Archiv für November 2010

Vorträge zur „Integrationsdebatte“ in Münster

Plakat zur IntegrationsdebatteAm Dienstag, 30.11.2010, finden Vorträge zur aktuellen „Integrationsdebatte“ statt. Mit dabei sind Spyros Marinos, Vorsitzender vom Integrationsrat der Stadt Münster, Mustafa Schat, HBZ (Schwerpunkt: Betriebe und Jugendliche mit Migrationshintergrund), und Ceren Türkmen, Soziologin (Berlin). Ceren Türkmen publiziert zu Migrationsfragen und Klassenzusammensetzung. Zuletzt erschien ein Beitrag in Hans-Günter Thien: „Klassen im Postfordismus“ (Münster 2010).

Die Veranstaltung findet statt am 30. November, 19 Uhr, in der Brücke, Wilmergasse 2, Münster. Veranstalter ist ODAK e.V.

Ist Einfühlungsvermögen klassenabhängig?

Von Andreas Kemper

Eine Studie von kalifornischen und kanadischen WissenschaftlerInnen entdeckte Korrelationen zwischen der Klassenzugehörigkeit und dem Einfühlungsvermögen: Angehöroge einer niedrigen Klasse könnten sich demnach besser in andre hineinfühlen als Angehörige einer höheren Klasse. Auf Telepolis diskutiert Florian Rötzer die Studie unter dem Titel „Sind die Reichen gefühlsblind?“. Auch an Hochschulen gibt es ähnliche Überschneidungen. Dort, wo das Klima zwischen Profs und Studierenden und das Klima unter Studierenden besser ist, studieren mehr Arbeiterkinder. Dies sagt allerdings noch nichts über Ursache und Wirkung aus. (mehr…)

Habitus- und Wissensvorsprung

Von Silke (Hamburg)

Hi!

Ich bin grad über euer Referat gestolpert und begeistert!!!

Wenn ich noch etwas Zeit für etwas übrig hätte, dann wäre es sicher dieser Bereich, in dem ich mich engagieren würde. Hab ich schon vorher gesagt, aber dass es tatsächlich schon in Deutschland ein Asta-Referat gibt ist großartig. (mehr…)

Postdemokratie

Von Andreas Kemper

Michael Klundt, Professor für Kinderpolitik am Fachbereich für Angewandte Humanwissenschaften der Hochschule Magdeburg-Stendal, geht in einem Artikel in der Jungen Welt („Merkels Raubzug“, 26.11.2010) auf das 2008 erschienene Buch „Postdemokratie“ des britischen Soziologen Colin Crouch ein. Zitat: „Während die demokratischen Institutionen formal weiterhin vollkommen intakt sind […], entwickeln sich politische Verfahren und die Regierungen zunehmend in eine Richtung zurück, die typisch war für vordemokratische Zeiten: Der Einfluß privilegierter Eliten nimmt zu […]“ (Crouch 2008, S.13). Was haltet ihr von der These?

Klassismus bei den Grünen – was Bündnis 90/Die Grünen beim Sprung zur Volkspartei unbedingt beachten sollten

Ein soziologisch gedeuteter Erfahrungsbericht zweier Jugendlicher und einige Anmerkungen zum Hamburger Schulkampf

von Tobias Fabinger

„Es ist sehr verletztend, wenn man ausgegrenzt wird oder die Anderen einen wie Luft behandeln“, sagt der 19jährige Richard. Wir sitzen zusammen im Café und ich interessiere mich für seine Erfahrungen mit der Grünen Jugend. Er ist sichtlich betroffen, Ärger und Verletzung sind ihm noch anzumerken. Richard hat gerade sein Abitur gemacht, ist Arbeiterkind und hat in einem der Stadtteile, die den Ruf als „sozialer Brennpunkt“ haben, ein Gymnasium besucht. „Hochgearbeitet“ hat er sich allerdings von der Hauptschule. Ein lebendiger und intelligenter junger Bursche, der über Politik reflektieren kann wie jemand, der vielleicht bereits etwas Politikwissenschaft studiert hat. Richard verfügt eindeutig über rhetorische und analytische Fähigkeiten, Politik scheint „sein Ding“ zu sein. Wie er berichtet, hat er sich ein Jahr lang bei den Grünen engagiert, dann hielt er es nicht mehr aus. Ihm wurde signalisiert, dass seine Persönlichkeit nicht zu den Grünen passe. Auch hinterfragte er einige Glaubensgrundsätze der Grünen, wie er sagt, allerdings nur, um zu einer fundierteren Argumentation zu gelangen, aber das kam gar nicht gut an. Ich spreche mit ihm über das Habitus-Modell von Bourdieu und wir versuchen, seine Erfahrung etwas aufzuklären. Zum Hintergrund: Die aktive Parteibasis der Grünen bildet ein sehr geschlossenes soziales Milieu, welches mit sehr viel „kulturellem Kapital“ und mit relativ viel „ökonomischem Kapital“ ausgestattet ist. Das soziale Milieu der Grünen bewegt sich im oberen Bereich und somit sind Konflikte mit den wenigen Parteimitgliedern aus „proletarischen“ Milieus kein psychologisches oder subjektives Phänomen, sondern sollten soziologisch gedeutet werden. (mehr…)

Veranstaltung: „Kulturkämpfe – Von der neuen Bürgerlichkeit zum Sozialrassismus?“

„Kulturkämpfe – Von der neuen Bürgerlichkeit zum Sozialrassismus?“
Eine gemeinsame Veranstaltung von NGBK und PROKLA
anlässlich der neuen PROKLA-Ausgabe 160 zum Thema „Kulturkämpfe“
30. November 2010, 19 Uhr
Oranienstraße 25
10999 Berlin, Veranstaltungsraum VH/1. OG
Es diskutieren (mehr…)

Sarrazin und der „eugenische Sozialismus“

Von Andreas Kemper
Wolfgang Ratzel widmet sich in der SoZ Nr.11/2010 „Sarrazin, Grotjahn, Olberg… Die Rede vom Volkstod. Über sozialdemokratische Volksverbesserung und eugenischen Sozialismus“. Der Artikel liefert einen guten Überblick über sozialdemokratische/sozialistische Eugeniker_innen wie Olberg und Grotjahn und verdeutlicht die Tradition, in der Sarrazin steht. Ein lesenswerter Artikel. Nur die Schlussfolgerung ist zu kritisieren, dass der Kapitalismus selber heutzutage die Fittesten selektiert. Hier übersieht Ratzel, dass das neue Elterngeld ebenfalls eugenische Züge hat und dass die Diskussion um Begabung und Chancengerechtigkeit („Dekadenz der Gemeinschaftsschule“, Westerwelle) durchaus Anschlussfähigkeiten besitzt zum Eugenik-Diskurs. Sarrazins Eugenik ist nicht sein Privatgeschwätz sondern Zeitgeist der um Privilegien bemühten Mittelschicht.

Flattr this

Veranstaltung mit Lars Schmitt verschoben auf 2.12.2010

Die Veranstaltung mit Lars Schmitt „Probleme und Konflikte von Arbeiterkindern an der Universität und ihre mögliche Lösung“ wird um zwei Wochen nach hinten verschoben. Sie findet jetzt statt am Donnerstag, 02.12.2010 – wie zuvor um 18 Uhr im S6 im Schloss (Uni Münster).

Marxismus in Deutschland – Wahrheitsgehalt und Probleme, Bericht von einer Tagung

von Tobias Fabinger

Bericht von einer Tagung der Marx-Engels-Stiftung in Wuppertal

Am Samstag, dem 13.11. fand eine Veranstaltung der Marx-Engels-Stiftung in Wuppertal statt, eine Stiftung, die durchaus bedeutende Kongresse organisiert, welche auch von einem breiteren Spektrum der Linken besucht werden. Auch ist die Marx-Engels-Stiftung mit den „Marxistischen Blättern“ verbunden – eine anspruchsvolle, regelmäßig erscheinende Publikationen, deren Lektüre man empfehlen kann. Die Marx-Engels-Stiftung steht in der Tradition der marxistisch orientierten Arbeiterbewegung und bildet somit ein erfreuliches Gegengewicht zu „Antideutschen“, „destruktiven Kritikern“, „Wertkritikern“ und wie die bürgerlichen und einer politischen und sozialen emanzipativen Praxis ablehnend gegenüberstehenden und sich dennoch auf Marx berufenden Gruppen alle heißen.

Die wissenschaftliche Tagung zum 190. Geburtstag von Friedrich Engels wurde im Geburtshaus von Engels abgehalten (mehr…)

Petitionen zum BAföG Altersgrenze abschaffen

Von Andreas Kemper

Durch dieses Blog BAföG-Altersgrenze abschaffen – Jetzt Petitionen mitzeichnen wurde ich auf drei Petitionen zum Thema BAföG aufmerksam. Ihr könnt Euch online registrieren und mitstimmen. Hier der Text zu den drei Petitionen: (mehr…)

„It’s just the beginning“ Proteste gegen Bildungskürzung in Großbritannien

Wir hatten bereits vor einigen Tagen darüber berichtet, dass in Großbritannien 80% der staatlichen Finanzierung für die Hochschulen gestrichen werden sollen – betroffen sind vor allem Geistes- und Sozialwissenschaften. Damit einher soll eine Verdopplung bis Verdreifachung der Studiengebühren gehen. Jetzt kam es zu ersten Protesten.

Hier ist ein Video vom Guardian, UK, zu den Protesten

„Vorfahrt für Bildung!“ 40 Milliarden Euro mehr für die Bildung

22.09.2010: Erklärung- der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik – des Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi) – der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) – anlässlich der gemeinsamen Fachtagung „Vorfahrt für Bildung!“ Bildungs- und Wissenschaftsfinanzierung in der Krise Berlin, 18. September 2010
Zur Erklärung

Veranstaltung: Anne Schlüter: „Arbeiterkinder“ an der Hochschule

Im Rahmen der Ringvorlesung der Katholischen Fachhochschule Münster wird Prof. Dr. Anne Schlüter von der Uni Duisburg/Essen einen Vortrag über „‚Arbeiterkinder‘ an der Hochschule“ halten. Anne Schlüter hatte bereits Anfang der 1990er Jahre eine Tagung zu „Arbeitertöchtern“ organisiert und in diesem Rahmen die Sammelbände „Arbeitertöchter und ihr sozialer Aufstieg“ und „Bildungsmobilität. Studien zur Individualiserung von Arbeitertöchtern in der Moderne“ herausgegeben. 1999 erschien ihre Arbeit „Bildungserfolge. Eine Analyse der Wahrnehmungs- und Deutungsmus­ter und der Mechanismen für Mobilität in Bildungsbiographien.“ im Verlag Leske&Budrich.
Termin: Mittwoch 1.12.2010, 13.30-14.15 Uhr mit in der Kath. Hochschule, Piusallee 89, 48147 Münster, Raum 3.
Ringvorlesung Übersicht

Großbritannien: drastische Erhöhung der Studiengebühren

Von Andreas Kemper

In Großbritannien sollen nach Empfehlung des ehemaligen Chefs von BP (einem Konzern, dem all unser Vertrauen gebührt) Lord Brown, die staatlichen Zuschüsse für Universitäten um 80% gekürzt werden. Betroffen hiervon sind ausschließlich die Geistes- und Sozialwissenschaften, die überhaupt keine Zuschüsse mehr erhalten. Aufgefangen werden soll dies über eine drastische Erhöhung der Studiengebühren in Höhe von 6.000-7.000 Pfund (~ 7.000-8.000 Euro). Die Studiengebühren wurden vor fünf Jahren eingeführt. Die drei Parteien in Großbritannien werden diesem Vorschlag wahrscheinlich folgen.
Dr. Claudia Stein, Direktorin des medizinhistorischen Instituts an der Universität Warwick in England, im Interview mit dem Deutschlandfunk: Protest ist ausgerottet

Flattr this

Viel Ungleichheit, kaum Bewegung

Die den GRÜNEN nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung hat eine Studie zu sozialem Auf- und Abstieg in Deutschland vorgelegt, die ein weiteres Puzzlestück in einer Vielzahl von aktuellen Studien zur Widerlegung der Leistungsideologie darstellt. Reinhard Pollak, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung konstatierte in der Studie „Kaum Bewegung, viel Ungleichheit“,

  • dass der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und eigener Klassenposition bei den Jahrgängen 1960-1969 und 1970-1979 wieder stärker wird (S. 29ff.),
  • „dass der Einfluss des Elternhauses auf eigene Mobilitätschancen in kaum einem anderen Land so stark ausgeprägt ist wie in Deutschland“ (S. 38),
  • dass vielen „Bürgerinnen und Bürgern“ nicht bewusst sei, „dass wir uns deutlich mehr Chancenungleichheiten leisten als andere Länder und dass diese Ungleichheit nicht notwendig ist, um den Lebensstandard zu halten“ (S. 53).

(mehr…)




kostenloser Counter