Beiträge von Administrator

Aufgeschnappt: „Ausbildungsunfähige Jugendliche“

Gunnar Heinsohn zur Frage, warum es in Großbritannien, aber nicht den USA Aufstände gibt:

„Das liegt daran, dass Bill Clinton 1997 ein Gesetz gegen eine schnell zunehmende Jugend, die nicht ausbildungsfähig ist und ihre zahlenden Mitbürger mit Gewalt bedroht, etablierte: Körperlich gesunden Amerikanern kürzte er den bis dahin lebenslangen Rechtsanspruch auf Sozialhilfe auf fünf Jahre.“ Tagesanzeiger: „Das ist kein englisches Problem“, 11.08.2011

Diese eugenischen Forderungen hatte er zuletzt 2010 in mehreren Zeitungen von sich gegeben.

Slutwalk: „Gegen Sexismus, Trans-, Homo- und Queerphobie, Rassismus und Klassismus“

Von Andreas Kemper

Wie wir berichteten, findet am Samstag, 13.08.2011, in verschiedenen Städten Deutschlands der erste „Slutwalk“ statt. Ausgelöst wurden diese Slutwalks durch Kleidungsempfehlungen eines männlichen Polizisten zur Vergewaltigungsvermeidung. Mit den Slutwalks soll betont werden, dass es nicht die Kleidung ist, die einen Mann zu einem Vergewaltiger macht und dass jede_r so rumlaufen kann, wie er_sie es möchte. Die Slutwalks gehören zu den wenigen Events, die auch Klassismus kritisieren. In der „Jungen Welt“ wurde betont, dass dies nicht „marxistisch“ sei. Sie meinten wohl, es sei nicht „dogmatisch-marxistisch“, also marxistisch in dem Sinne von dem Marx sich einmal abgegrenzt haben soll, als er in einer Veranstaltung betonte, er sei kein Marxist. Wie dem auch sei, im Aufruf von SlutWalk Berlin („Wir stellen uns gegen andere Unterdrückungsmechanismen wie Rassismus, Homo- und Trans* und Queerphobie, weil diese ebenfalls Ursachen sexualisierter Gewalt darstellen.“) findet sich „Klassismus“ nicht als Thema. Vergessen oder bewusste Entscheidung? Daher an dieser Stelle die Kritik am SlutWalk aus einer indischen feministischen Klassenperspektive. In Deutschland stellt sich die Situation anders dar als in Indien, daher finde ich die Slutwalks gut. Dennoch zeigt die Kritik, wie wichtig die Klassenfrage ist. „Schlampig herumlaufen“ hat nicht nur eine sexistische, sondern auch eine klassistische Konnotation (Stichwort Lügenfernsehen, Konstruktion von Bildern der sogenannten „Unterschicht“). Das feministische Lesbenkollektiv „Furees“ hatte vor vierzig Jahren bereits darauf hingewiesen, dass der Unterschied zwischen Slut und sexy vor allem auch klassistisch geprägt ist: Mittelschichtstöchter sind sexy und anständig, während Arbeitertöchter als Sluts gemobbt werden (entsprechend übrigens auch die Männlichkeitszuschreibung: Proll und Macho sind eng miteinander verbunden). Hier noch einmal der Hinweis auf das Audiostück von Magret Steenblock und ClaraRosa: Classism is a Heartbreaker

Weitere Diskussionen zum Thema Klassismus und SlutWalk:
* Was die Katzenberger mit den SlutWalks zu schaffen hat
* Aura Blogando: SlutWalk: A Stroll Through White Supremacy

Sachens Kultusminister unter Plagiatsverdacht

Auch Sachsens Kultusminister, Roland Wöller (CDU), wird verdächtigt, Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben zu haben. So berichtet die aktuelle ZEIT-online in dem Artikel „Wissenschaft Tacheles, Herr Doktor!“, dass bereits 2007 darauf hingewiesen wurde, dass Teile der Doktorarbeit von 2002 Teilen einer Magisterarbeit von Bernd Adolph glichen.

Es handelt sich nun um den zweiten Kultusminister, der unter Plagiatsverdacht steht. Nach welchen Kriterien werden eigentlich Kultusminister bestimmt? Und was sagt uns das in Bezug auf Uni-Bluff?

The sad Trouth behind London Riot

Ein Reporterteam hat einen jungen Demonstranten gefragt, ob Randale das richtige Mittel für Protest sei. Seine Antwort:

„Yes,“ said the young man. „You wouldn‘t be talking to me now if we didn‘t riot, would you?“

The TV reporter from Britain’s ITV had no response. So the young man pressed his advantage. „Two months ago we marched to Scotland Yard, more than 2,000 of us, all blacks, and it was peaceful and calm and you know what? Not a word in the press. Last night a bit of rioting and looting and look around you.“

http://worldblog.msnbc.msn.com/_news/2011/08/07/7292281-the-sad-truth-behind-london-riot

Political Correctness im Diskurs

Im gerade neu erschienenen Magazin Migrazine – „magazin von migrantinnen für alle“ ist ein Beitrag zum Thema PC enthalten, auf den wir hinweisen möchten:

Von Katrin Auer

Warum „Political Correctness“ im deutschsprachigen Raum noch nie etwas mit antidiskriminatorischer Sprachpolitik zu tun hatte.

[…]Anfang der 1990er wurde die PC-Debatte in den USA vollkommen von den Neokonservativen dominiert, als sie schließlich Europa erreichte. „Political Correctness“ tauchte also im öffentlichen deutschsprachigen Diskurs auf, nachdem der Begriff bereits eine inhaltliche Bedeutungsverschiebung erfahren hatte und von einem antifeministischen und rassistischen Backlash geprägt war. Auch hier wurde die Bezeichnung „politisch korrekt“ sofort von Rechtsextremen und Konservativen übernommen und ausschließlich als Schimpfwort eingesetzt.[…]

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Die Unterschicht – eine Erfindung der Massenmedien?

Von Carl

Tja, wie fangen ich einen fesselnden Blogeintrag-Anfang an? Keine Ahnung, ich kann diese Dinge nicht gut… denkt euch hier einfach einen spannenden Einstieg.

Jedenfalls kam das Gespräch in diesem Blog in letzter Zeit ein paar mal auf die „Unterschicht“. Ich denke wir sind uns so relativ einig, was man darunter verstehen würde.
Eine Person zum Beispiel, die extrem viele Kinder mit verschiedenen Partnern hat, der das Wohlergehen ihrer Kinder sch…egal ist, die nicht in die Zukunft plant, aggressiv und ständig mit dem Gesetz in Konflikt ist, verantwortungslos und OHNE REUE ist, die würde ich als „Unterschicht“ bezeichnen, wenn sie auch noch ungebildet ist und als „geistige Unterschicht“ wenn sie reich und gebildet ist.
Dann gibt es noch das, was man „migrantische Unterschicht“ nennen würde. Personen, die ihre Tochter umbringen, weil sie sich schminkt oder so. Ganz klischeehaft. (mehr…)

Schulze: Studienberatung muss verstärkt eingehen auf Kultur und Bildungshintergrund junger Menschen

Pressemitteilung des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW 29.07.2011 11:17

3 Mio. Euro für zusätzliche Beratungsangebote für Studieninteressierte

Das Wissenschaftsministerium fördert mit drei Millionen Euro den Ausbau der Studienberatung an den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen. Noch bis zum 19. September können sich Hochschulen in der Trägerschaft des Landes mit einem eigenen Antrag um die Mittel bewerben. „In den nächsten Jahren wird der Bedarf an Beratungs- und Serviceangeboten für Studieninteressierte und Studierende deutlich ansteigen. Zugleich muss zukünftig Studienberatung verstärkt auf den unterschiedlichen kulturellen Hintergrund und den Bildungshintergrund junger Menschen eingehen“, sagte Wissenschaftsministerin Svenja Schulze. „In Zeiten des doppelten Abiturjahrgangs und der sozialen Öffnung der Hochschulen kann gute Studienberatung wesentlich zur Orientierung bei der Studienwahl beitragen und wertvolle Hilfestellung beim Einleben in der Hochschule geben.“ (mehr…)

Oslo: Mit Sarrazin-Argumenten gegen die Arbeiterjugend?

Von Andreas Kemper

Bislang liegen noch keine abgesicherten Fakten vor. Als ich die ersten Meldungen über die Attentate in Oslo las, wurden diese überschwemmt mit ekelhaften rassistischen Kommentaren aus dem islamophoben Lager: „es wird Zeit, dass dir Warnungen vor dem Islam endlich ernstgenommen werden, schmeisst die Muslime raus“. Allmählich verdichten sich die Anzeichen, dass es sich bei den Attentätern nicht um die Al-Qaeda handelt, sondern um einen Norweger mit dem Namen Anders Behring Breivikt, der laut eigener Facebook-Seite ein christlich-konservativer Unternehmer ist. Anders Behring Breivik ist noch nicht überführt, es hat noch keine Gerichtsprozesse gegeben, allerdings haben verschiedene Zeitungen bestätigt, dass er die Person sein soll, die als Polizist verkleidet achtzig Jungsozialisten erschoss. Nach Informationen der VG-Nett soll er anti-islamische Kommentare vor allem im Blog document.no veröffentlicht haben. (mehr…)

Schulfrieden? – Grabesruhe!

Pressemeldung von Attac Köln zum „Schulpolitischen Konsens für Nordrhein-Westfalen“

Schulfrieden? – Grabesruhe!

Quer durch die Republik, von „Welt“ bis „Süddeutsche“ jubeln die Medien über den „Schulfrieden“, der in NRW mit der Einführung der Sekundarschule nun endlich erreicht sei.

Was aber ist wirklich passiert? Als Gegenleistung für – im internationalen Vergleich gesehen – geringfügige Fortschritte in der Schulstrukturfrage hat sich die rot-grüne NRW-Regierungskoalition bereitwillig dazu hergegeben, die noch aus dem 19. Jahrhundert stammende und außerhalb Deutschlands weltweit längst überwundene Vielgliedrigkeit des Schulwesens für die nächsten 12 Jahre nicht nur beizubehalten, sondern auch noch mit Verfassungsrang abzusichern. (mehr…)

Subroutine Todesdrohung

Sarrazins Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ basiert auf dem Erbintelligenz-Paradigma, dem zu Folge sich Intelligenz gruppenspezifisch vererbt. Ob es so etwas wie eine allgemeine Intelligenz überhaupt gibt, ist umstritten. Noch umstrittener sind daher die Annahmen, dass sich allgemeine Intelligenz vererbt, ja sogar gruppenspezifisch vererbt, und das ganze auch noch messbar sei. Aber selbst wenn das alles richtig wäre, hätten wir Laborsitutaionen vor uns und nicht die Wirklichkeit, die Alltagsrealität. Es ist vor allem unsere Gesellschaft, die über unser Denkpotential entscheidet. Herrschaft und Unterdrückung behindern Denkprozesse und zwar auf verschiednen Ebenen. (mehr…)

Diskriminierungsfreie Hochschule – Erster Projektbericht liegt vor

Wir hatten vor anderthalb Jahren interveniert, als die Antidiskriminierungsstelle des Bundes zu Diskriminierung an Hochschulen aufgrund der im AGG genannten Diskriminierungsgründe forschen lassen wollte – also unter Ausschluss des Diskriminierungsmerkmals „Soziale Herkunft“. Im ersten Projektbericht ist die Soziale Herkunft nun enthalten.

„3.2.5 Soziale Herkunft
Ebenso wie das AGG und die Europäischen Richtlinien lassen auch die europäischen und amerikanischen Bundesgesetze den sozioökonomischen Aspekt im Kontext der Antidiskriminierungsgesetze außen vor. Dementsprechend rar sind spezielle Maßnahmen an den Hochschulen, die sich speziell der Herstellung von Chancengleichheit für einkommensschwache Hochschulmitglieder widmen. Auf der Ebene abstrakter Absichtserklärungen kann bei einigen Hochschulen jedoch festgestellt werden, dass der sozioökonomische Aspekt zum Teil gleichberechtigt neben anderen Diskriminierungsmerkmalen oder gesondert Erwähnung findet.“

Peter Nowak: Klassismus – Konzept zur Gesellschaftsveränderung oder zur Mittelstandsförderung?

Hier eine Rezension von Peter Nowak zum Buch „Klassismus. Eine Einführung“: http://peter-nowak-journalist.de/2011/05/31/klassismus/ Peter Nowak kritisiert einen Bedeutungswandel des Begriffs:

„Von der Gesellschaftsveränderung zur Karriereförderung
Die Furies werden in dem Buch als eine Gruppe von Frauen aus der ArbeiterInnenklasse vorgestellt, die eine ganz eindeutig antikapitalistische Zielsetzung verfolgten. Eine andere in dem Buch vorgestellte Gruppe, die Working-Class-Akademikerinnen (WCA), haben mit den Furies die Herkunft gemeinsam. Doch zwischen ihren politischen Intentionen klaffen Welten. Den in den 90er-Jahren gegründeten WCA ging es nicht um die gesellschaftliche Umwälzung, sondern um die gegenseitige Unterstützung bei der Jobsuche im Wissenschaftsapparat.“

Weitere Konferenzen für Working Class/ Poverty Class Academics geplant

Pressemitteilung

Erstmals in Deutschland tagte an der Universität Münster am ersten Juli-Wochenende die 15. Konferenz der Working Class/ Poverty Class Academics (WCPCA). Lehrende, Studierende und an der Hochschule Beschäftigte nichtakademischer Herkunft diskutierten gemeinsam mit US-amerikanischen Kollegen Zustände an Hochschulen, die kulturell, sozial und materiell von Mittel- und Oberschicht dominiert werden. Dort stellten sich Selbstorganisationen von studierenden ArbeiterInnenkindern vor. Probleme der Bildungsbenachteiligung zeigten sich hier in konkreter Deutlichkeit. So wurde berichtet, dass HauptschullehrerInnen sich weigerten, Bildungsgutscheine für Nachhilfeunterricht zu unterzeichnen, auch seien Latinum-Nachweise Bildungsbarrieren für Studierende des Zweiten Bildungsweges. Begabtenförderwerke hätten Sensibilisierungsbedarf für studierende ArbeiterInnenkinder. „Eine kritische Selbstorganisierung von ArbeiterInnenkindern im Bildungssystem ist dringend notwendig“, fasste Tagungsleiter Andreas Kemper zusammen. „Die Zusammenarbeit mit Stiftungen, dem Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) und Universitätsleitungen sollte ausgebaut werden.“ Die 16. internationale WCPCA-Tagung findet 2012 in North Dakota, USA, statt. Konferenzteilnehmer Prof. Jim Vander Putten von der Universität Little Rock, Arkansas, ist hier Ansprechpartner. Da großer Gesprächsbedarf besteht, findet 2012 zusätzlich eine deutschsprachige Tagung statt. Interessierte können sich an das Magazin für studierende ArbeiterInnenkinder „The Dishwasher“ wenden.

Kontaktadressen:
http://dishwasher.blogsport.de
http://wcpca.wordpress.com
http://www.workingclassacademics.org

15. Working Class Academics Tagung

Heute, Freitag, 08.07., gehts los. Um 14 Uhr. Gäste aus Little Rock/ Arkansas und München sind schon da. Wir treffen uns in der Scharnhorststr. 121, im Institut für Soziologie, voraussichtlich Raum 454, nähere Infos gibts im Foyer. Es ist auch möglich zu den einzelnen Veranstaltungen zu kommen. Das Programm findet sich auf der Tagungsseite.
Bis später!

Hat der Vorsitzende der Kultusminister-Konferenz plagiiert?

Spiegel Online, 06.07.2011:

„Der niedersächsische Kultusminister und derzeitige Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Bernd Althusmann (CDU), soll nach einem Bericht der Wochenzeitung „Zeit“ beim Verfassen seiner Doktorarbeit gegen wissenschaftliche Regeln verstoßen haben.“

Das müsste nach unseren Zählungen nun der sechste zehnte prominente Politiker aus den die Regierung stellenden Parteien CDU, CSU und FDP sein, dem vorgeworfen wird, bei der Doktorarbeit plagiiert zu haben: (mehr…)




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