Der doppelte Klassenbegriff

Von Andreas Kemper

Ich habe auf Grundlage einer Idee von Gabriele Winker und Nina Degele einen Artikel begonnen zum Thema „Doppelter Klassenbegriff“. Was haltet ihr davon, analytisch den Klassenbegriff in Produktionsklassen und Reproduktionsklassen zu trennen? Hier ist der Artikel: Doppelter Klassenbegriff

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5 Antworten auf „Der doppelte Klassenbegriff“


  1. 1 Mug Olifant 24. Juni 2011 um 0:44 Uhr

    Nur der Intellektualismus schwebt mal wieder über allen Wassern, nicht nur des Aasees, der mit seinem doppelten A schließlich auch auf die Misere zumindest des landwirtschaftlichen Produktionprozesses hinweist, welhalb ihm ein Künstler ein Güllefass zum Denkmal setzte. Als See aber dient und prägt er den Repoduktionsbereich. Ist er nicht emblematisch für die Verschränkung von Produktion und Reproduktion?

  2. 2 Andreas 24. Juni 2011 um 2:23 Uhr

    Meinetwegen.

  3. 3 Teodor Webin 28. Juni 2011 um 16:51 Uhr

    Mh… in einem hat der Olifant ja recht: Produktion und Reproduktion sind miteinander verschränkt… wäre es nicht einfacher in ökonomische/soziale & kulturelle Klassen zu differenzieren? Reproduktion heißt ja auch deswegen Reproduktion, weil es die Grundlage der Produktion ist, also Teil der ökonomischen Komponente ist. Die in der Grafik angedeuteten „Differenzen“ – Geschlecht, Körper, „Rasse“ (Ethnizität? Rassistische Zuschreibung?) durchziehen ja auch die „antagonistischen Klassen im Produktionsbereich“, sonst wäre der Klassenbegriff in der Tat ökonomistisch und vereinheitlichte etwas, was nicht einheitlich ist. Das antagonistische Klassenverhältnis darf ja nun keineswegs verschleiern, dass es Differenzen in der Klasse gibt. Die Kategorien Geschlecht, Körper, „rassische“ Zuschreibung und (kulturelle) Klasse müssten also nicht nebeneinander unter dem antagonistischen Klassenverhältnis liegen, sondern gleichgroß transparent darüber.

    So, wie es jetzt dargestellt ist, ist es eine Ausrede für orthodoxe Marxist_innen, sich nicht mit „Nebenwidersprüchen“ auseinanderzusetzen. Reproduktionsbereich und kulturelle Zuschreibungen sind durchaus Teil des antagonistischen Klassenverhältnisses, gehen aber auch darüber hinaus, oder?

  4. 4 Andreas 28. Juni 2011 um 17:19 Uhr

    Aber sind nicht alles, was du ansprichst Reproduktionsfragen? Ob du nicht auf der Stelle entlassen wirst, ob du morgen noch den gleichen oder einen besseren oder einen schlechteren Job hast oder innerhalb der Arbeitsstelle bessere oder schlechtete Arbeit machst, dass alles wären Fragen der Reproduktion der Produktionsklassen. Der Antagonismus im Produktionsverhältnis sagt lediglich aus, dass der Kapitalismus dadurch bedingt ist, dass Kapitaleigentümer sich den Mehrwert der Arbeitenden aneignen. Wer welche beschissenen Jobs erhält, das wird im Reproduktionsbereich geregelt und über die Strukturkategorien Geschlecht, Rasse, Körper und (Reproduktions/-Herkunfts-)Klasse. Die Reproduktionsklasse ist ja nicht nur durch Kultur geprägt, sondern auch durch geringere finanzielle Möglichkeiten.

  5. 5 Andreas 29. Juni 2011 um 0:49 Uhr

    Oder formaler ausgedrückt:

    Das antagonistische Klassenverhältnis, wozu auch gehört, dass sich die Kaptialeigner den Mehrwert der Arbeit aneignen, also das Ausbeutungsverhältnis, ist die Logik des Kapitalismus, das formale System, Platzhalter, Formen, die immer wieder neu gefüllt werden müssen mit realen Menschen, die diese Positionen einnehmen.

    In der Logik dieses antagonistischen Klassenverhältnisses interessiert es aber nicht, wer sich konkret gegenübersteht, bspw. welches Geschlecht ArbeiterInnen und KapitalistInnen haben. Die Logik der Mehrtwertaneignung und des Generalstreiks an sich werden nicht davon berührt, wer konkret die Menschen sind, die die jeweiligen Positionen einnehmen.

    Wer aber KaptialeignerIn und wer welchen Job erhält und wie sicher dieser Job ist, das wird im Bereich der permanenten Klassenreproduktion geregelt. Das heißt, die konkrete Ausgestaltung des Klassenverhältnisses folgt einer anderen Logik als die Vorgabe des Klassenverhältnisses.

    Haupt- und Nebenwidersprüche lassen sich aus diesen unterschiedlichen Logiken nicht zaubern, da die Strukturkategorien Rasse, Geschlecht, Körper, Klasse zum einen bestimmen, ob ein gesellschaftliches Potential zur Aufhebung der Klassengesellschaft entwickelt wird, und zum anderen gar nicht gesagt ist, ob nicht Rassismus, Sexismus, Bodyismus und Klssismus von so starken Eigenlogiken bestimmt sind, dass sie auch nach der Aufhebung der Klassengesellschaft weiterexistieren könnten.

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