Archiv für Dezember 2010

Unwort des Jahres 2010 gesucht

Von Andreas Kemper
Noch bis zum 07. Januar können Vorschläge für das „Unwort des Jahres“ eingereicht werden. Im letzten Jahr fand gegenüber Menschen aus den sogenannten „unteren Schichten“ ein selten zuvor erlebtes Bashing mit einem Höhepunkt von Sarrazins Veröffentlichung „Deutschland schafft sich ab“ und den entsprechenden Kommentaren.
Falls Euch bestimmte Wörter aufgefallen sind, die in besonderer Weise abwerten, teilt das hier mit. Wir werden dann zum Stichtag noch eine Liste einreichen. (mehr…)

Übersteht Weihnachten ohne große Schäden!

Ich hatte überlegt, von Seiten der Dishwasher-Redaktion allen Lesern und Leserinnen ein schönes Weihnachtsfest zu wünschen. Aber gerade für Arbeiterkinder ist dieses Fest oftmals nur eine Zumutung. Ich habe keine Ahnung wie die vielen Arbeiterkinder mit einem nicht-christlichem Hintergrund dieses Fest empfinden, daher fange ich erst gar nicht an, hier Vermutungen anzustellen, sondern bleibe bei mir. Ich lehne Weihnachten nicht rundherum ab. Es gibt schöne Kindheitserinnerungen und es macht mir Spaß, für die Kinder in der Verwandtschaft und Bekannten Geschenke einzukaufen. Aber … (mehr…)

Leistungsorientierte Mittelvergabe sozial dimensionieren

Bei einem Besuch im AStA der Uni Münster legten wir heute Svenja Schulze, Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW (SPD), folgendes Papier vor, in dem wir unter anderem fordern, dass die Mittelvergabe des Landes an die Hochschulen in NRW um so höher ausfällt, je mehr Arbeiterkinder die Hochschule absolvieren bzw. promovieren.

Leistungsorientierte Mittelvergabe
sozial dimensionieren

Die Soziale Dimension ist nicht umgesetzt

Die geforderte Umsetzung der „Sozialen Dimension“ im Bologna-Prozess findet „nicht einmal ansatzweise“ statt, kritisiert der Präsident des deutschen Studentenwerkes, Rolf Dobischat. Die Landesregierung NRW kann daran mitwirken, die Umsetzung der Sozialen Dimension im Bologna-Prozess voranzubringen.
Es arbeiten bereits verschiedene Stiftungen (Friedrich-Ebert-, Hans-Böckler-, Heinrich-Böll- und Rosa-Luxemburg-Stiftung) in Werstattgesprächen zusammen, um gezielt „Arbeiterkinder“ zu fördern.
Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung legte in diesem Jahr eine Analyse der AG Hochschulforschung der Uni Konstanz vor, in der Tino Bargel ein „Social Mainstreaming und Monitoring“ empfiehlt. (mehr…)

Offener Brief an „Destruktive Kritik“ (Gegenstandpunkt)

Von Andreas Kemper

Wir hatten gestern Abend die 10. Vollversammlung von studierenden Arbeiterkindern an der Uni Münster. Es waren im Laufe des Abends trotz heftigem Schneetreiben und Unwetterwarnung über 50 Interessierte anwesend. Es kam bei der Wahl der neuen Referenten für das „Referat für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende“ zu einer Kampfabstimmung. Ich war emotional sehr aufgebracht und habe zwischenzeitlich den Raum unter Protest verlassen. Die Kritik, die ich an Euch aus der Gruppe „Destruktive Kritik“ hier in einem offenen Brief äußere, sehe ich als Bestandteil einer wichtigen Diskussion, die bundesweit an verschiedenen Orten geführt wird (bspw. Kritik des Student_innen-Magazins „Diskus“ aus Frankfurt a.M. an die Gruppierung „Ums Ganze“). (mehr…)

PISA 2009: Überdurchschnittliche Diskriminierung in Deutschland und Österreich

Von Andreas Kemper

Auch die am 07. Dezember 2010 veröffentlichten PISA-Ergebnisse (PISA 2009) bescheinigen, dass in Deutschland und Österreich die Benachteiligung aufgrund der sozialen Herkunft größer ist als im OECD-Durchschnitt. In Deutschland werden verhältnismäßig viele Lehrkräfte pro Schüler_innen in sozioökonomisch benachteiligten Schulen eingesetzt – mehr positives lässt sich nicht sagen. In allen anderen Bereichen sind Deutschland und Österreich im Mittelfeld der Bildungsbenachteiligung bzw. noch bildungsbenachteiligender als der Durchschnitt der OECD-Staaten. (mehr…)

Theater und Kunst für Arbeiterkinder und ihre Verbündeten

An der Uni Münster hat sich eine Theatergruppe für Studierende gegründet, die an Kunst und Theater interessiert sind, aber eher eine soziale Ferne zum doch sehr elitären Kunstbetrieb aufweisen. Das Interesse am Theaterspielen ist sehr groß, doch zumeist ist der Theaterbetrieb „hochbürgerlich“ und auch studentische Theatergruppen bestehen meistens aus „bildungsnahen“ Studierenden, die viele Vorerfahrungen aus ihrem familiären Umfeld mitbringen. (mehr…)

Standesdünkel, Klassismus oder Sozialrassismus?

Von Andreas Kemper

Der 9. Band aus der Reihe „Deutsche Zustände“ kommentiert wieder ausführlich die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt zur „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“. Diesmal wird die Abwertung von Obdachlosen und Langzeitarbeitslosen besonders hervorgehoben und es gibt ein Kapitel zur Elite. Auch in diesem Band werden eine Reihe von Begriffen vorgeschlagen, um die Abwertung von Menschen aus der sogenannten „Unterschicht“ zu bezeichnen. Es gibt da aber noch keine klare Linie, wie auch sonst werden die Begriffe durcheinander geworfen. Zudem warnen antirassistische Aktivist_innen davor, Begriffe wie Klassenrassismus oder Sozialrassismus zu benutzen, weil hierdurch die Benennung von alltagsrassistischen Haltungen / Handlungen erschwert wird.
Der Dishwasher hat eine Umfrage gestartet, die ihr in der rechten Spalte findet, ihr müsst aber erst oben auf „Artikel“ klicken, damit ihr auf die Hauptseite kommt.
Diskutieren könnt ihr hier in den Kommentaren…

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Unicef: Deutschland und Österreich benachteiligen arme Kinder in der Bildung

Die UNICEF-Studie The Children Left Behind stellt Deutschland und Österreich nur mittelmäßige Zeugnisse aus. Zwar sei Deutschland eines der reichen Länder mit der geringsten Ungleichheit zwischen Kindern beim Gesundheitszustand. Nach wie vor gehören aber Deutschland und Österreich, deren Schulsysteme beide durch eine frühe soziale Selektion gekennzeichnet sind, zu den reichen Ländern mit den größten Unterschieden im Bildungsgrad zwischen Schülern armer und reicher Eltern. Im Bildungsbereich werden die „armen Kinder zurückgelassen“. Die UNICEF hierzu:

In drawing attention to the depth of disparities revealed, and in summarizing what is known about the consequences, it has argued that ‘falling behind’ is a critical issue not only for millions of individual children today but for the economic and social future of their nations tomorrow.

ADS erkennt „Soziale Herkunft“ als potentiellen Diskriminierungsgrund an

Von Andreas Kemper

Wir hatten vor einem Jahr darüber berichtet, dass die Antidiskriminierungsstelle des Bundes einen Forschungsauftrag zu „Diskriminierung an Hochschulen“ vergab, mit dem über die im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verzeichneten Diskriminierungsformen untersucht werden sollten. Das Problem an dieser eigentlich lobenswerten Untersuchung bestand darin, dass „Soziale Herkunft“ nicht im AGG vorkam und dass somit von vornherein auch gar nicht untersucht werden sollte, ob es eine Benachteiligung von Arbeiterkinder an Hochschulen geben könnte. Wir intervenierten, schalteten die Presse ein, so berichtete bspw. die Frankfurter Rundschau über diese Form von Diskriminierungshierarchie und nahmen Kontakt zu einzelnen Wissenschaftlern auf, die an der Studie beteiligt sind. Wir freuen uns mitteilen zu können, dass nun „soziale Herkunft“ auch offiziell auf der Internetplattform der Antidiskriminierungsstelle des Bundes auftaucht:

Anhand des Modellprojekts „Diskriminierungsfreie Hochschule“ sollen Indikatoren entwickelt werden, die benachteiligende Strukturen und Mechanismen deutlich machen. Unabhängig davon, ob es um Alter, Behinderung, ethnische Herkunft, Geschlecht, Religion, Weltanschauung, sexuelle Identität oder auch soziale Herkunft geht.


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Studentenwerk: Jetzt die „Soziale Dimension“ verwirklichen

Pressemitteilung des deutschen Studentenwerkes

Bologna: Jetzt die „soziale Dimension“ realisieren!

  • Studentenwerke vermissen „verbindliche Handlungsgrundlage“ für alle Bologna-Staaten
  • Rolf Dobischat, Präsident des Deutschen Studentenwerks: „Soziale Dimension ist Stiefkind im Bologna-Prozess“

Berlin, 1. Dezember 2010. „Die soziale Dimension wird von der Politik mehr beschworen als mit Leben gefüllt. Sie ist ein Stiefkind im Bologna-Prozess“, kritisiert Prof. Dr. Rolf Dobischat, der Präsident des Deutschen Studentenwerks (DSW). Die 58 Studentenwerke in Deutschland, die sich auf Einladung des DSW am Dienstag und Mittwoch zu ihrer Jahresversammlung in Berlin trafen, vermissen eine konkrete und verbindliche Handlungsgrundlage der 46 Bologna-Staaten. (mehr…)

„Vereisung des sozialen Klimas“

Im neunten Bericht der Langzeitstudie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ wird konstatiert, dass insbesondere Reiche Arme abwerten. Dem Tagesspiegel zufolge würde die Hälfte der Nettoverdiener mit 2.600 Euro aufwärts Langzeitarbeitslose abwerten, die taz zitierte Heitmeyer mit den Worten: „eine zunehmend rohe Bürgerlichkeit“. Der exakte Begriff für diese Abwertung ist „Klassismus“. Geringverdiener seien gegenüber Nettoverdiener solidarischer eingestellt. Während der Wirtschaftskrise sei bei den Besserverdienenden, die in der Studie 20% der Bevölkerung ausmachen, auch die Islamfeindlichkeit und der Rechtspopulismus gewachsen. Auch focus-online gibt Wilhelm Heitmeyer wieder und titelt mit: „Krise macht viele Besserverdiener zu Sozialdarwinisten“. Dort heißt es: „‘In der Krise haben viele Besserverdiener erstmals gemerkt, was finanzielle Einbußen bedeuten‘, sagte Studienleiter Wilhelm Heitmeyer. Dadurch seien mühsam erlernte soziale Normen und Werte in Vergessenheit geraten, der Sozialdarwinismus habe zugenommen.“ Und hier noch die Tagesschau zum Thema.
Wir werden demnächst ausführlicher über die Studie informieren.
Vor wenigen Tagen hatten wir über eine kanadisch/kalifornische Studie berichtet, die bei Gutverdienenden mit akademischen Hintergrund ein Defizit an Einfühlungsvermögen festgestellt hatte.

Arbeiterkind.de bietet Sprechstunden an der FH Münster an

Pressemitteilung der FH Münster
„Arbeiterkind.de“ fördert Arbeiterkinder
Initiative bietet ab sofort Sprechstunden an der Fachhochschule Münster an

Münster (1. Dezember 2010). Von 100 Akademikerkindern beginnen 71 beginnen nach dem Abitur ein Studium. Von 100 Arbeiterkindern gerade einmal 24, so die Ergebnisse einer Studie des Deutschen Studentenwerks. Zahlen, die sich bald ändern sollen, wenn es nach der Initiative Arbeiterkind.de geht. Der Verein setzt sich für Schüler und Studierende aus nicht-akademischen Haushalten ein. Seit Anfang November bietet der Verein regelmäßig eine offene Sprechstunde an der Fachhochschule Münster an. (mehr…)

Vollversammlung der studierenden Arbeiterkinder

Vollversammlung Donnerstag, 16.12. 18 Uhr AStA Uni Münster, Schlossplatz 1, Plenumsraum

Zum zehnten Mal wird es eine Vollversammlung von studierenden Arbeiterkindern an der Universität Münster geben. Während der Vollversammlung wird darüber beraten, wie die Situation von Arbeiterkindern im Bildungssystem verbessert werden kann. Es wird die Arbeit vom „Referat für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende“ vorgestellt, die amtierenden Referenten sind gegenüber dieser Vollversammlung rechenschaftspflichtig. Und es werden für das nächste Jahr neue Referent_innen gewählt. Die Stelle im AStA wird mit einer Aufwandsentschädigung in Höhe des vollen Bafög-Satzes vergütet. Bislang war es üblich, dass sich zwei (oder drei) Interessierte diese Stelle teilten. (mehr…)

“Bildungsferne” und Arbeiterkinder im Studium – Analysen und Hilfen für einen manchmal steinigen Weg; Veranstaltung an der Uni Münster

Oder: Warum scheinbar psychologische Studienprobleme manchmal soziale Ursachen haben

Wenn Arbeiterkinder sich in ihrer Studiensituation nicht so wohl fühlen oder in bestimmten Situationen keinen Draht zu Kommilitonen haben, glauben sie, es läge an ihnen. In Wirklichkeit stehen soziale Strukturen dahinter: Die Arbeiterkinder und Studierenden aus “bildungsfernen Schichten” geraten aufgrund ihres “Habitus” in einer bürgerlich-akademischen Umwelt in Konfliktsituationen und Kommunikationsmissverständnisse.
Es kann sogar die These gewagt werden: Die meisten Dinge, die wir erleben sind durch soziale Strukturen mitverursacht! (mehr…)




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