„Jungenbenachteiligung“? Maskulinisten in der Piratenpartei

Von Andreas Kemper

Die erste Ausgabe vom Kompass, der Piratenzeitung, wurde schwerpunktmäßig ausgerechnet von der umstrittenen Männer AG der Piratenpartei verfasst. Das Thema „Jungenbenachteiligung in der Bildung“ wäre an sich durchaus spannend. Wichtig wäre hier die Intersektion von geschlechts-, migrations- und klassenspezifischer Benachteiligung – Jungen aus der Oberschicht erfahren mit Sicherheit nicht die selbe Bildungsbenachteiligung wie türkischstämmige Arbeitersöhne. Aber an dieser Stelle möchte ich nicht inhaltlich auf die Thesen zur Jungenbenachteiligung eingehen, sondern auf die Männer AG, die diesen Text so prominent verfassen konnte.

Piratenzeitung Kompass
Titelblatt der Piratenzeitung cc-by-sa 3.0
Die Männer AG der Piratenpartei ist keine Gruppierung, in denen pro-feministische, geschlechterdemokratisch und maskulistisch eingestellte Männer gemeinsam versuchen, einen geschlechterdemokratischen Standpunkt zu erarbeiten. Die Gruppe vertritt strikt maskulistische/maskulinistische, männerrechltiche Positionen und ist anti-feministisch positioniert. Ein Blick auf die Verlinkungen der Wiki-Seite der Männer AG zeigt, dass nicht nur ausschließlich Männerrechtsgruppen verlinkt werden, sondern auch Seiten, die wie WikiMANNia extrem schwulen- und lesbenfeindlich eingestellt ist. Links auf geschlechterdemokratische Männergruppen/ -organisationen sucht man vergebens.

Ich hatte gestern schon einen Bekannten von mir, einem schwulen Piraten, auf die Männer AG aufmerksam gemacht. Es kann sein, dass jetzt der Link auf WikiMANNia rausfliegt. Dies wäre aber nur Kosmetik, da dieser Link ja das Weltbild der Männerrechtler dokumentiert. Es war kein Unfall, dass der Link dort zu finden ist. Nimmt man ihn raus, wird man indirekt über die anderen verlinkten Männerechtsseiten früher oder später bei WikiMANNia landen. In WikiMANNia finden sich folgende „Wissens“vermittlungen:

„Genderismus ist eine von Feministinnen und Homosexuellen entwickelte Weltanschauung, die das soziologische Geschlecht (Gender) statt dem biologischen Geschlecht (Sex) in den Mittelpunkt bei der Betrachtung des Menschen stellt. […] Genderismus kann als Rassenlehre des 21. Jahrhunderts bezeichnet werden. […]Als homophob werden von lesbischen Radikalfeministinnen, Genderisten und Schwulenorganisationen sämtliche Menschen und Erklärungsversuche bezeichnet, die das Dogma der Natürlichkeit der Homosexualität infrage stellen. Dabei wird der Vorwurf der Homophobie ähnlich wie die Nazi-Keule oft als Totschlagargument verwendet, um einen kritischen Diskurs zu verhindern. In dieser Denke ist nicht der Homosexuelle krank, sondern der Genderismuskritiker.“

So drücken sich die Männerechtler der Männer AG natürlich nicht aus. Hier finden sich Texte, die einerseits anti-feministisch sind, andererseits generell gegen Gleichstellungs- und Affirmative Action-Programme agieren. Die Männerrechtler unternehmen dabei den Spagat, sich selber als emanzipatorische Gruppe darzustellen, als Selbstorganisation unterdrückter Männer, als Befreiungsbewegung, gleichzeitig aber gegen Anti-Diskriminierungsmaßnahmen zu kämpfen – und zwar nicht nur gegen Anti-Diskrimnierungsmaßnahmen, die eine Verbesserung der Position von Frauen ermöglichen, sondern auch gegen migrationsspezifische Maßnahmen oder solche, die soziale Herkunft in den Mittelpunkt stellen. Nach dem Motto „Selbst ist der Mann“ werden Anti-Diskrimnierungsmaßnahmen als feministische Projekte generell abgelehnt. Damit stehen die Männerrechtler in einer alten Tradition. Bereits 1932 forderte Berl in seiner Publikation „Die Männerbewegung“, dass gegen die Jungen-, Frauen- und Altenbewegungen vorgegangen werden müsse. Die antifeministische Männer(rechts)bewegung verstand Berl als „Bewegung gegen die Bewegungen“. In dieser Weise, als Bewegung gegen Bewegungen, ist auch die Männer AG der Piratenpartei aufzufassen.

Ich hoffe für die Piratenpartei, dass sie genauer hinschaut und sich mit „ihrer“ Männer AG kritisch befassen wird. An anderer Stelle (Antiatompiraten) arbeite ich mit den Piraten sehr gut zusammen.
Also, liebe Piraten und Piratinnen, überlegt euch bitte, ob die Männer AG wirklich gut bei euch aufgehoben ist, oder ob die Gruppe sich nicht eher bei den Positionen von Kristina Schröder wiederfindet und nur ausnutzt, dass ihr eine junge kleine internetaffine Partei mit Männerüberhang seid.

Nachtrag 04.04.2011
Zur Gründung der geschlechterdemokratischen Initiative „Bundesforum Männer“ fällt der Männer AG der Piratenpartei folgendes ein: Bundesforum Männer gegründet

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103 Antworten auf „„Jungenbenachteiligung“? Maskulinisten in der Piratenpartei“


  1. 1 Bene 31. März 2011 um 14:40 Uhr

    Dein Artikel ist völlig richtig. Kleiner Kritikpunkt: Die Überschrift finde ich ziemlich peinlich. Irgendwie gibt es derzeit eine Tendenz, gerade in großen Medien, alles was scheiße oder skandalös ist als „Super-GAU“ zu bezeichnen. Das sollte man imo nicht unkritisch übernehmen.

  2. 2 Holger Schlürer 31. März 2011 um 21:09 Uhr

    „Es kann sein, dass jetzt der Link auf WikiMANNia rausfliegt. Dies wäre aber nur Kosmetik, da dieser Link ja das Weltbild der Männerrechtler dokumentiert. Es war kein Unfall, dass der Link dort zu finden ist.“

    Auf der Seite war niemals WikiMANNia verlinkt. Was redest Du da für einen Müll. Ist ja auch hübsch, dass Du es so hinbiegst, als ob du indirekt die Löschung von dem angeblichen Link bewirkt hättest. Gott ist das kindisch!

  3. 3 Andreas 01. April 2011 um 9:18 Uhr

    @Holger
    Hier ist die Seite:Piratenwiki: Männer AG
    Dort ist noch immer WikiMANNia verlinkt.

    Eingebracht wurde der Link am 22.10.2009 von „Hermes“, alias „Stefan Hermes“, Politischer Geschäftsführer Piratenpartei Hessen http://wiki.piratenpartei.de/wiki//index.php?title=AG_M%C3%A4nner&diff=364509&oldid=361389
    und am 17.02.2010 hat „Pulsar“ alias „Kevin Fuchs“, Koordinator der Männer AG und Autor des obigen Artikels, die Seite in den Kasten mit den Links aufgenommen http://wiki.piratenpartei.de/wiki//index.php?title=AG_M%C3%A4nner&diff=547663&oldid=546893

    Das erfrischende an der Piratenpartei ist ihre Transparenz. Davon können sich andere Parteien ein Stückchen abschneiden.

  4. 4 Andreas 01. April 2011 um 9:41 Uhr

    @Bene

    Hast Recht, ich habe „Super-Gau“ durch „Maskulinisten“ ersetzt.

  5. 5 nix 01. April 2011 um 10:11 Uhr

    mmmh, Überschrift zwar ersetzt, nicht aber Link-Text…

  6. 6 Andreas 01. April 2011 um 10:56 Uhr

    Stimmt, aber vielleicht sollten wir hier jetzt inhaltlicher diskutieren? Wie konnte es passieren, dass die Maskulinisten derart einflussreich bei der Piratenpartei wurden?

  7. 7 Stanislaw Hirschfeld 01. April 2011 um 11:11 Uhr

    Wie konnte es passieren, dass die Maskulinisten derart einflussreich bei der Piratenpartei wurden?

    Zu wenig Arbeiterinnenkinder in der Partei?

  8. 8 Andreas 01. April 2011 um 11:30 Uhr

    Das sowieso. Wäre bei den GRÜNEN nicht anders, die sich allerdings keine Maskulinisten-Gruppe leisten.

  9. 9 Gähn !!! 01. April 2011 um 18:01 Uhr

    Worum geht es hier eigentlich auf der Page ? Oben steht zwar „Arbeiterkinder“, aber lesen tu ich hier in den ersten drei Artikeln Piratenpartei, Grüne und Atomkraft.

  10. 10 Andreas 01. April 2011 um 18:34 Uhr

    Die Zusammenhänge sind doch jeweils explizit gegeben.
    Hier besteht der Zusammenhang, dass Maskulinisten versuchen, Bildungsbenachteiligung vor allem als Jungenbenachteiligung darzustellen und gleichzeitig gegen Affirmative Action zu agitieren.
    Aber keine Angst: die nächste (Hoch-)Schulforschungsstudie kommt bestimmt, dann können wir uns wieder unserem genuinen Thema der sozialen Selektion widmen.

  11. 11 Anonymous 01. April 2011 um 19:10 Uhr

    Männerbenachteiligung? Das kommt mir ziemlich seltsam vor.

    Ein deutscher Mittelschichtsmann gehört imho zu den privilegiertesten Kreaturen auf diesem Planeten. Männer mögen zwar die schlechteren Noten haben, aber sie kriegen nach der Schule die besser bezahlten Jobs. Ein extrem hoher Anteil der Führungskräfte in der deutschen Wirtschaft sind männlich.

    Männer als Opfer? Auch das kommt mir seltsam vor. Gewaltverbrecher sind fast immer Männer. Bei einigen Verbrechen, zum Beispiel Vergewaltigung, ist das Opfer fast immer weiblich der Täter fast immer männlich. Da helfen auch die durchschnittlich besseren Noten der Frauen nichts.

    Dieses Problem sehe ich: Es werden wortreich kleinere Diskriminierungen gegen Jungen beklagt wie etwa angeblich nicht auf sie zugeschnittene Unterichtsformen und die größeren Diskriminierungen die Frauen oder auch homosexuelle Männer erleiden müssen werden unter den Tisch gekehrt. Es ist schlimmer vergewaltigt zu werden als in der Schule in einem Stuhlkreis sitzen zu müssen. Es ist schlimmer wegen seiner Homosexualität viktimisiert, im schlimmsten Falle getötet, zu werden, als ein Binnen-I erdulden zu müssen.
    .

  12. 12 Irene 02. April 2011 um 1:25 Uhr

    Ja, danke.

    Es jammern gerade diejenigen über die Benachteiligung der Jungen, die es überhaupt nicht betrifft, nämlich die gebildete Mittelschicht.

    Immerhin hat schon mal eine Zeit-Autorin drüber gelästert (in einem Artikel über Eltern, die ihre Kinder um fast jeden Preis auf dem Gymnasium sehen wollen):

    Hauptsache, es steht Abitur drauf. Wenn die Kinder dann in Bildungsnot geraten, wird das zuerst den Lehrern angelastet, dann dem Schulsystem (die Benachteiligung von Jungen!), dann irgendeiner Krankheit (ADHS), aber selten den Eltern, die nicht sehen wollen, dass eine Drei in Mathe eher auf eine Zukunft in der Realschule hindeutet als auf Hochbegabung.
    http://www.zeit.de/2010/21/Realschule-oder-Gymnasium?page=6

    Vielleicht hats die Autorin von mir, ich habs zuerst gesagt:
    http://antjeschrupp.com/2010/03/26/warum-jungen-in-der-schule-benachteiligt-sind-und-was-dagegen-hilft/#comment-1159

    Manchmal sind die Auffassungen bizarr, wenn es um die angeblichen Vorteile der Mädchen in der Grundschule geht. Z.B. neulich in ZDF Reporter: Ein akademisches Ehepaar machte die Benachteiligung der Jungen daran fest, dass die Tochter immer irgendwelche Fleißpunkte und Sternchen für die Verzierung (!) ihrer Arbeitsblätter bekommen hatte, aber der Sohn sich nicht viel draus machte. Der fährt lieber Skateboard.

    Hier noch ein Hinweis auf eine Studie:
    Jungen sind nicht benmachteiligt, weil sie von Lehrerinnen unterrichtet werden
    http://www.lizzynet.de/wws/30731812.php

  13. 13 Irene 02. April 2011 um 1:43 Uhr

    Warum das Theater bei den Piraten?

    Ich vermute, dass es letzten Endes um Aufmerksamkeit geht. Wer in der Öffentlichkeit glaubhaft macht, benachteiligt zu sein, bekommt für einen Moment eine besondere Beachtung und vielleicht auch noch mehr oder weniger bescheidene Fördergelder. Und deshalb neiden manche Männer den Frauen sogar die Diskriminierung. Das Ego will seine fünf Minuten Ruhm, manchmal um jeden Preis.

  14. 14 Anonymous 02. April 2011 um 8:16 Uhr

    Ich denke, da kommt vieles zusammen. Wenn man glaubt benachteiligt zu werden muss man sich nie fragen, ob man selbst eigentlich auch Fehler begeht. Nehmen wir mal die Überepresentanz von Männern in unseren Gefängnissen. Werden die benachteiligt? Möglicherweise gibt es den/die eine/n oder anderen Richter/in, der/die wirklich Männer benachteiligt. Viel fruchtbarer scheint mir aber folgender Erklärungsansatz: Männer begehen tatsächlich mehr schwere Straftaten. Wo sind die Männer, die immer Benachteiligung schreien, wenn es darum geht Heranwachsenden ein Vorbild zu sein?

    Ebenso im schulischen Bereich. Es ist einfach zu sagen die Lehrerin benachteilige den eigenen Sohn, nur weil der sich typisch männlich verhalte (in der Schule über Tisch und Bänke gehe). Unter den Tisch gekehrt wird, dass durchaus nicht alle Jungen ein solches Verhalten an den Tag legen.
    Macht es euch doch einmal schwer, Mittelschichts-Väter. Fragt euch einmal, ob ihr wirklich für eure Söhne da seid oder 60 Stunden pro Woche der Karriere hinterher rennt und den Rest der Zeit mit Fernsehen verbringt.

    Es ist einfach zum Beispiel über Alleinerziehende zu wettern und zu sagen, dass wären alles Schlampen und ihre Lebenssituation allein dadurch bedingt, dass der Staat das Alleinerziehen so hoch subventioniere. Macht es euch doch mal schwer und überlegt das auch immer ein Mann dazu gehört ein Kind zu zeugen. Was ist mit den Vätern dieser Kinder?

    Unsere Gesellschaft braucht starke Männer. Das sind solche Männer, die Verantwortung übernehmen, ein Vorbild sind, nicht gleich rumheulen, sondern überlegen, wie sie eine Situation wirklich verbessern können.

  15. 15 suse 02. April 2011 um 8:59 Uhr

    Die Maskulinisten pflegen denselben Geschlechterrassismus wie ihre weiblichen VorbilderInnen: Die Welt von Staat und Kapital wird in das Abziehbild eines vermeintlichen Geschlechterproblems verwandelt, so dass am Ende der böse Karrierismus von „Mittelschichts-Vätern“ (die es sich zu leicht machen würden!) daran Schuld ist, wenn sie 60 Stunden arbeiten!

    Eine reife Leistung!

    Die ganze Benachteiligungsklage lebt von einem verkehrten Gleichheitsideal: Weil biologische und sonstige Kriterien in der Konkurrenz eine Rolle spielen, wird Partei ergriffen für die eine oder andere Seite. Nur so ist es zu erklären, dass statt einer Kritik an der SCHULISCH HERGESTELLTEN Leistungskonkurrenz Benachteiligungen (nach Geschlechtern sortiert) besprochen werden. Letzlich ist das sogar eine Parteinahme FÜR Benachteiligung – es soll eben die RICHTIGEN treffen, je nach Parteilichkeit!

  16. 16 Anonymous 02. April 2011 um 14:33 Uhr

    Genau das meine ich. Da werden minimale Diskriminierungen (Der Chef sagt zu Herrn Maier „Wenn Sie in dieser Firma Karriere machen wollen, erwarten wir, dass sie sich 60 Stunden pro Woche arbeiten“) mit echten Diskriminierungen (Frau Müller wird von ihrem Mann und seinem Bruder regelmäßig grün und blau geschlagen) verwechselt.

    Es ist nicht schön 60 Stunden pro Woche in einem Job ackern zu „müssen“ um sich lauter Dinge kaufen zu können, die man nicht braucht. Herr Maier hätte aber jederzeit das Recht es sich anders zu überlegen. Leibeigenschaft gutbezahlter Akademiker ist in diesem Land verboten. Notfalls muss der Herr Maier halt ohne seinen Zweitwagen auskommen…
    Es gibt kein Menschenrecht auf einen Vorstandsposten und das manch ein „Herr Maier“ das Glück seiner Familie für einen solchen opfert ist allein seine eigene dumme Entscheidung. Hört doch bitte auf, alle Menschen als „Opfer“ zu sehen, es gibt nicht „das System“ das Menschen wie Herrn Maier zu etwas zwingt. Diese Personengruppe (deutsche Männer aus der Mittelschicht) hätte jede Macht die Spielregeln zu ändern, wenn sie es denn wollen würde. Scheinbar haben sie kein Interesse daran.

    Die Tatsache das man für die große Karriere arbeiten muss (teilweise auch länger als man denkt) ist überhaupt nicht vergleichbar mit einer echten Diskriminierung, wie sie zum Beispiel Homosexuelle erleiden müssen.

  17. 17 suse 02. April 2011 um 15:16 Uhr

    Siehste, und genau das meinte ich:

    dass manch ein „Herr Maier“ das Glück seiner Familie für einen solchen opfert ist allein seine eigene dumme Entscheidung.

    Da mag man sich gar nicht entscheiden, was dümmer ist, das Familienglücksideal oder die Vorstellung, es hinge an privaten Entscheidungen, dass im Kapitalismus Opfer produziert werden.

    Als läge es an der grenzenlosen Gier (am Zweitwagen!) von Angestellten, dass die zum Geldverdienen gezwungen sind! Eine ganz üble Konsumentenbeschimpfung: Kapitalismus würde es geben, weil die Leute zuviel einkaufen. Das Ziel dieser Darstellung: Staat und Kapital sollen aus der Schusslinie geraten – die sind in dieser kindischen Vorstellung nur Dienstleister ihrer allzu dekadenten Angestellten.

  18. 18 Irene 02. April 2011 um 19:19 Uhr

    Ich empfehle das Forum der Ausgebeuteten ;-)

    http://www.chefduzen.de/

  19. 19 suse 03. April 2011 um 10:01 Uhr

    Und ich rate ab von der BdM-Ideologie:

    „Die Gleichberechtigung der Frau besteht darin, dass sie in den ihr von der Natur bestimmten Lebensgebieten jene Hochschätzung erfährt, die ihr zukommt.“

    (Hitler auf dem Frauenkongress 1935 in Nürnberg)

  20. 20 Andreas 03. April 2011 um 11:33 Uhr

    Hallo Suse,
    wo siehst du denn BdM-Ideologie? Bzw. siehst du keine qualitativen Unterschiede zwischen Feminismus und BdM? Dann würdest du dich auf einer Linie mit den Männerrechtlern bewegen, die auch gerne von „Feminazis“ sprechen.
    Oder wolltest du nur ins Blaue hinein vor BdM-Ideologie warnen. Das würde ich dann unterstreichen, genau wie jede Kritik an biologistischen Zuschreibungen.

  21. 21 Anonymous 03. April 2011 um 11:56 Uhr

    Ich finde, dass das langsam lächerlich wird.

    Wir sind also alle Opfer des Systems? Der Chefmanager von Nestle ist also genau so das Opfer des Systems wie der Kinderarbeiter aus Indien?
    Hat der Chefmanager von Nestle also, da er Angestellter ist, auch überhaupt keine Spielräume das System für sich auszunutzen (und ist das Geld auf seinem Konto nur eine Nebenerscheinung seiner Arbeit zu der er ja gezwungen ist)? Möchtest du uns das erklären?

    Möchtest du uns erklären, dass man als gut qualifizierter Akademiker – sagen wir mal als Ingenieur – keine anderen Möglichkeiten hat als 60 Stunden pro Woche zu arbeiten, weil das System einen zwingt?

    Verstehe ich weiterhin deine Denkweise richtig, dass Menschen durch irgendetwas gezwungen werden, Zweitwagen, Tennisstunden, Besuche in 5 Sterne Restaurants und Urlaub in der Karibik zu konsumieren? Wenn ja, durch was? Durch das System? Was ist denn das System? Existiert das unabhängig von den Menschen?

    Gäbe es dann auch keinen Unterschied zwischen der alleinerziehenden Mutter, die sich das Brot nicht leisten kann und dem mittleren Manager, der sich dieses Jahr keinen Urlaub im Nobel-Spa leisten kann?

  22. 22 Andreas 03. April 2011 um 12:13 Uhr

    Ja, das würde mich auch interessieren.

    Und es geht ja noch weiter: es gibt eben nicht nur Privilegien, sondern diese Privilegien (soziale Selektion) können im Kapitalismus sogar gegen öknomische Kapitalinteressen (Leistungsselektion) durchgesetzt werden. Siehe Hamburger Schulkampf. Das ist erklärungsrelevant.

  23. 23 Angelika 03. April 2011 um 15:19 Uhr

    Dass die AG Männer für schwulen- und lesbenfeindliche Organisationen Werbung macht ist kein Geheimnis.
    Damit sind die Piratenmänner ein gutes politisches Abbild ihrer konservativen Konkurrenz.

    Und Erziehungs- und Bildungspolitik so zu kritisieren wie ich Fuchs‘ Artikel ist lächerlich.
    Wo sind die Männer, die schlecht bezahlt, einen Beruf mit niedrigem Status, ohne Aufstiegschancen einnehmen wollen?
    Der Männer-Fuchs ist das nicht.

  24. 24 suse 03. April 2011 um 20:01 Uhr

    Irgendwie bizarr: Man kritisiert den Geschlechterrassismus und die zugehörigen Parteilichkeiten und was kommt als Antwort?

    „Zweitwagen“ oder „Tennisstunden“ werden als zuviel Bedürfnis des „Mittelstandsmannes“ denunziert, während die „Mutter, die sich das Brot nicht leisten kann“ als Skandal durchgeht.

    Die Sortierung entlang des Geschlechts machts möglich: Man muss nur noch „besser“ und „schlechter“ rufen und schon versteht jeder den Sozialneid im Namen biologischer Merkmale und urteilt nach Berechtigungen – ganz schön BdM.

  25. 25 Andreas 03. April 2011 um 20:27 Uhr

    Solange hier nicht biologisiert wird, ist sowohl der Begriff „Geschlechterrassismus“ als auch der Verweis auf den BdM absolut daneben.

    Versuche doch bitte etwas sachlicher deine „Kapitalismus-heißt-Konkurrenz-und-alles-andere-ist-irrelevant“-Theorie darzulegen.

  26. 26 suse 03. April 2011 um 21:54 Uhr

    „Solange hier nicht biologisiert wird“

    Warum Benachteiligungsdebatten entlang biologischer Festschreibungen nicht der besagte Geschlechterrassismus sein sollen, ist unverständlich. Hier wird nach Männlein und Weiblein sortiert, um dann im Namen dieser biologischen Einsortierung „Forderungen“ zu stellen oder Diskriminierung zu beklagen – und das soll nicht rassistisch sein?

    Wie sehr es beim Diskriminierungsvorwurf um Selbstdarstellung geht, hat ja Irene schon geschrieben:

    „Das Ego will seine fünf Minuten Ruhm, manchmal um jeden Preis.“

  27. 27 Andreas 03. April 2011 um 22:10 Uhr

    Warum sollte die Feststellung von Sexismus eine „biologische Einsortierung“ sein? Die Diskriminierung sortiert, der Antisexismus kritisiert.

  28. 28 kapitalismuskritik 03. April 2011 um 23:09 Uhr

    Hier wird nach Männlein und Weiblein sortiert, um dann im Namen dieser biologischen Einsortierung „Forderungen“ zu stellen oder Diskriminierung zu beklagen – und das soll nicht rassistisch sein?

    Als gäbe es nicht wirklich Sexismus inklusive knallharter Folgen … Was soll das? Und ja, kein Zweitwagen und kein Brot sind doch ein Unterschied. Erkennst du den nicht?
    Was die Feststellung von Sexismus und seine Kritik mit dem Sexismus Hitlers zu tun hat, weiß auch niemand. Zudem: Seit wann ist ein simpler Verweis a la „Das ist ganz Nazi!“ ein Argument? Da denkt sich so manche/r dann nur: Dann hatte der da vielleicht recht?

    Wie sehr es beim Diskriminierungsvorwurf um Selbstdarstellung geht

    Na sicher doch – deswegen auch die Frauenhäuser als Showbühnen.

  29. 29 Irene 04. April 2011 um 0:53 Uhr

    Hier wird nach Männlein und Weiblein sortiert, um dann im Namen dieser biologischen Einsortierung „Forderungen“ zu stellen oder Diskriminierung zu beklagen – und das soll nicht rassistisch sein?

    Man kann den Rassismusvorwurf ganz schön trivialisieren, wenn man ihn bei jeder unpassenden Gelegenheit verwendet. Dann ist nämlich alles und jeder irgendwie rassistisch, und Rassismus kein ernst zu nehmendes Problem mehr.

  30. 30 MathiasF 04. April 2011 um 9:23 Uhr

    Man stelle sich das einmal mit umgekehrten Geschlechterrollen vor:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,658394,00.html

    Eine Situation, wie sie tausendfach in den letzten Jahren auch in deutschen KWEÄ und Kasernen anzutreffen war.

    http://www.abgeordnetenwatch.de/dr_angelika_niebler-901-22756--f268441.html#q268441

    Millionen Männer mussten zudem zwangsweise für ein Entgelt arbeiten, für das keine Frau in D jemals einen Vollzeitjob machen musste.

  31. 31 krit 04. April 2011 um 10:10 Uhr

    Unabhängig davon, ob ich dem Zitat aus der WikiMANNia zustimme oder nicht, kann ich darin keinen unvertretbaren Extremismus erkennen. Aber vielleicht ergibt sich das für den Autor ja „von selbst“. Das wäre auch aufschlussreich.

  32. 32 Andreas 04. April 2011 um 10:25 Uhr

    @krit
    Ja, dieser „Extremismus“ bzw. der extreme Heterosexismus zeigt sich von selbst.
    Und nein, ich werde die Deutlichkeit nicht noch mehr verdeutlichen.

  33. 33 krit 04. April 2011 um 10:52 Uhr

    @Andreas

    „Rassenlehre“ ist verunglückt, wird aber auch nicht so vertieft, dass darin mehr als eine unsinnige Provokation zu sehen wäre. Im Übrigen ergibt sich aus der Beschreibung nicht von selbst, dass sie unvertretbar ist. Insbesondere ist eine bezweifelnde Haltung zur „Normalität“ m. E. vertretbar (mir persönlich ist es schnuppe, welche Sexualität unter welchem Gesichtspunkt als normal bezeichnet werden kann). Aus der „Abweichung“ ergibt sich auch noch nicht, dass ein Verhalten als unzulässig anzusehen ist.

    Dass der Verfasser es nicht einsieht, mir, einem „Laien“, die Früchte seiner Weisheit begreifbar zu machen, befremdet und spricht für einen Extremismus eigener Art. Vielleicht weil dem Artikel dann seine „argumentative“ Basis genommen würde.

  34. 34 Andreas 04. April 2011 um 12:01 Uhr

    @krit
    Lass es einfach. Wenn du den zitierten Text okay findest, dann kann ich dir auch nicht helfen.

  35. 35 Stephan Urbach 04. April 2011 um 12:17 Uhr

    Wie konnte das passieren, dass Maskulinisten die Ausgabe 1 mitgestalten… Nun, jeder kann und darf innerhalb der Piratenpartei machen und tun was er/sie will. Dazu kommt, das der „Kompass“ von einem eigenem Verein herausgegebn wird und nicht von der Partei. Sonst könnten ja „unliebsame“ Artikel vielleicht raus fallen. Ich hba mir das in diesem Fall gewünscht und verstehe nicht, wie die AG Männer so viel Einfluss auf diese Ausgabe entfallten konnte.
    Das es die AG innerhalb der Partei gibt, ist schon schlimm genug, aber wie gesagt, da darf jeder/jede tun, was er/sie will…

    Gruß
    Stephan

  36. 36 krit 04. April 2011 um 12:21 Uhr

    @Andreas

    Dann scheint die These „Weltanschauung“ schon einmal zuzutreffen.

  37. 37 Irene 04. April 2011 um 14:13 Uhr

    Was meinst Du denn mit den ganzen Anführungszeichen? Sollen das Zitate sein oder Betonungen oder Distanzierungen (ich meins eigentlich nicht so) oder …?

  38. 38 Bombe 20 04. April 2011 um 16:06 Uhr

    Liebe Schwarze Feder,

    Deine nicht-kanonische Verwendung der Begriffe „Maskulist“ und „Maskulinist“ erschwert mir das Verständnis des Textes erheblich. Könntest Du vielleicht erklären, wie diese Gruppen für Dich definiert, wer prototypische Vertreter sind?

    Bombe 20

  39. 39 tagedieb_ 04. April 2011 um 16:39 Uhr

    Ich zitiere aus dem im Update verlinken Forumsbeitrag:

    „By the way – Amendt ist jüdischen Glaubens.“

    Im gleichen Beitrag weht sich der Autor in die rechte Ecke gestellt zu werden…

  40. 40 Andreas 04. April 2011 um 16:45 Uhr

    Hallo Bombe 20

    Es gibt da keine klaren Definitionen.
    Ich denke, dass mit Maskulinismus das Bestreben gekennzeichnet wird, hegemoniale Männlichkeiten zu legitimieren, d.h. sich für die männlichen Privilegien einzusetzen etc.
    Maskulismus ist hingegen eine Selbstzuschreibung für das Agieren und die Ideologie der Männerrechtler.
    Mithin ist Maskulismus eine aktuelle Erscheinungsform des Maskulinismus. Das zeigt sich auch darin, dass der Männerrechts-Guru in Deutschland, Arne Hoffmann, stolzer Belfart-Bax-Preisträger ist. Belfart Bax hingegen schrieb bereits um 1913 antifeministische bzw. maskulinistische Pamphlete.

  41. 41 Andreas 04. April 2011 um 16:51 Uhr

    @tagedieb

    Gerhard Amendt, nicht zu verwechseln mit seinem jüngst verstorbenen Zwillingsbruder Günter Amendt („Sexfront“), wird nicht in die rechte Ecke gestellt, sondern er hat sich selber dorthin gestellt und bleibt dort stur stehen. Wo bleiben seine Distanzierungen von den rechtspopulistischen Äußerungen seiner Fans?

  42. 42 Patrick 04. April 2011 um 17:12 Uhr

    Ich bin Pirat und hab mich noch nie mit der AG befasst, da mich die Themen Null interessieren und ich schon vermutet habe das da nur so Müll verzapft wird.

    Das schöne an den Piraten ist numal das jeder mitmachen darf und Themen ausarbeiten kann. Da es den normaldenkenden Piraten nicht interessiert kochen die dort wohl ihr eigenes Süppchen.
    Ausgearbeiteter Schwachsinn wird schlicht auf dem Bundesparteitag abgelehnt

    Also bitte beachten. Auch wenn es eine Arbeitsgruppe der Piraten ist, ist es mitnichten eine Offizielle Aussage. Wir sind Transparent, demokratisch und jeder darf mitmachen(auch nicht Parteimitglieder), also dürfen die ruhig solange drüber diskutieren, wie es nicht verfassungsfeindlich wird.

    Gruß,
    Patrick

  43. 43 Bombe 20 04. April 2011 um 18:23 Uhr

    @Andreas

    Für Dich sind also, wenn man über die Gegenwart spricht, Maskulismus und Maskulinimus synonym? Wann benutzt Du dann das eine und wann das andere?

    B20

  44. 44 HerrLehmann 04. April 2011 um 22:04 Uhr

    Ich finde wir brauchen eine rothaarigen Quote in der Piratenpartei.

  45. 45 Goofos 05. April 2011 um 1:56 Uhr

    @Kemper

    Eigentlich würde ich deinen Beitrag als epic fail bezeichnen. Zum einen hättest du doch einfach mal die Kompass Ausgabe verlinken können, ist schließlich frei verfügbar, damit sich der geneigte Leser auch selbst ein Bild von dem Artikel hätte machen können.
    Als nächstes muss man sich wohl fragen wie eine „Intersektion von geschlechts- … spezifischer Benachteiligung“ funktionieren soll, wenn ein Geschlecht kategorisch ausgeschlossen wird. Das entspricht offensichtlich der pro-feministischen Linie.
    Etwas Skurril ist die Ansicht einer Geschlechterdemokratie die Pro-Feminismus vorraussetzt, was dann allein schon soviel bedeutet die Benachteiligungen eines Geschlechts nicht zu berücksichtigen und zu beachten. Ebenso wie sie „männerrechtliche Positionen“ von vorn herein ausschließt.
    Demnach kann man wohl festhalten, dass es automatisch anti-feministisch ist sobald man Benachteiligungen von Jungs und Männer benennt und sich für männerrechtliche Themen einsetzt. Andererseits muss man dann aber auch fragen warum ein geschlechterdemokratischer Standpunkt pro-feministisch sein muss? Wie kann man die einhergehende kategorische Nichtbeachtung eines ganzen Geschlechts „geschlechterdemokratisch“ nennen? Mit so einem Gedanken von Geschlechterdemokratie verwundert es nicht sonderlich, dass das pro-feministische Bundesforum Männer keine Arbeit hat weil jedes Thema irgendwie tabu ist. Bezeichnender ist aber vor allem wie vorurteilbehaftet, vorgegeben und verschlossen die pro-feministische Geschlechterdemokratie ist obwohl man sonst vorgibt eine „ergebnisoffene Diskussion“ führen zu wollen.
    Berl hat anscheinend schon sehr früh die Notwendigkeit für eine berechtigte „Bewegung gegen die Bewegung“ erkannt.

    Warum man sich über den Wikimannia Artikel aufregen sollte, verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Der erste Punkt, dass Feministinnen und Homosexuelle den Genderismus begründet haben, spricht eher für ein Eigentor wenn Homosexuelle nun die Mitbegründung verleugnen und vertuschen möchten. Demnach wäre es in Punkt zwei mit einer gewissen Peinlichkeit verbunden, dass man jegliche Kritik und Diskussion mit der Homophobie-Keule tot geschlagen hat.
    Zumal in dem Zitat aus Wikimannia keine wertende Meinung enthalten ist und einfach nur Tatsachen beschreibt wie sie geschehen sind, würde mich dann doch mal die Meinung des schwulen Piratenfreundes interessieren wie er es mit der Zensur, Beschönigung, Umdeutung … des Wikimannia Artikels hält?

  46. 46 Peter Bosshard 05. April 2011 um 9:21 Uhr

    Herr Kempers Beitrag ist schlicht und einfach ein Aufruf zur Ausgrenzung aller Männer, deren Wahrnehmung keine matrifokal-feministische ist. Jede Kritik an feministischen Positionen ist seiner Ansicht nach verwerflich, weil homophob, rassistisch, sexistisch und weissderkuckuckwas.

    Seine agressive Agitation gegen Andersdenkende ist ein Paradebeispiel für hegemoniale Männlichkeit, welche jeden Pluralismus als Bedrohung des eigenen kleinen Kosmos und seiner Dogmen wahrnimmt. Ausgrenzung, Marginalisierung und Diffamierung sind sodann die logische Konsequenz.

    Die Parteinahme für sogenannte Randgruppen ist die ideologische Krücke, welche eine Liberalität vortäuschen soll, die nicht besteht. Was Herrn Kemper von einem militanten Rechtsradikalen unterscheidet ist nicht die Methode seiner politischen Agitation, sondern lediglich die Feindbilder. Die ideologische Krücke „Randgruppenpflege“ kann nicht über seine und Seinesgleichen militante Intoleranz hinwegtäuschen.

    Wo Argumente fehlen, da muss diffamiert werden. Diese Praxis der marginalisierenden Ausgrenzung steht in scharfem Widerspruch zum propagierten Ziel einer geschlechterdemokratischen und pluralistischen Gesellschaft.

    Eine Demokratie, auch eine geschlechterdemokratische, benötigt ein paar Demokraten. Mit schwarzen Federn ist sowas nicht zu machen.

  47. 47 Peter Bosshard 05. April 2011 um 9:48 Uhr

    Maskulinismus ist ein Synonym für Maskulismus und bezeichnet daher den philosophisch-ideologischen Hintergrund der neuen Männerbewegung . Wegen der Entsprechungen femin in → Femin ismus maskul in → Maskul ismus handelt es sich um eine fehlerhafte Analogbildung.
    http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Maskulinismus.html

    Wer sich berufen fühlt, über die „neue Männerbewegung“ zu schreiben, der sollte wenigstens mal so allmählich zur Kenntnis nehmen, dass das Ding Maskulismus und nicht Maskulinismus heisst. Aber ich bin mir natürlich bewusst, dass Herr Kemper das weiss. Mit der fehlerhaften Bezeichnung der Bewegung drückt Herr Kemper seine Verachtung aus, so wie auffallend viele Kritiker der neuen Männerbewegung bewusst die fehlerhafte Analogbildung Maskulinismus verwenden.

  48. 48 Andreas 05. April 2011 um 10:48 Uhr

    @Goofos und Peter Boshard
    Schön, dass sich hier nun auch ein paar Männerrechtler einfinden. Solange ihr euch von Textstellen wie die obige aus WikiMANNia nicht deutlich distanziert, ist für mich jedenfalls jede Diskussion mit Euch reinste Zeitverschwendung.

  49. 49 Peter Bosshard 05. April 2011 um 12:08 Uhr

    „“Solange ihr euch von Textstellen wie die obige aus WikiMANNia nicht deutlich distanziert, ist für mich jedenfalls jede Diskussion mit Euch reinste Zeitverschwendung.“"

    Solange Sie sich nicht vom „Stalininismus“ (Analogbildung zu „Maskulinismus“) distanzieren, ist keine Basis für eine konstruktive Auseinandersetzung gegeben.

  50. 50 Andreas 05. April 2011 um 12:28 Uhr

    Ich distanziere mich von jeder autoritären Philosophie, insbesondere vom Stalinismus hinsichtlich seiner Theorie und Praxis.
    So – und jetzt?

    Der Maskulinismus – vor allem in seiner aktuellen Spielart des Maskulismus der Männerrechtler – ist bewusst nach ganz weit rechts offen und zwischen männerrechtlichen Männlichkeitskonzeptionen und denen von Rechtsextremisten sind die Gemeinsamkeiten erstaunlich groß. Deutliche Distanzierungen sind hier wichtig.

    Da sich die Männerrechtsbewegung als „Bewegung gegen die Bewegungen“ versteht, wie oben im Kommentar noch einmal bestätigt wurde, müsste bei Arbeiterkindern, denen der Kampf gegen die Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft wichtig ist, schon aus Eigeninteresse daran gelegen sein, dass die Männerrechtsbewegung möglichst schnell auf dem Müllhaufen der Geschichte landet.

  51. 51 Peter Bosshard 05. April 2011 um 15:06 Uhr

    Sie wollen sich ernsthaft als Vertreter der Arbeiterschaft und deren Interessen verkaufen? Das nimmt Ihnen niemand ab. Sie sprechen weder die Sprache der sozial Randständigen noch orientieren Sie sich an der sozialen Klasse als erste politische Kategorie.

    Sie versuchen im Gegenteil Geschlecht und sexuelle Orientierung als soziale Klassen zu deuten. Ihre Krokodilstränen über eine teilweise zu beobachtende Ablehnung der Homosexualität bei Männerrechtlern ist der Front geschuldet, die Sie und Ihresgleichen nicht müde werden, stets aufs Neue aufzubauen.

    Heteronormativität, Zwangsheterosexualität und hegemoniale Männlichkeit(en) sind Ihre Begrifflichkeiten, mit denen Sie operieren. Da sind die Fronten vorgezeichnet, die Sie so bitterlich beklagen. Was Sie als Gleichstellung anpreisen schliesst die „positive Diskriminierung“ – in den USA als affirmative action bekannt – als notwendige Massnahme mit ein. Ihre Kategorisierungen zeigen deutlich, wer positiv diskriminiert werden soll.

    Ihr Spagat – Geschlecht, Gender und sexuelle Orientierung als soziale Klassen zu deuten – widerspricht der gelebten Realität von unzählig sozial marginalisierten Menschen. Sie vertreten eine absurde Ideologie.

    „“Ich distanziere mich von jeder autoritären Philosophie…“"

    Was nachweislich falsch ist. Ihr missionarischer Eifer, mit welchem Sie Männerrechtsaktivisten pauschal als Rechtsradikale zu diffamieren versuchen sowie ihre Löschorgien in Ihrer Funktion als Admin bei wikipedia sind Beleg genug, dass Sie ausgesprochen autoritär und intolerant handeln.

  52. 52 Andreas 05. April 2011 um 15:22 Uhr

    Löschorgien? Admin bei Wikiepdia?
    Ich warte noch immer auf Ihre Distanzierung vom oben dokumentierten Heterosexismus. Das wäre die Voraussetzung, um inhaltlich in die Diskussion einzusteigen.

  53. 53 Goofos 05. April 2011 um 20:15 Uhr

    Auf diese Distanzierung wirst du zumindest von mir lange warten können. Ich halte es für reichlich schäbig eine Distanzierung von dem Wikimannia Artikel zu fordern, wenn nicht einmal eine Wiederlegung, Offenlegung von einem Fehler, ein Beleg für eine Falschaussage oder ein eindeutiger Hinweis auf Homophobie oder Heterosexismus in dem Artikel genannt wird. Trotzdem verlangst du eine Distanzierung, was dann eigentlich nur soviel bedeuten kann, dass dir persönlich der Artikel, aus welchem Grund auch immer, einfach nur nicht gefällt.

    Abgrundtief schäbig ist es dann auch noch eine Distanzierung im Vorfeld einer Diskussion zu fordern, was einer Einigung auf das Ergebnis einer Diskussion noch vor der Diskussion gleich kommt. Sprich ein Vorurteil.

    Ich kann Peter nur beipflichten, das ist autoritär und intolerant. Die Distanzierung von jeder autoritären Philosophie ist wohl eher der Witz des Tages.

  54. 54 Andreas 05. April 2011 um 22:25 Uhr

    Was mich bei Männerrechtlern wie dir immer verunsichert ist die Frage,
    - ob du eigene menschenfeindliche Einstellungen wie bspw. Heterosexismus aus Opportunitätsgründen verschleiern möchtest
    - oder ob du aus einer machiavellistischen Machtpolitik heraus die menschenfeindlichen Einstellungen anderer Männerrechtler billigst und verschleiern möchtest.

    Dass WikiMANNia am rechten Rand anzusiedeln ist, wird eigentlich bei jedem Satz, den man dort liest, deutlich. Am allerdeutlichsten wird dies bei historischen Artikeln:
    „Die Geschichte der Gleichmacherei“ wurde aus einem Blog aus dem NPD-Umfeld übernommen und es wurde bedenkenlos darauf verlinkt.
    „Die Geschichte des Genderismus“ stammt von Inga Thürkauf – 2. Vorsitzende von „Pro Immaculata“ und christlich-fundamentalistische Verschwörungstheoretikerin (Zitat WikiMANNia: „Denn es geht letztlich um die Reduzierung der Weltbevölkerung, und die Mittel dazu sind Abtreibung und Förderung der Homosexualität.“)
    Der Artikel „Die Geschichte der Politcal Corretness“ schließlich wurde von der „Free Congress Foundation“ abgeschrieben, einem rechten Thinktank, der dominionistische Bestrebungen (Errichtung eines „Gottesstaates“) nachgesagt werden.

  55. 55 Holtor 05. April 2011 um 23:36 Uhr

    Zitat: Peter Bosshard an Andreas Kemper

    „Sie wollen sich ernsthaft als Vertreter der Arbeiterschaft und deren Interessen verkaufen? Das nimmt Ihnen niemand ab. Sie sprechen weder die Sprache der sozial Randständigen…“

    Guter Punkt. Ich kenne Herrn Kemper aus diversen Veranstaltungen und bin selbst Arbeiterkind. Ich wäre aufgrund seines Habitus nie von selbst darauf gekommen, dass er aus dem Arbeitermillieu kommt. Dafür ist sein Auftritt zu verkopft und theoretisch. Um es etwas polemisch zu fassen: Ich bezweifel auch, dass er problemlos nen Nagel in die Wand rammen kann. Wobei mich mal wirklich interessieren würde, ob er bisher „nur“ eine schulische und universitäre Karriere hinter sich hat, oder auch eine betriebliche Ausbildung nebst Erfahrung in einem Beruf ausserhalb der Uni vorweisen kann (Und damit meine ich keine Neben- oder Ferienjobs, die man als Student so betreibt). Diese Frage wiederum ist nicht polemisch gemeint, sondern ein ernsthaftes Interesse.

    Joschka Fischer hat nach seiner Zeit bei Opel am Band verstanden, dass Arbeiter eine andere Sprache sprechen und andere Probleme haben als er glaubte. Ich würde mir wünschen, dass auch Herr Kemper dies erkennt, denn sowohl diese Seite als auch seine sonstigen Aktivitäten sind eher eine Bewerbung für politische Gruppierungen im linken Spektrum, als ein wahres Empowerment von Arbeiterkindern. Ich kenne zumindest keinen Einzigen aus meiner sozialen Umgebung an der Uni, der sich hiermit wirklich identifizieren kann.

  56. 56 Andreas 06. April 2011 um 0:03 Uhr

    Wie gedenkst du „ein wahres Empowerment von Arbeiterkindern“ zu gestalten? Ich bin neugierig. Du kannst sicherlich einige Erfolge vorweisen? Falls nein, ist das nicht schlimm. Aber du hast bestimmt irgendwelche Ideen in der Tasche, wie am effektivsten die Bildungsbarrieren für Arbeiterkinder abgeschafft werden können. Also her damit.

    Hier findest du übrigens unsere Projekte.

  57. 57 Goofos 06. April 2011 um 0:55 Uhr

    Sprich du kannst noch immer nicht sagen wo der Wikimannia-Artikel Homophob oder Heterosexistisch sein soll. Du hast auch keine Ahnung was du Wikimannia überhaupt ankreiden willst.

    Fakt ist, alles was du bisher aus Wikimannia zitiert hast, enthält keine Meinung, Wertung, Zitate … von Wikimannia. Es dürfte auch ziemlich schwer sein anhand Wikimannia eine bestimmte Meinung und Wertung Männerrechtler und Maskulisten abzuleiten.

    Es würde mich ansonsten wirklich interessieren ob deiner Meinung nach Wikipedia ein rechtsradikaler Haufen ist weil es dort Artikel über die NPD, DVU, Adolf Hitler, nicht zu vergessen Inga Thürkauf, Pro Immaculata, Free Congress Foundation, nicht zu vergessen historische Artikel z.B. über den 2. Weltkrieg usw. gibt?

    Was dich eher verunsichern sollte ist nicht die Frage ob „Männerrechtler …“ sondern was wenn ein ganz normaler Durchschnittsmensch das was du von dir gibst einfach mal näher beleuchtet, hinterfragt und analysiert auf Unstimmigkeit und Wahrheitsgehalt. Ist nicht viel Arbeit damit man feststellt, dass das was du als Tatsachen verkaufen willst deinem Weltbild/deiner Ideologie entsprungen ist.

    Leider sollte man deshalb wohl auch keine Antwort auf die Frage erwarten wie Geschlechterdemokratie funktionieren soll und was das überhaupt damit zu tun haben soll wenn Feminismus vorausgesetzt wird, im Vorfeld sich darauf geeinigt werden soll, dass Männer und Jungs nicht benachteiligt werden und für männerrechtliche Themen kein Platz ist.

  58. 58 Holtor 06. April 2011 um 1:30 Uhr

    @Andreas: Netter Versuch, durch die Frage und den süffisanten Tonfall meinen restlichen Text zu umgehen. Dabei war er nicht böse gemeint. Aber dann lass ich mich zu deiner Entlastung mal drauf ein:

    Ich habe auch kein Projekt eines allgemeinen Empowerment für Arbeiterkinder, darauf erhebe ich auch in keinster Weise einen Anspruch. Ich kann nur von mir selbst sprechen und das wäre dann in absolut verkürzter Form ungefähr so: Ich hab halt mit Anfang Zwanzig versucht zu verstehen, wie die Mechanismen laufen um zunächst einmal ein Abitur nachzuholen und dann auf der Uni alles geregelt zu kriegen. Geholfen hat mir dabei die Einsicht einer Grundkonstante in den Erfahrungen meiner Berufswelt: Wenn ich auf einem mir völlig neuen und unbekannten Gebiet bestehen will (und diese Erlebnisse hatte ich gottweis zu Hauf, da es normal war in meinen Arbeitsfeldern), muss ich dessen Spielregeln verstehen und bis zu einem gewissen Grade mitspielen und eine Schaufel drauf legen wenn ich schlechter bin als die Anderen. Und vor allem: Durchhalten, auch wenns schwierig wird. Das hab ich an der Uni vom Grundsatz nicht wesentlich anders erlebt als im KFZ-Betrieb oder im Büro. Und das in sozial völlig unterschiedlichen Positionen. Mal war ich dabei der einzige, der morgens seinen Opel neben lauter BMWs parkte, aber mal war ich auch (in einer Zeitarbeitsfirma übelster Sorte) einer der wenigen, die eine berufliche Ausbildung hatten.

    Auf den Gedanken das ich strukturell grundsätzlich benachteiligt sei, bin ich dabei nie gekommen. Im Gegenteil hab ich mich durch Auslandserfahrungen als in Deutschland oder Europa lebendes Wesen eher als absolut privilegiert gesehen und versucht, alles aus meinen Möglichkeiten und Neigungen zu machen. Aus dieser Sichtweise heraus hab ich es dann auch wohl an die Uni geschafft. Hätte ich mir den ganzen Tag eingeredet, ich sei Opfer einer Diskriminierung (Ein Wort das ich hier als völlig unangemessen empfinde), wäre ich wohl gedanklich in Fatalismus geflüchtet und würde heute noch an der Stanze stehen. Das war mein persönliches Empowerment. Ob man das jetzt auf alle umlegen kann oder ob ich nur einfach Glück hatte oder ob ich jetzt wieder tausende ultrawichtige Theorien dabei vergessen habe weiß ich nicht. Ist auch nicht mein Job. Du bist der (selbst)auserkorene Arbeiterpräsident und ich freue mich auf die von dir vorgenommene Zerschredderung meiner Ansichten.

    Wobei meine Uni-Karriere auch nicht eine reine Selbstbeglückungsgeschichte ist. Mit meiner BILD-hörigen Familie teile ich eigentlich heutzutage keine relevanten Themen mehr oder habe völlig andere Ansätze (z.B. Fussball: Frisur/Affäre von Spieler XY vs. taktische Ausrichtung), was Tischgespräche schwierig bis unmöglich macht. Ebenfalls hält mich mein Ur-Freundeskreis, alles Arbeiter oder Angestellte, für einen abgehobenen Theoretiker, während ich mich an der Uni dezidiert als Arbeiterkind empfinde und so manche Theorie der hohen Bildungsherren als lebensfremdliches Geschwaller klassifiziere. Nur: Diese Punkte muss man wohl aushalten, da diese Vorgänge kaum mit arbeiterkinder-freundlichen Gesetzen aus der Welt zu schaffen sind.

    Aber das wir das hier in einem Thread diskutieren, in dem es darum geht, ob die Piratenpartei nun einem geschlechtlichen Standesdünkel frönt oder beim homosexuellen Geschlechtsakt applaudiert oder nicht, lässt mich mal meinen, dass hier beim „Magazin für studierende Arbeiterkinder“ etwas falsch die Akzente gelegt werden. Auch wenn du meinst, dass hier aufgrund festgestellter „Diskriminierung“ in zwei Lagern dies für mich von Haus aus interessant wäre.

    Und die von dir verlinkten Projekte, naja. Ob ein Gleichstellungsgesetz mir wirklich geholfen hätte, keine Ahnung. Nicht nur die Lehrer bzw. Schule, also die strukturelle Seite, gab mir nach der vierten Klasse die Hauptschulempfehlung, auch meine Eltern, also die Seite der Sozialisation, haben sich nie etwas anderes für meine Zukunft erträumen lassen, als irgendwo in einem mittelständischen Betrieb zu landen. Und vor meinem zwanstigsten Geburstag wäre ich da ebenfalls nie drauf gekommen, da mich Schule trotz intensivster Förderung und mir zugewandter Lehrer nie sonderlich interessiert hat.
    Und Latinum z.B. bin ich froh, es gemacht haben zu müssen, auch wenn mich der Intensiv-Kurs 1000 Euro gekostet hat. Es ist mir im geisteswissenschaftlichen Bereich nicht nur immer wieder persönlich nützlich (auch wenn laut Text ihr das Argument nicht gelten lasst) und auf dem ein oder anderen Arbeitsfeld sogar obligatorisch um wirklich zu verstehen und auch Quellen angehen zu können, sondern lässt mich im Seminarraum auch nicht dumm dastehen vor den „Kindern der Reichen“, die das alle in der Schule gemacht haben und es gerne benutzen. Letzteres würde ich dann eher als berufliche Benachteiligung empfinden…

  59. 59 Andreas 06. April 2011 um 6:27 Uhr

    @Googfos
    Wikipedia versucht einen neutralen Standpunkt zu vertreten. Es wäre dort nicht möglich, Artikel von NPD-Seiten zu kopieren und deren Inhalte als Wahrheit zu verkaufen. WikiMANNia macht sich hingegen den Familialismus aus dubiosen Quellen zu eigen.

  60. 60 Andreas 06. April 2011 um 6:44 Uhr

    Hallo Holtor,
    ich finde deinen Beitrag sehr ehrlich.

    Aber du musst zwei Sachen auseinanderhalten: die gesellschaftliche Analyse potentieller Benachteiligungen und den Umgang mit Benachteiligungen.

    Zur gesellschaftlichen Analyse: du wirst keine_n Fachwissenschaftler_in finden, der oder die die Diskriminierung von Arbeiterkindern im Bildungssystem abstreiten wird. Es liegen nunmal hunderte von Studien vor, die von der Kita über die Primarstufe, dem sekundären und tertiären Bildungsbereich, der Promotionsförderung bis hin zu den Elitestudien Hartmanns belegen, dass soziale Herkunft ein Diskriminierungsmerkmal ist. Wir machen hierzu Anfang Juli eine internationale Tagung in Münster, zu der ich dich herzlich einlade: http://wcpca.wordpress.com

    Das zweite ist der Umgang mit dieser Diskriminierung. Der kann auf zwei Arten erfolgen: individuell oder gesellschaftlich-politisch. Es kann durchaus eine erfolgreiche persönliche Strategie sein, jegliche Diskriminierung zu leugnen und immer wieder „eine Schaufel mehr draufzulegen“, wie du es formulierst. Individuell mag das erfolgreich sein bei einzelnen. Die Ursache für diese Benachteiligung wirst du damit aber nicht los.

  61. 61 Holtor 06. April 2011 um 10:12 Uhr

    Na gut, vielleicht habe ich nur meine eigene Definitione von Diskriminierung, die sich von den Forschern da unterscheidet. Ich denke in meinem und ähnlichen Fällen steht es mir kaum zu, mich in einen Pott zu werfen mit Apartheidsopfern oder den Bootsflüchtlingen vor Lampedusa etc. Das ist für mich Diskriminierung, und Hauptmerkmal ist dabei die bewusste und politisch gewollte Ausgrenzung bestimmter Gruppen, deren Teilhabe an den Fleischtöpfen der Gesellschaft mit allen Mitteln verhindert werden soll. Auch der Hamburger-Schulstreit ist da für mich kein tragendes Argument zur Annahme einer Diskriminierung, da ich ja nicht zwangsläufig auf eine Uni-Karriere angewiesen bin und mir als Alternative die Arbeitswelt offen steht, ja ich dort sogar geldmässig beträchtlich weiter gekommen wäre als jetzt an der Uni. Das ich ein paar Semester länger studieren muss und viel später fertig werde, sehe ich als Benachteiligung, aber nicht als Diskriminierung. Zumal ich auch noch im Gegensatz zu den „von der Schule auf die Uni“-Menschen Berufserfahrung vorweisen kann, was in meinem postuniversitären Berufsfeld einfach ein Vorteil ist. Wenn ich daran zurück denke, was mir theoretisch angehauchte Lehrer damals alles so über die Berufswelt zu erzählen versucht haben, kriege ich heute noch Kopfschmerzen. Spätestens nach dem ersten Schulpraktikum hatten die bei mir jegliche Autorität verspielt…

    Aber das ist nur meine Meinung zum Thema und vielleicht Begriffsklauberei. Was ich nur sagen will: Für mich war wichtig, dass sich mir ne Menge Chancen auftun, wenn ich verstehe wie etwas funktioniert, also in meinen Fall die Uni. Hier ist das Empowerment also im Kopf passiert und ein strukturelles Entgegenkommen hätte mir wohl nichts genützt, wenn ich nicht auf diese Gedanken gekommen wäre. Auch eine meine Erfahrungen aus der Arbeitswelt. Aber wie gesagt: Vielleicht bin ich nur ein glücklicher Idiot und meine Ansichten taugen nicht für die Allgemeinheit der Arbeiterkinder. Vielleicht habe ich aber mit dem Ansatz recht. Das kann ich nicht beantworten und habe auch keine Empirie zur Hand.

  62. 62 Andreas 06. April 2011 um 10:32 Uhr

    Empirie gibt es hier im Blog ja genug. Und Erfahrungsberichte von Arbeiterkindern, die andere Erfahrungen als du gemacht haben auch. Dennoch kenne ich deine Position, sie wird eben auch oft von Arbeiterkindern geschildert.

    Und natürlich ist die Situation von Arbeiterkindern in Deutschland nicht mit der von Flüchtlingen auf Lampedusa zu vergleichen. Deren Situation ist allerdings auch nicht der von KZ-Opfern zu vergleichen. Es geht also nicht um irgendwelche Vergleiche, wem es denn noch schlechter gehen können, sondern ganz einfach um die Umsetzung des Grundgesetzes, dass niemand aufgrund seiner sozialen Herkunft benachteiligt werden darf.

  63. 63 earendil 06. April 2011 um 10:37 Uhr

    @Holtor

    Wenn ich auf einem mir völlig neuen und unbekannten Gebiet bestehen will (…), muss ich dessen Spielregeln verstehen und bis zu einem gewissen Grade mitspielen und eine Schaufel drauf legen wenn ich schlechter bin als die Anderen.

    1. Du siehst selber, dass du immer mehr leisten musstest als die anderen, kannst darin aber weder Benachteiligung noch Diskriminierung erkennen? In Wirklichkeit deutest du doch nur tatsächliche strukturelle Benachteiligungen in einen eigenen Fehler um: Du warst halt „schlechter“. Und woher kommt das, dass du „schlechter warst? Doch nicht etwa von strukturellen Benachteiligungen, die dir eben nicht von Haus aus Latinum und Sicherheit in den „Spielregeln“ mitgegeben haben?

    2. Bist du eigentlich nie auf den Gedanken gekommen, dass das ganze „Spiel“ scheiße ist? Dass dein „Empowerment“ nichts anderes heißt als: Du richtest dich selber als Arbeitstier fürs Kapital zu (es ist ja nicht zufällig in dem Zusammenhang oft von „sich gut verkaufen“ die Rede) und stichst andere aus im Kampf um die angenehmste Position in der Ausbeutung – also das komplette Gegenteil der wörtlichen Bedeutung von „Empowerment“?

    3. Ich weiß ja nicht, wie du das meinst, aber meistens ist sowas wie „dass Arbeiter eine andere Sprache sprechen“ einfach ein Euphemismus für „Arbeiter sind zu doof um was zu kapieren“. Und zumal wenn Andreas sich an Arbeiterkinder an der Uni richtet, ist mir nicht klar, wo die großen Verständigungsschwierigkeiten liegen sollten.
    Oder meinst du eigentlich mit „anderer Sprache“ „andere Gedanken“? Nun, wenn die falsch sind (z.B. wenn Leute aus dem eigenen Erfolg darauf schließen, es gebe gar keine strukturelle Benachteiligungen…), muss man ihnen widersprechen und nicht die falschen Gedanken nachplappern, oder?

    4. Warum soll sich Andreas in diesem Blog nicht auch mal mit anderen Themen beschäftigen, z.B. Maskulismus, zumal wenn sich durchaus Bezüge ergeben zum Hauptthema? (Btw, ich finde das Rumgeopfere, den Verfolgungswahn und die Dummstellerei der Weiberfeinde durchaus amüsant. :) )

    Ich denke in meinem und ähnlichen Fällen steht es mir kaum zu, mich in einen Pott zu werfen mit Apartheidsopfern oder den Bootsflüchtlingen vor Lampedusa etc.

    Du wirst immer noch Menschen finden, denen es noch schlechter geht. Was ändert das? Oder wofür soll das ein Argument sein?

    @Andreas

    Individuell mag das erfolgreich sein bei einzelnen. Die Ursache für diese Benachteiligung wirst du damit aber nicht los.

    Genau das könnte man über deine Antidiskriminierungsarbeit aber auch sagen. Wurde ja schon lang und breit hier diskutiert…

  64. 64 Holtor 06. April 2011 um 13:01 Uhr

    @ earendil

    Dein Punkt 1: Ich glaube wir gehen hier beide von anderen Ansätzen aus. Deiner Meinung nach muss eine Welt wohl gleichförmig aufgebaut sein, ich sehe sie eher als notwendigerweise vielfältig an, da unser Planet zu komplex aufgebaut ist, um in allen Belangen gleiche Vorraussetzungen zu schaffen.
    Und Nein, ich sehe mich nicht als diskriminiert, nur weil ich auf bestimmten Gebieten mehr leisten muss. Es gab und gibt nämlich auch Gebiete, auf denen ich viel weniger als andere leisten muss. Zwei Beispiele: In einer Abteilung bekammen wir mal als Leiter einen Unitypen, der außer seiner Hochschule nicht viel gesehen hat im Leben. Schwallern konnte der, von der Praxis hat er nichts verstanden, sein Habitus verwehrte ihm einen wirklichen Kontakt zu den anderen Kollegen, konnte oder wollte es nicht lernen und so schossen seine Vorstellungen so sehr ins Knie, das er schlußendlich gefeuert wurde. War der nun auch diskriminiert, weil er die praktischen Basics aufgrund seiner Herkunft nie gelernt hat ?
    Oder mein heutiger Nebenjob Gastro/Großveranstaltungen: Die Fluktuation an Leuten ist hier groß, und laufend rollen auch irgendwelche Studenten an, die außer Schule nichts gesehen haben im Leben. Bis die das Level erreicht haben, die ein handwerklich und logistisch Begabter aus der Arbeiterklasse von Haus aus drauf hat (Teppich, Wasser und Elektro legen, Zapfanlagen und Anlagen aufbauen und einstellen, den Abbau der Geräte SINNVOLL verstauen etc.) haben die meist schon wieder gekündigt. Sind die nun auch Opfer von Diskriminierung ?
    Oder ist etwa ein Erfahrungsvorsprung im Beruf auch schon ein Diskriminierungsmerkmal ? Dann wurde ich wohl als Arbeiter laufend diskriminiert, weil ich ständig mit Leuten zu tun hatte, die ihren Beruf schon seit Jahrzehnten ausführten und gegen die ich bei Entscheidungen konkurrieren und „ne Schaufel drauf legen“ musste.
    Es gibt millionen Arbeitsfelder auf dieser Erde, da können doch nicht alle überall die gleichen Vorraussetzungen haben. Schon gar nicht, wenn man wie ich vorher einen anderen Lebensweg eingeschlagen hat. Ich denke eher, dass man diesen Punkt akzeptieren MUSS. Alles andere erscheint mir als einseitiges Schielen auf die Situation in einer Uni, als ob diese das ausschließliche Heilmittel für meinen Werdegang sei.

    Zu deinem Punkt 2: Ich weiß nicht wo du mit deiner Aussage vom „Arbeitstier des Kapitals“ hin willst, aber es liegt mir fern hier jetzt irgendwelche umsturzorientierten politischen Grundsatzdebatten abzuliefern, ob Kapitalismus per se scheiße ist oder nicht. Und hätte ich mich tatsächlich als „Arbeitstier des Kapitals“ gesehen, wäre ich in meiner alten Welt geblieben. Da gab es nämlich für mich bedeutend mehr Geld zu holen, als ich jetzt verdienen kann. Ebenfalls will ich mich auch nicht nur „gut verkaufen“, also dauerhaftes Kasperletheater spielen, sondern mit meiner Arbeit was schaffen. Unglaublich, aber wahr.

    Zu deinem Punkt 3: Das Arbeiter doof sein, würde ich als Arbeiterkind wohl kaum behaupten wollen ohne an meinem eigenen intellektuellen Ast zu sägen. Leuchtet ein, wah ? Andere Gedanken trifft es da schon eher. Und vor allem andere Herangehensweisen und Vorstellungen vom eigenen Leben. Nur als kleines Beispiel, dass die Frage, wie man seine eigene junge Familie durchbringt wichtiger erscheint als seine Zeit mit ellenlangen Diskussionen über Diskriminierung und Sonstigem zu verbringen, hinterher mit einem guten Gefühl rausgegangen zu sein aber im Endeffekt die eigene Position nicht verbessert zu haben. Ich sage nicht das dies meine Meinung ist, aber mir fallen aus dem Stehgreif ein Dutzend meiner Kollegen ein, die genau so wie beschrieben denken. Und die könnt ihr mit z.B. Fabingers Texten höchstens jagen, da sie es als Geschwaller ohne tatsächlichen Nutzwert für sich selbst erachten.
    Und zum Thema ich würde allgemeine strukturelle Banchteiligungen leugnen: Ich habe in meinem Text mehrfach geschrieben, dass dies konkret nur auf meine Person bezogen ist. Und für mich sehe ich in diesem von mir geführten Leben die Chancen größer als die Benachteiligungen, da ich mit diesen umzugehen weiß oder meine es zu wissen.

    Dann noch ein Zitat von dir:

    „ich finde das Rumgeopfere, den Verfolgungswahn und die Dummstellerei der Weiberfeinde durchaus amüsant“

    Ohne Übertreibung habe ich genau diesen Wortlaut schon von drei verschiedenen Leuten über genau diesen Blog hier gehört.

    Und noch ein Zitat:

    „Du wirst immer noch Menschen finden, denen es noch schlechter geht. Was ändert das? Oder wofür soll das ein Argument sein?“

    „Noch schlechter“ ? Also ins grammatikalische Positiv gewendet geht es mir schlecht ? Ich lass mir doch von dir nicht einreden, dass ich sozial am Krückstock durch die Welt ziehe, nur weil ich während des Studiums Latein nachholen muss, was andere quasi in die Wiege gelegt bekommen.
    Und wofür das ein Argument sein soll ? Wie gesagt, ich möchte Diskriminierung und Benachteiligung für mich voneinander trennen, da Diskriminierung ein für mich viel zu schwerwiegendes Wort ist für meine persönliche Situation als Arbeiterkind im Hochschulbetrieb. Ich möchte mich nicht vergleichen mit jemandem, dem aufgrund bestimmter Merkmale die komplette Lebensgrundlage entzogen wird und der keine Chance hat, sich Alternativen zu suchen.

  65. 65 Andreas 06. April 2011 um 13:30 Uhr

    Hallo Holtor,

    ich nehme dir deine persönlichen Erfahrungen ab.

    Und ich glaube auch gerne, dass Akademikerkinder, die noch nie manuell gearbeitet haben, in Betrieben, wo es um praktisches Denken geht, schnell entlassen werden.

    Dennoch haben Akademiker_innen sehr viel bessere Chancen einen Job zu finden, dort Karriere zu machen und in einer anerkannten Position mehr Geld zu verdienen und sich weniger körperlich fertig zu machen. Die Lebenserwartung von Arbeitern liegt noch immer zehn Jahre unter der von Akademikern. Hier ein Artikel vom letzten Monat: FAZ: In Deutschland sind Akademiker vollbeschäftigt

  66. 66 Andreas 06. April 2011 um 14:23 Uhr

    Hier noch eine Studie zum Zusammenhang von Benachteiligungsgründen:

    Der Mythos von den Bildungsverlierern

    Demnach müsse genau differenziert werden, welche Jungen Bildungsverlierer sind.

    Hier die Studie als PDF-Datei Bildung von Geschlecht

  67. 67 Holtor 06. April 2011 um 15:51 Uhr

    @ Andreas

    WIe gesagt, ich bezweifel ja gar nicht, dass es strukturelle Benachteiligungen gibt. Ich hab sie persönlich nur nicht als mich stoppend empfunden. Mich würde es nur mehr interessieren, ob, vereinfacht ausgedrückt, für einen höheren Anteil an Arbeiterkindern im Hochschulsektor nun eher Barrieren und „Gateskeeper“ abgebaut werden müssten oder eher im Kopf der Arbeiterkinder angeregt werden sollte, wie sie Barrieren überspringen können (Natürlich heißt es jetzt: ein Mix aus beidem). Aus eigener, dargelegter Erfahrung neige ich klar zu der Kopfgeschichte, und ich glaube auch keineswegs, dass man gleiche Startvorraussetzungen für Alle in allen Bereichen wirklich schaffen kann. Aber ebenfalls wie gesagt ist dies nur meine Meinung, die nur aus persönlicher Erfahrung gespeißt wird und ohne Empirie auskommt.

  68. 68 earendil 06. April 2011 um 18:20 Uhr

    Deiner Meinung nach muss eine Welt wohl gleichförmig aufgebaut sein, ich sehe sie eher als notwendigerweise vielfältig an, da unser Planet zu komplex aufgebaut ist, um in allen Belangen gleiche Vorraussetzungen zu schaffen.

    Nein, ich will keine gleichförmige Welt, sondern eine frei von Herrschaft und Ausbeutung. Kommunismus bedeutet eben nicht Gleichmacherei, im Gegenteil. Dass einige Leute manche Sachen besser können als andere, muss und wird in einer arbeitsteiligen Gesellschaft immer so sein, keine Frage. Nur muss an solchen Fähigkeiten ja kein gesellschaftlicher Status hängen.

    Es hängt ja auch nicht an jeder Fähigkeit der gesellschaftliche Status, sondern nur an bestimmten, demzufolge ist auch nicht jede fehlende Voraussetzung benachteiligend. Eine gute Putzfrau kann auch viel schneller ein Hotelzimmer säubern, als ich das je könnte, und vielleicht bringt sie für diesen Beruf durch ihre Herkunft und Sozialisation Voraussetzungen mit, die ein Akademikerkind nicht hat. Und, was nützt das der Putzfrau, bzw. was schadet das dem Akademikerkind?

    Ich weiß nicht wo du mit deiner Aussage vom „Arbeitstier des Kapitals“ hin willst, aber es liegt mir fern hier jetzt irgendwelche umsturzorientierten politischen Grundsatzdebatten abzuliefern, ob Kapitalismus per se scheiße ist oder nicht.

    Tja, tut mir (nicht wirklich) leid, dass ich dich mit „Geschwaller ohne tatsächlichen Nutzwert für dich selbst“ belaste, aber es geht mir, in gewissem Gegensatz zu Andreas, in der Tat kein Stück um irgendeinen „Nutzwert“ für dein persönliches Durchwurschteln, sondern darum, dass dein Empowerment, das im Erfolgsfall immer auch ein Debasement für andere bedeutet, deine Selbstformung nach den Bedürfnissen des Kapitals ist. Klar gehts dir nicht darum, sondern um interessantere oder angenehmere Arbeit oder wasweißich (um mehr Geld ja wohl nicht), aber das kriegst du halt nur, wenn und soweit du dich verkaufen kannst. Das heißt nämlich wesentlich mehr als Kasperletheater spielen.

    hätte ich mich tatsächlich als „Arbeitstier des Kapitals“ gesehen

    Ob du dich so siehst, spielt keine Rolle – du bist es, ganz objektiv.

  69. 69 Holtor 06. April 2011 um 20:13 Uhr

    Ja, earendil, dann wünsch ich dir alles gute bei der Weltrevolution. Am besten sagst du mir eben kurz bescheid, wenn du alles eingetütet hast, damit ich mich drauf einstellen kann. Bis dahin bitte ich zu entschuldigen, das ich einen Studienplatz besetze und dadurch ein Akademikerkind mit „Debasement“ konfrontiert wird.

    Kölle Alaaf und viel Spaß noch
    Holtor

  70. 70 Irene 06. April 2011 um 23:35 Uhr

    Eine gute Putzfrau kann auch viel schneller ein Hotelzimmer säubern, als ich das je könnte, und vielleicht bringt sie für diesen Beruf durch ihre Herkunft und Sozialisation Voraussetzungen mit, die ein Akademikerkind nicht hat.

    *facepalm*

    Mach mal ein Praktikum auf dem Bauernhof, das erdet.

  71. 71 Carl 07. April 2011 um 7:50 Uhr

    Ich habe schon als Kind auf dem Bauernhof von Verwandten mitgearbeitet. Macht mich das zum Experten für Alles? Schön, dann lauschet meinen Worten.

    Ich finde es auch nicht gut, wenn man „herumopfert“, muss es aber nun doch mal tun.
    Holtor, ich bin kein Geisteswissenschaftler, teile aber deine Meinung, dass das alles weltfremde Laberköpp wären, überhaupt nicht. Zwar produzieren sie nicht direkt etwas mit einem ökonomischen Nutzwert, aber sie sind die Träger unserer Kultur. Wofür eigentlich der wirtschaftliche Aufschwung um nicht auch um unsere Kultur und unsere Lebensweise am Leben zu erhalten? Wir brauchen nicht nur Brot sondern auch Rosen!

    Der Mangel an Rosen fällt erst dann auf, wenn Brot genug da ist (vgl. Inglehart)… das wird leider oft vergessen. Trotzdem finde ich es irgendwie nicht gut alles Andere als Geschwalle abzutun.
    Es gibt in meiner Familie Hauptschulabgänger, die interessieren sich für die Oper und für klassische Dichtung. Meine Oma, deren Eltern beide wegen mangelnder medizinischer Versorgung jung verstarben… an einer Krankheit, die ganz einfach heilbar ist, deren kleine Schwester im Kindesalter verstarb, die ihren ersten Mann noch als junge Frau verlor und ihren zweiten Mann im mittleren Alter, diese Oma erzählte mir jedenfalls davon, was für eine Freude es ihr damals als junger Frau gewesen ist, wenn es öffentliche Kulturaufführungen gab. Ich wette sie könnte mir auch Geschichten von Leid und Elend, vermeidbaren Todenfällen und Not erzählen und manchmal tut sie das, aber eben nicht nur!!!

    Ich finde, dass die Leute, die im kulturellen Bereich arbeiten uns Allen etwas geben und ich finde sie kein bißchen nutzlos… ich selbst könnte Vieles davon nicht oder finde es schwer verständlich, aber darum muss man noch lange nicht darauf herabsehen. Ich finde es jedenfalls mies, wie diesen Leuten oft sinngemäß gesagt wird „such dir eine richtige Arbeit“… vielleicht haben die ja schon längst eine richtige Arbeit…

    So, nun zum Herumgeopfere: Ich bin aufs Gymnasium gegangen und habe dort (schockierend, aber wahr) Lateinunterricht gehabt. Mich kotzt dieser indirekte Vorwurf, dass man deswegen automatisch zu dumm für alles andere sei, an. Ich denke, dass es gerade diese Vorurteile sind, die viele Leute davon abhalten sich zu bilden. Warum sollte man das auch tun wollen, wenn Einem hinterher nur gesagt wird, man sei zu blöd zum Gradeausgucken?

  72. 72 Carl 07. April 2011 um 7:58 Uhr

    Es tut mit übrigens unheimlich Leid für die Frauen, wie dieser Thread in die allgemeine Diskussion über den Kapitalismus etc abdriftet.

    Kann es sein, dass immer wenn es um Frauenthemen geht, Männer anfangen darüber zu diskutieren und es dann kurz oder lang um was anderes geht?

  73. 73 earendil 07. April 2011 um 8:32 Uhr

    @Irene, was genau willst du mir eigentlich sagen?

    @Carl, ich glaube nicht, dass Holtor hier Antiintellektualismus und eine Art proletarischen Standesdünkel vertreten wollte.

    Es ging hier auch zuerst nicht direkt um Frauen, sondern um Maskulisten.

  74. 74 Administrator 07. April 2011 um 9:28 Uhr

    Anmerkung vom Admin:
    Zwei Beiträge von „Holtor“ wurden nachträglich freigeschaltet, da die automatische Spam-Erkennung um eine manuelle Moderation bat. Sie stehen weiter oben, bitte nicht überlesen.

    Danke.

  75. 75 Irene 07. April 2011 um 12:14 Uhr

    @Irene, was genau willst du mir eigentlich sagen?

    Dass Arbeitertöchter nicht unbedingt zum putzen geboren sind vielleicht?

  76. 76 Peter Bosshard 07. April 2011 um 12:16 Uhr

    „“Und ich glaube auch gerne, dass Akademikerkinder, die noch nie manuell gearbeitet haben, in Betrieben, wo es um praktisches Denken geht, schnell entlassen werden.“"

    Sie betonen, dass Sie aus einer Arbeiterfamilie stammen, aber trotzdem Akademiker geworden sind. Das soll wohl heissen, dass Sie aus einer diskriminierten Klasse stammen, der „Arbeiterschaft“, persönlich aber nie Arbeiter waren und auch nicht diskriminiert, sondern de facto privilegiert sind? Ein per Geburtsrecht erworbener Diskriminiertenbonus, der den Bezug von Kompensationsleistungen rechtfertigt? Das ist in ihrem sozialen Umfeld wohl so etwas wie ein vererbtes Geburtsrecht.

    Ihrem autoritären Kasernenhofton, mit dem Sie mir die Distanzierung vom besprochenen Wikimanniaartikel nahelegen, werde ich nicht nachkommen. Erst stecken Sie mich in eine Schublade, operieren mit Vorurteilen und verlangen sodann, mich von ihren Unterstellungen zu distanzieren. Soweit damit der unterschwellige Vorwurf der Homophobie gemacht wird, kann ich Sie beruhigen. Ich hatte nie das Bedürfnis, Schwule auszugrenzen noch habe ich das Bedürfnis, mich als der grosse Schwulenfreund zu inszenieren, um mich von derartigen Unterstellungen zu befreien.

  77. 77 Andreas 07. April 2011 um 12:38 Uhr

    @Peter Bosshard
    Es werden nicht nur Arbeiter_innen, sondern auch Arbeiterkinder diskriminiert. Schon mal was von PISA gehört?

    Wenn Sie sich mit den Leuten von WikiMANNia solidarisieren, warum wundern Sie sich dann, dass Sie mit Heterosexismus in Verbindung gebracht werden?

  78. 78 earendil 07. April 2011 um 14:22 Uhr

    @Holtor:
    a) „Entschuldige“ bzw. gönn ich dir doch gerne. Dass du den Hinweis auf den unvermeidlichen Zusammenhang zwischen deinem Erfolg und dem Misserfolg anderer gleich als Schuldvorwurf auffasst… nunja, scheint ja irgendwo einen Nerv zu treffen.
    b) Solange viel zu viele Leute mit ihrem ebenso erbärmlichen wie prekären „Empowerment“ zufrieden sind, wird leider nichts eingetütet und revolutioniert werden.
    c) De Session ist Gottseidank vorbei.

    @Irene: Das nicht, aber die Wahrscheinlichkeit, ihr Leben im Reinigungsgewerbe zu fristen, ist bei Proletentöchtern halt wesentlich höher als bei Bürgerkindern. Was genau hat das jetzt mit landwirtschaftlichen Praktika zu tun?

  79. 79 Irene 07. April 2011 um 22:00 Uhr

    Ich bin nicht vom Fach, ich bin nur eine Liberale mit linker Gesinnung und feministischem Hintergrund. Aber Du bist ein seltsamer Kommunist.

  80. 80 Carl 08. April 2011 um 8:08 Uhr

    @ Earendil: Beim Maskulinismus geht es doch um Frauen (oder auch um Männer in Abgrenzung zur Frau).

    @ Irene: Meinst du mit „seltsamer Kommunist“ das, was ich auch meine? Ein Kommunist dem der Prolet als Einzelner sch…egal ist. Hauptsache ist die Weltrevolution. Das ist für Kommunisten nach meiner Erfahrung nicht seltsam sondern normal.

    Keine Ahnung, ob das bei Earendil so ist, aber bei einigen der Diskutanten in diesem Forum kommt es mir so vor. Ich habe dazu ein Zitat aus dem Buch „Unter Linken“:

    „Die Wortführer der Linken haben sich bis auf wenige Ausnahmen immer schwer getan mit dem Volk, dem großen Lümmel. Einerseits sind sie von einer sentimentalen Hinwendung zu den einfachen Menschen erfasst: Vor allem der Arbeiter steht bei ihnen im Ansehen, der ehrliche Malocher, der am Hochofen steht und Eisen biegt. Andererseits sind sie immer wieder erschrocken, wenn sie ihm dann leibhaftig begegnen. Er ist so roh, so ungelenk, so anders, als man ihn sich vorgestellt hat. Die Fremdheitsgefühle sind durchaus verständlich: Es gibt im Alltag nicht viele Möglichkeiten des direkten Kontakts, dazu ist die Schnittmenge zwischen ausgebautem Dachgeschoss im Prenzlauer Berg und der Reihenhaushälfte mit Gartenzwerg in Duisburg zu klein. Ihre Anschauung der unteren Klassen entnimmt die linke Intelligenz im Wesentlichen dem Lehrbuch und der TV-Dokumentation vom Leben am anderen Ende der Gesellschaft.“

    Mal dahingestellt, ob „der Arbeiter“ wirklich roh und ungelenk ist und ob es „den Arbeiter“ überhaupt gibt.
    Fleischhauer hat meiner Meinung nach recht. Gewisse Leute wollen die Lebensbedingungen der Armen verbessern und sind zutieft schockiert, dass sie sich nicht die Weltrevolution wünschen, sondern Plasma-TVs, modische Klamotten und Urlaub auf Malle. Mal ganz klischeehaft ausgedrückt.
    Dann kommen gewisse Leute zu dem Schluss, dass die Proleten es nicht besser verdient hätten oder zu dem Schluss das sie durch die Werbung verdummt wären.

    Dabei ist das Verhalten meiner Meinung nach vollkommen normal. Ich würde folgende These aufstellen. Ob sie stimmt kann ich nicht sagen, da auch ich kein Arbeiter bin. Meine Nebenjobs mögen mir einen Einblick ermöglicht haben, aber meine Ausbildung macht micht eindeutig zu einer Person der Mittelschicht. Folgende These jedenfalls habe ich: Wenn man den ganzen Tag (zum Beispiel von irgendwelchen dummen Kunden) genervt, geärgert und belästigt wurde und sich dann auch noch in zahlreichen TV-Dokumentationen und Zeitschriften-Artikeln anhören darf das man ein ehemaliger „Restschüler“ sei, daher dem Suff zugetan und Zeichen des Versagens unseres Bildungssystems, dann möchte man nicht unbedingt noch seine Freizeit mit langweiligen und (möglicherweise ebenso nervigen) Diskussionen über Marx verbringen… wo man zu allem Überfluss schon wieder als dummes hilfloses Opfer gilt. Dann ist man auf der Suche nach ein bisschen Abwechslung…

  81. 81 Andre Trecksel 11. April 2011 um 15:06 Uhr

    Schön, dass dieser Artikel so viel Diskussion hervorruft. Das war ja so gewollt. Schade nur, dass die Diskussion irgendwie nicht (mehr) um Kinder geht.

    „Wie konnte die AG Männer so viel Einfluss (in der Piratenpartei) bekommen?“

    m(

    Die AG Männer hat folgenden Einfluss auf die Partei: $AnzahlMitgliederInAG geteilt durch $AnzahlMitgliederPiratenpartei

    Diese Formel lässt sich auf jedes Piratensüppchen…äh…grüppen anwenden.

    Warum ist der Artikel der AG Männer überhaupt im Kompass? Weil Du keinen passenderen geliefert hast. So einfach ist das.

    Warum ist der Artikel an so prominenter Stelle? Er war lang, hatte Zwischenüberschriften. Titelbild fanden wir toll. So einfach ist das.

    Die AG Piratenzeitung hat momentan nicht genug Leute um ein besseres Gesamtergebnis abzuliefern. So einfach ist das.

    Der Kompass ist auch nicht die Piratenzeitung, sondern eine Piratenzeitung. Und sie ist noch nicht mal offizielle Parteizeitung, also spricht via dieses Medium nicht „die Piratenpartei“, sehr wohl aber die Menschen die in der Piratenpartei aktiv sind. Es geht um Meinungsvielfalt. Es geht darum, eben nicht nur das zu drucken, was allen gefällt, sondern auch das, was aneckt.

    Der Kompass soll ein Diskussionsmedium sein, das auch Offliner erreicht. Wem nicht passt, was dort geschrieben steht, kann einen „Konter-Artikel“ wiederum im Kompass veröffentlichen. Mitmachzeitung eben.

  82. 82 Andreas 12. April 2011 um 7:50 Uhr

    Hallo Andre

    Schön, dass dieser Artikel so viel Diskussion hervorruft. Das war ja so gewollt.

    Der Artikel hat überhaupt keine Diskussionen hervorgerufen, sondern die Veröffentlichungspraxis, also der Umstand, dass die Piratenpartei dieser Männer AG ein prominentes Forum bietet.

    Warum ist der Artikel der AG Männer überhaupt im Kompass? Weil Du keinen passenderen geliefert hast. So einfach ist das.

    Das heißt, es wird alles gedruckt, was gerade da ist. In Ermangelung von guten Artikeln auch sexistische Artikel. Und wenn nur Nazi-Artikel eingereicht worden wären, dann wären die halt gedruckt worden? Was ist denn das für ein Redaktionskonzept???

    Warum ist der Artikel an so prominenter Stelle? Er war lang, hatte Zwischenüberschriften. Titelbild fanden wir toll. So einfach ist das.

    Wie bitte? Die Form siegt über den Inhalt? Wie unpiratig ist das denn bitteschön? Oder ist gerade das piratig: Form ist wichtiger als Inhalt?

    Es geht darum, eben nicht nur das zu drucken, was allen gefällt, sondern auch das, was aneckt.

    Wir haben genug Skandalpresse, die gerne druckt, was „aneckt“, die „Kante zeigt“. Das ist ein extrem hohles Redaktionskonzept und mit extrem hohl meine ich: absolut inhaltsleer und verantwortungslos.

  83. 83 Peter Bosshard 12. April 2011 um 18:37 Uhr

    „“Es werden nicht nur Arbeiter_innen, sondern auch Arbeiterkinder diskriminiert. Schon mal was von PISA gehört?“"

    Ja. Pisa ist Hauptstadt der Provinz Pisa, beliebtes Reiseziel wegen seines schiefen Turms.

    „“Wenn Sie sich mit den Leuten von WikiMANNia solidarisieren, warum wundern Sie sich dann, dass Sie mit Heterosexismus in Verbindung gebracht werden?“"

    Bleiben Sie doch sachlich. Ihr Fanatismus macht Sie blind. Ist Ihnen bewusst, dass Sie Kritik an Ihren Ansichten grotesk verzerrt wahrnehmen und sodann regelmässig mit Unterstellungen operieren? Hatten Sie schon mal den Gedanken, dass Sie den Beruf verfehlt haben?

  84. 84 Andreas 12. April 2011 um 21:37 Uhr

    Mal eine Frage, ich kenne mich ja bei den Männerapollogeten (das zweite „l“ ist Absicht) nicht so gut aus. Gibt es bei den Maskulisten nicht eine starke Tendenz, Werte zu gendern? Ich meine, ist es nicht so, dass z.B. eine klare Positionsbeziehung bei euch als männlich gilt? Falls ja, dann verstehe ich Ihr Rumgedruckse nicht. Distanzieren Sie sich nun von WikiMANNia oder nicht?

  85. 85 Andre Trecksel 13. April 2011 um 11:14 Uhr

    @Andreas

    Du scheinst noch immer nicht begriffen zu haben, dass die Piratenpartei dieser Männer AG kein prominentes Forum geboten hat. Denn die Partei macht diese Zeitung gar nicht.

    Leider muss ich zugeben, es gibt noch immer kein echtes Redaktionskonzept. Wir haben einfach zu wenig Leute die das machen können. Nur eine Hand voll Leute machen das neben Ihrer Arbeit. Und es ist die erste Ausgabe. Wer da helfen kann und will möge sich bitte bei der AG melden. Ich selbst bin übrigens nicht Teil der Redaktion.

    Es wird allerdings nicht einfach alles genommen was gerade da ist. Wenn allerdings ein Text von einer AG der Piratenpartei kommt, warum sollte der dann nicht erscheinen? Weil Du glaubst, die seien Sexisten? Piratig ist vor allem Meinungsvielfalt. Wo Du in dem Artikel etwas sexistisches, frauenfeindliches oder schwulenfeindliches gefunden haben willst, ist mir schleierhaft. Ich verstehe den Artikel so, dass wenn wir es nicht schaffen, den Jungen (mehr) positive männliche Vorbilder zu zeigen, suchen sich die Jungs negative Vorbilder von allein.

    Piratig heißt auch, nicht in Extremen zu denken und sich mit verschiedenen Perspektiven auseinanderzusetzen. Einzelne Meinungen nicht zu veröffentlichen, weil sie dir nicht passen, ist hingegen unpiratig. Wie sollen sich Meinungen denn annähern, wenn man sie nicht austauscht.

    Dass Nazigedankengrütze nichts mit Meinung zu tun hat, sehen wir wohl beide so. Also musst du nicht vermuten, derartiges könnte jemals in einer Piratenzeitung publiziert werden.

    Es geht darum, Thema zur Sprache zu bringen und Lösungen zu finden. Wenn Du einen Gegenartikel bringen willst, der bessere Lösungen für die bildung von Kindern enthält, wende Dich an die AG Piratenzeitung.

    PS: Wenn Du willst, dass sich jemand von irgendwas distanziert, dann solltest Du das bei dem fordern, z.B. auf dessen Webseiten, statt irgendwo an ganz anderer Stelle, wo derjenige das wohl gar nicht mitkriegt.

  86. 86 Andre Trecksel 13. April 2011 um 11:22 Uhr

    Wir entwickeln das Konzept noch weiter und werden noch viel ändern beim Kompass. Eine Mehrheit in der AG wollte allerdings schnellstmöglich eine Ausgabe herausgeben. Primär um für mehr Unterstützung zu werben.

    Frei nach dem Motto: Besser Fehler machen, die man korrigieren kann, als gar nichts machen.

  87. 87 Andreas 13. April 2011 um 11:39 Uhr

    Hallo Andre,
    ich habe sehr wohl begriffen, dass der Kompass irgendwie Piratenzeitung ist, irgendwie aber auch nicht. Dass die Piratenzeitung alles druckt, aber irgendwie auch nicht.

    Und genau diese Soße ist es, die alles mögliche mitschwimmen lässt und nach oben bringen kann. Eine entscheidende Problematik bei den Männerrechtlern besteht darin, dass sie nach ganz rechts offen sind und dass es keine Distanzierungen zu rassistischen Äußerungen und neonazistischen Webseiten gibt. Das passt dann sehr gut zum Piratenkonzept.

    Mein Vorwurf an die Piratenpartei ist, dass sie dieses Spielchen mitspielt und dadurch die Einflusssphäre von christlich-fundamentalistischen Positionen und von Neonazis vergrößert. Wie gesagt: mir geht es nicht um den Inhalt des Artikels, sondern darum, wie es zu dieser Publikation kommen konnte. Warum haben die Maskulisten in eurer Partei eine Heimat gefunden?

  88. 88 Andreas 13. April 2011 um 12:02 Uhr

    Frei nach dem Motto: Besser Fehler machen, die man korrigieren kann, als gar nichts machen.

    Finde ich gut. Aber bisher vermisse ich die Einsicht, dass ein Fehler gemacht wurde.

  89. 89 Andre 13. April 2011 um 19:37 Uhr

    Ich sehe die AG Männer, einer AG der Piratenpartei, nicht als Haufen Nazis oder christlicher Fundamentalisten. Der Artikel gibt nichts sexistisches, frauenfeindliches oder sonst wie abwertendes von sich, was dem Veröffentlichen im Wege gestanden hätte. Wo ist der Fehler?

    Warum haben die Maskulisten in eurer Partei eine Heimat gefunden?

    Alles Böses kann sich überall verstecken. Bis es sein wahres Gesicht zeigt. Ich glaube aber eben nicht, dass die AG Männer Böses im Sinn hätte. Hast Du Dich jemals mit jemandem von denen unterhalten?

    (Wieso glaubt dein Filter ich sei ein SpamBot? Muss ich Dir da irgendwas unterstellen?)

  90. 90 Andreas 14. April 2011 um 11:42 Uhr

    Hallo Andre,
    mit der Kategorie „Böses“ möchte ich ungern operieren. Dass die Männer AG WikiMANNia verlinkt, ist aber etwas, was der Umschreibung „böse“ schon sehr nahekommt. Man könnte auch sagen „anti-emanzipatorisch“ und „menschenverachtend“.
    Und ja, ich habe mich mit Leuten von der Männer AG unterhalten.

  91. 91 Olaf 14. April 2011 um 22:49 Uhr

    Hallo Holtor,

    ich denke schon, dass du hier richtig gelandet bist, auch wenn Andreas und vielleicht auch Tobias vom Kernthema manchmal etwas weiter weggehen. Das hat den Vorteil, dass auch mal andere Menschen diesen Blog lesen, als nur solche, die sich mit Bildungsbenachteiligung beschäftigen.

    Deine Unterscheidung zwischen Benachteiligung und Diskriminierung finde ich auch angebracht. Nicht jede Benachteiligung ist eine Diskriminierung. Dass es beides gibt im Bildungssystem, ist meiner Ansicht nach vielfach belegbar.
    Nehmen wir ein Beispiel für diese Unterscheidung: Wenn ein Arbeiterkind auf Grund der Sozialisation mit der Sprache an der Uni Schwierigkeiten hat (verschiedenste Varianten sind hier vorstellbar), ist das unter Umständen eine Benachteiligung. Wenn der Prof. daraus schließt, dieser Mensch sei nicht fähig ein Studium zu absolvieren, wird es zur Diskriminierung. Benachteiligungen ließen sich durch Eigenschaften, wie du sie für dich erkannt und genannt hast ausgleichen, wenn sie nicht oftmals mit Diskriminierung einhergingen.

    Ich weiss nicht, ob dir wenn du vielleicht genauer über die Benachteiligungen im Bildungssystem nachdenkst, auch Diskriminierungen dir gegenüber einfallen bzw. auffallen. Mir ist das in meinem Leben jedenfalls passiert. (Deswegen nehme ich noch lange keine Opferrolle ein, es ist einfach eine Reflektionsebene) Das ist ein Grund, weshalb ich mich entschieden habe, etwas ändern zu wollen. Der andere Grund liegt darin, für mich erkannt zu haben, nicht in einer solchen Welt mit diesen Benachteiligungen leben zu wollen. Das mag am Anfang ganz reale, greifbare Gründe gehabt haben. Als es losging mit der Einführung von Studiengebühren, da habe ich nicht nur an mich persönlich gedacht, sondern auch an meinen jüngeren Bruder, dem es auch möglich sein sollte später zu studieren. Von da ist der Schritt nicht weit bis zu einer gesellschaftlichen Perspektive.

    Ich will damit sagen, dass dein Weg nicht verkehrt ist und deine Forderung nach Empowerment meiner Ansicht nach berechtigt. Diese Chancen bzw. Möglichkeiten, die du erkannt hast, sollte man „sich nehmen“. Das gleiche gilt aber auch für die Chance bzw. Möglichkeit, diese Welt zu verändern. Dieser Blog ist eine dieser Möglichkeiten die wir „uns nehmen“.

    In diesem Sinne… Bis später

  92. 92 herma 15. April 2011 um 8:26 Uhr

    „Wie gesagt: mir geht es nicht um den Inhalt des Artikels, sondern darum, wie es zu dieser Publikation kommen konnte.“

    Dein Vorurteil gegen die Männlichkeitsspinner verstehe ich nicht, wieso diffamierst du die ohne ein Argument als „rechts außen“? Die wollen doch auch bloß Gleichberechtigung. Dass das dem feministischen Dogma zuwiderläuft, alle Benachteiligung sei weiblich, zeigt eher, welcher Irrsinn mit dem eingebildeten Recht auf Gleichbehandlung losgetreten wird.

  93. 93 Andreas 15. April 2011 um 8:59 Uhr

    @herma,

    zwei Dinge:
    1. Männerechtler sind nach „rechts außen“ offen. Sie zitieren und verlinken christlich-fundamentalistische und neonazistische Positionen, bzw. grenzen sich nicht davon ab (siehe oben).
    2. Du kannst Feminismus und Maskulismus nicht formal gleichsetzen:
    * Feministinnen geht es (abgesehen von Ausnahmen) um eine Entbiologisierung der Geschlechterfrage, Maskulisten um eine Re-Biologisierung
    * Feministinnen sind für Anti-Diskriminierungsmaßnahmen (Affirmative Action, etc), Maskulisten sind gegen Anti-Diskriminierungsmaßnahmen
    * Feministinnen gehen davon aus, dass das Private politisch ist, Maskulisten sagen, das Private ist Privatsache
    Es ließen sich hier noch wesentlich mehr formale Unterschiede auflisten. Wesentlich ist, dass der Feminismus ein integraler und wichtiger Bestandteil der Anti-Diskriminierungsbewegung ist, während der Maskulismus eine Bewegung gegen Anti-Diskriminierungsbewegung ist, eine „Bewegung gegen die Bewegungen“ wir Berl es bereits 1932 formulierte.

  94. 94 herma 15. April 2011 um 12:51 Uhr

    @andreas

    Es ging nicht um eine „formale“ Gleichsetzung, sondern um deren ideologische Gemeinsamkeit: Frauen- wie Männerrechtler betreiben Geschlechterkonkurrenz, unabhängig davon, welche Frauen- oder Männergruppe sich sexistischer gibt als die andere. Dass du keine FemInIstInnen kennen willst, die sich auf ihre Biologie berufen, ist ein Täuschungsversuch. Geschlechterfragen lassen sich nicht „entbiologisieren“, weil der (männlich oder weiblich definierte) Sexismus Ausgangspunkt ist für die biologistische Forderung nach Gleichbehandlung.

    Schön wärs’s, wenn Feministinnen ihre Zuschreibung auf Weiblichkeit kritisieren könnten – Kritik an Sexismus ist Weiblichkeitsanhängerinnen seit den 70ern fremd, weil die sich positiv auf ihre Frauenrolle berufen.

  95. 95 Andreas 15. April 2011 um 13:06 Uhr

    Hallo Herma,
    du schreibst:

    Dass du keine FemInIstInnen kennen willst, die sich auf ihre Biologie berufen, ist ein Täuschungsversuch.

    Dabei hatte ich doch geschrieben:

    Feministinnen geht es (abgesehen von Ausnahmen) um eine Entbiologisierung der Geschlechterfrage, Maskulisten um eine Re-Biologisierung

    Natürlich gibt es biologisierende Feministinnen. Das ändert nichts daran, dass es einen sehr einflussreichen Bereich im Feminismus gibt, der sich generell gegen Biologismus wendet. „Wir werden nicht als Mädchen geboren, sondern zu Mädchen gemacht“ ist ein alter Buchtitel aus der Frauenbewegung. Und Judith Butler würde ich trotz aller Differenzen innerhalb der Frauenbewegung dennoch als feministische Theoretikerin bezeichnen.

    Und natürlich kann man gegen Sexismus sein und trotzdem nicht biologisieren. Vor allem dann, wenn Sexismus mit Biologisierung einhergeht, würde doch Anti-Sexismus bedeuten, dass diese Biologisierung zurückgenommen wird. Du scheinst die Benennung von Biologisierung mit Biologisierung zu verwechseln.

  96. 96 Irene 16. April 2011 um 20:11 Uhr

    Was bitte soll „Jungenpolitik“ sein?

    Die FAZ kritisiert Ministerin Schröder:
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=9102#h13

  97. 97 Andreas 21. April 2011 um 12:50 Uhr

    So! Hab jetzt dazu ein Buch geschrieben ;-)
    „(R)echte Kerle. Zur Kumpanei der MännerRECHTSbewegung“
    Ist gerade im Druck.

  98. 98 Sven Steiger 02. Juni 2012 um 23:17 Uhr

    Vielleicht erklärt dieser Zeitungsartikel
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/menschen-wirtschaft/frauenquote-lauter-verlorene-maenner-11771952.html
    warum „maskulinistische“ Töne die Piratenpartei für viele junge Männer attraktiv macht.
    Übrigens sehr interessant, dass du bereits vor einem Jahr, also einige Monate vor dem Durchbruch bei der Berliner Wahl die Piratenpartei entdeckt hattest.

  99. 99 Arschlochdetektor 05. Juni 2012 um 9:25 Uhr

    Hey ihr Arschlöcher,

    ich habe was schönes für euch:
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/menschen-wirtschaft/frauenquote-lauter-verlorene-maenner-11771952.html

    Hehehe, und schmeckts? Die Diskriminierung von Jungen und jetzt eure Diskriminierung bei der Karriere haben dieselben Ursachen. Aber irgendwie tut es mir gar nicht leid um euch!

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