Angriffsziel der Rassisten in Norwegen und Deutschland: Arbeiterjugend

Wir verweisen auf einen Artikel von Horst Hilse

„In der Nacht vom 26. auf den 27. Juni wurde in Berlin u.a. auch das Heim der Sozialistischen Jugend Deutschlands – die Falken von braunen Terroristen vollständig niedergebrannt. In dem Heim hielten sich glücklicherweise zum Anschlagszeitpunkt keine Personen auf.
Die Ausrüstung für das geplante Sommerlager ging aber in Flammen auf. Es ist ein traditionelles Sommerlager der Falkenbewegung, wie es auch in Norwegen stattfand.“

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24 Antworten auf „Angriffsziel der Rassisten in Norwegen und Deutschland: Arbeiterjugend“


  1. 1 Herbert Wehner 28. Juli 2011 um 22:26 Uhr

    Ich habe zu dem Artikel mal ein paar Fragen, die nicht rhetorisch gemeint sind, sondern gestellt werden um den Artikel und die in ihm behandelten Thesen zu verstehen. Vielleicht kann sie der Einsteller hier ja auch beantworten.

    1.) Mir ist nicht ganz klar, warum das Ziel der hier „Rechtsterroristen“ genannten Personen dezidiert die Arbeiterjugend als solche sein soll. Ich würde es zunächst mal als einen politischen, vorbehaltslos als terroristisch zu bezeichnenden Kampf von Faschisten gegen Angehörige von sozialdemokratischen, meinetwegen auch linken oder antifaschistischen Jugendorganisationen sehen. Auch die Faschisten und, nehmen wir als Beispiel und auf Deutschland bezogen die NPD, fischen politisch in erster Linie im Lager des Arbeitermillieus, da hier der gesellschaftlich gesehen eher geringere Bildungsgrad für ihre dumpfen Parolen einen günstigeren Nährboden bereithält als es in Akademikerkreisen der Fall wäre. Wie kann man also zwanglos die These einer Frontstellung von Breivik und Konsorten gegen die Arbeiterjugend im Allgemeinen (das suggeriert die Überschrift, sonst müsste es ja „linke“ Arbeiterjugend heißen) halten ?

    2.) Haben die beiden Vorfälle in irgendeiner Art und Weise eine engere inhaltliche oder personelle Verknüpfung (die über die Tatsache, dass beide Male Faschisten am Werk waren hinausgeht), oder handelt es sich um einen puren zeitlichen Zufall ?

    3.) Wieso zum Geier heißt der Verein ausgerechnet „Falkenbewegung“ ? Da kommen mir vor dem Hintergrund der amerikanischen Politik ganz üble Assoziationen. Was ist der Grund für die Namenswahl und gab es dazu schon mal Diskussionen ?

  2. 2 Andreas 29. Juli 2011 um 10:46 Uhr

    Hallo Herbert,

    1.es handelt sich bei den Anschlägen auf die Schwesterorganisationen sowohl um sozialdemokratische, als auch um Organisationen aus den Reihen der Arbeiterbewegung. Man kann beides betonen. Warum hier – im Blog für studierende Arbeiterkinder – der Bezug zur Arbeiterbewegung thematisiert wird, liegt auf der Hand. Ob sich dezidiert die Angriffe gegen Arbeiterjugendliche wendeten oder ob das nur ein Kollateralschaden war, da doch eigentliche linke bzw. sozialdemokratische Jugendliche gemeint waren, das wäre in einer Diskussion herauszuarbeiten. Fakt ist: es sind Organisationen der Arbeiterjugend. Dass Faschisten oder die NPD vorwiegend im Arbeitermilieu fischen aufgrund des „niedrigen Bildungsgrades“, ist eine gewagte These. Denn spätestens hier zeigt sich, wie problematisch ein am staatlichen Bildungssystem orientierter Bildungsbegriff ist. Zwar haben Jugendliche mit einer Herkunft aus der Arbeiterschicht im Durchschnitt geringere Bildungsabschlüsse als die Mittelschicht. Das heißt aber nicht, dass sie dadurch anfälliger sind für faschistische Propaganda. Deklassierungsängste der Mittelschicht sind hier wahrscheinlich ein fruchtbareres Feld und wirken stärker als Schul- und Bücherwissen, welches ja immer stärker instrumentalisiert wird für die eigene Karriere. Breivik selber hatte auch keine Herkunft aus der Arbeiterschicht. Sein biologischer Vater war Diplomat, sein Stiefvater Armee-Offizier.
    2. Ich hoffe, dass es keine personelle Verknüpfungen zwischen den beiden Angriffen gibt.
    3. „Die Falken“ wurden 1904 gegründet. Ich weiß nicht, ob zu diesem Zeitpunkt schon die Hardliner der us-amerikanischen Politik schon mit „Falken“ bezeichnet wurden.

  3. 3 bigmouth 29. Juli 2011 um 10:53 Uhr

    Ob sich dezidiert die Angriffe gegen Arbeiterjugendliche wendeten oder ob das nur ein Kollateralschaden war, da doch eigentliche linke bzw. sozialdemokratische Jugendliche gemeint waren, das wäre in einer Diskussion herauszuarbeiten.

    da braucht es keien diskussion, die idee ist einfach schwachsinnig. der hat die angegriffen, weil er die norweg. sozialdemokratie für die wegbereiter des multikulturalismus hält, und die insel perfekt für ein massaker war

    mal abgesehen davon: meinst du wirklich, die „arbeiterjugend“ in norwegen ist wirklich eine, und das ist mehr als ein traditioneller name?

  4. 4 bigmouth 29. Juli 2011 um 10:54 Uhr

    seine mutter war krankenschwester. und nu?

  5. 5 Andreas 29. Juli 2011 um 11:15 Uhr

    @ bigmouth,

    du machst es dir zu einfach. Z.B. übergehst du die Frage, warum eine Arbeiterjugendorganisation einen sozialistischen Anspruch hat. Du entkoppelst beides.

    Für die Herkunft ist nicht der geringste Bildungsgrad oder das geringste Einkommen der Eltern wichtig, sondern das Höchste. Wenn ein Elternteil nur 5, das andere aber 2000 Bücher hat, dann stehen 2005 Bücher im Regal. Wenn ein Elternteil studiert hat und das andere nicht, dann kann das Kind seine Fragen bezüglich des Studiums an das studierte Elternteil richten. Wenn das eine Elternteil nur ein Einkommen von 500 Euro hat, das andere Elternteil ein Einkommen von 12000 Euro monatlich, dann wächst das Kind trotzdem in gut situierten Verhältnissen auf.

  6. 6 Pik Sieben 29. Juli 2011 um 11:29 Uhr

    Kannst du vielleicht einfach mal zur Kenntnis nehmen, was der Zweck von dem Breivik war und merkst du nicht – da hat bigmouth recht – dass du mit deiner „ich sehe die welt durch die Arbeiterkinderbrille“ Tour den Gegenstand einfach nicht greifen kannst.

    JA, der Typ IST eben auch Arbeiterkind und JA, Arbeiterkinder finden die Thesen aus der „islamkritischen Szene“ nachvollziehbar. Die sind eben erst mal Patrioten bevor sie Arbeiterkinder sind, beides hat jedenfalls miteinander nix zu tun. Das eine ist eine politische Beurteilung und das andere eine Tatsache. Aus letzterer folgt notwendig gar nichts. Wie auch?

  7. 7 Pik Sieben 29. Juli 2011 um 11:30 Uhr
  8. 8 bigmouth 29. Juli 2011 um 11:46 Uhr

    „Arbeiterjugendorganisation“ – dass die überhaupt eine sind in norwegen 2011, wäre auch mal darzulegen. die sozialdemokraten regieren da seit jahrzehnten. im STERN las es sich eher so, als dass dort die zukünftige parteielite herangezogen wird.

    norwegen ist mit das reichste land europas, und hat eine erheblich gleichere vermögensverteilung als zB deutschland, mit nem anderen schulsystem. dass deine arbeiterkindthesen für norwegen überhaupt zutreffen,ist erst mal auch ne gewagte annahme

    mal abgesehen davon, dass es 0 hinweise gibt, dass das alles breivik interessiert hätte!

  9. 9 Andreas 29. Juli 2011 um 11:53 Uhr

    Okay, dann nehmt mal bitte Breiviks Manifest zur Kenntnis. Aus der Einleitung:

    „The parallels between the old, economic Marxism and cultural Marxism are evident. Cultural Marxism, or Political Correctness, shares with classical Marxism the vision of a “classless society,” i.e., a society not merely of equal opportunity, but equal condition. Since that vision contradicts human nature – because people are different, they end up unequal, regardless of the starting point – society will not accord with it unless forced. So, under both variants of Marxism, it is forced. This is the first major parallel between classical and cultural Marxism: both are totalitarian ideologies. The totalitarian nature of Political Correctness can be seen on campuses where “PC” has taken over the college: freedom of speech, of the press, and even of thought are all eliminated.

    The second major parallel is that both classical, economic Marxism and cultural Marxism have single-factor explanations of history. Classical Marxism argues that all of history was determined by ownership of the means of production. Cultural Marxism says that history is wholly explained by which groups – defined by sex, race, religion and sexual normality or abnormality – have power over which other groups.

    The third parallel is that both varieties of Marxism declare certain groups virtuous and others evil a priori, that is, without regard for the actual behaviour of individuals. Classical Marxism defines workers and peasants as virtuous and the bourgeoisie (the middle class) and other owners of capital as evil. Cultural Marxism defines all minorities, what they see as the victims; Muslims, Feminist women, homosexuals and some additional minority groups as virtuous and they view ethnic Christian European men as evil. (Cultural Marxism does not recognise the existence of non-Feminist women, and defines Muslims, Asians and Africans who reject Political Correctness as evil, just like native Christian or even atheist Europeans.).

    The fourth parallel is in means: expropriation. Economic Marxists, where they obtained power, expropriated the property of the bourgeoisie and handed it to the state, as the “representative” of the workers and the peasants. Cultural Marxists, when they gain power (including through our own government), lay penalties on native European men and others who disagree with them and give privileges to the ”victim” groups they favour. Affirmative action is an example.

    Finally, both varieties of Marxists employ a method of analysis designed to show the correctness of their ideology in every situation. For classical Marxists, the analysis is economic. For cultural Marxists, the analysis is linguistic: deconstruction. Deconstruction “proves” that any “text,” past or present, illustrates the oppression of Muslims, women, homosexuals, etc. by reading that meaning into words of the text (regardless of their actual meaning). Both methods are, of course, phony analyses that twist the evidence to fit preordained conclusions, but they lend a ‘scientific” air to the ideology.

    These parallels are neither remarkable nor coincidental. They exist because Political Correctness is directly derived from classical Marxism, and is in fact a variant of Marxism. Through most of the history of Marxism, cultural Marxists were “read out” of the movement by classical, economic Marxists. Today, with economic Marxism dead, cultural Marxism has filled its shoes. The medium has changed, but the message is the same: a society of radical egalitarianism enforced by the power of the state.“

  10. 10 Andreas 29. Juli 2011 um 11:54 Uhr

    Es dürfte deutlich werden, wo sich Breivik – entsprechend seiner Herkunft – verortet.

  11. 11 bigmouth 29. Juli 2011 um 12:15 Uhr

    mal abgesehen davon, dass er das kopierte von William Lind kopiert hat – was belegt das denn nun? hat sich Breivik um den klassischen Marxismus geschert? Schreibt er irgendwo im Manifest, dass die Arbeiter wieder eine schlechtere Stellung einnehmen sollten?

  12. 12 bigmouth 29. Juli 2011 um 12:17 Uhr

    ja, der hat die angegriffen, weil sie Sozialdemokraten und für ihn marxisten waren. Ihre gesellschaftliche Stellung hat ihn dabei aber gar nicht interessiert. Tatsächlich beklagt er sich ja über die hedonistischen Mittelschichtswerte seines engeren Freundeskreises.

  13. 13 bigmouth 29. Juli 2011 um 12:29 Uhr

    das ist etwa so, als hießen die jusos in deutschland nach 80 jahren tradition immer noch irgend etwas mit „arbeiter“ im namen, und du würdest daraus schließen, wenn jemand ide jusos angriffe, würde derjenige spezifisch auf arbeiter zielen

  14. 14 Andreas 29. Juli 2011 um 12:32 Uhr

    Mal abgesehen davon, dass Breivik sein gesamtes Manifest abgekupfert hat (die Passagen zum „Cultural Marxism“ sind nicht nur von Lind, sondern auch von ‚Gerald L. Atkinson): er macht sie sich zu eigen und hält es zum Teil nicht mal für nötig, die Quellen zu nennen.

    Wenn du den Text liest, dann wirst du feststellen, dass Breivik am „Kulturellen Marxismus“ kritisiert, dass es ein Marxismus ist, dass er mit dem „Ökonomischen Marxismus“ wesentliche Aspekte teilt, nämlich die Utopie einer egalitären Gesellschaft. Breivik schreibt doch sehr deutlich, dass der Marxismus die Mittelschicht zum Feind erklärt habe.

  15. 15 Esra 29. Juli 2011 um 12:49 Uhr

    Da sind aber einige Interessenvertreter peinlichst bemüht, die sozio-ökonomischen Dimensionen vehement aus den notwendigen Analysen und Kausalzusammenhängen zu verbannen. Gerade Akademiker und Akademikerkinder, genauso auch Aufsteiger, sind ja die großen Künstler in realitätsverdrehenden und staatstragenden Annahmen. Dabei sind die sozio-ökonomischen Dimensionen und Ursachen nach wie vor der entscheidendste Erklärungsansatz, gesellschaftliche Prozesse zu erfassen und zu erklären. Die breiten Extremismus-Vorstellungen multiplizieren auch immer wieder effektiv das Gerücht, verwahrloste, bildungsferne und damit ungebildete Menschen seien für abstruse und menschenfeindliche Weltbilder überproportional empfänglicher als gebildete. Aber gerade hier lohnt sich eine tiefere und ernstere Auseinandersetzung, da die Lebenswirklichkeiten dermaßen abgetrennt sind, dass die einen denken, es gebe aufgrund der propagierten Chancengleichheit und rechtlichen Zugangsbedingungen, keine sozialen Ausgrenzungen und Unterschiede mehr, und wenn, dann nur selbstverschuldete, weil die Betroffenen es nicht raffen, den geforderten Habitus, die Sprache und die Neigungen der legitimen Kultur und vor allem das Einkommen vorzuweisen. Demgegenüber die Prekären, strukturell von jeglichen demokratischen, mitbestimmenden und mündigen Prozessen längst ausgeschlossen sind, und gelegentlich gut herhalten, die gesellschaftlichen Verrohrungen zu verantworten. Nein, bevor der Vorwurf kommt! Die Welt ist ganz und gar nicht nur schwarz-weiß. Die hegemonialen Debatten werden einseitig bestimmt und geführt, und die, die dabei die Richtung angeben, kommen nicht von unten, erst recht nicht von ganz unten. Wenn rechtlich und staatlich bereits auf schleichende subtile Art und Weise die ersten eugenischen Maßnahmen eingeführt wurden, die Unterschicht mithilfe finanzieller Sanktionen auszurotten, und die Mittelschicht mithilfe finanzieller Anreize zu züchten, dann verwundert es eben nicht, dass unethische Abscheulichkeiten längst zu offenen und dynamischen Selbstverständlichkeiten herangewachsen sind.
    Aber Wohlstandskinder, die niemals materielle Überlebensängste hatten, sind ja hinlänglich bekannt für Ignoranz und verzerrte Realitätswahrnehmung. Und mit unbequemen Tatsachen sollte man sie auch nicht konfrontieren, sonst bricht die heile Welt zusammen. Und siehe da, die Probleme von gestern, sind immer noch die Probleme von heute. Klassenkampf wird aber schön staatlich unterdrückt mit Medien, Entertainment und Desinformation…

    Um auf den Rassisten in Norwegen zurückzukommen, er verkörpert eben diese entstandene Kultur des neuen rabiaten Sozialdarwinismus‘, Nationalismus‘ und Kulturkrieges, die im Westen nicht zufällig Einzug gehalten hat. Der Stellvertreter ist dabei ganz und gar nicht dumm oder wirr, wie man ihn gerne sehen würde. Im Gegenteil. Wer 1500 Seiten konsequent und analytisch zu Ende denkt und schreibt, dem sollte man mehr zutrauen als eine Geisteskrankheit! Und das was er schreibt, ist nicht Geringeres als diese eine freie Meinung und die fixe Idee, nach der alle hysterisch schreien (vgl. Sarrazin-Debatte).

  16. 16 bigmouth 29. Juli 2011 um 13:12 Uhr

    Breivik ist reaktionär, keine frage. und der absichtlich linke massakriert. aber dass er absichtlich auf arbeiterkinder gezielt hätte, steht als these auf sehr wackligen beinen, und rekurriert eigentlich nur auf den namen der organisation

    außerdem hast du meines erachtens zu wenig einblick in die norwegische sozialstruktur. oder kannst du darüber urteilen, wer in norwegen zu welcher politischen richtung tendiert?

    außerdem ist die argumentation „Breivik war mittelschicht und deshalb reaktionär“ einfach nicht besonders gut:

    My parents were not politically active but supported the policies of the Norwegian Labour
    Party which was common for most individuals working in the public sector. My stepfather,
    Tore, was a moderately right wing while my stepmother, Tove, was a moderate cultural
    Marxist and feminist. My mom, Wenche, was an apolitical moderate feminist.

    er selbst fasst es als „super-liberal, matriarchal upbringing“ zusammen

  17. 17 Andreas 29. Juli 2011 um 13:15 Uhr

    Es geht um den Habitus.

  18. 18 Andreas 29. Juli 2011 um 14:31 Uhr

    Oder ausführlicher gesagt:

    Breivik ist kein Amokläufer, aber er teilt mit den Amokläufern das Merkmal, aus der Mittelschicht zu kommen und ein Mann zu sein. Wir können nicht immer wieder aufs Neue verschweigen, dass die Herkunft aus der Mittelschicht ein typisches Merkmal ist für Amokläufer oder für Täter wie Breivik.

    Zum anderen verwundert es schon, dass reflexhaft beteuert wird, dass die soziale Herkunft weder bei den Tätern noch bei den Opfern eine Rolle spielen darf. Wenn ein Mann ein feministisches Camp angegriffen hätte, würde es in der Analyse sehr wohl eine Rolle spielen, dass der Angreifer ein Mann war. Wenn ein Weißer ein antirassistisches Camp angreifen würde, dann würde thematisiert, dass der Angreifer ein Weißer war. Wenn aber ein Camp der sozialistischen Jugendorganisation von jemanden angegriffen wurde, der in ökonomisch-privilegierten Verhältnissen aufgewachsen ist, dann wird diese Thematisierung als „schwachsinnig“ bezeichnet.

  19. 19 bigmouth 29. Juli 2011 um 14:36 Uhr

    du könntest ja mal probieren, rauszufinden, ob die leute da im camp tatsächlich in der breite ökonomisch deutlich weniger privilegiert waren als Breivik. denn bis jetzt stützt sich deine annahme auf den namen der organisation, der von 1927 stammt.

    und wegen „täter aus der mittelschicht“: je nachdem, wie man die ansetzt, sind da ja gut 70% der bevölkerung drin.

    übrigens waren auch alle diese leute im schützenverein – ein weitaus spezifischeres, also vielleicht deswegen wichtigeres merkmal. vielleicht haben leute ohne geld einfach seltener waffen durch ihre eltern in reichweite, und können daher gar nicht amok laufen?

  20. 20 Andreas 29. Juli 2011 um 14:48 Uhr

    Das Merkmal „Schützenverein“ und meinetwegen auch „Computerspiele“ hört man allerdings in den Analysen sehr viel häufiger als „gut situierte Herkunft“, über die nicht 70% der Bevölkerung verfügen.

    Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass über die soziale Herkunft in Jugendorganisation keine Statistiken geführt werden, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Dass es diese Statistiken nicht gibt, hat damit zu tun, dass die soziale Herkunft als Merkmal ignoriert wird, obwohl es sehr wirkmächtig ist, gerade auch durch diese Unsichtbarmachung.

  21. 21 Oliver 29. Juli 2011 um 15:52 Uhr

    2 Anmerkungen:

    Dieses Argument von Esra lasse ich nicht gelten: „Wer 1500 Seiten konsequent und analytisch zu Ende denkt und schreibt, dem sollte man mehr zutrauen als eine Geisteskrankheit.“ Breivik hat sie nicht selbst geschrieben, sondern kopiert. Er ist ein Plagiator. Inwieweit er sie überhupt durchdacht hat, lät sich kaum ermessen. Das finde ich den Hinweis von Marx, nicht allein auf die Ideologie der Menschen zu schauen, sondern auf ihre Praxis schon wichtig. Und zu Breviks Praxis gehörte
    die militärstrategischen Computerspiele und der Schützenverein. Seine Schichtzugehörigkeit mag auch etwas über seine Praxis aussagen, es fragt sich nur im weiteren: „Was konkret?“

    Schichtzugehörigkeit (meinetwegen auch Klassenzugehörigkeit) wird nicht notwenidgerweise an sich etwas über die Anfälligkeit für faschistoide Mentalitäten und Ideologien aussagen. In Münster z.B. war die Universität damals einer der großer Vorreiter für die faschistische Ideologie und damals entstammten die Akademiker nur zu einem geringen Anteil aus der Arbeiterschicht. Für die dt. NPD von heute aber gibt es zumindest eine empirische Untersuchung (über weitere Funde oder fundierte Kritik an der Studie würde ich mich freuen ):
    http://www.bpb.de/themen/ZMQY7O,0,Wer_w%E4hlt_rechtsextremistisch.html

    Sie stützt Herbert Wehners These oben, das die NPD zumindest heute in erster Linie ihre Wählerschaft aus der Arbeiterschicht fischt (rekrutiert).

  22. 22 bigmouth 29. Juli 2011 um 15:55 Uhr

    aber was ist denn mit der frage „vielleicht haben leute [aus familien ] ohne geld einfach seltener waffen durch ihre eltern [oder aus eigenem taschengeld] in reichweite, und können daher gar nicht amok laufen?“

  23. 23 Pik Sieben 29. Juli 2011 um 17:49 Uhr

    Der hat die abgeschlachtet, weil er sie für volkszersetzende Marxisten hielt und nicht, ob es Arbeiterkinder waren oder nicht. Nimm doch seine Anmerkungen und die von bigmouth erst mal ernst, statt nur ewig und drei Tage dasselbe mantra vor dich herzubrabbeln.

    Rechte wie der haben gegen Arbeiter(kinder) überhaupt nichts, solange sie ihren Arbeits- und Soldatendienst brav absolvieren und sich so für die Nation aufopfern. Für solche Arbeiter haben Rechte sogar dicke Prämien und Preise parat.

  24. 24 Esra 29. Juli 2011 um 20:31 Uhr

    Nur weil die Opfer selbst nicht aus dem sogenannten Arbeitermilieu stammen, heißt es nicht, dass die kapitalistisch-sozialdarwinistische Ideologie des rechten Massenmörders nicht auch mit sozialen Wertungslinien und Herabsetzungen von ganzen Ethnien behaftet ist. Solange sie notwendig sind, sind leistungsfähige Arbeiter höchstens Ausbeutungsmittel für das höhere gesellschaftliche Ziel. In der wiedererwachten rechten Ideologie, an der sich PI bis Antideutsch gleichermaßen bedienen, geht es doch schlicht darum, die Menschen, die der kulturell-westlichen Ethnie angehören, weiter vor dem Rest der Welt abzugrenzen, um sie in ihren Vorrechten und Privilegien weiter zu stärken, mindestens aber zu sichern. Dass es in den hiesigen Gesellschaften zufällig der Islam ist, der als Feind in Frage kommt, ist pures Kalkül. Darunter lässt sich schon mal (europaweit) eine große Masse Deklassierter und ökonomisch Nutzloser wohlgemerkt aus dem Arbeitermilieu, in die politisch inkorrekte Kategorie überflüssiger Mensch subsumieren. Die negativen Statistiken (hauptsächlich Kriminalitätsrate, Arbeitslosigkeit) um diese Migrantengruppen (in der Volkswirtschaftsbilanz verzichtbare, negative Kostenfresser) bestärken dann das Feuer dieser Ideologie der freien Denker.
    Dass unmittelbar nach den Deppenmuslimen, barbarischen Terroristen und parasitären Zivilisationsfeinden, die nächsten gesellschaftlichen Zielgruppen der Unproduktiven, Leistungsunwilligen und Überflüssigen an der Reihe des vom Neoliberalismus‘ angestachelten Weltbildes stehen, ist nur mehr eine logische Konsequenz. Menschen sind in dieser recht neuen Patchwork-Ideologie nicht mehr als Mittel zum Zweck von mal utilitaristischen, mal sozialdarwinistischen, aber immer auf Vergleich und Wettbewerb getrimmten Zielen. Ja, Menschen degradieren zu bloßen Versuchskanninchen, an deren Produktivität und Perfektion weiter gesellschaftlich, politisch gefeilt und vor allem aber ihre Möglichkeiten wissenschaftlich erforscht und erprobt werden.
    In den gesellschaftlich-virtuellen Nebenschauplätzen tummeln sich die freiheitsliebenden Individuen und sammeln als Hobbyempiriker eifrig alle möglichen Beweise und Belege zusammen, nur um das genetische und instrinsische Böse im Wesen des zunächst größten, bedrohlichen Fremdkörpers „Moslem“ mit glaubwürdigem Material zu belegen. Damit wurden im ersten Schritt schon mal erfolgreich Tabus gebrochen, Menschen aus ihren gedanklichen Fesseln emanzipiert und das gesellschaftliche Unbehagen als Trieb wunderbar befriedigt.

    Diese Ideologie hat die NPD mit Höchstgeschwindigkeit und ihren suspekten menschenverachtenden Ideen schon längst überholt und möchte möglichst schnell und bald alles Lebendige an die Wand fahren, um bloß nicht, die globalen Probleme anzutasten und die herrschenden Ungleichheiten zu überwinden. Denn dann könnte vieles gleichzeitig in sich zusammenbrechen, angefangen von der globalpolitisch geschützten und völkerrechtlich forcierten Unmenschlichkeit, die tagtäglich strukturell geübt und von verantwortlichen Mächten erfolgreich verdrängt wird.

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