Scoring: Diskriminierung auf Grund des sozialen Umfeldes

Von Olaf Götze

Dass eine einwandfreie SCHUFA – Auskunft heutzutage notwendig ist, um einen Telefon- bzw. Handyvertrag abzuschließen ist allgemein bekannt. Demnach sollte man nicht auf überzogene Konten, offene Kredite, ungezahlte Rechnungen oder gar gerichtliche Mahnverfahren blicken, wenn man gewisse Verträge abschließen möchte. Dann wird zunächst die Bonität mittels Schufa-Auskunft geprüft. Das mag im Einzelnen ungerechtfertigt sein, ist jedoch allgemein akzeptiert. Mit den Folgen für den von allen Kommunikationswegen abgeschnittenen Menschen muss dieser selbst fertig werden – auch dann wenn er unverschuldet in diese Situation geraten und vielleicht auch auf das Telefon in besonderem Maße angewiesen ist.

Doch auch das Kreditprüfungswesen hat sich darüber hinaus aber erheblich weiterentwickelt und wird zum einträglichen Geschäft, etwa für die Bertelsmann Tochter Arvato Infoscore GmbH. Sie wenden das sogenannte Infoscoring an, eine Risikoklassifizierung, die nicht nur „harte“ Faktoren wie laufende Kredite in der Punktewertung berücksichtigen, sondern auch „weiche“ Faktoren, wie Geschlecht, Name und Alter in die Wertung mit einfließen lassen. Und eben auch das „soziale Umfeld“ d.h. die Adresse und die Wohnverhältnisse in denen man lebt gehören dazu.

So geschehen diesem jungen Mann, wohnhaft in Berlin Neukölln, dem aufgrund seines Wohnsitzes der Handyvertrag bei der Firma O2 verweigert wurde.
http://www.mindsdelight.de/2011/01/warum-mir-02-keinen-vertrag-geben-mochte-ii-nachricht-von-arvato-infoscore/

Obwohl er keinerlei Verbindlichkeiten, weder aktuelle noch ehemalige, zu verbuchen hatte, errechnet das Infoscoring auf Grund seines Alters, Geschlechtes und der Wohnanalyse für ihn nur eine Rückzahlwahrscheinlichkeit von 67 Prozent. Einfach so. Ein mathematisch-statistischer Wahrscheinlichkeitswert umgemünzt auf die Kreditwürdigkeit. Demnach wird er zu ein Drittel Wahrscheinlichkeit seine Telefonrechnung schuldig bleiben. Das dieses Ergebnis Grundlage für die Entscheidung war ihn abzulehnen bestätigt der Telefonanbieter in einem Schreiben freimütig.

Dass dies Diskriminierung bedeutet und gegen entsprechende Anti-Diskriminierungsrichtlinien etwa gegen das Prinzip der Altersdiskriminierung verstößt ist offensichtlich und sollte öffentlich auch so benannt werden. Doch zugleich ist damit eine soziales Auswahlsystem entwickelt mit weitreichenderen Folgen. Das Verfahren lässt sich als eine sozialräumliche Selektion für das alltägliche Wirtschaften des Einzelnen beschreiben. Zugleich ist es damit auch weit entfernt vom freiheitlichen Kapitalismus, wie er in Sonntagsreden so oft beschworen wird. Wirtschaften darf demnach nur noch derjenige, der auch in entsprechendem Wohnumfeld lebt.

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1 Antwort auf „Scoring: Diskriminierung auf Grund des sozialen Umfeldes“


  1. 1 Andreas 07. Januar 2011 um 14:33 Uhr

    Nur als ergänzender Hinweis: Olaf Henkel, der mit seinem „Konvent für Deutschland“ mit einigen herausragenden Klassisten (Metzger, Clement) und Sarrazin-Verteidigern (von Dohnanyi) verbunden ist, wird auch mit Redlining im Zusammenhang gebracht: Und dann war da noch Hans-Olaf Henkel

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