Umwelt-Klassismus und Naturkatastrophen

Nachdem vor sechs Jahren der Hurrikan Katrina New Orleans zerstörte, übersetzte ich einen Artikel von Kirsten Anderberg zum „rassistischen und klassistischen Genozid“ in New Orleans. Man mag die Bezeichnung „Genozid“ übertrieben finden, aber spannend fand ich ihre detaillierte Beschreibung. Ein Jahr später arbeitete ich selber als Volunteer in der durch den Hurrikan und die Flutwelle zerstörte Stadt – aus Solidarität und um herauszufinden, wie sich Klassendiskriminierung / Klassismus in der Politik nach der Zerstörung zeigt. Tatsächlich hatte meine Arbeit auch direkt mit unserer Themenstellung des Dishwasher zu tun. In den letzten Tagen stellte ich meine bescheidenen handwerklichen Fähigkeiten dem Wiederaufbau einer Schule zur Verfügung, in der nur Kinder aus dem benachteiligten „Lower 9th Ward“ gingen. Die Common Ground Gruppe, bei denen ich mitarbeitete, mussten gegen Polizeischikanen auf eigene Faust die Schule wieder herrichten.
Ich bin daher gespannt, ob sich ähnliches auch in Japan zeigen wird. Anders als in den USA droht jetzt in Japan eine Rezession, d.h. es kann noch einfacher legitimiert werden, die Armen in Japan selbst noch in der Krise zu benachteiligen. Lest die beiden verlinkten Artikel, wenn ihr wissen wollt, was ich meine. Oder gibt es diese Klassendiskriminierung in Japan nicht?

Ergänzung 18.03.2011
Die „Aktuelle Stunde“ (WDR) hat recherchiert, wer denn vor Ort arbeitet. Es ist die Rede von „Wegwerfarbeitern“:

Hier der Artikel zu den „Liquidatoren“ von Tschernobyl: Wikipedia: Liquidator

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9 Antworten auf „Umwelt-Klassismus und Naturkatastrophen“


  1. 1 Andreas 15. März 2011 um 11:06 Uhr

    Wen trifft die Katastrophe in Japan am stärksten? Einige Unternehmen erwägen inzwischen offenbar, ihren Sitz vorübergehend nach außerhalb von Tokio zu verlegen. Wer kann es sich leisten, an einen sicheren Ort zu flüchten?

  2. 2 Andreas 17. März 2011 um 6:47 Uhr

    17.03.2011
    4:45 Uhr In Osaka, der größten Stadt im Westen Japans, werden die Hotelzimmer knapp. Weil immer mehr Tokioter und Mitarbeiter ausländischer Firmen aus Tokio flüchten, sind viele Hotels in Osaka ausgebucht. Die Stadt liegt 600 Kilometer von Fukushima entfernt und gilt daher als relativ geschützt vor einer radioaktiven Wolke.
    5:20 Uhr Die USA schicken Flugzeuge nach Tokio, um Familienmitgliedern von Botschaftsangehörigen die Ausreise zu ermöglichen.
    9:20 Uhr In der japanischen Hauptstadt Tokio wächst die Sorge vor einem Zusammenbruch der Stromversorgung. Die Regierung bat die Bahngesellschaften, ihren Betrieb einzuschränken.

    18.03.
    00:44 Etwa eine halbe Million Menschen soll derzeit obdachlos sein. NHK zufolge sind mindestens 25 Flüchtlinge in den Lagern schon gestorben.
    03:37 Die Flüchtlinge in der Unglücksprovinz Miyagi wurden von den Behörden aufgefordert, auf die benachbarten Präfekturen auszuweichen. Grund sei der akute Platzmangel in den Notunterkünften.
    12:43 Südkorea will Landsleute im Ernstfall aus Japan holen
    14:27 Uhr Finnland verlegt seine Botschaft von Tokio nach Hiroshima. Die Situation sei durch das havarierte Kernkraftwerk Fukushima sehr unsicher, die Verlegung sei eine reine Vorsichtsmaßnahme.

  3. 3 umwerfend 17. März 2011 um 9:48 Uhr

    ich halte den begriff „benachteiligung“ für falsch. er unterstellt, es ginge auch anders. aber armut ist im kapitalismus nichts, was sich abschaffen ließe und dann wäre immer noch kapaitalismus, sondern gesellschaftliche – im sinne von: qua durchsetzung des privateigentums geschaffene – armut ist die voraussetzung des kapitalismus.

  4. 4 Andreas 17. März 2011 um 10:29 Uhr

    Da sind wir uns einig.

  5. 5 Andreas 22. März 2011 um 12:23 Uhr

    Offtopic und in eigener Sache:

    Meine Online-Petition an den Bundestag für den Sofortigen Atomausstieg kann jetzt mitunterzeichnet werden:
    Bundestag-Petition: Sofortiger Atomausstieg! Mitzeichnen und Weitersagen!

    Wir arbeiten jetzt gemeinsam für die Online-Petition: http://sofort-abschalten.de/


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  6. 6 Andreas 23. März 2011 um 23:24 Uhr
  7. 7 Andreas 31. März 2011 um 16:20 Uhr

    Ralf Streck beleuchtet in Telepolis die „Sozialisierung“ der Kosten des hochverschuldeten Atomkonzerns Tepco.

    „To Big to Fail“ nun auch für Energieunternehmen?

  8. 8 Andreas 18. April 2011 um 16:01 Uhr

    „Der Atom-Staat. Vom Fortschritt in die Unmenschlichkeit“ war einst ein bekanntes Buch von Robert Jungk. Er mutmaßte, dass die Atomenergie zwangsläufig einen Polizeistaat nach sich ziehe. Dies scheint sich gerade in Japan zu realisieren: Japanese Government Targets “Harmful Rumors”

  9. 9 Administrator 16. Mai 2011 um 11:08 Uhr

    Hier ein Link zur Veranstaltung: Atomkraft und die Soziale Frage

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