Archiv für Juni 2011

Class Matters – neuer Anti-Klassismus-Blog

Lesenswert:
Class Matters – ClaraRosas Blog zum Thema Klassismus

Und hörenswert:
Ein Audiostück von Margret Steenblock und ClaraRosa zum Transgenialen CSD:
classism is a heartbreaker

WCPCA-Tagung 8.-10.07. Münster

Vom 8.-10.Juli 2011 findet die 15. Tagung der Working Class / Poverty Class Academics am Institut für Soziologie in Münster statt. Weitere Infos finden sich unter http://wcpca.wordpress.com
Tagungsplakat

Zweigliedriges Schulsystem – eine konservative Forderung aus den 1960er Jahren

Von Andreas Kemper

Am 27.06.2011 beschloss der Bundesvorstand der CDU das Programm „Bildungsrepublik Deutschland“, in dem es heißt:

„[…] treten wir für eine Reduzierung der Schulformen und die Einführung des Zwei-Wege-Modells in allen Ländern ein: Gymnasium und Oberschule. Neben dem Gymnasium ist die Oberschule ein weiterer und gleichwertiger Bildungsweg, der Hauptschul- und Realschulgang miteinander verbindet. Er ermöglicht beide Bildungswege und -abschlüsse und öffnet einen Weg entweder in die berufliche Bildung oder zur allgemeinen Hochschulreife. Daneben respektieren wir integrative Systeme und funktionierende Haupt- und Realschulen vor Ort, wo dies dem Elternwillen entspricht.[…]Bildungsrepublik Deutschland

Diese als modern dargestellte Forderung gehört bereits seit 50 Jahren zum Repertoir konservativer Schulpolitik (Helmut Schelsky: Anpassung oder Widerstand? Soziologische Bedenken zur Schulreform, Heidelberg 1961). Allerdings scheinen die Argumentationen Schelskys vor exakt einem halben Jahrhundert fortschrittlicher zu sein, als die des CDU-Bundesvorstandes. Der CDU geht es bei der Zusammenlegung von Haupt- und Realschule um zwei Ziele: Bewältigung demografischer Probleme und Ermöglichung eines verbindlichen Bildungskanons. (mehr…)

Aus dem Beruf ins Studium – ein Interview mit zwei Studierenden, die aus der Berufswelt kommen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, aus einer beruflichen Tätigkeit heraus zu studieren. In allen Bundesländern wurden die Möglichkeiten zum Hochschulzugang für beruflich qualifizierte Studieninteressenten verbessert. So ist in NRW der Hochschulzugang zum Beispiel auch dann möglich, wenn man über eine fachlich entsprechende Berufsausbildung verfügt und mindestens drei Jahre Berufserfahrung aufweist. Auch das Nachholen des Abiturs auf einer Abendschule ist möglich. Tobias Fabinger führte ein Interview mit Belkis Tuncer und Micha Greif, die beide aus dem Berufsleben heraus an die Uni sind.

Tobias: Ihr habt beide eine Berufsausbildung gemacht und dann einige Jahre Berufserfahrung gesammelt. Aus der Berufstätigkeit heraus seid Ihr dann ins Studium. Was waren denn eure letzten beruflichen Tätigkeiten?

Belkis: Ich habe als Bürokauffrau in einer Reha-Klinik und einem Rehabilitationsforschung-Netzwerk gearbeitet.

Micha: Ich habe mehrjährige Berufserfahrung als Versicherungskaufmann gesammelt und zuletzt als „Complaint Manager“ für eine große IT-Firma gearbeitet.

Welche Unterschiede zwischen Beruf und Studium fielen Euch am stärksten auf?

Micha: Einerseits sinkt ja der Status, vom Angestellten zum Studenten, andererseits bekommt man viel mehr Möglichkeiten und Kontakte, die man sonst nicht bekommen würde. Man merkt schon: Wenn man studiert, entwickeln sich ganz andere Chancen. Ohne Studium (mehr…)

SlutWalk Berlin 13.August 2011

Aus dem Aufruf:

„Was in Toronto Anfang des Jahres begann, entwickelt sich zu einer globalen Emanzipationsbewegung. SlutWalks sind Märsche und Demos gegen Sexismus, sexualisierte Gewalt, Vergewaltigungsmythen und -verharmlosungen. Menschen gehen weltweit für ihr Recht auf Selbstbestimmung hinsichtlich Körper, Gender, Sexualität und Begehren auf die Straße – sei es in privaten Beziehungen oder in Berufen, in denen Sex zum Arbeitsalltag gehört! (mehr…)

Der doppelte Klassenbegriff

Von Andreas Kemper

Ich habe auf Grundlage einer Idee von Gabriele Winker und Nina Degele einen Artikel begonnen zum Thema „Doppelter Klassenbegriff“. Was haltet ihr davon, analytisch den Klassenbegriff in Produktionsklassen und Reproduktionsklassen zu trennen? Hier ist der Artikel: Doppelter Klassenbegriff

Eurostudent-Studie: Höchste soziale Selektivität in Deutschland

Von Andreas Kemper

Wieder einmal wird die hohe soziale Selektivität des deutschen Bildungssystems bestätigt. Diesmal die des Hochschulsystems im Europäischen Vergleich. In Deutschland haben nur 2% der Studierenden Eltern mit einem „low-educational-background“ aber 69% der Studierenden Eltern mit einem „high-educational-background“. Die Vierte Eurostudent-Studie hat diesmal einen Schwerpunkt auf die soziale Herkunft und beleuchtet dieses Thema sehr differenziert. Europameister ist das deutsche Hochschulsystem noch in einer anderen Weise: es ist das einzige europäische Land, in dem mehr Männer als Frauen studiert. Der Handlungsbedarf ist also nach wie vor groß. Eine Studie von Holger und Tino Bargel vom letzten Jahr befasste sich mit den Ungleichheiten und Benachteiligungen aufgrung der sozialen Herkunft der Studierenden.
Wir haben für den 8.-10. Juli 2011 eine internationale Tagung organisiert, die sich explizit mit den Benachteiligungen im Hochschulsystem befassen wird, wo vor allem Selbsthilfe-Organisationen von Arbeiterkindern zu Wort kommen werden: http://wcpca.wordpress.com .

Lern nicht mit den Schmuddelkindern

Artikel von Brigitte Schumann im Freitag, 13.06.2011

Lern’ nicht mit den Schmuddelkindern
SPD und Grüne rücken vom Leitbild einer „Schule für alle“ ab. Die Bildungsreformer sollten von der Anti-Atom-Bewegung lernen

Brigitte Schumann ist Lehrerin und war von 1990 bis 2000 bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag von Nordrhein-Westfalen

Aufgeschnappt: Den Hochschulen droht ein Studenten-Tsunami

Von Andreas Kemper

Thomas Vitzthum in der Welt-Online vom 18. Juni 2011:

Den Hochschulen droht ein Studenten-Tsunami
Die Bildungsrepublik droht im Chaos zu versinken. Oben müssen die Hochschulen Zehntausende neue Studenten verkraften. Unten sollen Haupt- und Realschulen verschmelzen.

Es folgt noch der Hinweis, dass in Deutschland 2010 224 Mrd Euro für Bildung ausgegeben wurden. Solche Zahlen lassen sich leicht propagandistisch nutzen, wenn sie isoliert dargestellt werden. (mehr…)

Kritik am Diss-Journal 21

Von Andreas Kemper

Das „Diss-Journal“ ist das Magazin des vor ca. 25 Jahren gegründeten „Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung“. Die Analysen aus diesem Institut finde ich in der Regel sehr gelungen und ich habe auch mit Begeisterung Siegfried Jägers „Kritische Diskursanalyse“ gelesen. Während jedoch der Band „Kritische Diskursanalyse“ durch seine Kritik an der Soziolinguistik und durch den Bezug auf die Tätigkeitstheorie Leontjews zu einer Sensibilisierung klassensspezifischer Fragestellung anregt, muss leider für die Veröffentlichungspraxis der letzten Jahre festgestellt werden, dass Klassendiskriminierungen vom Duisburger Institut kaum fokussiert wurden, jedenfalls sehr viel seltener als andere Diskriminierungsformen. (mehr…)

Burschenschaften streiten über „Ariernachweis“

Floran Dieckmann in einem Beitrag für Spiegel Online,15.06.2011:

„Der Deutschen Burschenschaft droht die Spaltung. Sie hat Rassevorschriften erlassen, die selbst erzkonservativen Studenten zu weit gehen. Nun soll eine Verbindung aus dem Dachverband ausgeschlossen werden – denn ein Mitglied hat asiatische Gesichtszüge.“

Vor ziemlich genau einhundert Jahren wurden in einigen Universitätsstädten die Studierenden erstmals durch „Allgemeine Studierenden Ausschüsse“ (AStA), statt durch Burschenschaften repräsentiert. Auch heute gibt es merkwürdigerweise noch Burschenschaften und der Klassenkampf der damaligen Mittelschichtsstudenten gegen den Alleinvertretungsanspruch der elitären Verbindungen ist nur in der Weise weiterentwickelt worden, dass nun auch Frauen, Lesben, Schwule, ausländische Studierende und Studierende mit Behinderungen eigene Repräsentationsorgane entwickelt haben. Arbeiterkinder werden von der Mittelschicht in einer ähnlichen Weise „mitrepräsentiert“ wie Annodazumal die Burschenschaften die Studierenden aus der Mittelschicht „mitrepräsentierten“.

„Oben“ und „unten“ gibt es nicht – Kritik am klassenbezogenen Vertikalitäts-Diskurs

Von Andreas Kemper

Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurde die Gesellschaft als Ständegesellschaft aufgefasst. Die Einteilung in Stände entsprach der gesellschaftlichen Produktionsweise des Feudalismus. Die Stände wurden dabei hierarchisch geordnet. Hierarchie heißt so viel wie „heilige Ordnung“. Diese Ordnung verortete Gott oben und das Schlechte unten. Oben zu sein hieß Gott näher sein. Das Gute floss von Oben nach Unten. Dies spiegelte sich auch architektonisch oder in anderen Dispositiven wider. (mehr…)

Kämpfst du noch oder siegst du schon?

Von Esra Ayse Onus

Soziale Ausgrenzung in gesellschaftlichen Engagements

Das Leben ist ein Spiel. Das kann ein Kind nicht früh genug lernen. Sei es im Kindergarten, in Grund-, Förder-, Haupt-, Realschulen, Gymnasien und anderen institutionellen Keimzellen. Sogar im sozialen Engagement, das vielleicht den Anspruch hat, die Lebensbedingungen zu verbessern und nach gerechten Verhältnissen zu streben. Selbst da entpuppt sich eine Wohltat zum zwischenmenschlichen Kampf nach Anerkennung, Leistung, Profilierung und Erfolg. Die heile Welt innerhalb hiesiger Grenzen funktioniert nur, solange man an die Verwirklichung seines ureigenen Glücks glaubt und darum strebt. Es gibt glücklicher Weise (noch) keinen Hunger, keinen Krieg und keine existenzielle Not. Diese Probleme gibt es zwar anderswo en masse auch gerade wegen der unverschämt unnatürlichen Lebensstandards und Überproduktionen für den Konsumbedarf der ersten Weltstaaten.1. (mehr…)




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