Marxistische Diskriminierungshierarchie

Von Andreas Kemper

Karl Marx spricht bereits in seinen Frühschriften vom Vorrang der Arbeiteremanzipation im Kampf gegen alle Knechtschaftsverhältnisse, da diese nur „Modifikationen und Konsequenzen dieses Verhältnisses“ seien:

„Aus dem Verhältnis der entfremdeten Arbeit zum Privateigentum folgt ferner, daß die Emanzipation der Gesellschaft vom Privateigentum etc., von der Knechtschaft, in der politischen Form der Arbeiteremanzipation sich ausspricht, nicht als wenn es sich nur um ihre Emanzipation handelte, sondern weil in ihrer Emanzipation die allgemein menschliche enthalten ist, diese ist aber darin enthalten, weil die ganze menschliche Knechtschaft in dem Verhältnis des Arbeiters Zur Produktion involviert ist und alle Knechtschaftsverhältnisse nur Modifikationen und Konsequenzen dieses Verhältnisses sind.“ Karl Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte, 1. Manuskript

Gegen diese Analyse wandten sich spätestens seit den 1960er Jahren verschiedene Bewegungen, vor allem die Frauenbewegung.
In Deutschland nahm die aktuelle Frauenbewegung ihren Anfang mit den Tomatenwürfen auf einen bekannten SDSler. Der „Aktionsrat zur Befreiung der Frauen“ gab in diesem Zusammenhang eine Erklärung heraus, die aus 11 Punkten bestand. Dies geschah noch vor der Etablierung der Frauenforschung und entsprechend ermangelt es diesem Statement an eigenen Begrifflichkeiten, was zur Übernahme einer marxistischen Terminologie führte, die als „Hilfkonstruktion“ benannt wurde:

„5. die klassenmäßige Aufteilung der Familie mit dem Mann als Bourgeois und der Frau als Prolet – Herr und Knecht – impliziert die objektive Funktion der Männer als Klassenfeind. Die Verleugnung des Führerprinzips im SDS ist blanker Hohn, weil jeder verheiratete oder im festen Verhältnis lebende SDSler Führer und damit Asubeuter einer Familie oder famlieinähnlichen Gruppe ist. Die Begriffe Klasse, Klassenfeind, Ausbeuter sind Hilfskonstruktionen, die den Frauen dazu dienen, sich auf den Begriff zu bringen, das heißt, ein Maß an geschlechtsspezifischer Solidarisierung zu erreichen und erlaubt, die sinnliche Erfahrung dierser patriarchalen Gesellschaft im politischen Kampf gegen diese zu wenden.
6. Dies impliziert nicht die ‚Politisierung‘ des Privatlebens, sondern die Aufhebung der bürgerlichen Trennung von Privatleben und gesellschaftlichem Leben: es gilt, die Unterdrückung im Privatleben nicht als private zu begreifen, sondern als polisch-ökonomisch bedingt. Es gilt, Privatleben qualitativ zu verändern und diese Veränderung als politische Aktion zu verstehen. Dieser kulturrevolutionäre Akt ist Teil des Klassenkampfes.
7. Daraus ergibt sich, dass die Revolution als Ziel des Klassenkampfes weniger eine frage der Machtübernahme ist, als eine Frage der Verwirkclung dessen, was sich in der bestehenden schlechten Gesellschaft antizipatorisch als Gegengesellschaft abzeichnet. Dies beinhaltet, dass der Anspruch auf Glück – jetzt abgetrennt in die Privatsphäre, aber noch nicht einmal dort befriedigt – in gesellschaftlicher Aktion eingelöst werden muss.
[…]
11. Für alle Frauen im SDS kommt es darauf an, diese Thesen nicht nur anzuerkennen, sondern sie auch in verbindlicher Aktivität einzulösen. Nur die Frauen sind ‚interessiert‘ genug, nur sie bieten die Gewähr, daß sich im Verband etwas ändert, dass wenigstens hier das autoritäre Vernunftprinzip der patriarchalischen Gesellschaft durchbrochen wird. Daüfr ist vorläufige Isolation nötig. Das ist keine Isolation, die mit der Illusion verbunden ist, man könne sich auch unabhängig von den Männern emanzipieren, sondern der notwendige erste Schritt, seine eigenen Bedürfnisse zu artikulieren. Gegen unkritische, auf Verdrängung beruhende Widerstände werden wir Kampfmaßnahmen ergreifen. Wir lassen uns die Methoden des Kampfes nicht vorschreiben.“

Dies war der Beginn der autonomen Frauenbewegung in der Bundesrepublik Deutschland. Der emanzipatorische Kampf wurde nicht mehr unter dem Kampf der Arbeiteremanzipation subsummiert, gleichzeitig wurde der Reproduktionsbereich politisiert. Neben die Arbeiteremanzipation trat die Frauenemanzipation. In der „Neuen Politischen Generation“ wird versucht, die verschiedenen Unterdrückungsformen gleichzeitig anzugehen, eine Gleichwertigkeit der Tirade „Race, Class, Gnder“ – mit Winker/ Degele käme noch „Body“ hinzu – anzunehmen und nicht „diskriminierungshierarisch“ vorzugehen. Gleichzeitig existiert mit dem AGG, den europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien, den „Diversity Managements“ in Organisationen, den Antidiskriminierungsbüros eine staatliche und institutionalisierte Antidiskriminierungspolitik. Die „Neue Politische Generation“ blendet Klassendiskriminierung in der politischen Aktion weitgehend aus, die institutionalisierte Antidiskriminierungspolitik ignoriert die Klassendiskriminierung vollständig oder sieht nur eine Benachteiligung ohne kapitalistische Ursachen. Die Diskriminierungshierarchie hat sich somit absolut verkehrt: Galt im marxschen Sinn noch Emanzipation als Arbeiteremanzipation, wird nun Emanzipation unter Ausschluss der klassenspezifischen Emanzipation verstanden.

Gleichwohl existieren neben der staatlichen/ institutionalisierten Antidiskriminierungspolitik und der Emanzipationspolitik der feministisch-orientierten „Neuen Politischen Generation“ marxistische Ansätze, die nach wie vor der Arbeiterklasse das Monopol gesellschaftlicher Emanzipation durch Aufhebung des Privateigentums an Produktionsmitteln zuschreiben. Natürlich gehören in einer Gesellschaft, wo die Herstellung und Verteilung von Produkten globalisiert ist, wo die Arbeit gesellschaftlich organisiert ist, Produktionsmittel auch vergesellschaftet, in die Hand der Arbeitenden. Aber zum einen ist die Frage, ob dieses Ziel nur über eine Fokussierung der Arbeiteremanzipation stattfinden kann oder ob dazu nicht die gleichwertige Anerkennung aller Emanzipationsbewegungen gehört, und zum anderen ist fraglich, ob tatsächlich mit der Vergesellschaftung der Produktionsmittel auch die gesellschaftliche Diskriminierung endet, oder ob sich nicht vielmehr die Eigenlogiken dieser nicht-arbeiterlichen Diskriminierungen fortsetzen. Aus diesen Gründen wäre es sinnvoll, wenn die marxistische Linke die politische Arbeit der „Neuen Politischen Generation“ ernstnimmt, statt diese diskriminierungshierarchisch abzuwerten. Durch ein solches Ernstnehmen könnte sie darauf hinwirken, dass die Diskriminierungshierarchie der Marginalisierung klassenspezifischer Diskriminierungsformen ihrerseits beendet wird und dass Emanzipationspolitik auch die Produktionsverhältnisse thematisieren muss.

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10 Antworten auf „Marxistische Diskriminierungshierarchie“


  1. 1 Johanna 05. Mai 2011 um 10:19 Uhr

    Hallo,

    leider habe ich keine andere Möglichkeit als diesen Kommentar gefunden, um Ihnen zu schreiben.

    Ich würde Sie gerne auf unsere Homepage Paperblog (http://de.paperblog.com) aufmerksam machen. Wir möchten mit unserem Projekt ein alternatives Online-Medium aufbauen, indem wir die besten Artikel von Blogs zusammenstellen und veröffentlichen.
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    Johanna

    johanna@paperblog.com

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  2. 2 Teodor Webin 05. Mai 2011 um 12:12 Uhr

    Nun ging es Marx aber m.E. eben nicht darum, verschiedene Formen der Diskriminierung zu hierarchisieren, sondern eher, Widerstandspotentiale auszuloten. Diskriminierungen gegeneinander als Haupt- und Widersprüche aufzurechnen, ist eher eine Erfindung von MLern und neuen sozialen Bewegungen. In 3:1 z.B. geht es gar nicht um Widerstandspotential, sondern um die Frage, welche Unterdrückung wie schlimm ist bzw. eben darum, dass alle Unterdrückungen gleich schlimm sind. Marx hätte dem sicherlich nicht widersprochen, aber er spricht ja auch kaum von Unterdrückung, sondern von Ausbeutung, und das ist was Grundverschiedenes. Weil z.B. in 3:1 ein Widerstandspotential aus dem Maß der Unterdrückung herausgelesen wird („Weil ich untderdrückt werde, will ich mich wehren“: Das stimmt ja ganz offensichtlich nicht!), kommt dann auch so eine These wie „Die Arbeiterklasse hat bei der Verhinderung des Faschismus versagt“ (Wer ist denn hingegangen und hat gesagt, dies sei ihre Aufgabe?) raus.
    Damit sind selbstverständlich Widerstände aller identitärer Gruppen (und noch besser: nicht-identitärer) gegen kollektive Untderdrückungen legitim. Die Frage, die Marx aufwirft ist aber, ob sie auch gleich erfolgversprechend sind. Und da konstatiert Marx mit der zentralen Stellung der Produktion eben auch die Zentralität des Gedankens, dass mit einer Entziehung der Arbeitskraft das System zusammenbricht. Das steht eigentlich auch so im obigen Marx-Zitat. Weil die Arbeiter_innen die Möglichkeit haben, ihre Arbeitskraft zu entziehen, können sie das System kippen. Der Unterschied in der Konstruktion von „Klasse“, „Geschlecht“ und „Nation“ ist eben, dass letztere beide sprachlich konstruiert sind, die Klasse dagegen durch eine andere Sprache – die Ökonomie und auch nur ökonomisch dekonstruiert werden kann. Daraus aber abzuleiten, dass die Arbeiterklasse für eine Revolution besonders prädestiniert wäre, weil sie besonders unterdrückt sei oder aber weil sie besonders POLITISCH bewußt sei, ist sicher blanker Unsinn.

    Worüber dann noch zu diskutieren wäre, wäre die Rolle der Reproduktion. Marx hat dies aber auch deutlich gesehen (MEW 23, S.591f.). In einer Unterbrechung der Reproduktion kann folglich ebensoviel Macht liegen wie in der Unterbrechung der Produktion – z.B. durch einen Gebährstreik. Daraus aber ableiten zu wollen, dass z.B. die Frau eine besondere rev. Rolle hätte, würde ja heißen, diese auf ihre Reproduktionsrolle zu beschränken – ganz arg als „Gebärmaschine“ zu betrachten (womit das natürlich nicht die gesamte Reproduktion ist). Sprich: Eine solche Betrachtungsweise würde den Diskurs der Zweigeschlechtlichkeit noch verstärken.

    At last: Man könnte die Arbeiterklasse ja auch kulturell begreifen, als einen homogenen Block mit gemeinsamer Identität. Den Fehler haben Marxist_innen fast durchgängig gemacht, daher rührt der Kult des weißen, männlichen Industriearbeiters. So betrachtet wären weder die Prekären im CallCenter, noch die landlosen Bäuer_innen in Lateinamerika, noch die Bankangestellten (und gerade die haben ja z.B. eine hochgradige Arbeitermacht), noch die Hausfrauen (und -männer), die unbezahlt den Mehrwert mitproduzieren, Arbeiter_innen. Diese kulturelle Interpretation von „Proletariat“ ist in der Tat genauso sprachlich konstruiert wie das Geschlecht und die Nation und kann (und muss) genauso dekonstruiert werden.

    Zentral für die Frage „Arbeiterklasse“ ist eben die Frage nach der Abhängigkeit („nichts zu verkaufen außer der Arbeitskraft“) und die Stellung im Produktionsprozess. Wenn man in diesem den entscheidenden Hebel sieht, muss man das so sehen wie Marx. Wenn man den Produktionsprozess für irrelevant hält, sieht das vielleicht anders aus. Aber dann hätten wir einen fundamentalen inhaltlichen Dissenz.

  3. 3 Andreas 05. Mai 2011 um 15:14 Uhr

    Hallo Teodor Webin,

    ich glaube, ich kann deinen Kommentar vom Grundtenor unterschreiben. Gestern Nacht habe ich einen kleinen Artikel verfasst, der Doppelte Klassenbildung heißt und genau auf diese Verwechslung des Klassenbegriffs zielt und analytisch zwischen der Produktions- und der Reproduktionssphäre trennt.

    Worüber dann noch zu diskutieren wäre, wäre die Rolle der Reproduktion. Marx hat dies aber auch deutlich gesehen (MEW 23, S.591f.). In einer Unterbrechung der Reproduktion kann folglich ebensoviel Macht liegen wie in der Unterbrechung der Produktion

    Ja. Aber Unterbrechung bzw. Streik ist die adäquate Antwort auf Ausbeutungsverhältnisse. In der Reproduktionsspähre, die der Herstellung von Arbeitskraft und Arbeitskräften dient, ist hingegen Ausbeutung nicht die dominante Unterdrückung, sondern nur eine von mehreren „Faces of Oppression“, die jeweils eigene adäquate Antworten einfodern. Wenn diese Identitätsbildungen der Reproduktion von Arbeitskraft und -kräften dienen, wie Winker/ Degele dies in ihrem Buch „Intersektionalität“ erläutern, dann führt im Endeffekt der Kampf gegen diese Differenzkategorien auch zu einer besseren Streikfähigkeit im Produktionsbereich. Ein bekanntes Beispiel ist hier die rassistisch geprägte Entsolidarisierung im Kölner Streik in den !970ern Jahren.

    Und es gibt noch eine „Eigenlogik“, die nicht unterschätzt werden darf. Gewalt und Todesdrohungen führen beipsielsweise über die darauf folgenden Traumatisierungen zu generationsübergreifenden Identitätsbildungen.

    Ich sehe also drei Hebel: ökonomisches Ausbeutungsverhältnis, identitätsbildende Differenzkategorien, traumatisierende Gewalt.

  4. 4 Andreas 05. Mai 2011 um 15:16 Uhr

    Hallo Johanna,

    danke für die Wertschätzung!
    Ich schaue mir das mal an.

    Liebe Grüße,
    Andreas

  5. 5 Andreas 07. Mai 2011 um 9:08 Uhr

    Eine verwandte Diskussion fand zeitgleich im Kiturak-Blog statt. Ich habe beide Artikel auf der Diskussionsseite im Sozialen Wiki verlinkt:
    http://sozialeswiki.de/wiki/index.php?title=Diskussion:Doppelte_Klassenbildung

  6. 6 Teodor Webin 09. Mai 2011 um 8:13 Uhr

    @ Andreas

    Prinzipiell ja. Es geht hier aber m.E. dann weniger um Streikfähigkeit als um Streikwilligkeit, oder? Also schlicht um die Frage des Bewußtseins oder (hatte wir schon mal) der „Klasse für sich“. Das sehe ich genau so. Was ich nicht verstanden habe, ist „traumatisierende Gewalt“ als Hebel?

  7. 7 Andreas 09. Mai 2011 um 10:50 Uhr

    Hallo Teodor,
    zunächst nur eine begriffliche Klärung: meinst du mit der Unterscheidung „Streikfähigkeit“ und „Streikwilligkeit“ die Differenz zwischen dem objektiven Faktor und dem subjektiven Faktor (Ernst Bloch klamüsert das im Prinzip Hoffnung (168ff, 267ff genauer auseinander).
    Das Klassenbewusstsein ist eine komplexe Angelegenheit. Hier würde ich zunächst auf die aus dem arbeitsteiligen Produktionsprozess hervorgehenden Entfremdungen eingehen (Fetisch-Charakter), aber es gibt auch Entwirklichungen. Das ist ein Begriff, der bei Marx nur am Rande vorkommt. Und hier sind wir dann schon bei der Eigenlogik der traumatisierenden Gewalt. Diese schreibt sich in die Körper ein und wird an nachfolgende Generationen weitergegeben. Bourdieu spricht hier vom Habitus, dem Klassenunbewussten.
    Das System der traumatisierenden Gewalt lässt sich wahrscheinlich nicht automatisch mit der Aufhebung des Kapitalismus abschaffen, es kann bestehen bleiben, wenn die Produktionsmittel vergesellschaftet sind. Es handelt sich um ein gesellschaftliches System, nicht nur um die Addition individuell eingeschriebener Gewalt. Hierzu hatte ich den Artikel Gesellschaftliches Trauma verfasst. Das Scheitern der „realsozialistischen“ Gesellschaften hat wahrscheinlich viel mit diesen Eigenlogiken von Gewalt zu tun.

  8. 8 Teodor Webin 10. Mai 2011 um 12:22 Uhr

    Mh, dafür müsste ich erst Bloch lesen… aber offenbar nicht ganz, aber so ungefähr: Der objektive Faktor wäre ja die Potenzialität, das sehe ich auch so. „Macht“ als ökonomische Arbeitermacht verstanden sehe ich dann aber auch als objektiven Faktor. Der subjektive wäre tatsächlich so was wie „Wille“, dazu gehört sicherlich auch: Organisationsmacht (gewerkschaftl. Organisation), Habitus (einer Belegschaft z.B.) etc.

    na ja, aber eigentlich ganz einfach: Wenn 500 Leute die Arbeit niederlegen können und damit ein Unternehmen flach liegt, dann ist die Streikfähigkeit da. Und bei Arbeiter_innen, die leicht ersetzbar sind oder deren Produktionsbereich nicht unbedingt notwendig ist für die produktionskette, ist sie weniger da. Wenn sie nicht wollen, dann ist die Streikwilligkeit nicht da. Und diese Frage des „Wollens“ könnte man als Bewußtseinsfrage gelten lassen.

    Das mit dem Trauma und dem Hebel war wohl eher ein Mißverständnis: Mit Hebel meinte ich ja, dass die aus dem Kapitalismus entstehende strukturelle Arbeitermacht ein Hebel ist, um den Kapitalismus (tendenziell) abzuschaffen. ich denke mal, du meinst nicht, dass das gesellschaftliche Trauma ein solcher Hebel wäre… ;-)

  9. 9 Andreas 10. Mai 2011 um 12:35 Uhr

    Nur ganz fix, bin auf dem Sprung:

    Das mit dem Trauma und dem Hebel war wohl eher ein Mißverständnis: Mit Hebel meinte ich ja, dass die aus dem Kapitalismus entstehende strukturelle Arbeitermacht ein Hebel ist, um den Kapitalismus (tendenziell) abzuschaffen. ich denke mal, du meinst nicht, dass das gesellschaftliche Trauma ein solcher Hebel wäre…

    Nein, das System der inkorporierten Gewalterfahrungen und die damit einhergehenden Dispositionen sind nicht direkt der Hebel, den Kapitalismus (tendenziell) abzuschaffen. Da wären dann direkte Aktionen, wie zum Beispiel Streiks, direktere Hebel.
    Aber dieses System der Gewalterfahrungen darf dennoch nicht unberücksichtigt bleiben. Zum einen spielen sie eine Rolle beim subjektiven Faktor in der Kapitalismusüberwindung, bei der Streikwilligkeit. Zum anderen aber denke ich, dass mit dem Ende des Kapitalismus und der Vergesellschaftung der Produktionsmittel noch nicht alles strukturell gut ist. Die Gesellschaft ist nicht notwendigerweise von Herrschaftsmechnanismen befreit, wenn die Produktionsmittel vergesellschaftet sind. Es gibt eine Eigenlogik der traumatisierenden Gewalt.

  10. 10 Teodor Webin 12. Mai 2011 um 10:27 Uhr

    Jetzt ham wa wieda Konsens! ;-)

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