Eishockey und der Mythos der Meritokratie

Im Folgenden findet Ihr die Übersetzung des Artikel „Hockey and Myth of Meritocrazy“ von Heide Frymiller. Sie ist derzeitige Präsidentin der „Working Class Students Union“ der University of Wisconsin – Madison, USA. Wir haben vereinbart gegenseitig Blogartikel zu übersetzen und zu verbreiten. Hier nun der erste Artikel:

Eishockey und der Mythos der Meritokratie


Ich habe gerade eine der neuesten Ergänzungen unserer WCSU Bibliothek, Outliers: The Story of Success, gelesen . Ich empfehle das Buch sehr, vor allem für jeden, der an einem kritischen Denken interessiert ist über den Prozess der sozialen Ordnung und über tief verankerte kulturelle Vermächtnisse und wie diese mit sozialer Klasse zusammenhängen.

Der Autor und Reporter Malcolm Gladwell beschreibt die Feinheiten verschiedener bekannter Erfolgsgeschichten – Bill Gates, The Beatles, John D. Rockefeller und letztendlich seine eigene – um zu veranschaulichen, wie eine glücklicher Aneinanderreihung unwahrscheinlicher Gelegenheiten der Schlüssel zum Erfolg jedes einzelnen Beispieles wurde.

Er ist nicht blind für harte Arbeit, Genialität oder Talentiertheit; er stellt aber die These auf, dass es mehr zum Erfolg braucht als diese Elemente. Zu Beginn weist er darauf hin, dass 40 Prozent der kanadischen Eishockey-Spieler im Januar, Februar und März geboren wurden .

Nichts von dem in diesen Monaten geboren zu sein, macht von Haus aus einen überlegenen Eishockeyspieler. Aber wenn vorpubertären Spieler anfangen, nach ihrer Fähigkeit aufgeteilt zu werden, dann gibt der willkürlich, bürokratisch auferlegte Stichtag 1. Januar für eine Eishockey-Alters-Klasse den ältesten Spielern einen eingebauten Vorteil gegenüber jenen im Oktober, November oder Dezember geborenen.

Sechs oder acht Monate ist nicht viel Zeit im Laufe des Lebens eines Erwachsenen. Aber wenn wir die Entwicklung Jugendlicher erwägen, sind sechs bis acht Monate entscheidend. Gladwell argumentiert, dass, wenn der Stichtag am 1. Mai wäre, würden 40 Prozent der kanadischen Eishockey-Spieler im Mai, Juni und Juli geboren sein und die Chancen würden für eine ganz andere – aber gleichermaßen qualifizierte – Gruppe der Eishockey-Spieler eröffnet werden.

Diese willkürliche Datumszuweisung reflektiert nicht die Talentverschwendung unzähliger Athleten, schreibt Gladwell , und sie gibt den älteren Spielern Chancen, die später finanzielle Belohnungen nach sich ziehen – wie College-Stipendien oder Geld und Berühmtheit, die mit der Funktion eines Profi-Eishockey-Spieler in Kanada einhergeht – teilweise wegen ihres Geburtsdatums.

Später behauptet er, dass nur in der richtigen Zeit und Ort geboren zu sein, Schlüsselmomente wurden für wesentliche Parts der Erfolge der Microsoft-Gründer Bill Gates und Ölbaron John Rockefeller.

Dieses Buch ist eine wichtige Ergänzung unserer WCSU Bibliothek wegen seiner Einsicht in die soziale Organisation und Gladwells Behauptungen, dass unsichtbare Hindernisse und Vorteile, die den Erfolg von Individuen beeinflussen, tief in unserer Systeme eingebettet seien.

Eines unserer wertvollsten nationalen Erzählungen als Amerikaner ist, dass Individuen „pulling themselves up by their bootstraps“, „sich an den eigenen Haaren aus den Sumpf ziehen“. Dieses Bild ermöglicht es uns, die nuancierte Erfahrungen des Einzelnen zu ignorieren und nicht den Nutzen und das reine Glück an der richtigen Stelle zum richtigen Zeitpunkt zu sein, anzuerkennen. Gladwell nutzt bekannte Fälle von Erfolgsgeschichten überzeugend um den Mythos der Meritokratie zu dekonstuieren.
Geschrieben von Heidi Freymiller, WCSU Communication Director

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2 Antworten auf „Eishockey und der Mythos der Meritokratie“


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