Warum die SPD Sarrazin rausschmeissen muss

Sie muss ihn rausschmeissen, um sich klar vom Erbintelligenz-Paradigma zu distanzieren. Es geht ja nicht mehr nur um Sarrazin, sondern auch um Positionen innerhalb der SPD, wie sie Helmut Schmidt und Klaus von Dohnanyi äußerten. Diese sogenannten „elder statesmen“ sollten reflektieren, dass sich innerhalb der SPD Arbeiterkinder befinden. Nicht Sarrazin ist das Problem, sondern die Sarrazinisten. Zitate gefällig?

Hellmut Schmidt:

Schmidt: Die Sache mit der Intelligenz wollen wir doch mal genau untersuchen (holt das Originalinterview hervor): Sarrazin wünscht sich Einwanderung nicht durch Türken und Araber, er sagt, es würde ihm gefallen, »wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung«. Was auch immer, ich halte die sachliche Aussage für richtig.

di Lorenzo: Sie glauben, dass Menschen von Geburt an intelligenter oder dümmer sind, weil sie einem bestimmten Volk oder gar einer Religionsgemeinschaft angehören?

Schmidt: Es spielen bei der Intelligenz natürlich zwei Dinge eine Rolle: die Begabung, das sind die Gene. Und es spielt das soziale Umfeld eine Rolle, die Schule, die Familie und all das, was man braucht, um aus der Begabung etwas zu machen. Das würde die moderne Wissenschaft heute ähnlich sehen und dafür ihre Fachausdrücke haben. Es gibt ja gar keinen Zweifel daran, dass die hohe geistige Bedeutung von Wissenschaft und Kunst in Berlin zur Zeit der Weimarer Republik ganz wesentlich den Juden zuzuschreiben war.
(Verstehen Sie das, Herr Schmidt? Zeit-Online, Helmut Schmidt im Interview mit Giovanni di Lorenzo, 12.11.2009)

Und Klaus von Dohnanyi:

Denn nach dem Lesen des Buches „Deutschland schafft sich ab“ bleibt nicht ein einziger Vorwurf übrig. Nicht einer. […] Ich stimme dem Sozialhistoriker Hans-Ulrich Wehler zu, der Sarrazins Werk als engagiertes Plädoyer eines Sozialdemokraten bewertet.
(Interview: Von Dohnanyi über Guttenberg und Sarrazin, Fuldaer Zeitung, 06.03.2011)

Eigentlich müssten wir Sarrazin dankbar sein dafür, dass er solche Abgründe aufgezeigt hat.

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6 Antworten auf „Warum die SPD Sarrazin rausschmeissen muss“


  1. 1 Andreas 21. April 2011 um 23:09 Uhr

    Sarrazin wurde nicht aus der SPD ausgeschlossen. Begründet wurde dies mit seiner Erklärung, es läge ihm fern, Migranten zu diskriminieren. Von seinen Thesen distanziert er sich nicht.

    Im Netz kursieren Informationen über eine offizielle Erklärung der NPD. Dort sollen sie – an die Adresse der SPD gerichtet – beteuern, nicht ausländerfeindlich zu sein. Bestandteil dieses Papiers, dessen Echtheit angezweifelt wird, sei die These, dass die programmatische Ausrichtung der NPD nicht das SPD-Grundsatzprogramm verletzen würde. Mit dieser Erklärung wolle man eine Fusion mit der SPD zur NSPD anstreben. Ob es zu dieser gütlichen Einigung zwischen den beiden Parteien in diesem Wahljahr noch kommen könnte, wird von renommierten Parteiforschern jedoch bestritten.

  2. 2 Olaf 26. April 2011 um 12:11 Uhr

    von heute.de

    Sarrazins Erklärung

    „Es entspricht insbesondere nicht meiner Überzeugung, Chancengleichheit durch selektive Förderungs- und Bildungspolitik zu gefährden; alle Kinder sind als Menschen gleich viel wert“, heißt es in der Erklärung, die Thilo Sarrazin den Verbleib in der SPD ermöglicht.

    Und weiter: „Es entspricht nicht meiner Vorstellung, dass diese Gruppen (Migranten) bei eigenen Anstrengungen und einer ergänzenden Bildungspolitik etwa aus genetischen Gründen nicht integriert werden könnten.“

    Es sei ihm darum gegangen, „schwerwiegende Defizite der Migration, Integration und Fehlentwicklungen der Demografie in Deutschland anzusprechen“.

  3. 3 Andreas 26. April 2011 um 17:17 Uhr

    Sarrazins Erklärung

    Sollten Mitglieder der Partei sich in ihrem sozialdemokratischen Verständnis beeinträchtigt fühlen, bedaure ich dies, auch wenn ich meine, dass mein Buch hierzu keine Veranlassung gegeben hat.

    Er distanziert sich keinen Millimeter von seinem Buch.

  4. 4 Andreas 27. April 2011 um 17:46 Uhr
  5. 5 Andreas 27. April 2011 um 17:50 Uhr

    Mich nervt, dass im Schiedsgericht und in der Berichterstattung ständig von „Sozialdarwinismus“ geredet wird, statt konkret die eugenische Linie (Erbgesundheitsgesetz der Nazis/ Mengele/ Verschuer -> Mankind Quarterly -> Bell-Curve-Diskussion -> „In Deutschland kriegen die Falschen die Kinder“/ Elterngeld-Diskussion) zu benennen.

  6. 6 Lale Landerson 10. Mai 2011 um 14:37 Uhr
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