Offener Brief an „Destruktive Kritik“ (Gegenstandpunkt)

Von Andreas Kemper

Wir hatten gestern Abend die 10. Vollversammlung von studierenden Arbeiterkindern an der Uni Münster. Es waren im Laufe des Abends trotz heftigem Schneetreiben und Unwetterwarnung über 50 Interessierte anwesend. Es kam bei der Wahl der neuen Referenten für das „Referat für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende“ zu einer Kampfabstimmung. Ich war emotional sehr aufgebracht und habe zwischenzeitlich den Raum unter Protest verlassen. Die Kritik, die ich an Euch aus der Gruppe „Destruktive Kritik“ hier in einem offenen Brief äußere, sehe ich als Bestandteil einer wichtigen Diskussion, die bundesweit an verschiedenen Orten geführt wird (bspw. Kritik des Student_innen-Magazins „Diskus“ aus Frankfurt a.M. an die Gruppierung „Ums Ganze“).

Machiavellismus

Die Auseinandersetzungen mit der münsteraner Gruppe „Destruktive Kritik“, die der Redaktion „Gegenstandpunkt“ nahe steht, ist alt. Seit Jahren diskutiere ich mit Euch über Eure Kritik an der Chancengleichheit, die ich verkürzt finde. Da ich bereits im April einen längeren Artikel verfasst habe, möchte ich das an dieser Stelle nicht vertiefen. Nur soviel: ihr sagt, es wäre uninteressant sich für Arbeiterkinder im Bildungssystem einzusetzen, weil es ja egal sei, ob die Führungskräfte aus einer Arbeiter- oder aus einer Akademikerfamilie stammen. Der Kapitalismus insgesamt sei das Problem. Ihr sagt, der Staat steht Arbeiterkindern neutral gegenüber. Darin läge eine soziale Selektion begründet, denn es werde ignoriert, dass Arbeiterkinder es schwerer haben würden, die gleichen Leistungen zu erbringen wie Akademikerkinder. Darüberhinaus fände aber keine soziale Selektion statt, der Staat würde das Leistungsprinzip umsetzen.
Auf meine Entgegnung, dass der Staat das Leistungsprinzip nicht umsetzt, sondern dass Arbeiterkinder trotz gleicher Noten benachteiligt werden, wird dann verschieden reagiert:

  • die empirischen Quellen werden geleugnet oder als nicht aussagekräftig zurückgewiesen,
  • das sei uninteressant, da trotzdem das Konkurrenzprinzip gelte
  • es wird mir unterstellt, ich würde das Leistungsprinzip verteidigen.

Okay, darauf gehe ich jetzt nicht näher ein, das findet sich alles in dem oben verlinkten Artikel, auf den ihr trotz mehrfacher Hinweise nicht geantwortet habt.

Was ich euch hier vorwerfe ist die Intstrumentalisierung des Arbeiterkinderreferates. Zum Hintergrund: Das Fikus-Referat wird einmal im Jahr auf einer Vollversammlung von studierenden Arbeiterkindern gewählt. Wir überlassen es der Selbsteinschätzung der Teilnehmenden, ob sie sich als Arbeiterkinder sehen oder nicht, weil es viele Grauzonen gibt. Trotz dieser Grauzonen gibt es aber auch Grenzen. Mein Vorwurf ist, dass jemand aus eurer Gruppe, dessen Mutter Grundschullehrerin ist, sich vor einem halben Jahr als Referent wählen lassen hat (mit Unterstützung aus euren Reihen), um vom Referat aus drei Veranstaltungen der Destruktiven Kritik zu organisieren, die keinen direkten Bezug mit der Problematik der Klassenreproduktion bzw. Bildungsbenachteiligung hatte, wo auf den Flugblättern und Plakaten die Destruktive Kritik erwähnt wird, nicht aber das Fikus-Referat, wo am Ende der Veranstaltungen dann nicht darauf verwiesen wurde, dass es noch mehr Veranstaltungen des Fikus-Referates gibt, sondern wo obligatorisch auf das wöchentliche Treffen der Destruktiven Kritik verwiesen wurde. Es bestand kein Interesse an einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit der bisherigen Politik des Fikus-Referates oder des Dishwashers.
Kurz und gut: Das Fikus-Referat wurde von Euch instrumentalisiert. Ihr hättet wahrscheinlich genausogerne das Referat für politische Bildung besetzt, aber da ist es schwieriger reinzukommen.

Dieses instrumentelle Verhältnis zum Fikus-Referat hatte machtpolitische Effekte. Da befürchtet wurde, dass ihr wieder mit ein paar Leuten von der DK auflaufen würdet, um euren Kandidaten durchzustimmen (was sich ja auch bestätigte), bildeten drei Interessierte eine gemeinsame Liste um als Block gemeinsam gegen euren Kandidaten anzutreten. Diese machtpolitische Überlegung hatte Erfolg, sie wurden tatsächlich von einer Mehrheit gewählt. Machtpolitik und Uni-Bluff beherrschten das Klima. Ich hätte gerne einen Einzelkandidaten, der sich gestern ebenfalls zur Kandidatur für eine halbe Stelle meldete, gewählt. Das wurde unmöglich gemacht.

Das Fikus-Referat verfolgt im Gegensatz zu Arbeiterkind.de bildungspolitische Ziele. Politik heißt aber nicht gleich Machtpolitik. Ein ganz zentrales Element in der Politik von und für Arbeiterkinder ist Ehrlichkeit. Der feministische Standpunkt der Politik der ersten Person, der Hinweis darauf, dass das Persönliche politisch sei, muss von einer Politik für Arbeiterkinder geteilt werden. Es geht um die Konfrontation mit den sozialen Herkünften, um das Hinterfragen des Habitus. Arbeiterkinder werden an der Uni konfrontiert mit dem Uni-Bluff, sie werden konfrontiert mit der Scholastik, mit dem Habitus des Homo Academicus. Es wird von ihnen verlangt, sich dem bürgerlichen System anzupassen und bei diesem unfairen Spiel, wo die Schiedsrichter parteiisch sind und wo die Regeln weder klar noch demokratisch bestimmt werden, mitzuspielen. Es ist unsere Aufgabe, temporär autonome Räume ohne Scholastik und ohne Uni-Bluff zu schaffen, wo die bürgerlichen Machtmechanismen zeitweise außer Kraft gesetzt werden. In diesen Bereichen kann eine Art politischer Selbstbestimmung (eigene Bestimmung des Selbst gegen die permanente symbolische Gewalt) stattfinden.
Natürlich bin ich mir darüber bewusst, dass wir im Kapitalismus leben und dass man manchmal taktieren muss, um wichtige Ziele zu erreichen. Natürlich ist es wichtig, sich in entsprechenden Situationen auch hart machen zu können, lügen zu können etc. Die linken Theoretiker wie Gramsci, Althusser und Negri haben daher jeweils in der Gefangenschaft auf Machiavelli zurückgegriffen. Sie wurden in der Gefangenschaft zu Machiavellisten. Da hat Machivelli seinen Platz, der ja selber erst durch den Kerker und die Folter zum berüchtigten „Machiavelli“ wurde. Außerhalb des Knastes und außerhalb der unmittelbaren Existenzbedrohung ist aber eine andere Politik wichtig, nämlich eine Politik des Persönlichen, der ehrlichen Selbsthinterfragung, die wir den Gouvernementalitätsstratgien entgegensetzen können. Der Staat regiert nicht nur mit Legislative und Exekutive, sondern auch mit symbolischer Gewalt.

Für diese Politik des Persönlichen ist durchaus auch eine theoretische Auseinandersetzung wichtig. Gibt es Klassen? Falls ja, wie setzen sie sich zusammen, was sind die Unterscheidungskriterien, wie reproduzieren sie sich, welche und wessen Interessen werden verfolgt, wie verhalten sich Klassen zu anderen Strukturkategorien wie „Rasse“ und Geschlecht, wie bildet sich das in Diskursen ab, wie im Individuum? Unser Referat steht da an der Front der Diskussion. Sei es, dass der Klassismus-Ansatz vom Klassenanalysten wie Werner Seppmann niedergemacht wird (Rezension in den „Marxistischen Blättern“) oder seien es Auseinandersetzungen mit anti-rassistischen Gruppen, die den Begriff „Klassenrassismus“ kritisieren, weil dieser Begriff den Biologismus aufwerte und damit die Artikulation von ethnozentrischen Alltagsrassismen gefährde.
Und es gibt eben auch Diskussionen mit Euch. Ich erwarte, dass ihr eure Argumente stark macht, statt das Fikus-Referat als einfache Basis für die Organisierung Eurer Veranstaltungen zu nutzen. Diskutiert mit uns! Aber unterwandert uns nicht. Das geht nicht nur ins Auge und wird persönlich unangenehm, wie wir gestern gesehen haben. Sondern genauso wie Gewalt Gegengewalt erzeugt, erzeugt Machtpolitik Machtpolitik.
Die Arbeiterkinder-VV gestern abend war ein Musterbeispiel für Uni-Bluff – und daran tragt ihr eine große Mitverantwortung.

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64 Antworten auf „Offener Brief an „Destruktive Kritik“ (Gegenstandpunkt)“


  1. 1 Tobi K. 17. Dezember 2010 um 19:29 Uhr

    Lieber Andreas,
    ich möchte dies hier nutzen um meiner Empörung ausdruck zu verleihen.

    Ich war gestern einer der 50 Teilnehmer der VV. Ich habe vor 2 Semsestern angefangen in Münster zu studieren. Durch die Veranstaltung zum Theman Sarrazin bin ich überhaupt erst auf das FikusReferat aufmerksam geworden. Ich kenne diese Gruppe „destruktive kritik“ nicht bzw. habe den Namen mal auf einem Flyer zu der Veranstaltung gesehen. Doch ich bin geschockt wir brutal ihr (ich sage jetzt mal „ihr“ da es mir vorkam, was du durch deinen Brief ja auch bestätigst, dass es eine abgesprochen Gruppe in der VV gab!) mit euren „Gegnern“ umgesprugen seid! Du wirfst der Gruppe vor, sie würde ihre Leute (schließt du aus, dass es sich bei denen auch um Arbeiterkinder handelt? oder sollen Menschen mit einer andern politischen Meinung kein Stimmrecht haben??) für die Versammlung hin organisieren. Für diesen Verdacht habt ihr offensichtlich genau dasselbe getan! Das nenne ich politische Heuchelei! Das bei der VV war doch gar keine richtige Wahl! Ein Aussenstehnder wie ich hatt gar keine Chance, denn ihr hattet bereits vor der Wahl alles abgesprochen und so viele Leute organisiert das der Ausgang feststand! Du sagst ihr hattet keine andere Möglichkeit, doch das hattet ihr!!!! Der offene politische Dialog wäre das richtige Mittel gewesen. Ist der jetzt abgewählte Referent während seiner Amtszeit denn mal von euch offen kritisiert worden?? So habt ihr ein Demokratieverständnis bewiesen das ich bestenfalls bei CDU Stammtischen erwartet hätte.

    Du schreibst das Referat wäre benutzt worden. Das kann ich vielleicht nicht gut beurteilen, ich weiß nur, dass ich sehr interessante Veranstaltungen zu Sarrazin und Hartz IV besucht habe (auf denen im Übrigen auf das Fikus Referat hingewiesen wurde, ebenso übrigens in der Werbung die ich in der Nadann gelesen habe) die mich zum Nachdenken angeregt haben. Du sagst die Veranstaltungen hätten nichts mit Arbeiterkindern zu tun! Wo lebst du eigentlich??? Meine Eltern haben täglich mir Hartz IV zu kämpfen, meine ausländischen Freunde die es auf die Uni geschafft haben und auch und gerade die die es nicht geschafft haben kämpfen täglich mit Vorurteilen und Aburteilungen der Marke Sarrazin. Sind bei euch etwa nur deutsche Arbeiterkinder gemeint?? Dass das mit Arbieterkindern nichts zu tun haben soll halte ich für einen unglaublich! arroganten Standpunkt der aus einer typischen Uni-Elfenbeinturm Persepektive kommt!

    Und dann noch eine Nachfrage: Du machst zwischen dieser Gruppe eine „ihr-und-uns“ Rethorik auf. Sind denn die jetzt gewählten Referenten nicht in „anderen“ politischen Gruppen neben dem Fikus organisiert? Wenn doch, ist es dann nicht heuchlerisch dem abgewählten Referenten seine Gruppenmitgliedschaft vorzuwerfen? Oder meist du etwa die jetzigen Referenten würden ihre politischen Einstellungen aus den anderen Gruppen für das Fikus Referat an den Nagel hängen und „reine“ Arbeiterkinderpolitik machen? Tun sie natürlich nicht. Man könnte also mit der gleichen Logik schlussfolgern der Referent der zur LINKE.SDS gehört habe damit das Referat für die unterwandert.

    Zusammenfassend muss ich sagen, bin ich unglaublich enttäuscht von euch. Ich hatte mir eine nette Gruppe erhofft mit denen man als Arbeiterkind den Unialltag ein wenig leichter meistern kann, diskutieren kann und gemeinsam dafür streiten kann dass sich die Situation von uns und unserer „Klasse“ verbesert. Sattdessen habe ich eine machtpolitisch fixierte Gruppe dabei beobachtet wie sie eine politische andere Meinung mit einer abgesprochenen Wahl unterdrückt hat. Das ist nicht was ich unter Toleranz, Meinungsfreiheit und Demokratie verstehe!!!!

    Ich hoffe du wirst meinen Kommentar trotz der Kritik veröffentlichen.

    Mit enttäuschten Grüßen, Tobi

  2. 2 Administrator 17. Dezember 2010 um 21:24 Uhr

    Hallo Tobi,

    Ich hatte mir eine nette Gruppe erhofft mit denen man als Arbeiterkind den Unialltag ein wenig leichter meistern kann, diskutieren kann und gemeinsam dafür streiten kann dass sich die Situation von uns und unserer „Klasse“ verbesert.

    Wir teilen die Utopie.

    Du wirfst der Gruppe vor, sie würde ihre Leute […] für die Versammlung hin organisieren.

    Das haben sie gemacht. Es waren mehrere Leute von der Destruktiven Kritik da, die ich seit Jahren kenne, die nie etwas mit dem Arbeiterkinder-Referat zu tun hatten, die nie mal ihre Unterstützung angeboten haben. Die aber in öffentlichen Diskussionen die Positionen vertraten, dass Arbeiterkinder nicht diskriminiert werden und dass es egal ist, ob Arbeiterkinder studieren oder nicht. Sie sind gezielt zur VV zu kommen, um ihren Kandidaten durchzustimmen. Da nützen Argumente auch nichts. Erst diese Politik hat dazu geführt, dass sich drei Leute zu einer Liste zusammengeschlossen haben. Ich finde diese Entwicklung fatal.

    Für diesen Verdacht habt ihr offensichtlich genau dasselbe getan!

    Bitte halte das auseinander. Ich habe nicht kandidiert. Und ich habe 8 Stunden lang 1000 Flugblätter verteilt, wo ich neutral dazu aufgerufen habe, zur VV zu kommen. Ich habe nicht gezielt meine Freunde mitgebracht, so wie die DK das gemacht hat, sondern ich habe versucht möglichst viele Studierende für die VV zu organisieren.

    Meine Wunschkandidaten wären Florian und David gewesen. Also zwei Leute aus den beiden verschiedenen Lagern, die auf mich sehr authentisch wirkten.

    Das bei der VV war doch gar keine richtige Wahl!

    Formal gesehen war es eine richtige Wahl, aber wir sind uns einig, dass das Klima nicht gerade offen und fair gewesen ist.

    Ein Aussenstehnder wie ich hatt gar keine Chance, denn ihr hattet bereits vor der Wahl alles abgesprochen und so viele Leute organisiert das der Ausgang feststand!

    Das stimmt, ein Aussenstehender hat keine Chance, wenn eine Gruppe beschließt ihren Kandidaten durchzustimmen. Daher haben sich ja die drei zu einer Liste zusammengeschlossen, weil sie jeweils alleine keine Chance gegen die Destruktive Kritik gehabt haben.

    Ich habe nicht so viele Leute organisiert, damit der Ausgang „von vornherein feststeht“, sondern ich habe eine neutrale PM verfasst und zweimal vier Stunden in der Mensa über 1000 Flugblätter verteilt und zwar offen. Weder Hendrik von der einen Fraktion noch Tobias von der anderen Fraktion haben sich blicken lassen.

    Du sagst ihr hattet keine andere Möglichkeit, doch das hattet ihr!!!! Der offene politische Dialog wäre das richtige Mittel gewesen.

    Das war es gerade, was mich so wütend gemacht hat. Es gab keine Dialogbereitschaft. Ich habe vor acht Monaten einen offenen Brief an die „Destruktive Kritik“ verfasst. Sie haben das Diskussionsangebot nicht angenommen. Es gab auch kein Interesse daran, gemeinsam zu überlegen, wie die Situation für Arbeiterkinder verbessert werden kann. Hätte es einen offenen politischen Dialog gegeben, dann hätte ich vielleicht sogar einen Kandidaten aus der DK mitwählen können.

    Ist der jetzt abgewählte Referent während seiner Amtszeit denn mal von euch offen kritisiert worden??

    Ja. Mehrmals. Und ich habe auch ihn auf den Text zur DK hingewiesen.

    ich weiß nur, dass ich sehr interessante Veranstaltungen zu Sarrazin und Hartz IV besucht habe […] Du sagst die Veranstaltungen hätten nichts mit Arbeiterkindern zu tun!

    Ich war bei der Sarrazin-Veranstaltung. Der Referent war kein Experte zum Thema und die Veranstaltung lief so ab wie immer: ein aktuelles Thema wird aufgegriffen, der Bezug zur Theorie von „Gegenstandpunkt“ wird hergestellt und dann wird darauf verwiesen, dass man am Mittwoch im Club Courage bei der „Destruktiven Kritik“ weiterdiskutieren kann. Ich hatte mit der Veranstaltung nichts zu tun. Aber so weit ich weiß, hat nicht der Referent, sondern ich den Bezug zur sozialen Selektion hergestellt. Und die Veranstalter haben nicht darauf verwiesen, dass es vom Fikus-Referat eine weitere Veranstaltung zur Sarrazin-Debatte gibt (und auf andere Veranstaltungen vom Referat oder auf die Sarrazin-Sonderausgabe des Dishwasher wurde sowieso nicht hingewiesen), sondern lediglich auf die DK-Veranstaltungen. Es lagen auch keine Dishwasher aus.
    Zur Hartz IV Veranstaltung kann ich nichts sagen, aber ich vermute mal, dass dort nach dem gleichen Muster vorgegangen worden ist: aktuelles Thema, Bezug zur Gegenstandpunkt-Theorie, Einladung zur DK.

    Natürlich kann man einen Bezug zur Klassenproblematik und zu Arbeiterkindern im Bildungssystem herstellen. Aber das kann man fast zu jedem Thema. Genauso gut kann man dann eine Veranstaltung zum Afghanistan-Krieg damit begründen, dass vor allem junge Männer aus der Arbeiterschicht, also Arbeiterkinder verheizt werden. Oder man kann eine Veranstaltung zur Klima-Katastrophe machen mit dem Argument des Umwelt-Klassismus, also damit, dass die Armen zuerst von Umweltkatastrophen betroffen sind. Da hätte ich auch nichts dagegen, das könnte sogar spannend werden – wenn denn der Bezug tatsächlich hergestellt wird. Das ist aber in den Veranstaltungen der DK nicht der Fall. Sie machen ja keine Hartz-IV-Veranstaltung um den Bezug zu studierenden Arbeiterkindern herzustellen, sondern um ihre Theorie unter die Leute zu bringen, um sie für die DK zu gewinnen.

    Sind bei euch etwa nur deutsche Arbeiterkinder gemeint??

    Es gab in der Brücke ebenfalls eine Diskussion zu Sarrazin. Diese wurde weder von der DK noch vom Fikus-Referat vorbereitet, sondern von Menschen mit einem türkischen Migrationshintergrund. Auch dort fiel die DK äußerst negativ auf, weil eine Frau mit deutschem Hintergrund von der DK unseren türkischstämmigen Genossen erklärte, dass es egal sei, ob sie im Job benachteiligt werden. Es ginge doch darum, dass Konkurrenz-Prinzip als Ganzes zu kritisieren.
    Ich glaube, von den türkischstämmigen Arbeiterkindern, die auf der VV waren, hat ganz bewusst niemand den Kandidaten von der DK gewählt.

    Im übrigen: Lies mal die Beiträge im Dishwasher. Oder das hier: Klassismus von deutschen Politikern
    Oder das: Klassismus gegen Obdachlose
    Ich habe in Wikipedia gegen sehr viel Widerstand die Artikel zu Obdachlosendiskriminierung und Abwertung von Langzeitarbeitslosen geschrieben. Also erzähl mir nicht, ich würde mich nicht damit auseinander setzen. Aber das Fikus-Referat hat andere Aufgaben. Wenn es eine Veranstaltung zu Hartz-IV macht, dann muss auch ein direkter Bezug zur Problematik der sozialen Selektion hergestellt werden. Wir hatten doch ganz lange Diskussion während der VV, ob Geld da ist, den Dishwasher weiter zu unterstützen oder ob die Tagung der WorkingClassAcademics unterstützt werden kann. Es gibt in Deutschland nur eine einzige politische Selbstorganisation von Arbeiterkindern. Diese sollte nicht die Arbeit von anderen Gruppen mitübernehmen. Es gibt schließlich in Münster Betroffenen-Organisationen, die gute Arbeit zu Hartz-IV machen. Wenn wir einen Hartz-IV-Veranstaltung machen, dann muss ein Bezug zu unserer speziellen Problematik hergestellt werden.

    Du machst zwischen dieser Gruppe eine „ihr-und-uns“ Rethorik auf. Sind denn die jetzt gewählten Referenten nicht in „anderen“ politischen Gruppen neben dem Fikus organisiert?

    Das Problem ist nicht, dass die Referenten einer politischen Gruppe angehören, sondern das Problem ist, ob im Sinne des Arbeiterkinder-Referates Politik gemacht wird, oder ob für eine bestimmte politische Gruppe gearbeitet wird und das Referat nur instrumentalisiert wird. Wenn sich herausstellen sollte, dass einer der Referenten nur Veranstaltungen für die SDS macht, dann werde ich mich genauso „brutal“ dafür einsetzen, dass er nicht wieder gewählt wird, wie ich es jetzt gemacht habe.

    Noch ein Wort zu dem „brutal“. Ich habe das Referat vor acht Jahren gegründet mit viel Unterstützung von Freunden und Freundinnen. Als das Referat durchgesetzt worden ist, bin ich zurückgetreten und ich habe mich immer nur dann wählen lassen, wenn „Not am Mann“ war oder wenn es galt, ein neues politisches Projekt im Sinne des Referates anzuschieben. Ich lebe in bescheidenen Verhältnissen und ich könnte das Geld als Fikus-Referent sehr gut gebrauchen. Ich finde es aber wichtiger, dass das Referat gut läuft. Ich reagiere aber allergisch, wenn jemand versucht, das Referat zu instrumentalisieren.

    Meine Wunschkandidaten wären David und Florian gewesen. Jewgenij und Tobias, die jetzt mit David zusammen die Liste gemacht haben und gewählt worden sind, kann ich tolerieren, aber eigentlich hätte ich es besser gefunden, wenn sie wie ich auf die Kandidatur verzichtet hätten, um junge und engagierte Leute heranzulassen.

    Was meinst du, wie das Frauen-Referat reagieren würde, wenn die DK dort eine Kandidatin aus ihren Reihen durchdrücken würde und dann den Feminismus zum Nebenwiderspruch erklärt und Veranstaltungen organisiert, die nichts direkt mit dem Frauenreferat zu tun haben (und glaube mir: die Sarrazin-Debatte (Kopftuchmädchen, Gebärzwang) und die Hartz-IV-Debatte (weibliche Armut) lassen sich auch als spezielle Frauenproblematiken verkaufen, genauso wie sie sich als spezielle Arbeiterkinderproblematiken verkaufen lassen).

    Bitte unterhalte dich doch mit Leuten aus dem AStA, um eine etwas objektivere Sichtweise auf die ganze Situation zu erhalten.

    Liebe Grüße,
    Andreas

    P.S. Hinzufügen möchte ich noch, dass dieser VV eine kleinere VV am 16. Juni vorausging. Es ging darum, eine halbe Stelle neu zu besetzen. Ich hätte diese halbe Stelle gerne besetzt, weil ich sowieso 20-30 Stunden in der Woche für das Fikus-Referat unentgeltlich arbeite, zu dem Zeitpunkt aber eine kleine Aufwandsentschädigung gut hätte gebrauchen können. Es gab für mich jedoch keine Chance diese halbe Stelle zu erhalten, weil Hendrik zur VV mit sovielen Fürsprechern gekommen ist, dass der Ausgang der Wahl von vornherein feststand. In meinen Augen hat Hendrik nicht annähernd die fachliche Kompetenz mitgebracht, die nötig gewesen wäre. Während der sechs Monate hat er einen kaum nennenswerten Beitrag zur Weiterentwicklung der Arbeit des Fikus-Referates geleistet, aber seinen monatlichen Obulus eingesteckt.

  3. 3 l 17. Dezember 2010 um 22:48 Uhr

    Das ist aber in den Veranstaltungen der DK nicht der Fall.

    bezug herstellen zu(r) (deiner) klassismus-theorie? naja, vielleicht liegt das daran, dass die zwar was zur klassengesellschaft zu sagen haben, aber das klassismus-konzept nicht tauglich finden?

    Veranstaltung lief so ab wie immer: ein aktuelles Thema wird aufgegriffen, der Bezug zur Theorie von „Gegenstandpunkt“ wird hergestellt und dann wird darauf verwiesen, dass man am Mittwoch im Club Courage bei der „Destruktiven Kritik“ weiterdiskutieren kann.

    da werden also keine inhalte vermittelt, die man dann kritisieren kann?

    Wenn es eine Veranstaltung zu Hartz-IV macht, dann muss auch ein direkter Bezug zur Problematik der sozialen Selektion hergestellt werden.

    was heißt „soziale selektion“?

    (und glaube mir: die Sarrazin-Debatte (Kopftuchmädchen, Gebärzwang) und die Hartz-IV-Debatte (weibliche Armut) lassen sich auch als spezielle Frauenproblematiken verkaufen, genauso wie sie sich als spezielle Arbeiterkinderproblematiken verkaufen lassen).

    ja, total überraschend, in der tat. das sind wirklich themen, die was mit geschlecht zu tun haben, was aber der klassismus-hauptwiderspruch-typ, lol, hier nicht so recht glauben mag, aber vielleicht auch nur nicht „tolerieren kann“.
    hartz4: unterschichten-transferbaby-geburtenschwemme, übermäßige fruchtbarkeit der unterschichtenfrau, die den staat bedroht & hetze gegen sog. „karrierefrauen“, die zu wenige hochwertige kinder werfen
    sarrazin: dito

    willst du bestreiten, dass die zwangssterilisation im NS v.a. frauen betroffen hat, zB (siehe gisela bock)?

    ps: man nennt das intersektionalität, wenn man nicht so sehr auf eine „kategorie“ fixiert ist.

  4. 4 Administrator 17. Dezember 2010 um 23:00 Uhr

    An l

    Du unterstützt meine Argumentation. Natürlich hat die Sarrazin-Debatte mit der Gender-Problematik zu tun. Ebenso wie sie mit der Problematik Soziale Selektion zu tun hat. Deswegen ist eben eine Sarrazin-Veranstaltung keine genuin auf Arbeiterkinder bezogene Diskussion, wenn sie nicht als solche ausgelegt wird.

    Deswegen ist das Fikus-Referat – die einzige politische Selbstorganisation von Arbeiterkindern – auch nicht zuständig für die Durchführung von allgemeinen Veranstaltungen zu Hartz IV oder zu Sarrazin, sondern für spezielle Veranstaltungen zu Hartz IV und zu Sarrazin, die einen direkten Bezug zur Benachteiligung von Arbeiterkindern im Bildungssystem herstellen.

    Deswegen sollte die DK andere Möglichkeiten finden ihre Veranstaltungen zu organisieren und zu finanzieren als durch das Fikus-Referat – oder aber sie ändern ihre inhaltliche Position und erkennen an, dass Arbeiterkinder diskriminiert werden und dass es Sinn macht, sich für die Interessen von Arbeiterkindern einzusetzen.

    Liebe Grüße,
    Andreas

  5. 5 l 18. Dezember 2010 um 1:18 Uhr

    hi andreas,

    Deswegen ist das Fikus-Referat – die einzige politische Selbstorganisation von Arbeiterkindern – auch nicht zuständig für die Durchführung von allgemeinen Veranstaltungen zu Hartz IV oder zu Sarrazin

    wieso? verstehe ich nicht. also arbeiterkind ist man ständig damit konfrontiert, dass familie, bekannte etc davon betroffen sind, vom kapital für „untauglich“ fürs gewinnemachen erklärt werden. wie der vorposter auch meinte: seine eltern kämpfen damit.
    von daher finde ich es gut, wenn es die bemühungen gibt, auch mal ganz grundsätzlich darüber aufzuklären: was heißt das denn, arbeiter/in zu sein? wie läuft das mit dem kapitalismus? was für eine rolle – im positiven und/oder negativen – spielt da der sozialstaat? und dann auch ideologiekritisch: wie wird denn über arbeiter/innen geredet, die „erfolgreich“ ihre arbeitskraft los werden, wie über jene, die das nicht „schaffen“? (das geht dann ja schnell richtung klassenrassismus/klassismus, bis hin zur eugenik-debatte, die ja IMMER SCHON klassenrassistisch war – das ist sozusagen deren wurzel).

    diese themen auszublenden, heißt doch auch, ein stückweit die grundlagendebatte auszublenden. das halte ich für wenig sinnvoll.

    die einen direkten Bezug zur Benachteiligung von Arbeiterkindern im Bildungssystem herstellen.

    all das ist schon beinhaltet, wenn es um die grundlagendebatte geht. selbstverständlich wäre es toll, wenn man das dann noch vertrieft richtung: wie steht ich da als arbeiterkind? was sind meine erfahrungen? wie kann ich mir auch im alltag helfen – zB durch zusammenschlüsse –, weil ja eine grundlegende gesell. veränderung eben aller wahrscheinlichkeit nach nicht morgen vonstatten geht. aber sie wird auch überübermorgen nicht vonstatten gehen, wenn man sich den grundlagendebatten – was macht denn diese gesellschaft aus, in der arbeiter/innen derart schlecht dran sind, aus? – nicht stellt.

    interessen der arbeiterkinder: was sind das für welche? es gibt, natürlich nicht nur bezogen auf die interessen der arbeiterkinder, sondern alle möglichen interessen – kritikable und nicht-kritikable. es gibt auch kritikable, die man trotzdem versteht, weils nicht anders geht etc.

    aber: was sind DIE interessen der arbeiterkinder? (analog: was sind DIE interessen der frauen? – da du dich mit der fem. theorie auskennst, weißt du, welche sprengkraft in dieser frage liegt.)

    lg, l

  6. 6 Anonymous 18. Dezember 2010 um 9:28 Uhr

    Lieber Andreas,

    du schlägst verbal auf diese Gruppe „destruktive Kritk“ ein in dem du vage Geschichten vom hörensagen (eine deutsche Frau von der DK soll…übrigens findest du das Attribut „deutsche“ wichtig? ernsthaft??) und völlig pauschale/abstrakte Kritiken (zB der Referent sein kein „Experte“ gewesen – was soll das denn heißen? Bist du so jemand der nur Leuten zuhört die einen Prof.Dr.Dr. vor dem Namen trage??) von den Veranstralungen vorbringst. Mir empfhielst du aber ich solle mich mal mit den „Leuten vom AStA unterhalten um eine objektivere Sicht“ zu bekommen. Ich denke dass muss ich nicht tun, denn für mich ist objektiv genug, dass ihr da vorgester eine Show mit dem Titel „Wahl“ abgezogen habt. Daran ändern auch ein paar Alibi-Flyer nichts mit denen ihr so arme Socken wie mich angelockt habt um der VV den Anschein einer Legitimität zu geben. Eine Gemeinheit ist so etwas!!!

    Nachdem ich deine Posts gelesen haben drängt sich mir darüber hinaus ein Verdacht auf: Kann es sein, dass du einfach nur beleidigt bist weil dir nicht auf deinen Artikel vom April geantwortet wurde und du im Juni die Wahl gegen diesen Hendrik verloren hast (nur mal interessehalber da du ja behauptest die Wahl im Juni sei abgesprochen gewesen: wie ist denn die Wahl zwischen dir und Hendrik ausgegangen?)
    Ich meine, solch politischen Enttäuschungen sollt man nicht zur Grundlage der Politik in einem Referat machen!!!

    Politisch finde ich es, vorsichtig ausgedrückt, fragwürdig die Aufgabe eines Referates für Arbeiterkinder darauf zu beschränken, dass uns beim Zurechtkommen geholfen wird. Wir brauchen doch keinen großen Bruder der uns an die Hand nimmt und uns zeigt wo wir welchen Antrag ausfüllen sondern wir brauchen Verbündete um diesen scheiß Zustand zu überwinden. Und dafür ist es total wichtig zu wissen wie dieses scheiß System funktionier und welche Rolle wir in ihm spielen. Ich fand die Vorträge dahingehend schon erhellend auch wenn nicht dauernd das Wort „Arbeiterkinder vorkam.

    Grüße, Tobi

  7. 7 Andreas 18. Dezember 2010 um 10:48 Uhr

    @l:
    grundsätzliche positionen zu finden ist okay, aber auf einer einzelnen veranstaltung unmöglich. sie sollte dann zudem vom standpunkt von und in bezug zu studierenden arbeiterkindern stattfinden, wenn sie vom fikus-referat organisiert wird.
    bisher verweigert sich zudem die dk einer grundsätzlichen debatte. siehe oben.

    @Tobi:
    ich war auf der Sarrazin-Veranstltung. wir haben vom fikus-referat bereits letztes jahr nach dem lettre-interview eine veranstaltung zu sarrazin gemacht. wahrscheinlich die einzige 2009 bundesweit. die dk-veranstaltung bliebe meilen hinter unserem wissen zurück.

  8. 8 Tobi 18. Dezember 2010 um 10:54 Uhr

    „@Tobi:
    ich war auf der Sarrazin-Veranstltung. wir haben vom fikus-referat bereits letztes jahr nach dem lettre-interview eine veranstaltung zu sarrazin gemacht. wahrscheinlich die einzige 2009 bundesweit. die dk-veranstaltung bliebe meilen hinter unserem wissen zurück. “

    Mal ernsthaft, was soll ich denn bitteschön auf so eine Nullaussage antworten???

  9. 9 Tobias Fabinger 18. Dezember 2010 um 12:58 Uhr

    Auf der Vollversammlung des Arbeiterkinderreferates des AStA der Uni Münster am letzten Donnerstag waren vor allem:

    (1) Studierende, die die Beratung des Fikus-Referates kennen – wir haben an vielen Problemen wie Studienblockaden, Habitusakteptanz, inhaltiche Fragen gearbeitet
    (2) Studierende aus den Kultur- und Wissenschaftsprojekten des Fikus-Referates (Theatergruppe beispielsweise)
    (3) Politisch und hochschulpolitisch aktive Arbeiterkinder aus dem eher linken Spektrum
    (4) Erstsemester, die ich und andere bei der Einführung ins Studium begleitet haben
    (5) Studierende aus der Studiengruppe Klassen und Soziale Mileus, die ich organisatorisch vorbereitet habe und die Andreas derzeit moderiert.
    (6) Studierende, die durch die Werbung angesprochen wurden – Werbung durch Flyer und Plakate und Werbung durch die Verschickung der Einladung an das Umfeld und an diejenigen, die das Fikus-Referat bereits von seinen Angeboten her kennen – und BEIDES hat, wie ich finde, sehr gut funktioniert.

    Das war niemand anders als die Basis der Arbeiterkinder, die es rund um das Fikus-Referat mittlerweile gibt, die gestern hauptsächlich anwesend war. Diese Basis zu schaffen war mühsam und es steckt viel Arbeit darin. Ich persönlich habe viele Studierende eingeladen mit dem Satz: „Wählt, wen ihr für kompetent haltet, bildet Euch selbst eine Meinung. Aber wir brauchen viele Teilnehmer, um eine möglichst gut legitimierte Vollversammlung zu haben“.

    Es war also die gestern anwesende Mehrheit kein „machiavelistischer Block“, sondern eine bunte Mischung aus Studierenden Arbeiterkindern, Studierenden mit Migrationsgeschichte, sozialistisch orientierten Arbeiterkindern und vielen anderen. Niemand wusste vorher, ob wir es schaffen würden, eine Mehrheit für das Programm unserer Liste, die aus drei Kandidaten bestand, zu gewinnen. Zum Glück ist uns das schließlich gelungen. Dies war gerade ein Beispiel dafür, dass sich eine substanzielle Mehrheit gegen eine machiavelistisch agierende Minderheit durchsetzen kann (Und auch die destruktive Kritik hat ja, das sei ihr angerechnet, einen sehr sanften Machiavelismus praktiziert, Machiavelismus beinhaltet weitaus schlimmere Methoden und ich freue mich, dass die destruktive Kritik ja doch eben nicht denselben Machtwillen wie eine Partei hat) Übrigens drückt eine kontroverse Wahl immer die Wahlbeteiligung nach oben und das ist doch super! Es war doch auch spannend und dramatisch – nicht nur von einer „machiavellistischen“ Atmosphäre geprägt. Der kleine „Mephistopheles“ der destruktiven Kritik hat doch dialektisch das Gute mobilisiert, in dem die ingesamt auch sehr heterogenen Arbeiterkinder (kulturelle Herkunft, Studiengänge, politische Orientierung usw.) gemeinsam einen politischen Mehrheitswillen entwickelt haben :-)

    Die kritische Befragung der destruktiven Kritik war nicht strategisch, sondern wirklich von inhaltlicher Kritik geprägt. Wir, die drei Kandidaten, jetzt Referenten, haben im Vorfeld ein inhaltlich, wie ich finde, sehr gut konzipiertes Programm entworfen, das keine „Luftnummer“ ist, sondern aus unseren beruflichen und politischen Vorerfahrungen hervorgeht.

    Zur inhaltlichen Kontroverse:

    (1) Machiavellismus: Wer einen demokratischen Raum schafft, der verliert schnell die Unschuld, „machtpolitische“ Auseinandersetzungen sind in der Realität immer vermischt mit kommunikativer Offenheit. Die Analyse des Machiavellismus ist dialektisch: Wer diese Arbeit auf sich nimmt und Mehrheiten organisiert, auch etwa in Parteien, hat nicht unbedingt eine angenehme Arbeit. Er steht auch immer im Ruch des „Machiavellismus“. Gleichwohl sind wir aber doch froh, wenn es mal gelingt in Parlamenten eine „linke“ Mehrheit zu organisieren.
    Mit einem moralisierenden Machiavelli-Vergleich kommen wir jedenfalls nicht weiter. Der erste Schritt, um eine Basis zu schaffen ist es, auf die Interessen der studierenden Arbeiterkinder wirklich einzugehen und unsere politische Kraft kam alleine von daher. Auch Du, Andreas, kannst Dich in einer politischen Situation, die eben tatsächlich eine politische Kampfsituation war – nicht immer als die neutrale moralische Instanz behaupten, die einzig und allein dem oben angesprochenen Prinzip der kommunikativen Offenheit folgt. Während Du soziologisch brilliante Analysen lieferst, so ist das moralisierende „basisdemokratische“ Modell, welches Du propagierst dazu geeignet, ein Ressentiment gegenüber parlamentarischer oder kontroverser – also demokratischer – Politik überhaupt zu schüren. Eine Argumentation die ihrerseits problematisch ist. Menschen werden eben auch durch Kontroversen mobilisiert. Man sollte jetzt auch die Dinge nicht verdrehen und nicht „wir“ haben diesen machtpolitischen Zug in die VV gebracht, sondern die Dynamik ging von der drohenden Übernahme des Fikus-Referates durch die destruktive Kritik aus. Wir haben nicht „die Anderen“ kosntruiert, sondern diese Gruppe und ihre politische Strategie, das Fikus-Referat als Basis zu benutzen, gibt es wirklich. Leute, die sich seit vielen Jahren mit dem Thema Arbeiterkinder an der Uni beschäftigen sind der Meinung, dass die Ideologie der destruktiven Kritik ungeeignet ist, um Bildungsbarrieren aufzuheben. Dies war auch die Ansicht der Mehrheit einer doch sehr gut, zweitweise 50 Leute, besuchten Vollversammlung.

    (2) Natürlich hat Andreas Kempers Analyse der Sarrazin-Debatte mehr inhaltiche Qualität, einfach auch deshalb, weil er ganz eng an dem Originalmaterial arbeitet, historische Kontexte berücksichtigt (Sozialeugenik in der SPD), und vor allem weil er den diskursiven Kontext Sarrazins herausarbeitet. Diese Diskurs- und ideologiekritische Debatte bedient sich, wenn man so will, des Verfahrens der „immanenten Kritik“, die aus der Sache selbst hervorgeht. Projiziert man dagegen eine globalkritische Kapitalismusanalyse in die Sarrazin-Debatte hinein, so bestätigt sich immer wieder die eigene Theorie, ohne dass man die Implikationen Sarrazins gesellschaftspolitisch zu Ende denkt. Immanente Kritik ist immer an der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation und am aktuellen herrschenden Diskurs dran, „transzendente“, projizierte Kritik neigt zu einer sektiererischen, zirkelhaften Selbstbestätigung der eigenen Theorie. Nun noch was Versöhnliches: Natürlich hat auch die Analyse der destruktiven Kritik etwas für sich. Die politische Ökonomie des Kapitalismus zu analysieren und die Effekte, die diese auf alle gesellschaftlichen Bereiche hat, ist ja eine sehr lobenswerte Aufgabe. Das Problem ensteht dann, wenn diese Analyse totalisiert wird und andere Ansätze, die biographische, soziale und politische Wirklichkeiten und Möglichkeiten und auch soziale Prozesse auf der gesellschaftlichen Meso-Ebene thematisieren, negiert werden. Diese Negation ist dann gleichbedeutend mit einer Nichtanerkennung der realen Diskriminierungserfahrungen von Arbeiterkindern aber auch gleichbedeutend mit der Nichtthematisierung von biographischen Möglichkeiten von Arbeiterkindern. Die Mehrheit der anwesenden Arbeiterkinder auf der Vollversammlung hat das deutlich gespürt, dass dieser Diskurs der destruktiven Kritik ganz einfach, in einem ganz banalen Sinne, nicht in ihrem Interesse ist. Wir leben alle in dieser Welt, nicht in einem Zukunftskommunismus. Und wir leben auch nicht in idealtypischen analytischen Rastern marxistischer Gesellschaftskritik. Dialektisch wäre, beständig auf die Differenz von abstrakt-allgemeiner Analyse und praktischer gesellschaftlicher Wirklichkeit, bzw. seines eigenen Eingewobenseins in diese Wirklichkeit, zu reflektieren.

    Bei der Veranstaltung über „Konsum im Kapitalismus“ hätte man sehr schön die Analyse des ideologischen, verschleiernden dieses konsumkritischen Diskurses mit der soziologischen Ebene verbinden können: Dieser Diskurs geht eben vor allem von dem produktionsfernen postmateriellen Milieu aus. Hätte die destruktive Kritik mehr kommunikative Offenheit gezeigt, so hätten sich solche interessanten inhaltlichen Verbindungen ja herstellen lassen.

    Zum Thema „Fraktionen“ und Offenheit der Wahl

    Noch was: ich gehöre keiner „Fraktion“ an, sondern versuche vor allem inhaltlich zu arbeiten. Dass meine Form der Werbung für die VV über die bestehenden Netzwerke der Arbeiterkinder an der Uni Münster gut funktioniert hat, zeigte die gestrige hohe Teilnehmerzahl. Und dies war ganz sicher nicht die Mobilisierung des CDU-Stammtisches. Wenn es Hednrik gelungen wäre, plausibel die Situation der Arbeiterkinder zu analysieren und eben Angebote zu machen, die wirklich etwas mit den Interessen der Arbeiterkinder zu tun haben, dann wäre das Ergebnis nicht so eindeutig gewesen. Zwei Studentinnen etwa, die unsere Liste dann gewählt haben, wollten eine ausführlichere Kandidatenbefragung und inhaltiche Diskussion, eben gerade weil sie noch nicht entschieden hatten, wen sie wählen sollen.

    Die Zukunft – unsere Arbeit im nächsten Jahr

    Natürlich war die Atmosphäre auf der VV auch aufgeladen und überhitzt. Auch mir wäre es lieber gewesen, wenn sich die Teilnehmer über ihre soziale Erfahrungen ausgetauscht hätten.
    Ich schlage vor, dass wir uns in dieser Diskussion jetzt nicht festbeißen. Das Fikus-Referat ist für alle Aktivitäten und Vorschläge offen und auf keinen Fall sollten durch diese politische Kontroverse nun fesgefahrene Wahrnehmungen und Zuschreibungen entstehen. Ich löse also hiermit die „Fraktionsbildung“ wieder auf und lade alle dazu ein, sich an der Arbeit des Fikus-Referates zu beteiligen und auch, wenn nötig, unsere Service-Angebote in Anspruch zu nehmen. Sollten Studierende, die sich der destruktiven Kritik nahe fühlen, eine Veranstaltung machen wollen, so bin ich gerne zu einem Gespräch über deren Konzeption bereit. Aber der Ansatz der destruktiven Kritik muss zur Diskussion gestellt werden und darf nicht als absolute Wahrheit referiert werden. Es wird entweder einen Marxismus geben, der sich der demokratischen Öffentlichkeit stellt oder gar keinen. Das ist jedenfall meine Position.
    Auch stellt sich doch noch viel weiterer Stoff für interessante Diskussionen, etwa:
    (1) Wie ist das Verhältnis von politischer Macht und kommunikativer Offenheit
    (2) Wie hängen die politökonomischen Verhältnisse im Kapitalismus mit den realen sozialen- und bildungserfahrungen der Arbeiterklasse und der studierenden Arbeiterkinder zusammen?
    (3) Handelt es sich bei der Sarrazin-Debatten, bei Rassismus und Islamophie um „Klassismus“ oder um ökonomische Interessen einer bestimmten Kapitalfraktion – oder hängt beides miteinander zusammen?

    Kontroverse Diskussionen wird es immer wieder geben, aber politisch werden wir nur was erreichen, wenn wir in all der Unterschiedlichkeit ein Netzwerk gründen, dass eine gesellschaftliche Mehrheit für Sozial- und Bildungspolitische Reformen aufbaut.

  10. 10 Administrator 19. Dezember 2010 um 3:31 Uhr

    @Tobi
    Es tut mir leid, dass du die Vollversammlung so wahrgenommen hast.

    Ich kann nur nochmal wiederholen, dass bereits in der vorangegangenen Vollversammlung nicht die Situation gegeben gewesen ist, dass eine ergebnisoffene Wahl stattgefunden hat. Selbst ich als Gründer des Referates hatte keine Chance gewählt zu werden. Erst diese Vorgehensweise hat zu der Listenkandidatur geführt.

    Mein offener Brief oben an die DK (und an Hendrik insbesondere) ist die Bitte, sich klar zu machen, was sie da angerichtet haben. Natürlich ist es legal, wenn jeder Kandidat zehn Freund_innen mitschleppt, die die Diskussion in der VV nicht interessiert, sondern die nur da sind, um eine bestimmte Person zu wählen.

    Aber das führt dann eben zu Kampfabstimmungen und genau zu den Formen von Uni-Bluff, die wir ablehnen.

    Liebe Grüße,
    Andreas

  11. 11 scharfekritik 19. Dezember 2010 um 20:31 Uhr

    @ Tobias Fabinger:

    Aber der Ansatz der destruktiven Kritik muss zur Diskussion gestellt werden und darf nicht als absolute Wahrheit referiert werden.

    Ein seltsamer Gegensatz, den Du da aufmachst. Wenn man etwas refereriert, dann ist man ohnehin der Ansicht, dass das auch stimmt – sonst würde man es (sachfremde Interessen wie Scheinerwerb jetzt mal ausgeklammert) schließlich nicht vortragen. Dann ständig zu betonen, dass man sich ja auch irren könne, ist total sachfremd, weil auf diese Weise gerade kein inhaltlicher Fehler kritisiert wird. Stattdessen wird einerseits Bescheidenheit geheuchelt, um damit andererseits Kritik argumentfrei abzubürsten: wenn man ja nur seine subjektiv geprägten Wahrnehmungen im Rahmen seines Ansatzes (und wie man den Meinungspluralismus sonst noch einen akademischen Jargon verpasst), dann relativiert man die Kritik an den Inhalten der anderen, auf dass man sich umgekehrt darauf berufen kann, dass die sich auch dieser Relativierung der Kritik unterwerfen. Wird hingegen der eigene Inhalt mit dem Anspruch vorgetragen, dass dieser auch stimmen soll, dann ist man selbstverständlich offen für Kritik, welche die vorgetragenen Argumente inhaltlich widerlegt – man will ja schließlich, dass möglichst alle (inkl. man selbst) am Ende der Diskussion die richtigen Argumente zur Sache wissen.

  12. 12 Ariston 28. Dezember 2010 um 3:28 Uhr

    Betr.: Listenwahl

    Liebe „Arbeiterkinder“

    Mit großem Interesse verfolge ich nun diesen nachhallenden Diskurs.
    Zunächst erst einmal kurz zu meiner Person, da ich dem ein
    oder anderen Vorwurf doch ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen will.

    Ich bin seit einigen Jahren an der WWU eingeschrieben, habe mich
    aber von jeher der Hochschulpolitik verweigert. Auch das Studium bereitet mir aus unterschiedlichen Gründen einige Schwierigkeiten. Das hat zwei konkrete Gründe. Der erste wird sehr passend in Andreas Beitrag erläutert:

    „Arbeiterkinder werden an der Uni konfrontiert mit dem
    Uni-Bluff, sie werden konfrontiert mit der Scholastik, mit dem Habitus des Homo Academicus.“

    Konkret auf die Hochschulgruppen bezogen:

    „Machtpolitik und Uni-Bluff beherrsch(t)en das Klima.“

    Der zweite Grund für meine bisherige Enthaltung wiegt aber
    viel schwerer, am Habitus kann man arbeiten, den Bluff durchschauen.
    „Prinz, die Kunst geht nach Brot.“ Auch wenn sie das in unserem ach so wunderbarem Land der angeblichen Chancengleichheit nicht „soll“ und nicht „muss“ ;) .

    Meine allein erziehende Mutter ist Kellnerin, von meinem Vater kam niemals Unterstützung, dennoch reichte es nicht für den Bafög Höchstsatz, so dass ich kontinuierlich studienbegleitend in den Tretmühlen der abhängigen Erwerbstätigkeit gefangen war und bin. Darunter leidet freilich nicht nur das Studium, vielmehr es grenzt mich aus. Aus meinen Fachbereichen kenne ich fast niemanden mehr, die meisten bekannten Kommilitonen haben ihr Studium bereits beendet oder gar abgebrochen.
    Gerade deshalb bin ich nun gerade zu glücklich, dass es das Fikus gibt. Die Personen, mit denen ich gesprochen habe, verstehen meine Lebenslage, und deshalb habe ich sie auch gewählt. Dass sie sich als Liste aufstellen würden war für mich im Vorfeld nicht bekannt. Ganz im Gegenteil, ich war
    unschlüssig, wem der Beiden ich meine Stimme geben sollte. Die Listenwahl war für mich also eher Ausweg aus einem Dilemma. Persönliche Präferenzen spielten bei der Wahl meiner Kandidaten freilich eine Rolle. Tatsächlich aber standen für mich Präsenz,
    Kompetenz und der ehrliche Willen etwas für das Milieu zu leisten im Vordergrund.

    Tobias hat mich mit seinem Rechenschaftsbericht in diesem
    Standpunkt bestärkt. Zwei Referenten sollten – wenn es schon 2 sind – kooperieren –, zwar auch Freiräume haben, aber doch in erster Linie an einem Strang ziehen. Wenn nun einer der beiden ehemaligen Referenten Standpunkte vertritt, die den Interessen der eigenen Klientel diametral entgegenstehen, sollte dieser Referent keine Chance für eine zweite Amtszeit bekommen (Stichwort: „Destruktiven Kritik“) Zwei Veranstaltung während einer halben Amtszeit sind mir da zu wenig,kontinuierliche
    Begleitung und das Öffnen sozialer und kultureller Räume wie etwa die Theatergruppe kommen da meinen Interessen schon näher.

    Mit freundlichen Grüßen. „Ariston“

  13. 13 Irene 30. Dezember 2010 um 15:13 Uhr

    Wie wollen denn nun die Bürgerkinder das Konkurrenzprinzip abschaffen? Revolution? Gruppenkuscheln?

    Wer das ernst meint, darf eigentlich nicht bei einer Wahl kandidieren (d.h. mit anderen Kandidaten konkurrieren), oder?

    Hier übrigens ein Taz-Artikel von Isolde Charim über Radikalität:
    http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&dig=2010%2F12%2F28%2Fa0089&cHash=7c8a42dd5e

    Schau mer mal, bei welchen Konzernen die heutigen Gegner des Konkurrenzprinzips Karriere machen werden, wenn sie sich an der Uni ausgetobt haben. Jede radikale Generation hat ihren Marsch durch die Institutionen.

  14. 14 Andreas 30. Dezember 2010 um 15:42 Uhr

    Liebe Irene,
    ich glaube, diese Frage nach der Abschaffung stellen sie sich gar nicht. Es geht nur um Kritik. Destruktive Kritik. Und natürlich nicht um Wahlen, auch nicht um Gruppenkuscheln. Sie wollen diskutieren und kritisieren und interpetieren auf der Grundlage des Marxismus und übersehen eine der zentralsten Aussagen von Marx, nämlich den 11. Satz der Feuerbach-Thesen: die Philosophen haben die Welt bisher nur interpretiert, es geht darum sie zu verändern.
    Für diese Veränderung ist es natürlich auch wichtig zu kritisieren, aber die Kritik muss Änderungen ermöglichen. So ist eine Kritik daran, sich gegen Bildungsbenachteiligung einzusetzen, weil der Kapitalismus angeblich auch ohne Bildungsbenachteiligung funktionieren würde, ein scholastisches Argument, mit dem eine konkrete Kritik beispielsweise an der Politik von Arbeiterkind.de gar nicht greifen kann. Und hier müsste die Kritik doch ansetzen: 18.000 Mentor_innen bei Arbeiterkind.de, die sich für Arbeiterkinder einsetzen ohne jedoch strukturelle Diskriminierung oder klassistische Vorurteile zu kritisieren, dass ist doch das Problem. Hier müsste die Destruktive Kritik und der Gegenstandpunkt mit der Kritik ansetzen. Das würde tatsächlich etwas bringen, wenn Arbeiterkind.de endlich die politische Verantwortung übernehmen würde, die die Gruppe inzwischen hat.

  15. 15 Philosoph 30. Dezember 2010 um 17:03 Uhr

    Meine Güte, Andreas! Jetzt muß sogar der olle Karl Marx herhalten, um dein bißchen individuelle Karriereplanung zu untermalen. Als wenn du „die Welt“ veränderst, wenn ausgerechnet du Hauptabteilungsleiter bei RWE wirst oder Leiter einer Gesamtschule. Viel Glück bei der angestrebten Übernahme von „Verantwortung“ in dieser unschönen Welt. Denn das wirst du obendrein auch noch brauchen.

  16. 16 Andreas 30. Dezember 2010 um 18:37 Uhr

    Na, das mit der „Verantwortung übernehmen“ hast du falsch verstanden.

    Ich habe davon gesprochen, dass Arbeiterkind.de bewusst politisch an die Frage der Bildungsbenachteiligung herangehen soll und nicht einfach nur angebliche oder tatsächliche „Informationsdefizite“ schließen soll. Es geht eben beim Kampf gegen Bildungsbenachteiligung nicht nur darum, dass ein Arbeiterkind Hauptabteilungsleiter beim RWE werden soll.

    Sondern es geht darum, dass es Gründe dafür gibt, dass Arbeiterkinder eben nicht Hauptabteilungsleiter werden. Diese Gründe sind im System verankert.

    „Der Eigentümer der Arbeitskraft ist sterblich. Soll also seine Erscheinung auf dem Markt eine kontinuierliche sein, wie die kontinuierliche Verwandlung von Geld in Kapital voraussetzt, so muß der Verkäufer der Arbeitskraft sich verewigen, ‚wie jedes lebendige Individuum sich verewigt, durch Fortpflanzung‘. Die durch Abnutzung und Tod dem Markt entzogene Arbeitskräfte müssen zum allermindesten durch eine gleiche Zahl neuer Arbeitskräfte beständig ersetzt werden. Die Summe der zur Produktion der Arbeitskraft notwendigen Lebensmittel schließt also die Lebensmittel der Ersatzmänner ein, d.h. der Kinder der Arbeiter, so daß sich diese Race eigentümlicher Warenbesitzer auf dem Warenmarkte verewigt.“ (MEW 23, S. 187)

    Diese „Race“ – Marx benutzt den Begriff in Abrenzung zum Begriff Klasse – muss differenziert werden zwischen manuell tätigen (Fabrik-)arbeitern, die zu bloßem Zubehör der Maschinen geworden sind, und den in der Mittelklasse Tätigen.

    Der Arbeiter „wird ein bloßes Zubehör der Maschine, von dem nur der einfachste, eintönigste, am leichtesten erlernbare Handgriff verlangt wird. Die Kosten, die der Arbeiter verursacht, beschränken sich daher fast nur auf die Lebensmittel, die er zu seinem Unterhalt und zur Fortpflanzung seiner Race bedarf.“ (MEW 4, S. 469)

    Zur „Fortpflanzung seiner Race“. Zur anderen „Race“ äußert er sich vier Seiten zuvor:

    „Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwürdigen und mit frommer Schau betrachteten Tätigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Artz, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt.“ (MEW 4, S. 465)

    Die Klassenreproduktion in Frage zu stellen, ist etwas anderes als egozentrische Karriereplanung (hierzu sei angemerkt, dass ich im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Mitarbeitern, Lehrer_innen, Apothekerinnen der Destruktiven Kritik trotz abgeschlossenem Studium mein Geld mit manuellen Tätigkeiten verdiene) oder als Charity.

  17. 17 umwerfend, was sonst? 30. Dezember 2010 um 19:47 Uhr

    Sondern es geht darum, dass es Gründe dafür gibt, dass Arbeiterkinder eben nicht Hauptabteilungsleiter werden. Diese Gründe sind im System verankert.

    ach neeee?!

  18. 18 Andreas 30. Dezember 2010 um 19:59 Uhr

    Ich wundere mich, dass diese Erkenntnis plötzlich geteilt wird.

    Denn wenn es „am System liegt“, dass Arbeiterkinder nur selten studieren können, dann wird der emanzipatorische Kampf gegen die Benachteiligung von Arbeiterkindern eben dieses System in Frage stellen.

  19. 19 umwerfend, was sonst? 30. Dezember 2010 um 20:09 Uhr

    hörst du den anderen auch mal zu? zumindest ausnahmsweise?

  20. 20 Andreas 30. Dezember 2010 um 20:32 Uhr

    Ja, ist ein wenig schwierig hier auseinanderhalten, wer sich auf wen bezieht bei den ständig wechselnden Accounts. Aber eigentlich höre ich zu, bzw. lese interessiert mit.

    Mir scheint, du denkst, mir wäre eine Argumentation entgangen. Falls dem so sein sollte, wiederhole sie doch bitte. Vielleicht verhält es sich ja auch so, dass du irgendeine Argumentation nicht mitbekommen hast.

    Bin jetzt ein paar Stunden offline.
    Andreas

  21. 21 P. aus Bonn 03. Januar 2011 um 3:35 Uhr

    Andreas,
    den Quatsch, den zu verzapfst, kriegt man sogar bis nach Bonn mit :-) Einer deiner Hauptwürfe gegen die DK ist es, sie würden nur meckern, meckern, meckern, aber praktisch nix bewirken (wollen). Das ist gewusst unwahr, wenn du behauptest, Theorie bringt nix, auf die Praxis käme es allein (bzw. hauptsächlich) an.

    Du hast doch selbst eine Theorie, auf die du eine Praxis folgen lässt. Du bist ja nicht willenlos und zombigleich unterwegs bei deinem politischen Engagement, sondern verfolgst konkrete Zwecke (z.B. die Besserstellung der Arbeiterkinder). Du überlegst dir also als aller erstes, woran das überhaupt liegen könnte, dass es ausgerechnet immer nur die Arbeiterkinder sind, die hier- und anderswozulande gedeckelt werden. Danach bemühst du entsprechende Maßnahmen, um diese Zwecke zu erreichen. Ohne deine theoretische Analyse hättest du gar nicht deine Praxis. Es gibt keine Praxis ohne theoretischen Inhalt, d.h. dann würde Praxis ja nur ganz abstrakt für „tätig werden“ stehen. Unter dieser faden Abstraktion sind dann Tätigkeiten wie, sich einen runterzuholen, Nazis zu verprügeln oder eine Arschgeige von Politiker zu werden, tatsächlich vollkommen identisch. Also darfst du auch niemanden vorwerfen, er wäre bloß ein Theoretiker …

    „Liebe Irene, ich glaube, diese Frage nach der Abschaffung stellen sie sich gar nicht. Es geht nur um Kritik. Destruktive Kritik.“ (Andreas)

    … denn ein Theoretiker ist im Prinzip jeder, der ein organisch intaktes Gehirn hat. Ob die Theorie, die einer hat, allerdings überhaupt was taugt, das ist doch die einzig interessante Frage. Die DK hat eine andere Theorie als du, insofern auch eine völlig andere Praxis. Da kannst du doch nicht daherkommen und sie ausgerechnet daran blamieren wollen, dass sie deiner Vorstellung von einer gescheiten Praxis nicht gerecht werden – und dann auch ernsthaft glauben, dein bornierter Scheiß würde die jucken. Elitenförderung für Arme, nix anderes machst du doch praktisch und hast du theoretisch im Sinn. Ist dir eigentlich noch nie in den Sinn gekommen, dass du mit deinem politischen Engagement, die Klasse der Arbeiterkinder zu reduzieren, im Kreis drehst? Jedes Arbeiterkind, welches dank deines Beistandes nach dem Studium einen höheren Posten besetzt, verdrängt das Kind eines Angestellten in die niederen Lohngruppen, wird somit zu einem Betreuungsfalls, um den du dich dann rührend kümmern kannst. Aber Hauptsache du hast dein Gewissen beruhigt und dem Arbeiterkind zu seiner gleichen Chance verholfen. Und wozu? Damit sich anschließend ein paar Minister und Manager damit brüsten können, garantiert einem Arbeiterhaushalt zu entstammen (womit sie fraglos ihre Berechtigung nachgewiesen haben, andere zu deckeln)?

    Um zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Den Dualismus zwischen Theorie und Praxis, den gibt es gar nicht. Bei der DK ist die Theorie auch schon die Praxis. Aufklärung in der Hoffnung, dass die die Verhältnisse auf Grundlage dieses Wissens irgendwann mal umschlagen, ist nicht ohne massiven Aufwand (eben Praxis) zu haben. Da muss man lesen, diskutieren und agitieren, mit den neu agitierten Leuten den ganzen Kram nochmal lesen, nochmal diskutieren usw. usf. Kann mir schon denken, dass soviel gedanklicher Aufwand den einen oder anderen praxisorientierten Menschen vergrätzt.

    Es gibt gegen falsche Theorie nur ein Gegenmittel: man muss sich schon die Mühe machen, sie zu widerlegen. Sie bloß daran zu blamieren, dass sie bloß eine Theorie ist — egal wie beschaffen — langt nicht hin. Wenn du die DK kritisieren willst, dann mach das inhaltlich, anstatt denen „Machtpolitik“ vorzuwerfen. Dann zeig doch mal bitte, worin die ach so teuflische „GegenStandpunkt-Theorie“ irrt. Ist die wirklich so sachfremd wie du es ihr vorwirfst? Dein witzigster Vorwurf in diesem Zusammenhang war der, dass diese von dir gescholtenene Theorie zu allgemein ist, so dass man sie auf alles anwenden könnte, insofern nixsagend. Auf allen DK-Veranstaltungen würde man immer nur das Gleiche unter einem anderen Deckmantel/Gesichtspunkt erzählen. Aber wenn eine Theorie das kann, wenn sie tatsächlich sehr viele Phänomene unter einen Hut bringt ((-- übrigens, eine Leistung, für die man in der Physik eine Nobelpreis bekommt --)), worin liegt dann eigentlich ihr Fehler? Immerhin gibt es klare Kriterien, wonach sich ein falscher von einem richtigen Gedanken scheidet. So lange wie du schon studierst, müsstest du die eigentlich parat haben (Stichpunkt: Widerspruch/Tautologie/falsche Abstraktion/am Gegenstand vorbeireden etc.). Dann mach es doch mal damit!

    Gruß, P

    P.S: Die DK ist doch selbst durchseucht mit Arbeiterkindern. Wieso unterstützt du die nicht mal? Bei dem, was du vorhast, sind die nämlich wesentlich radikaler als du. Die wollen das Elend der Arbeiterkinder nicht verwalten oder für die eigene Gewissenspflege missbrauchen, sondern abschaffen — nicht zuletzt, weil sie selbst davon betroffen sind.

  22. 22 der Klassensprecher von 1984 03. Januar 2011 um 6:24 Uhr

    Jedes Arbeiterkind, welches dank deines Beistandes nach dem Studium einen höheren Posten besetzt, verdrängt das Kind eines Angestellten in die niederen Lohngruppen, wird somit zu einem Betreuungsfalls, um den du dich dann rührend kümmern kannst.

    Aber erst in der nächsten Generation, gell!

  23. 23 Andreas 03. Januar 2011 um 11:21 Uhr

    Lieber P. aus Bonn,

    1. schön, dass die Diskussion auch in Bonn angekommen ist. Wie ich darstellte, handelt es sich bei der aktuellen „Nebenwiderspruchs-Diskussion“ bzw. „Theorie-Praxis-Diskussion“ um eine umfassende Debatte (siehe auch das aktuelle Diskus-Magazin aus Frankfurt a.M.).
    2. Ich bin Theoretiker. Nimm bitte unsere Kritik an Arbeiterkind.de zur Kenntnis, denen wir vorwerfen, dass sie tatsächlich nur praxisorientiert sind. Du scheinst uns mit Arbeiterkind.de zu verwechseln. Es geht um ein Theorie-Praxis-Verhältnis, welches Marx in seinen Feuerbach-Thesen dargestellt hat und wie es sich in den Praxeologien von Bloch und Bourdieu findet. Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme, ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische Frage. In der Praxis muß der Mensch die Wahrheit, d. h. die Wirklichkeit und Macht, die Diesseitigkeit seines Denkens beweisen. Das Zusammenfallen des Änderns der Umstände und der menschlichen Tätigkeit kann nur als umwälzende Praxis gefaßt und rationell verstanden werden. Das gesellschaftliche Leben ist wesentlich praktisch. Alle Mysterien, welche die Theorie zum Mystizismus verleiten, finden ihre rationelle Lösung in der menschlichen Praxis und im Begreifen dieser Praxis.
    3. Zum x-ten Mal: es geht uns nicht darum, Arbeiterkinder in Führungsposten zu hieven. Sondern es geht uns darum, auf die Bildungsbeanchteiligung hinzuweisen, darauf hinzuweisen, dass diese Benachteiligung aufgrund klassistischer Vorurteile stattfindet, aber auch systematisch im Kapitalismus vor allem in Deutschland verankert ist. Wahrscheinlich machst du dich auch über die Frauen im 19. Jahrhundert oder in den 70er Jahren lustig, die einen Bildungszugang für Frauen forderten – schließlich verdrängt jede Frau, die studiert, einen männlichen Kollegen, der dann nicht mehr in der Lage ist, seine Familie zu ernähren. Argumentativ bewegst du dich auf der selben Ebene.
    4. Ich habe doch bereits die DK und Gegenstandpunkt auf Irrtümer hingewiesen. Beispielsweise behaupten sie, es gäbe nur eine Benachteiligung, weil Arbeiterkinder eine ungünstigere Startposition haben, das Bildungssystem aber kalt und streng nur die gleiche Leistung beurteilt, was zu einer Benachteiligung der Arbeiterkinder führe. Das ist eine verkürzte Kritik, die das Konkurrenz- und Leistungsprinzip als wesentliches Merkmal des Kapitalismus herausstellen soll. Tatsächlich existiert dieses Leistungsprinzip aber nicht. Arbeiterkinder werden nicht nur benachteiligt, weil sie ungünstigere Startpositionen haben, sondern sie werden auch dann benachteiligt, wenn sie gleiche Leistungen hervorbringen wie Akademikerkinder. Dies ist ein Punkt, der systematisch von der DK und Freek Huisken verleugnet wird. Die tatsächliche Praxis, die sich sowohl durch zahlreiche Erfahrungsberichte als auch durch empirische Befunde zeigt, wird nicht zur Kenntnis genommen, weil diese Praxis nicht mit dem Theoriegebäude in Einklang zu bringen ist.
    5. Wenn die systematische Benachteiligung von Arbeiterkindern im deutschen Kapitalismus fest eingebaut ist, dann ist die Bekämpfung dieser Benachteiligung auch ein Angriff gegen diesen deutschen Kapitalismus. D.h. das kapitalistische System ist auch im Bereich der Klassenreproduktion angreifbar.
    6. Schön, dass es auch in der DK Arbeiterkinder gibt. Aber nicht jede Gruppe, in der sich auch Arbeiterkinder befinden, macht auch Politik für Arbeiterkinder, siehe Klassendebatte in Schweden. Oftmals wird diese Politik auf Kosten der Arbeiterkinder gemacht. Wer macht Karriere und wer verklebt Plakate? Siehe auch die Artikel von Tobias und Esra Klassismus bei den Grünen, Der verdrängte Klassenkampf innerhalb der Linken.

  24. 24 Demokratischer Rassismus 03. Januar 2011 um 19:54 Uhr

    „Das ist eine verkürzte Kritik, die das Konkurrenz- und Leistungsprinzip als wesentliches Merkmal des Kapitalismus herausstellen soll. Tatsächlich existiert dieses Leistungsprinzip aber nicht. Arbeiterkinder werden nicht nur benachteiligt, weil sie ungünstigere Startpositionen haben, sondern sie werden auch dann benachteiligt, wenn sie gleiche Leistungen hervorbringen wie Akademikerkinder. Dies ist ein Punkt, der systematisch von der DK und Freek Huisken verleugnet wird.“ (Andreas)

    Was dich stört, ist das Klassenbewusstsein der Lehrer und/oder Professoren, die systematisch Arbeiterkindern Steine in den Weg legen. Deine Folgerung aus diesem Befund (der mag ja empirisch durchaus richtig sein): Das sollen die doch bitte gefälligst unterlassen! Du willst – sei es durch moralische Appelle, sei es durch gesetzliche Richtlinien, die du vielleicht einforderst –, dass Arbeiterkinder nicht mehr an diesem Maßstab gemessen werden. Angenommen, du hast Erfolg damit, und es wird ein Gesetz verankert, welches Klassismus und Rassismus unter Strafe stellt. Jetzt denk das doch mal zu Ende. Ist dadurch die Selektion verschwunden? Nein, die ist nämlich notwendig für die Hierarchie der Berufe, die die kapitalistische Wirtschaftsweise zwangsläufig impliziert. Aber an welchem Kriterium können und müssen Kinder dann nur noch gemessen werden? Was bleibt nach all dem noch übrig? Ja doch wohl nur noch das pure Leistungsprinzip. Denn wie beweist sich vor dem Gesetz überhaupt, ob ein Lehrer letztlich klassistisch (bzw. rassistisch) gehandelt hat? Man muss ihm nachweisen, dass einem Kind der weitere Bildungsweg verwehrt wurde, obwohl dieses schlau genug (!) war, den Anforderungen, die an es gestellt waren, gerecht zu werden. Formuliert als bürgerliches Ideal schimpft sich das „Chancengleichheit“. Und als solches passt es zur bürgerlichen Demokratie so vortrefflich wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge, denn prügeln sollen sich die Leute nach wie vor um die wenigen Plätze an der Sonne, bloß ritterlich soll es dabei zugehen und unter möglichst gleichen Voraussetzungen. Dabei sollen weder Arbeiterkinder vom Studium ausgeschlossen werden, noch sollen (etwa per Studiengebühren) bestehende Einkommensunterschiede in der Konkurrenz um Studienplätze und -abschlüsse wirksam werden. Niemand soll von einem gesellschaftlichen Los betroffen sein, welches er „eigentlich“ nicht verdient hat. Die Härten des Wettbewerbs, des wechselseitigen Fertigmachens, die so manchen Zeitgenossen bis in den Wahnsinn bzw. Selbstmord – und wenn nicht so weit, dann doch immerhin bis zur psychotherapeutischen Behandlung – treiben, sind mit der Forderung auf Chancengleichheit nicht aus der Welt geschaffen, sondern durch sie erst in die Welt gesetzt. Nichts anderes behaupten Freerk Huisken und die DK.

    Kurzum, Andreas, machst du dich stark für einen technokratisch-demokratischen Rassismus, der die kleinen Kücken nicht nach ihrer Farbe, ihrer geographischen Herkunft, ihrer sozialen Voraussetzungen etc., sondern nur noch lupenrein nach ihrer Tauglichkeit sortiert. Du machst den ökonomischen Maßstab, den die Kapitalisten an die Leute ohnehin schon anlegen, auch noch politisch geltend. Willst du das wirklich? Nein, das willst du bestimmt nicht, aber trotzdem stehst du letztlich dafür ein. Mach dir das mal bewusst. Was du da grad seit Jahren durchzuziehen versuchst, ist genau genommen ziemlich ekelhaft.

    „Wahrscheinlich machst du dich auch über die Frauen im 19. Jahrhundert oder in den 70er Jahren lustig, die einen Bildungszugang für Frauen forderten – schließlich verdrängt jede Frau, die studiert, einen männlichen Kollegen, der dann nicht mehr in der Lage ist, seine Familie zu ernähren. Argumentativ bewegst du dich auf der selben Ebene.“ (Andreas)

    Gerade an diesen Beispielen, Andreas, kannst du doch hervorragend empirisch nachvollziehen, wie sehr deine Bemühungen zum Scheitern verurteilt sind. Na dann hat sich halt die Frau über den erweiterten Bildungsweg eine weitere Karrierechance erkämpft – und nu? Was nun? Jetzt darf auch mal eine Frau herumregieren. Ich glaube, es juckt die anderen Frauen in der Republik herzlichst wenig, ob sie von einer Frau oder einem Mann gegängelt werden. Faktisch ändert sich insofern nix, als dass man den gleichen Rechnungsweisen des Kapitals unterworfen bleibt. Und wenn man fürs Gewinnemachen eines Kapitaleigners nicht taugt, dann taugt man zu nix in dieser Gesellschaft, dann hat man auch als Mann verschissen.

    Würdest du die Argumente der DK einleuchtender finden, wenn sie von einer ausländischen Frau aus dem Arbeitermilieu vorgetragen werden? Solche lungern da bestimmt auch herum. Das wäre zwar verkehrt, weil sachfremd, aber ließe sich gewiss arrangieren.

    „Es geht um ein Theorie-Praxis-Verhältnis, welches Marx in seinen Feuerbach-Thesen dargestellt hat und wie es sich in den Praxeologien von Bloch und Bourdieu findet. Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme, ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische Frage. In der Praxis muß der Mensch die Wahrheit, d. h. die Wirklichkeit und Macht, die Diesseitigkeit seines Denkens beweisen.“ (Andreas)

    „Uni-Bluff“ ? :-D Sag mal, ist die von dir zitierte Feuerbach-These der einzige Vers, den du von Marx mitgenommen hast? Selbst den verdrehst du, wie es dir passt. Auch dem es ging es nicht nur um Praxis an sich. Der hat sich sehr darum bemüht, richtige Praxis für Arbeiter(-kinder) von falscher zu unterscheiden: Überwindung der ökonomischen Verhältnisse statt eines Zurechtkommens mit ihnen. Er wollte den Arbeiter abschaffen und keineswegs ihm zur Ehre und Anerkennung verhelfen – ein Fehler, den die Realsozialisten letztlich formvollendet in ihren Pragmatismus übernommen hatten [Literatur dazu: Marx – Kritik des Gothaer Programms / Dillmann – China, ein Lehrstück / Decker – Das Proletariat].

    Es ist nix dagegen einzuwenden, dass man sich in diesen miesen Verhältnissen wechselseitig unter die Arme greift (meinetwegen auch instutionell), einander durchzieht und Tipps und Tricks austauscht wie man den Tretmühlen des Systems, wo immer geht, ausweichen kann etc. – es ist nun mal eine praktische Notwendigkeit, die auch wahrscheinlich die DK nicht leugnet. Aber das schon als politische Praxis zu verkaufen, würde ihr niemals in den Sinn kommen.

    „Nebenwiderspruch“, „Hauptwiderspruch“ etc. sind Vokabel, die sich Leute aus der DK meines Wissens eigentlich verbieten. Sie tun nix zur Sache. Es geht nicht darum die diversen Schäden, die man in dieser Gesellschaft abbekommt, im Grad ihrer Schädigungen einzuordnen, nach dem Motto: was ist den nun schlimmer, als Frau/Neger/Penner verprügelt zu werden oder 45 Stunden in der Woche monotone Fließband-Arbeit zu verrichten? Es geht doch lediglich darum, eine konsistente Erklärung für all diese Phänomene der Gewalt und Benachteiligung zu finden. Und wenn man Phänomene, die auf den ersten Blick nichts mit Ökonomie zu tun haben, aus der Ökonomie heraus erklären kann, dann mag das ein Fehler sein (oder auch nicht), kann aber nicht allein schon dadurch kritisiert sein, dass die Ableitung des Sachverhalts zu einseitig (zu „ökonomistisch“, zu „marxistisch“ [← Tobias], zu „anti-marxistisch“, zu „absolut“, nicht „radikal“ [← Irene] etc.) angelegt ist.

    Gruß, P. aus Bonn

    P.S: Ich lese mir mal die Links, die du empfohlen hast, mal bei Gelegenheit durch. Dann melde ich mich wieder.

    @Klassensprecher: Ist das etwa weniger schlimm?

  25. 25 Jonas 03. Januar 2011 um 20:19 Uhr

    Hallo Andreas,
    also du bestreitest, dass es dir um die Karrieren der Arbeiterkinder geht. Nur worum geht es dir dann?

    Du schreibst, „es geht uns darum, auf die Bildungsbenachteiligung hinzuweisen, darauf hinzuweisen, dass diese Benachteiligung aufgrund klassistischer Vorurteile stattfindet, aber auch systematisch im Kapitalismus vor allem in Deutschland verankert ist. “

    Allerdings ist das doch kein Selbstzweck, gegen die Benachteiligung vorgehen oder darauf hinzuweisen? Was versprichst du dir von der Bildung, die die Arbeiterkinder erfahren sollen?

  26. 26 Andreas 04. Januar 2011 um 3:48 Uhr

    Lieber P aus Bonn,
    dir unterlaufen verschiedene Denkfehler:
    1. Auch du verkürzt die Hochschule auf eine einzige Funktion, eine einzelne „Bestimmung“, die aus einem Idealbild des Kapitalismus abgeleitet wird, den es so nicht gibt, niemals gegeben hat und niemals geben wird. Mir persönlich ist diese „Bestimmung“ doch egal.
    Ich nutze die Hochschule so, wie es mir möglich ist und es gibt dort unterschiedliche Spielräume – heute weniger als vor zwanzig Jahren und auch fachbereichspezifisch gibt es Unterschiede. Selbst wenn „die Hochschule“ eine einzelne „Bestimmung“ haben sollte, was sie nunmal nicht hat, weil sie in einem geschichtlichen Prozess von Auseinandersetzungen zu verstehen ist, wo ganz verschiedene Akteure mitwirken, also selbst wenn es so etwas wie eine „Bestimmung“ der Hochschule geben sollte, so kann ich auch der „Bestimmung“ zuwider handeln und die Bücher der Hochschulbibliothek nicht zum alleinigen Zwecke der Ausbildung zum Führungspersonal lesen, sondern um gesellschaftspolitische Diskussionen zu führen. Wenn man studiert, dann wird man erstmal vom Zwang zur Arbeit befreit. Aber ich überlasse es den Arbeiterkindern selber, ob sie aus extrinsischen oder intrinsischen Gründen studieren wollen. Wichtig ist mir, dass die Benachteiligung benannt, erforscht und bekämpft wird. Denn…
    2. … diese Benachteiligung fällt nicht vom Himmel. Du schreibst:

    Was dich stört, ist das Klassenbewusstsein der Lehrer und/oder Professoren, die systematisch Arbeiterkindern Steine in den Weg legen.

    Falsch. Ich hatte geschrieben, dass es diesen Klassismus von Lehrer_innen und Professor_innen gegen Arbeiterkinder gibt, und dass dies von der DK etc. geleugnet wird. So weit ist das richtig, hinzu kommt aber, dass diese Vorurteilsstrukturen in einem System eingebaut sind, durch das sie überhaupt erst wirkmächtig werden. Würden die Lehrkräfte nicht gezwungen, nach dem vierten Schuljahr Schulempfehlungen zu geben, dann würde sie weniger die Schüler_innen rastern und ihre Vorurteilsstrukturen wären weniger ausgeprägt. Zumindest würden sie sich an dieser Stelle nicht zeigen. Institutionelle Diskriminierung und Vorurteilsstrukturen gehen oftmals Hand in Hand. Dieser ganze Komplex wird von Euch ignoriert, weil es nicht ins schematische Theoriegebäude passt. Es darf in der Logik Eurer Argumentation nur eine einzelne „Bestimmung“ geben.

    Deine Folgerung aus diesem Befund (der mag ja empirisch durchaus richtig sein): Das sollen die doch bitte gefälligst unterlassen! Du willst – sei es durch moralische Appelle, sei es durch gesetzliche Richtlinien, die du vielleicht einforderst –, dass Arbeiterkinder nicht mehr an diesem Maßstab gemessen werden.

    Du zeichnest hier eine Karrikatur von mir. Es geht nicht nur um individuelle Vorurteile – wo man auch fragen müsste, wo die eigentlich herkommen – sondern darum, dass hier in der Bundesrepublik Deutschland machtvoll ein System der Benachteiligung aufrechterhalten wird, welches absolut überholt ist und nicht nur aus sozialen, aus menschenrechtlichen Gründen bzw. aus Gründen der Gleichbehandlung abzulehnen ist, sondern auch von der OECD, den Handwerkskammern und wirtschaftsnahen Forschungsinstituten abgelehnt wird. Bereits nach dem Sieg über die Nazis forderten die Alliierten die Beendigung des dreigliedrigen Schulsystem in Deutschland. Dieser strukturelle Anachronismus wird aufrechterhalten und mit ihm gehen Einstellungen einher, die schon von Heinrich Mann vor hundert Jahren treffend gezeichnet wurden und die wir jetzt bei Sarrazin und seinen zigtausenden Anhängern wiederentdecken dürfen. Also nochmal: es geht hier nicht einfach darum, dass einzelne Lehrer mal ein bißchen standesdünkeln, sondern es werden Institutionen geschaffen und aufrechterhalten. Der Hamburger Schulkampf hat gezeigt, wer hierzulande die Bildungspolitik „bestimmt“ – oder zumindest ein gehöriges Wörtchen mitzureden hat.

    Angenommen, du hast Erfolg damit, und es wird ein Gesetz verankert, welches Klassismus und Rassismus unter Strafe stellt.

    Witzbold. „Soziale Herkunft“ wurde noch vor Verabschiedung der europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien aus dem Katalog herausgeworfen. Es ist gesellschaftlich weit und breit keine Gruppe mit irgendwelchen nennenswerten Einflüssen in Sicht, die dafür eintritt, die Klassismus durch das AGG verbieten lassen will. Wir konnten darauf hinwirken, dass bei der aktuellen Erhebung zu Diskriminierung an Hochschulen durch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes eventuell auch die Soziale Herkunft berücksichtigt wird. Das ist alles und außer uns hat keine andere Gruppe diese Forderung erhoben.
    Der zweite Denkfehler (nach der „Bestimmung“ des Bildungssystems) besteht eben darin, dass es in diesem System möglich wäre, die Reproduktion der Klassen zu gestalten ohne die Interessen der Privilegierten zu berücksichtigen. Wenn du sagst: „Tun wir mal so, als wäre Klassismus verboten“ dann gehst du wieder an der Realität vorbei und zeichnest wieder ein falsches Idealbild. Dass der Kapitalismus sich in Deutschland diesen Klassismus leistet, das hat Gründe, die man nicht einfach ignorieren darf, wenn man ernsthaft eine Gesellschaft ohne Herrschaftsverhältnisse anstrebt. Wahrscheinlich gehört es unabdingbar zu jeder kapitalistischen Variante, dass Klassen hauptsächlich herkunftsspezifisch und nicht rein leistungsorientiert reproduziert werden – in Deutschland ist dies geschichtlich bedingt auf jeden Fall so.
    3. Der dritte Denkfehler basiert darauf, dass du meine Argumente nicht zur Kenntnis nimmst, sondern gegen etwas argumentierst, wo ich dir völlig recht gebe: a) Praxis ohne Theorie ist falsch, b) die ökonomischen Verhältnisse nicht in Frage zu stellen und nur an einem Zurechtkommen im Kapitalismus zu arbeiten ist falsch und c) den Arbeiter zu verabsolutieren statt an der Aufhebung der Klassen bzw. der Klassengesellschaft zu arbeiten ist ebenfalls falsch. Ja. Klar.
    Habe ich irgendwo Theorie abgelehnt? Nein, ich habe kritisiert, dass Gruppen wie die DK in verschiedenen Variationen keine andere Praxis haben, als über ihr eigenes Theoriemodell zu diskutieren. Daraus folgt nicht im Umkehrschluss, dass diejenigen, die das kritisieren, theoriefeindlich sind.
    Gerade wenn man eine bessere Gesellschaft anstrebt jenseits der kapitalistischen Ökonomie, darf man sich nicht in Theoriezirkel zurückziehen, sondern man muss Teil der emanzipatorischen Kämpfe werden, um aus dieser Praxis Rückschlüsse für die Theorie zu ziehen. Gerade dann, wenn eine bessere Gesellschaft weit entfernt ist und keine Wege zur Aufhebung zu sehen sind. Das ist es etwas anderes, als sich in den ökonomischen Verhältnissen einzurichten.
    Ich sehe auch nicht, wo hier Arbeiter verabsolutiert werden. Gerade wir studierenden Arbeiterkinder sind doch Hybride, Straddler, die weder in die arbeiterliche Herkunftsfamilie passen, noch in den arbeiterfeindlichen Unialltag.

    Noch eine letzte Anmerkung:

    Es ist nix dagegen einzuwenden, dass man sich in diesen miesen Verhältnissen wechselseitig unter die Arme greift (meinetwegen auch instutionell), einander durchzieht und Tipps und Tricks austauscht wie man den Tretmühlen des Systems, wo immer geht, ausweichen kann etc. – es ist nun mal eine praktische Notwendigkeit, die auch wahrscheinlich die DK nicht leugnet. Aber das schon als politische Praxis zu verkaufen, würde ihr niemals in den Sinn kommen.

    Damit zeigst du, dass du von Klassismus nichts begriffen hast. Wer greift denn wem unter die Arme? Wer hat denn Ressourcen, wer kennt Tipps und Tricks, wer hat überhaupt mit wem Kontakt und wieviele Ressourcen kommen in diesen Kontakten zusammen? Bevor ich das Thema Bildungsbenachteiligung „entdeckte“ ist mir der Klassismus in linken Gruppen aufgefallen. Und so ist ja auch der Begriff Klassismus geschichtlich erstmals vor vierzig Jahren verwendet worden: als Kritik der Arbeitertöchter der Lesbengruppe „Furies“ an ihre weißen Genossen aus reicheren Elternhäusern. Auch damals schon wurde diese Kritik mit Sicherheit schon als „unpolitisch“ abgetan.

  27. 27 Andreas 04. Januar 2011 um 4:14 Uhr

    Hallo Jonas,
    mir ist es weitgehend egal, warum Arbeiterkinder einen Hochschulzugang haben sollen. Sie müssen selber entscheiden, was sie damit machen wollen.
    Ich persönlich habe nie studiert, um „Karriere zu machen“ oder viel Geld zu verdienen. Ich wollte den Zugang zu Wissensressourcen.
    Und dieser Zugang sollte niemanden verwehrt werden. Er wird aber insbesondere Arbeiterkindern verwehrt.
    Lieben Gruß,
    Andreas

  28. 28 Volkswirt 04. Januar 2011 um 10:28 Uhr

    Ach ja, der „Zugang zu Wissensresourcen“. Der durchschnittliche Student, (oder genauer das typische Studienfach, z.B. BWL, Lehramt, Jura) kommt doch durch sein Studium dem wirklichen Wissen ungefähr so nah, wie ein Soldat einer imperialistischen Armee sein Wissen über die Sitten und Gebräuche in der weiten Welt vermehrt.

  29. 29 umwerfend, was sonst? 04. Januar 2011 um 10:52 Uhr

    Dass der Kapitalismus sich in Deutschland diesen Klassismus leistet, das hat Gründe, die man nicht einfach ignorieren darf, wenn man ernsthaft eine Gesellschaft ohne Herrschaftsverhältnisse anstrebt.

    ich frag‘ mich ja gerade, wieso die klassismusforschung ihren ursprung nicht in deutschland hat, wo sich der kapitalismus klassismus leistet, sondern im englischsprachigen raum. oder auch: frankreich. und und und.

  30. 30 Andreas 04. Januar 2011 um 14:33 Uhr

    An Volkswirt
    Zitat:

    Ach ja, der „Zugang zu Wissensresourcen“. Der durchschnittliche Student, (oder genauer das typische Studienfach, z.B. BWL, Lehramt, Jura) kommt doch durch sein Studium dem wirklichen Wissen ungefähr so nah, wie ein Soldat einer imperialistischen Armee sein Wissen über die Sitten und Gebräuche in der weiten Welt vermehrt.

    Arbeiterkinder haben den Vorteil, dass sie in zwei Welten leben. Deiner Logik nach sollte dann eher dafür gesorgt werden, dass Akademikerkinder nicht studieren, denn diese sind der Scholastik und dem Akademismus an der Uni sehr viel unbeholfener ausgesetzt. ;-)

  31. 31 Andreas 04. Januar 2011 um 14:41 Uhr

    An umwerfend
    Zitat:

    ich frag‘ mich ja gerade, wieso die klassismusforschung ihren ursprung nicht in deutschland hat, wo sich der kapitalismus klassismus leistet, sondern im englischsprachigen raum. oder auch: frankreich. und und und.

    Sehr gute Frage. Und hast du Ideen, warum das so ist?

  32. 32 Weshalb geht man an die Uni? (Lösche bitte den Beitrag nicht, wenn du ernsthaft diskutieren willst) 05. Januar 2011 um 12:21 Uhr

    Weshalb geht man an die Uni?

    Nicht jedenfalls bloß dafür, um ein Buch zu lesen, um sich Wissen anzueignen. Das kann man auch selbst und zwar viel viel billiger: ohne lästige Studiengebühren zum Beispiel. Man kann sich einfach die entsprechende Literatur besorgen – die kann man kaufen oder besorgt sich einen Bibliotheksausweis für Gast-Hörer – und setzt sich einfach in die entsprechenden Hörsäale (oder man bleibt zu Hause und schaut sich Vorlesungen im Internet an). Selbst wenn man in Seminaren mit anderen diskutieren möchte, ist das möglich. Man geht einfach hin. Wenn man auffliegt, weil man keinen Studiausweis dabei hat, wird man nicht gesteinigt, in der Regel freuen sich Professoren doch sogar eher, wenn sich jemand für ihr Fach begeistert. Wer die Uni dafür nutzt, mag ein interessierter Mensch sein und eine Haltung zum Gegenständen des Wissen entwickelt haben, die ihnen gerecht wird , ist aber praktisch schön blöd, das kriegt man auch von allen Seiten genau so bescheinigt: „Was, du bist Langzeitstudent, sieh mal zu, dass du endlich mal deinen Abschluss machst!“ Auf den kommt es an!

    Natürlich ist Bildung im Kapitalismus kein Volksbeglückungsprogramm, sondern hat einen Zweck, eine Bestimmung, und um die herauszufinden, braucht es keine komplexen soziologischen Theorien darüber, welche Institution mit welcher wie verdrahtet ist, sondern man muss sich nur eine simple Frage stellen: Was hat man, wenn man die Uni ein paar Jahre lang besucht hat, hinterher in der Hand?: Einen Wisch, der einem bescheinigt, dass man tatsächlich dort gewesen ist. Das ganze Studium wird letztlich reduziert auf eine einzige Kommazahl: die Gesamtnote. Eine wenige aussagekräftige Information, wenn es darum geht, einen Menschen zu beurteilen, aber trotzdem genau die richtige für den Personalmanger. Nur der interessiert sich doch am Ende für diese Beurteilung. Vielleicht reicht ihm diese Info noch nicht, dann schaltet er halt noch ein Interview, ein Assetment-Center oder ein Probe-Arbeitsmonat dazwischen, aber auch da kommt man nur hin, wenn die Note einigermaßen okay ist. Natürlich kann man sagen, das wäre verkürzt, neben der Note gäbe es ja immerhin auch noch das Wissen, was man in seinem Kopf trägt (aber das lässt sich auch ohne Studium organisieren), Freunde, die man dort gesammelt hat usw. Aber das hat mit Uni an sich nix zu tun. Die schert sich nicht darum, was du in deiner Freizeit machst.

    „Ich nutze die Hochschule so, wie es mir möglich ist und es gibt dort unterschiedliche Spielräume – heute weniger als vor zwanzig Jahren und auch fachbereichspezifisch gibt es Unterschiede. […] Selbst wenn die Hochschule eine einzelne „Bestimmung“ haben sollte […], so kann ich auch der „Bestimmung“ zuwider handeln und die Bücher der Hochschulbibliothek nicht zum alleinigen Zwecke der Ausbildung zum Führungspersonal lesen, sondern um gesellschaftspolitische Diskussionen zu führen.“ (Andreas)

    Wenn du nebenbei an der Uni Politik machst, dann hat das genauso wenig mit der Bestimmung der Uni zu tun, wie wenn ein RCDSler das macht oder ich nebenbei beim Uni-Sport Basketball spiele. Das sind alles Angebote von Studenten für Studenten, die man nutzen kann oder auf die man pfeifen kann. „Zuwiderlaufen“ ist in diesem Zusammenhang eine reichlich größenwahnsinnige Vokabel :-D

    „Auch du verkürzt die Hochschule auf eine einzige Funktion, eine einzelne „Bestimmung“, die aus einem Idealbild des Kapitalismus abgeleitet wird, den es so nicht gibt, niemals gegeben hat und niemals geben wird. […] Es darf in der Logik Eurer Argumentation nur eine einzelne „Bestimmung“ geben.“ (Andreas)

    Ziehen wir die Sache doch mal umgekehrt auf. Was glaubst denn du, welche Funktionen die Uni eigentlich noch erfüllt? Lass uns die mal durchsprechen. Und was glaubst, was ich für eine Vorstellung von Kapitalismus habe? Jetzt sag nicht „idealtypische“, das ist nämlich inhaltsleer.

    „Selbst wenn „die Hochschule“ eine einzelne „Bestimmung“ haben sollte, was sie nun mal nicht hat, weil sie in einem geschichtlichen Prozess von Auseinandersetzungen zu verstehen ist, wo ganz verschiedene Akteure mitwirken …“ (Andreas)

    Nun verrätsel das doch nicht alles so! :-) Alles viel zu komplex, als dass die DK da durchblickt, gell? Na ja gut, so komplex nun auch nicht. „Geschichtliche Prozesse“ passieren nicht einfach so, sondern sind Produkt von Sachzwängen und den Interessen, die sie erzeugen. Mit welchen Sachzwängen hat man es denn zu tun in dieser Gesellschaft? Man muss an Knete kommen! Naja, da bleiben einem halt zwei Varianten. Man anerkennt diesen Zwang und bemüht sich nur noch darum, dass man innerhalb dieses Systems nicht zu sehr untergeht. Dann macht man einen Gerechtigkeitsstandpunkt auf. Es ist doch ungerecht, dass hier die einen eine bessere Startposition haben als die anderen. Dann erkämpft man sich hier und da einen sozialstaatlichen Ausgleich und hat am Getriebe an sich nix kritisiert. Das machst du und das ist der Inhalt deiner viel beschworenen Praxis, an der es bei der DK deiner Ansicht nach mangelt, weil die sich ja nur in „Theoriezirkel zurückziehen“. Oder man stellt diesen Zwang grundsätzlich in Frage, erklärt sich seine Herkunft und macht eben da was gegen. Aber um dagegen vorzugehen, taugt die Praxis nicht, die du vorschlägst, dafür muss man Leute mit Wissen über die Verhältnisse ausstatten. Die sollen doch schließlich wissen, was der Grund der Schädigung ist, die sie tagtäglich erfahren. Das ist wichtig, da gibt es nämlich sehr viel klarzustellen. Und fürs Klarstellen sind Diskussionszirkel nun mal die einzig gangbare Praxis. Bevor man „dagegen“ ist, muss man doch wissen, „wogegen“. Was schlägst du denn der DK an Praxis vor? Sollen die an deiner Bewegung teilnehmen, die sie aus genannten Gründen blöd finden? Sollen sie Terroristen werden? Sollen sie in die Institutionen gehen und dort die Funktionen ausführen, für die sie dort vorgesehen sind? (Verwaltung des staatlich Apparats, aber bitte schön mit einem sozialpolitischen Touch). Das ist doch alles lächerlich!

    „Wenn man studiert, dann wird man erstmal vom Zwang zur Arbeit befreit. Aber ich überlasse es den Arbeiterkindern selber, ob sie aus extrinsischen oder intrinsischen Gründen studieren wollen.“
    (Andreas)

    Wie großzügig von dir!

    ICH SCHRIEB: „Was dich stört, ist das Klassenbewusstsein [gemeint war: Standesdünkel] der Lehrer und/oder Professoren, die systematisch Arbeiterkindern Steine in den Weg legen.“ (P. aus Bonn)

    DEINE REAKTION: „Falsch. Ich hatte geschrieben, dass es diesen Klassismus von Lehrer_innen und Professor_innen gegen Arbeiterkinder gibt, und dass dies von der DK etc. geleugnet wird. So weit ist das richtig, hinzu kommt aber, dass diese Vorurteilsstrukturen in einem System eingebaut sind, durch das sie überhaupt erst wirkmächtig werden. Würden die Lehrkräfte nicht gezwungen, nach dem vierten Schuljahr Schulempfehlungen zu geben, …“ (Andreas)

    … dann würde nicht das Bildungswesen diese Selektion vornehmen, sondern erst der Arbeitgeber.
    Dann kannst du dir zugute halten, die Selektion aus dem Bildungswesen verbannt zu haben, aber stattfinden tut sie sowieso. Das meinte ich in einem vorherigen Beitrag mit „Gewissenspflege“.

    „Es geht hier nicht einfach darum, dass einzelne Lehrer mal ein bißchen standesdünkeln, sondern es werden Institutionen geschaffen und aufrechterhalten.“ (Andreas)

    Ich versteh dich nicht. Einerseits sagst du, das Standesdünkeln stört dich nicht wirklich, andererseits sagst du, die Institutionen müssen so verändert werden, dass dieses Standesdünkel nicht wirkmächtig wird, also stört dich doch genau das. Nun gut, dazu hab ich ja schon was gesagt. Stichwort: Das IDEAL der Chancengleichheit als demokratischer Tauglichkeitsrassismus.

    „Institutionelle Diskriminierung und Vorurteilsstrukturen gehen oftmals Hand in Hand. Dieser ganze Komplex wird von Euch ignoriert, weil es nicht ins schematische Theoriegebäude passt.“
    (Andreas)

    Du hast einen Komplex, aber das ist kein „Komplex“. Zum Komplex wird es erst durch deine Verrätselungen. Und wie gesagt, einer Theorie vorzuwerfen, sie sei „zu schematisch“, ist inhaltsleer und fade.

    ICH SCHRIEB: „Deine Folgerung aus diesem Befund (der mag ja empirisch durchaus richtig sein): Das sollen die doch bitte gefälligst unterlassen! Du willst – sei es durch moralische Appelle, sei es durch gesetzliche Richtlinien, die du vielleicht einforderst –, dass Arbeiterkinder nicht mehr an diesem Maßstab gemessen werden.“ (P. aus Bonn)

    DEINE REAKTION: „Es geht nicht nur um individuelle Vorurteile […], sondern darum, dass hier in der Bundesrepublik Deutschland machtvoll ein System der Benachteiligung aufrechterhalten wird, welches absolut überholt ist …“ (Andreas)

    Absolut überholt? Für deinen Geschmack vielleicht! Zweckoptimal, würden manche Politiker dazu sagen. Du kannst dich doch nicht mit deinen humanistischen Idealen blind neben das Bildungssystem stellen und mit dem empor gehobenen Zeigefinger deinen Unmut darüber bekunden, dass es deinen Idealen nicht so zu Diensten ist, wie du es gerne hättest und wie du es von deinem Staat erwartest. Erkläre dir doch lieber, warum es so eingerichtet ist, wie es eingerichtet ist.

    „(Fortsetzung) … und nicht nur aus sozialen, aus menschenrechtlichen Gründen bzw. aus Gründen der Gleichbehandlung abzulehnen ist, sondern auch von der OECD, den Handwerkskammern und wirtschaftsnahen Forschungsinstituten abgelehnt wird.“ (Andreas)

    Die werden ihre Gründe haben. Dann schaut man die sich mal an. So wie Kapitalisten in Finnland die Selektion für zu spät befinden und das dortige Bildungswesen anklagen, es würde seinem Selektionsauftrag nur unzureichend gerecht, wird sie hier mancherseits für zu früh befunden. Will man sich an diesem Streit ernsthaft beteiligen?

    „Bereits nach dem Sieg über die Nazis forderten die Alliierten …“ (Andreas)

    Die sind ja bekanntlich der Weisheit letzter Schluss und haben keine eigenen Interessen.

    „(Fortsetzung) … die Beendigung des dreigliedrigen Schulsystem in Deutschland. Dieser strukturelle Anachronismus wird aufrechterhalten und mit ihm gehen Einstellungen einher, die schon von Heinrich Mann vor hundert Jahren treffend gezeichnet wurden und die wir jetzt bei Sarrazin und seinen zigtausenden Anhängern wiederentdecken dürfen.“ (Andreas)

    Solche Einstellungen gibt es auch in Schweden, in Korea, in Australien etc. Ist mir jetzt zu blöd, alle Länder der Welt aufzuzählen. Und die sind auch nicht dadurch wegzukriegen, dass man die Kinder später selektiert, womöglich zur Uni schickt. Sarrazin ist selbst Studierter, das hat ihn vor seinen „Einstellungen“ nicht bewahrt.

    „Der Hamburger Schulkampf hat gezeigt, wer hierzulande die Bildungspolitik „bestimmt“ – oder zumindest ein gehöriges Wörtchen mitzureden hat.“ (Andreas)

    Wenn man nicht mehr fordert, als man darf, dann kann man sich auch einreden, man hätte was bewirkt :-D Nein Spaß, ich kenne den Hamburger Schulkampf nicht, und weiß auch nicht, was die Schüler sich da erkämpft haben. Aber wäre es von Bedeutung, hätte man es schon mitgekriegt. Wahrscheinlich wäre dann schon Bürgerkrieg angesagt. Kannst mir ja einen Link zu diesem „Schulkampf“ schicken.

    ***

    ICH SCHRIEB: „Angenommen, du hast Erfolg damit, und es wird ein Gesetz verankert, welches Klassismus und Rassismus unter Strafe stellt.“ (P. aus Bonn)

    DEINE REAKTION: „Witzbold. „Soziale Herkunft“ wurde noch vor Verabschiedung der europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien aus dem Katalog herausgeworfen. Es ist gesellschaftlich weit und breit keine Gruppe mit irgendwelchen nennenswerten Einflüssen in Sicht, die dafür eintritt, die Klassismus durch das AGG verbieten lassen will.“ (Andreas)

    Ich hatte ja auch nur gesagt „angenommen“. Und dann hatte ich dich sogleich dazu aufgefordert mal durchzudenken, was das eigentlich letztlich heißt, wenn das Gültigkeit hätte. Man bekäme den perfekten, lupenreinen Tauglichkeitsrassissmus. Damit ist man vielleicht in der FDP gut aufgehoben, aber nicht in der linken Szene. Auch die kennen übrigens so etwas wie „Gleichstellungsbeauftragte“. Du bist halt auch einer und damit auch gar nicht so allein auf verlorenem Posten wie du im folgenden Zitat vielleicht meinst:

    „Wir konnten darauf hinwirken, dass bei der aktuellen Erhebung zu Diskriminierung an Hochschulen durch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes eventuell auch die soziale Herkunft berücksichtigt wird. Das ist alles und außer uns hat keine andere Gruppe diese Forderung erhoben.“
    (Andreas)

    Genau genommen, kannst du dich mit solchen Forderungen bei jeder Partei bewerben :-)

    ***

    „Der zweite Denkfehler besteht eben darin, dass es in diesem System möglich wäre, die Reproduktion der Klassen zu gestalten ohne die Interessen der Privilegierten zu berücksichtigen.“
    (Andreas)

    Wieso nur „möglich“? Die reproduziert sich doch tagtäglich genau so. Niemand schreibt einem vor, ob man Kinder in die Welt setzt [wenn du „Reproduktion“ im Sinne von Fortpflanzung meinst] oder für welche Hobbies man sein Geld ausgibt [wenn du „Reproduktion“ im Sinne der Erholung von den Strapazen der Arbeit meinst]. Schranken allerdings hat man, aber die sind unpersönlich, nicht in Form eines konkreten Subjekts, das einem Gewalt antut: die Schranke ist das Geld, was man hat oder eben nicht. Das gilt es immer zu berücksichtigen, ob bei der Familien- oder Freizeitplanung.

    ***

    „Der dritte Denkfehler basiert darauf, dass du meine Argumente nicht zur Kenntnis nimmst, sondern gegen etwas argumentierst, wo ich dir völlig recht gebe: a) Praxis ohne Theorie ist falsch, b) die ökonomischen Verhältnisse nicht in Frage zu stellen und nur an einem Zurechtkommen im Kapitalismus zu arbeiten ist falsch und c) den Arbeiter zu verabsolutieren statt an der Aufhebung der Klassen bzw. der Klassengesellschaft zu arbeiten ist ebenfalls falsch. Ja. Klar.“ (Andreas)

    ZU(a):
    --------

    Da hast du mich widerum missverstanden. Ich habe nicht behauptet, Praxis ohne Theorie sei falsch, sondern noch viel mehr: das eine ohne das andere ist logisch überhaupt nicht zu haben. Jede Handlung ist Resultat eines Geistesblitzes, ob bei dir, bei uns, bei einem Typen, der Ausländer verprügelt, oder bei Arbeiterkind.de – alle haben eine Theorie. Von daher kann niemals der Vorwurf sein, man mache „zu viel“ oder „zu wenig“ Theorie ((Verschwörungstheorien sind teilweise sehr „komplex“)), sondern man muss sich anschauen, „welche“ Theorie da am wirken ist.

    „Habe ich irgendwo Theorie abgelehnt? Nein, ich habe kritisiert, dass Gruppen wie die DK in verschiedenen Variationen keine andere Praxis haben, als über ihr eigenes Theoriemodell zu diskutieren.“ (Andreas)

    Das haben Mathematiker auch nicht. Würdest du denen unterstellen, die machen nur Quatsch und keine ernsthafte Wissenschaft? Wenn eine Theorie nun mal alles Notwendige zu einem Gegenstand erklärt (((oder vielleicht auch nicht alles Notwendige, dass muss sich ja auf diesen Treffen im Streit herausstellen))), dann geht es nur noch darum sie zu verbreiten. Bücher schreiben, Referenten und Publikum einladen, diskutieren, diskutieren, diskutieren, eventuell die Theorie auch an der einen oder anderen Stelle geringfügig nachbessern – auch sowas kommt gelegentlich vor, wenn sich die Einsicht durchschlägt, dass die bisherige Theorie fehlerhaft war. Ja meinst du denn ernsthaft, da wird einer Schar gebildeter Leute eine Theorie vor den Kopf gesetzt und die haben die zu schlucken und abzunicken? Einfach so, weil es unterwürfige Lämmer sind? In der Regel kommt man zu der DK überhaupt nur über den erbitterten Streit mit der DK. Du kannst dich ja mal umhören in deren Kreisen – da sind ziemlich Viele bei, die sich anfangs einen ordentlichen Hass auf diese Gruppe geschoben haben und später, erst nach vielen langen Diskussionen, zu denen sie freiwillig auf die Termine gingen, einsichtig wurden. Da wurde nicht deren Wille gebrochen, sondern die haben was kapiert! Frag doch mal den H., über den du dich ärgerst und gegen den du dich mit anderen verbündet hast, wie er zu der DK gekommen ist, der wird dir bestimmt was ähnliches erzählen.

    „Gerade wenn man eine bessere Gesellschaft anstrebt jenseits der kapitalistischen Ökonomie, darf man sich nicht in Theoriezirkel zurückziehen, sondern man muss Teil der emanzipatorischen Kämpfe werden, um aus dieser Praxis Rückschlüsse für die Theorie zu ziehen.“ (Andeas)

    Diese Rückschlüsse wurden schon längst gezogen :-) Deswegen will man ja gar nicht erst Teil der emanzipatorischen Kämpfe, die du so beschwörst, sein, und so emanzipatorisch sind die auch nicht, wie du es dir denkst. Beispiel 1: Man setzt sich für die Gleichberechtigung der Frau ein, schon hat man ein Bundeskanzlerin und einen Schwuli als Oberhäupter der Nation. Sonst alles beim Alten! Ob man von einer Frau oder von einem Mann aus seinem Betrieb entlassen wird, wen juckt’s. Beispiel 2: Man besetzt Fabriken und versucht eine Genossenschaft aufzuziehen, schon stellt man fest, dass einen die Sachzwänge der Konkurrenz einholen und man entweder den Betrieb einstellen oder eben sich selbst ausbeuten muss, um im Preiskampf mithalten zu können. Das hätte man auch vorher wissen können. Beispiel 3: Man wird Mitglied in der Gewerkschaft und findet sich vor einem Widerspruch: Wenn die Lohnforderungen überzogen sind, muss der Betrieb Leute entlassen, um sich die restlichen Arbeiter leisten zu können, also segnet man halt alles ab, was einem der „Markt diktiert“ und wird überdies aus Angst, dass das Kapital seinen Standort wechselt, nicht zum Antikapitalisten, sondern sogar noch zum Nationalisten. Wer eine gescheite Theorie hat, der weiß das alles nicht erst im Nachhinein.

    Und außerdem, was heißt „in Theoriezirkel zurückziehen“? Die Vokabel ist ein bisschen anmaßend. Man versucht doch im Gegenteil, Leute offensiv anzuwerben. Dafür wären die Mittel des Referats mit Sicherheit ganz günstig gewesen. Aber die gönnst du der DK ja nicht.

    ZU (b):
    --------
    Wenn du mit Chancengleichheit implizit Taglichkeitsrassismuss forderst, dann stellst du die Verhältnisse aber nicht in Frage.

    ZU (c):
    ---------
    Du machst aber genau das mit deinem Programm. Merkst du das nicht? Hier zum Beispiel ein Zitat von dir dazu:

    „Arbeiterkinder haben den Vorteil, dass sie in zwei Welten leben.“ (Andrea)

    Was soll denn das für ein Scheißvorteil sein? In der Welt des Arbeiters ist erstmal nur „Mangel“ und „Maloche“ angesagt. Da ist kein Vorteil weit und breit! Wahrscheinlich denkst du dir auch, Benachteiligte (ob Arbeiter, Frauen oder Ausländer), sind „einfühlsamer“ oder sonst was. Da irrst du dich, da sind mitunter die härtesten Konkurrenzheinis und Heuchler unterwegs, geschult im Ellebogenkampf und die wenigen Plätze an der Sonne, wissend wie man mit Seinesgleichen umzugehen hat: nicht zu schonend jedenfalls – man selbst musst ja auch viel einstecken. So wird da gedacht. Oder auch nicht, bleibt halt jedem selbst überlassen, welche Lehren er aus seinem Schicksal zieht.

    „Gerade wir studierenden Arbeiterkinder sind doch Hybride, Straddler, die weder in die arbeiterliche Herkunftsfamilie passen, noch in den arbeiterfeindlichen Unialltag.“

    Nun hör aber mal auf! Auf die Uni wird man vorbereitet. Dafür muss man ein Hochschulzugangsberechtigung haben. Wenn man die hat, passt man auch in die Uni und deren Alltag. Das passende Heuchler-Vokabular lernt man in seinem Fachbereich. Wer sich da nicht einfinden will, weil es dem Habitus des Arbeiters nicht entspricht, ist selbst der Standesdünkler. Dass es dort arbeiterfeindlich zugeht, liegt im „Habitus“ oder „Bluff“ – das kann man sich bei der Bedarf sehr schnell aneignen –, sondern in den „arbeiterfeindlichen“ („bürgerlichen“) Theorien, die dort, übrigens auch von Emporkömmlingen aus der Arbeiterklasse, fabriziert und verbreitet werden. Gegen die muss man doch was sagen können! Darin bildet die DK aus. Die hat zu fast jedem Fach eine kritische Besprechung. Selbst zu den Fehlern der Musiktheorie gibt es aus dem Umfeld der DK eine Schrift :-) Und was machst du? Du störst dich nur an der Form („Habitus“, „Bluff“) statt am Inhalt des ganzen akademischen Getriebes.

    „Bevor ich das Thema Bildungsbenachteiligung „entdeckte“ ist mir der Klassismus in linken Gruppen aufgefallen.“ (Andreas)

    Weißt du was? Jeder Hauptschüler hält dich für abgehoben. Die schweren Wörter, die du benutzt, gehen ja mal gar nicht :-D (Achtung: Ironie!)

    „Und so ist ja auch der Begriff Klassismus geschichtlich erstmals vor vierzig Jahren verwendet worden: als Kritik der Arbeitertöchter der Lesbengruppe „Furies“ an ihre weißen Genossen aus reicheren Elternhäusern.“ (Andreas)

    Mag ja sein, ist aber eine blöde Kritik. Neulich war ich auf einer Ökonomie-Veranstaltung der Antifa. Es ging um die Krisentheorie der Gruppe Krisis. Es entstand ein inhaltlicher Streit zwischen dem Referenten und einem alten Genossen. Das Wortgefecht ging hin und her, plötzlich schreit eine aufgebrachte Furie aus dem Publikum dazwischen und meint, das können ja nicht angehen, dieses Macho-Gehabe, dieser Hahnenkampf, das sei ihrer Erfahrung nach immer so auf Ökonomie-Veranstaltungen. Die Olle hat sich vollkommen blind zu den dort verhandelten Themen gestellt und sich nur auf die Form fixiert: da reden Männer mit Männern, und ich ALS FRAU komme nicht zu Wort, das sei ja wohl die absolute Höhe! Erstens hat sie keiner daran gestört, statt ihres Einwurfs zum Thema Geschlecht, einen Einwurf direkt zur Sache zu machen. Zweitens zeigt sich gerade in solchen Akten auch der noch viel zu sehr verharmloste Gerontismus. Die hat den alten Mann einfach so diskriminiert, die Schlampe :-D (Achtung: Ironie!)

    Lange Anekdote, kurzer Sinn: „Ich“ ist kein Argument! „Ich als Frau“, „ich als Neger“, „ich als Arbeiter“, „ich als Apotheker“ ist genauso wenig ein Argument, sondern Standesdünkel.

    ***

    ICH SCHRIEB: „Es ist nix dagegen einzuwenden, dass man sich in diesen miesen Verhältnissen wechselseitig unter die Arme greift (meinetwegen auch instutionell), einander durchzieht und Tipps und Tricks austauscht wie man den Tretmühlen des Systems, wo immer geht, ausweichen kann etc. – es ist nun mal eine praktische Notwendigkeit, die auch wahrscheinlich die DK nicht leugnet. Aber das schon als politische Praxis zu verkaufen, würde ihr niemals in den Sinn kommen.“ (P. aus Bonn)

    DEINE REAKTION: „Damit zeigst du, dass du von Klassismus nichts begriffen hast. Wer greift denn wem unter die Arme? Wer hat denn Ressourcen, wer kennt Tipps und Tricks, wer hat überhaupt mit wem Kontakt und wieviele Ressourcen kommen in diesen Kontakten zusammen?“ (Andreas)

    Da gibt es einige Möglichkeiten. Was meinst du, wie ich mich über Wasser gehalten haben während meines Studiums? Genossen schanzen einem den einen oder anderen Job zu, weisen auf Gesetzeslücken hin, wo Geld abzugreifen ist, oder machen ganz groß Karriere um von ihrem Einkommen andere Genossen mitdurchzubringen und für die Agitation frei zu halten. Das macht man halt, weil man einander mag und den gleichen Zweck verfolgt.

    Mit dem Einschub „meinetwegen auch institutionell“ meinte ich nicht staatliche Institution, sondern selbst aufgezogene Selbsthilfe-Organisationen, von denen gibt es ja auch ein paar, z.B das „Miethaussyndikat“, oder in Köln die Sozialistischen Selbsthilfe-Kollektive. Wenn das der Grund deiner Empörung war, okay.

    Gruß, P. aus Bonn

  33. 33 ue 25. Februar 2011 um 22:49 Uhr

    Nur mal als Anregung für die Anhänger von Diskriminierungstheorien: Die Diskriminierung einer Gruppe berührt ein Individuum überhaupt nicht. Menschen haben ein individuelles Bewusstsein, kein Kollektivbewusstsein. Ich verstehe nicht, wieso hier so getan wird, als handele es sich bei Arbeiterkindern um ein Kollektivbewusstsein. Es sind immer Menschen – Individuen, eigenständige Personen –, denen der gesellschaftliche Reichtum, die Fülle an Gebrauchswerten und die Selbstorganisation zu Produzenten verwehrt werden. Es tut nichts zur Sache, welche Mengen sich über diesen Menschen bilden lassen. Es ist eine mathematische Wahrheit, dass jede n-elementige Menge 2^n Teilmengen hat. Die Menge der Arbeiterkinder und die Menge der Frauen sind zwei der 2^82000000 Teilmengen der deutschen Bevölkerung. Was ist für das Individuum gewonnen, wenn wir uns jetzt alle Teilmengen bezüglich Diskriminierung vornehmen? Der Durchgang durch die erste Menge (Frauen) hat schon über 100 Jahre gedauert und ist zu keinem zufriedenstellenden Ende gekommen. Nun kann man sich ausrechnen, wie lange es dauert, alle Mengen zu bearbeiten, und sich überlegen, was erstrebenswerter und ergiebiger ist: Die gleichmäßige Distribution der Diskriminierung für alle Teilmengen der Gesellschaft anzustreben oder eine neue kommunistische Gesellschaft aufzubauen. Da ich nicht Teil eines Kollektivbewusstseins bin und Realist bin, wähle ich Letzteres.

  34. 34 Andreas 26. Februar 2011 um 0:04 Uhr

    Diskriminierung geschieht gruppenspezifisch und ist zudem nicht einfach nur ein Benennen oder kategorisieren. Diskriminierungen sind real und nicht beliebig. Winker und Degele sprechen von vier Strukturkategorien. Wechselwirkende Ungleichheiten und Intersektionalität – Interview mit Gabriele Winker und Nina Degele Mit einer bloßen Mengenlehre wirst du den realen Diskriminierungen nicht gerecht.

  35. 35 ue 26. Februar 2011 um 12:50 Uhr

    Dass eure „Diskriminierung“ real und nicht beliebig ist, wollte ich nicht infragestellen. Worauf ich hinweisen wollte, ist: Man kann zu jedem Menschen x eine Menge X angeben, sodass gilt: x ist Element von X und X ist bezüglich eines Kriteriums von anderen Teilmengen der Bevölkerung unterscheidbar (=diskriminiert). Nehmen wir beispielsweise als Kriterium, Autor bei Dishwasher zu sein. Frauen sind bezüglich dieses Kriteriums diskriminiert, weil fast alle Artikel von Männern stammen.
    Ich kritisiere an eurer Kritik dieser Diskriminierung, dass
    erstens die Wahl der Bezugsmenge willkürlich ist. Man hätte ebenso gut zwei gleichgroße disjunkte Teilmengen der Bewohner Deutschlands bilden können, sodass die eine Menge die westlicheren Bewohner enthält, die andere die östlicheren. Wieder käme heraus, dass ihr diskriminiert, und zwar nach Wohnort. Oder man könnte untersuchen, ob das Verhältnis von Rechtshändern zu Linkshändern dem Durchschnitt entspricht. Höchstwahrscheinlich tut es das nicht. Ihr diskriminiert also auch Rechts- oder Linkshänder. So kan man jetzt weitermachen und alle arbiträren Eigenschaften von Menschen durchgehen. Gewonnen ist damit nichts. Vor allem kommt man so nie auf die Ursache von Ausbeutung. Zwischen Menschen mit verschiedenen Wohnorten oder verschiedenem Geschlecht besteht in eurer Autorenschaft nämlich kein Widerspruch, lediglich eine andere Verteilung als in der Gesamtbevölkerung. Der gewalttätige Widerspruch existiert in einer Klassengesellschaft ausschließlich zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat.

    Zweitens kritisiere ich, dass diese „Diskriminierung“ für das Individuum unerheblich ist, weil wir nicht Teil eines Kollektivbewusstseins Männer oder Frauen sind. Daher kann jedem die „Diskriminierung“ von Geschlechtsgenossen egal sein. Sie ist nur konstruiert, eingebildet, durch eine sexistische Identifizierung von Menschen gleichen Geschlechts. Diese Identifizierung geht über die reine Feststellung einer Identität des Geschlechts hinaus. Hier wird propagandistisch eine Gemeinschaft von Leidensgenossen erzeugt zwischen Menschen, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Im Fall der Frauen hat dies der Feminismus geleistet.

    Drittens: Eure Konzeption von Diskriminierung und ihrer Aufhebung ist paradox. Nehmen wir mal an, ihr macht euch an die Gleichstellung aller 2^82000000 Teilmengen. Was ist dann aber mit der größten Menge derer, die bezüglich eines bestimmten Kriteriums diskriminiert sind, z.B. Einkommen? Wenn ihr diese Diskriminierten angleicht, ist die Menge leer. Zugleich ist die Menge nicht leer, weil ihr die Diskriminierung zuungunsten einer anderen Menge (eben der Menge der Diskriminierten [sic] aufhebt). Das ist der Widerspruch: Wenn die Menge leer ist, dann ist sie nicht leer.

  36. 36 Andreas 26. Februar 2011 um 18:01 Uhr

    Erstens:

    Der gewalttätige Widerspruch existiert in einer Klassengesellschaft ausschließlich zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat.

    Zweifellos. Aber wenn es so einen gewalttätigen Widerspruch gibt, warum werden denn dann die Proletarier nicht einfach Kapitalisten? Diese Frage ist rhetorisch und ich will damit auf die Frage der Klassenreproduktion verweisen. Die Klassen müssen reproduziert werden. Wir haben es mit verschiedenen Generationen von Kapitaleigner_innen und Arbeiter_innen zu tun und wenn der gewalttätige Widerspruch in einer Klassengesellschaft zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat besteht, dann bestimmt nicht ausschließlich. Kinder sind weder Bourgeoisie noch Proletariat. Sie werden dazu gezwungen, bestimmte Klassenpositionen einzunehmen. Und hier greifen die Strukturkategorien Herkunftsklasse, Geschlecht, „Rasse“ und Körper. Hier also setzen die Diskriminierungen an, die über die Positionen innerhalb der ökonomischen Klassenstruktur bestimmen. Das lässt sich ja auch prima aus dem Papier zur Akzeptanz der Marktwirtschaft vom wissenschaftlichen Beirat des Wirtschaftsministeriums ablesen. Sie sehen zwei grundlegende Möglichkeiten, die Akzeptanz der Martktwirtschaft wieder zu verbessern. Zum einen in der Beeinflussung der Lohnunterschiede, zum anderen in der Beeinflussung der sozialen Mobilität.

    Zweitens:

    Zweitens kritisiere ich, dass diese „Diskriminierung“ für das Individuum unerheblich ist, weil wir nicht Teil eines Kollektivbewusstseins Männer oder Frauen sind.

    Diskriminierung ist nicht auf Kategorisierung oder wie du schreibst auf „Unterscheidung“ zu reduzieren. Ich hatte einen ewig langen Streit in Wikipedia, wo ein evangelikaler Mitschreiber, dem ich eine gehörige Portion Heterosexismus unterstellte, genau das vorhatte: Diskriminierung auf seine Wortherkunft zu reduzieren. Bitte lese Bourdieu zu dem Thema. Erhellend ist beispielsweise im Band „Meditationen“ das Kapitel zu körperlichen Erkenntnis. Bourdieu und Foucault reden von „Klassenkörpern“. Ich habe die Passagen aus Foucault „Sexualität und Wahrheit“ zum Thema „Klassenkörper“ hier dargestellt: Klassenkörper Diskriminierung heißt als auch körperliche Einschreibung, die über Generationen hinweg stattfindet, sie heißt auch transgenerationale Weitergabe von Traumata. Soweit ich weiß, gibt es noch keine Untersuchungen hierzu, daher hier mein Text: Gesellschaftliches Trauma.

    Drittens:

    Eure Konzeption von Diskriminierung und ihrer Aufhebung ist paradox.

    Das ist nicht unsere Konzeption von Diskriminierung, sondern deine Konzeption von Diskriminierung.

  37. 37 ue 26. Februar 2011 um 20:47 Uhr

    Das ist nicht unsere Konzeption von Diskriminierung, sondern deine Konzeption von Diskriminierung.

    Genau das ist eure Konzeption von Diskriminierung und ihrer Aufhebung durch Nicht-Beseitigung, also ihrer Reproduktion, ihrer Bewahrung, auch wenn ihr euch dessen nicht bewusst seid. Beleg:

    Die Klassen müssen reproduziert werden.

    Du siehst es also selbst ein. Wenn alle Arbeiterkinder Kapitalisten werden sollen, müssen ausreichend Proletarier vorhanden sein, die sich ausbeuten lassen. Kapitalisten und Proletarier sind in ihrer Existenz voneinander abhängig. Ein Kapitalist ist immer Ausbeuter von jemandem und ein Proletarier ist immer ausgebeutet von jemandem. Beide existieren nur in der gesellschaftlichen Konstellation der beiden Klassen. Was soll denn eine Gesellschaft nur aus Kapitalisten oder nur aus Proletariern sein? Wen beuten diese aus, von wem werden jene ausgebeutet? Der Kuchen, den ihr Arbeiterkinder als Kapitalisten in spe essen wollt, muss von Proletariern, die ihr ausbeutet, gebacken werden. Auch darin zeigt sich wieder die Paradoxie eures Vorhabens. Einerseits wollt ihr Arbeiterkinder in herrschende Positionen heben, andererseits wollt ihr andere Leute (Bürgerkinder?) ausbeuten und somit Arbeitereltern produzieren. Vorschlag: Trefft euch doch mit einer Uni-Gruppe für Bürgerkinder und duelliert euch wie das gute studentische Tradition ist. Damit spart ihr euch oder der anderen Gruppe viel vergebliche (politische) Arbeit.

  38. 38 Andreas 27. Februar 2011 um 0:00 Uhr

    Im Kapitalismus müssen die Klassen reproduziert werden. Der Kapitalismus funktioniert nicht ohne Klassenreproduktion. Das ist eine beschreibende, keine normative Aussage.

    Es redet im Übrigen keiner davon, dass die Diskriminierung von Arbeiterkindern im Kapitalismus beendet werden kann oder muss. Niemand darf aufgrund seiner sozialen Herkunft benachteiligt werden – wenn diese Benachteiligung am Kapitalismus gekoppelt ist, dann muss eben ein diskriminierungsfreies System an seine Stelle treten.

  39. 39 umwerfend 27. Februar 2011 um 1:12 Uhr

    darf: ach.

  40. 40 Andreas 27. Februar 2011 um 1:21 Uhr

    Was?

  41. 41 Arbeiterkind 17. März 2011 um 10:16 Uhr

    Och, ist mir alles zu hoch hier. Da bleibe ich lieber bei der klassischen Arbeiterliteratur: Pornohefte und Bildzeitung

  42. 42 Carl 20. März 2011 um 18:59 Uhr

    Was ist eigentlich dein Problem?

    Ich meine: Was erwartest du dir von uns, von deiner Anwesenheit in diesem Forum und so weiter?

  43. 43 Arbeiterkind 22. März 2011 um 1:39 Uhr

    Ich will hier gar nix, hab mich auf dem Weg zum Kiosk hier verirrt.

  44. 44 Andreas 22. März 2011 um 1:44 Uhr

    So kommt die Kritik um ihrer selbst willen zu ihrem gerechten Ende.

  45. 45 Arbeiterkind 22. März 2011 um 13:55 Uhr

    ***zensiert***

    Das bin übrigens nicht ich, der dich hier kritisiert, sondern irgendein Depp. Und du brauchst gar nicht hämisch sein. Keiner von uns macht Kritik um ihrer selbst willen, das trägst du nur an uns heran zur Denunziation. Du kannst deinen Leistungsgerechtigkeitsidealismus samt Arbeiterkinderhoffnungen hier gerne weiter betreiben. Auf Kritik gehst du ja sowieso nicht ein.

  46. 46 Arbeiterkind Nr. 2 23. März 2011 um 3:23 Uhr

    Ach, hier ist ja noch ein Arbeiterkind. Dann bin ich halt Arbeiterkind Nr. 2. Hab ich ganz übersehen :-) Ich wollte mich eigentlich nur lustig machen über den die viel zu gute Meinung von Arbeiterkinder, und Arbeiterkind Nr. 1 in seiner Beanstandung des Leistungsidealimus, dem hier ungeniert gefröhnt wird, Recht zu geben. Wir Arbeiterkinder halten schließlich zusammen, nicht wahr?

  47. 47 Das falsche Mittel 25. September 2011 um 20:49 Uhr

    Die Kompensation über eine chancengleiche Bildungskonkurrenz ist kein wirklicher Ausweg: sie kann nämlich maximal dazu führen, dass die soziale Herkunft keine Rolle für die Besetzung der zu vergebenden Jobs am oberen bzw. unteren Ende der gesellschaftlichen Skala spielt. Was sie aber selbstverständlich nicht kann (und auch gar nicht will), ist: diese Hierarchie selbst auflösen.

  48. 48 Andreas 25. September 2011 um 21:34 Uhr

    Warum kann sie diese Hierarchie nicht auflösen? Der Kapitalismus ist auf die permanente Klassenreproduktion angewiesen. Diese trägt einen Widerspruch in sich: zum einen soll es meritorkratisch zugehen, zum anderen scheint der Kapitalismus auf das Wohlwollen der Privilegierten und ihrer Privilegien angewiesen zu sein, die dem Prinzip der Meritokratie widersprechen. Die Aktzeptanz der Marktwirtschaft ist in den letzten Jahren massiv gesunken. Da nicht gewollt ist, direkt in das Marktgeschehen einzugreifen, um nicht die unsichtbare Hand Adam Smiths zu behindern, sollte – so die Empfehlung einer Kommission im Wirtschaftsministerium – die soziale Durchlässigkeit erhöht werden. Wenn schon die Vermögensunterschiede immer größer werden, so soll doch zumindest die Möglichkeit erhöht werden, zu den Gewinnern zu gehören – so die Logik. Kurz darauf war der Hamburger Volksentscheid, wo die Privilegierten keineswegs der Logik aus dem Wirtschaftministerium folgen wollten. Hier ist eine Sollbruchstelle. Der Kapitalismus braucht die meritokratische Legitimation und weitgehend sogar das meritokratische Prinzip. Aber das gibt es nicht, weil er auch die Unterstütztung der Privilegierten benötigt.

  49. 49 Das falsche Mittel 26. September 2011 um 9:20 Uhr

    Wenn alle Menschen die gleichen Voraussetzungen für den Kampf in der Konkurrenz um den Reichtum der Gesellschaft haben, ist damit die Konkurrenz aufgehoben – oder in irgendeiner Weise abgemildert? Ich würde sagen, sie wird dadurch sogar noch verschärft. Die Löhne der besser bezahlten Jobs sinken, weil viel mehr Leute imstande sind um sie zu konkurrieren. Was mit den Löhnen der schlechter bezahlten Jobs passiert, kannst du dir vielleicht selbst zuende denken.

    Jedenfalls, wenn das dein Programm ist, nur zu, doch behaupte nicht, das hätte irgendwas auch nur ansatzweise was mit Kapitalismuskritik zu tun. Erstens rüttelst du an dem kein Deut, zweitens hat davon keiner der Geschädigten was: Die sogenannten „Previligierten“ [ich schätze mal, damit meinst du noch nicht mal die Eigentümer der Produktionsmittel und Herrscher über die Arbeit, denn deren Vorankommen hat kein bisschen was mit Leistung („= Meritum“ ?) zu tun, zumindest nicht ihrer eigenen – eher was mit einem gescheiten Kredit oder einem Erbe, sondern du meinst wohl die studierten Leute mit den etwas besser bezahlten Jobs], die ja letztlich auch nur Scheißjobs haben, weil auch sie dem Prinzip der Konkurrenz unterworfen sind, werden ihre „Previlegien“, also die besseren Gehälter, los und umgekehrt werden die Unterpreviligierten noch mehr und noch gnadenloser auf das Leistungsprinzip eingeschworen, sie werden also mit der Einbildung gespeist, dass wirkich jeder jeder jeder (auch Arbeiter-, Neger- und sonst was für Kinder) seines Glückes Schmied ist, und zwar – durch deinen Verdienst – ganz unabhängig von der eigenen Herkunft. Wäre nicht eher eine Kritik dieser Einbildung angebracht statt sie zu fördern?

  50. 50 Das falsche Mittel 26. September 2011 um 9:20 Uhr

    Wenn alle Menschen die gleichen Voraussetzungen für den Kampf in der Konkurrenz um den Reichtum der Gesellschaft haben, ist damit die Konkurrenz aufgehoben – oder in irgendeiner Weise abgemildert? Ich würde sagen, sie wird dadurch sogar noch verschärft. Die Löhne der besser bezahlten Jobs sinken, weil viel mehr Leute imstande sind um sie zu konkurrieren. Was mit den Löhnen der schlechter bezahlten Jobs passiert, kannst du dir vielleicht selbst zuende denken.

    Jedenfalls, wenn das dein Programm ist, nur zu, doch behaupte nicht, das hätte irgendwas auch nur ansatzweise was mit Kapitalismuskritik zu tun. Erstens rüttelst du an dem kein Deut, zweitens hat davon keiner der Geschädigten was: Die sogenannten „Previligierten“ [ich schätze mal, damit meinst du noch nicht mal die Eigentümer der Produktionsmittel und Herrscher über die Arbeit, denn deren Vorankommen hat kein bisschen was mit Leistung („= Meritum“ ?) zu tun, zumindest nicht ihrer eigenen – eher was mit einem gescheiten Kredit oder einem Erbe, sondern du meinst wohl die studierten Leute mit den etwas besser bezahlten Jobs], die ja letztlich auch nur Scheißjobs haben, weil auch sie dem Prinzip der Konkurrenz unterworfen sind, werden ihre „Previlegien“, also die besseren Gehälter, los und umgekehrt werden die Unterpreviligierten noch mehr und noch gnadenloser auf das Leistungsprinzip eingeschworen, sie werden also mit der Einbildung gespeist, dass wirkich jeder jeder jeder (auch Arbeiter-, Neger- und sonst was für Kinder) seines Glückes Schmied ist, und zwar – durch deinen Verdienst – ganz unabhängig von der eigenen Herkunft. Wäre nicht eher eine Kritik dieser Einbildung angebracht statt sie zu fördern?

  51. 51 Andreas 26. September 2011 um 10:02 Uhr

    Wenn alle Menschen die gleichen Voraussetzungen für den Kampf in der Konkurrenz um den Reichtum der Gesellschaft haben, ist damit die Konkurrenz aufgehoben – oder in irgendeiner Weise abgemildert?

    Dieses abstrakte Vorstellung geht davon aus, dass es nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch möglich wäre, dass alle Benachteiligungen ausgeschaltet werden. Ich gehe aber davon aus, dass es im Kapitalismus gar nicht möglich ist, Privilegierungen und Diskriminierungen vollständig abzuschaffen.

    Die Kritik am Mythos der Leistungsgesellschaft wird übrigens von uns geleistet und nicht vom Gegenstandpunkt. Daher gebe ich die Frage zurück: wäre es nicht eher angebracht, den Mythos der Leistungsgesellschaft zu kritisieren, statt so zu tun, als lebten wir bereits in einer Leistungsgesellschaft?

  52. 52 Arbeiterkind 26. September 2011 um 10:30 Uhr

    Dieses abstrakte Vorstellung geht davon aus, dass es nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch möglich wäre, dass alle Benachteiligungen ausgeschaltet werden. Ich gehe aber davon aus, dass es im Kapitalismus gar nicht möglich ist, Privilegierungen und Diskriminierungen vollständig abzuschaffen.

    Ein hohes Lob des Kapitalismus: Wenn es möglich wäre, alle Benachteiligungen abzuschaffen, also Chancengleichheit zu realisieren, Arbeiterkinder mit gleichen Voraussetzungen in die Ausbildungskonkurrenz zu schicken, dann wäre Kapitalismus dufte.

    Es ist schon lustig: Die (Ausbildungs)Konkurrenz will das exponierte Arbeiterkind Andreas nicht abschaffen, aber die Resultate schmecken ihm nicht, weil die wieder unterschiedliche Voraussetzungen für die neue Konkurrenzrunde herstellen. Da beißt sich die Katze irgendwie in den Schwanz, oder?

    Gegengegenfrage: Wie kommst Du darauf, dass die Leistungsgesellschaft ein Mythos ist? Andererseits: Wenn die Leistungsgesellschaft echt wäre – ist das erstrebenswert für dich? Eine Gesellschaft, die leistet getrennt davon, wofür sie leistet? Da gruselt es mir jetzt schon.

  53. 53 Andreas 26. September 2011 um 10:46 Uhr

    Du baust für deine Argumentation einen Popanz auf, um diesen dann zu kritisieren.

    Ich habe nirgendwo gesagt, dass ich den Kapitalismus gut finde oder gut fände, wenn er ohne Diskriminierungen und Privilegien funktionieren könnte.

    Ich habe gesagt, dass der Kapitalismus nicht ohne Benachteiligungen und Diskriminierungen funktioniert und dass er aber gleichzeitig das Bild der Leistungsgesellschaft hoch halten muss.

    Aber arbeite dich ruhig weiter an dein selbst geschaffenes Konstrukt „Kritik an Diskriminierung = Befürwortung des Kapitalismus“ ab.

  54. 54 Bert 29. September 2011 um 20:41 Uhr

    Kurzinfo zu ‚Gegenstandpunkt‘: Ihre Referenten halten hier in Berlin in der Baiz besoffen ihre Vorträge, zu denen sie in Szenezeitschriften eingeladen haben. Ihre Anhänger scheint ds nicht zu stören. .
    ‚Gengenstandpunkt‘ ist aus der dubiosen MG (Marxistischen Gruppe) hervorgegangen. An sonst friedlichen Universitäten gab es in den Achtziger Jahren verhäuft Schlägereien mit den Leuten dieser Gruppe.

  55. 55 Pfefferminze 29. September 2011 um 21:02 Uhr

    Ich nehme an, der Poster „Bert“ neigt selber zu Substanzmißbrauch. Denn sonst wäre ihm sicherlich aufgefallen, daß Referenten des Gegenstandpunkt nicht nur im BAIZ referieren sondern hier und da anderswo auch, übrigens nicht nur in Berlin. Zu den BAIZ-Terminen wird vernünftigerweise noch nicht mal immer in den üblichen „Szenezeitschriften“ geworben, denn da gibt es – im Unterschied zu manchem Uni-Hörsaal – herzlich wenig Platz.

    Daß sich da mancher Zuhörer an dem stößt, was Referenten vortragen, ist einerseits zu erwarten und andererseits auch gewünscht. Da fallen auch schon mal Vorwürfe. Den Vorwurf, daß ein Referent Unfug vorgetragen habe, weil er gerade ein Bier getrunken hat, der ist zumindest mir unbekannt.

    Daß es manchem Unimenschen, sei es ein zielstrebiger Anwärter auf die staatlich und privat ihnen später angebotenen Leitungsfunktionen, sei es auch „nur“ ein rabiater politischer Kontrahent, nicht gefallen haben wird, was erst MGler und später dann Gegenstandpunktler so an Unis zu sagen hatten, das ist in der Tat bekannt. Und daß Gewalt, sei es private, sei es die bestellte staatliche Gewalt für solche Typen noch immer in probates „Argument“ gegen Argumente war, stimmt auch. Und wie man sieht, gibt es Leute, die daran auch nichts ändern wollen.

  56. 56 Jona 30. September 2011 um 10:21 Uhr

    zu „Pfefferminze“:
    a) Leider sind die Leute vom Gegenstandpunkt ja zu feige, mal VWL-Vorlesungen und Seminare von bürgerlichen Profs an der Uni mit ihren ‚Argumenten‘ zu beglücken. Sie konzentrieren sich weitgehend auf das Stören und Zerstören linker Veranstaltungen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!
    b) Ich bin auch gegen Gewalt, wenn es um Argumente geht. Aber bereits die Art des „Argumenten“-Austauschs, den GSPler pflegen (der Ton, der bei Euch herrscht), ist verbale Gewalt. Ein Anblöken und aggressives Abwatschen jeder auch nur halbwegs kritischen Nachfrage. Wenn Ihr mal an der Macht wärt, müsste man richtig Angst bekommen!

  57. 57 Pferrminze 30. September 2011 um 11:27 Uhr

    Jona, du scheinst ja ein besonders schönes Beispiel für einen tumben, zynischen z.B. altstalinistischen Schlägertypen zu sein: Selbst so ein Ignorant wie du könnte problemlos rauskriegen, daß die MG so lange sie konnte und durfte, genau das versucht hat, was du jetzt höhnisch beim Gegenstandpunkt vermißt: Kritik der diversen bürgerlichen Wissenschaften, und wirklich nicht nur der VWL, an den Unis und im Optimalfall in den Seminaren. Damit haben sie zunehmend mehr auf Granit der unheiligen Allianz von stockbürgerlichen Profs und deren Studentenanhang und von Anti-MG-“Linken“ gebissen. Daran sind sie letztlich gescheitert. Übrig geblieben sind nur die Broschüren, Flugblätter und manchmal sogar kleinern Büchlein hierzu, die man immer noch nachlesen kann.

    Ja, auf Typen wie dich wirkt es gleich als „Störung“ deiner politischen Ambitionen, wenn da irgendwer, hier eben ein GSPler mal einen Versuch macht, dir deinen zerschlissenen Teppich unter dem argumentativen Arsch wegzuziehen. Damit ist dann für dich und deinesgleichen der ach so schöne Zweck, z.B. einer Abfeierei der Linkspartei oder ähnlichem Unfug „zerstört“. Und dann werdet ihr auch schon mal „böse“ und eklig. Und dazu wird dann in schönster Orwell-Manier Kritik zu verbaler „Gewalt“ umgedeutet. Vor euch muß man leider wirklich Angst haben, denn ihr habt ja wirklich die Macht.

  58. 58 Anhänger 30. September 2011 um 11:54 Uhr

    „Ihre Referenten halten hier in Berlin in der Baiz besoffen ihre Vorträge, zu denen sie in Szenezeitschriften eingeladen haben. Ihre Anhänger scheint ds nicht zu stören.“

    Das stimmt, wir trinken selber gerne bei den Vorträgen. Die Szenezeitschriften brauchen wir nicht, weil wir die Termine kennen. Das ist nur dort angekündigt für den Verfassungsschutz, damit der nicht extra hinkommen muss, sondern nur für den Bericht abschreiben braucht.
    Leider kann man nicht rauchen während der Vorträge. Hach, man kann nicht alles haben.

  59. 59 noch ein tumber, zynischer z.b. altstalinistischer schlägertyp 30. September 2011 um 23:38 Uhr

    der ach so schöne Zweck, z.B. einer Abfeierei der Linkspartei

    schenkelklopfer, wenn ich mir den „zweck“ deines kommentars so anschau.

  60. 60 Josef Grush 22. Februar 2012 um 8:54 Uhr

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