Guttenberg und die Aktzeptanz der Marktwirtschaft

Von Andreas Kemper

(Zum Vergrößern: rechte Maustaste -> „Grafik anzeigen“)
Der wissenschaftliche Beirat des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie riet im letzten Jahr der Regierung, die Akzeptanz der Marktwirtschaft zu erhöhen. Da nicht in die Marktwirtschaft direkt eingegriffen solle (weder nach oben noch nach unten sollten Einkommen begrenzt werden!), könne die Aktzeptanz nur durch eine höhere Chancengleichheit in der Bildung hergestellt werden, die Bevölkerung müsse wieder den Eindruck haben, dass nicht nur „Bessergestellte“ Bildungstitel erhalten. Die „intergenerationelle soziale Mobilität“ müsse erhöht werden.
Allein schon aus diesem Grund muss die Regierung ein Interesse daran haben, dass Guttenbergs Doktorgrad aberkannt wird. Aber auch hier zeigt sich ein Widerspruch zwischen Interessen im Sinne der Marktwirtschaft und den Individualinteressen der Privilegierten des Systems.

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11 Antworten auf „Guttenberg und die Aktzeptanz der Marktwirtschaft“


  1. 1 Angelika 22. Februar 2011 um 10:11 Uhr

    Es bleibt die Frage, hat der Dr. heute denn wirklich noch den Wert oder ist es bei der Anzahl an Titeln nciht völlig egal?

  2. 2 böse individualinteressen 22. Februar 2011 um 10:57 Uhr

    böse eigeninteressen – stören gute marktwirtschaft. derweilen weiß man doch: gemeinwohl geht vor eigennutz!

  3. 3 Andreas 22. Februar 2011 um 16:54 Uhr

    @böse individualinteressen

    Darin zeigt sich vielmehr ein Widerspruch zwischen Klassenreproduktion und Erhöhung der Profitrate. Und sehr viel schöner kann die Ungleichzeitigkeit des deutschen kapitalistischen Systems nicht gezeigt werden, welches sowohl meritokratische Ideologie als auch den schönen Schein des Adels braucht.

  4. 4 böse individualinteressen 22. Februar 2011 um 17:12 Uhr

    „Darin zeigt sich vielmehr ein Widerspruch zwischen Klassenreproduktion und Erhöhung der Profitrate.“

    1. bitte um ausführung.
    2. wenn dem so wäre/ist, wieso sollte einen das kümmern? sollen sich arbeiterkinder um die profitrate und die klassenreproduktion sorgen?

  5. 5 Andreas 22. Februar 2011 um 18:04 Uhr

    Naja, man macht sich halt Sorgen im Bundesministerium für Wirtschaft. Die Akzeptanz der Marktwirtschaft sinkt. Noch sind wir weit entfernt von irgendwelchen Aufständen, aber soweit will man es ja auch gar nicht erst kommen lassen. 72 Prozent finden die wirtschaftlichen Verhältnisse ungerecht. Tendenz steigend. Um hier gegenzusteuern gibt es generell zwei Möglichkeiten:
    1. Eingriffe in die Einkommen (Mindestlohn, Begrenzung von Managereinkommen)
    2. Bildungsreform: die transgenerationelle soziale Mobilität soll erhöht werden, also bessere Umsetzung der meritokratischen Ideologie.
    Hier ist der Widerspruch zwischen Profitrate und Klassenreproduktion. Entweder man gefährdet die Höhe der Profitrate (Eikommensregulation) oder man beschneidet die Garantie der Bessergestellten auf einen lukrativen Job (Meritokratisierung).
    Guttenberg ist ein Musterbeispiel dafür, dass das meritokratische Prinzip nicht gilt: den Bessergestellten werden Doktortitel hinterhergeworfen, während Arbeiterkinder keine Stiepndien erhalten. Das wird die Aktzeptanz der Marktwirtschaft weiter sinken lassen.
    Arbeiterkinder sollen sich natürlich auch mit Profitraten und Klassenreproduktionsfragen beschäftigen. Nicht um die Profitrate des Kapitals zu erhöhen oder um dem Hochadel zu lukrativen Jobs zu verhelfen, sondern um zu wissen, was eigentlich abgeht.

  6. 6 böse individualinteressen 22. Februar 2011 um 18:37 Uhr

    gegensteuern? ich sehe, du bist ein wirtschaftsminister im geiste. du solltest deine konstruktive kritik an den realen wirtschaftsminister mailen.

  7. 7 Andreas 22. Februar 2011 um 18:55 Uhr

    Herrje, „gegensteuern“ bezieht sich auf das Bundesministerium. Das ist aus dem Kontext doch ersichtlich, oder???

    Der wissenschaftliche Beirat hat die beiden Alternativen aufgezeigt und empfohlen, nicht in die Einkommenspolitik einzugreifen, sondern mehr Chancengleichheit zuzulassen.

  8. 8 böse individualinteressen 22. Februar 2011 um 19:46 Uhr

    du machst dir diese argumentation doch zu eigen im post und den kommentaren.

  9. 9 Andreas 22. Februar 2011 um 20:21 Uhr

    Der Hebel der Kritik kann auch im Reproduktionsbereich angesetzt werden, oder? Les mal die Studie des wissenschaftlichen Beirats.

  10. 10 böse individualinteressen 22. Februar 2011 um 20:41 Uhr

    ich verstehe unter kritik was anderes.

  11. 11 Andreas 23. Februar 2011 um 7:11 Uhr

    Besteht Kritik nicht darin, gesellschaftliche Widersprüche aufzuzeigen?

    Der Hamburger Schulkampf, die erbbiologische Sarrazin-Dikussion und jetzt das Plagiat Guttenbergs zeigen doch, dass die Frage der Klassenreproduktion relevant ist und dass vom Standpunkt studierender Arbeiterkinder die Widersprüche besonders deutlich werden.

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