Sarrazin und der „eugenische Sozialismus“

Von Andreas Kemper
Wolfgang Ratzel widmet sich in der SoZ Nr.11/2010 „Sarrazin, Grotjahn, Olberg… Die Rede vom Volkstod. Über sozialdemokratische Volksverbesserung und eugenischen Sozialismus“. Der Artikel liefert einen guten Überblick über sozialdemokratische/sozialistische Eugeniker_innen wie Olberg und Grotjahn und verdeutlicht die Tradition, in der Sarrazin steht. Ein lesenswerter Artikel. Nur die Schlussfolgerung ist zu kritisieren, dass der Kapitalismus selber heutzutage die Fittesten selektiert. Hier übersieht Ratzel, dass das neue Elterngeld ebenfalls eugenische Züge hat und dass die Diskussion um Begabung und Chancengerechtigkeit („Dekadenz der Gemeinschaftsschule“, Westerwelle) durchaus Anschlussfähigkeiten besitzt zum Eugenik-Diskurs. Sarrazins Eugenik ist nicht sein Privatgeschwätz sondern Zeitgeist der um Privilegien bemühten Mittelschicht.

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