Studienstiftung des deutschen Volkes fördert noch immer 80% Akademikerkinder

Im Effekt hat sich so gut wie nichts geändert. Zwar können sich studierende jetzt selber bewerben und müssen nicht mehr vorgeschlagen werden. Aber auch nach einem Jahr kommen 80% der Stipendiant_innen der Stiftung des deutschen Volkes aus der Akademikerschicht. Kein Wunder, wenn man sich den Erfahrungsbericht durchliest, den Julian Kranz SPIEGEL-Online mitteilte. Bereits auf dem Weg zur Stiftung kamen ihm Bedenken:

Als er ankam fuhr gerade ein geschniegelter Herr im Sportwagen vor. „Gute Güte, wenn ich den bekomme“, habe er damals gedacht. „Ich hatte nur schlampige Klamotten fürs Auswahlgespräch dabei, weil ich dachte, das ist den Professoren eh egal.“ Prompt saß ihm in einer seiner zwei Fragerunden der feine Herr mit dem schnellen Auto gegenüber, ein Investmentbanker.

Der interviewte Julian so, wie man es sich für ein elitäres Verfahren ausmalt: Er fragte nach Harmonielehre, ließ Julian danach die Maxwell-Gleichungen und das Ende des Heiligen Römischen Reiches inklusive Jahreszahlen skizzieren und schließlich die Tankstellendichte in Deutschland schätzen. Nach einer Diskussion über die Frage, ob die Güterverteilung in Deutschland fair sei, war er entlassen.“ Juliane Frisse: Studienstiftung. Selbstbewerber eingeschränkt willkommen, SPIEGEL-online, 18.01.2011

Würde gerne wissen, was er auf die Frage nach der fairen Güterverteilung in Deutschland geantwortet hat. Und warum gehören Investmentbanker zu den Gatekeepern einer Studienstiftung?

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14 Antworten auf „Studienstiftung des deutschen Volkes fördert noch immer 80% Akademikerkinder“


  1. 1 Nikolsa 18. Februar 2011 um 11:09 Uhr

    Wenn man schon über einen Artikel berichtet, sollte man in der Berichterstattung nicht dann aufhören, wenn es zur gewünschten Aussage nicht mehr passt.

    „Froh darüber, dass er gelegentlich „zu viel Zeit auf Wikipedia“ zugebracht hatte, wie Julian sagt. Er schaffte was nur wenigen gelang und wurde einer von 87 erfolgreichen Selbstbewerbern.“

    87 von 300 entspricht grob der Quote mit der auch die vorgeschlagenen Schüler in die Stiftung kommen.

    Harmonielehre kann ein Teil des Physikunterrichts sein, da die Tonabstände Schwingungsverhältnisse z.B. auf Seiten sind und sich manche musikalischen Regeln physikalisch begründen lassen.

    Von jemanden, der Physik studiert (und er Meinung ist, zu den Besten zu gehören), kann man wirklich erwarten, dass er die Maxwell-Gleichungen kennt, die die Grundlage für alltägliche Phänomene wie Licht oder Funkverkehr sind.

    Eine Seite, die sich über fehlende Zitate in Guttenbergs Diss aufregt, sollte nicht gleichzeitig einen Zeitschriftenartikel sinnentstellend zitieren, nur weil es besser ins Weltbild passt.

  2. 2 Nikolsa 18. Februar 2011 um 11:20 Uhr

    Ein anderer Artikel:
    http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,604688,00.html

    Nicht alles, was einem böse und elitär vorkommt, ist es in Wirklichkeit auch.

  3. 3 Andreas 18. Februar 2011 um 12:54 Uhr

    Der Artikel ist nicht sinnentstellend dargestellt.

    Zum einen ist er verlinkt, so dass ihn jeder selbst nachlesen kann, wie du es zum Beispiel gemacht hast. Der Artikel hat natürlich weitere zentrale Aussagen, was an der Perspektive liegt, von der aus man die Probleme betrachtet.

    Zum zweiten ging es hier beim Zitieren genau um die Erfahrungen in der Eingangsphase des Gesprächs. Dieses kann entscheidend sein. Wie fremd und deplatziert fühlt man sich auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch?

    „Harmonielehre kann ein Teil des Physikunterrichts sein“ – Bist du sicher, dass nicht eher Harmonik erfragt wurde und dass man wie ein Fachidiot dasteht, wenn man auf Schwingungsverhältnisse eingeht, statt auf die Harmonienlehre als „systematische Erfassung der Akkordgestalten und des tonalen Klangraumes verstanden, verbunden mit methodischen Anleitungen zur fehlerfreien Handhabung der Klangverbindungen im Sinne der traditionellen Vorgaben der Musik innerhalb der dur-moll-tonalen Epoche (ca. 1600 bis in die Gegenwart)“.

  4. 4 Nikolsa 18. Februar 2011 um 13:10 Uhr

    Der Artikel (hier) beschreibt nur, wie er sich auf dem Weg zum Gespräch gefühlt hat. Und dieses Gefühl hängt nur von seiner persönlichen Erwartung und von seinem Bild der Studienstiftung ab und nicht davon, ob er sich später in ihr wohl fühlt.

    Die Fragen werden hier als abstrus und elitär abgetan, ohne wirklich auf sie einzugehen. Worum es bei der Harmonielehre wirklich ging, weiss keiner von uns. Sinn mancher Fragen kann es auch schlicht sein, zu testen, wie er auf Fragen reagiert, die er nicht lösen kann, da man von dort gut auf die Persönlichkeit und die Erfolgswahrscheinlichkeiten im Studium schließen kann.

    Die Frage nach der Tankstellendichte ist schon fast ein Klassiker bei sämtlichen Vorstellungsgesprächen und ist ein einfacher Test für Denkansätze.

    Wer den Artikel liest, ohne auch die Originalquelle zu lesen, bekommt nur mit, dass er sich unwohl gefühlt hat und schwierige Fragen bekommen hat. Im Kontext mit der Überschrift klingt das sehr nach „Arbeiterkind bekommt fiese elitäre Fragen, damit er unter keinen Umständen durchkommt“.

    Dass er nach dem Gespräch aber aufgenommen wurde, wird einfach unterschlagen. Anscheinend ist es ja doch nicht unmöglich, als Arbeiterkind aufgenommen zu werden.

    Ist es denn nicht eher ein gutes Zeichen, wenn jemand der in „schlampigen Klamotten“ vor dem „geschniegelten Investementbanker mit dem schnellen Wagen“ sitzt und mit ach so elitären Fragen gequält wird, aufgenommen wird und fortan sein Studium größtenteils vom Staat finanziert bekommt?

    Wie sehen denn deine persönlichen Erfahrungen mit der StudienStiftung aus?

  5. 5 Andreas 18. Februar 2011 um 13:57 Uhr

    Dass er nach dem Gespräch aber aufgenommen wurde, wird einfach unterschlagen. Anscheinend ist es ja doch nicht unmöglich, als Arbeiterkind aufgenommen zu werden.

    Tja, der Artikel an sich ist halt selektiv. Es wurde eben nur ein Arbeiterkind interviewt, welches durchgekommen ist – eine verschwindend geringe Minderheit. Et voila:

    Anscheinend ist es ja doch nicht unmöglich, als Arbeiterkind aufgenommen zu werden.

    Nein, UNMÖGLICH ist es nicht, als Arbeiterkind aufgenommen zu werden:
    - du musst erstmal alle Bildungsbarrieren durchbrechen, die dich an einem Studium hindern
    - und dann noch die Barrieren, die dafür sorgen, dass unter den Stipendiat_innen der Studienstiftung nur 5% studierende Arbeiterkinder sind.

    Also unmöglich ist das nicht. Aber im Grundgesetz ist von einem Verbot der BENACHTEILIGUNG die Rede, nicht von einem Verbot der absoluten VERUNMÖGLICHUNG.

  6. 6 Nikolsa 18. Februar 2011 um 14:17 Uhr

    Würdest du dann eine Quote für Arbeiterkinder fordern?
    Wie erklärst du dann einem Kind mit studierten Eltern, dass es trotz seiner persönlichen überragenden Leistungen leider nicht gefördert werden kann, weil es noch ein Arbeiterkind gibt? Wie viel besser muss dann ein Kind aus dem Akademikerhaushalt sein, damit es trotzdem gefördert wird? (Wobei es natürlich persönlich für sein Elternhaus genauso viel kann, wie der Arbeiterkind)

    Der Großteil der Stipendiaten bekommen nicht mal ein Stipendium sondern nur ein Büchergeld von 80€ im Monat. Es ist also nicht der Fall, dass ein „reiches“ Kind den armen Arbeiterkindern das Geld in der Stiftung wegnimmt.

  7. 7 Andreas 18. Februar 2011 um 15:08 Uhr

    Wie viel besser muss dann ein Kind aus dem Akademikerhaushalt sein, damit es trotzdem gefördert wird?

    *Sarkasmusmodus* Also lass mal ausrechnen: wieviel besser muss ein Akademikerkind gegenüber einem Arbeiterkind sein, damit es trotzdem gefördert wird?
    Also beginnen wir mal mit dem Elterngeld, welches reiche Eltern ja bekommen, arme nicht. Nehmen wir den Höchstsatz, 1.800 Euro mal zwölf, das sind 21.600 Euro, die natürlich verzinst werden müssen. Gehen wir mal von einem 25jährigen Studierenden aus, dann sind das bei 6% ca 92.000. Die Kita lassen wir mal außen vor, obwohl hier auch signifikant hohe Transferleistungen zugunsten der Akademikerkinder vorliegen. Ist ja nur eine Modellrechnung.
    Übergangsempfehlung von der Grundschule zum Gymnasium. Hier müssen Arbeiterkinder bekanntlich ein ganzes Schuljahr besser sein, um eine Gymnasialempfehlung zu erhalten. Gehen wir mal von durchschnittlichen Lebenshaltungskosten von 700 Euro monatlich vom 10 bis zum 25. Jahr aus, dann sind das 700×12=8400 Euro. Mit Zinsen bis zum 25. Lebensjahr wären dies etwas über 20.000 Euro. Wir wären dann also bei 112.000 Euro, die ein Akademikerkind an Vorteil hat, wenn es 25 Jahre als ist. Rechnen wir das wieder in Lebenshatlungskosten von 700 Euro um, dann müsste ein Akademikerkind fairerweise um den Lerninhalt von 13 Jahren besser sein, wenn es mit einem Arbeiterkind konkurrieren will. Das wäre dann fair.
    Leider ist dem aber nicht so. Es wird nicht nur gleichbehandelt, sondern auch bei den Stipendien bevorzugt.

  8. 8 Andreas 18. Februar 2011 um 15:24 Uhr

    *Noch immer Sarkasmus (oder nicht?)*
    Gut, 13 Jahre klingt viel. Lassen wir das Elterngeld mal raus, genauso wie die Bevorteiligung durch Kitas etc. Nehmen wir nur die Schulformempfehlung, wo ein Arbeiterkind ein ganzes Schuljahr besser sein muss als ein Akademikerkind, um eine Gymnasialempfehlung zu erhalten.
    Wir wären dann immer noch bei 20.000 Euro (mit Verzinsung), also bei 28 Monaten. Darauf können wir uns dann einigen, okay? Arbeiterkinder erhalten zum Ausgleich der Benachteiligung in der Grundschulzeit bei der Stipendienvergabe eine entsprechende verzinste Bevorteilung, die dann 28 Monate Hochschulwissen ausmacht, über die ein Akademikerkind zusätzlich verfügen muss aufgrund der Bevorteilung in seiner Kindheit. Und das ist sehr sehr wohlwollend gerechnet!

  9. 9 Nikolsa 18. Februar 2011 um 15:30 Uhr

    Das ist doch nun wirklich lächerlich. Wie kommst du auf einen 25Jährigen Studi? Stipendien werden in den ersten Semestern verteilt, da sind die meisten eher 19… Aber auch den Rest habe ich nicht wirklich nachvollzogen, das war mir doch etwas zu abstrus.

    Du bist also der Meinung, dass ausschließlich Arbeiterkinder Stipendien bekommen sollten? Unabhängig davon, wie viel Geld sie von ihren Eltern bekommen?
    Stipendien sollen besondere Leistungen und soziales Engagement belohnen und nicht soziale Ungleichheiten ausgleichen. Was du völlig ignorierst, ist das bafög. Alle deine armen Arbeiterkinder bekommen hier jeden Monat grob 3-400€ geschenkt, die andere Hälfte muss erst im Beruf unverzinst(!) zurückgezahlt werden.

    Wie viele Stipendiaten kennst du denn? Wie finanzieren sie sich denn das Studium?

  10. 10 Andreas 18. Februar 2011 um 15:43 Uhr

    Lieber Nikolsa,

    warum beschäftigst du dich nicht mit der Realtität von Diskriminierungen, sondern mit potentiellen Diskriminierungen, die irgendwie mal eintreffen könnten.

    Arbeiterkinder werden diskriminiert. Sie werden durch Vorurteile seitens der Gatekeeper im Bildungsbereich und durch die institutionelle Diskriminierung des dreigliedrigen Schulsystems massiv diskriminiert.

    Du regst dich künstlich über eine eventuell eintretende Benachteiligung von Akademikderkindern auf, die gar nicht zur Disposition steht, nimmst aber die tatsächliche massive Diskriminierung von Arbeiterkindern nicht zur Kenntnis.

    Das ist nicht glaubwürdig.

  11. 11 Nikolsa 18. Februar 2011 um 16:00 Uhr

    Bisher hast du nur gesagt, dass Arbeiterkinder bei Stipendien benachteiligt werden, was sicherlich der Fall ist.

    Wie würdest du denn diesen Nachteil aufheben wollen? Ich gehe davon aus, dass deine Rechnung nicht wirklich ernst gemeint war.

    Was würdest du denn ganz konkret ändern, um die Vergabe der Stipendien gerechter zu machen?

  12. 12 Andreas 18. Februar 2011 um 16:07 Uhr

    Stipendien abschaffen und elternunabhängiges Bafög – befristet auch für die Promotion – einführen, welches nicht zurückgezahlt werden muss. Das Ganze ist dann steuerfinanziert.

  13. 13 Nikolsa 18. Februar 2011 um 16:11 Uhr

    Im Endeffekt ein bedingungsloses Grundeinkommen für Studis?
    Was machst du mit Leuten, die sich nur einschreiben, um das Geld abzugreifen?

    Ist das überhaupt gerecht? An der Uni sind doch sowieso fast nur Kinder extrem reicher Eltern, die das Geld überhaupt nicht notwendig haben. Warum sollen denn die noch mehr Geld vom Staat bekommen, wenn sie doch schon über Elterngeld und ihre superreichen Eltern finanziert werden?
    Da sollte man doch eher nur den armen Arbeiterkindern Geld geben.

  14. 14 Andreas 18. Februar 2011 um 16:20 Uhr

    Mir ist es wichtig, dass man sich von seiner sozialen Herkunft lösen kann – ohne dass man da einfach drüber hinweggeht und die soziale Herkunft ignoriert. Das heißt eben auch, dass ich Akademikerkinder als eigenständige Menschen sehe und nicht als Kinder reicher Eltern. Das heißt aber auch, dass dringend die ganze Erbschaftssache neu durchdacht werden muss. Es gibt keinen Grund, dass Kinder von Eltern Millionen Euro etc. erben. Im Kapitalismus soll man ja nur für Leistungen belohnt werden – und leider leben hier halt noch im Kapitalismus.

    Ich bin eigentlich für ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle. Das mit dem Bafög für alle erübrigt sich damit. Da hast du recht.

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