Archiv für Juli 2011

Anti-Bias-Tage in Oldenburg 7-9.10.2011

Anti-Bias-Tage Oldenburg

Mitteilung aus Oldenburg:

„Die Anti-Bias-Tage widmen sich dem Anti-Bias-Ansatz und damit allen Menschen, die gegen Diskriminierung und gesellschaftliche Schieflagen (weiter) aktiv werden wollen. Im Rahmen der Tagung wollen wir eine Begegnung von Menschen mit unterschiedlichen Zugängen zum Ansatz ermöglichen. Wir wollen Projekte und Handlungsfelder der Anti-Bias-Arbeit sichtbar werden lassen und den Ansatz erlebbar und bekannter machen. Dies beinhaltet das Angebot, sich über Austausch, Solidarisierung und gemeinsame Perspektivarbeit in der Handlungsfähigkeit gegen Diskriminierung zu stärken. Dabei ist die leitende Idee der Tagung, die Anti-Diskriminierungsarbeit in diversen pädagogischen und politischen Arbeitsfeldern zu stärken, Mitstreiter_innen zu gewinnen und Akteur_innen zu vernetzen.“ (mehr…)

Schulze: Studienberatung muss verstärkt eingehen auf Kultur und Bildungshintergrund junger Menschen

Pressemitteilung des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW 29.07.2011 11:17

3 Mio. Euro für zusätzliche Beratungsangebote für Studieninteressierte

Das Wissenschaftsministerium fördert mit drei Millionen Euro den Ausbau der Studienberatung an den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen. Noch bis zum 19. September können sich Hochschulen in der Trägerschaft des Landes mit einem eigenen Antrag um die Mittel bewerben. „In den nächsten Jahren wird der Bedarf an Beratungs- und Serviceangeboten für Studieninteressierte und Studierende deutlich ansteigen. Zugleich muss zukünftig Studienberatung verstärkt auf den unterschiedlichen kulturellen Hintergrund und den Bildungshintergrund junger Menschen eingehen“, sagte Wissenschaftsministerin Svenja Schulze. „In Zeiten des doppelten Abiturjahrgangs und der sozialen Öffnung der Hochschulen kann gute Studienberatung wesentlich zur Orientierung bei der Studienwahl beitragen und wertvolle Hilfestellung beim Einleben in der Hochschule geben.“ (mehr…)

Angriffsziel der Rassisten in Norwegen und Deutschland: Arbeiterjugend

Wir verweisen auf einen Artikel von Horst Hilse

„In der Nacht vom 26. auf den 27. Juni wurde in Berlin u.a. auch das Heim der Sozialistischen Jugend Deutschlands – die Falken von braunen Terroristen vollständig niedergebrannt. In dem Heim hielten sich glücklicherweise zum Anschlagszeitpunkt keine Personen auf.
Die Ausrüstung für das geplante Sommerlager ging aber in Flammen auf. Es ist ein traditionelles Sommerlager der Falkenbewegung, wie es auch in Norwegen stattfand.“

Weiter: Angriffsziel der Rassisten in Norwegen und Deutschland: Arbeiterjugend

Breivik ist nicht „wirr“

Von Andreas Kemper

Als ich bereits Freitag Nacht darauf hinwies, dass der Täter von Oslo die Jugendlichen erschoss, weil er damit eine politische Strategie verfolgte, nämlich die vermeintliche Ursache für eine „Islamisierung“ durch einen Angriff auf den „Kulturmarxismus“ und insbesondere auf die linke Jugend, die „Stoltenberg Jugend“ zu stoppen, wurde mir in meinem Blog „Pietätlosigkeit“ vorgeworfen. In den Medien ist jetzt zu hören, dass Breivik ein „wirres“ Geständnis abgelegt habe. Liest man seine Kommentare in document.no oder sein „2083 – A European Declaration of Independence“, so zeigt sich, dass Breivik alles andere als „wirr“ ist. Der Massenmord war genau geplant, er dient als Auftakt einer konservativen Revolution. Breivik hat bewusst in Kauf genommen, verhaftet zu werden. (mehr…)

Oslo: Mit Sarrazin-Argumenten gegen die Arbeiterjugend?

Von Andreas Kemper

Bislang liegen noch keine abgesicherten Fakten vor. Als ich die ersten Meldungen über die Attentate in Oslo las, wurden diese überschwemmt mit ekelhaften rassistischen Kommentaren aus dem islamophoben Lager: „es wird Zeit, dass dir Warnungen vor dem Islam endlich ernstgenommen werden, schmeisst die Muslime raus“. Allmählich verdichten sich die Anzeichen, dass es sich bei den Attentätern nicht um die Al-Qaeda handelt, sondern um einen Norweger mit dem Namen Anders Behring Breivikt, der laut eigener Facebook-Seite ein christlich-konservativer Unternehmer ist. Anders Behring Breivik ist noch nicht überführt, es hat noch keine Gerichtsprozesse gegeben, allerdings haben verschiedene Zeitungen bestätigt, dass er die Person sein soll, die als Polizist verkleidet achtzig Jungsozialisten erschoss. Nach Informationen der VG-Nett soll er anti-islamische Kommentare vor allem im Blog document.no veröffentlicht haben. (mehr…)

Schulfrieden? – Grabesruhe!

Pressemeldung von Attac Köln zum „Schulpolitischen Konsens für Nordrhein-Westfalen“

Schulfrieden? – Grabesruhe!

Quer durch die Republik, von „Welt“ bis „Süddeutsche“ jubeln die Medien über den „Schulfrieden“, der in NRW mit der Einführung der Sekundarschule nun endlich erreicht sei.

Was aber ist wirklich passiert? Als Gegenleistung für – im internationalen Vergleich gesehen – geringfügige Fortschritte in der Schulstrukturfrage hat sich die rot-grüne NRW-Regierungskoalition bereitwillig dazu hergegeben, die noch aus dem 19. Jahrhundert stammende und außerhalb Deutschlands weltweit längst überwundene Vielgliedrigkeit des Schulwesens für die nächsten 12 Jahre nicht nur beizubehalten, sondern auch noch mit Verfassungsrang abzusichern. (mehr…)

Subroutine Todesdrohung

Sarrazins Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ basiert auf dem Erbintelligenz-Paradigma, dem zu Folge sich Intelligenz gruppenspezifisch vererbt. Ob es so etwas wie eine allgemeine Intelligenz überhaupt gibt, ist umstritten. Noch umstrittener sind daher die Annahmen, dass sich allgemeine Intelligenz vererbt, ja sogar gruppenspezifisch vererbt, und das ganze auch noch messbar sei. Aber selbst wenn das alles richtig wäre, hätten wir Laborsitutaionen vor uns und nicht die Wirklichkeit, die Alltagsrealität. Es ist vor allem unsere Gesellschaft, die über unser Denkpotential entscheidet. Herrschaft und Unterdrückung behindern Denkprozesse und zwar auf verschiednen Ebenen. (mehr…)

Diskriminierungsfreie Hochschule – Erster Projektbericht liegt vor

Wir hatten vor anderthalb Jahren interveniert, als die Antidiskriminierungsstelle des Bundes zu Diskriminierung an Hochschulen aufgrund der im AGG genannten Diskriminierungsgründe forschen lassen wollte – also unter Ausschluss des Diskriminierungsmerkmals „Soziale Herkunft“. Im ersten Projektbericht ist die Soziale Herkunft nun enthalten.

„3.2.5 Soziale Herkunft
Ebenso wie das AGG und die Europäischen Richtlinien lassen auch die europäischen und amerikanischen Bundesgesetze den sozioökonomischen Aspekt im Kontext der Antidiskriminierungsgesetze außen vor. Dementsprechend rar sind spezielle Maßnahmen an den Hochschulen, die sich speziell der Herstellung von Chancengleichheit für einkommensschwache Hochschulmitglieder widmen. Auf der Ebene abstrakter Absichtserklärungen kann bei einigen Hochschulen jedoch festgestellt werden, dass der sozioökonomische Aspekt zum Teil gleichberechtigt neben anderen Diskriminierungsmerkmalen oder gesondert Erwähnung findet.“

Peter Nowak: Klassismus – Konzept zur Gesellschaftsveränderung oder zur Mittelstandsförderung?

Hier eine Rezension von Peter Nowak zum Buch „Klassismus. Eine Einführung“: http://peter-nowak-journalist.de/2011/05/31/klassismus/ Peter Nowak kritisiert einen Bedeutungswandel des Begriffs:

„Von der Gesellschaftsveränderung zur Karriereförderung
Die Furies werden in dem Buch als eine Gruppe von Frauen aus der ArbeiterInnenklasse vorgestellt, die eine ganz eindeutig antikapitalistische Zielsetzung verfolgten. Eine andere in dem Buch vorgestellte Gruppe, die Working-Class-Akademikerinnen (WCA), haben mit den Furies die Herkunft gemeinsam. Doch zwischen ihren politischen Intentionen klaffen Welten. Den in den 90er-Jahren gegründeten WCA ging es nicht um die gesellschaftliche Umwälzung, sondern um die gegenseitige Unterstützung bei der Jobsuche im Wissenschaftsapparat.“

Was soll ein Doktorgrad?

Von Andreas Kemper

Was soll ein Doktorgrad? Warum gibt es ihn? Pierre Bourdieu spricht von „institutionalisiertem kulturellen Kapital“. Der Doktorgrad gibt dem Habitus, bzw. dem „inkorporierten sozialen Kapital“ eine institutionelle Wahrheit: man ist Doktor. In Deutschland, Österreich und Tschechien kann der Doktorgrad im Personalausweis geführt werden (in allen anderen Staaten allerdings nicht), was nocheinmal mehr unterstreicht, das es sich bei Doktor_innen vor allem in Deutschland um „akademischen Adel“ handelt. Dieser Grad ist notwendig für die Stellenbesetzung. Durch die aufgeflogenen Plagiate von Spitzenpolitiker_innen in den letzten Jahren gerät diese Titelhuberei allerdings in die Kritik. Doch dies ist nur die eine Seite. Spannend ist die Frage: was ist denn unter „dem Neuen“ zu verstehen, welches eine Dissertation von anderen Arbeiten unterscheidet. Und was legitimiert, von Doktor_innen zu sprechen, vom Standpunkt akademischer/studierender Arbeiterkinder betrachtet? Gramsci spricht von „organischen Intellektuellen“. Mit meiner Dissertation möchte ich tatsächlich Neues in die Welt bringen. Ich würde mit Euch gerne diese Fragen diskutieren.

Familienerbe abschaffen: „Familienerbe ist mehr Last als Lust“

Enoch von und zu Guttenberg äußert sich in einem Cicero-Interview ganz in unserem Sinne: Familienerbschaften sind mehr eine Last als eine Lust. Wir sollten uns mehr auf das Neue Testament rückbesinnen: „Generell sollten wir uns alle wieder auf den Wertekanon des Neuen Testaments besinnen, immerhin eine der Grundlagen des christlichen Europas. Da stehen einige wichtige Dinge zum Thema Selbstgerechtigkeit und Nächstenliebe drin“ Jährlich werden 330 Mrd Euro privat vererbt. Profiteure dieser Erbschaften sind die Verwandten von Menschen mit Vermögen. Die Vermögen sind allerdings höchst ungleich verteilt. Diese Erbschaften führen dazu, dass die Reichen reicher und die Armen ärmer werden. Die Armen werden nichts dagegen haben, Erbschaften zu vergesellschaften, und für die Reichen sind diese Erbschaften nur eine Last. Worauf also wartet der Gesetzgeber? Abschaffen! Niemand will Erbschaften. Bevor also das Geld futsch ist, sollte es lieber für sinnvolle Projekte verwendet werden. Z.B. hier: Verein zum Abbau von Bildungsbarrieren e.V.

Weitere Konferenzen für Working Class/ Poverty Class Academics geplant

Pressemitteilung

Erstmals in Deutschland tagte an der Universität Münster am ersten Juli-Wochenende die 15. Konferenz der Working Class/ Poverty Class Academics (WCPCA). Lehrende, Studierende und an der Hochschule Beschäftigte nichtakademischer Herkunft diskutierten gemeinsam mit US-amerikanischen Kollegen Zustände an Hochschulen, die kulturell, sozial und materiell von Mittel- und Oberschicht dominiert werden. Dort stellten sich Selbstorganisationen von studierenden ArbeiterInnenkindern vor. Probleme der Bildungsbenachteiligung zeigten sich hier in konkreter Deutlichkeit. So wurde berichtet, dass HauptschullehrerInnen sich weigerten, Bildungsgutscheine für Nachhilfeunterricht zu unterzeichnen, auch seien Latinum-Nachweise Bildungsbarrieren für Studierende des Zweiten Bildungsweges. Begabtenförderwerke hätten Sensibilisierungsbedarf für studierende ArbeiterInnenkinder. „Eine kritische Selbstorganisierung von ArbeiterInnenkindern im Bildungssystem ist dringend notwendig“, fasste Tagungsleiter Andreas Kemper zusammen. „Die Zusammenarbeit mit Stiftungen, dem Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) und Universitätsleitungen sollte ausgebaut werden.“ Die 16. internationale WCPCA-Tagung findet 2012 in North Dakota, USA, statt. Konferenzteilnehmer Prof. Jim Vander Putten von der Universität Little Rock, Arkansas, ist hier Ansprechpartner. Da großer Gesprächsbedarf besteht, findet 2012 zusätzlich eine deutschsprachige Tagung statt. Interessierte können sich an das Magazin für studierende ArbeiterInnenkinder „The Dishwasher“ wenden.

Kontaktadressen:
http://dishwasher.blogsport.de
http://wcpca.wordpress.com
http://www.workingclassacademics.org

15. Working Class Academics Tagung

Heute, Freitag, 08.07., gehts los. Um 14 Uhr. Gäste aus Little Rock/ Arkansas und München sind schon da. Wir treffen uns in der Scharnhorststr. 121, im Institut für Soziologie, voraussichtlich Raum 454, nähere Infos gibts im Foyer. Es ist auch möglich zu den einzelnen Veranstaltungen zu kommen. Das Programm findet sich auf der Tagungsseite.
Bis später!

Hat der Vorsitzende der Kultusminister-Konferenz plagiiert?

Spiegel Online, 06.07.2011:

„Der niedersächsische Kultusminister und derzeitige Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Bernd Althusmann (CDU), soll nach einem Bericht der Wochenzeitung „Zeit“ beim Verfassen seiner Doktorarbeit gegen wissenschaftliche Regeln verstoßen haben.“

Das müsste nach unseren Zählungen nun der sechste zehnte prominente Politiker aus den die Regierung stellenden Parteien CDU, CSU und FDP sein, dem vorgeworfen wird, bei der Doktorarbeit plagiiert zu haben: (mehr…)

UN fordert von Deutschland Studiengebühren bundesweit abzuschaffen

Von Olaf Götze

UN fordert von Deutschland Studiengebühren bundesweit abzuschaffen – Bundesregierung zögerte Bericht hinaus

UN Sozialplakat pngRegelmäßig haben die Staaten, welche den UN-Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (kurz UN-Sozialpakt) unterzeichnet haben, gegenüber einem UN-Ausschuss zu berichten. Ursprünglich sollte der Bericht Deutschlands bereits am 30.06.2006 vorgelegt werden. Der UN-Ausschuss musste die Bundesrepublik mehrmals ermahnen, den 5-Jahresbericht endlich einzureichen. Im September 2008 war es dann endlich soweit und mittlerweile ist der Bericht öffentlich, ebenso wie der Report des UN-Auschuss zur Überwachung des Sozialpaktes. (mehr…)




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