Schulfrieden? – Grabesruhe!

Pressemeldung von Attac Köln zum „Schulpolitischen Konsens für Nordrhein-Westfalen“

Schulfrieden? – Grabesruhe!

Quer durch die Republik, von „Welt“ bis „Süddeutsche“ jubeln die Medien über den „Schulfrieden“, der in NRW mit der Einführung der Sekundarschule nun endlich erreicht sei.

Was aber ist wirklich passiert? Als Gegenleistung für – im internationalen Vergleich gesehen – geringfügige Fortschritte in der Schulstrukturfrage hat sich die rot-grüne NRW-Regierungskoalition bereitwillig dazu hergegeben, die noch aus dem 19. Jahrhundert stammende und außerhalb Deutschlands weltweit längst überwundene Vielgliedrigkeit des Schulwesens für die nächsten 12 Jahre nicht nur beizubehalten, sondern auch noch mit Verfassungsrang abzusichern.

Durchgesetzt haben sich damit die – vor allem in der CDU – landesweit starken Kräfte, die Selektion an den Schulen als „chancengerecht“ deklarieren und es offenbar völlig korrekt finden, dass das gegliederte Schulsystem Jahr für Jahr etwa 70.000 Jugendliche ohne Hauptschulabschluss und damit zu großen Anteilen in die Perspektivlosigkeit entlässt. Angesichts dieses Versagens der schulischen Vielgliedrigkeit müsste es nun endlich um konsequent gemeinsames Lernen und um intensive individuelle Förderung gehen.

Die bescheidenen Verbesserungen durch die Einführung der Sekundarschule helfen da kaum weiter – vor allem nicht vor dem Hintergrund der weiterhin vielfach gegliederten Schulumgebung, die den Zugang zum Abitur immer noch in hohem Maße nur durch die Filter sozialer Auslese ermöglicht.

So wurden nun mit dem vielbejubelten „Schulfrieden“ die Hoffnungen, die sich angesichts internationaler Schulentwicklung und -erfolge sowie auch der ernsthaften Diskussionen und Empfehlungen der NRW-Bildungskonferenz einstellten, nicht nur massiv enttäuscht, sondern geradezu verfassungsrechtlich beerdigt.

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