Archiv für Oktober 2010

Expertise zur Arbeiterkinder-Benachteiligung an der Hochschule

Tino und Holger Bargel von der Universität Konstanz haben im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung eine fundierte Expertise zur sozialen Benachteiligung von Arbeiterkindern an Hochschulen vorgelegt. Momentan hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes eine Studie zur „Diskriminierung an Hochschulen“ in Auftrag gegeben, die die soziale Herkunft als Diskriminierungsform ursprünglich nicht vorsah, wo die Ergebnisse der HBS-Expertise aber nun dringend einfließen müssen. Die fünfzig Seiten „Ungleichheiten und Benachteiligungen im Hochschulstudium aufgrund der sozialen Herkunft der Studierenden“ sind allen ans Herz gelegt, die eine Diskriminierung von Arbeiterkindern nur im Schul- nicht aber im Hochschulbereich wahrnehmen. Neben die vielen anderen sinnvollen Forderungen der Studie schließe ich mich auch der Forderung nach einem „Social Mainstreaming und Monitoring“ an. Eine der wichtigsten Forderungen allerdings fehlt: die nach der Selbstorganisierung und internationalen Vernetzung von studierenden Arbeiterkindern.


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Warum Deutschland wirklich verdummt

Von Andreas

Der Titel ist natürlich reißerisch: denn erstens kann ein Staat nicht „verdummen“, weil er kein Lebenwesen ist. Zweitens bin ich Kosmopolit und mich interessiert die „Dummheit Deutschlands“ nicht mehr als die anderer Staaten. Und drittens sind mir Menschenrechte wichtiger als ökonomische Verwertbarkeiten von „Humankapital“. Dennoch ist eine Studie aus Österreich spannend, wo der Wissenschaftler Max Haller der Uni Graz gefragt hat, warum es in Österreich kaum noch Nobelpreisträger gibt. Die Antwort: aufgrund der sozialen Selektion zugunsten der Privilegierung Akademikerkinder werden potentielle Nobelpreisträger schon im Schulsystem ausgesiebt. (mehr…)

BAFöG Erhöhung

Nachträglich zum 1. Oktober 2010 wird das BAFöG nun doch. Wir hatten aufgrund einer AFP-Meldung ursprünglich berichtet, dass die BAFöG-Erhöhung zum dritten Mal in Folge verschoben werden sollte. Tatsächlich wurde die Entscheidung nur um eine Woche verschoben, in der Vermittlungsausschuss zwischen Land und Bund eine konkrete Entscheidung treffen sollte. Geplant ist eine Anhebung der Bafög-Bedarfssätze um zwei Prozent. Die Einkommensfreibeträge sollen um drei Prozent steigen. Die Länder hatten sich wegen finanzieller Bedenken jedoch quer gestellt. Sie bezahlen das Bafög zu 35 Prozent mit, den Rest trägt der Bund. Die Bafög-Erhöhung wird die Länder 160 bis 170 Millionen Euro kosten. Die allgemeine Altersgrenze von 30 Jahren wird auf 35 Jahre angehoben, wenn ein Masterstudiengang absolviert wird. Auf diese Weise sollen Bachelor-Absolventen auch dann staatliche Förderung bekommen, wenn sie nach längerer Berufserfahrung weiterstudieren.

Der neue Hass auf Homosexuelle

Als Arbeiterkinder haben wir der Schwulen- und Lesbenbewegung viel zu verdanken: die Etablierung und Weiterentwicklung einer sensiblen Politikform, in der der Alltag im Mittelpunkt steht, den Begriff Klassismus, usw. Es ist mir unverständlich und es macht mich unendlich traurig und auch wütend, dass noch immer und wieder Heterosexismus zur Tagesordnung gehört. Ich möchte hier auf einen Artikel von Tobias Trapp verweisen, der im „humanistischen Pressedienst“ veröffentlicht wurde.

Gewalt, Hass, Mobbing, politische Hetze, Forderung von Berufsverboten: Je stärker die Rechte von Lesben und Schwulen institutionell verankert werden, desto aggressiver reagieren ihre Gegner. Am schlimmsten trifft es homosexuelle Teenager, deren Suizidrate um ein Vielfaches höher ist als die ihrer Altersgenossen. Manche befürchten, Amerika fiele in die Reagan-Ära zurück. Zum Artikel

Eishockey und der Mythos der Meritokratie

Im Folgenden findet Ihr die Übersetzung des Artikel „Hockey and Myth of Meritocrazy“ von Heide Frymiller. Sie ist derzeitige Präsidentin der „Working Class Students Union“ der University of Wisconsin – Madison, USA. Wir haben vereinbart gegenseitig Blogartikel zu übersetzen und zu verbreiten. Hier nun der erste Artikel:

Eishockey und der Mythos der Meritokratie


Ich habe gerade eine der neuesten Ergänzungen unserer WCSU Bibliothek, Outliers: The Story of Success, gelesen . Ich empfehle das Buch sehr, vor allem für jeden, der an einem kritischen Denken interessiert ist über den Prozess der sozialen Ordnung und über tief verankerte kulturelle Vermächtnisse und wie diese mit sozialer Klasse zusammenhängen. (mehr…)

Dishwasher wird flügge

Das „Referat für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende“ im AStA der Uni Münster, hatte Anfang des Jahres den Dishwasher ins Leben gerufen. Mit diesem Projekt konnten wir erstmals ein kleines bundesweites Netzwerk von Arbeiterkindern aufbauen, die sich gegen Bildungsbenachteiligung und Klassismus engagieren. Jetzt wird der Dishwasher flügge und möchte gerne auf eigenen Beinen stehen. Daher gründen wir einen Verein, mit dem wir auch Spendengelder erhalten können. Zeitgleich haben wir hier eine kleine Umfrage gestartet, wo wir euch fragen, ob ihr diesem Verein beitreten würdet und ob ihr dann bereit wäret 5 Euro im Jahr oder sogar einen Solibeitrag zu zahlen.

Dishwasher-Umfrage: neues Stipendiengesetz nicht sinnvoll

Dishwasher-Umfrage zum neuen Stipendiengesetz


Bei einer kleinen Umfrage zum neuen Stipendiengesetz beurteilten 46 der 49 Teilnehmer_innen (94%) die neuen Regeln negativ. Mehr als die Hälfte sah in dem Gesetz sogar einen Rückschritt. Diese Zahlen sind nicht repräsentativ, zeigen aber, dass zumindest bei den Dishwasher-Leser_innen das neue Stipendiengesetz sehr deutlich abgelehnt wird.

Der Hintergrund: obwohl mehrfach festgestellt wurde, dass Stipendien sozial selektiv vergeben werden – also zuungunsten von Arbeiterkindern – fanden sich im neuen Gesetzesentwurf kaum gegensteuernde Maßnahmen.

Hintergrundgespräch: Arbeitnehmer und Studierende – gemeinsame Bündnispartner für eine fortschrittliche Wirtschafts- und Bildungspolitik?

Über die Möglichkeit politischer Bündnisse von Studierenden mit Gewerkschaften und Arbeitnehmern führten Peter Mai (DGB-Vorsitzender Münster) und Tobias Fabinger (AStA-Referent für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende) ein Gespräch, welches wir hier wiedergeben. Auch die sozialen Mileus der Parteien sowie Grundsatzfragen des Bildungssystems werden angesprochen.

Tobias Fabinger:
Wir wollen heute über gemeinsame politische Aktionen und gemeinsame Interessen von Studierenden und Arbeitnehmern sprechen. Zunächst zu Deiner politischen Funktion. Peter, Du bist Kreisvorsitzender des DGB in Münster. Wir haben viele studentische Leser, die nicht so den Bezug zu Gewerkschaften haben, also ich kenne wirklich viele, die nicht mal diese Abkürzung kennen. Daher sei hier nochmal kurz erklärt, dass DGB Deutscher Gewerkschaftsbund bedeutet. Der DGB ist der Dachverband der Einzelgewerkschaften mit insgesamt etwa 6,3 Millionen Mitgliedern. Nun gibt es den DGB auch auf Kreisebene. Also wie habe ich mir so einen Kreisverband vorzustellen? (mehr…)

WCPCA Conference 2011

Von Andreas Kemper

2011 wird die WCPCA-Conference erstmals in Deutschland stattfinden. WCPCA heißt „Working Class / Poverty Class Academics“ und meint einen informellen internationalen Zusammenschluss von Akademikern und Akademikerinnen mit einer sogenannten „niedrigen“ sozialen Herkunft. Hier entsteht ein Blog zur Konferenz.
(mehr…)




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