Slutwalk: „Gegen Sexismus, Trans-, Homo- und Queerphobie, Rassismus und Klassismus“

Von Andreas Kemper

Wie wir berichteten, findet am Samstag, 13.08.2011, in verschiedenen Städten Deutschlands der erste „Slutwalk“ statt. Ausgelöst wurden diese Slutwalks durch Kleidungsempfehlungen eines männlichen Polizisten zur Vergewaltigungsvermeidung. Mit den Slutwalks soll betont werden, dass es nicht die Kleidung ist, die einen Mann zu einem Vergewaltiger macht und dass jede_r so rumlaufen kann, wie er_sie es möchte. Die Slutwalks gehören zu den wenigen Events, die auch Klassismus kritisieren. In der „Jungen Welt“ wurde betont, dass dies nicht „marxistisch“ sei. Sie meinten wohl, es sei nicht „dogmatisch-marxistisch“, also marxistisch in dem Sinne von dem Marx sich einmal abgegrenzt haben soll, als er in einer Veranstaltung betonte, er sei kein Marxist. Wie dem auch sei, im Aufruf von SlutWalk Berlin („Wir stellen uns gegen andere Unterdrückungsmechanismen wie Rassismus, Homo- und Trans* und Queerphobie, weil diese ebenfalls Ursachen sexualisierter Gewalt darstellen.“) findet sich „Klassismus“ nicht als Thema. Vergessen oder bewusste Entscheidung? Daher an dieser Stelle die Kritik am SlutWalk aus einer indischen feministischen Klassenperspektive. In Deutschland stellt sich die Situation anders dar als in Indien, daher finde ich die Slutwalks gut. Dennoch zeigt die Kritik, wie wichtig die Klassenfrage ist. „Schlampig herumlaufen“ hat nicht nur eine sexistische, sondern auch eine klassistische Konnotation (Stichwort Lügenfernsehen, Konstruktion von Bildern der sogenannten „Unterschicht“). Das feministische Lesbenkollektiv „Furees“ hatte vor vierzig Jahren bereits darauf hingewiesen, dass der Unterschied zwischen Slut und sexy vor allem auch klassistisch geprägt ist: Mittelschichtstöchter sind sexy und anständig, während Arbeitertöchter als Sluts gemobbt werden (entsprechend übrigens auch die Männlichkeitszuschreibung: Proll und Macho sind eng miteinander verbunden). Hier noch einmal der Hinweis auf das Audiostück von Magret Steenblock und ClaraRosa: Classism is a Heartbreaker

Weitere Diskussionen zum Thema Klassismus und SlutWalk:
* Was die Katzenberger mit den SlutWalks zu schaffen hat
* Aura Blogando: SlutWalk: A Stroll Through White Supremacy

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1 Antwort auf „Slutwalk: „Gegen Sexismus, Trans-, Homo- und Queerphobie, Rassismus und Klassismus““


  1. 1 Andreas 12. August 2011 um 14:15 Uhr

    Eine ältere Diskussion über den Unterschied von arm und reich und zum „gefährlichen Lebensstil“ armer Frauen. When you’re rich and when you’re poor

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