Uni Bayreuths sozialhomogene Biergarten-Gespräche

Von Andreas Kemper

Uni Bayreuth – Campus-Uni für bessergestellte Akademikerkinder

Uns geht es nicht um den Rücktritt Guttenbergs, sondern um die Analyse des Eisbergs, dessen Gipfel die Guttenberg-Affäre ist. In diesem Zusammenhang ist Guttenbergs Wahl der Uni Bayreuth interessant. Die Uni Bayreuth ist eine Campus-Uni mit einem extrem auffälligen Herkunftsprofil. Die DSW-Sozialerhebung listet leider seit der 15. Erhebung keine direkten Vergleiche der Hochschulen mit dem Herkunftsprofil der Studierenden mehr auf. In dieser Studie war Bayreuth jedoch die westliche Hochschule mit den wenigsten Studierenden mit dem Herkunftsmerkmal „niedrig“ (8% gegenüber dem damaligen Durchschnitt von 14%). Ein Alleinstellungsmerkmal war zu dem Zeitpunkt, dass nur 24% der Studierenden Eltern hatten, die weniger als 4000 DM Nettoeinkommen hatten, alle anderen Hochschulen wiesen Quoten zwischen 32% und 55% auf. Entsprechend sieht es bei der Quote reicher Eltern der Studierenden aus: die Uni Bayreuth ist eine sozial homogene Hochschule von Akademikerkindern aus reichem Elternhaus.
In diesem Zuammenhang ist noch interessant, dass die Uni Bremen die höchste Quote von Studierenden mit niedriger sozialer Herkunft hat und zwei Professoren der Uni Bremen brachten die Guttenberg-Affäre ins Rollen. Dies sei nur angemerkt, weil bislang nur die politische Orientierung der beiden Professoren aus Bremen im Mittelpunkt stand. Vielleicht geht es an der Uni Bremen aber auch einfach nur meritokratischer zu als an der Uni Bayreuth.

Soziales Kapital und sozialgruppenspezifische Bildungsbenachteiligung

Neben finanziellem und kulturellem Kapital wird auch dem sozialen Kapital eine wichtige Bedeutung im Kontext der Bildungsbenachteiligung von Arbeiterkindern zugemessen. Soziales Kapital ist dabei eine sehr schwer greifbare Ressource. Wir wissen von Ski- und Segel-Seminaren, wo Studierende nicht nur Kontakte zu Professoren verbessern, sondern wo sich auch weitere Kontakte für eine spätere Karriere finden. Und dass diese Seminare so teuer sind, dass kaum Arbeiterkinder daran teilnehmen können. Aber es müssen nicht nur solche elitären Seminare sein, manchmal reichen auch Biergärten-Gespräche für die Ausweitung und Nutzung des sozialen Kapitals. Aufschlussreich ist hier ein Interview, wo Guttenberg selber auf die Bedeutung des sozialen Kapitals verweist.

Das Studierendenmagazin Tip der Uni Bayreuth veröffentlichte vor der Guttenberg-Affäre ein Interview mit Guttenberg. Hier äußerte er sich folgendermaßen:

„Der unmittelbare Kontakt mit Professoren, Lehrbeauftragten, Assistenten und anderen Universitätsangehörigen eröffnet Horizonte, die weit über das reine Lehrbuchwissen hinausgehen. […] Als große Bereicherung habe ich zudem den kollegialen Umgang zwischen Professoren und Studenten empfunden, der dadurch befördert wird, dass es sich um eine Campusuniversität handelt, bei der man sich auch außerhalb des Hörsaals begegnet und nach dem Seminar auch gerne noch gemeinsam den Biergarten besucht. […] Von besonderer Bedeutung war und ist für mich das legendäre „Häberle-Seminar“.“ Guttenberg-Interview mit dem Bayreuther Studierenden-Magazin „Tip“: Wir sitzen alle im selben Boot

Häberle, Guttenbergs Erstprüfer, verteidigte in einer ersten Reaktion Guttenberg und bezeichnete die Plagiats-Vorwürfe als „absurd“. Der Einfluss von sozialhomogenen Biergärten-Gesprächen scheint für die Promotionsförderung nicht unerheblich zu sein. Wir fordern daher, die Sozialhomogenität zu durchbrechen bspw. durch eine soziale Dimensionierung der Landesmittelvergabe an Hochschulen: Je mehr Arbeiterkinder zur Promotion gebracht werden, desto mehr Mittel erhalten die Hochschulen vom Land. Nur mit solchen drastischen Maßnahmen lassen sich Sozialhomogenitäten aufbrechen.

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31 Antworten auf „Uni Bayreuths sozialhomogene Biergarten-Gespräche“


  1. 1 UASG 20. Februar 2011 um 19:51 Uhr

    Natürlich ist nicht der Minister mit den fettigen Haaren das Problem und ob 50, 60, 80 oder gar 90% abgeschrieben wurden.

    Wer die Arbeit gelesen hat kann neben dem gestelzten Sprachduktus, der Passagen, die möglicherweise vom Minister selbst kommen, feststellen, dass nichteinmal das Niveau einer mittelmäßigen juristischen Hausarbeit erreicht wird. Nur die Seitenzahl ist höher.

    Wie kommt es also, dass so etwas überhaupt als Doktorarbeit angenommen wird und dann noch die Bestnote erhält. Das zu prüfen halte ich für vordringlich. Die Fragen, die sich daraus ergeben sind
    1. Ist die Uni Bayreuth eine Titelfabrik,
    2. Welches Beziehungsgeflecht liegt dieser Titelvergabe (und eventuell auch anderen) zu Grunde?
    3. Welchen Gruppierungen, Organisationen, Vereinigungen gehören Peter Häberle, Rudolf Streinz und Guttenberg an, wobei besonderes Augenmerk auf klandestine mafios organisierte Vereinigungen zu richten wäre.

    Wer Wert auf Reputation legt und in Bayreuth promoviert wurde, ist jetzt gut beraten seine Diss an einer weiteren Uni einzureichen.

  2. 2 Andreas 20. Februar 2011 um 20:56 Uhr
  3. 3 Andreas 20. Februar 2011 um 21:31 Uhr

    Kommentar in der Welt-Online von Jan-Eric Peters: „Guttenberg – ein Rücktritt wäre falsch“ (20.02.2011):

    Ein Rücktritt des Ministers wäre aber nicht nur für die Bundeswehr und die Regierung ein schwerer Schlag. Er wäre auch ein Signal an andere hochbegabte und kantige junge Talente, es sich mit einem Einstieg in die Politik und ihre Untiefen besser noch einmal zu überlegen, und das wäre ein Verlust für das ganze Land.

    „… andere hochbegabte und kantige junge Talente“? Das Plagiat, welches eine Doktorarbeit sein soll, lässt nicht unbedingt auf „Hochbegabung“ schließen. In diesem Kontext wird deutlich, dass „Hochbegabung“ als Kampfbegriff eingesetzt wird, mit dem die Privilegierung der Privilegierten legitimiert werden soll. Der zitierte Satz heißt dann soviel wie: Wenn Guttenberg zurücktreten muss, dann ist ein Signal für andere Privilegierte, dass sie sich ihren Einstieg in die Politik besser noch einmal überlegen sollten, wenn er nur auf Privilegien beruht. In dieser Form kann ich den Satz vollständig unterschreiben.

  4. 4 Jared J. Myers 21. Februar 2011 um 10:39 Uhr

    Interessant wird die Betrachtung zur sozialen Herkunft der Studierenden, wenn man sie mit halbwegs validierten Rankings in Beziehung setzt, wie diesen hier (aus 2010)

    http://ranking.zeit.de/che2010/de/

    Danach könnte man zumindest schließen, dass die soziale Herkunft der Studierenden für die Qualität der Hochschule bzw. ihr Abschneiden im Ranking ihrer einzelnen Fächer keine Rolle spielt. Bayreuth liegt z.B. überall im Mittelfeld, außer in den Geowissenschaften, wo sie eine der besseren ist – aber welcher Graf studiert schon Geoökologie?

  5. 5 Whaler 21. Februar 2011 um 10:42 Uhr

    Der Titel „Uni Bayreuth – Campus-Uni für bessergestellte Akademikerkinder“ hat ja schon was BILDhaftes. Zum einen wird hier kein Unterschied zwischen den Fachbereichen gemacht, was natürlich absolut unsinnig ist, denn es sind in erster Linie zwei bestimmte Fakultäten von der angesprochenen Sozialhomogenität (es gibt offenbar gute und schlechte Sozialhomogenität).
    Zum anderen ist generell festzustellen, dass die Uni Bayreuth nicht aktiv „bessergestellte Akademikerkinder“ anspricht. Es kann sich dort jeder einschreiben, der die allgemein gültigen Zugangsvoraussetzungen erfüllt und durch eine Tür gehen kann. Jeder zahlt die gleichen 1200 Euro Studiengebühren im Jahr und sitzt im Hörsaal auf dem gleichen Holzklappstuhl.
    Zuletzt – neben der Tatsache, dass die DSW-Erhebung 12 Jahre als ist – ist noch zu erwähnen, dass Bayreuth und sein Umland realtiv strukturschwache Regionen sind, von wo auch viele Arbeiterkinder an die Uni strömen.

  6. 6 Andreas 21. Februar 2011 um 12:16 Uhr

    Hallo Whaler,
    wenn Bayreuth tatsächlich in einer relativ strukturschwachen Region liegt, dann ist es um so merkwürdiger, dass dort kaum Studierende aus finanzschwachen Elternhäusern zu finden sind.

    Ich habe in einem Kommentar im Blog der dortigen Studierendenschaft auf die alte Sozialerhebung hingewiesen mit der Frage, ob ihnen vor Ort Aktuelleres zur Sozialzusammensetzung bekannt sei und erhielt bislang nur Antworten, die auf eine Gleichsetzung von Arbeiterkindern mit Schmuddelkindern und Schmarotzern schließen lassen:
    Frage zur Sozialhomogenität beim Tip-Magazin

    Zu deiner Anmerkung, dass man die Fachbereiche einer Hochschule nicht über einen Kamm scheren dürfe: Da hast du Recht, umso schlimmer für die Rechtswissenschaft der Uni Bayreuth, die dann wahrscheinlich noch mehr von der sozialen Herkunft bestimmt ist, als die Gesamt-Uni.

    Hat eigentlich jemand aktuelle Zahlen? Hat sich in den letzten zehn Jahren etwas zugunsten der Hochschule gebessert?

  7. 7 Whaler 21. Februar 2011 um 13:28 Uhr

    Ich habe keine Zahlen, kann mich aber auf meine alltägliche Erfahrung und Beobachtung im Umgang mit meinen Kommilitonen berufen. Darunter sind wahrlich nicht viele „bessergestellte Akademikerkinder“.
    Du musst auch nicht versuchen, das von mir vorgebrachte Argument hinsichtlich der Strukturschwäche, das meine o.g. These unterstützt, einfach wieder umzudrehen und auf deine Uralt-Zahlen zu projizieren.

    Die Kommentare unter dem Tip-Magazin-Artikel habe ich gelesen, es gab nur eine einzige Antwort und die lässt erkennen, dass der Jurist Bernhard genausowenig voreingenommen ist, wie du es bist. Recht hat er allerdings mit der Feststellung, dass es für eine konservative Uni, an der Juristen und Betriebswirte die Zielgruppe sind, nicht ungewöhnlich ist, dass v.a. in diesen Fachbereichen „bessergestellte Akademikerkinder“ studieren.
    Du darfst also nicht davon ausgehen, dass alle Bayreuther Studenten reich und die Jurastudenten noch reicher sind.
    Und deswegen wird genau andersherum ein Schuh draus: Die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge speisen sich tendenziell eher aus reicherem Klientel, die Natur-, Kultur- und Geowissenschaften wohl eher nicht. Ist nicht so schwer zu verstehen oder?

  8. 8 Andreas 21. Februar 2011 um 16:06 Uhr

    Hi Whaler

    Wirtschaftswissenschaften waren in den letzten Jahren nicht so sozial selektiv und auch die Rechtswissenschaften sind es seit kurzem nicht mehr. Anders als die Musikwissenschaften und Medizin/Zahnmedizin. Das Argument zieht also nicht.

    Letztlich geht es aber auch gar nicht um die Uni insgesamt, sondern um den Fachbereich der Uni, der Guttenberg ein „Summa Cum Laude“ verpasste. Ob dort nun viele privilegierte Studierende sind, weil es eine rechtswissenschaftliche Fakultät ist oder weil die Uni Studierende aus reichen Elternhäusern anzieht ist sekundär.

    Ich habe übrigens gerade bei HIS angerufen, die die Sozialerhebungen anfertigen. Aktuelle Auswertungen zu den Hochschulen finden sich in den Länderberichten. Aber für Bayern gibt es wahrscheinlich keinen. Ich werde da weiterrecherchieren. Ansonsten gehe ich davon aus, dass sich nicht viel getan hat. Aktuell zählt Bayern noch immer zu den Ländern mit den prozentual wenigsten studierenden Arbeiterkindern.

  9. 9 ekmek 21. Februar 2011 um 16:45 Uhr

    „Wir fordern daher, die Sozialhomogenität zu durchbrechen bspw. durch eine soziale Dimensionierung der Landesmittelvergabe an Hochschulen: Je mehr Arbeiterkinder zur Promotion gebracht werden, desto mehr Mittel erhalten die Hochschulen vom Land. Nur mit solchen drastischen Maßnahmen lassen sich Sozialhomogenitäten aufbrechen.“

    Deinen Vorschlag halte ich für absolut nicht sinnvoll, denn es liegt ja nicht an der Uni, welche sich die Studenten ja nicht handverlesen aussucht und vorher den sozialen Background checkt, sondern an anderen Mechanismen, welche bereits in der Schule beginnen und den prozentualen Anteil potentieller Studenten aus, wie du es nennen willst, „Arbeiterfamilien“ bestimmt.

    Auch Dinge wie Studiengebühren, welche meiner Meinung nach in jedem Fall abschreckend wirken, bzw. ein Studium trotz Bafög (was ja auch kein Vermögen ist) verunmöglichen können tragen ihren Teil zur sozialen Selektion bei.
    Darüberhinaus ist der Anreiz selber Geld zu verdienen ein nicht zu vernachlässigender Aspekt, welche natürlich auch teilweise aus der sozialen Angst genährt wird.

    Auf jedenfall haben die Unis einerseits keine direkte Schuld an der Zusammensetzung ihrer Studentenschaft und andererseits ist eine Quote lediglich Symptombekämpfung und eine schlechte noch dazu.

  10. 10 Andreas 21. Februar 2011 um 17:05 Uhr

    Hi Ekmek,

    ich finde es sehr sinnvoll, die Landesmittelvergabe von der Anzahl erfolgreicher Absolventen und Doktoren mit niedriger sozialer Herkunft abhängig zu machen.

    Bislang kümmern sich die Hochschulen überhaupt nicht darum, welche soziale Herkunft ihre Studierenden haben und sehen Förderungen von Arbeiterkindern als Kostenfaktor. Abgesehen von der Hochschule Duisburg/Essen ist den Hochschulen dieses Thema weitgehend egal. Wenn aber die Landesmittel abhängig gemacht werden von der Zahl absolvierender Arbeiterkinder, dann sieht das Ganze schon anders aus.

    Es gibt zahlreiche Felder, wo Arbeiterkinder an den Hochschulen benachteiligt werden, in finanzieller Hinsicht, in Hinsicht der Ausrichtung der Hochschulen auf einen bürgerlichen Habitus, die Wichtigkeit des sozialen Kapitals, die Passförmigkeit…

    Es gibt noch immer Bildungsbarrieren von Latein-Anforderungen bis zu selbstzufinanzierenden Exkursion oder Zahnarztbesteck. Arbeiterkinder erhalten sehr viel seltener Hiwi-Stellen, Stipendien usw. Sie arbeiten mehr neben den Studium und zwar in Jobs, die sie für das Studium nicht nutzen können.

    Natürlich werden Arbeiterkinder nicht nur an Hochschulen benachteiligt. Aber niemand hindert die Hochschulen oder die Hochschulrektorenkonferenz, das hochselektive Schulsystem zu kritisieren und bei den Ländern und Kommunen vorzusprechen.

    Die Landesmittel abhängig zu machen von der Zahl erfolgreich promovierender und absolvierender Arbeiterkinder würde einen längst überfälligen Kreativitätsprozess in der Hochschullandschaft auslösen.

  11. 11 Whaler 21. Februar 2011 um 17:30 Uhr

    Wie willst du denn den Begriff „Arbeiterkind“ definieren?

  12. 12 Andreas 21. Februar 2011 um 17:52 Uhr

    Hallo Whaler,
    wir haben diese Frage, wie „Arbeiterkind“ zu definieren ist, mindestens einmal jährlich, wenn wir zur Vollversammlung studierender Arbeiterkinder an der Uni Münster aufrufen. Wichtig ist dieser Begriff ja nur, weil es spezifische Benachteiligungen gibt, die nicht durch Geschlecht, ethnische Herkunft, Alter, sexuelle Orientierung usw. zu erklären sind, sondern eine eigene Strukturkategorie darstellen – ob wir sie nun Schicht, Klasse oder Milieu nennen, ist an dieser Stelle egal.
    Kennzeichen dieser Benachteiligungen ist, dass die Individuen einer bestimmte unscharf umrissene Gruppe hiervon mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in ihrer biografischen Entwicklung betroffen ist. Zum einen verfügen sie über weniger kulturelles, soziales und finanzielles Kapital, zum anderen werden sie mit einer hohen Wahrscheinlichkeit trotz angemessener Kompetenzen an den vielen Bildungsschwellen im System von den Gatekeepern ausgesiebt aufgrund ihrer sozialen Herkunft.

    Es gibt verschiedene Möglichkeiten Arbeiterkinder zu definieren: über die Sozialversicherungsklassen der Eltern, über die Bildungsabschlüsse der Eltern, über die Anzahl der zuhause stehenden Bücher oder über Prestige und Einkommen der Berufe der Eltern…

    Wie man es auch dreht, es gibt keine klaren Grenzen, es gibt aber trotzdem eine klassenspezifische Benachteiligung. In den Vollversammlungen überlassen wir es weitgehend den Studierenden selber, ob sie sich der Kategorie zugehörig fühlen und verteilen aus der DSW-Studie die Beschreibung der Kategorie „niedrige soziale Herkunftsgruppe“, um einen Anhaltspunkt zu geben.

  13. 13 Whaler 21. Februar 2011 um 18:15 Uhr

    Das ist doch eine etwas diffuse Definition. Nachdem es den Studierenden selbst überlassen ist, ob sie sich der Gruppe der Arbeiterkinder zugehörig fühlen oder nicht, muss ja irgendwer eine allgemeingültige konkrete Einteilung vornehmen, wie sonst soll die Uni verbindlich Auskunft über ihren Anteil geben können? Man kann jedenfalls niemanden bei der Einschreibung dazu verpflichten, sensible persönliche Daten zu offenbaren.
    Ich weiß, dass man das bei der Bafög-Antragstellung auch tut, glaube aber, dass die Verwendung dieser Daten in einem komplett anderen Zusammenhang zumindest problematisch ist.

  14. 14 Andreas 21. Februar 2011 um 18:25 Uhr

    Ach so, darauf willst du hinaus.
    Das ist ganz einfach:
    - entweder man gibt die Sozialversicherungsklasse der Eltern an
    - oder man schätzt sich selber anhand eines Katalogs ein, wie die HIS ihn vorgibt
    - oder es geht ganz schlicht nur darum, ob man „first generation“ ist, also der Erste aus der Kernfamilie, der studiert
    Was da am sinnvollsten ist, könnte eine Kommission entscheiden.

    Und ja, wenn es beim Bafög möglich ist, müsste es auch generell möglich sein. Falls nicht, nimmt man einfach anonymisiert die Bafög-Daten. Wo ein Wille, ist auch ein Weg.

  15. 15 Andreas 21. Februar 2011 um 18:29 Uhr
  16. 16 Whaler 21. Februar 2011 um 18:42 Uhr

    Okay, das kann ich so akzeptieren!

    Naja wie in dem Artikel steht, war er schon als Redner eingeplant, bevor der Skandal aufgedeckt wurde und ich gehe davon aus, die Uni tut gut daran, ihn rechtzeitig von der Rednerliste zustreichen, wenn er selbst nicht auf die Idee kommt, darum zu bitten.
    Was mich mehr ärgert, ist der letzte Absatz in dem Artikel:

    „Entweder sie hält wissenschaftliche Prinzipien hoch (…) oder sie lässt Guttenberg den Titel und müsste fortan mit dem Vorwurf leben, eine politische Entscheidung gefällt zu haben.“

    Falls die Uni tatsächlich die Chuzpe besitzt, dem Baron seine Doktorwürden abzuerkennen, wäre das doch keinesfalls eine politische Entscheidung. Dass sie zwar politische Konsequenzen nach sich ziehen würde ist klar, dennoch handelte es sich um einen rein formalen Prozess innerhalb der zuständigen Prüfungskommission. Ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, dass gerade die andere Option, nämlich ihm den Titel zu lassen, eine politische Entscheidung wäre. Nämlich eine politisch Beeinflusste.

  17. 17 genova 21. Februar 2011 um 19:04 Uhr

    Danke für den Artikel und die Recherche.

  18. 18 Andy 21. Februar 2011 um 19:09 Uhr

    Es ist interessant, sich diesen Imagefilm der Bayreuther Jura (mit Beitrag von Guttenberg) unter den Aspekten von sozialem und kulturellem Kapital anzuschauen:
    http://www.youtube.com/watch?v=CTu51RrzGcQ

  19. 19 dresdner.fama 21. Februar 2011 um 21:25 Uhr

    Sehr geehrter Herr Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg *)

    bitte beenden Sie das unwürdige Gezerre um Ihren Doktortitel / Ministeramt / Deutsschlands Zukunft.

    Lassen Sie sich von Oberst d. R. Frank-Jürgen Weise nach einen Militärputsch zum 1. Millenium-Kaiser des Römischen Reiches Deutscher Nation von Amerikas Gnaden ausrufen, in der, nach einer gewissen Übergangszeit, die EU-Staaten angeschlossen werden**).
    Die ersten elf Jahre könnten dann per Militär-Notverordnung o.ä.***) wesentlich einfacher durchregiert werden (z.B. Auflösung der Parteien und des Parlamentes, Kritiker und unwillige Ausländer in Umerziehungslager, Langzeitsarbeitslose an die Arbeitsfront zum Bau einer deutschen Autobahn Berlin-Moskau-Bombay, junge deutsche Frauen müssten nach dem Abitur mindestens fünf Kinder bekommen, etc.)
    Die meisten der Deutschen wollen jetzt endlich eine starke Hand spüren.
    Und wer nicht mitziehen will: Siehe oben!!!
    Bitte retten Sie Deutschland!!!

    *) Namenszitat Quelle:: Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Theodor_zu_Guttenberg
    **) http://www.bertelsmannkritik.de/weltmacht.htm
    ***) http://www.studis-online.de/HoPo/art-1166-zivil_oder_militaer.php

  20. 20 Justus Friedhelm v. Mini-Cooper 22. Februar 2011 um 17:06 Uhr

    Bedauerlich finde ich Ihr Tappen im Ahnungslosen. Waren Sie jemals in Bayreuth? Versuchen Sie doch die bildungshungrigen Highpotential-Arbeiterkinder an den Unis von Pyöngyang , Minsk oder HCM-Stadt zu vermitteln, wenn es Ihnen an reinrassigen Arbeiter- und Bauernhochschulen der DDR fehlt! „Aufbrechen“ können Sie „Bildungsbarrieren“ bitteschön von der Partnerwahl bis zur Hochschulreife, Zeit genug. Ich schlage vor, Sie besuchen die unterdrückte Arbeiterklasse in den Hinterhaussouterrains Oberfrankens, brechen nach einem empörten Blick auf die dünne Auswahl gebundener Druckschriften zuerst die Bildschirme im „Arbeiterkinder“zimmer entzwei und erfahren, wie die Antwort der unterdrückten Arbeiterklasse auf die Zwangsbeglückung aussieht.

    Es war die jahrzehntelange Keine-Studiengebühren-für-Niemand-Forderung der Linken, der nützlichen Idioten der bügelhemdigen Schnösel vom Schlage Guttenbergs, die ein substantielles, umverteilendes Stipendiensystem an deutschen Hochschulen verhindert hat.

  21. 21 Andreas 22. Februar 2011 um 17:51 Uhr

    @ Justus,
    mehr davon. ich liebe es, wenn sich klassistische Vorurteile so richtig austoben. Das glaubt einen ja sonst keiner, dass es solche Vorurteilsstrukturen gibt.

  22. 22 Win Klaerer 23. Februar 2011 um 2:02 Uhr

    Soviel Star(r)sinnigkeit kennt nicht mal die BW-Hochschule:
    Während sogar ein Hochschullehrer der Bundeswehrhochschule betont, ein Plagiator hätte bei ihnen mit erheblichen Sanktionen bis zu Degradierung oder Ausschluß aus Bundeswehr zu rechnen, hält man an der Uni-Bayreuth, der von Angestellten der Uni-Erlangen zuvielCSU-Regierungsnähe vorgehalten wird, sogar an zu Guttenberg als Redner fest: „Ungeachtet der Plagiatsvorwürfe ist Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bisher noch als Festredner bei der Doktorandenehrung der Universität Bayreuth vorgesehen.“ wissen heute die Nürnberger Nachrichten zu berichten.

    (P.S. Übrigens lobte zu Guttenberg Sarrazin in Kelkheim als einen „begabten Buchautor“.)

  23. 23 Andreas 23. Februar 2011 um 3:35 Uhr

    > Übrigens lobte zu Guttenberg Sarrazin in Kelkheim als einen „begabten Buchautor“

    Ja wo ist er denn, der große Kritiker der „Minderleister“, der Herr Sarrazin? Wo bleibt der „Klartext“? Wahrscheinlich sind da zu viele Ähnlichkeiten zwischen Sarrazin und Guttenberg: Sarrazin nutzte die Dienste der Bundesbank, Guttenberg die des Bundesparlamentes, und auch Sarrazin wird unterstellt, dass er seine Quellen (den Rassentheoretiker und Eugeniker Volkmar Weiss) nicht in der gebührenden Form offenlegt.
    Sarrazin kritisiert nicht den Hochadel (keine Rede von „erbbiologischer Dekadenz“). Insofern unterscheidet sich Sarrazin von den sozialdemokratischen Rassenhygienikern der Weimarer Republik. Diese wandten sich nämlich nicht nur gegen die „Dekadenz“ der „Unterschicht“, sondern auch gegen die des Adels.

    Mein Vorschlag für die sozialdemokratische Schiedskommission, die nun zum zweiten Mal entscheiden soll, ob Sarrazin aus der SPD fliegt:

    Liebe Schiedskommission,
    Ihr hattet doch schon beim ersten Mal spitzfindig bemerkt,

    Sarrazin ist kein Rassist, weil er ja nicht nur Vorurteile gegen Türken schüre, sondern auch gegen die deutsche Unterschicht.

    Damit kommt ihr jetzt natürlich nicht mehr durch, weil x-fach auf die Verstrickung der Sozialdemokratie in den rassenhygienischen Konzeptionen zu Beginn des 20.Jahrhunderts verwiesen wurde. Und diese wandten sich eben auch rassistisch gegen die deutsche „Unterschicht“. Das heißt, als Rassenhygieniker ist Sarrazin auch Rassist.
    Die Argumentation muss jetzt lauten:

    Sarrazin ist kein Rassenhygieniker, weil Rassenhygieniker auch auf die „Dekadenz“ des Adels verweisen, Sarrazin hingegen nur auf die der „Unterschicht“.

    Wasserdichte Argumentation, einmal macht er zuviel, einmal zu wenig: Sarrazin ist kein Rassist, weil er auch die deutsche Unterschicht angreift und er ist kein Rassenhygieniker, weil er den Adel in Ruhe lässt.

  24. 24 Win Klaerer 23. Februar 2011 um 10:28 Uhr

    „Der Präsident der Universität Bayreuth, Rüdiger Bormann, stellte am Dienstag klar, dass die Hochschule über Guttenbergs Titel zu entscheiden hat. Dessen Bitte um Aberkennung erleichtere manches, …“ (Tagespiegel 23.2.11)
    Die Universität bedankte sich also für die Erleichterung des Barons. ‚Spülen aber müssen nun wir!‘ stellte wohl die Universität unmißverständlich klar.

  25. 25 smy 26. Februar 2011 um 10:43 Uhr

    Die ehemals renommierte Uni Bayreuth hat ohne Zweifel große Probleme mit der wissenschaftlichen Redlichkeit, aber bei der Kritik an der Sozialstruktur würde ich doch zuerst mit ganz Bayern vergleichen. Diese Struktur wird nämlich – vor allem im Vergleich zu Bremen – zu einem großen Teil vom Schulsystem abhängen.

    Einer Schlußfolgerung der Art, dass Korruption und Betrug umso höher ist, je ungestörter die privilegierten Leute sind, würde ich mich aber jedenfalls anschließen.

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