was auch nicht übermäßig viel sagt, weil die sozioökonomischen Kontexte, in denen getrennte Zwillinge aufwachsen, häufig im Hinblick auf die Lernbedingungen nicht dramatisch unterschiedlich sind, zumindest keine Migrationserfahrung beinhalten.

    Der Unterschied zwischen den Koeffizienten r und R2 ist keine höhere Wissenschaft, sondern Gegenstand jeder Einführung in die Statistik, wie sie Thilo Sarrazin in seinem Volkswirtschaftsstudium absolviert hat. Deshalb kann man hier wohl davon ausgehen, dass es sich um eine bewusste Irreführung des wissenschaftlich nicht vorgebildeten Lesers handelt.

    Noch bedeutsamer ist, dass der zitierte Satz Sarrazins Behauptung auch inhaltlich nicht stützt. Bei der zitierten Korrelation geht es überhaupt nicht darum, wie viel Intelligenz erblich ist, sondern lediglich darum, dass Intelligenz ein stabiles Persönlichkeitsmerkmal darstellt, das sich in der Entwicklung eines Kindes nur wenig ändert, und zwar umso weniger, je älter das Kind ist, oder, im Umkehrschluss, umso stärker, je jünger das Kind ist. Bei jüngeren Kindern gibt es also – positive oder negative – Einflüsse auf die Entwicklung der Intelligenz, die über die erbliche Veranlagung hinausgehen. Das ist aber genau das Gegenteil von dem, was Sarrazin behauptet.“

    ICH HABE EICHENER ALSO TATSÄCHLICH FALSCH WIDERGEGEBEN. ER SAGT ZWAR, DASS SARRAZIN NICHT IN DER LAGE IST KORRELATIONEN ZU INTERPRETIEREN, ABER ER SAGT AUCH DASS ES IN DE QUELLE NICHT MAL UM DIE KORRELATION DES IQS VON ZWILLINGEN GEHT, WIE VON MIR ANGENOMMEN SONDERN UM DIE KORRELATION MEHRERER BEI EINER PERSON DURCHGEFÜHRTEN IQ-TEST.

    DADURCH IST SARRAZINS VORGEHENSWEISE NOCH PROBLEMATISCHER.

    Entschuldigung also, dass ich Sarrazin zu positiv dargestellt habe, „Lena Waider“.

  12. 12 Anonym 27. September 2010 um 14:03 Uhr

    Nein, Ihre Ausführungen zu r und R2 sind völlig irrelevant. Sarrazin gibt im Großen und Ganzen das wieder, was Stand der Wissenschaften ist, nachzulesen in der Fachliteratur oder im US-Wikipedia. Mit Ihrer Vorgehensweise kann man auch den Klimawandel totreden. Dann wird die behauptete Erhöhung des Meeresspiegels um 1 Meter in x Jahren mit dem Satz zurückgewiesen, die Rechnung sei völliger Unsinn. In Wirklichkeit seien es nur 85 cm. So etwas ist lächerlich.

  13. 13 Andreas 27. September 2010 um 15:56 Uhr

    Soweit ich weiß haben alle größeren fachwissenschaftlichen Organisationen, die sich bisher zu Wort gemeldet haben, wie bspw. der VBIO als Dachverband der Biowissenschaftler und -wissenschaftlerinnen, Sarrazins Aussagen zurückgewiesen. Wenn also seine Schlussfolgerungen nicht mit dem wissenschaftlichen Mainstream übereinstimmen und wenn er nachweislich Korrelationen nicht richtig interpretiert, dann bleiben einfach nur noch esoterische Thesen. Gefährliche esoterische Thesen.

  14. 14 Anonym 27. September 2010 um 17:24 Uhr

    Der VBIO ist in der Frage nicht die zuständige Fachdisziplin, da es nicht um Genetik geht. Relevant ist hauptsächlich die Lehrmeinung der Psychologen und Intelligenzforscher, auf deren Ergebnisse sich Sarrazin beruft und auch berufen kann.

    Die Kritik an Sarrazin in diesem Punkt ist haltlos und unwissenschaftlich.

  15. 15 Andreas 27. September 2010 um 18:03 Uhr

    Aha. Sozialgruppenspezifische „Vererbung von Intelligenz“ soll also im Wesentlichen biologisch bedingt sein. Wenn der Dachverband der Biologen und Biologinnen in Deutschland sich gezwungen sieht, zu intervenieren, wird er in dieser Frage kurzerhand für inkompetent erklärt. Dennoch brüstet sich Sarrazin damit, evolutionsbiologische Fragen in die Politik eingebracht zu haben. Ich gebe zu, dass mein Auffassungsvermögen in dieser Frage – wahrscheinlich erblich bedingt, ich bin nämlich Arbeiterkind – an die Grenzen gerät.

  16. 16 Anonym 27. September 2010 um 19:19 Uhr

    Ja, der VBIO ist in diesen Fragen inkompetent, weil er populationsgenetische Aussagen aus Gen-Unterschieden herleiten möchte. Darum geht es in der Fragestellung aber nicht. Ganz typisch der folgende Absatz:

    „Dass es bei Volksgruppen genetische Unterschiede in Bezug auf Intelligenzleistungen geben könnte, ist nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens nicht zu erwarten. Intelligenz wird von vielen Genregionen beeinflusst, die in jedem Individuum neu zusammengewürfelt werden. Das kann zu großen Unterschieden innerhalb einer Gruppe führen, wirkt aber gleichzeitig im Vergleich zwischen Gruppen wie ein Puffer. Wissenschaftlich formuliert: die Varianz innerhalb der Gruppe übersteigt die Unterschiede zwischen Gruppen bei weitem. Selbst wenn es zu lokalen Veränderungen der Häufigkeit von Genvarianten kommen sollte (wie z.B. durch Inzucht in Alpentälern), würden diese Verteilungsunterschiede im Falle von Rückkreuzungen schnell wieder ausgeglichen (dafür reicht bereits ein 1%-iger Genfluss). Es ist daher davon auszugehen, dass jede Volksgruppe grundsätzlich das gleiche genetische Potential für Intelligenzleistungen hat.
    Dass es auch messbare Unterschiede in Intelligenzleistungen gibt, liegt nur daran, dass die Intelligenztests durch kulturelle Vorerfahrungen beeinflusst werden. Jede Volksgruppe, die einen Intelligenztest auf der Basis ihrer eigenen Kultur entwickeln würde, würde feststellen, dass die meisten anderen Kulturen durchschnittlich schlechtere Leistungen zeigen als die Mitglieder des eigenen Kulturkreises. Da aber kulturelle Traditionen nicht genetisch festgeschrieben sind, können sie sich auch innerhalb einer Generation verändern. Die Großmutter ist dem Enkel bei Formulierung von handschriftlichen Briefen haushoch überlegen, während sie mangels einschlägiger Erfahrungen bestimmte (Intelligenz?) Leistungen am Computer nicht erbringen kann.“

    Wenn man das zu Ende denkt, dann dürfte es auch keine mittleren Größenunterschiede zwischen Japanerinnen und deutschen Frauen und dann gegenüber Massai-Frauen geben. Die gibt es aber. Dennoch gibt es genügend Japanerinnen, die die meisten deutschen Frauen überragen.

    Bestimmt schreibt der VBIO demnächst, dass die Pygmäen nicht wirklich klein sind. Man habe nur politisch unkorrekt gemessen:
    http://nachrichten.t-online.de/pygmaeen-studie-widerlegt-lehrmeinung-ueber-kleinwuechsigkeit/id_13687950/index

    Es ist furchtbar, was in der Sache publiziert wird, wie Dinge geleugnet werden, die jeder Mutter bekannt sind.

  17. 17 Andreas 27. September 2010 um 19:42 Uhr

    Die Genkombination, die menschliche „Intelligenz“ ermöglicht, ist also nicht komplexer als die Genkombination, die Wachstumshormone produziert?

  18. 18 Würg 27. September 2010 um 19:54 Uhr

    „Es ist furchtbar, was in der Sache publiziert wird, wie Dinge geleugnet werden, die jeder Mutter bekannt sind“

    Mütter als natürliche Rassezüchter fühlen durch angeborene Instinkte automatisch, wer für die Rasse nützliches Ermaterial in welcher Ausprägung in sich trägt. Wozu brauchts da Wissenschaft?

  19. 19 Anonym 27. September 2010 um 23:06 Uhr

    „Die Genkombination, die menschliche „Intelligenz“ ermöglicht, ist also nicht komplexer als die Genkombination, die Wachstumshormone produziert?“

    Siehe aber:
    http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/mensch/hirnforschung-intelligenz-liegt-in-den-genen_aid_381723.html

    Warum sollte die unterschiedlich starke Myelinisierung der Axone genetisch komplexer sein als die unterschiedliche Körpergröße? Aktuell kennt man die verantwortlichen Gengruppen weder hier wie da.

    Und warum sollte die Grobstrukturierung des Gehirns genetisch komplexer sein als die Strukturierung der menschlichen Organe und des Blutkreislaufes?

    Gibt es Menschen mit von Natur aus unterschiedlich leistungsstarken Herzen, mit Genen, die das Risiko für bestimmte Herz-Kreislauferkrankungen erhöhen, oder gibt es die nicht?

    Ich würde raten, sich erst einmal grundsätzlich in diese Dinge einzuarbeiten, bevor gesellschaftspolitische Schlüsse gezogen werden, die nicht auf Fakten, sondern auf Wünschen basieren. Manches gleicht halt der Argumentation der Kreationisten gegenüber der Evolutionstheorie: Man interessiert sich nicht für Fakten, sondern nur für das, was in einem bestimmten Buch steht.

  20. 20 Andreas 28. September 2010 um 10:56 Uhr

    Zitat: „Aktuell kennt man die verantwortlichen Gengruppen weder hier wie da.“

    Daher allein verbieten sich schon Vergleiche zwischen Körpergröße und Intelligenz.

    Wäre Intelligenz so ein einfaches Ding, wie sie es darstellen, dann könnte man genauso einfach Intelligenz-Drogen herstellen wie künstliche Wachstumshormone. Dann würden wir die dummen digitalen Superrechner über Bord werfen, dann würden künstliche Computer Menschen nicht nur beim Schach, sondern auch beim Go schlagen. Zwischen Körperwachstum und Intelligenz scheint aber nunmal ein großer Unterschied zu bestehen. Und die Aussage von VBIO ist ganz klar: die Komplexität ist so groß, dass sich damit keine sozialgruppenspezifischen Zementierungen machen lassen – trotz mehreren tausend Jahren Klassenseparation.

  21. 21 Carl 04. Oktober 2010 um 16:46 Uhr

    Jetzt muss auch schon der Focus hier als „Quelle“ herhalten… unsere „Kurze Sätze gut“-Zeitung mit den vielen Bildern. Welche „wissenschaftliche Fachzeitschrift“ wird uns hier als nächstes präsentiert werden? Die Bild? Die Bäckerblume? Noch kürzere Sätze, noch mehr Bilder und weitere bemerkenswerte Vorteile: Man muss sich nicht mehr mit belanglosen Ärgernissen wie Korrelationen herumschlagen. Dafür ist in jeder Bild eine barbusige Mieze. Sollte das nicht fehlende Quellenangaben mehr als ausgleichen?

    „Es ist furchtbar, was in der Sache publiziert wird, wie Dinge geleugnet werden, die jeder Mutter bekannt sind.“

    Mutti ist natürlich ganz genau so wenig eine repubtable Quellenangabe wie die Bild.

    Ich finde es interessant, dass Sarrazins Fanclub sich ständig auf „Wissenschaftlichkeit“ beruft. Die anderen sind „Ideologen“, aber man weigert sich die eigene Arbeitsweise einer wissenschaftlichen Prüfung zu unterziehen. Es wurden hier einfachste Grundlagen der Statistik nachweislich nicht beachtet. Es wurden Quellen nachweislich falsch wiedergegeben. Das ist keine Nebensache. Das macht jedes Buch, ganz gleich zu welchen Schlüssen es kommt, fragwürdig.

    Bemerkenswert auch, wie man sich einerseits Gedanken macht, dass die Akademiker aussterben, aber andererseits der Meinung ist, dass Akademiker nur dumm labern und man doch lieber einfach Mutti fragen soll. Was sind Biologen und Statistiker jetzt für euch? Intelligenzbestien oder Labersäcke? Wenn sie nur labern, warum ist es schlimm, wenn sie aussterben? Man könnte doch einfach Mutti die Wissenschaft betreiben lassen.
    Wenn sie aber so intelligent sind, warum traut man ihnen nicht zu sich in ihrem Fachgebiet auszukennen.

  22. 22 Carl 07. Oktober 2010 um 12:45 Uhr

    Herr „Peter Mersch“ bezeichnet hier: http://www.chronologs.de/chrono/blog/natur-des-glaubens/allgemein/2010-10-02/dankesrede-zum-preis-vermittlungen-zum-60.-jubil-um-der-evangelischen-akademie-villigst/page/2 den Dishwasher-Blog als Agitation.

    Ich finde es interessant zu sehen, wie jemand, der Google Knol und Wikipedia als „Quellen“ für seine Aussagen nutzt andere Leute der Agitation beschuldigt. Ebenfalls interessant, wie sehr sich die Argumentation von „Peter Mersch“ und „Lena Waider“ auch in Einzelbeispielen (Studenten-PISA) ähnelt.
    Ich hatte auch auf dem Blog dort einen Kommentar geschrieben, leider war der Bestätigungscode falsch und er wurde anscheinend nicht gesendet. Ich habe keine Lust alles noch mal zu schreiben und leider auch nicht so viel Zeit wie andere Leute.

    Ich finde es einfach nur ärgerlich, wenn ein Blog der seine Infos mit Quellen belegt, aus ideologischen Gründen gebasht wird. Kritik an diesem Blog: Super! Gerne! Aber bitte mit wissenschaftlichen Quellen!

  23. 23 Klaus Rohde 24. Januar 2011 um 1:25 Uhr
  24. 24 Andreas 24. Januar 2011 um 13:37 Uhr

    Naja, Herr Rohde, in dem verlinkten Artikel schreiben sie, dass die Statistik nicht interessiert, daher verstehe ich den Link zu der Seite nicht so ganz.

  25. 25 Klaus Rohde 10. Februar 2011 um 6:32 Uhr

    Andreas, die Statistik interessiert mich schon, nur sind die Kommentare Eicheners zumindest in einigen Hauptpunkten schlicht falsch. Siehe die letzte Version meines Sarazzin Knols:
    http://knol.google.com/k/klaus-rohde/sarrazin-und-die-folgen/xk923bc3gp4/134#view

  26. 26 Andreas 10. Februar 2011 um 11:19 Uhr

    In dem Hauptpunkt schlechthin, die unterstellte gruppensspezfische Vererbung von 50-80%, die Sarrazin aus r=0,5 bis 0,8 fälschlicherweise ableitet, hat Herr Eichener recht, wenn er auf diesen peinlichen Fehler hinweist. Sarrazin baut seine gesamte Argumentation auf diese Zahlen auf, er folgert daraus, dass es in Deutschland eine große „Population“ von „Bildungsunfähigen“ gäbe. Soweit ich weiß, hat Sarrazin noch nicht seinen Fehler eingestanden oder sich für die Unterstellungen, die er aus seinem Fehler ableitet, entschuldigt.
    Sie weisen in ihrem Beitrag auch nicht auf diesen gravierenden Fehler hin. Das ist unseriös.

  27. 27 Carl 12. Februar 2011 um 16:50 Uhr

    Ich habe mir den Teil des Artikels von Herrn Rohde, der sich mit Eichener beschäftigt, mal angesehen und dabei darauf geachtet, auf welche Quellen verlinkt wird. Folgendes ist mein Ergebnis:

    Englische Wikipedia-Enzyklopädie: dreimal verlinkt
    Deutsche Wikipedia-Enzyklopädie: einmal verlinkt
    Welt-Online: einmal verlinkt
    Weiterhin wird auf den Text von Eichener selbst verlinkt und Sarrazins Buch als Quelle herangezogen.
    Weitere Quellen dieses Abschnitts: Ich konnte keine finden.

    Das steigert die Überzeugungskraft des Textes natürlich nicht gerade. Die Wikipedia wird im allgemeinen nicht als wissenschaftliche Quelle angesehen. Hatten Sie nicht mal selbst gesagt Sie würden die deutsche Wikipedia für furchtbar schlecht halten oder verwechsele ich Sie?
    Wie dem auch sei, gucken wir uns mal einen Artikel der von ihnen in der Diskussion ihres Textes hoch gelobten englischen Wikipedia an. „Heritability of IQ“. Überprüfen wir doch mal eine Quelle. In dem Artikel steht zum Beispiel, dass man aufgrund des IQs der Eltern den der Kinder schätzen könne. Das hört sich natürlich interessant an. Sehen wir uns die Quelle 65 mal an… Oh, da geht es ja gar nicht um die Erblichkeit des IQ, in dem Artikel geht es um Erblichkeit gewisser Charakteristika von Pflanzen. Das scheint schon seit Monaten in dem Artikel zu stehen. Nein, die Qualität dieses Artikels scheint mir ganz und gar nicht gut zu sein.

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