ADS erkennt „Soziale Herkunft“ als potentiellen Diskriminierungsgrund an

Von Andreas Kemper

Wir hatten vor einem Jahr darüber berichtet, dass die Antidiskriminierungsstelle des Bundes einen Forschungsauftrag zu „Diskriminierung an Hochschulen“ vergab, mit dem über die im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verzeichneten Diskriminierungsformen untersucht werden sollten. Das Problem an dieser eigentlich lobenswerten Untersuchung bestand darin, dass „Soziale Herkunft“ nicht im AGG vorkam und dass somit von vornherein auch gar nicht untersucht werden sollte, ob es eine Benachteiligung von Arbeiterkinder an Hochschulen geben könnte. Wir intervenierten, schalteten die Presse ein, so berichtete bspw. die Frankfurter Rundschau über diese Form von Diskriminierungshierarchie und nahmen Kontakt zu einzelnen Wissenschaftlern auf, die an der Studie beteiligt sind. Wir freuen uns mitteilen zu können, dass nun „soziale Herkunft“ auch offiziell auf der Internetplattform der Antidiskriminierungsstelle des Bundes auftaucht:

Anhand des Modellprojekts „Diskriminierungsfreie Hochschule“ sollen Indikatoren entwickelt werden, die benachteiligende Strukturen und Mechanismen deutlich machen. Unabhängig davon, ob es um Alter, Behinderung, ethnische Herkunft, Geschlecht, Religion, Weltanschauung, sexuelle Identität oder auch soziale Herkunft geht.


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2 Antworten auf „ADS erkennt „Soziale Herkunft“ als potentiellen Diskriminierungsgrund an“


  1. 1 Matrus 05. Dezember 2010 um 16:25 Uhr

    Herzlichen Glückwunsch zu diesem Achtungserfolg. Wenn ich mich recht entsinne, schrieb der DishWasher und andere Onlinemedien, dass die Kriterien, was unter Diskriminierung fällt, seitens des Gesetzgebers vorgegeben sind. Gibt es eine Stellungnahme der beteiligten Wissenschaftler bzw. der Antidiskriminierungsstelle, wie sie es dennoch so hinbiegen konnten, dass die soziale Herkunft nun ebenfalls Gegenstand der Untersuchung ist?

  2. 2 Andreas 05. Dezember 2010 um 22:03 Uhr

    Danke, Matrus.
    Zu deiner Frage:
    Mir ist keine offizielle Stellungnahme bekannt. Ich denke, dass da einiger Spielraum ist. Die ADS kann wahrscheinlich nicht von sich aus andere als die sechs AGG-Diskriminierungsgründe thematisieren. Wenn sie aber kooperiert und die Kooperationspartner Wert darauf legen, dass auch Diskriminierungsformen wie Soziale Herkunft berücksichtigt werden müssen, dann lässt sich das wahrscheinlich vertreten.
    Von daher ist dies nur eine kleiner Erfolg. Eigentlich muss das AGG erweitert werden. Für die Erweiterung des AGG ist dies aber ein erster Schritt.

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