Archiv für Januar 2011

Hans-Böckler-Stiftung, dein Satzungszweck!

Von Andreas Kemper
Die Hans-Böckler-Stiftung ist die Stiftung der Gewerkschaften und ihrem Satzungszweck entsprechend, sollte sie insbesondere „Kinder von Arbeitnehmern“ unterstützen und mit Institutionen und Organisationen zusammenarbeiten und diejenigen fördern, die im Sinne des Satzungszweckes arbeiten. Doch wie die HIS-Studie zur Begabtenförderung zeigte, vergibt die HBS ihre Stipendien IM EFFEKT unabhängig von der sozialen Herkunft, fördert also keineswegs im besonderen Maße „begabte Kinder von Arbeitnehmern“. Auch wenn es besondere Maßnahmen für Arbeiterkinder gibt, diese greifen nicht, denn „unterm Strich“ werden aus allen vier sozialen Herkunftsgruppen in etwa gleich viele Studierende gefördert. Und was die Zusammenarbeit angeht, da sind wir als politische und demokratisch legitiminierte Selbstorganisation von „studierenden Arbeiterkindern“ bisher bei jeder Kontaktaufnahme von der HBS abgewiesen worden. (mehr…)

Felice Yeskel ist gestorben

Von Andreas Kemper
Heute morgen ist Felice Yeskel gestorben. Sie stammte aus einer jüdischen Arbeiterfamilie in der Lower East Side von New York. Felice Yeskel hat die Gruppen „Class Action“ und „United for a Fair Economy“ mitgegründet. Sie betrieb die Website www.classism.org und führte Anti-Klassismus-Trainings durch. (mehr…)

Spinnewipp

Von Andreas Kemper
Die derzeit stattfindende Eugenik-Diskussion reisst nicht ab. Auf rechten Internetplattformen finden beispielweise Umfragen statt mit tausenden von Teilnehmern, die „Dekadenz“ als das derzeitige Grundübel sehen. Kinder aus unteren Schichten waren im Nazi-Deutschland besonders betroffen von der Eugenik-Ideologie. Ein Beispiel ist Paul Wulff aus Münster, der Zeit seines Lebens auf die Sozialeugenik des Nationalsozialimus aufmerksam machhte. (mehr…)

NRW-Bildungskonferenz (GEW/DGB)

In Bochum findet am Donnerstag, 17.02., und Freitag, 18.02., ein Bildungskongress von GEW-NRW und DGB-NRW statt. Bochumer Kongress 2011. „Bildung: Schlüssel zur Zukunft“ Bis zum 31. Januar kann man sich anmelden. Der Kongress findet an der Uni Bochum statt.

Umkämpftes Feld Grundschule

Thilo Sarrazin beruft sich in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ auf fragwürdige Quellen, wenn er sich über Bildung und Intelligenz äußert. Seine Gewährsleute sind Rassisten aus dem Umfeld der Eugenik-Zeitschrift „Mankind-Quarterly“, die bereits in den Vereinigten Staaten die unsägliche „Bell Curve“-Diskussion mitbestimmten und zu denen in Deutschland vor allem der Eugeniker Volkmar Weiss zählt, oder Psychologen wie Rindermann, der die PISA-Daten als IQ-Test verstanden wissen will und in einem Radio-Interview von unterschiedlichen Rassen sprach. Zu seinen Quellen zählt er aber auch seine Frau, die als Grundschullehrerin in Charlottenburg tätig ist. (mehr…)

Bildungsvereinbarung – Österreichs Wissenschaftsministerin Karl fordert mehr Engagement der Eltern

Von Andreas Kemper
Mit den Eltern soll eine „Bildungsvereinbarung“ geschlossen werden, so Beatrix Karl im ORF. Sie müssten mit ihren Kindern Hausaufgaben machen und mit ihnen zusammen lesen. Leider wird dabei völlig übersehen, welche Zeit- und Bildungsressourcen den Eltern, bzw. Alleinerziehenden zur Verfügung stehen. Wenn so eine „Bildungsvereinbarung“ abgeschlossen wird, dann sollte auch sichergestellt werden, dass die Erziehungsberechtigten über die nötigen Ressourcen verfügen. D.h. sie müssten vom Arbeitsmarkt freigestellt und gegebenenfalls durch Schulungen in die Lage versetzt werden, ihren Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen. Diese seltsame Idee würde ganz schön teuer werden. Ökonomischer wäre, hierfür Lehrer_innen einzusetzen.

Auslandsaufenthalt im Studium ist von sozialer Herkunft abhängig

In der aktuellen Studie „Internationalisierung des Studiums“ vom HIS im Auftrag des Deutschen Studentenwerks und des BMBF wird hervorgehoben, dass noch immer doppelt soviele Studierende mit einer sogenannten hohen Herkunftsgruppe doppelt so häufig einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt absolvieren wie Studierende der niedrigen oder mittleren Herkunftsgruppe.

„Die Auslandsmobilität variiert nach wie vor deutlich in Abhängigkeit von den sozialen Herkunft der Studierenden (Bild 3.6). Studierende der Herkunftsgruppe „hoch“ haben anteilig fast doppelt so häufig einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt absolviert im Vergleich zu Studierenden der Herkunftsgruppe „niedrig“ (20 % vs. 11 %). Gegenüber 2006 sind die Unterschiede zwischen den Herkunftsgruppen etwas geringer geworden (12 % vs. 9 %) [Anmerkung vom Dishwasher: das muss natürlich 21% vs. 9% heißen]

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„Die Mittelschicht dreht durch“

Ein interssantes Interview vom Freitag (Jakob Augstein) mit Jakob Hein, Susanne Gaschke und Brigitte Thies-Böttcher zum „völlig überzogenem Leistungsdenken“ der Eltern aus der Mittelschicht. Die Mittelschicht dreht durch

Scoring: Diskriminierung auf Grund des sozialen Umfeldes

Von Olaf Götze

Dass eine einwandfreie SCHUFA – Auskunft heutzutage notwendig ist, um einen Telefon- bzw. Handyvertrag abzuschließen ist allgemein bekannt. Demnach sollte man nicht auf überzogene Konten, offene Kredite, ungezahlte Rechnungen oder gar gerichtliche Mahnverfahren blicken, wenn man gewisse Verträge abschließen möchte. Dann wird zunächst die Bonität mittels Schufa-Auskunft geprüft. Das mag im Einzelnen ungerechtfertigt sein, ist jedoch allgemein akzeptiert. Mit den Folgen für den von allen Kommunikationswegen abgeschnittenen Menschen muss dieser selbst fertig werden – auch dann wenn er unverschuldet in diese Situation geraten und vielleicht auch auf das Telefon in besonderem Maße angewiesen ist. (mehr…)

Arbeiter-Sexualität und der Niedergang der Sexualwissenschaft

Passend zum vorangegangenem Artikel „Klassenkörper“ ist heute in der FAZ-online ein Beitrag erschienen mit dem Titel: „Der Niedergang der Sexualwissenschaft. Verhaltensmanagement statt Triebschicksal“ von Magnus Klaue. Die Sexualwissenschaft hat beginnend mit Wilhelm Reich einen klassenkritischen Ansatz verfolgt. Was im Artikel von Magnus Klaue fehlt, ist der Hinweis auf Sex-Pol Gruppen, deren Aktivitäten nicht nur in Forschung, sondern auch in politischer Praxis bestanden. Sexpol-Nord, eine westberliner Gruppe, die hauptsächlich aus Lehrlingen und Schüler_innen bestand, verteilte Ende der 60er Jahre Anti-Baby-Pillen und veröffentlichte Interviews zur Sexualität. „[…] in einem Lande, wo man offiziell Klassen zu Gerede erklärt, können diese Protokolle Klassenbewußtsein anschaulich machen, auch dann, wenn von Sexualität gesprochen wird.“ (Gruppe Sexpol-Nord (Westberlin): Sexpol-Protokolle, in: Hans-Peter Gente (Hrsg.): Marxismus. Psychoanalyse. Sexpol, Band 2: Aktuelle Diskussion, Frankfurt a.M. 1972)

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Klassenkörper

Von Andreas Kemper

Die neue Arranca! widmet sich dem Thema „Körper“. Im Call for Paper und im Editorial ist auch die Rede von „Klasse und Körper“. Leider findet sich aber dazu nichts in den Texten der Nr. 43 „Bodycheck und linker Haken“. Uns hat das Call for Paper nicht rechtzeitig erreicht, dabei wäre es doch gerade angesichts der Sarrazin-Debatte wichtig, Klassenkörperlichkeit zu thematisieren. Bourdieu und Foucault betonen, dass es wichtig ist auf den Zusammenhang von Klasse und Körper einzugehen. Im folgenden daher ein paar Zitate aus Foucaults zentralem Werk „Sexualität und Wahrheit“. Die Bedeutung zur aktuellen Sarrazin-Debatte ist deutlich: (mehr…)

Zweierlei Maß: ALG-II- vs. Steuerbetrug

Von Andreas Kemper
Steuerhinterzieher gehen noch immer straffrei aus, wenn sie aus Angst vor Entdeckung ihre Daten zum Teil aufdecken und sich selber anzeigen. So hat der Kauf der CDs mit Daten der Steuer“sünder“ 2010 zu 26.400 Selbstanzeigen geführt und zu 2 Milliarden Euro, um die der Fiskus fast betrogen worden wäre. Diese 2 Milliarden Euro lassen sich vergleichen mit den 72,2 Millionen Euro, die der Staat 2009 von 34.400 ALG-Beziehern zurückforderte. Die Hartz-IV-Bezieher_innen mussten Strafgelder zahlen (und hatten wahrscheinlich mit Sperren zu rechnen). Zur Verdeutlichung möchte ich diese Zahlen noch einmal gegenüberstellen:
2.000.000.000 Euro zurückerhaltene Steuereinnahmen
72.200.000 Euro zurückerhaltene ALG-Ausgaben.
Die Größenordnungen sind so gravierend, dass es kaum einen Unterschied macht, ob nun 2 Milliarden oder 2,07 Milliarden Euro an hinterzogenem Geld sichergestellt werden kann, d.h. der Betrug der Arbeitslosen fällt aufgrund der Steuerhinterziehungen der Reichen nicht ins Gewicht.
Dennoch gelten die einen als „Sünder“, die anderen als „Parasiten“. Die einen gehen straffrei aus, die anderen nicht.

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Dishwasher in der Diaspora

Wie unschwer mitzubekommen ist, postet der Dishwasher bei Facebook und hat dort eine eigene Gruppe. Das soll auch vorerst so bleiben. Aber wir haben für den Dishwasher nun auch Accounts bei Diaspora angelegt. „Diaspora“ ist ebenfalls ein soziales Netzwerk, aber transparenter und gleichzeitig stärker auf Datenschutz bedacht. Es befindet sich noch in der Alpha-Phase, geht also jetzt gerade los. Es gibt inzwischen mehr als ein dutzend untereinander verbundene Diaspora-Pods. Falls ihr euch beispielsweise bei https://diasp.org anmeldet, findet ihr uns unter den Namen dishwasher@diasp.org.

Interview mit Arbeiterkind Funny van Dannen in der taz

Funny van Dannen im Interview mit der taz über Kleinfamilie und Weihnachten. Hin und wieder geht es auch um die Schule – die akademische Laufbahn ist nicht so deren Ding in seiner Familie.

Aufgeschnappt: Sarrazin zum Thema „Kindergärtnerinnen“

Interview mit der österreichischen Magazin „Profil Online“, 31.12.2010

profil: Zuweilen bekommt man den Eindruck, Sie wollen, dass der Staat die Bevölkerung am Reißbrett optimiert. Sie sprechen sich dagegen aus, dass Kindergärtnerinnen akademisch gebildet sein sollen, weil sie dann selbst weniger Kinder bekämen. Ist diese übersteigerte Form der Sozialtechnokratie wünschenswert?
Sarrazin: Wir haben ein System, in dem gebildete Frauen zu wenig Kinder bekommen. Damit leisten sie heute zwar einen produktiven Beitrag, weil sie sich beruflich einbringen – allerdings um den Preis, dass man auf den künftigen produktiven Beitrag ihrer nicht geborenen Kinder verzichtet. (mehr…)




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