Theater und Kunst für Arbeiterkinder und ihre Verbündeten

An der Uni Münster hat sich eine Theatergruppe für Studierende gegründet, die an Kunst und Theater interessiert sind, aber eher eine soziale Ferne zum doch sehr elitären Kunstbetrieb aufweisen. Das Interesse am Theaterspielen ist sehr groß, doch zumeist ist der Theaterbetrieb „hochbürgerlich“ und auch studentische Theatergruppen bestehen meistens aus „bildungsnahen“ Studierenden, die viele Vorerfahrungen aus ihrem familiären Umfeld mitbringen.

Bei den Arbeiterkindern oder Studierenden mit Migrationshintergrund sind aber, wie sich gezeigt hat, gewaltige Begabungsreserven vorhanden. Die Theatergruppe hat sich fast mühelos konstituiert und befindet sich schon in der Phase des Schauspieltrainings und der Proben. Es werden aber noch Schauspieler für einige weitere Rollen gebraucht. Auch Studierende, die Bühnebauten und Bühnenbilder herstellen wollen können mitmachen.

José Francisco stammt aus Mocambique und ist ein professioneller Schauspieler und Regisseur. Auch er ist gleichsam „organisch“ in sein Tätigkeitsfeld hineingewachsen ist und an hat bereits an bedeutenden Theaterproduktionen mitgewirkt. Er ist der perfekte künstlerische Leiter für das Projekt. Geprobt wird zurzeit im „Internationalen Zentrum die Brücke“ der Uni Münster. International ist die Theatergruppe auch selbst. So sind russischtstämmige Studierende, solche mit türkischer Migrationsgeschichte, Studierende aus der Mongolei und auch deutsche Studierende dabei.

Sind schon Bildung und Politik soziale Felder, zu denen die höheren sozialen Milieus einen viel leichteren Zugang haben, so potentiert sich das in der Sphäre der Kultur, der Kunst und des Theaters noch einmal. Somit schafft diese Theatergruppe völlig neue Ansätze für das studentische Kulturleben. Aufgeführt wird das Stück „Schein und Wahrheit“ von Tobias Fabinger. „Ich schreibe seit vielen Jahren, aber immer war da diese Hürde, auch mal was zu veröffentlichen. Auch für mich ist es eine Art Befreiung, wenn nun mein Theaterstück aufgeführt wird.“, sagt Tobias Fabinger, der das Projekt auch vom AStA-Referat für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende aus betreut und die Gruppe ins Leben gerufen hat. „Ohne das begeisterte Feedback der Schausspieler wäre die Gründung nicht so einfach gewesen. Leider konnten wir von unserem Referat aus bislang nur eine minikleine Anschubfinanzierung geben, wir brauchen also weitere Förderer“, so Tobias Fabinger. Ein Problem stellt in diesem Zusammenhang auch die kommunale Kulturförderung dar, die nur Initiativen und Produzenten fördert, die bereits Stücke aufgeführt haben. Somit wird aber der Zugang für kulturell benachteiligte soziale Mileus verstellt. „Die künstlerische Qualität ist hoch, wir merken, dass wir zeitanalytische Probleme, wie den gesellschaftlichen Egozentrismus oder auch Fragen der Mechanismen im politischen Bereich ästhetisch reflektieren können. In unserer Gruppe bilden sich auch viele ganz reale soziale Probleme und Erfahrungen ab, so dass die gesellschaftskritische Intention des Stückes sehr lebendig wird – vielleicht lebendiger als bei so mancher etablierten Produktion“, so Tobias Fabinger. Natürlich ist die Theatergruppe für alle Studierenden offen. Ideal ist es, wenn Studierende mit unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft zusammenarbeiten und somit zu einem neuen Kunstverständnis finden. Diejenigen unserer Leser, die im Einzugsbereich von Münster wohnen und Interesse haben, sich an dem Projekt zu beteiligen, können über das Arbeiterkinderreferat des AStA Kontakt zur Theatergruppe aufnehmen. Auch für literaturtheoretische und kunstoziologische Fragen, steht die Gruppe zur Verfügung.

Kontakt: asta.fikus@uni-muenster

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